INFOS DES TAGES (SONNTAG, 21. DEZEMBER 2025)
Wiener Staatsoper: Die Bären aus der „Verkauften Braut“ sind los und treiben in der Staatsoper ihr (Un) Wesen
Es gibt Orte, an denen Weihnachten einfach ein bisschen fröhlicher klingt: in unserem heurigen Weihnachtsvideo treiben die Bären aus Die verkaufte Braut zwischen Bühne, Probenräumen, Direktion, Kantine, Theaterkassen und Feststiege zu »Jingle Bells« ihr Unwesen. Eine Erinnerung – nicht nur an die erste Premiere der Saison – sondern auch daran, sich als Opernhaus nicht immer allzu ernst nehmen zu müssen! In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!

Weihnachtsvideo der Wiener Staatsoper

WEIHNACHTSPAKET
Wir kommen nochmals auf Die verkaufte Braut zurück: Diese und 12 weitere Produktionen, wie z.B. Le nozze di Figaro, Rusalka, Madama Butterfly oder das umjubelte Ballett Kallirhoe sind in unserem Weihnachtspaket buchbar – und das natürlich zum Vorteilspreis!
Mit dem mittlerweile schon traditionellen 3er-Kombi-Angebot können Sie drei Abende in der Wiener Staatsoper schenken. Wie es genau funktioniert, sowie alle angebotenen Termine und Informationen finden Sie → hier.
Das Paket ist bis inklusive 31. Dezember online und an den Kassen buchbar. Sollten Sie sich für die Bundestheaterkassen entscheiden, beachten Sie bitte unsere → Öffnungszeiten rund um die Feiertage.
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Zum Wiener „Fidelio: Interview mit Otto Schenk zu seiner – nunmehr abgesetzten – „Fidelio-Inszenierung (gefunden von TTT)
Dauer des Interviews: 12 Minuten

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35 Jahre Schweizer Kulturlandschaft: Michael Haefliger geht neue Wege

Michael Haefliger © Marco Borggreve
Mit dem Abschluss seiner Intendanz endet für Michael Haefliger eine seit 1999 prägende Ära bei Lucerne Festival. Die TV-Dokumentation „Musik im Glück“ würdigt sein Wirken. Nun eröffnet er ein neues Kapitel und wird seine internationale Erfahrung künftig in beratende und strategische Aufgaben weltweit einbringen, unter anderem als Artistic Advisor des Shanghai International Arts Festival.
Wesentliche Impulse seiner Intendanz
Unter seiner Leitung entwickelte sich das Festival zu einem international führenden Forum für klassische und zeitgenössische Musik – getragen von jährlich wechselnden Themenfestivals, neuen Formaten und richtungsweisenden künstlerischen Initiativen.
Zu den markantesten Weichenstellungen gehören:
Gründung des Lucerne Festival Orchestra (2003) mit Claudio Abbado;
Weiterführung ab 2016 unter Riccardo Chailly
Gründung der Lucerne Festival Academy (2004) mit Pierre Boulez;
Fortführung ab 2016 unter Wolfgang Rihm
Lucerne Festival Ark Nova (2013) gemeinsam mit Arata Isozaki und Anish Kapoor mit Aufführungen in Matsushima (2013), Sendai (2014), Fukushima (2015), Tokyo (2017), Luzern (2025)
Neues Vermittlungsformat 40min (ab 2014)
Gründung des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO, 2021)
Gründung von Lucerne Festival Forward (2021), kuratiert von den Contemporary Leaders
Internationale Tourneen des Lucerne Festival Orchestra seit 2005 unter Claudio Abbado und Riccardo Chailly (u.a. nach Rom, Tokyo, Wien, Beijing, Shanghai, New York, Paris, Madrid)
Diese Initiativen prägten die künstlerische Handschrift Haefligers und führten zu nachhaltigen strukturellen Entwicklungen – von der Nachwuchsförderung bis zur zeitgenössischen Musik.
Auszeichnungen & Würdigungen
Für seine Verdienste erhielt Michael Haefliger u. a. den Innerschweizer Kulturpreis und die Ehrennadel der Stadt Luzern. 2025 wurde ihm der Lifetime Achievement Award von der International Society of Performing Arts (ISPA) verliehen.
Der neue Dokumentarfilm „Musik im Glück“ (Regie: Bettina Ehrhardt), der seine Ära bei Lucerne Festival beleuchtet, wird am Sonntag, 25. Januar 2026 erstmals in den „Sternstunden Musik“ (Fernsehen SRF 1) ausgestrahlt.
Aufbruch mit globaler Perspektive: Neue Rolle in Shanghai
Mit Beendigung seiner Intendanz beginnt für Michael Haefliger ein spannender Weg außerhalb der Schweiz. Am 1. Januar 2026 startet seine Tätigkeit als Artistic Advisor des Shanghai International Arts Festival (CSIAF), einem der vielfältigsten und dynamischsten Kulturfestivals der Welt.
Das Festival präsentiert jedes Jahr im Oktober und November über 1’000 Aufführungen aus Theater, Ballett, Oper und symphonischer Musik. „Gemeinsam mit Festivalpräsident Li Ming und seinem engagierten Team freue ich mich darauf, an der zukünftigen künstlerischen Ausrichtung des Shanghai Festival mitzuwirken“, sagt Haefliger.
Seine Beziehung zu China reicht weit zurück: Seit der wegweisenden Residenz mit Claudio Abbado und dem Lucerne Festival Orchestra im NCPA Beijing (2009) sowie den großen Residenzen mit Riccardo Chailly in der Shanghai Symphony Hall (2018 und 2019) ist sein künstlerisches Netzwerk dort stetig gewachsen. „Nach über 35 Jahren im Dienste der Schweizer Kulturlandschaft ist es für mich eine inspirierende Herausforderung, künftig auch zu einem der dynamischsten kulturellen Stadträume der Welt beitragen zu dürfen.“ so Michael Haefliger über seinen neuen Weg.
Weiterführende Informationen : www.pr-alliance.art
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Heinz Sichrovsky in „News“ mit einem Nachruf auf Georg Springer
Adieu, Georg!
Schulden hätte ich abzutragen, in der Währung der Freundschaft, die weder Umstellung noch Entwertung kennt. Als ich Georg Springer zum ersten Mal traf, war ich Gymnasiast und er Jus-Student. Aber wir waren noch etwas anderes: Wir waren Stehplatzler, mit der Staatsoper als Lebensmittelpunkt! Als Springer 1991 an die Spitze des Bundestheaterverbandes berufen wurde, höhnten gleich die Feuilletonpräpotenzler, deren Expertise sich auf die Querlektüre des Opernführers beschränkte: „Der Stehplatzler!“ Aber genau das hat uns sicher in den Beruf geleitet: das in Tausenden Vorstellungen verfestigte Wissen, geschliffen von den Größten der Großen. Springer war hochgeachtet: José Carreras wollte mit ihm 1999 die Volksoper, Neil Shicoff 2010 die Staatsoper übernehmen. Dass er (nicht seine Idee) anno Schüssel die Ausgliederung der Bundestheater in GmbHs exekutieren musste, erweist sich heute als unheilvoll, weil sich die Republik als Subventionsgeber damit aus der finanziellen Verantwortung empfohlen hat. Dass er 2014 wegen eines Burgtheater-Malversationsskandals gehen musste, an dem er so schuldlos war wie Direktor Hartmann: ein Versagen der Politik.
Vor allem aber war er ein inspirierender, höchstqualifizierter Kulturmensch. Und noch etwas ruht wie ein Lächeln unter Tränen in meiner Erinnerung: seine stupenden Fertigkeiten in der Kunst des Ohrenwackelns, über die sich meine damals kleine Tochter endlos amüsieren konnte, wenn wir einander in der Oper – wo sonst? – begegnet sind.
Entnommen „News“/ Heinz Sichrovsky
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OPER LEIPZIG: Mit Gala und Neujahrskonzert in das neue Jahr
2026 wird die Oper Leipzig ein außergewöhnliches Festival zu Ehren Albert Lortzings ausrichten und zehn weitere Premieren dieser Spielzeit feiern – darunter die mit Spannung erwartete Uraufführung der Oper »Coming up for air«.
Der Januar startet zum Auftakt mit großen Konzerten und Wiederaufnahmen. Gleich am Neujahrstag präsentiert das Ensemble der Oper Leipzig zusammen mit dem Opernchor und dem Gewandhausorchester eine musikalische Reise rund um die Welt in einer Gala mit Klängen von Mozart, Rossini, Lehár und Strauss, sowie Evergreens von Edith Piaf bis Abba, moderiert von Malte Arkona. In der Musikalischen Komödie proben die Nachwuchsdirigentinnen und -dirigenten vom Forum Dirigieren des Deutschen Musikrates für zwei festliche Neujahrskonzerte am 10. und 11. Januar: »Bonjour Paris« wirft mit Operettenkompositionen von Jacques Offenbach einen schwungvollen Blick nach Frankreich. MDR Kultur wird dieses Konzert für das Radio aufnehmen.
Wiederaufnahmen und Dernièren
Am 10. und 25. Januar ist Wagners »Götterdämmerung« in der Inszenierung von Rosamund Gilmore zum letzten Mal zu erleben – unter der musikalischen Leitung von Ulf Schirmer, mit einem hochkarätigen Ensemble und gleich mehreren Rollendebüts. »Der fliegende Holländer« in Regie und Ausstattung von Michiel Dijkema kehrt am 16. Januar auf die Bühne zurück. Wagners romantische Seefahrertragödie bleibt im Repertoire, mit Ivan Repušić am Pult, Ingela Brimberg Senta und Egils Siliņš als Holländer. Lucio Gallo gibt in dieser letzten Spielzeit von Intendant Tobias Wolff noch einmal den Falstaff am 18. Januar. Und die letzte Chance auf Konwitschnys »La Bohème« mit Olena Tokar und Matthias Stier gibt es vorerst am 24. Januar.
Operettenfans dürfen sich am selben Tag auf die Wiederaufnahme der »Fledermaus« freuen: In der Partie der Rosalinde glänzt die Diva der Musikalischen Komödie Friederike Meinke. Passend dazu bietet am 30. Januar der »Rote Teppich« exklusive Einblicke rund um »Die Fledermaus«: Da-yung Cho und Friederike Meinke tauschen sich über Rollen und Alltagsmomente aus.
Previews, Preise und Originale
Am 28. Januar laden die Oper Leipzig und die Musikwissenschaft der Universität Leipzig zu einer Preview der kommenden Uraufführung »Coming Up for Air« von Bernd Franke – ein besonderer Moment zwischen Forschung, Musik und Bühne. Nachwuchstalente aus aller Welt treffen sich am 12. Januar zum öffentlichen Wagner-Wettbewerb in Leipzig. Im Anschluss an das Preisträgerkonzert des Richard-Wagner-Verbandes am 13. Januar lädt Tobias Wolff zur persönlichen Gesprächsrunde in die »AnsprechBar« und stellt die Gewinner:innen vor.
Für das jüngste Publikum startet das neue Jahr mit vier Konzerten »Weißt du, wieviel Sternlein stehen«, einem Babykonzert der Jungen Oper Leipzig in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater Leipzig – und eine liebenswerte Variante im Opernhaus zu den bereits bekannten Babykonzerten der Musikalischen Komödie.
Zwei originelle Januartermine der Oper Leipzig 2026 haben Seltenheitswert: »Quick & Dirty« ist eine Open Stage nicht nur der Ensembles, sondern auch der Menschen, die sonst backstage arbeiten. Am 31. Januar überraschen sie erneut mit musikalischer Spontaneität, Witz und Genuss im Venussaal der Musikalischen Komödie. Und alle zwei Jahre räumt der Fundus ganze Produktionen und bunte Einzelteile in allen Größen und Stilen aus und bietet sie in einer Sonderaktion im Opernhaus zu Vorzugspreisen an: Der Kostümverkauf 2026 der Oper Leipzig findet am 21. Januar 2026, 14 bis 19 Uhr statt.
Die Kartenwünsche können online unter oper-leipzig.de erfüllt werden oder über den Besucherservice der Oper Leipzig Di – Fr 10:00 bis 18:00 Uhr, Sa 12:00 bis 18:00 Uhr, sowohl an der Kasse im Opernhaus als auch telefonisch unter + 49 (0)341-12 61 261.
Die Oper Leipzig steht in der Tradition von über 330 Jahren Musiktheater in Leipzig: 1693 wurde das erste Opernhaus am Brühl als drittes bürgerliches Musiktheater Europas nach Venedig und Hamburg eröffnet. Seit 1840 spielt das weltweit renommierte Gewandhausorchester zu allen Vorstellungen der Oper und des Leipziger Balletts. Neben dem heutigen, 1960 erbauten Opernhaus am Augustusplatz gehört die Musikalische Komödie im Stadtteil Lindenau zur Oper Leipzig, eine Spezialspielstätte für Operette und Musical mit eigenen Ensembles. Der mit über 720 Beschäftigten größte kulturelle Eigenbetrieb der Stadt umfasst insgesamt fünf ihn tragende Säulen: Oper, Musikalische Komödie, Leipziger Ballett, die Sparte der Jungen Oper und Vermittlung 360° und das Handwerk der Kostüm- und Theaterwerkstätten, die für sämtliche städtischen Bühnen produzieren.
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Kobersdorf/ Burgenland: Liebe Freunde der Schloss-Spiele Kobersdorf!

Intendant Wolfgang Böck. Foto: Schloss-Spiele Kobersdorf
Weihnachten steht unmittelbar bevor – eine Zeit der Ruhe, der Vorfreude und des Schenkens. Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um Ihnen herzlich frohe Weihnachten und erholsame Feiertage zu wünschen.
Gleichzeitig blicken wir bereits auf den Sommer 2026 und freuen uns, Ihnen mit der Komödie „Der nackte Wahnsinn“ wieder großes Theatervergnügen bei den Schloss-Spielen Kobersdorf zu bieten.
Wenn Sie sich schon jetzt Ihre Plätze sichern möchten, profitieren Sie noch von unserem 10 % Frühbucherbonus – ideal, um sich rechtzeitig die besten Sitzplätze zu reservieren oder Theaterfreude zu verschenken – Jetzt gleich Online buchen
Apropos Schenken: Unsere Wertgutscheine in individueller Höhe sind ein besonderes Weihnachtsgeschenk und können per E-Mail oder telefonisch bei uns bestellt werden.
Wir bedanken uns herzlich für Ihr Interesse und Ihre Treue und freuen uns darauf, Sie auch im kommenden Jahr bei den Schloss-Spielen Kobersdorf begrüßen zu dürfen.
Herzliche weihnachtliche Grüße
Ihr Team der Schloss-Spiele Kobersdorf
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Musikverein Graz: Presseecho Kammer- und Festkonzert

Foto: Musikverein Graz
Kleine Zeitung, 11.12.2025
Elegante Bläserklänge
Oktett der Wiener Philharmoniker im Congress.
Je zwei Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte und sonst nichts – welche Klangvielfalt sich aus diesen acht Instrumenten erzeugen lässt, bewies das Philharmonische Bläseroktett im Kammermusiksaal. Die Mitglieder der Wiener Philharmoniker starteten mit Johann Nepomuk Hummels Partita in Es-Dur, ein munteres Werk, mit Makellosigkeit in bunten Farben dargeboten. Es folgte Beethovens Sextett in Es-Dur, das schwerer wog und vom dunkleren Beginn bis zur zart verhaltenen Klage im letzten Satz viele raffinierte Details hören ließ. Den Abschluss bildete Mozarts Serenade Nr. 12, eine „Nacht Musique“ der anderen Art. Nicht so heiter wie die berühmte Version für Streichinstrumente, sind hier dramatischere und düstere Momente zu hören, die das Ensemble wirkungsvoll unterstrich und besonders im fein abgestimmten Andante aufhorchen ließ. Wer die Wiener Philharmoniker „komplett“ hören möchte, hat dazu am 22. Mai 2026 in einem Sonderkonzert des Musikvereins unter Riccardo Muti Gelegenheit.
Karin Zehetleitner
Kronen Zeitung, 11.12.2025
Festlich, füllig und farbenfroh
Konzert des Philharmonischen
Bläseroktettss im Grazer Musikverein
Wie sorgte man in Zeiten vor CD und Streaming eigentlich für festliche Stimmung? Zum Beispiel mit „Harmoniemusiken“, also eher leichtherzigen Stücken für Bläser. Drei solcher Werke hat das Philharmonische Bläseroktett aus Mitgliedern der Wiener Philharmoniker für sein Graz-Konzert im Kammermusiksaal des Musikvereins ausgesucht. In der festlichen Es-Dur-Partita von Johann Nepomuk Hummel ist dabei das technische Können der Hauptgenuss. Zwischen plätschernden Paarläufen von Klarinetten, Oboen, Fagotten und Hörnern sitzen die Einsätze, der Klang ist füllig, dennoch schlackenfrei. Dass auch Beethovens Sextett op. 71 nicht das tiefsinnigste Werk ist, machen die Philharmoniker wett, indem sie charmante Details hervorheben: Keppelnde Fagotte, galante Tanzfiguren oder nächtliche Gespenster in Mozarts Serenade Nr. 12 überraschen mit neuen Klangfarben.
Felix Jureček
Kleine Zeitung, 18.12.2025
STEFANIENSAAL GRAZ
Furioser Konzertabend samt rotem Höllenfeuer
Bei einem Konzert des Grazer Musikvereins brillierte Mezzosopranistin Cecilia Bartoli in Glucks „Orfeo“.
Rotes Höllenfeuer, geisterhaft beleuchtete Furien, drohende Posaunenstöße und erbarmungslose Götter – Christoph Willibald Glucks „Orfeo“ war bei einem Konzert des Grazer Musikvereins lebendiger und mitreißender als in vielen szenischen Opernaufführungen. Im Mittelpunkt des emotionalen Wechselbads stand Cecilia Bartoli, deren Orfeo die ganze Bandbreite von fast tonloser Klage über wildes Aufbegehren bis zu verzweifelter Liebe vermittelte. Die Sängerin brachte dieses Werk vor zwei Jahren bei den Pfingstfestspielen in Salzburg mit Regisseur Claus Guth auf die Bühne und entschied sich damals für die einaktige Fassung „Atto d’Orfeo“, die 1769 für Parma entstand und nun auch in Graz gezeigt wurde.
Anlass war damals die Hochzeit von Maria Theresias Tochter Maria Amalia mit Herzog Ferdinand von Bourbon Parma. In der in Graz gezeigten Variante endet die Oper mit dem Tod beider Liebenden, kein Amor taucht auf und wendet alles zum Guten. Durch den tragischen Schluss erhielt das ganze Werk eine tieftraurige Grundstimmung, die Cecilia Bartoli in immer neuen stimmlichen Schattierungen zeigte. Zarteste Töne, die an Intensität den großen Gefühlsausbrüchen nicht nachstanden, stehen der Sängerin ebenso perfekt zu Gebote wie stimmstarke Anklage gegen die Götter, die den Saal fast erbeben lassen. Das Ganze immer mit ungemein abgerundeter, warmer Stimme, die keinerlei Schärfe aufweist.
Unter der Leitung von Gianluca Capuano spielte das Orchester Les Musiciens du Prince – Monaco ebenfalls als gäbe es kein Morgen. Schon die Ouvertüre war von so dramatischer Schärfe, dass der hier angedeutete Tod der Eurydike tatsächlich fühlbar wurde. Man hatte den Eindruck, die Musik bewegte sich in jedem Moment bis zum Anschlag, hart, fordernd, eindringlich und mitreißend. Auch an Lautstärke wurde nicht gespart, da brachen die Töne mitunter wie ein Sturzbach über das Publikum herein.
Als Eurydike und Amor bildete Melissa Petit mit ihrem sanften Sopran eine gelungene Ergänzung zum aufgewühlten Orfeo. Keineswegs nur eine Nebenrolle hatte der Chor Il Canto di Orfeo inne, der Trauergemeinde und Furien gleichermaßen überzeugend sang und spielte. Im Anschluss an das Konzert wurde Cecilia Bartoli die Ehrenmitgliedschaft des Musikvereins verliehen. Sie würdigte die ausgezeichnete Akustik des Stefaniensaals und betonte, dass hier besonders feine Nuancen möglich seien – was sie zuvor eindrucksvoll bewiesen hatte.
Karin Zehetleitner
Kronen Zeitung, 18.12.2025
Ein Star und sein Mythos: Die Bartoli beehrte den Musikverein
Konzert im Grazer Stefaniensaal: Die italienisch-österreichische Mezzosopranistin Cecilia Bartoli sorgte als „Orfeo“ für Furore
Von Monteverdi bis Offenbach, von Jacopo Peri bis Hans Werner Henze, der Orpheus-Mythos hat quer durch die Musikgeschichte für Inspiration gesorgt. Auch der große Opernreformator Gluck hat sich dem Stoff genähert. Seiner Wiener Oper „Orfeo ed Euridice“ aus 1762 hat er ein paar Jahre später eine Überarbeitung für Parma angedeihen lassen, dessen Stimmmaterial jedoch erst seit knapp 10 Jahren zugänglich ist.
Mit diesem „Atto d’Orfeo“ ist Cecilia Bartoli nun auf Tour – und schlug wie ein Meteor in Graz ein. Über die gesanglichen Qualitäten der Bartoli braucht man nicht viele Worte verlieren. Bemerkenswert ist aber, wie sich Jahrzehnte von Bühnenerfahrung bei ihr nicht in glorifizierten Spitzentönen entladen, sondern gerade im stillen „sotto voce“ als Essenz destillieren, prägnant und durchdringend. Da mutiert selbst ein Hit wie „Che farò senza Euridice“ von der Bravourarie zum tränendrückenden Memento.
An ihrer Seite harmonierte Mélissa Petit als Euridice perfekt mit dem dramatischen Gesamtkonzept, das jedenfalls nicht auf Bartoli allein aufbaute. Denn gerade auch das Orchester Les Musiciens du Prince unter Gianluca Capuano und der Chor Il Canto di Orfeo hoben die Darbietung auf ein mitreißendes Niveau. Straffe Tempi und Dynamik satt sorgten für Gänsehaut, dass sich bei Orfeos Höllengang der Boden unter den Stuhlreihen zu öffnen schien.
Auch wenn der Star also die Aufführung an sich war, am meisten Applaus heimste natürlich die Bartoli ein – und dazu auch gleich noch die verdiente Ehrenmitgliedschaft des Musikvereins.
Roland Schwarz
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