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INFOS DES TAGES (SONNTAG, 12. OKTOBER 2025)

11.10.2025 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 12. OKTOBER 2025)

Baden-Baden: Von Pioniergeist beflügelt: Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa stellt das Jahresprogramm 2026 vor.

Mit sieben Festivals durchs Jahr / Zwei inszenierte Opern / Langes Wochenende mit den Berliner Philharmonikern / Acht Tanzcompagnien

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Klaus Mäkelä. Foto: Marco Borggreve

Mit der Vorstellung des Programms 2026 definiert Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa die Richtung, in die er das Festspielhaus in die Zukunft führt: Es wird europäischer, mit neuen Angeboten an ein noch vielfältigeres Publikum.
Die Partnerschaft zur Stadt Baden-Baden bei privat finanziertem künstlerischem Betrieb bewähre sich, so Benedikt Stampa, gerade jetzt: „Damit waren wir von Anfang an Pioniere. Wenn die öffentliche Unterstützung kultureller Einrichtungen unter Spardruck steht, machen sich Unternehmergeist und finanzielle Unabhängigkeit für unser Haus, für die Stadt Baden-Baden und für unser Publikum bezahlt.“

Osterfestspiele: Europa an der Oos

Auf diesem Baden-Badener Weg bleibt es möglich, 2026 neben einer Vielfalt an Veranstaltungen in allen Sparten sieben hochkarätige Festivals anzubieten. Die Osterfestspiele (28.3.-6.4.) finden zum ersten Mal mit neuen Partnern statt: dem Royal Concertgebouw Orchestra aus Amsterdam unter Shooting Star Klaus Mäkelä und dem Mahler Chamber Orchestra unter Joana Mallwitz. Als international einziger Festivalstandort geht Baden-Baden mit dem Amsterdamer Weltklasseorchester eine auf Langfristigkeit angelegte Partnerschaft ein. Sie beginnt bei den Osterfestspielen mit Bachs Matthäus-Passion (30.3.) und Konzerten mit Mahlers Fünfter (1.4.) und Bruckners Achter (2.4.), alle dirigiert von Klaus Mäkelä. Ein Höhepunkt der Osterfestspiele bleibt die szenische Opernproduktion. Joana Mallwitz führt das Mahler Chamber Orchestra, von Claudio Abbado als Treffpunkt für Elitemusiker aus ganz Europa gegründet, in drei Vorstellungen durch Wagners „Lohengrin“ (28.3., 31.3., 5.4.). Johannes Erath inszeniert, mit Piotr Beczała in der Titelrolle und Rachel Willis-Sørensen als Elsa. Nach der Festspielpremiere „Lohengrin“ dirigiert Joana Mallwitz am Karfreitag das „War Requiem“ von Benjamin Britten: „Ich kenne kein anderes Werk, das so klug, einfühlsam, monumental, dabei ohne hohles Pathos das Leid des Krieges und die Hoffnung auf Frieden in Musik fasst“, erklärt Benedikt Stampa seine Entscheidung, dieses unvermindert aktuelle Werk bei den Osterfestspielen 2026 zu präsentieren. „Mit Chor, Kinderchor, Solisten, Sinfonie- und Kammerorchester braucht das ‚War Requiem‘ den großen Rahmen. Wir schaffen ihn bei den Osterfestspielen – mit allen Möglichkeiten, es angemessen aufzuführen“, verspricht der Festspielhausintendant. Das Solistentrio mit Matthias Goerne, Irina Lungu und „Sänger des Jahres“ (Opernwelt) Bogdan Volkov unterstreicht den Anspruch der Aufführung. Damit nicht genug an Sängerglanz bei den Osterfestspielen: Die gefeierte Sopranistin Asmik Grigorian gibt ihr Baden-Badener Debüt mit Liedern von Tschaikowsky und Rachmaninow (4.4.).

Weltstars und neue Wege
Schon vor den Osterfestspielen finden Weltstars den Weg nach Baden-Baden. Jonas Kaufmann eröffnet das Jahr 2026 im festlichen Arienabend mit dem italienischen Bariton Luca Salsi (10.1.), András Schiff ist Solist und Dirigent in Klavierkonzerten von Mozart.

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Techno-Ballet. Foto: Yan Revazov

Als erstes Festival im Jahr wächst Takeover (30.1.-8.2.) weiter mit der Idee, Verbindungen zwischen elektronischer Musik und klassischen Klängen aufzuspüren. Mit dem Berlin Techno Ballet und der São Paulo Dance Company liegt bei Takeover 2026 ein besonderer Akzent auf dem Tanz. Die Compagnie aus Brasilien zeigt Choreografien von Marco Goecke, Nacho Duato und Stephen Shropshire. Die Performance des Berlin Ballet beginnt als Rave mit dem tanzen- den Publikum auf der Bühne – erst nach und nach schälen sich die Profis der Compagnie heraus und tanzen ihre Choreografien mit dem Publikum in ihrer Mitte.

Im Mai wird zum ersten Mal die Göteborgs Operans Danskompani ein Gastspiel in Baden-Baden geben (8.-10.5.) – verbunden mit einem Ticketangebot, das Neugierige und Tanzfans ermuntert, die Vorstellungen vergünstigt mit Freunden oder Familie zu besuchen.
Beim Tanzfestival „The World of John Neumeier“ vom 1. bis 11. Oktober stehen die Neumeier-Ballette „Illusionen – wie Schwanensee“ mit dem Bayerischen Staatsballett und „Der Nussknacker“ mit dem Hamburg Ballett im Zentrum. Die Winterfestspiele (11.-20.12.) bieten die Chance eines zweiten Blicks auf „Schwanensee“, mit Rudolf Nurejews Version des Ballettklassikers, getanzt vom Nationalballett Bratislava.

Opern: Wagner, Puccini, Mozart

Das Opernjahr im Festspielhaus, das mit der Neuinszenierung des „Lohengrin“ bei den Osterfestspielen beginnt, geht mit Wagner weiter: Yannick Nézet- Séguin setzt mit „Siegfried“ seinen konzertanten Baden-Badener „Ring“ fort (26.4.). Das SWR Symphonieorchester unter François-Xavier Roth tritt erstmals bei den Pfingstfestspielen als Opernorchester auf, in einem konzertanten „Rosenkavalier“ (17. und 24.5.). Die Strauss-Oper verspricht ein Wiedersehen mit Publikumsliebling Jonathan Tetelman. Zu den Sommerfestspielen dirigiert Antonio Pappano das London Symphony Orchestra im dritten Aufzug aus Wagners „Tristan und Isolde“, mit Clay Hilley und Sarah Jakubiak in den Titelrollen (5.7.). Die sommerliche Zusammenarbeit mit dem Gstaad Festival geht in die nächste Runde mit Puccinis „La Bohème“ (23.8.). Carolina López Moreno und Benjamin Bernheim singen das Hauptpaar Mimì und Rodolfo. Mit der zweiten inszenierten Oper nach „Lohengrin“ schließt das Opernjahr: Iván Fischer dirigiert und führt Regie in Mozarts „Die Zauberflöte“ (18. und 20.12.).

Langes Wochenende der „Berliner“

Die Berliner Philharmoniker zeigen ihre Verbundenheit mit Baden-Baden an einem langen Konzertwochenende Anfang Dezember. Chefdirigent Kirill Petrenko dirigiert zwei Konzerte, die den „Berlinern“ üppige Gelegenheit bieten, ihre weltberühmte Klangkultur auszuspielen. Am 3.12. steht Ottorino Respighis prächtige „Römische Trilogie“ auf dem Programm. Startenor Jonathan Tetelman bringt mit Opernarien zusätzlich Italianità. Am 4.12. ist Víkingur Ólafsson Solist im ersten Klavierkonzert von Johannes Brahms, vor „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss. In vier weiteren Konzerten setzen die Philharmoniker ihre Baden-Badener Tradition fort, sich kammermusikalisch in philharmonischen Ensembles zu präsentieren. Das berühmteste dieser Ensembles beschließt das Berliner Kurzfestival: Zum Nikolaustag spielen die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker ein Programm von Klassik bis Pop.

Partner binden, Publikum gewinnen

Die Vertiefung künstlerischer Partnerschaften bleibt 2026 ein zentrales Anliegen von Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa – auch jenseits etablierter Festivalpartner wie John Neumeier und Yannick Nézet-Séguin. Daniel Hope beschließt die Sommerfestspiele im Trio mit seinem Streicherkollegen Pinchas Zukerman und Dirigentenlegende Zubin Mehta (12.7.). Zu Silvester kehrt er mit Special Guests zur Gala zurück. Hélène Grimaud erfreut ihre Fans mit Gershwins „Concerto in F“ am Valentinstag, bevor sie bei den Osterfest- spielen in Klavierkonzerten von Brahms und Schumann ihr Festspielhausdebüt in der Doppelfunktion als Solistin und Dirigentin feiert. Ausführlich Gelegenheit gibt es, den jungen Geiger Daniel Lozakovich kennenzulernen, er ist an drei Abenden mit Violinkonzerten von Schumann (7.3.), Bruch (1.4.) und Schostakowitsch (7.11.) in Baden-Baden zu erleben.

Erstmal bietet das Festspielhaus zum Kartenkauf Themenpakete an – angereichert um Seminare, Führungen oder Meet & Greet mit Künstlern. Unter Titeln wie „Wagner intensiv“ oder „Oper für Einsteiger“ richten sie sich an Kenner genauso wie an Neugierige. „Im Moment ist viel von Spaltung die Rede“, beobachtet Benedikt Stampa. „Ich bin überzeugt, es wird in Zukunft noch wichtiger werden, mit Kulturangeboten Orte der Begegnung zu schaffen.“

Baden-Baden biete dafür beste Voraussetzungen: „Mit seiner reichen Tradition, mit dem Festspielhaus, den Museen und seiner weltläufigen Gastfreundlichkeit hat Baden-Baden das Zeug, zur bedeutendsten Festspielstadt Deutschlands zu werden. Wir sind auf gutem Weg!“
Der Vorverkauf startet am Montag, 13. Oktober, 9 Uhr, in der Festspielhaus- App und am Freitag, 20. Oktober 2025, 9 Uhr, im Webshop und den Vorverkaufsstellen.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
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SCHUBERTIADE WIEDEN: „Die schöne Magelone“ Berndt/MacDonald/Picó-Leonís

Do. 16.10.25 | 19:30 Uhr l Haus der Ingenieure
Saisoneröffnungskonzert

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DIE SCHÖNE MAGELONE

TOBIAS BERNDT*, Bariton
ALEJANDRO PICÓ-LEONÍS, Klavier
SONA MACDONALD, Sprecherin

PROGRAMM:

JOHANNES BRAHMS
„Die schöne Magelone“, op. 33

Fünfzehn Romanzen nach Gedichten von Ludwig Tieck (1773-1853)
Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence

*Debüt bei der Schubertiade Wieden

Einlass 19 Uhr – Konzertbeginn 19:30 Uhr

Haus der Ingenieure : Palais Eschenbach, 1010 Wien, Eschenbachgasse 9

Karten bei https://shop.eventjet.at/de/schubertiade-wieden oder an der Abendkassa

ABO 2025/26 – Schubertiade Wieden
Abo-Rabatt -40% | Gilt für alle 10 Konzerte der Saison 2025/26
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Busseto, die Verdi Geburtsstadt widmet nach di Stefano Karajan Bergonzi etc auch Ettore Bastianini einen Gedenkstein

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Ronacher: „Maria Theresia“ – das Musical-Memorial der Kaiserin          10.10.2025

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Nienke Latten als „Maria Theesia“. Foto: Deen van Meer

Wiens Vereinigte Bühnen haben immer wieder in Österreichs Geschichte nach Stoffen für ihre Bühnenshows gesucht. Einen „Mozart“, einen „Schikaneder“, einen „Rudolf“ mit der Affaire Mayerling, eine „Freudiana“ und einiges mehr hatte es dabei freizügig nacherzählt gegeben. Die „Elisabeth“ ist die weit Erfolgreichste gewesen. Christian Struppeck, Musicalchef in Wien, führt nun ins Habsburgerreich des 18.Jahrhunderts und setzt auf „Maria Theresia“ als flirrendes Musical-Memorial. Sicher kein seelisches oder unabdingbares Bedürfnis, doch wie es zur Zeit in dieser Branche abläuft: Es ist wohl als Spekulation einzuschätzen. Suchen wir, wo hier die Business-Elemente richtig getroffen worden sind und ob die Musik vielleicht zu zünden vermag.

Zuerst aber einige Werbeworte der Vereinigten Bühnen für diese Eigenproduktion: „Das opulente Musical vereint monumentale Dramatik mit modernem Sound, pulsierende Beats mit eindringlichen Lyrics. Zeitlose Geschichte trifft auf zeitgemäße Inszenierung und schafft ein mitreißendes Bühnenerlebnis voller Energie und Überraschungen. Die Vereinigten Bühnen Wien setzen mit dieser spektakulären Produktion ein kraftvolles Statement und der legendären Herrscherin ein Denkmal – jung, dynamisch und absolut unverwechselbar.“

Kann mal dieser Marketinghymne wenigsten zum Teil glauben? Ja, hier wird mit riesigem Aufwand und aller Routine ein illusionäres Spektakel herbei gezauberte. Bühnenbildner Morgan Large trickst bei den ständigen Szenenwechsel und Überschneidungen mit Verwandlungen, Licht und Videos. Und Regisseur Alex Balga setzt zwar auf einen stets ähnlichen Performance-Stil, doch das Ensemble geht bei all den Schreiereien und dem hektischen Getümmel stets voll mit. Choreograph Jonathan Huor steuert dazu das ständige dynamische auf und ab der Tänzer mit einer durchgezogenen Rucki-Zucki-Manier und skurrilen Positionierungen. Rund um die Kaiserin scharwenzeln oder geben sie ihre Emotionen kund: Franz Stephan von Lothringen (Fabio Diso), Preussens Friedrich der Große (Moritz Mausser) oder, zurück in die Jugend, eher grimmig ihr Vater Karl VI. (Dominik Hees). Noch viele mehr. Wie alle ihrer zahlreichen im Rummel eingesetzten KollegInnen darf sich Nienke Latten in der Titelrolle voll und ganz ausleben. Im affektiven Spiel, mit absolutem Einsatz, weniger mit berückender Stimme. 

Ja, die Musik …. eine wertvolle? Dieter Falk & Paul Falk bildet das Komponisten-Duo. Das sind Vater und Sohn. Gut beschäftigt im gängigen deutschen Liederland. Doch nicht die Begabtesten in ihrer Sparte. Auf die üblichen Musical-Standards wird gesetzt, eigenes Profil mit echten Einfällen macht sich nicht bemerkbar. Dirigent Carsten Paap zieht die vielen, viel zu vielen Nummern wie „Mutter der Nation“, „Stärker als ihr denkt“, „Für immer nur mit dir“ oder „Working Mum“ jedenfalls zügig durch. Und die Verantwortlichen für diese kräftig gewürzte ganze „Maria Theresia“-Melange? Christian Struppeck steht für ‚Kreative Entwicklung‘, Jonathan Zelter für Liedtexte, Thomas Kahry für das keineswegs der Realität verpflichtete Buch. Alle ohne Anspruch auf literarische Qualitäten.

Historisch Gebildete werden sich diese Fantasy-Show wohl kaum ansehen, Kenner klassischer Musik ebenfalls nicht. Für das aufgezüchtete Wiener Musical-Volk hier bitte noch eine der Ronacher-Werbungen, locker genommen: „Epische Dramatik: Kraftvolle Musik und spannende Story!“ Die eingeladenen Gäste und der Anhang der Künstler haben am Premierenabend ein bisschen so gedacht, haben mit standing ovations das derzeitige ‚Wien ist die freundlichste Stadt‘ bestätigt.

Meinhard Rüdenauer

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Wien/ Kabinetttheater: ROMULUS DER GROSSE von Friedrich Dürrenmatt . Welttheater im Tischformat

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Friedrich Dürrenmatt
ROMULUS DER GROSSE
Welttheater im Tischformat

Termine: Fr 24.10 / Sa 25.10. /So 26.10. /
Di 28.10 / Mi 29.10 / Do 30. / Fr. 31.10 jeweils 19 Uhr
Friedrich Dürrenmatt nennt sein 1980 überarbeitetes Stück „Eine ungeschichtliche historische Komödie in vier Akten“. Sein Romulus ist denn auch an der Hühnerzucht mehr interessiert als an Staatsangelegenheiten – und das mit gutem Grund, wie er überzeugend erklärt. Dürrenmatt ist damit eine unterhaltsame Parabel auf die unterschiedlichsten Haltungen zum Thema Weltpolitik gelungen. Die Aktualität der Thematik ist frappierend.
Figurenspiel: Katarina Csanyiova, Walter Kukla, Andreas Pronegg
Musik: Anna Clare Hauf
Bühne, Figuren: Roman Spieß
Kostüm: Astrid Grondinger
Technik: Kolja Meierhofer
Regieassistenz: Lucie Mohme
Idee: Julia Reichert
Dramaturgie: Alexandra Millner
Regie: Tanja Ghetta
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