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INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 7. MÄRZ 2026)

07.03.2026 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 7. MÄRZ 2026)

Die Wiener Staatsoper zum Weltfrauentag am 8. März 

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Kommenden Sonntag, 8. März, ist »Weltfrauentag«, ein Aktionstag, der auf die Rechte von Frauen, insbesondere in Bezug auf Diskriminierung, fairen und gleichen Lohn, aber auch auf Gewalt gegenüber Frauen, aufmerksam machen soll. Selbst wenn sich vielleicht gerade die Libretti so mancher Oper nicht unbedingt dazu eignen (man denke beispielsweise an Carmen, Wozzeck oder Otello), dies in den Fokus zu rücken, freuen wir uns umso mehr, Ihnen an diesem speziellen Tag ein attraktives Angebot machen zu dürfen: 

Mit dem Aktionscode WELTFRAUENTAG gibt es für Buchungen, die genau am 8. März 2026 erfolgen, für alle Abendvorstellungen – vom 8. März bis einschließlich 8. April 2026 – 30 % Ermäßigung, verfügbar in den Kategorien 1–3.* Eine nähere Erklärung zur Aktion finden Sie am Ende dieses Newsletters. 

P.S.: Wir dachten bei der Aktion vorrangig an weibliches Publikum, Männer sind aber selbstverständlich »mitgemeint« 😉

RISE!
 Weiters möchten wir Sie auf eine Charity-Veranstaltung aufmerksam machen, die – initiiert und veranstaltet vom Verein Madita – am Sonntag in der Wiener Staatsoper stattfinden wird. RISE! – Women’s Voices for Change ist eine neue, kulturpolitische Initiative anlässlich des Weltfrauentags. 2.000 Frauen erheben gemeinsam ihre Stimmen für Freiheit, Gleichberechtigung und Sichtbarkeit, musikalisch geleitet von Künstlerinnen wie Ilia Staple, Lidia Baich, Christina Stürmer, u. v. m. Die Veranstaltung steht unter dem Ehrenschutz von Doris Schmidauer. Der Reinerlös kommt Projekten der Caritas, wie Mutter-Kind-Häusern oder Mädchenberatung zugute. 

Die Vorstellung ist komplett ausverkauft. Sie könnten aber dennoch dabei sein, denn ORF III überträgt live ab 11 Uhr.

DER ORF ZUM WELTFRAUENTAG

Die ermäßigten Buchungen sind nur am Sonntag, 8. März 2026. möglich. Das Angebot gilt für alle Abendvorstellungen in der Wiener Staatsoper im Zeitraum vom 8. März bis 8. April 2026, in den Kategorien 1–3. Für jede Vorstellung ist ein Kontingent ermäßigter Tickets reserviert. Die Ermäßigung greift erst nach Eingabe des Aktionscodes WELTFRAUENTAG im Buchungsvorgang im Feld »Kundenkarte/Aktionscode«. Der Preis wird dann automatisch reduziert. Sollte dies nicht geschehen, ist das Kontingent für diesen Termin bereits ausgeschöpft. Bitte buchen Sie in diesem Fall für einen anderen Tag. Es sind maximal zwei Tickets pro Vorstellung buchbar. Der Aktionscode ist auch an den Bundestheaterkassen einlösbar.

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Leo Muscato inszeniert OTELLO an der Bonner Oper

Ein musikalisches Meisterwerk nach William Shakespeare: Am 22. März um 18 Uhr feiert OTELLO von Giuseppe Verdi unter der Musikalischen Leitung von Dirk Kaftan Premiere im Opernhaus. Der international gefeierte Regisseur Leo Muscato inszeniert mit OTELLO seine erste Operntragödie auf der Bühne des Theater Bonn. Bis zum 3. Juli 2026 sind insgesamt zehn Vorstellungen geplant.

Die Handlung von Verdis OTELLO trägt sich im späten 15. Jahrhundert auf Zypern zu. Als venezianischer Außenposten im östlichen Mittelmeer steht die Insel im Spannungsverhältnis zwischen europäischer Handelsmacht und osmanischer Expansion. Die angespannte politische Situation auf der Insel bildet den Schauplatz für Verdis Tragödie um Macht, Vertrauen und Eifersucht.

Obwohl Giuseppe Verdi das Projekt um die Vertonung von Shakespeares OTHELLO zunächst vehement ablehnte, blieben sein Verleger Giulio Ricordi und der Librettist Arrigo Boito hartnäckig, so dass Verdi schließlich nach 16 Jahren Schaffenspause seit seiner letzten Oper AIDA, OTELLO komponierte. Die Bonner Inszenierung von Leo Muscato verlegt die Handlung der Oper OTELLO ins Jahr 1974, womit die Geschichte in ein konkretes von politischer Destabilisierung und Unsicherheit geprägtes Umfeld rückt.

Nach seinem Erfolg mit der Eröffnungsinszenierung an der Mailänder Scala 2024|25 kehrt der gefeierte italienische Regisseur Leo Muscato – in Bonn bekannt durch LA CENERENTOLA, AGRIPPINA und DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN – als Dauergast zurück. Seine Inszenierungen begeistern mit einem visuellen Einfallsreichtum, skurriler Komik, einer zutreffenden und kunstvollen Übersetzung alter Stoffe für modernes Publikum und einer Personenregie mit Tiefgang.

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George Oniani. Foto: Bettina Stoess

Nach den Titelrollen in den Opern RIGOLETTO, MADAMA BUTTERFLY, CARMEN, TURANDOT, IL TROVATORE, LA FORZA DEL DESTINO u. v. m. ist es für George Oniani nun an der Zeit für eine der anspruchsvollsten Tenorpartien überhaupt: Der georgische Tenor gibt sein Rollendebüt als Otello. Die international erfolgreiche Sopranistin Kathryn Henry gibt als Desdemona in Bonn sowohl ihr Europa- als auch Rollendebüt. In der Saison 2024|25 debütierte sie an der Metropolitan Opera in DIE FRAU OHNE SCHATTEN und mit dem Dallas Symphony Orchestra in Wagners RING-Zyklus. Für ihre Darstellung der Lucy Harker in der Studioaufnahme von THE LORD OF CRIES von John Corigliano und Mark Adamo erhielt sie eine Grammy-Nominierung für die beste Opernaufnahme, nachdem sie ihr gefeiertes Debüt an der Santa Fe Opera gegeben hatte.

OTELLO
Giuseppe Verdi
Oper in vier Akten
Libretto von Arrigo Boito
Musikalische Leitung: Dirk Kaftan | Regie: Leo Muscato | Bühne: Federica Parolini | Kostüme: Silvia Aymonino | Licht: Max Karbe | Choreinstudierung: André Kellinghaus | Einstudierung Kinder- und Jugendchor: Ekaterina Klewitz | Mit: George Oniani, Kathryn Henry, Simone Piazzola / Aluda Todua, Martin Tzonev, Susanne Blattert, Tae Hwan Yun, Christopher Jähnig, Seogjun Jang | Chor und Extrachor des Theater Bonn | Kinder- und Jugendchor des Theater Bonn | Beethoven Orchester Bonn

Premiere am 22. MÄRZ 2026 um 18 Uhr | Opernhaus
Weitere Vorstellungen: 27. MÄRZ | 4., 26. APRIL | 17. MAI | 5., 18., 28. JUNI | 3. JULI

Tickets – auch für die Premiere – sind telefonisch unter 0228 77 8008, an unseren Theaterkassen oder online unter theater-bonn.de erhältlich.
Vorab-Fotos: https://www.theater-bonn.de/de/presse/otello/329
Szenenfotos stehen ab dem 17. März 2026 um 15 Uhr zum Download bereit

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­Heinz Sichrovsky in „NEWS“: Wie es dem Volkstheater geht
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Jan Philipp Gloger, Volkstheaterdirektor seit September, saniert den Trümmerhaufen seines Vorgängers Kay Voges. Zu mehreren Produktionen (auch dem Voges-Ausreißer „Fräulein Else“) strömt das Publikum. Was man sehen will, ist klar: textakrobatische, schauspielerisch virtuose Unterhaltung wie die englische Slapstick-„Komödie mit Banküberfall“ und Anna Marboes grenzsurrealer Regie-Coup „Liv, Love, Laugh, Strömquist“. Für die halbtote Außenbezirkstournee hat Gloger sich selbst als Regisseur und den Star Johanna Wokalek aufgeboten: Hornbys Paartherapeutikum „State of the Union“ war gleich ausverkauft, die Inszenierung kommt ans Haupthaus. Die wunderbare Jura-Soyfer-Collage „Ich möchte zur Milchstraße wandern“ wird zumindest angenommen. Horváths zwangsoriginell filetierte „Geschichten aus dem Wiener Wald“ konnten kurz vom berühmten Titel profitieren.

Interessant auch, was NICHT läuft: Für eine aggressiv an Schnitzler dilettierende „Traumnovelle“ könnte der Vorhang gleich unten bleiben. Eine sich wirr auf Joseph Roth berufende zweisprachige Ukraine-Solidaritätsshow bleibt unbesucht, ebenso Hanekes „Caché“, ein Stilzwitter Richtung Film. Auch „Ödipus“ unter Nicolas Stemann lahmt. Freilich, der Mann ist der Feuilletondarling unter den postdramatischen Stückeschnipslern. Aber eben doch der Voges für Wohlhabende, und der Hybrid ist noch in zu traumatischer Erinnerung. Jetzt noch ein solider, fesselnder Schnitzler, Horváth oder Sophokles, und man freut sich wieder aufs Hingehen.
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 Und was gerade brennt
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Meine beiden Causae primae der vergangenen Wochen streife ich nur. Das Versagen des Salzburger Festspielkuratoriums analysiert diesmal Staatssekretär Schellhorn für mich, ein Salzburger mit Innensicht, der einen von Provinzlern verschuldeten Scherbenhaufen erkennt. Auch enthüllt er, dass das längst paktierte 400-Millionen-Budget für den Umbau der Festspielhäuser zu einem Viertel umgewidmet werden soll. Den größten Anteil bekommt Babler. Hat es womöglich deshalb keinen Einspruch gegen die Demontage des Intendanten Hinterhäuser gegeben, gegen den festspielinterne und -externe Eigeninteressenten die ahnungslosen Salzburger Provinzpolitiker aufgehetzt haben?

Und dann Latein. Der Bildungsminister hat in der Sache keinen Verbündeten mehr, die eigene Lehrplangruppe hat hingeworfen. Interessantes berichtet Gerhard Ruiss von der Autorenvereinigung: Er war namens der Nobelpreisträgerpetition beim Minister, der die Lateinverwüstung offenbar gegen eine kleine Aufwertung des Literaturunterrichts abtauschen wollte. Ruiss weist das Ansinnen glatt zurück. Unterschreiben Sie deshalb weiter, es sind bald 41.000. Sollte Wiederkehr die Sache aussitzen oder mit anderen Parteien abtauschen wollen, kann er sich verlassen, dass die AHS-Direktoren und die intellektuelle Elite des Landes minutenschnell wieder gegen ihn aufstehen.

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Wien/Kammeroper „Someone is going to come“- als fesselndes „toxisches“ Beziehungs-Drama
Österreichische Erst-Aufführung
von Knut Vaage / Jon Fosse

 Besuchte Vorstellung: Premiere am 28. Februar 2026 als Co-operation Insimul-Ensemble / Stavanger, Parktheater Oslo, Königliches Teater Copenhagen, Musiktheater Wien, Porgy & Bess /Wien

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Marianne Jahren (She) und Halvor F. Melien ( He). Foto: Marie Van Krogh

Am 28. Februar führte das für alle Genres offene Jazz-Theater Porgy & Bess in Wien die österreichische Erst-Aufführung von Knut Vaage‘s Kammeroper ‚Someone is ging to come‘ in der Regie von Bruno Berger- Gorski mit dem aus Norwegen angereisten Klangkörper ‚Insimul‘  aus Stavanger auf. 

Die Handlung des Einakters: 

In einer einsamen Landschaft am Meer hat ein Paar ein altes Haus gekauft, um ‘Allein miteinander, allein beieinander’ zu sein, fern von anderen Menschen.

Das Bühnenbild aus weißem Tüll von Alice Sturt betont durch Projektionen und das Licht-Design von Alaa Alkurdi visionäre innere wie äußere Zustände von zerbrochenen Menschen. 

Schon direkt bei der Ankunft spüren beide, dass sie unterschiedliche Vorstellungen vom Leben in der Einsamkeit haben. Der Mann (‘He’ Halvor F. Melien mit frischem, jungem Bariton) versucht die Frau (‘She’ Marianne Folkestad Jahren)  mit seinen Kunst- Arbeiten inspiriert von den Wellen des Meeres zu beruhigen.

Tatsächlich erscheint der Vorbesitzer des Hauses (‘The Man’, Tenor Magnus Staveland) und wird von dem Mann als Bedrohung empfunden, von der Frau als möglicher Rettungsanker gedeutet, da sie seine Telefon-Nummer akzeptiert, was zum endgültigen Bruch der Beziehung führt.

Das von Bjarte Engeset präzis einstudierte  8-köpfige Ensemble Insimul gilt als Spezialisten für zeitgenössische Musik und zog die Zuschauer mit der expressiven Musik von Knut Vaage und der als ‘psychologisch-krankhaften’ inszenierten Beziehung des Paares in ihren Bann. Jon Fosse schrieb 1996 dieses spannende Drama um eine toxische Beziehung und 2000 fand die Uraufführung der Kammeroper in der Vertonung von Knut Vaage beim Ultima-Festival in Oslo statt. Jon Fosse und Knut Vaage leben an der Westküste bei Bergen, wo auch die Handlung in einem einsamen Haus am Meer spielt. Die Flucht des sensibel von Berger-Gorski inszenierten Paares in ihre innere Welt und die nicht mehr mögliche Kommunikation durch Worte, aber durch die vertonte Sehnsucht, beieinander und ‘Ineinander’ zu sein, werden durch Gesten und Mimik der intensiven Darstellung genau gezeichnet. Mit ihren intensiven Blicken aufs imaginäre Meer und die Flucht von ‘He’ in seine Arbeiten unterstreicht der Regisseur den zerbrochenen Charakter von ‘Ihm’ und seine Sehnsucht in die immer wiederkehrenden Klänge und die genial komponierten ‘Wellenklänge’ des Meeres. Das Leitmotiv des Wassers erzeugt eine Sog-Wirkung, die den Zuschauer tief in die Beziehung des krankhaft voneinander abhängigen Paares eintauchen lässt. Die feine bis ins Detail ausgearbeitete Gestik und Intensität der Darstellung legt einen zutiefst verzweifelten Zustand einer Beziehung offen, aus der es kein Entrinnen gibt.

Mit seiner auch elektronische Instrumente verwendenden Vertonung gelingen dem Komponisten faszinierende Klänge, die sowohl abgehackte, abrupte wie auch eine poetische Wirkung ausstrahlen und den verzweifelten Kampf unterstreichen, sich aus der schon zu Beginn zerrütteten Beziehung zu lösen. 

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Marianne Jahren und Magnus Staveland. Foto: Marie Van Krogh

Die zwei überraschenden Besuche des ehemaligen Hausbesitzers (herrlich karikierend mit durchdringendem Tenor Magnus Staveland) sind szenisch wie auch musikalisch leicht ironisch überzeichnet und zeigen einen neureich protzenden, wunderbar agierenden ehemaligen Hausbesitzer, der mit seinen Erzählungen über die Geschichte des Hauses und mit seinen plumpen Annäherungsversuchen ‘She’ in ihre eigenen Kindheits-Traumata zurückfallen lässt.

Konsequenterweise verlässt ‘She’ den Partner am Ende, und während des berührend gesungenen Finales durch den klangschönen Bariton von Halvor F. Melien hofft man gemeinsam mit dem Verlassenen auf die Rückkehr von ihr, da er ohne sie nicht lebensfähig scheint…

Nach dem ergreifenden Abend im gut besuchten Porgy & Bess wartet man auf Erst-Aufführung in deutscher Sprache und die große Oper ‘Khairos’ von Knut Vaage, die bisher nur 2011 an der Oper in Oslo aufgeführt wurde. 

Gunhild Kranz

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