Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 24. OKTOBER 2026)

24.10.2026 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 24. OKTOBER 2026)

Wiener Staatsoper: World Opera Day« – 50 % Rabatt auf viele November-Vorstellungen & Verkaufsstart Jänner

operaday

Sehr geehrte Damen und Herren, 
liebes Publikum!
 Am kommenden Sonntag, dem 25. Oktober, ist »World Opera Day«, ein Aktionstag zu Ehren der über 400 Jahren alten Kunstform »Oper«. Auch wir wollen diesen Tag feiern und freuen uns, Ihnen dazu ein attraktives Angebot machen zu können: 

Mit dem Aktionscode WORLDOPERADAY gibt es für Buchungen, die am 25. Oktober getätigt werden, für die November-Vorstellungen von → La fille du régiment, → Luisa Miller, → Nijinsky (Ballett) sowie für das → Solokonzert von Simon Keenlyside 50 % Ermäßigung, verfügbar in den Kategorien 1-3*. Kleiner Pro-Tip: Aufgrund der Zeitumstellung haben Sie sogar eine Stunde mehr Zeit, Karten zu kaufen! 🙂

Eine nähere Erklärung zur Aktion finden Sie → hier 

Verkaufsstart für die Vorstellungen im Jänner ist der 1. November

_____________________________________________________________________________

WIENER KONZERTHAUS (dringend): Terminverschiebung von Krystian Zimerman. Konzert am 25.10. abgesagt

das für Sonntag, den 25. Oktober 2026, geplante Konzert von Krystian Zimerman muss leider krankheitsbedingt verschoben werden und wird nun am Montag, den 31. Mai 2027 stattfinden.

Krystian Zimerman zählt zu den herausragenden Pianisten unserer Zeit, ist auf den internationalen Konzertpodien nur selten zu erleben und bekannt dafür, sich für die Zusammenstellung seiner Klavierabende Zeit zu nehmen. Wir freuen uns sehr darüber, einen Ersatztermin für sein Rezital noch in dieser Konzertsaison gefunden zu haben. 

Ihre Eintrittskarten sind auch für den neuen Termin gültig und müssen nicht umgetauscht werden.

Wir danken für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen einen schönen Abend im Wiener Konzerthaus!

__________________________________________________________________________________

Berlin/ Staatsoper: Arie trifft Slam – Apollo-Salon III bei den Barocktagen in der Staatsoper Unter den Linden

adami
Copyright: Peter Adamik

fünf Arien, fünf Antworten: Bei den Barocktagen treffen die Stimmen des Internationalen Opernstudios auf eigens verfasste Texte der Kiezpoeten. Professionelle Poetry-Slammer:innen greifen die großen Themen der Barockoper auf – Liebe und Freundschaft, Macht und Tod – und hinterfragen sie pointiert, überraschend und mit viel Humor.

Am Ende entscheidet das Publikum: Welches Duo aus Oper und Slam überzeugt am meisten?

Programm

Musik von Barabara Strozzi, Henry Purcell, Georg Friedrich Händel & Claudio Monteverdi

Besetzung

Sopran: Defne Celik, Etīna Emīlija Saulīte
Bassbariton: Hanseong Yun
Bass: Temur Bidzishvili, Martin Iivarinen
Poetry Slam: Fee Brembeck, Jesko Habert, Aidin Halimi, Nick Pötter, Lisa Maria Olszakiewiecz

Termin: Sonntag, 8. November 2026
11.00 Uhr
Apollosaal

Tickets sind hier erhältlich
_____________________________________________________________________________________

Wiener Festwochen 2027: Wiener Festwochen suchen die Gesichter der People’s Republic

festw

Die Wiener Festwochen erklären sich 2027 zur People’s Republic: einer Kunstrepublik für die Bevölkerung Wiens und für die ganze Welt. Inspiriert von der Tradition des Roten Wien, das bis heute als Labor politischer, sozialer und kultureller Selbstorganisation gilt, entwerfen die Festwochen eine Republik der Zukunft. Eine Republik, die auf Vielfalt, Gemeinschaft und die schöpferische Kraft der Vielen setzt.

Nach der Republic of Love und der Republic of Gods wird die Freie Republik Wien vom 14. Mai bis zum 20. Juni 2027zur People’s Republic: einer Vielvölkerrepublik der Künste mit Theater, Musik, Debatten, Partys, Versammlungen und einer eigenen People’s University. Fünf Wochen lang wird Wien zum Schauplatz eines globalen Austauschs über die großen Fragen unserer Zeit: Wie wollen wir künftig zusammenleben? Welche Formen von Gemeinschaft brauchen wir? Und wie kann Kunst dabei helfen, eine andere Zukunft zu erfinden?

Wie Intendant Milo Rau in seiner Rede beim Guerilla-Festival ne:bitef in Belgrad hervorhob, sind es oft die Taten von einzelnen, die weitreichende Folgen haben können. Diese Kraft des zivilgesellschaftlichen Widerstands will Rau mit den Wiener Festwochen feiern: „Die Taten weniger Menschen können große Konsequenzen haben. Power to the Peoples!“

Gesucht: Die Gesichter der Republik

Für die Festivalkampagne der People’s Republic suchen die Wiener Festwochen daher 100 Menschen, die Wien ausmachen und das Festival in eine Republik der Zivilgesellschaft verwandeln wollen: Menschen jeden Alters, Berufs, Geschlechts, jeder Herkunft, Sprache, Religion und Weltanschauung.

WERDE EIN GESICHT DER PEOLPE’S REPUBLIC!
Die Wiener Festwochen suchen dich!  

Die Gesichter der Kampagne sollen die Vielfalt jener Republik sichtbar machen, die 2027 ausgerufen wird. Die Teilnehmer werden Teil einer professionellen Fotoserie und auf der Website der Wiener Festwochen, den Social Media Kanälen ebenso wie im Programmbuch und im Wiener Stadtraum präsent sein.

Alle Informationen zu dem Aufruf unter www.festwochen.at.
________________________________________________________________________________________

Frankfurt: Verträge für Opernintendant Loebe und Generalmusikdirektor Guggeis verlängert

frang
Copyright: Nils Heck

Der Intendant der Frankfurter Oper, Bernd Loebe bleibt Frankfurt erhalten. Sein Vertrag wurde über den 31. August 2028 hinaus um vier Jahre bis zum 31. August 2032 verlängert.
Der Vertrag des Generalmusikdirektors Thomas Guggeis wurde ebenfalls verlängert. Die Oper Frankfurt gehört zu den führenden Opernhäusern Europas und wurde unter Loebes
Führung mehrfach ausgezeichnet. Erst kürzlich wurde das Frankfurter Opern- und Museumsorchester zum dritten Mal in Folge – und zum sechsten Mal insgesamt – von der Fachzeitschrift Opernwelt als „Orchester des Jahres“ ausgezeichnet.

Oberbürgermeister Mike Josef freut sich über die Vertragsverlängerungen: „Das ist eine sehr gute Nachricht für Frankfurt: Bernd Loebe und Generalmusikdirektor Thomas Guggeis führen ihre Arbeit an der Oper langfristig weiter. Seit 2002 zeigt Bernd Loebe, wie man mutige Spielpläne gestaltet, deren Produktionen den Menschen in dieser Stadt etwas zu sagen haben. Auch ich habe dabei gelernt, dass man nicht zuerst auf die Namen der Opern schauen sollte. Gerade hinter den unbekannten Titeln verbergen sich oft die besten Abende. Loebe und Guggeis prägen das kulturelle Bild unserer Stadt in außergewöhnlichem Maße. Ich bin gespannt, wohin sie uns in den kommenden Jahren führen werden“

Bernd Loebe hat Thomas Guggeis schon früh sein Vertrauen geschenkt. Dass die Fachzeitschrift Opernwelt ihn nun erstmals zum Dirigenten des Jahres gekürt hat, trägt weiter zu dem guten Ruf der Oper Frankfurt über die Grenzen der Stadt hinaus bei.

Die Frankfurter Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig schenkt beiden daher gerne erneut ihr Vertrauen: „Mit der Verlängerung von Bernd Loebe und Thomas Guggeis bis einschließlich der Spielzeit 2031/32 sorgen wir für Kontinuität an einem Haus, das dank seiner engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den renommiertesten Opernhäusern in Europa zählt. Bernd Loebe hat die Oper Frankfurt seit der Spielzeit 2002/03 mit einem exzellenten Ensemble und spannenden Produktionen aus allen Epochen der Musiktheatergeschichte geprägt. Zugleich hat er stets die Zukunft im Blick und investiert in die Stimmen von morgen:
Über das Opernstudio finden junge Sängerinnen und Sänger den Einstieg in den Beruf und nicht selten auch den Weg ins Ensemble. Für die hochklassige musikalische Qualität steht seit der Spielzeit 2023/24 Generalmusikdirektor Thomas Guggeis. Was er mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester leistet, im Opernhaus wie in den Museumskonzerten, lässt nicht nur mich immer wieder begeistert staunen.“

Ebenfalls sei es sein Verdienst, dass das Orchester zum dritten Mal in Folge als Orchester des Jahres ausgezeichnet wurde. Dass die Oper Frankfurt Mut hat auch zu Raritäten, zeigt schon der November: Mit Ernest Chaussons „Le roi Arthus“ gibt es in Frankfurt unter Thomas Guggeis eine weitere Frankfurter Erstaufführung.

Der Geschäftsführer und Intendant der Frankfurter Oper, Bernd Loebe freut sich: „Ich danke der Stadt Frankfurt für das Vertrauen, das sie Thomas Guggeis und mir entgegenbringt. Die zahlreichen Auszeichnungen der vergangenen Jahre – zuletzt drei Mal in Folge Orchester des Jahres und Thomas Guggeis als Dirigent des Jahres – zeigen, was wir uns an diesem Haus gemeinsam erarbeitet haben, mit Ensemble, Chor, Orchester und allen künstlerischen und technischen Kolleginnen und Kollegen. Diesen Weg wollen wir gemeinsam weitergehen.“
Aus diesem Grund hätten beide sich die Entscheidung gut überlegt und sie aus Überzeugung getroffen, weil sie noch viel gemeinsam vorhaben. „Künstlerisch wie menschlich sind wir ein Team, wie man es sich nur wünschen kann und darüber bin ich sehr glücklich,“ so Loebe weiter. „Die weiteren Jahre geben mir die Gelegenheit, meine Arbeit an diesem Haus abzurunden. 2032 werde ich dreißig Jahre Intendant der Oper Frankfurt gewesen sein und ich habe noch viele Ideen, an deren Umsetzung wir nun mit Hochdruck arbeiten.“

Der Anspruch für ihn persönlich bleibe: unbedingte Exzellenz und Spielpläne, die Entdeckerfreude und Neugier zeigen und kein Risiko zu scheuen. „Wenn Frankfurt gerade als ‚deutsche Hauptstadt der Opernpremieren‘ bezeichnet wird und elf Premieren in einer Saison, darunter zwei Uraufführungen und zahlreiche Raritäten, als weltweit einmalig gelten, dann verdanken wir das auch unserem treuen Publikum und unseren vielen Abonnentinnen und Abonnenten und Förderern. Für uns ist es vor allem Ansporn, genauso weiterzumachen“, fügte Loebe hinzu.
Und der Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt und künstlerischer Leiter der Frankfurter Museumskonzerte Thomas Guggeis ergänzt: „Ich freue mich außerordentlich, die erfüllende
und glückliche Zusammenarbeit der letzten Jahre langfristig fortzusetzen – mit Bernd Loebe als unermüdlich neugierigem Kreativpartner, dem gerade erneut ausgezeichneten Frankfurter Opern- und Museumsorchester, dem Opernchor und allen Mitarbeitern auf und hinter der Bühne. Unsere Musiker*innen leisten täglich Großartiges von Frühbarock bis Uraufführung, oft sogar gleichzeitig an verschiedenen Spielstätten. Gemeinsam haben wir in den letzten Jahren viel erreicht und ich freue mich darauf, mich zusammen mit der Stadt für eine auskömmliche Finanzierung für Opernhaus und Orchester einzusetzen und so dieses exzellente Niveau für Frankfurt langfristig zu sichern.“
____________________________________________________________________________________________________________

Interview mit dem Dirigenten Andrea Sanguineti (GMD am Aalto-Theater Essen): Zwischen Klangfülle und Klarheit

natas
Andrea Sangueneti. Copyright:Natasha aufmKamp

Ein Orchester braucht eine eigene Identität – und zugleich die Fähigkeit, sich auf ganz unterschiedliche musikalische Welten einzulassen. Daran arbeitet Andrea Sanguineti seit 2023 mit den Essener Philharmonikern. Zum Auftakt seiner letzten Spielzeit spricht er über die sinnliche Radikalität von Korngolds „Das Wunder der Heliane“, das Zusammenspiel von Bühne und Orchester, ein Repertoire, das unter Spardruck besonders gefährdet ist, seine Arbeit mit den Essener Philharmonikern und seinen Blick auf die Ereignisse des vergangenen Jahres.

1. Herr Sanguineti, Sie beginnen Ihre vierte Spielzeit als Generalmusikdirektor in Essen gleich mit einem außergewöhnlichen Werk: „Das Wunder der Heliane“ des österreichisch-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold. Warum sollte man diese Oper unbedingt einmal gehört und gesehen haben?

Weil „Das Wunder der Heliane“ ein Werk ist, das sich jeder einfachen Einordnung entzieht. Es ist opulent, sinnlich, extrem theatralisch und gleichzeitig musikalisch von einer außerordentlichen Raffinesse.
Korngold schreibt hier nicht einfach eine große Oper im spätromantischen Sinn. Er schafft eine Welt, in der Erotik, Gewalt, Spiritualität, Tod und Erlösung unmittelbar miteinander verbunden sind. Die Musik ist manchmal überwältigend sinnlich, dann wieder von einer fast expressionistischen Intensität.
Und vor allem ist es ein Werk für das Theater. Korngold nutzt einen riesigen Apparat – Orchester, Chor, Solisten und Bühnenmusik – mit einer Fantasie, wie sie sich ein Komponist eigentlich nur wünschen kann. Das alles ist aber kein Selbstzweck. Es dient einer sehr konkreten dramatischen Idee.
Ich glaube, man muss diese Oper wirklich auf der Bühne erleben, um zu verstehen, welche Kraft in ihr steckt. Sie ist nicht nur ein interessantes Stück Musikgeschichte. Sie ist ein großes, sinnliches Theaterereignis.

natash3
Andrea Sangueneti. Copyright:Natasha aufmKamp

2. Sie haben bereits „Die tote Stadt“ dirigiert. Wie unterscheidet sich „Das Wunder der Heliane“ musikalisch und kompositorisch von diesem Werk? Gibt es Unterschiede in der Tonsprache?

Natürlich gibt es eine Verwandtschaft. Beide Werke tragen unverkennbar Korngolds Handschrift: diese unglaubliche orchestrale Farbigkeit, die große melodische Begabung und eine Harmonik, die immer wieder zwischen spätromantischer Sinnlichkeit und einer deutlich moderneren Klangsprache oszilliert.
Aber „Heliane“ ist für mich noch stärker ein Werk des Theaters. Die Erotik ist viel unmittelbarer. Es gibt eine enorme körperliche Spannung, die sich durch die gesamte Oper zieht.
Und Korngold hatte hier einen riesigen Theaterapparat zur Verfügung. Das Orchester ist gewaltig, der Chor hat eine große und dramaturgisch wichtige Partie, dazu kommt die Bühnenmusik. Das eröffnet dem Komponisten eine unglaubliche Palette an Farben und Ausdrucksmöglichkeiten. Bei „Die tote Stadt“ ist die musikalische Welt stärker psychologisch und von einer inneren, traumhaften Atmosphäre geprägt. „Heliane“ ist extrovertierter, körperlicher und in gewisser Weise auch radikaler. Ich würde sogar sagen: Man hört hier einen Komponisten, der versucht, aus der spätromantischen Oper heraus noch einmal ein großes Gesamtkunstwerk zu schaffen. Und gerade diese Verbindung von Erotik, Sinnlichkeit und einem gigantischen Theaterapparat macht das Stück für mich so faszinierend.

sang2
Andrea Sangueneti. Foto: Sangueneti

3. Korngold war ein Wunderkind und gefeierter Opernkomponist, musste als Jude vor den Nationalsozialisten in die USA emigrieren und wurde dort zu einem der prägenden Filmkomponisten Hollywoods. Seine Opern verschwanden dagegen für Jahrzehnte weitgehend von den Spielplänen. Inwieweit wirkt diese Zäsur bis heute nach – gerade wenn man sieht, wie selten Opern wie „Das Wunder der Heliane“ gespielt werden?

Ich glaube, diese Zäsur wirkt bis heute nach – und zwar auf mehreren Ebenen. Die Nationalsozialisten haben nicht nur Menschen verfolgt und vertrieben. Sie haben auch eine musikalische Erinnerungskultur zerstört und missbraucht. Komponisten wie Korngold, Zemlinsky, Schreker und viele andere Künstler, deren Musik aus den deutschen und österreichischen Theatern verschwinden musste, wurden für eine ganze Generation aus dem kulturellen Gedächtnis entfernt.
Bei Korngold kommt noch etwas hinzu: Seine enorme Karriere in Hollywood hat nach dem Krieg paradoxerweise dazu beigetragen, dass man ihn als Opernkomponisten weniger ernst genommen hat. Dabei war seine Filmmusik natürlich keine Abkehr von seinem musikalischen Denken. Vieles von dem, was wir heute als typische Korngold-Klangwelt erkennen, war bereits in seinen Opern vorhanden.
Das Problem ist aber auch ganz praktisch. Diese Werke brauchen enorme Kräfte. „Heliane“ kann man nicht mit einer kleinen Besetzung irgendwo nebenbei produzieren. Man braucht ein großes Orchester, einen großen Chor, starke Solisten und einen entsprechenden Bühnenapparat.
Und genau hier sehe ich heute eine Gefahr. Wenn Theater aus Sparzwängen immer stärker nach dem Prinzip funktionieren müssen: Wie können wir mit möglichst wenig Personal möglichst viel produzieren?, dann verschwinden gerade solche Werke als Erstes. Das wäre fatal.
Denn das Bewahren dieses Repertoires ist keine Frage von Luxus. Es ist eine kulturelle Verantwortung. Ein Teil dieser Musik ist in Deutschland bereits einmal aus unseren Theatern verschwunden – und zwar nicht aus künstlerischen Gründen, sondern aus politischen.
Deshalb war es mir persönlich sehr wichtig, dass wir dieses Werk in Essen machen konnten. Ich bin Dr. Merle Fahrholz sehr dankbar, dass wir trotz aller Schwierigkeiten den Mut dazu hatten.
Ein Theater darf nicht nur das spielen, was gerade einfach und billig zu produzieren ist. Es muss auch seine Geschichte bewahren. Sonst verlieren wir irgendwann einen Teil unserer eigenen kulturellen Identität.

sang1
Andrea Sangueneti. Foto: Sangueneti

4. Wie haben sich die Essener Philharmoniker Ihrer Einschätzung nach seit Ihrem Amtsantritt entwickelt? Welchen Klang haben Sie für das Orchester im Sinn, und hören Sie heute Unterschiede zu 2023?

Ganz eindeutig. Ich finde, dass die Essener Philharmoniker in diesen fast vier Jahren eine enorme Sensibilität und Anpassungsfähigkeit entwickelt haben. Ein Orchester muss heute in der Lage sein, sehr unterschiedliche musikalische Welten unmittelbar zu verstehen. Strauss braucht eine andere Klangvorstellung als Mozart. Verdi funktioniert anders als Korngold. Puccini verlangt etwas anderes als Schostakowitsch.
Ich habe den Eindruck, dass wir inzwischen eine gemeinsame musikalische Sprache entwickelt haben. Dabei geht es überhaupt nicht darum, einen bestimmten „Sanguineti-Klang“ zu produzieren. Ein Orchester muss seine eigene Identität behalten.
Aber ich wünsche mir einen Klang, der gleichzeitig transparent, flexibel und intensiv ist. Bei Strauss oder Korngold muss man eine enorme Klangfülle entwickeln können, ohne dass die einzelnen Stimmen verschwimmen. Bei Mozart oder Verdi brauchen wir dagegen Klarheit, Beweglichkeit und eine ganz andere Form der Artikulation. Im sinfonischen Bereich war es mir außerdem wichtig, eine gewisse Experimentierfreude zu entwickeln – auch bekannte, klassischere Werke einmal aus einer anderen Perspektive zu lesen.
Wenn ich heute mit dem Orchester arbeite, merke ich sehr deutlich, dass wir uns musikalisch gegenseitig besser verstehen als am Anfang meiner Amtszeit. Für mich ist diese Entwicklung eine der wichtigsten Erfahrungen meiner bisherigen Zeit in Essen.

5. Auch „La fanciulla del West“ wurde zum Ende der vergangenen Spielzeit zu einem außergewöhnlichen Erfolg bei Publikum und Presse. Gab es bei dieser Produktion einen Moment, in dem Sie während der Proben oder einer Vorstellung selbst gespürt haben: Jetzt ist etwas Besonderes entstanden?

Ja. Solche Momente kann man natürlich nicht erzwingen. mBei „Fanciulla“ war für mich entscheidend, dass irgendwann Orchester, Sänger und Bühne wirklich angefangen haben, als eine Einheit zu funktionieren. Gerade bei Puccini ist das unglaublich wichtig. Die Musik darf nicht einfach nur schön klingen. Sie muss aus dem szenischen Moment heraus entstehen. Ich hatte während der Proben zunehmend das Gefühl, dass das Orchester sehr unmittelbar auf die Bühne reagiert und die Sänger gleichzeitig sehr stark vom Orchester getragen werden.
Und irgendwann merkt man: Jetzt muss man eigentlich gar nicht mehr viel erklären. Die Musik beginnt von selbst zu sprechen. Das ist für einen Dirigenten ein sehr besonderer Moment.

6. Zur vergangenen Spielzeit gehört allerdings auch eine Vorgeschichte: Im Sommer 2025 wurden von einzelnen Ensemblemitgliedern öffentlich Vorwürfe gegen Ihren Führungsstil erhoben. Eine anschließend durchgeführte externe juristische Prüfung konnte Ihnen kein Fehlverhalten im arbeitsrechtlichen Sinne nachweisen. Was bleibt für Sie persönlich gut ein Jahr später von dieser Erfahrung zurück?

Zunächst einmal war diese Erfahrung für mich persönlich sehr belastend. Nicht nur wegen der Vorwürfe selbst, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie sich die Situation entwickelt hat. Ich war während der laufenden Prüfung an eine Vertraulichkeit gebunden und konnte mich zu den einzelnen Vorwürfen öffentlich kaum äußern. Gleichzeitig waren diese Vorwürfe bereits öffentlich geworden. Das schafft eine enorme Asymmetrie: Die Anschuldigung ist öffentlich, die Möglichkeit, sich dagegen zu verteidigen, aber zunächst nicht.
Für mich war deshalb das Ergebnis der externen juristischen Prüfung entscheidend. Die von der Geschäftsführung beziehungsweise dem Aufsichtsrat beauftragte Prüfung kam zu dem Ergebnis, dass mir kein Fehlverhalten im arbeitsrechtlichen Sinne nachgewiesen werden konnte.
Das ist für mich keine Nebensächlichkeit, sondern eine wichtige Feststellung. Denn zwischen einem erhobenen Vorwurf und einem festgestellten Fehlverhalten besteht ein grundlegender Unterschied. Genau diese Unterscheidung ist in einer öffentlichen Debatte aber leider sehr schnell verloren gegangen. Ich habe danach bewusst entschieden, meine Arbeit nicht von diesem Konflikt bestimmen zu lassen. Meine Antwort konnte und sollte letztlich nur die künstlerische Arbeit sein.

7. Damals konnten Sie sich während der laufenden Prüfung öffentlich kaum zu den Anschuldigungen äußern. Die Vorwürfe waren zu diesem Zeitpunkt aber bereits Gegenstand der Berichterstattung. Sehen Sie darin ein grundsätzliches Problem – also ein Ungleichgewicht zwischen dem Schutz eines internen Prüfverfahrens und dem Schutz der Reputation eines Menschen, über den bereits öffentlich gesprochen wird?

Ja, eindeutig. Aus meiner Sicht wurden die Vorwürfe gegen mich intern intransparent behandelt. Besonders schwer wiegt für mich, dass ich über das Ergebnis des internen Verfahrens nicht einmal informiert wurde. Eine unabhängige juristische Prüfung wurde erst durch Geschäftsführung und Aufsichtsrat veranlasst, nachdem die Angelegenheit bereits öffentlich geworden war. Im Rahmen der WDR- Berichterstattung wurde zudem die Einschätzung von Adil Laraki wiedergegeben, der damals Betriebsratsvorsitzender der Theater und Philharmonie Essen war,
Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und langjähriger Landesvorsitzender NRW der GDBA. Zu diesem Zeitpunkt waren die gegen mich erhobenen Vorwürfe weder auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft noch rechtlich bewertet worden. Wie konnte es geschehen, dass ungeklärte Vorwürfe eine solche mediale Wirkung entfalten konnten, ohne dass ihre tatsächliche Grundlage zuvor ausreichend geklärt war? Und warum wurde nicht früher darauf geachtet, dass die Angelegenheit fair, transparent und unter Wahrung der Rechte aller Beteiligten behandelt wurde, bevor es zu einer derartigen öffentlichen Eskalation kam? Auch die Rolle von Adil Laraki wirft Fragen auf. Angesichts seiner damaligen Funktionen stellte sich die Frage, auf welcher Grundlage er sich öffentlich zu den Vorwürfen äußerte, obwohl deren Wahrheitsgehalt noch nicht festgestellt war, und ob dabei die gebotene Zurückhaltung sowie etwaige Vertraulichkeits- und Verschwiegenheitspflichten beachtet wurden? Für mich persönlich war diese Situation außerordentlich belastend.
Es war mir nicht erlaubt, öffentlich zu den einzelnen Vorwürfen Stellung zu nehmen, während diese bereits öffentlich diskutiert wurden. Dadurch verfestigte sich ein negatives Bild von mir als Führungskraft und als Mensch, dem ich öffentlich nicht entgegentreten durfte. Auch wenn sich nach der mir bekannten abschließenden Bewertung kein arbeitsrechtlich relevantes Fehlverhalten nachweisen lassen konnte, war der Schaden für meine Reputation zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits
entstanden. Besonders schmerzhaft war für mich zu erleben, dass die Vorwürfe öffentlich große Aufmerksamkeit erhielten, während die Ergebnisse der späteren Prüfung kaum öffentlich wahrgenommen wurden. Ich habe erlebt, wie meine berufliche und persönliche Reputation beschädigt wurde, ohne dass ich die Möglichkeit hatte, mich öffentlich wirksam zu verteidigen. Für einen Dirigenten, dessen Arbeit auf Vertrauen und Zusammenarbeit basiert, ist das nicht nur beruflich, sondern auch persönlich tief verletzend. Denn selbst wenn sich Vorwürfe nicht
bestätigen, bleiben in der öffentlichen Wahrnehmung oft Spuren zurück.

natash4
Andrea Sangueneti. Foto: Sangueneti

8. Wie ist es Ihnen danach gelungen, wieder vollständig zur künstlerischen Arbeit zurückzufinden?

Für mich war entscheidend, dass ich mich irgendwann wieder vollständig auf das konzentrieren konnte, wofür ich in Essen Verantwortung trage: die künstlerische Arbeit. Die externe Prüfung war dabei eine wichtige Grundlage. Sie hat mir ermöglicht, die Situation nicht nur persönlich, sondern auch professionell einzuordnen. Für mich wurde dadurch noch einmal sehr deutlich, dass die künstlerischen Ziele, die wir uns gesetzt hatten, grundsätzlich richtig waren. Und vor allem konnte ich an den Ergebnissen der Arbeit anknüpfen. Seit September 2025 habe ich eine deutliche künstlerische Entwicklung erlebt. Die Vorbereitung der Partien ist strukturierter geworden, die Zusammenarbeit zwischen Orchester, Sängerinnen und Sängern und den szenischen Teams hat sich weiterentwickelt, und ich habe den Eindruck, dass auch das gemeinsame musikalische Niveau noch einmal gestiegen ist. Das Entscheidende ist am Ende die Bühne. Dort lässt sich sehr konkret erkennen, ob eine musikalische und künstlerische Arbeit funktioniert. Die internationale Resonanz auf „La fanciulla del West“ war für mich deshalb besonders wichtig. Und auch bei „Das Wunder der Heliane“ erlebe ich jetzt eine sehr starke künstlerische Reaktion. Das bestätigt mich darin, dass wir musikalisch den richtigen Weg eingeschlagen haben.
Natürlich hat mich die damalige Situation persönlich sehr beschäftigt. Aber ich möchte meine Zeit in Essen nicht über diese Auseinandersetzung definieren. Viel wichtiger ist für mich, was wir gemeinsam künstlerisch erreicht haben und was wir noch erreichen können.
Ich habe noch eine Verantwortung für dieses Haus und für das Orchester. Und deshalb geht es mir heute vor allem darum, diese Arbeit auf einem möglichst hohen Niveau weiterzuführen und gleichzeitig meinem Nachfolger ein künstlerisch gut aufgestelltes Haus zu übergeben. Wenn ich auf die Entwicklung der letzten Jahre schaue, bin ich darauf stolz. Nicht weil alles einfach gewesen wäre, sondern gerade weil wir trotz aller Schwierigkeiten musikalisch und künstlerisch weitergearbeitet und uns weiterentwickelt haben.
Am Ende sollte das die eigentliche Antwort sein: nicht die öffentliche Auseinandersetzung, sondern die Qualität der Arbeit auf der Bühne.

9. Wenn wir uns am Ende Ihrer vierten Spielzeit noch einmal unterhalten  würden: Woran würden Sie persönlich erkennen, dass es eine gute Saison
gewesen ist?

Daran, dass ich dieses Theater ein Stück weiter nach vorne gebracht habe. Ich bin heute stolz auf die künstlerische Entwicklung, die wir seit September 2025 erreicht haben. Trotz aller Schwierigkeiten ist auf der Bühne sehr viel entstanden. Ich möchte meine letzte Spielzeit in Essen deshalb nicht als bloßen Abschied von etwas betrachten, sondern als Verantwortung gegenüber dem, was danach kommt. Mein Ziel ist, meinem Nachfolger ein Theater zu übergeben, das künstlerisch stark, musikalisch gut aufgestellt und bereit für die nächsten Schritte ist.
Ich möchte, dass die Essener Philharmoniker ihre gewachsene musikalische Identität behalten und weiterentwickeln. Und ich möchte, dass das Aalto-Musiktheater den Mut behält, große und manchmal schwierige Werke zu spielen – auch wenn sie nicht die einfachste oder billigste Lösung sind.
Natürlich hat mich die vergangene Zeit persönlich sehr viel gekostet. Das wäre unehrlich zu verschweigen. Aber ich möchte am Ende nicht auf die Konflikte zurückblicken, sondern auf die Musik. Auf die Entwicklung des Orchesters, die Produktionen und Sänger und auf die Abende, an denen plötzlich alles zusammengepasst hat. Und wenn ich am Ende sagen kann: „Dieses Theater steht künstlerisch stärker da, als ich es übernommen habe, und mein Nachfolger bekommt eine gute Grundlage, um darauf weiterzubauen“, dann wäre das für mich eine gute
Saison. Und vor allem wäre es für mich ein guter Abschluss dieser besonderen Zeit in Essen.

Das Gespräch führte Mag. I.C. im Oktober 2026

_____________________________________________________________________________________

16.,17.,18.10.2026 – Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Pforzheim-Niefern-Öschelbronn und Ötisheim – Baden-Württemberg (Deutschland).

„Verachtet mir die Meister nicht und ehrt mir ihre Kunst!“

gollo

Gottlob Frick-Medaille

In Erinnerung an den legendären, weltberühmten Bass Gottlob Frick (1906-1994), der als jüngstes von 13 Kindern in Ölbronn geboren wurde, zum Weltstar avancierte und auf Grund seiner unverwechselbaren, dunklen Timbre-Qualität als einer der bedeutendsten „schwarzen Bässe“ des 20.Jahrhunderts gilt, findet alljährlich das Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in der Heimat des großen Künstlers statt.

Seine besten Freunde Ehrenpräsident Hans A. Hey und Gattin Ingrid pflegen liebevoll das Andenken an den unvergessenen Ausnahmesänger und bewerkstelligen eindrucksvoll, gemeinsam mit ihrem Team, die Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft.

Für die, von weit her angereisten Gäste, wurde bereits am Abend des 16.10.2026 im Best Western Queens Hotel in Niefern-Öschelbronn, in dem alle Teilnehmer des Künstlertreffens wohnten, neben einem gemütlichen Beisammensein, ein unterhaltsames, musikalisches Programm vorbereitet.

Ehrenpräsident Hans A. Hey begrüßte mit einer enthusiastischen, zündenden Rede die anwesenden Künstler sowie Ausführenden des Abends und eröffnete hiermit das diesjährige Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft.

Studierende der Musikschule Gutmann aus Mühlacker, die von Herta Gutmann geleitet wird, präsentierten abwechslungsreiche Darbietungen. Zur Vorspeise war ein ganz spezieller rhythmischer Auftakt mit Julian Faupel, Lasse Wilhelm und Aaron Wenzel unter der Leitung von Arthus Gutmann zu erleben, in dem die jungen Musiker mit Töpfen, Pfannen, Kochlöffel und sonstigem Küchenzubehör unterschiedliche rhythmische Variationen kreierten.

Als kleiner Zwischengang wurde Klaviermusik zu Gehör gebracht.

Zunächst zeigte die siebenjährige Nelia Geissel ihr bereits beachtliches Können am Klavier mit dem traurigen (Leopold Mozart) und dem lustigen Clown. Anschließend beeindruckte die dreizehnjährige Georgierin Lizi Tughushi mit der „Kroatischen Rhapsodie“ von Tonci Huljic. Eine Verbindung von klassischem Klavierspiel und modernen energetischen Pop-Beats.

Zum Abschluß interpretierte die vierzehnjährige Maria Pohlke eindrucksvoll „La Foule“, eines der bekanntesten Chansons von Edith Piaf, am Klavier. Die Melodie ist ein peruanischer, argentinischer Walzer aus dem Jahr 1927 von Angel Cabral.

Ehrenpräsident Hans A. Hey überreichte Herta Gutmann, Irene Stenzel und mir feierlich und liebenswürdig eine Goldene Rose zum Dank für unsere jahrelange Unterstützung der Gottlob-Frick-Gesellschaft.

Der Abend klang harmonisch und freundschaftlich mit guten Gesprächen aus.

Am nächsten Tag waren bis Mittag schließlich alle Teilnehmer am Künstlertreffen eingetroffen wie u.a. KS Renate Behle, Daniel Behle, KS Oskar Hillebrandt, Star-Journalist Thomas Voigt, Christine Cerletti, Lukas Enoch Lemke, Michail Milanov, Irene Stenzel, Cornelius Hauptmann, Clemens Bieber, KS Rüdiger Wohlers, Jeanne Piland, Wolfgang Kärcher, Matthias Ries-Wolff, John Pickering, Marion Seidel, Wilja Ernst-Mosuraitis…

alt riess wolff

Daniel Behle und seine Mutter KS Renate Behle. Rechts daneben Ehrenpräsident Hans A.Hey. Fotocredit: Gottlob-Frick-Gesellschaft

Der traditionelle Festakt mit dem anschließenden Festkonzert, zu dem alle gemeinsam mit dem Shuttlebus hingebracht wurden, fand in der Erlentalhalle in Ötisheim statt.

Für den musikalischen Beginn des Festakts zeichnete das Klaviertrio „Reminiscenza“ verantwortlich – Sofia Páez Prat (Violine), Clara Millet Gomis (Cello), Ihor Panchenko (Klavier). Das hochkarätige Trio beeindruckte mit dem 1.Satz des berühmten Klaviertrios in G-Dur, Hob. XV:25, von Joseph Haydn.

alt wanderer
Feierliche Überreichung der Gottlob Frick-Medaille an Nils Wanderer. Foto: Frick-Gesellschaft

Der Präsident der Gottlob-Frick-Gesellschaft, Thomas Kleinheinz hielt eine mitreißende Begrüßungsrede und bedankte sich ebenfalls namentlich bei uns für unsere jahrelange Unterstützung. Im Zuge seiner dynamischen Rede kündigte er den hervorragenden Countertenor Nils Wanderer an, der aus der Oper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel die berühmte Arie „Lascia ch‘io pianga“ zum Besten gab. Erfüllt von hochmusikalischer Intensität, wohldosierter, hingebungsvoller Stimmführung und hinreißendem Legato faszinierte Nils Wanderer mit seiner exzeptionellen Darbietung.

Cornelius Hauptmann betonte in seiner berührenden Laudatio auf Nils Wanderer, nachdem er dessen beeindruckenden Werdegang dem Publikum näherbrachte, die außergewöhnliche Persönlichkeit und das überragende Talent des jungen Ausnahmeinterpreten. Am 14. Mai 2026 feierte Nils Wanderer sein erfolgreiches Debüt an der Metropolitan Opera in New York in der Rolle des Leonardo in der Met-Premiere der zeitgenössischen Oper „El último sueño de Frida y Diego“ von Gabriela Lena Frank unter der musikalischen Leitung von Yannik Nézet-Séguin.

Thomas Kleinheinz und Cornelius Hauptmann überreichten feierlich die Gottlob-Frick-Medaille an Nils Wanderer.

In seiner packenden Festrede befaßte sich Thomas Kleinheinz eingehend mit dem Phänomen „Tenor“. Er versuchte anekdotenreich und akribisch in seinen umfangreichen Ausführungen der enormen Bewunderung, Popularität und Faszination dieses raren Stimmfachs auf den Grund zu gehen.

Nach einer kurzen Pause nahm das Festkonzert unter dem Titel „Vorhang auf!“ seinen eindrucksvollen Anfang.

„Reminiscenza“ faszinierte mit dem Klaviertrio G-Dur, Hob. XV:25 von Joseph Haydn (1732-1809)
2. Satz: Poco adagio. Cantabile
3. Satz: Rondo all‘Ongarese. Presto

Mit bestrickender Homogenität, hochmusikalischer Verve und pointierter Akkuratesse bewiesen die drei jungen Musiker ihre interpretatorische Ausgereiftheit und Professionalität.

Aus der Oper „L‘elisir d‘amore“, dem Melodramma giocoso in zwei Akten von Gaetano Donizetti (1797-1848) war zunächst die Cavatina des Belcore „Come Paride vezzoso“ (1. Akt) zu hören.

Der hochbegabte, vielfach ausgezeichnete Bariton Ljubomir Milanovic, der im Masterstudiengang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim studiert und u.a. beim Anneliese-Rothenberger-Wettbewerb 2025 mit dem Gottlob-Frick-Sonderpreis ausgezeichnet wurde, beeindruckte mit seiner edeltimbrierten, durchschlagskräftigen Stimme und imposanten Bühnenpräsenz.

alt daniel
Daniel Behle. Foto: Marco Borggreve

Der renommierte deutsche Tenor und Komponist, Daniel Behle, zählt zu den vielseitigsten deutschen Sängern seiner Generation. Der hochdekorierte Weltstar fesselte mit der Romanze des Nemorino „Una furtiva lagrima“ (2. Akt).

Erfüllt von hochmusikalischer Innigkeit, exzellenter Stimmführung, höchster tenoraler Qualität dominiert von betörenden Legatobögen zog er das faszinierte Publikum in seinen Bann.

Mit der Opera seria in zwei Akten „I Capuleti e i Montecchi“ von Vincenzo Bellini (1801-1835) wurde das außergewöhnliche Konzert fortgesetzt. Die Szene und Arie der Giulietta „Eccomi in lieta vesta… oh! quante volte, oh! quante“ (1. Akt) wurde von der ukrainischen Sopranistin Aleksandra Domashchuk, die sich derzeit im Masterstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart befindet, technisch pointiert mit belcantesker Feinheit, souveräner Virtuosität und eindrucksvoller Attacke präsentiert.

Daniel Behle brillierte mit der Blumenarie des Don José „La fleur que tu m‘avais jetée“ (2. Akt) aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet (1838-1875). Hochprofessionelle Akzentuiertheit in hinreißender Verbindung mit wohldosierter Empathie und fulminante Spitzentöne, führten zu einer Darbietung von herausragender Exzellenz!

Den glänzenden Schlußpunkt des ersten Konzertteils setzte aus Bizets dreiaktiger Oper „Les pêcheurs de perles“ das Duett Nadir / Zurga „Au fond du temple saint“ (1. Akt).
Daniel Behle und Ljubomir Milanovic interpretierten überwältigend das berühmte Duett aus der Feder von Georges Bizet.

Die hochkarätigen Solisten wurden stets einfühlsam, professionell und aufmerksam von dem italienischen Meisterpianisten Matteo Pirola am Klavier begleitet.

Der zweite Teil dieses exzeptionellen Konzerts begann mit dem Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 32
1. Satz: Allegro moderato von Anton Arensky (1851-1906). „Reminiscenza“ – Sofia Páez Prat (Violine), Clara Millet Gomis (Cello) und Ihor Panchenko (Klavier) zeigten erneut ihre überragende Virtuosität, hervorragende musikalische Komplexizität und ihr herausragendes Interpretationsprofil.

Mit der Arie des Lyonel „Ach so fromm, ach so traut“ (3. Akt) aus der romantisch-komischen Oper in vier Akten „Martha“ von Friedrich von Flotow (1812-1883) präsentierte Daniel Behle abermals eine grandiose Interpretation und ein enormes Spektrum seines überragenden Könnens.

Das Lied der Martha „Letzte Rose“ (2. Akt) wurde von Aleksandra Domashchuk hingebungsvoll, empathisch mit einnehmendem lyrischem Impetus beeindruckend dargebracht.

Aus der Operette in drei Akten „Gasparone“ von Carl Millöcker (1842-1899) reüssierte Ljubomir Milanovic mit dem Lied des Erminio „Dunkelrote Rosen bring‘ ich, schöne Frau“ (3. Akt). Schönstimmig mit galant verführerischer Attitüde wußte er gekonnt zu beeindrucken.

Mit der Operette in drei Akten „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke (1885-1953) wurde das phänomenale Konzert fortgesetzt. Das Lied der Julia „Strahlender Mond“ (1. Akt) wurde von Aleksandra Domashchuk mit souveräner, lyrischer Emphase, inniger Musikalität und vokaler Präzision gekonnt in Szene gesetzt.

Das Lied des Fremden „Ich bin nur ein armer Wandergesell“ (1. Akt) durchlebte Daniel Behle mit brillanter Authentizität, interpretatorischer Wahrhaftigkeit und stimmlicher Brillanz.

Aus der Operette in zwei Akten „Der Bettelstudent“ von Carl Millöcker (1842-1899) fesselte Ljubomir Milanovic mit dem Auftrittslied des Ollendorf „Ach, ich hab‘ sie ja nur auf die Schulter geküsst“ (1. Akt). Gefühlvoll, mit humoresker Attitude und profunder vokaler Eleganz repräsentierte er sein ureigenstes Profil.

„Die lustige Witwe“ Operette in drei Akten von Franz Lehár (1870-1948) war der nächste Programmpunkt dieses exzellenten Konzertabends. Das Duett Hanna / Danilo „Lippen schweigen“ (3. Akt) wurde von Aleksandra Domashchuk und Ljubomir Milanovic hochemotional, geprägt von musikalischer Sensitivität und inniger Empathie mitreißend gestaltet.

Meisterpianist Matteo Pirola begleitete das ganze Konzert hochprofessionell und empathisch am Klavier.

Den krönenden Abschluß dieses sensationellen Konzerts bildete Daniel Behle mit der Arie des Sou Chong „Dein ist mein ganzes Herz“ (3. Akt) aus der romantischen Operette in drei Akten „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehár.

Atemberaubend, mit phänomenalem, tenoralem Biss, exzellenten Spitzentönen und höchstqualitativer Weltstimme präsentierte Star-Tenor Daniel Behle die legendäre Tenor-Arie.

Das vor Begeisterung jubelnde Publikum in der ausverkauften Erlentalhalle in Ötisheim erklatschte sich zwei Zugaben.

Daniel Behle interpretierte mit grandioser Virtuosität, hinreißendem Humor und seiner bewährten stimmlichen Exzellenz das „Couplet Fußball“. Seine eigene Komposition über den, in seiner Geburtsstadt Hamburg befindlichen, FC – St. Pauli. Eine köstliche, meisterhafte Visitenkarte seiner kompositorischen Brillanz.

alt festkonzert
Die ausführenden Künstler des Festkonzerts, Foto: Frick-Gesellschaft

Alle Protagonisten dieses fantastischen Konzerts verabschiedeten sich mit dem, von ihnen brillant dargebotenen, „Feuerstrom der Reben“ aus „Die Fledermaus“ von Johann Strauss (1825-1899).

Anschließend wurde den Künstlern feierlich die Gottlob-Frick-Medaille überreicht.

Im Anschluß an das exquisite Festmenü im Best Western Queens Hotel in Niefern-Öschelbronn hatte ich die große Ehre und Freude, gemeinsam mit dem Ehrenpräsidenten der Gottlob-Frick-Gesellschaft, Hans A. Hey, ein packendes Interview mit Weltstar Daniel Behle führen zu können.

Traditionsgemäß fand am nächsten Tag die Matinee mit Star-Journalist Thomas Voigt und einem weiteren berühmten Tenor, Kammersänger Rüdiger Wohlers, im Best Western Queens Hotel statt.

alt wolf behle
KS. Rüdiger Wohlers im Gespräch mit Renate Behle. Im Hintergrund Marisa Altmann-Althausen Foto: privat 

Die Matinee begann mit der legendären Tonaufnahme von der „Entführung aus dem Serail“ von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1966. Zu hören war das berühmte Duett „Vivat, Bacchus! Bacchus lebe!“ (2. Akt) mit Gottlob Frick (Osmin) und Gerhard Unger (Pedrillo) mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Josef Krips.

Thomas Voigt moderierte mit der ihm eigenen Fachkompetenz und interviewte KS Rüdiger Wohlers über sein künstlerisches Leben.

Wohlers, der in den 1970er- und 1980er- Jahren als einer der führenden lyrischen Tenöre im deutschsprachigen Raum galt und besondere Maßstäbe mit seinen Mozart-Partien setzte, betonte, dass er noch mit Gottlob Frick auf der Bühne gestanden sei und zwar in der legendären Aufführung der „Entführung aus dem Serail“ bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Gottlob Frick war damals bereits in fortgeschrittenem Alter und gab noch einmal einen fulminanten Osmin und der bereits gefeierte lyrische Mozart-Tenor Rüdiger Wohlers brillierte in der Rolle des Belmonte.

Als nächste Tonaufnahme war die erste Aufnahme von Rüdiger Wohlers im Alter von 22 Jahren aus dem Jahre 1967 zu hören, auf der er „La donna è mobile“ mit Klavier sang. Eine wahrlich historische Aufnahme, die bereits sein überragendes Talent erkennen ließ.

alt voigt
Thomas Voigt im Gespräch mit Daniel Behle. Foto: Frick-Gesellschaft

Auf die Frage von Thomas Voigt nach den Anfängen in seiner Karriere hob Rüdiger Wohlers hervor, dass die Anfänge in diesem Beruf, die ersten Vorsingen und Engagements sehr schwer und deprimierend für ihn waren.

An der Hochschule und der Opernschule lief noch alles wie „geschmiert“, aber die ersten beruflichen Gehversuche waren mit großen Schwierigkeiten verbunden.

Aufwärts ging es für ihn erst als er an das Staatstheater Darmstadt engagiert wurde und er dort „peu à peu“ die richtigen Rollen zu singen bekam. Durch sein Engagement an das Opernhaus Zürich avancierte er zum gefeierten Mozart-Tenor seiner Generation.

Als nächste Tonaufnahmen von Rüdiger Wohlers waren zu hören die Traumerzählung des Chevalier des Grieux „Ich schloss die Augen“, eine der berühmtesten Tenor-Arien aus der Oper „Manon“ von Jules Massenet (2. Akt), die von Wohlers überwältigend gesungen wurde und „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ (Tamino) aus „Die Zauberflöte“ an der Bayerischen Staatsoper. Rüdiger Wohlers beeindruckte mit enormer Wortdeutlichkeit da, wie er betonte, die Sprache in seinem Leben eine sehr wichtige Rolle spielt und mit herrlichen Legatobögen.

Sehr viel arbeitete Wohlers mit Karl Böhm wie zum Beispiel an der Deutschen Oper Berlin, der Wiener Staatsoper und dem Royal Opera House Covent Garden in London.

Durch seine großen Bühnenerfolge, die er als berühmter Mozart-Tenor weltweit feierte, wurde er auch wiederholt zu Fernsehsendungen eingeladen wie zum Beispiel zum „Blauen Bock“, „Einer wird gewinnen“ oder „Dalli Dalli“…

Aus der Fernsehsendung „Zum Blauen Bock“ war die Tonaufnahme „O sole mio“ in der mitreißenden Interpretation von Rüdiger Wohlers zu hören. Er hob hervor, dass zur damaligen Zeit in den Fernsehsendungen primär live gesungen wurde. Weiters wurde die Fernsehaufnahme „Dein ist mein ganzes Herz“, die Arie des Sou Chong aus „Das Land des Lächlens“ von Franz Lehár beeindruckend zu Gehör gebracht.

Rüdiger Wohlers erzählte weiter über seine aktive Zeit als gefeierter Sänger, in der auch mit Sir Georg Solti und Kurt Masur gearbeitet und Aufnahmen gemacht habe. Außerdem mit Harry Kupfer an der Staatsoper Stuttgart in „Idomeneo“ zusammengearbeitet habe und an der Mailänder Scala mit Riccardo Muti und Michael Hampe in „Cosi fan tutte“.

Anschließend war die Aufnahme von Rüdiger Wohlers als Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“ – „Dalla sua pace“ –  zu erleben. Die Aufnahme gilt als historisches Dokument der Münchner Operngeschichte. Aufgenommen am 31. Juli 1976 vom Bayerischen Rundfunk aus der Bayerischen Staatsoper in München unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch. Rüdiger Wohlers‘ Don Ottavio zeichnete sich durch außergewöhnliche Kultiviertheit, ein makelloses Legato und eine hochelegante Phrasierung aus.

Auf die Frage von Thomas Voigt, ob er auch als Lehrer tätig sei, erklärte er, dass er jahrelang den Konzertchor in Zürich unterrichtend begleitete und bis zu 40 Gesangsschüler gehabt habe.

Seinem Stimmfach entsprechend widmete er sich natürlich auch dem Liedgesang und gab Liederabende wie zum Beispiel mit „Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert.

Als Lieddokument von Rüdiger Wohlers war die Tonaufnahme der „Cäcilie“ (op. 27 Nr. 2) von Richard Strauss eindrucksvoll zu hören.

In den frühen 1980er- Jahren entstand die Aufnahme der Orchesterfassung des Liedes mit dem Gewandhausorchester Leipzig unter der Leitung von Kurt Masur.

Zum Abschluss dieser ergreifenden Matinee war ein wunderbares Tondokument aus dem Jahre 1982 zu erleben, auf welcher sich Rüdiger Wohlers mit der Arie des Rodolfo „Che gelida manina“ aus dem 1. Akt der Oper „La Boheme“ von Giacomo Puccini im italienischen Fach exzellent profilierte. Seine Partnerin auf dieser Aufnahme war die US-amerikanische Sopranistin Jeanette Scovotti in der Rolle der Mimi.
Dieses historische Tondokument zeigte eindrucksvoll Rüdiger Wohlers‘ Vielseitigkeit, lyrische Strahlkraft und seine stilsichere Interpretation der italienischen Romantik.

Ein phänomenales Ende der traditionellen Matinee und des diesjährigen Künstlertreffens der Gottlob-Frick-Gesellschaft, das erneut von außergewöhnlicher Exzellenz und exzeptioneller Brillanz geprägt war!!!

Marisa Altmann-Althausen

______________________________________________________________________________________________________________

Einladung zur oberösterreichischen Filmpremiere im MOVIEMENTO in Linz

pros
Um Anmeldung bitten wir bis 16. November 2026 unter
office@johannes-deutsch.at
18:00 Uhr Begrüßung: Dr.in Maria Reitter-Kollmann
Einführung: Univ.-Prof.in DDr.in Monika Leisch-Kiesl
im Gespräch mit Johannes Deutsch
18:30 Uhr Filmpräsentation
19:30 Uhr Publikumsgespräch mit Johannes Deutsch

_____________________________________________________________________________________________

 

Diese Seite drucken