INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 23. MAI 2026)
Salzburg/ Pfingstfestspiele: 22.5. 2026 Salzburg – Haus für Mozart – „IL VIAGGIO A REIMS“
Wenn die Prinzipalin aus der Torte springt
Es ist Claudio Abbado zu verdanken, dass Rossinis perlendes Meisterwerk seinen Weg in das Repertoire der Opernhäuser (wieder) gefunden hat. Auch an der Wiener Staatsoper kam man in der allgemeingültigen Regie von Luca Ronconi vor mehr als 35 Jahren Jahren erstmals in den Genuss dieser herrlichen Nonsens-Sause. Monserrat Caballé, Ruggero Raimondi, Cecilia Gasdia, Ferruccio Furlanetto waren damals die Stars. In den letzten Jahren erregte vor allem Damiano Michielettos Sichtweise in einer Gemeinschaftsproduktion diverser Opernhäuser weltweit Aufsehen – bei ihm fügten sich alle Darsteller am Schluss in das Krönungsbild von Karl X.
Nun hat sich für eine Neuproduktion der Salzburger Pfingstfestspiele Cecilia Bartoli gemeinsam mit Gianluca Capuano, den Musiciens du Prince und Barrie Kosky (Regie), Rufus Didwiszus (Bühne) und Victoria Behr (Kostüme) zur Feier ihres runden Geburtstags der brillanten Komödie angenommen. Der Anlass ist nicht die Krönung eines Herrschers, sondern ihre Party, am Schluss wird nicht Frankreich, sondern die Musik besungen.
Zum Premierenbericht von Sabine Längle
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Staatsoper / Ballettrepertoire: „Manon“ und ein kurzer Blick auf die kommende Saison

Alessandra Ferri. Foto:attitude/Ricardo Leitner
Alessandra Ferri, früher italienischer Tanzstar mit Erfolgen rund um die Welt, zieht Bilanz über ihr erstes Jahr als Leiterin des Wiener Staatsballett. Leistungen und Besucherzahlen: Keine Klage. Das Zusammenfügen einer total international zusammengesetzter Kompanie ist sehr positiv verlaufen. Österreicher finden wir unten den Damen und Herren im Solistenstatus allerdings keine mehr. Der Aufbau, die Führung von Heranwachsenden in der eigenen Jugend hat hier versagt. Dieses doch sehr wesentliche Problem im heimischen Kulturleben scheint im Gewissen der Politiker wie Bundestheater-Verantwortlichen jedoch abgehackt zu sein.
Ferri setzt in der kommenden Saison ihre Programmlinie fort: Einer der großen Ballettklassiker, einmal mehr Rudolf Nurejews brillante „Schwanensee“-Einstudierung aus den 60er Jahren, sowie überwiegend Tanzschöpfungen führender englischer, amerikanischer Choreographen aus den Tagen ihrer früheren Karriere. Im Mittelpunkt: John Neumeiers „Nijinsky“ und Wayne McGregors „Woolf Works“ (Reflexionen über Virigina Woolfs Poetik). Die eigene groß kreierte Tanzschöpfung, Markenzeichen jedes Hauses, fehlt vorläufig noch. Immerhin choreographiert Eno Peci, langgedienter und verdienstvoller Solotänzer des Ensembles, als Uraufführung „Burden Loops“ zu Musik von Philip Glass in der Volksoper.

Foto: Wiener Staatsballett/ Ashley Taylor
Als Wiederaufnahme ist in diesen Tagen die tragische Geschichte der „Manon“ im Spielplan der Staatsoper angesetzt. Eines der Meisterwerk von Kenneth McMillan (1929 – 1992): Mit dem Londoner Royal Ballet auf Musik von Jules Massenet 1974 erarbeitet und seit 1993 in der Staatsoper mehrmals wieder aufgenommen. Mehrere Besetzungen sind diesmal für sieben Abend aufgeboten. Das Ensemble zeigt sich in diesem dramatisch wirkungsvoll gestalteten Handlungsballett mit seinen zahlreichen fein charakterisierenden Tänzen spielfreudig, gut einstudiert, trägt die historischen Kostüme mit Stil. Wunderbar lebt sich Cassandra Trenary in die Rolle der unglücklichen Manon ein. Victor Caixeta ist ihr als Des Grieux ein höchst eleganter Partner. Perfekte Leistungen, eine von ihnen mit ungemeiner Geschmeidigkeit und mit aller Präzision demonstrierte Tanzkunst. Die gute Hand zur Entwicklung des Ensembles scheint Alessandra Ferri gegeben zu sein.

Foto: Wiener Staatsballett/ Ashley Taylor
Meinhard Rüdenauer
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IPG-Internationale Ignaz Joseph Pleyel-Gesellschaft/ Ruppersthal/NÖ
Mit traurigen Herzen geben wir, die Internationale Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft bekannt, dass unser ehemaliger Vizepräsident Dkfm. Walter Schwabe für immer von uns gegangen ist. Wie Sie der angefügten Pate entnehmen können, findet sein Begräbnis am kommenden Dienstag statt. Wir werden Ihn für seine langjährigen und großen Verdienste rund um die Wiederentdeckung von Ignaz Joseh Pleyel für immer in bleibender Erinnerung behalten.
Für die Internationale Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft: Adi Ehrentraud
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STAATSBALLETT BERLIN: PREMIERE „FEARFUL SYMMETRIES“ CHOREOGRAPHIEN VON GEORGE BALANCHINE UND CHRISTIAN SPUCK
Premiere: «Fearful Symmetries»
Am 30. Mai 2026 präsentiert das Staatsballett Berlin mit Fearful Symmetries einen zweiteiligen Abend mit einer Kreation von Staatsballett-Intendant Christian Spuck sowie dem Glanzstück Symphony in C von George Balanchine. Zur Musik von Georges Bizet und John Adams widmen sich die beiden Werke dem Thema Symmetrien und deren Brechung. Es spielt die Staatskapelle Berlin.
Das Staatsballett Berlin präsentiert am 30. Mai 2026 in der Staatsoper Unter den Linden die Premiere Fearful Symmetries und vereint in diesem Programm eine Uraufführung von Intendant Christian Spuck zur gleichnamigen Musik von John Adams mit George Balanchines zeitlosem Meisterwerk Symphony in C zur Musik von Georges Bizet. Gemeinsam ist beiden Werken eine große Besetzung sowie die musikalische Kraft, die von der Staatskapelle Berlin unter der Musikalischen Leitung von Paul Connelly zum Leben erweckt wird.
George Balanchine macht in seinem Ballett Symphony in C nach der gleichnamigen Komposition von Georges Bizet die Musik choreographisch sichtbar. Jeder der vier Sätze ist ein eigenes kleines Ballett, dass schließlich im großen Finale zusammenkommt. Als Solopaare der vier Sätze treten zur Premiere Iana Salenko mit David Soares, Polina Semionova mit Martin ten Kortenaar, Marina Duarte mit Jack Easton sowie Haruka Sassa mit Kalle Wigle auf. Das Werk verkörpert das Erbe einer klassischen Tanztradition, während die 52 Tänzer*innen durch ihre Vielseitigkeit und Energie der Aufführung eine besondere Dynamik und Lebendigkeit verleihen.
Christian Spucks Tanzstück Fearful Symmetries widmet sich der gleichnamigen Komposition von John Adams und macht deren rhythmische Intensität und Energie visuell erlebbar. Im Spiel mit Symmetrien und deren Brechung treten neben einem großen Ensemble vier Hauptfiguren auf. Weronika Frodyma als Königin, Ross Martinson als Narr, Jan Casier als Liebhaber und Dominik White Slavkovský als Wissenschaftler ringen zur Premiere um Einfluss und Kontrolle, so Christian Spuck: «Dabei geht es weniger um konkrete Geschichten, sondern darum, emotionale und symbolische Bilder zu schaffen, die die Vielschichtigkeit von Macht befragen.» Begleitet von 26 weiteren Tänzer*innen in Kostümen von Emma Ryott, einem Bühnenentwurf von Rufus Didwiszus und im Lichtdesign von Irene Selka entfaltet sich eine rasante Choreographie.
PREMIERE
Fearful Symmetries
Choreographie von George Balanchine und Christian Spuck
Symphony in C: Choreographie George Balanchine
Musik Georges Bizet (Sinfonie Nr. 1 C-Dur, 1855)
Kostüme Elsie Lindström
Licht Irene Selka
Einstudierung Sandra Jennings
Uraufführung
Fearful Symmetries
Choreographie Christian Spuck
Musik John Adams
Bühne Rufus Didwiszus
Kostüme Emma Ryott
Licht Irene Selka
Musikalische Leitung Paul Connelly
Staatskapelle Berlin
Tänzer*innen des Staatsballetts Berlin
Premiere/Uraufführung:
30. Mai 2026, 19.30 Uhr
Vorstellungen4. | 11. | 13. | 14. | 28. Doppelvorstellung | 30. Juni 2026
2., 6. Juli 2026
Staatsoper Unter den Linden
Spieldauer 1 Std. 30 Min. | inkl. einer Pause
Tickets: 29 – 115 Euro
Ticketservice: TELEFON +49 (0)30 20 60 92 630
E-MAIL tickets@staatsballett-berlin.de
FAX +49 (0)30 20 35 44 83
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17.05.2026: HELLO DOLLY (Stadttheater Klagenfurt)
Ein wenig ist es wie aus der Zeit gefallen, wenn das Stadttheater Klagenfurt, unbeeindruckt von den an den größeren Häusern allenthalben gepflegten Umdeutungs- und Dekonstruktionstendenzen im Bereich der als solche auch fragwürdig gewordenen „heiteren Muse“ die Saison wieder mit einem Werk des klassischen Musical-Repertoires beschließt. Und dabei das Stück, das zweifellos seine dramaturgischen Unebenheiten hat, einfach so nimmt, wie es ist; eine Reihe sympathischer Menschen auf einer charmant atmosphärischen Bühne (Bühne: Anneliese Neudecker) hübsch altmodisch – vintage heißt das wohl – anzieht (Kostüme: Nicola Reichert, Bettina Breitenecker) und unbeirrt von nicht mehr ganz zeitgemäßen Klischees der Geschlechterrollen die Höhen und Tiefen ihrer Liebeswirren durchleben lässt, bis zum absehbaren, wenn auch etwas abrupten Happy End (Regie: Igor Pison).

Hello Dolly – die Hauptdarstellerin mit Ensemble © Stadttheater Klagenfurt – Helge Bauer
Das alles geht natürlich bei einem Klassiker wie Hello Dolly von Jerry Herman und Michael Stewart nur, wenn man für die wirklich tragende Titelfigur eine entsprechende Besetzung aufweisen kann, was in Klagenfurt mit der umwerfenden Wienerin Carin Filipčič uneingeschränkt der Fall ist. Gerade im richtigen Alter, um sich von den jungen Paaren mit verschmitzter Lebensweisheit abzuheben, dominant auf die sympathische Weise, im richtigen Moment auch berührend, und vor allem stimmlich bis in die exponierten Lagen souverän und ausdrucksvoll. Ein ebensolcher Glücksfall ist der Duisburger Tim Grobe als kauziger Horace, der den heiklen Part zwischen Ungustl und Sympathieträger irgendwo in der Nähe von Louis de Funes ansiedelt, mit der entsprechend komischen Wirkung. Sängerisch lässt er an den wenigen Stellen, die ihm zugedacht sind, durch markanten Chanson-Ton aufhorchen – von ihm könnte man sich diesbezüglich durchaus mehr vorstellen.
Die beiden jungen Paare – Cornelius Hackl und Irene Molloy sowie Barnady Tucker und Minnie Fay – waren bei den aufgeweckten, auch in der Bewegungskomik überzeugenden Sander van Wissen, Gloria Enchill, David Hegyi und Vivienne Dejon gut aufgehoben: ersterer berührte auch mit seinen Songs als lyrischer Liebhaber.
Das gesamte Ensemble mit Chor, Ballett und Kärntner Symphonie-Orchester erfüllte unter der Leitung von Günter Wallner schwungvoll und mit sichtlichem Vergnügen seine Aufgabe. Dass man die gesprochenen Passagen auf Deutsch, die gesungenen jedoch im originalen Englisch darbot, gewährte denen, die sich am funkelnden Sprachwitz der Song-Texte erfreuen wollten, dazu reichlich Gelegenheit.
So scheint auch das Publikum gegenüber den eingangs erwähnten Umerziehungsversuchen resistent und spendete reichlich Applaus zu über sechzig Jahre alten Ohrwürmern in klassischem Gewand, und dies – Ironie des Schicksals? – nur wenige Stunden, nachdem in Wien der ESC über die Bühne gegangen war, von dessen „Hits“ man so kurz danach vermutlich nicht einen im Gedächtnis behalten hatte.
Valentino Hribernig-Körber
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Musikverein Graz: Anbei darf ich Ihnen die Presse vom Konzert am 19. Mai zukommen lassen:
Kleine Zeitung,
Graz, am 21.05.2026
MUSIKVEREIN GRAZ: Lebendig gestaltete Raritäten von den Inseln
„Very british“ war Leitmotiv der Philharmonischen Soirée im Grazer Kammermusiksaal.

Copyright: Musikverein Graz
Abgesehen von Benjamin Britten bereichern englische Komponisten gerade auf üppige Weise das gängige Konzertrepertoire. So war eine „Very british“-Soirée im Kammermusiksaal – die Nr. 3 in der Serie – für manche Überraschung gut: Mit der von ihm gewohnten totalen Umsichtigkeit leitete der Grazer Orchestchef Vassilis Christopoulos das 20-köpfige Streicherensemble der Philharmoniker und sorgte in drei englischen Werken des vergangenen Jahrhunderts wiederum für bloße Aufmerksamkeit hinausreichende Spannung und Klangopulenz. Vanessa Latzko, seit über 20 Jahren Soloflötistin des Ensembles, brillierte im Solopart des Flötenkonzerts Nr. 1 von Gordon Jacob mit technischer Bravour, hoher Tonqualität und Klangraffinesse. Jacob, Schüler von Vaughan Williams, war übrigens mit seinen etwa 700 Werken einer der fruchtbarsten Tonsetzer Englands im 20. Jahrhundert.
Den gestalterischen Höhepunkt bildete die abschließende vierteilige „St. Paul’s Suite“ des hierzulande bestenfalls durch seinen Orchesterzyklus „The Planets“ vertrauten Komponisten Gustav Holst (1874-1934).
Walther Neumann
Nächstes Konzert im Musikverein: Wiener Philharmoniker unter Riccardo Muti mit Haydn. 22.5. 19.30 Uhr.
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