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INFOS DES TAGES (MONTAG, 29. JUNI 2026)

29.06.2026 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MONTAG, 29. JUNI 2026)

Heute Wiener Staatsoper: BALLETT-GALA 2026

Feier des Tanzes
Die Ballettgala ist heuer dem legendären Choreografen Frederick Ashton gewidmet
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 © National Portrait Gallery London

Frederick Ashton, 1962 für seine Ver­diens­te um das Bal­lett zum Rit­ter von Groß­bri­tan­nien ge­schla­gen, zählt zu den her­aus­ra­gen­den Per­sön­lich­kei­ten der Tanz­ge­schich­te und gilt als ei­ner der maß­geb­li­chen Ge­stal­ter einer Bal­lett­kunst des 20. Jahr­hun­derts. 1935 von Ninette de Valois an das Vic-Wells Ballet, wel­ches erst zum Sadler’s Wells Ballet und spä­ter zum Royal Ballet London wer­den soll­te, als Tän­zer und Chef­cho­reo­graf ver­pflich­tet, ist seine Kar­rie­re eng mit der be­rühm­ten Lon­do­ner Com­pa­gnie ver­bun­den: 1942 bis 1963 war Ashton stell­ver­tre­ten­der Di­rek­tor, 1963 bis 1970 Di­rek­tor des Royal Ballet.

Wiener Staatsoper Ballett-Gala 2026)

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München: Die Walküre (gefunden und kommentiert von TTT)

Der Satz „Allzumenschelndes deckt Götteruntergang zu“ stammt aus einer Opernkritik von Wolf-Dieter Peter, die am 26.   Juni 2026 in der neuen musikzeitung (nmz) veröffentlicht wurde.   Er beschreibt die Inszenierung von Richard Wagners „Walküre“ an der Bayerischen Staatsoper in München unter der Regie von Tobias Kratzer

Die Kritik argumentiert, dass die Inszenierung durch übermäßige, „allzumenschelnde“ (d.h.   banal-alltäglich wirkende) Details und Erfindungen die mythische Tragweite und den „Götteruntergang“ (im Sinne von Götterdämmerung oder dem Untergang der Götterwelt) der Oper verwässert.   Konkret kritisiert der Autor:

  • Die Verwendung von Video-Erklärfilmen, die als „dünn“ und sinnentleert empfunden werden. 
  • Die Einrichtung von bayerisch-traditionellen Kulissen(z. B. ein schickes Haus für Hunding mit Marien-Marterl und Alarmanlage), die im Kontrast zu Wagners hochstilisiertem Text stehen.
  • Die Hinzufügung von Elementen wie Kirchenräubernoder einem Lada-ähnlichen Fahrzeug, die als unergiebig und die Spannung mindernd beschrieben werden. 

Der Titel der Kritik lautet: „Allzumenschelndes deckt Götteruntergang zu – Wagners ‚Walküre‘ als ‚ächt baierischer‘ Festspielauftakt in Münchens Staatsoper“. Die Kritik hebt zwar die sängerische Leistung (u.   a. Nikolaus BrownleeMiina-Liisa VäreläJoachim Bäckström) und das Dirigat von Vladimir Jurowski hervor, bemängelt aber, dass diese die szenischen Mängel nicht kompensieren könnten.

TTT
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Baden/ Bühne: DER VOGELHÄNDLER. Premiere

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Ricardo Frenzel-Baudisch, Verena Tranker. Copyright: Christian Husar

Am Währinger Gürtel hat sich eine Gutmensch*Innende das Ziel gesetzt, unter den Augen der politisch Verantwortlichen, aber fachlich Ahnungslosen die Kunstform Operette auszurotten. In Baden verhindert der Bannstrahl des seligen Robert Herzl — Gott sei Dank! — Schlimmeres. (Noch.)

Anläßlich der 120 Jahr-Feier der Sommerarena spielt die Bühne Baden Der Vogelhändler: die erfolgreichste Operette des k. u. k. Sektionsrates im Finanzministerium, Dr. Carl Zeller.

Auf Basis einer Konzeptionsidee des nachmaligen Intendanten Michael Lakner bearbeiteten Barbara Spitzer und Francesc Abós Text, Ort und Zeit der Handlung: Baden bei Wien im Jahr 1906 statt der Pfalz im 18. Jahrhundert. Wie gut, daß Natalia Ushakova als Kurfürstin Marie ihr Fröhlich Pfalz, Gott erhalts! weitgehend unverständlich singt: So kümmert derartige Diskrepanz niemanden.

Die Verbindung mit Baden und Österreich, so Barbara Spitzer und Francescs Abós in einem vor Gemeinplätzen strotzenden Beitrag im Programmheft, schüfe eine zusätzliche Nähe. (Ja, eh.) Gleiches gelte für die Anspielungen und Bezüge, die dem Publikum vertraut vorkommen (es aber nicht sein müssen). … Schade eigentlich, daß Carl Zeller und seine Librettisten M. West und Ludwig Held davon keine Ahnung hatten. Nie wäre es ihnen eingefallen, ihren Vogelhändler woanders als in Baden bei Wien spielen zu lassen…

…VII.
Dennoch, nehmt nur alles in allem: Mit dieser Vogelhändler-Produktion machte man sich am Stadttheater das größte Geschenk für die 120 Jahr-Feier der Sommerarena. Man bewies, daß die Wiener Operette lebt — in Baden.

https://dermerker.com/index.cfm?objectid=9015BF81-0F7B-D14A-37F623BB7387E313

Thomas Prochazka/www.dermerker.com

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Wiesbaden: Abschluss Hessische Theatertage 2026: Preisverleihung

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Auf dem Foto zu sehen sind: vordere Reihe v. l. n. r. Mikheil Charkviani (Theaterregisseur, Jurymitglied), Pia Eppig (Regisseurin, Gewinnerin Publikumspreis), Bella Enderlein  (Vertreterin HTA für die Nachwuchspreisgewinner Aleksandra Nowakowska und Andrzej Józefczyk), Bea Banca (Produktionsassistenz Hessische Theatertage); zweite Reihe v. l. n. r. Shirin Sojitrawalla (freie Journalistin, Jurymitglied), Dorothea Hartmann (Intendantin Staatstheater WIesbaden), Andreas Jahnke (Künstlerische Produktionsleitung Hessische Theatertage); hintere Reihe v. l. n. r. Hannah Stollmayer (leitende Schauspieldramaturgin, Jurymitglied), Paul Ansmann (Regisseur/Regieassistent, Jurymitglied), Theresa Willeke (Künstlerische Betriebsdirektorin), Uwe Arsand (Technische Produktionsleitung Hessische Theatertage). Copyright: Lukas Anton

Mit einer Preisverleihung endeten am Samstag, den 27. Juni 2026 die diesjährigen Hessischen Theatertage am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Zehn Tage lang waren Produktionen der Theater Kassel, Frankfurt, Darmstadt, Gießen, Marburg und Wiesbaden sowie Produktionen der Freien Szene Hessens – im Rahmen des MADE.Festivals – und Arbeiten Studierender der Hessischen Theaterakademie zu erleben.

Zwei Preise wurden verliehen: Eine Fachjury vergab den Nachwuchspreis der Hessischen Theatertage an eine Produktion unter den sechs präsentierten Arbeiten Studierender der zum Verbund der Hessischen Theaterakademie gehörigen Hochschulen. Gewonnen hat den Preis, der mit 3000 Euro dotiert ist, die Produktion „Speechless“, eine Tanzperformance mit Live-Sampling, von Aleksandra Nowakowska und Andrzej Józefczyk.

Für den mit 2000 Euro dotierten Publikumspreis durften die Zuschauerinnen und Zuschauer unter allen im Rahmen des Festivals gezeigten Stücken abstimmen. Auch beim Publikumspreis setzte sich eine Produktion Studierender der Hessischen Theaterakademie durch: Es gewann das Stück „Hertopia“ von Pia Epping.

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Stuttgart: Gauthier Dance: „LUCK / UNLUCK“ 26.06. 2026 (Premiere im Theaterhaus) – Gruppenglück

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Beschwörende Gesten in UNLUCK von Hofesh Shechter. Copyright: Jeanette Bak

 Während das Stuttgarter Ballett seit Beginn der derzeitigen Intendanz auf Hauschoreographen verzichtet, hat Eric Gauthier für sein inzwischen kaum weniger renommiertes Ensemble gleich drei sogenannte Artists in residence an Land gezogen. Außer Barak Marshall, der für die letzte Premiere ein Stück konzipierte, sind es die führenden Modern Dance Vertreter ihrer Herkunftsländer, Aszure Barton aus Kanada und Hofesh Shechter aus Israel, die das aktuellste Programm mit Auftragsarbeiten zum Titel gebenden Thema „Glück / Unglück“ bestimmen. In seinem Vorwort bezeichnet Gauthier es als besonderes Glück, die beiden Tanzschöpfer fix für Stuttgart gewonnen zu haben. Indes ist der umtriebig charmante Compagnieleiter generell durch seine erfolgreiche und beständig neue Publikumsschichten erobernde Arbeit ein Glückspilz. Vor den beiden Uraufführungen begrüßte er in den Zuschauerreihen u.a. keine Geringere als Marcia Haydée, die im nächsten Jahr ihren 90.Geburtstag feiern und wie er bei dieser Gelegenheit verrät, in der kommenden Spielzeit sogar eine Choreographie für Gauthier Dance beisteuern wird. Das Glück bleibt also auf seiner Seite.

 Spontan hat Gauthier die Reihenfolge vertauscht und lässt den Abend mit dem Unglück beginnen, wobei sich ja die beiden weit gedehnten und von philosophischer Tragweite bis zum Alltag reichenden Begriffe nicht wirklich trennen lassen und das Eine mit dem Anderen in seiner Gegensätzlichkeit irgendwie verbunden ist. Für Shechter ist persönliches Glück mit täglichen Ritualen, speziell in seiner schöpferischen Arbeit verbunden. Diese mal bewusst außer Acht zu lassen, bedeutet somit das Risiko der Herausforderung des Schicksals. Bedeutet das Unglück? In seiner Choreographie mit dem Untertitel „Any way the wind blows“ versucht er Antworten auf die zutiefst menschlichen Fragen nach der Erklärung unbekannter und unverständlicher Mächte und Zusammenhänge zu finden. Das geschieht bei ihm nicht in solistischen Einzelgängen, sondern von Anfang bis Ende im Verbund einer Gruppe, die sich wohl auch mal teilt oder auseinander strebt, den Sog der Bewegungen letztlich gemeinschaftlich trägt. Einem von akustisch unablässig wummernder Rhythmik angetriebenen unaufhörlichen Sog aus ganzkörperlichen Riten, beschwörenden gestischen Formeln aus Gebetszuständen, stemmenden Fäusten, markierend gestischen Beschwörungen der Hände bis hin zu sprechenden Formen des Mundes. Stillstand gibt es hier keine Sekunde. Die Tänzer in individuellen farblich diversen Gewandungen bis auf einen mit freiem Oberkörper – was angesichts der Hitze dieses Tages allen zu wünschen gewesen wäre – demonstrieren Shechters einerseits weich fließenden, andererseits massiv dramatischen Stil bei allem manchmal augenscheinlichen Chaos mit einer bestechenden Präzision, die die Wirksamkeit der Aufführung noch steigert.

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Brillante Gruppen-Wirkung in LUCK von Aszure Barton. Copyright :Jeanette Bak

 Für die Ohren genauso penetrant laut, gar noch beständig hämmernder in den Beats, entfaltet sich nach der Pause Aszure Bartons Beitrag „Luck“ in einem ganz auf schwarz-weiß konzentrierten Bühnenraum inklusive der schwarzen Kostüm-Kreationen aus gerafften Hosen, teils am Kragen krinolierten Jacken und Strümpfen. Glückszustände mögen doch anders ausschauen, mag sich da mancher fragen, aber Barton konzentriert die große Reichweite der Thematik ganz auf den Tanz, auf  einen im Tempo konstant durchgezogenen Vorwärtsdrang, der keine Zeit zum Atemholen lässt. Hin und wieder gehört einzelnen Tänzern die Bühne, doch auch hier lebt das Geschehen von der Energie der Gruppe, dem Verbundensein, das dem Glück einen Raum bereitet. Leicht und fast lässig demonstrieren sie in Flug- und Auffang-Aktionen, im Halten und Getragensein ein gegenseitiges Grundvertrauen. Zwischen teils grob ausscherenden, teils ganz kongruenten Bewegungsmustern werden erwartungsvolle Blicke nach oben gerichtet. Kommt das Glück doch von einer höheren Macht? Bei aller Komplexität entsteht immer wieder eine Synchronität, die das Glücksgefühl in den Körpern spürbar macht. In den besten Momenten ist das nicht weit von virtuosem Ballett entfernt.

 Auch wenn wie gesagt die Last der Darbietung diesmal ganz auf dem gesamten Ensemble lag, haben es doch die Compagnie-Mitglieder, die Gauthier immer ganz individuell nach Persönlichkeiten auswählt, verdient, einzeln genannt zu werden: Rebecca Amoroso, Bruna Andrade, Tuti Cedeno, Andrew Cummings,  Karlijn Dedroog, Stefano Gallelli, Garance Goutard Dekeyser, Barbara Melo Freire, Shai Ottolenghi, Luca Pannacci, Alexandra Policaro,  Arnau Redorta Ortiz, Sidney Elizabeth Turtschi, Giovanni Visone, Shawn Wu und Shori Yamamoto.

 Zweifellos in einem Glückszustand befand sich das Publikum in der gewohnt ausverkauften großen Halle des Theaterhauses. Jubelchöre und größtenteils stehende Ovationen sind mittlerweile Normalität bei Gauthier Dance. Möge es in den Zeiten bröckelnder Subventionen so weiter gehen!

Udo Klebes

 

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