INFOS DES TAGES (MITTWOCH, 4. FEBRUAR 2026)
Streit bei den Salzburger Festspielen: Hätte sich Karajan je einem Hearing unterzogen?

Bei den Salzburger Festspielen gibt es Unstimmigkeiten zwischen dem Intendanten und dem Kuratorium, was die Bestellung der Schauspielleitung angeht. Der Fehler war es, diesen Posten
überhaupt auszuschreiben
…Dass Hinterhäuser die Schauspielleitung auf Dauer nicht allein machen kann, ist verständlich. Derzeit tendiert er offenbar zu Karin Bergmann als Schauspielleiterin: eine gute Wahl. Diese so energische wie uneitle Frau hat als Direktorin von 2014 bis 2019 das Burgtheater aus einer tiefen Krise geführt, seit 2022 leitet sie erfolgreich die Salzkammergut-Festwochen. Wer einen besseren Kandidaten wüsste, soll ihn nennen. Es ist nicht anzunehmen, dass sich bei der Ausschreibung ein solcher gemeldet hat: Nur selten bewerben sich wirklich Qualifizierte um einen solchen Posten. Polemisch gefragt: Hätte sich Herbert von Karajan je auf eine Ausschreibung hin für das Amt des künstlerischen Leiters beworben?
So war es ein Fehler des Kuratoriums, überhaupt eine Ausschreibung mit Hearings anzusetzen. Es ist auch ziemlich egal, ob Karin Bergmann sich einem solchen Hearing unterzogen hat. Trotz-
dem muss man in der außerordentli- chen Sitzung darüber debattieren, das ist halt der Fluch einer sinnlosen Proforma-Ausschreibung. Doch danach soll man den Intendanten und die Schau-
spielleitung seines Vertrauens arbeiten lassen. Es wird ob der Renovierungsarbeiten im Festspielbezirk ohnehin schwer genug.
Auszug aus „Die Presse“
https://www.diepresse.com/20544415/streit-bei-den-salzburger-festspielen-haette-sich-karajan-je-einem
________________________________________________________________________________
Wiener Staatsope: Für »JEWELS« am Donnerstag, 05.02.2026 steht ein Kontingent von 30 Karten für Kurzentschlossene zum Preis von 55€ je Ticket zur Verfügung.

Dieses Angebot kann ab Mittwoch, 04.02.2026, 10 Uhr nur an den Tageskassen (nicht im online Ticketshop) & nur nach Vorlage der BundestheaterCard eingelöst werden. Pro Person sind max. 2 Tickets buchbar.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Ihr Team der Wiener Staatsoper
________________________________________________________________________________
Premiere / Frankfurter Erstaufführung WRITTEN ON SKIN
Oper in drei Teilen von George Benjamin und Martin Crimp (Text)
In englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Erik Nielsen

Tatjana Gürbaca. Foto: Tobias Kruse/ ostkreuz.jpg
Inszenierung: Tatjana Gürbaca
Bühnenbild, Licht: Klaus Grünberg
Kostüme: Silke Willrett
Dramaturgie: Maximilian Enderle
Protector: Bo Skovhus
Agnès: Elizabeth Reiter
First Angel /Boy: Iurii Iushkevich
Second Angel / Marie: Cecelia Hall
Third Angel / John: Michael McCown
Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper
Ein reicher Mann will sich in einer Buchmalerei verherrlichen lassen. Doch das Resultat konfrontiert ihn mit einer unbequemen Wahrheit. Written on Skin ist eine etwa 90-minütige Oper in drei Teilen, die George Benjamin (*1960) als Auftragswerk mehrerer europäischer Häuser komponierte und die 2012 beim Festival d’Aix-en-Provence uraufgeführt wurde. Sie gilt bislang als eine der erfolgreichsten Opern des 21. Jahrhunderts mit einer großen sinnlichen Tiefe. Der Text stammt von dem britischen Dramatiker Martin Crimp (*1956), mit dem Benjamin zuvor bereits die Kammermusikoper Into the Little Hill geschaffen hatte.
Der Text für Written on Skin basiert auf der mittelalterlichen Legende vom „verspeisten Herzen“, die sich um den Troubadour Guillem de Cabestanh rankt: Nach der Affäre mit der Ehefrau eines Gönners fand der Künstler einen gewaltsamen Tod.
Zum Inhalt: Eigentlich besitzt der Protector alles, was er sich wünscht: Geld, Ländereien und den – wie er sagt – „stillen, gehorsamen Körper“ seiner Ehefrau Agnès. Mit den Bildern, die er von sich anfertigen lässt, gerät seine Lebensrealität jedoch ins Wanken. Fasziniert von der Kunst und der empathischen Art des jungen Malers, beginnt Agnès eine Affäre mit ihm. Als die beiden dem Protector ihre Verbindung offenbaren, tötet der Betrogene den Maler und nötigt seine nichts ahnende Ehefrau, dessen Herz zu essen. Doch Agnès wendet selbst ihre größte Demütigung in einen persönlichen Triumph.
Musikalisch geleitet wird diese Frankfurter Erstaufführung von Erik Nielsen. Er war der Oper Frankfurt zehn Jahre lang bis 2012 als Korrepetitor und zuletzt als Kapellmeister verbunden. In dieser Zeit erarbeitete er sich ein umfangreiches Repertoire von über 80 Opern von Monteverdi bis Lachenmann. Zuletzt dirigierte er hier die Neuproduktion Aida im Jahr 2023. Nielsen war darüber hinaus von 2022 bis 2024 Chefdirigent der Tiroler Festspiele in Erl. Written on Skin wird von der international gefragten Regisseurin Tatjana Gürbaca inszeniert. Seit ihrem Turandot-Debüt in Graz im Jahr 2001 arbeitete sie an namhaften Häusern, unter anderem in Amsterdam, Wien und Zürich. In Frankfurt hat sie sich als Regisseurin für selten gespielte Opern
einen Namen gemacht. 2022 inszenierte sie Ulisse von Luigi Dallapiccola – eine Produktion, die bei Presse und Publikum auf viel Zuspruch stieß. Im Jahr 2024 folgte ihre Lesart von La Juive von Fromental Halévy:
„Große Oper, großer Jubel“, konstatierte die Frankfurter Rundschau. Die Partie des Protector interpretiert Bo Skovhus. Durch zahlreiche Auftritte an vielen renommierten Opernhäusern hat sich der Däne international einen großen Namen gemacht. Seit fast 40 Jahren steht er mittlerweile auf der Bühne, zu den zentralen Partien seiner Karriere gehören Lear aus der gleichnamigen Oper von Aribert Reimann, Beckmesser (Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner), Titus (Bérénice von Michael Jarrell) sowie Mandryka (Arabella von Richard Strauss). Die Partie seiner Frau Agnès wird von Elizabeth Reiter übernommen. Die amerikanische Sopranistin ist seit der Spielzeit 2013/14 Teil des Ensembles der Oper Frankfurt und überzeugte in dieser Spielzeit bereits als Räubermädchen Fiorella in Die Banditen und als Despina in der Neuproduktion von Così fan tutte. Countertenor Iurii Iushkevich, der in der vergangenen Spielzeit als Nireno in Giulio Cesare in Egitto am Haus debütierte, singt die Partie des First Angel / Boy. Komplettiert wird die Besetzung der Frankfurter Erstaufführung durch die ebenfalls langjährigen Ensemblemitglieder Cecelia
Hall (Second Angel / Marie) und Michael McCown (Third Angel / John).
Premiere / Frankfurter Erstaufführung: Sonntag, 1. März 2026, um 18 Uhr im Opernhaus
Weitere Vorstellungen: 5., 7., 13., 15. (15.30 Uhr), 21., 29. März (19 Uhr), 5. April 2026 (18 Uhr)
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr.
Preise: € 16 bis 190 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Karten sind bei den üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im Telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.
________________________________________________________________________________________
Buuuuuuuuuh!
Im Londoner Opera House quittieren die Zuschauer eine Turandot-Aufführung ohne „Nessun Dorma“ mit Buh-Rufen und bekommen Geld zurück. Richtig so.
Neben dem Kasperletheater und der Multifunktionsarena gilt das Opernhaus als eines der letzten Refugien des vom Publikum leidenschaftlich vorgetragenen „Buhs“. Während in Puppenbühnen noch während der Vorstellung zu Missfallensäußerungen sogar ausdrücklich aufgerufen wird, sie richten sich meist gegen Räuber oder Krokodile, kann sich laut vorgetragener Unmut in Großarenen – je nach Veranstaltung – auch gegen Sportler, Künstler und Politiker wenden. In Opernhäusern richtet sich Publikumsprotest heutzutage eher gegen den Regisseur oder das Bühnenbild, seltener gegen einzelne Sänger oder Musiker, da sich allgemein die Auffassung durchgesetzt zu haben scheint, dass gerade der darstellende Mensch oft Opfer seiner Umstände ist.
Im Londoner Royal Opera House soll es gerade einen gewaltigen Buh-Sturm gegeben haben. Der beim Publikum in Mailand und Bayreuth bereits wegen persönlicher Zickereien etwas verschriene französische Tenor Roberto Alagna hatte sich in der britischen Hauptstadt in Giacomo Puccinis „Turandot“ nach dem zweiten Akt wegen Unpässlichkeit als bunt gekleideter Prinz Calàf verabschiedet, einen Ersatzsänger gab es nicht. Da übernahm spontan Musikdirektor Richard Hetherington den Part, wenn auch nur in Pullover und Turnschuhen vom Bühnenrand aus. Jeder, der schon mal „Turandot“ in der Oper gesehen hat, weiß natürlich, dass 90 Prozent der Menschen hier vor allem auf die Arie „Nessun dorma“ warten, das „Let it be“ des Lachsbrötchen-Bürgertums. Andere kennen die Melodie vielleicht aus Filmen wie „Mission Impossible“ oder „Shaun das Schaf“. Wer diese Arie, in der es um die Liebe geht, aber auch um Schlaflosigkeit in Peking, nur einmal in seinem Leben gehört hat, kriegt sie nie wieder aus dem Kopf, so wunderschön ist sie. Am liebsten würde man freilich gleich danach noch den Freiheitschor aus Giuseppe Verdis „Nabucco“ hören, aber die beiden Opern werden selten gemeinsam aufgeführt.
Und so war der Unmut in London natürlich groß, als „Nessun dorma“ einfach gestrichen wurde, was wohl nicht nur an der unpassenden Kleidung des Musikdirektors lag.
Obwohl die Arie höchstens zwei Prozent der gesamten Aufführungszeit ausmacht, sollen die „Turandot“-Besucher jetzt 50 Prozent ihres Ticketpreises erstattet bekommen. Und, das muss man schon sagen: Eine solch freundliche, ausgesprochen professionelle Veranstaltergeste hatte es zuletzt weder irgendwo im Kasperletheater gegeben noch bei Veranstaltungen, bei denen zum Beispiel der US-amerikanische Präsident unverhofft zum Lachsbrötchen in der Multifunktionsarena auftauchte, worauf man im Publikum vor lauter Buhs sein eigenes Wort nicht mehr verstand. Für das Londoner Opernpublikum jedenfalls gilt: „Vincerò!“
Martin Zips
________________________________________________________________________________________
Theater Augsburg: Mackie Messer & mehr. Brecht-Festival

Neuinszenierungen von »Die Dreigroschenoper« und »Die Hamletmaschine« am Staatstheater Augsburg
Nach über 20 Jahren bringt das Staatstheater Augsburg »Die Dreigroschenoper« zurück auf die Bühne der Geburtsstadt Bertolt Brechts. Die Neuinszenierung in der Regie von Sapir Heller ist der Höhepunkt des Theaterbeitrags zum Brechtfestival 2026 (27. Februar bis 1. März), bei dem das Staatstheater als größter institutioneller Partner auftritt. Neben drei Vorstellungen von »Die Dreigroschenoper« zeigt das Fünfspartenhaus »Die Hamletmaschine« von Heiner Müller mit ebenfalls drei Vorstellungen innerhalb des Brechtfestivals. Begleitende Workshops und inklusive Angebote knüpfen an den konzeptionellen Ansatz der neuen Festivalleitung an.
»Die Dreigroschenoper« (Premiere: 27.2.26)
Die renommierte israelische Regisseurin Sapir Heller inszeniert »Die Dreigroschenoper« von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill (Musik) unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann mit einem großen Ensemble aus musikalisch versierten Schauspielerinnen und Schauspielern, Mitgliedern der Augsburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Ivan Demidov sowie einer Band aus lokalen Musiker:innen (Leitung Schauspielmusik: Stefan Leibold) in der Interimsspielstätte martini-Park. Die Rolle des Macheath, genannt Mackie Messer, übernimmt Ensemble-Mitglied Thomas Prazak. In den weiteren Rollen sind Natalie Hünig, Patrick Rupar, Sebastian Müller-Stahl und Mirjana Milosavljević vom Staatstheater Augsburg sowie Olivia Lourdes Osburg und Samantha Ritzinger als Gäste zu erleben.
Sapir Heller, die nach eigenen Worten »mit Brechts Texten Deutsch gelernt« hat und zuletzt in Tel Aviv seine »Mutter Courage« inszenierte, schätzt an seinen Werken, dass sie »die ganz großen gesellschaftlichen und politischen Themen behandeln – und das mit allen zur Verfügung stehenden Unterhaltungsmitteln des Theaters«, so die Regisseurin. »›Die Dreigroschenoper‹ jetzt hier in Augsburg inszenieren zu dürfen, ist für mich als Brecht-Fangirl wirklich etwas ganz Besonderes.«
Schonungslos legt »Die Dreigroschenoper« offen, wie bürgerliches und kriminelles Geschäftsverhalten ineinander übergehen. Moral hat hier – wie das sprichwörtlich gewordene Zitat »Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral« deutlich macht – keinen Platz. Die gezeigten Mechanismen von Macht, Machterhalt und dem Willen zum Überleben machen die 1928 uraufgeführte Geschichte aus der Halbwelt der Bettler:innen und Kriminellen bis heute zu einem Spiegel gesellschaftlicher Strukturen.
Mit großer musikalischer Kraft und zeitkritischer Schärfe erzählt Sapir Hellers Neuinszenierung den modernen Klassiker als einen existentiellen Kampf. Die Ausstattung (Kostüme: Slavna Martinovic) setzt dabei auf überraschende Details und ein Wüsten-artiges Niemandsland (Bühne: Anna van Leen), in dem die Figuren um ihr Überleben, aber auch um Macht und Anerkennung ringen – und dennoch immer wieder an ihren eigenen Gefühlen und Beziehungen scheitern.
Sabeth Braun, Leitende Schauspiel-Dramaturgin am Staatstheater Augsburg, sagt zur Entscheidung für »Die Dreigroschenoper«: »Warum noch länger auf die Wiedereröffnung des Großen Hauses warten? 2002 wurde die letzte Neuinszenierung hier in Augsburg realisiert – wir finden: es ist Zeit für eine neue Sicht auf diesen streitbaren Klassiker.«
»Die Dreigroschenoper« | von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill (Musik) unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann | Premiere Fr 27.2.26 19:30 Uhr | martini-Park
Vorstellungen während des Brechtfestivals am Freitag, den 27.2. (Premiere), Dienstag, den 3.3. und Freitag, den 6.3. (jeweils 19:30 Uhr) sowie Folgevorstellungen bis Mai 2026. Alle Infos und Tickets unter www.staatstheater-augsburg.de/die_dreigroschenoper.
———————–
»Die Hamletmaschine« (Premiere: 1.3.26)
Heiner Müller gilt als der vielleicht radikalste Erbe Bertolt Brechts – und so ist auch »Die Hamletmaschine« kein gewöhnliches Theaterstück, sondern eine Verdichtung aus Sprache, Geschichte und Identität. Mit der Premiere dieses in Deutschland derzeit selten gespielten Stücks in der brechtbühne bringt das Staatstheater Augsburg eine zweite Theaterproduktion in das Brechtfestival 2026 ein.
Das 1977 entstandene, nur neun Seiten umfassende Stück weist weder Charaktere noch Dialog oder Handlung im herkömmlichen Sinn auf, sondern besteht aus auf den ersten Blick unzusammenhängenden Prosafragmenten und Regieanweisungen. Der Text verweigert sich einfachen Deutungen und stellt Fragen, auf die er keine Antworten hat. Verstanden werden kann er als ein Spiegelspiel zwischen Hamlet und Ophelia, Mann und Frau, Intellektuellem und Revolutionärem.
Die Regisseurin Lilli-Hannah Hoepner, die zuletzt 2024 in Augsburg »Romeo und Julia« inszeniert hat, erweitert Heiner Müllers Text mit zusätzlichem Material über Ophelia um eine weibliche Perspektive.
Buchstäblich im Nebel inszeniert, entfaltet sich aus dem Spiel der Augsburger Darstellenden Ute Fiedler, Julius Kuhn, Jenny Langner und Kai Windhövel ein Theaterabend von beklemmender Aktualität. Choreografie (Rônni Maciel), Licht (Alexander Cappek) und Musik (Lilijan Waworka) unterstreichen die Intensität und Dringlichkeit, mit der Heiner Müller Shakespeares »Hamlet« in die Trümmer des 20. Jahrhunderts zerlegt.
»Die Hamletmaschine« | Schauspiel von Heiner Müller | Premiere So 1.3.26 18 Uhr | brechtbühne im Gaswerk
Vorstellungen während des Brechtfestivals am Sonntag, den 1.3. (Premiere, 18 Uhr), Dienstag, den 3.3. und Mittwoch, den 4.3. (jeweils 19:30 Uhr). Alle Infos und Tickets unter www.staatstheater-augsburg.de/die_hamletmaschine.
____________________________________________________________________________________________________
Buchkritik: GötterVERdämmerung
GötterVERdämmerung

Ein Opernroman
INHALT
Eine Gesellschaft, die nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist, Gesetze und Menschenleben geringschätzt, dunkle Triebkräfte verherrlicht und schließlich in sich selbst zusammenbricht. Eine solche Gesellschaft führt Wagner in seiner Götterdämmerung vor und daran schreibt dieser Roman weiter. Ausgangspunkt der Handlung ist ein vom Bühnentechniker Alberich geschaffener Rubin-Ring, in dem ein Algorithmus gespeichert ist. Wird dieser in sozialen Netzwerken freigesetzt, schürt er Angst und spaltet die Gesellschaft. Wotan, der als autoritärer Parteiführer die Macht übernehmen will, hat sich neben der Oper eine Parteizentrale bauen lassen, die er sein Walhall nennt. Er kann jedoch die Baumafia Fafner & Fasolt nicht bezahlen. Sein Berater Loge empfiehlt ihm, den Ring zu rauben. Mit seiner Hilfe könne er das Bauvorhaben beenden, die Angst der Menschen instrumentalisieren und sich als starken Mann positionieren. Der Raub des Rings gelingt, doch geht er sogleich wieder verloren und da kommt Sigi ins Spiel, der Dirigent des Opern-Orchesters.
Begrüßung zur Buchvorstellung in Salzburg, 06.12.2025: https://www.youtube.com/watch?v=_KDaBV_057Y
Fritz und Johanna Egger lesen Szene 13: Sigi bei der Baumafia: https://www.youtube.com/watch?v=1FDu5Ge_fnk
Fritz und Johanna Egger lesen Szene 18: Wotan und seine Ehefrau Fricka: https://www.youtube.com/watch?v=L_Dbh8th_cQ
Fritz und Johanna Egger lesen die 27. und letzte Szene: https://www.youtube.com/watch?v=vp5wJ0Ye94k
Musikanalyse Siegfrieds Trauermusik: https://www.youtube.com/watch?v=PHeDCV4oisk
Begrüßung zur Buchvorstellung im Hollitzer Verlag und 2. Szene, 10.12.2025: https://www.youtube.com/watch?v=-BJv6t7nR68
Thomas Landl und Prisca Buchholtz lesen aus der 5. Szene: Wotan und Fricka: https://www.youtube.com/watch?v=ioraH8j6s1U
„Eines der faszinierendsten Bücher des Jahres (laut Meinung des Sendungsgestalters und Autors dieser Zeilen)
ist erst vor kurzem im Hollitzer Verlag erschienen: GötterVERdämmerung von Rainer Buland und Claudia Steiner-Fridrich.“
Christoph Wellner, Radio Klassik, Rubato, 15.12.2025
Buchkritik: „GötterVERdämmerung. Ein Opernroman“, Rainer Buland, Claudia Steiner-Fridrich
Ringkampf – so heißt der Roman, den Thea Dorn einst in Anlehnung an den Ring des Nibelungen, freilich sehr frei montiert, geschrieben hat. Der (historische) Brand der Frankfurter Oper war da nur ein vergleichbares Motiv. Auch in einem neuen „Opernroman“, einer nicht erst seit Donna Leons Venezianisches Finale populären Gattung, brennt die Oper: doch nun am Ende, also passend zum Wagnerschen Ring-Schluss. Man wird in Claudia Steiner-Fridrichs und Rainer Bulands GötterVERdämmerung immer wieder auf Erinnerungen an die Ring-Wirklichkeit stoßen – doch der Reihe nach.
Normalerweise besteht ein Roman aus einem fortlaufenden Erzähltext. Man kann ihn natürlich auch mit anderen Textsorten, wie’s germanistisch korrekt heißt, anreichern. Im Fall der GötterVERdämmerung haben es der Leser und die Leserin (einmal ist unbegründet von einer „Dirigentin“ die Rede, worüber sich der genderverwirrte Leser ihre Gedanken machen könnte) mit einem Romantext und eingeschobenen Passagen zu tun, die man mitlesen oder überspringen kann. Der Rezensent empfiehlt dringend, die Miniaturabhandlungen musikwissenschaftlicher, philosophischer, dramaturgischer und dramaturgischer Art nicht zu überspringen – das Lesevergnügen wird dadurch nur erhöht. Es vertieft die Kenntnis des Ring selbst für diejenigen, die das Werk zu kennen meinen, aber „wer kennt schon genau den Ring“, wie Frau Hagen sagen würde? Frau Hagen? GötterVERdämmerung ist durchaus eine Paraphrase auf die Tetralogie, doch keine Nacherzählung in modernem Gewand, auch wenn sie in irgendeiner Gegenwart spielt…
Von Frank Piontek
Weiterlesen im „Opernfreund“
Der Opernfreund.de
___________________________________________________________________________________________________
CD RONDOS FOR ADRIANA – ADRIANA GONZÁLEZ und das Ensemble Diderot mit Arien von Mozart, i Soler, Tarchi, Bertoni, Giordani, Anfossi und Weigl; Audax Records
Auf den Spuren von Adriana Ferrarese

„Es erschien uns folgerichtig, Variationen zu integrieren, die die besonderen Qualitäten unserer Adriana hervorheben. Es war eine monatelange Arbeit des Schreibens, Probierens, Anpassens und Interpretierens.“ Iñaki Encina Oyón
Mozarts erste Fiordiligi hieß Adriana Ferrarese del Bene. Die aus Friaul stammende, am venezianischen Ospedale dei Mendicanti ausgebildete Sopranistin verfügte Zeitzeugen zufolge über eine in der Höhe als auch Tiefe gleichfalls ansprechende, voluminös expandierende Stimme. Sie war Susanna in Mozarts „Le nozze di Figaro“ und trat am Wiener Burgtheater in Vicente Martín i Solers Oper „L’arbore di Diana“ auf. Mit Lorenzo da Ponte soll sie ein Pantscherl gehabt haben.
Ihre Gesangskarriere hielt von 1784 bis 1804. Die Sängerin reüssierte in Opera Seria und Buffa-Rollen. 1788 wurde sie als Prima buffa vertraglich an die Wiener Hofoper verpflichtet. Über ihre Bühnenpräsenz, ihren Stil und ihre darstellerischen Fähigkeiten sind unterschiedliche Auffassungen überliefert. Bei aller zwiespältigen Rezeption durch Zeitgenossen musste Ferrarese aber über die Fähigkeit verfügt haben, dem, was man cantar die sbalzo nennt (extreme Intervallsprünge von ganz oben nach ganz unten und vice versa), eine neue dramatische Qualität beschert und natürlich Koloraturen bravourös gemeistert zu haben. Zahlreiche Komponisten haben jedenfalls Rondos für sie geschrieben, in denen genau diese vokalen Eigenschaften effektvoll zur Geltung kommen konnten.
Im vorliegenden Album wandelt die guatemaltekische Sopranistin Adriana González nicht nur auf ihren persönlichen Erfolgspfaden der Figaro-Gräfin und der Fiordiligi. Sie stellt vielmehr gemeinsam mit dem auf historischen Instrumenten spielenden Ensemble Diderot, dem weltbesten Barockgeiger Johannes Pramsohler unter der musikalischen Leitung des baskischen Dirigenten Iñaki Encina Oyón ein glanzvolles Raritätenprogramm vor, das vor allem die Wiener Laufbahn der Vornamensvetterin Adriana Ferrarese mit speziellen Arien in Form des Rondos in due movimenti schlaglichtartig beleuchtet. Der Musikwissenschaftler Karl Böhmer, der maßgeblich an der Zusammenstellung des Programms mitwirkte, steuert im Booklet umfangreiche musikhistorische Details bei.
Der musikalische Reigen startet mit dem stilistisch sehr mozartischen Rondo der Diana ‚Teco porta, o mia speranza‘ aus dem buffo Singspiel „L’arbore di Diana“ von Vicent Martín i Soler. Der Erfolg der Ferrarese bei einem Diana-Auftritt im Oktober 1788 in Wien beruhte aber vor allem auf dem Rondo ‚Ah! Sol bramo, o mia speranza‘ des Titelhelden aus der Oper „l conte di Saldagna“ des jungen neapolitanischen Komponisten Angelo Tarchi, das Ferrarese aus Mailand importierte. Wie im damaligen Primadonnenopernzirkus üblich, durften begehrte Goldkehlchen Arien ihrer Wahl in Opern anderer Tonsetzer einlegen wie der Kuckuck sein Ei in fremde Nester, sie nach Belieben transponieren und sie sich so ganz auf ihre Bedürfnisse zurechtschneidern. Dem Rondo mit ‚Seufzern, langen Sostenuto-Linien und großen Sprüngen, Läufen, Trillern und improvisierten Kadenzen‘ geht wie den meisten Nummern des Albums ein Accompagnato-Rezitativ voraus.
Mozart ist auf dem Album mit dem Rondo der Susanna ‚Al desio di chi t’adora‘ aus „Le nozze di Figaro“, mit dem die Ferrarese nach ihrer Rollenvorgängerin Nancy Storace besonders reüssierte, dem berühmten ‚Dove sono i bei momenti‘ der Gräfin und dem virtuosen Rondo der Fiordiligi ‚Per pietà, ben mio, perdona‘ aus „Così fan tutte“ vertreten.
Um dem zweiten Star des Albums, dem italienischen Geiger Johannes Pramsohler, Gelegenheit zu geben, das Rondo-Repertoire der Zeit auch instrumental ein wenig zu repräsentieren, hören wir Mozarts „Rondo in C-Dur für Violine und Orchester“, KV 373 und das „Rondeaux in B-Dur für Violine und Orchester“, KV 269 mit reizvollen Kadenzen von Philippe Grisvard.
Das hier erstmals eingespielte Rondoncino ‚Mater cara, extremum vale‘ aus Ferdinando Gasparo Bertonis Oratorium „Balthassar“ weist auf die Anfänge der Ferrarese in Venedig zurück. Das Italien der schönst zu entdeckenden Rondos ist auf dem Album mit ‚Partiro dal caro bene‘ aus Giuseppe Giordanis Oper „Erfile“ und das mit Seufzern, exaltierten Ausbrüchen und Koloraturen gespickte ‚Se mi lasci, o mia speranza‘ aus Pasquale Anfossis „Sedecias“ vertreten. Einer Rarität der besonderen Art begegnen wir in Joseph Weigls flötendialogisierenden gebetsartigen ‚Giusti numi amor pietoso‘, das sich Ferrarese 1790 in Paisiellos „Nina ossia la pazza per amore“ -allerdings mit wenig Erfolg – einpasste.
Adrianna Gonzáles ist mir bei ihren ersten Alben für Audax Records (Lieder von Isaac Albéniz, Mélodies von Dussault und Covatti) mit ihrem fraulich üppigen, farbenreich timbrierten und technisch hochversierten Sopran sehr positiv aufgefallen. Auf dem neuen Album begeistert Gonzáles mit fein gesponnenen melodischen Linien, wunderbar gestalteten Ornamenten, gestochenen Koloraturen und – neu – mit dramatischer Attacke. Dabei erstehen im variantenreichen Ausdruck und emotional präzise abschattierten Gesang plastisch situativ passgenaue Figuren.
Zu Mozart-Opern hat die Sängerin ein persönlich besonderes Verhältnis, als Zerlina und Despina zu den ersten Opernerfahrungen im Atelier Lyrique der Pariser Oper gehörten. Im Internationalen Opernstudio in Zürich kam die Serpetta in „La finta giardiniera“ hinzu. Die Pamina und Figaro Gräfin (letztere auch bei den Salzburger Festspielen) folgten. Der Rest ist lebendige Operngeschichte der Gegenwart.
Fazit: Ein großartiges, penibel vorbereitetes wie detailreich gestaltetes Album mit Musik aus der Mozartzeit, künstlerisch wie aus einem Guss. Die Faszination des Albums erwächst aus der völligen vokalen wie instrumentalen Hingabe aller Beteiligten. Genießen Sie den wärmenden Zauber der Klänge in dunkel-kalten Zeiten doppelt.
Dr. Ingobert Waltenberger
_____________________________________________________________________________________

