INFOS DES TAGES (DONNERSTAG, 29. JÄNNER 2026)
Oper Graz: Premiere „WOZZECK“

Premiere: »Wozzeck«
Meilenstein des Musiktheaters in fulminanter Besetzung
Premiere am 13. Februar 2026
Mit einer packenden Story zwischen Drama, Mordfall und Sozialstudie revolutionierte Alban Berg 1925 die Operntradition. Die Volksopernstars Daniel Schmutzhard (Wozzeck) und Annette Dasch (Marie) durchleuchten gemeinsam mit Chefdirigent Vassilis Christopoulos am Pult der Grazer Philharmoniker die expressive Klangwelt von Bergs Meisterwerk. Nach seinem erfolgreichen Österreich-Debüt in Graz mit Richard Wagners Tannhäuser und Stationen in Wien und Salzburg kehrt Regisseur Evgeny Titov mit einer der wichtigsten Opern des 20. Jahrhunderts an die Oper Graz zurück.
SEHENSWERT:»La Divina Comedia«
»Der Tanzabend rund um Dantes „La Divina Comedia“ ist ein Spektakel im ganzen Opernhaus, das schließlich im Zuschauerraum mündet.« Kleine Zeitung
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BERLIN/ Staatsoper Unter den Linden. Voschau Februar
Liebes Publikum,
vor Kurzem haben wir Ihnen unsere nächste Neuproduktion angekündigt – nun nimmt sie Gestalt an: Am vergangenen Dienstag haben die Proben zu Das schlaue Füchslein von Leoš Janáček begonnen. Beim Auftakttreffen des künstlerischen Teams gewährten uns Sir Simon Rattle, Regisseur Ted Huffman, Nadja Sofie Eller (Bühne), Astrid Klein (Kostüme) sowie Pim Veulings und Sonoko Kamimura (Choreographie) erste spannende Einblicke in ihre gemeinsame Vision. Die Premiere am 28. Februar rückt näher und unsere Vorfreude wächst von Tag zu Tag.
Während wir der Premiere entgegenfiebern, richtet sich der Blick auch auf das Hier und Jetzt: Der Jahresbeginn steht ganz im Zeichen großer Gefühle. Bis es so weit ist, laden unsere kommenden Repertoirevorstellungen bereits in den nächsten Wochen zu besonderen Opernabenden ein – mit bekannten Meisterwerken, herausragenden Stimmen und Geschichten, die lange nachklingen.
Wir freuen uns auf Sie!
Ihre Staatsoper Unter den Linden
P. S.: Schon Pläne für den Valentinstag?
Die Staatskapelle Berlin lädt mit Christian Thielemann in die faszinierende Klangwelt der Radiotage – eine Mischung aus symphonischer Tiefe und lebendiger Rhythmik, die zum Entdecken und Genießen einlädt. 💕
Musik aus fernen Rundfunktagen
14. und 15. Februar
Tosca

Foto: Hermann und Clärchen Baus
Romantische Oper in drei Aufzügen (1850)
Musik und Text von Richard Wagner
28. Januar bis 11. Februar
Termine & Tickets
Musikalische Leitung: Giuseppe Mentuccia
Inszenierung: Alvis Hermanis
Mit u. a. Sonya Yoncheva/ Aleksandra Kurzak, Vittorio Grigolo/ Piotr Beczala, Christopher Maltman/ Alexey Markov, Carles Pachon, Hanseong Yun und dem Staatsopernchor, dem Kinderchor der Staatsoper sowie der Staatskapelle Berlin
Lohengrin

Foto: Monika Rittershaus
Romantische Oper in drei Aufzügen (1850)
Musik und Text von Richard Wagner
Termine & Tickets
Musikalische Leitung: Simone Young
Inszenierung: Calixto Bieito
Mit u. a. René Pape, Eric Cutler, Elza van Heever, Wolfgang Koch, Anja Kampe und dem Staatsopernchor, sowie der Staatskapelle Berlin
Don Giovanni
Dramma giocoso in zwei Akten (1787)
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Termine & Tickets
Musikalische Leitung: Finnegan Downie Dear
Inszenierung: Claus Guth
Mit u. a. Gyula Orendt, Evelin Novak, Siyabonga Maqungo und dem Staatsopernchor, sowie der Staatskapelle Berlin
Il barbiere di Siviglia
Commedia in zwei Akten (1816)
Musik von Gioachino Rossini
Termine & Tickets
Musikalische Leitung: Tim Fluch
Inszenierung: Ruth Berghaus
Mit u. a. Alasdair Kent, Giulio Mastrototaro, Marina Viotti, Jongmin Park, Jaka Mihelač und dem Staatsopernchor, sowie der Staatskapelle Berlin
Staatsoper Unter den Linden
Unter den Linden 7
10117 Berlin
T +49 (0) 30 – 20 35 45 55
tickets@staatsoper-berlin.de
www.staatsoper-berlin.de
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Leipzig: Mehr als zwei Millionen Euro fehlen: Leipzigs Oper droht spätestens ab 2028 die Pleite
Die finanzielle Lage der Leipziger Oper spitzt sich immer weiter zu. Die klammen Kassen könnten ab 2028 den gesamten Betrieb gefährden. Doch es gibt auch einen kleinen Hoffnungsschimmer.
lvz.de.Lokales
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Haydnregion Niederösterreich 2026: Von 15. März bis 13. Dezember 2026 gastiert die durch das geniale Brüderpaar Joseph und Michael Haydn geprägte Klassik-
Konzertreihe in den schönsten Orten ihrer Geburtsregion.

Fotos (v.l.): Haydn Geburtshaus, Innenhof © Niklas Schnaubelt; Claus Christian Schuster © Claus Christian Schuster; Mitra Kotte © Andrej Grlic; Christian
Altenburger © Nancy Horowitz; Maria Rauch-Kallat © Helmuth Weichselbraun/Kleine Zeitung; Dorli Muhr © Anna Stoecher; Kandinsky Quartett © Elizaveta
Tomanova, Barucco/Schloss Petronell Carnuntum © Niklas Schnaubelt; Konzert/Kirche Bruck/Leitha © Niklas Schnaubelt
Kostenlose Programmbroschüre 2026 verfügbar unter: https://www.haydnregion-noe.at/presse.html
(Download) sowie Bestellung per E-Mail: tickets@haydnregion-noe.at, sowie telefonisch: +43 (0)2164/2268.
Infos: www.haydnregion-noe.at
Nach der außerordentlich erfolgreichen Saison 2025 mit vielen ausverkauften Veranstaltungen, hervorragender Auslastung und zahlreichen Zusatzkonzerten präsentiert die Klassik-Konzertreihe „Haydnregion Niederösterreich“ — ein Projekt der Abteilung Kunst und Kultur des Landes NÖ in Kooperation mit dem Regionalentwicklungsverein Römerland Carnuntum — unter dem Motto „Grenzenlos klassisch‟ vom 15. März bis 13. Dezember 2026 ein durch Joseph und Michael Haydn inspiriertes Programm mit knapp 30 Veranstaltungen an 14 Standorten in 12 Gemeinden rund um das Haydn Geburtshaus Rohrau. Der Konzertzyklus zeichnet sich durch höchsten künstlerischen Anspruch und den besonderen Charme seiner Spielorte aus. Letztere reichen von historischen Schlössern und Sakralbauten über die antike Römertherme in Carnuntum bis zum Heurigen in Göttlesbrunn.
Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptfrau Niederösterreich: „Die ‚Haydnregion Niederosterreich‘ geht mit ihrem neuen Jahresprogramm in eine weitere spannende Saison. Das Haydn Geburtshaus in Rohrau ist dabei ein kulturelles Herzstück. Seit seiner Wiedereröffnung nach der umfassenden Renovierung 2017 hat es sich zu einem überregionalen Anziehungspunkt entwickelt. Die besondere Atmosphäre, das historische Ambiente und die feinsinnig gestalteten Details machen diesen Ort zu einem einzigartigen Kulturjuwel, das zur Neuentdeckung der Ursprünge der Wiener
Klassik einlädt.“
Dr. Michael Linsbauer, künstlerischer Leiter der Konzertreihe, erläutert das Programm 2026: „Auch 2026 widmen wir uns in der Haydnregion Niederösterreich besonderen Aspekten der Wiener Klassik, deren Reichtum schon beim Saisonauftakt im Haydn Geburtshaus Rohrau gefeiert wird. Dabei stehen die künstlerischen Beziehungen zwischen Mozart sowie Joseph und Michael Haydn musikalisch und diskursiv im Mittelpunkt. Bis Dezember darf sich das Publikum außerdem auf kammermusikalische Juwelen, symphonische Schlüsselwerke, Solokonzerte und geistliche Monumentalwerke freuen: Die beiden ‚Te Deum‘-Vertonungen von Joseph Haydn werden in hochkarätiger Besetzung Mozarts monumentalem ‚Requiem‘ und Händels ‚Alexanderfest‘ gegenübergestellt. Hinzu kommen außergewöhnliche Konzertformate, die historische und unkonventionelle Räume der Region mit musikalischem Leben erfüllen. Die musikalische Nachwuchsförderung manifestiert sich sowohl in Form von Kinderkonzerten und Schul-Workshops als auch in der Durchführung des ‚Internationalen Haydn Gesangswettbewerbs‘ — ein zentraler Höhepunkt der Konzertsaison.“
Programm-Höhepunkte 2026
Inoffizieller Festival-Auftakt sind zwei erstmalig statt findende Preisträgerkonzerte, mit denen die Haydnregion Niederösterreich nun auch in der Winterpause in Wien präsent ist: Bei „Haydn meets Mozart“ darf sich das Publikum am 30. Januar 2026 im Mozarthaus Vienna auf einen Streifzug durch das facettenreiche Lied- und Arienschaffen der Wiener Klassik mit Starvokalistin Ildikó Raimondi sowie Bariton Bruno Meichsner, Hauptgewinner des Internationalen Haydn-Gesangswettbewerbs 2025, und Pantelis Polychronidis am Klavier freuen. Und beim Preisträgerkonzert „RESONANZEN“ mit der jungen deutschen Mezzosopranistin Maria Hegele, ebenfalls Preisträgerin des 7. Internationalen Haydn Gesangswettbewerbs 2025, sowie mit Thomas Selditz an der Viola, Pianistin Biliana Tzinlikova und Klarinettist Florian Mühlberger treffen am 6. März romantische Liedkunst und klassische Kammermusik im Ehrbar-Saal
in Wien aufeinander. Die beiden Konzertauftritte wurden 2025 als Engagement-Preise der beiden Veranstaltungsorte vergeben.
Offizieller Festival-Startschuss ist die Saisoneröffnung des Haydn Geburtshaus‘ Rohrau am 15. März.
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Exzellente Mitwirkende 2026 Hervorragende Instrumentalistinnen und Instrumentalisten sind 2026 u.a. Star-Cellistin Harriet Krijgh, die Geigenvirtuosen Christian Altenburger und Rémy Ballot, Klarinettistin und Wiener Philharmonikerin Andrea Götsch, der junge niederösterreichische Ausnahme-Klarinettist Samuel Neubauer, Oboist und Wiener Philharmoniker Sebastian Breit, die Klaviervirtuosinnen Eloïse Bella Kohn und Mitra Kotte sowie der gefragte israelische Pianist und Liedbegleiter Ammiel Bushakievitz. Es konzertieren namhafte Instrumental-Ensembles wie das Kandinsky-Quartett, das Pandolfis Consort, das Duo Fuss-Leichtfried, das Originalklangensemble Barucco unter Dirigent Heinz Ferlesch, die Beethoven Philharmonie unter Thomas Rösner und die Haydn Philharmonie unter Meesun Hong-Coleman. Hinzu kommt das Agnes Palmisano Trio – mit Agnes Palmisano, Wiener Dudlerin mit klassischer Gesangsausbildung, Andreas Teufel an der Schrammelharmonika, Daniel Fuchsberger an der Kontragitarre und Ausnahmegeiger Aliosha Biz als Special Guest. Von Theater, Film und Fernsehen bekannte Publikumslieblinge wie Petra Morzé, Julian Loidl und Markus Mayer sowie Klassik-Expertin und Ö1-Gestalterin Ulla Pilz und Pianist, Musikdenker und Mitbegründer des berühmten Altenberg Trios Claus-Christian Schuster komplettieren das Musikprogramm als Rezitatoren und Vortragende. |
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20 SA-CD Box Herbert von Karajan & die Berliner Philharmoniker Vol.2 – Live in Berlin 1971-1979; Berliner Philharmoniker Recordings

Ende Februar 2025 veröffentlichten die Berliner Philharmoniker auf ihrem Eigenlabel den ersten Teil einer Herbert von Karajan & die Berliner Philharmoniker live in Berlin Edition, die auf 24 Super Audio CDs hauptsächlich bislang unveröffentlichte Konzert-Mitschnitte aus den Jahren 1953-1969 umfasste. Natürlich wurden die Rundfunk-Originalbänder nach heutigem Standard hochaufgelöst digitalisiert. Das Erlebnis war ein oft verblüffender Eindruck eines im Vergleich zu seinen Studioproduktionen vielleicht weniger perfektionistisch denn spontan unmittelbar mitreißenderen Pultstars.
Nun legen die Berliner Philharmoniker mit einer zweiten Tranche an Live-Aufnahmen aus den Jahren 1971-1979 nach. Auch hier wurden die analogen Tonträger des Rundfunks im Amerikanischen Sektor (RIAS) und des Sender Freies Berlin (SFB) digital in bestmöglicher Qualität aufbereitet. Chronologisch angeordnet, sind sämtliche noch erhaltenen „Lives“ aus Berlin in Stereo, beginnend mit dem Konzert vom 25.9.1971 nachzuhören. Somit ist die Ausschilderung der Edition mit dem Zeitraum 1970 bis 1979 etwas irreführend.
Es ist tatsächlich ein anderer Karajan, der hier im Vergleich zu den früheren „neusachlichen“, oftmals transparent strafferen Aufnahmen etwa der 50-er Jahre zu bestaunen ist. Im Wesentlichen bedeutet das der Legende nach grosso modo einen pompöseren Klang bei weniger kantigen Rhythmen. Dass das letztlich auch ein Klischee ist, beweist nicht nur die elektrisierende, in ihren Steigerungen phänomenale Aufnahme von Stravinskys „Le sacre du printemps“ aus dem Jahr 1977, sondern auch die hochdramatische Attitüde im ‚Trinklied vom Jammer der Erde‘ aus Mahlers „Lied von der Erde“.

Kurioserweise startete Karajan das Konzert vom 25.9.1971 mit Antonio Vivaldi. Wir lauschen einer eigenwilligen, jedoch abseits aller historischen Aufführungserkenntnisse dennoch nicht uninteressanten Wiedergabe der Sinfonia für Streicher in h-Moll, RV 169 „Al Santo Sepolcro“. Karajan ließ sich eben als nachschaffender Künstler nicht wirklich „einfangen“.
Dennoch gibt es objektivierbare Fakten etwa der Programmgestaltung. Bei dem enormen Pensum, das sich Karajan in den 70-er Jahren mit Konzert- und Operndirigaten, Schallplattenaufnahmen, Filmen, Salzburger Festspielen und Regiearbeiten auferlegte, musste er zeitökonomisch arbeiten, etwa bei der Probenarbeit, aber auch letztlich im Hinblick auf die Auswahl des Repertoires. Wo sich einige Lieblingsstücke – erst Recht, wenn man den Gesamtzeitraum der Karajan-Veröffentlichungen 1953 bis 1979 betrachtet – nach und nach immer wieder auf den Programmzetteln fanden.
Auf der gegenständlichen Tranche sind das etwa Anton Bruckners „Fünfte Symphonie“, (31.12.1972, 12.12.1976), Stravinskys „Le sacre du printemps“ (25.9.1971, 25.9.1977) und Mozarts „Jupiter“ Symphonie (8.9.1973, 31.12.1976).
Auf der anderen Seite war es auch in den siebziger Jahren, dass sich Karajan intensiv mit der Wiener Schule, besonders mit Musik von Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg im Studio und im Konzert befasste. Auf der Edition sind insbesondere die hochkarätig irisierenden Interpretationen von Schönbergs symphonischer Dichtung nach dem Drama von Maurice Maeterlinck „Pelleas und Melisande“, op. 5 (25.9.1974), Alban Bergs „Drei Stücke aus der Lyrischen Suite für Streichorchester“ (20.4.1975), dessen „Drei Orchesterstücke“ op. 6 (revidierte Fassung von 1929) sowie Anton von Weberns „Fünf Sätze für Streichorchester“, op. 5, Bearbeitung des Streichquartetts (27.1.1979) zu nennen.
Was die Probenarbeit anlangt, bin ich als ehemaliger Chorsänger im Singverein so etwas wie ein Zeitzeuge. Beim „Mozart-Requiem“ etwa in Wiener Musikverein (mit Filmmitschnitt und CD-Veröffentlichung) hat er der Maestro bei der Probe nur wenige knappe Sätze fallen lassen, die Mozarts Genie und die Solisten betrafen. Sonst galt die Devise: Hinschauen und Aufpassen. Auswendig musste jeder seinen Part sowieso können. Hat funktioniert.

Peter Uehling hat zu den vielen Eindrücken, die die Konzerte musikalisch vermitteln, Erhellendes unter der Überschrift „Wunder und Rätsel Karajan„ beigesteuert. „Angesichts der traumwandlerischen Sicherheit, mit der Karajan in den 1970-er Jahren musikalische Verläufe steuerte und klangliche Details zwar formt, aber nie aus dem ganzen Strom herausragen lässt, möchte man vermuten, dass es sich bei vielen Interpretationen um „Flow-Phänomene“ handelt, um absolute Vertiefung und Konzentration, und dass Karajan auf die häusliche Vorbereitung der ihm vertrauten Stücke kaum noch Zeit verwendete, sondern sich voll und ganz auf seine Fähigkeit verließ, durch konsequente Konzentration auf das Wesentliche ganze Symphoniesätze oder Opernakte im Kopf auf ein paar Minuten Dauer zu komprimieren. Damit erreichte er jene interpretatorische Geschlossenheit, die uns heute immer noch und immer wieder zu faszinieren vermag.“
Dieser Ansatz erklärt einiges, aber eben auch nicht, wie Karajan beispielsweise bei Mozarts Symphonie Nr. 41 C-Dur KV 551 „Jupiter“ (8.9.1873) oder Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ – Symphonie für Tenor, Alt (Bariton) und Orchester auf Texte nach Gedichten aus Hans Bethges „Die chinesische Flöte“ mit den Solisten Hermann Winkler (Tenor) und der grandios orgelnden Agnes Baltsa (Mezzosopran) zu glühender Spannung und immer wieder intensiv ausdeutender Detailzeichnung fand.
Das Interesse der Box liegt neben manch atmosphärisch mitreißenden Abend an Werken, zu denen Karajan ein besonderes Näheverhältnis bzw. ein schlafwandlerisches Gespür hatte. Hier mögen beispielhaft etwa Jean Sibelius‘ Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 47 (Christian Ferras, Violine), dessen Symphonie Nr. 5 Es-Dur op. 82 und Finlandia (16.10.1976) oder Symphonie Nr. 4 a-Moll op. 63 (28.1.1978) genannt werden.
Wie schillernd klangmalerisch, leider viel zu selten, Karajan Werke des französischen Impressionismus interpretieren konnte, ist im Konzert vom 19.2.1972 mit Claude Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ und Maurice Ravels „Daphnis et Chloé“, Orchestersuite Nr. 2, nachzuhören.
Als instrumentalsolistische Partner sind neben dem bereits erwähnten Geiger Christian Ferras, Konzertmeister Leon Spierer in Krzysztof Pendereckis „Capriccio für Violine und Orchester“ (17.2.1974), der französische Pianist Jean-Bernard Pommier in Mozarts „Konzert für Klavier und Orchester“ Nr. 23 A-Dur KV 488 (25.9.1974) oder ebenfalls Konzertmeister Thomas Brandis (Violine) und Ottomar Borwitzky (Violoncello) in Brahms „Konzert für Violine, Violoncello und Orchester“ in a-Moll op. 102 (21.10.1977) zu erleben.
Was mit aber das Wichtigste an vorliegender wie der ersten Edition erscheint: Die nähere Beschäftigung mit diesen Konzerten offenbart, dass jede vorgefasste Meinung und jede idée fixe über Karajan als Dirigent und Musiker zu kurz greift und sich nach intensivem Hören stets aufs Neue in Luft auflöst. In all diesen Konzerten klingt im Gegensatz zu mancher überperfekter Studioeinspielung nichts glatt, steril oder poliert. Die Suggestivkraft Karajans ermöglichte magische Augenblicke der Interpretationsgeschichte, die sich unauslöschlich ins Gedächtnis brennen. Natürlich ist die stupende Orchesterkultur der Berliner Philharmonikern ein weiteres Argument sich diese Box anzuschaffen, auch wenn Karajans klangliche „Grundeinstellungen“, wie Uehling dies beschreibt, „gelegentlich stilistisch starr wirken.“
Die von Thomas Scheibitz gestaltete Hardcover-Box enthält neben den Mitschnitten auf 20 CD/SACD (Hybrid) ein ausführliches Begleitbuch. Außer einem Vorwort der Medienvorständen Philipp Bohnen (Violine) und Olaf Maninger (Solocellist) wird der Musikfreund insbesondere mit hervorragenden Analysen und Essays von Richard Osborne, Peter Uehling („Orientiert am Klang“) und Tobias Möller (Redaktionsleiter der Stiftung Berliner Philharmoniker) verwöhnt, die zusätzlich zur Musik spannenden Lesestoff bieten.

Inhalt der 20 Konzerte gegliedert alphabetisch nach Komponisten:
Johann Sebastian Bach
Brandenburgisches Konzert Nr. 1 F-Dur BWV 1046 (Thomas Brandis, Hansjörg Schellenberger, Burkhard Rohde, Heinrich Kärcher, Gerd Seifert, Dieter Fischer, Philipp Moll)
Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-Dur BWV 1048 (Michel Schwalbé, Léon Spierer, Wolfram Christ, Ottomar Borwitzky, Eberhard Finke, Friedrich Witt, Rainer Zepperitz, Herbert von Karajan)
Béla Bartók
Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta Sz 106
Ludwig van Beethoven
Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 »Eroica«
Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92
Alban Berg
Drei Stücke aus der Lyrischen Suite für Streichorchester
Drei Orchesterstücke op. 6
Hector Berlioz
Symphonie fantastique op. 14
Johannes Brahms
Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 73
Konzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102 (Thomas Brandis, Ottomar Borwitzky)
Anton Bruckner
Symphonie Nr. 4 Es-Dur »Romantische« (2. Fassung von 1878/80)
Symphonie Nr. 5 B-Dur
Claude Debussy
Prélude à l’après-midi d’un faune
Antonín Dvořák
Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88
Symphonie Nr. 9 e-Moll op. 95 »Aus der Neuen Welt«
Gustav Mahler
Das Lied von der Erde (Agnes Baltsa, Hermann Winkler)
Felix Mendelssohn Bartholdy
Symphonie Nr. 3 a-Moll op. 56 »Schottische«
Wolfgang Amadeus Mozart
Symphonie Nr. 41 C-Dur KV 551 »Jupiter«
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 23 A-Dur KV 488 (Jean-Bernard Pommier)
Sinfonia concertante für vier Bläser Es-Dur KV 297b (Karl Steins, Karl Leister, Gerd Seifert, Manfred Braun)
Modest Mussorgsky
Bilder einer Ausstellung (Bearbeitung: M. Ravel)
Krzysztof Penderecki
Capriccio für Violine und Orchester (Leon Spierer)
Maurice Ravel
Daphnis et Chloé, Suite Nr. 2
Arnold Schönberg
Pelleas und Melisande op. 5
Franz Schubert
Symphonie Nr. 7 h-Moll D 759 »Unvollendete«
Robert Schumann
Symphonie Nr. 4 d-Moll op. 120
Jean Sibelius
Symphonie Nr. 4 a-Moll op. 63
Symphonie Nr. 5 Es-Dur op. 82
Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 47 (Christian Ferras)
Finlandia op. 26
Richard Strauss
Metamorphosen, Studie für 23 Solostreicher
Also sprach Zarathustra op. 30
Ein Heldenleben op. 40
Igor Strawinsky
Le Sacre du printemps
Werner Thärichen
Batrachomyomachia op. 55 (Werner Thärichen, Oswald Vogler, Walton Grönroos, Kammerchor Ernst Senff, Ernst Senff)
Peter Tschaikowsky
Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23 (Mark Zeltser)
Antonio Vivaldi
Sinfonia für Streicher h-Moll, RV 169 »Al Santo Sepolcro«
Anton Webern
Fünf Sätze für Streichorchester op. 5
Gerhard Wimberger
Plays für 12 Solo-Violoncelli, Bläser und Schlagzeug (Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker)
Fotos: Berliner Philharmoniker Recordings
Dr. Ingobert Waltenberger
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