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INFOS DES TAGES (DONNERSTAG, 12. MÄRZ 2026)

12.03.2026 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (DONNERSTAG, 12. MÄRZ 2026)

München/ Prinzregententheater: Johann SebASTIAN Bachs JOHANNES-PASSION am Karfreitag (3. Apil 2026)

Karfreitag | 03.04.26 | 16:00 Uhr
München, Prinzregententheater

Bach Johannes-Passion BWV 245

Flore Van Meerssche | Sopran
Sarah Romberger | Mezzosopran
Daniel Behle | Tenor (Evangelist & Arien)
Ludwig Mittelhammer | Bariton (Arien & Pilatus)
Gerrit Illenberger | Bariton (Christus)

Münchener Bach-Chor
Münchener Bach-Orchester
Johanna Soller, Leitung

Der Münchener Bach-Chor und das Münchener Bach-Orchester sowie ein renommiertes Solistinnen Ensemble werden Bachs Johannes-Passion unter der Leitung von Johanna Soller am Karfreitag, 03. April 26 um 16 Uhr im Prinzregententheaters aufführen.

Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion“ – ein musikalisches Drama von zeitloser Kraft

Gut 300 Jahre nach ihrer Uraufführung am Karfreitag 1724 in Leipzig entfaltet Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion“ noch immer eine überwältigende Wirkung. Das Werk zählt zu den eindrucksvollsten Schöpfungen der Musikgeschichte. Mit packender Dramatik zeichnet Bach den Weg Jesu von der Gefangennahme im Garten Gethsemane bis zur Grablegung nach. Aus dem biblischen Bericht entsteht eine Tragödie voller Schmerz, spiritueller Intensität und barocker Farbenpracht.

Die Johannes-Passion besteht aus zwei Teilen, die sich an der theologisch üblichen Gliederung des Passionsberichts in fünf „Akte“ orientieren. Der erste Teil berichtet von Verrat und Gefangennahme Jesu (erster Akt) sowie der Verleugnung durch Petrus (zweiter Akt). Der zweite Teil ist wesentlich länger und erzählt von den Verhören und der Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus (dritter Akt), von Kreuzigung und Tod (vierter Akt) sowie schließlich von dem Begräbnis (fünfter Akt).

Die Johannes-Passion ist nicht nur ein Meisterwerk der barocken Kirchenmusik, sondern ein Werk von universaler Aussagekraft. Sie stellt Fragen nach Schuld, Verantwortung, Mitgefühl und Hoffnung – Themen, die über Jahrhunderte hinweg, bis zum heutigen Tag nicht an Relevanz verloren haben.

Ein Ensemble aus herausragenden Solistinnen und Solisten konnte mit Flore Van Meerssche, Sopran | Sarah Romberger, Mezzosopran | Daniel Behle, Tenor | Ludwig Mittelhammer und Gerrit Illenberger, Bariton verpflichtet werden.

 

Die Johannes-Passion bleibt ein Werk von bemerkenswerter musikalischer Wirkung, das sein Publikum sowohl emotional als auch intellektuell erreicht und nachhaltig beschäftigt.

Autoren der Textauszüge u.a.:  MBC&MBO | Münchner Konzertdirektion Hörtnagel | Anke Kienitz-Kirk Kulturmanagement

►►KARTEN:

—> Münchner Konzertdirektion Hörtnagel: Ticket Hotline: 089 / 98 29 28 0 |  Online

—> München Ticket: Ticket Hotline: 089 / 54 81 81 81 | Online

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Kompakte und starke Argumente gegen das Verbot des Straßenverkaufs von Konzerttickets in Wien

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Straßenverkäufer in Mozartkostümen prägen und beleben auch das Stadttbild. Foto: ORF

  1. Spontane Entdeckung klassischer Musik

Viele Touristen planen kein klassisches Konzert im Voraus. Sie suchen nicht aktiv danach im Internet, weil sie zunächst keinen Bezug zur klassischen Musik haben. Erst durch Verkäufer in historischen Kostümen – etwa als Mozart oder Strauss II – werden sie im ersten Bezirk, besonders rund um den Stephansdom und den Stephansplatz auf die Wiener Musiktradition aufmerksam.
Viele lassen sich spontan auf ein Konzert ein – insbesondere junge Menschen, die bislang kaum Kontakt zur klassischen Musik hatten.

  1. Begeisterung und positive Rückmeldungen

Besucher, die spontan über Straßenverkäufer ein Konzert buchen, sind häufig tief beeindruckt. Kaum ein Konzert endet ohne Standing Ovations oder begeisterte Rückmeldungen.  Der Straßenverkauf ermöglicht somit kulturelle Erlebnisse, die sonst gar nicht stattfinden würden.

  1. Sichtbare Wiener Musiktradition im öffentlichen Raum

Wien ist weltweit als Musikstadt bekannt. Die Präsenz von Mozart- oder Strauss-Figuren, historischen Kostümen und Musikangeboten macht die Tradition im Stadtbild sichtbar und spürbar. Ohne diese lebendige Präsenz würde die Stadt steriler wirken, besonders der erste Bezirk und Stephansplatz, die kulturelle Identität und Atmosphäre der Stadt verlieren.

  1. Zugang für neue Zielgruppen, besonders junge Menschen

Viele junge Besucher, die keine Erfahrung mit klassischer Musik haben, entdecken diese erstmals durch die Straßenverkäufer. Der spontane Kontakt macht klassische Musik zugänglich und erlebbar – ein wesentlicher Beitrag zur Förderung der kulturellen Bildung

  1. Existenzgrundlage für private Ensembles

Viele kleinere Orchester und Ensembles arbeiten ohne staatliche Subventionen. Sie finanzieren ihre Arbeit direkt durch das Publikum, das über Straßenverkäufer auf Konzerte aufmerksam wird.
Ein Verbot würde insbesondere private Kulturinitiativen treffen, die zur Vielfalt der Wiener Musikszene beitragen.

  1. Arbeitsplätze und wirtschaftliche Folgen

Der Straßenverkauf sichert Arbeitsplätze für viele Menschen:

1.Ticketverkäufer
2.Musiker
3.Sänger
4.Tänzer
5.Techniker
6.Veranstaltungsorte

Ein Verbot würde selbst für kurze Zeit zu Arbeitslosigkeit führen. Zusätzliche Kosten für Arbeitslosengeld und wirtschaftliche Nachteile wären nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Stadt insgesamt spürbar.

  1. Sichtbarkeit privat finanzierter Kulturinitiativen

Privat organisierte Konzertveranstaltungen verfügen oft über keine großen Marketingbudgets, internationalen Werbekampagnen oder festen Kooperationen mit Reiseveranstaltern. Der Straßenverkauf ist daher eine der wenigen Möglichkeiten, direkt auf Konzerte aufmerksam zu machen und Publikum zu erreichenOhne diese Möglichkeit würde es für viele privat finanzierte Kulturinitiativen deutlich schwieriger werden, ihre Veranstaltungen bekannt zu machen und langfristig bestehen zu können.

  1. Kulturelle Atmosphäre Wiens

Die Straßenverkäufer tragen dazu bei, dass Wien lebendig wirkt: -Musik ist überall spürbar
-Historische Kostüme und Mozarts-/Strauss-Figuren prägen das Stadtbild
-Besucher begegnen Kultur auf Schritt und Tritt
Ohne diesen Straßenverkauf würde die Innenstadt deutlich steriler und weniger attraktiv für Touristen wirken.

  1. Touristen-Erlebnis und Wirtschaftsfaktor

Der Straßenverkauf ermöglicht spontane kulturelle Erlebnisse, die oft zu weiterem wirtschaftlichen Nutzen führen:

-Gäste besuchen anschließend Restaurants, Cafés, Hotels
-Positive Erinnerungen stärken den Ruf Wiens als lebendige Musikstadt
Das Verbot hätte daher nicht nur kulturelle, sondern auch wirtschaftliche Nachteile für die Stadt.

  1. Zusammenfassung

Der Straßenverkauf ist mehr als Ticketverkauf:

Er ist ein Botschafter der Wiener Musiktradition
-Er bringt neue Besucher in die Welt der klassischen Musik
Er sichert Arbeitsplätze und Einkommen
-Er bewahrt kulturelle Vielfalt und lebendige Atmosphäre

Ein vollständiges Verbot würde nicht nur private Veranstalter treffen, sondern die kulturelle Identität Wiens, die lebendige Innenstadt und den Tourismus nachhaltig schwächen.

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WIEN / Steinway & Sons, Flagship Store: MARGARITA GRITSKOVA / MARIA PRINZ. Präsentation der CD „Donizetti Songs“

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WIEN / Steinway & Sons, Flagship Store:
MARGARITA GRITSKOVA / MARIA PRINZ
Präsentation der CD „Donizetti Songs“
Label: Naxos
10. März 2026

Der alternative Donizetti

„Wer kauft heue noch CDs“ war die durchaus rhetorische Frage, mit der Thomas Däbemark, Generalsekretär der „Opernfreunde“, die Präsentation einer CD einleitete, die eine große Anzahl von Musikfreunden in den Steinway & Sons Flagship Store am Opernring gelockt hatte. Ungeachtet der Tatsache, dass die russische Mezzosopranistin Margarita Gritskova, in der Ära Meyer ein Liebling des Wiener Publikums, seit der Ära Roscic nicht mehr in der Staatsoper zu hören ist („eine Schande“, meinte Dänemark, und wie recht er hat), ist sie doch keineswegs vergessen.

Und was sie gemeinsam mit der Pianistin Maria Prinz auf CD verewigt hat, ist schlechtweg etwas Besonderes. Nicht die üblichen Opernarien, mit denen sich Stars gern präsentieren, sondern etwas faktisch Unbekanntes, nämlich  Lieder von Gaetano Donzetti, der für seine grandiosen Arien, ob ernst, ob heiter, in der Operngeschichte steht.

Er selbst hat diese Lieder, von denen es an die 300 (!) gibt, für private Anlässe komponiert, und man hat ihnen – wie das Paar Gritskova / Prinz nun beweist – zu Unrecht kaum Beachtung geschenkt. Denn es sind wahrlich kleine, formvollendete Szenen, in denen Geschichten erzählt werden – von Liebe und Leid, locker und tragisch, melancholisch oder übersprudelnd. Hier kann eine Sängerin ihr ganzes Können an Ausdrucksmöglichkeiten ausreizen.

Und Margarita Gritskova, die bei der Präsentation großzügig „Songs“ hören ließ (diese Bezeichnung für die CD hat man gewählt), kann das in erstaunlichem Maße. Nach wie vor wunderbar die Stimme, und das aus vielen Gründen: grunsätzlich ein Mezzo mit faszinierendem Timbre, der in tiefste Tiefen hinabklettern, aber auch Sopranhöhen erreichen kann, ein Auf und Ab, wo nicht der geringste Registerwechsel die Schönheit des Klanges beeinträchtigt, technisch total sattelfest in forte und piano und allem, was Donizetti her noch in seine Liedkunst gepackt hat.

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Es war Maria Prinz, die kongeniale Begleiterin am Klavier, die übrigens die Idee für diese CD hatte. Einst, bei einem Abend mit Krassimira Stoyanova, der den Liedern von Opernkomponisten gewidmet war, spielte Donzietti in dieser Eigenschaft zwar nur eine kleine Rolle, hat die Pianistin aber ausreichend interessiert, um sich dessen Angebot näher anzusehen. Und für Margarita Gritskova war dies eine großartige Herausforderung, der sie sich mit Begeisterung gestellt hat.

Der Abend bei Steinway gehörte ein wenig auch dem prachtvollen Konzertflügel, auf dem nicht nur Maria Prinz Mozart spielte, sondern auch Margarita Gritskova mit einem atemberaubend schwierigen Stück von Prokofieff bewies, dass sie auch eine Karriere als Konzertpianistin hätte machen können…

Die Wiener sind froh, dass man die herrliche Stimme der Margarita Gritskova in der Stadt hat, freuen sich auf ihren sommerlichen Auftritt als Dalila in Klosterneuburg, und am Ende beantwortete Thomas Dänemark, der souverän und humorvoll durch den Abend geführt hatte, seine Eingangsfrage, wer noch CDs kaufe? Musikfreunde, etwa als ideales Ostergeschenk – für Musikfreunde…

Renate Wagner

 

 

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Staatstheater Wiesbaden: Premiere „Die Vögel“
Oper von Walter Braunfels:

Die Vögel, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Mar 20 - Jun 25 2026,  Wiesbaden | Operabase

Ersan Mondtag inszeniert Walter Braunfels‘ „Die Vögel“ als bildgewaltiges Gesamtkunstwerk
Mit der Oper „Die Vögel“ gelang Walter Braunfels 1920 ein Triumph. Das spätromantische Werk verwebt poetische Märchenwelten mit politischer Allegorie und Anklängen an die Meisterwerke von
Wagner und Strauss. Bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten zählte es zu den meistgespielten zeitgenössischen Opern im deutschen Sprachraum. Seit den 80er Jahren taucht sie vereinzelt wieder in den Spielplänen auf und erlebt nun endlich auch ihre Erstaufführung am Staatstheater Wiesbaden, am 21. März um 19.30 Uhr im Großen Haus.

Der vielfach ausgezeichnete Regisseur und Künstler Ersan Mondtag, neben der Regie auch verantwortlich für Bühne und Kostüm, erschafft eine Bildwelt, die die Grenzen zwischen Traum und
Realität sprengt. Die Musikalische Leitung hat der 1. Kapellmeister Paul Taubitz. Er nennt die Oper ein „dramaturgisches Meisterwerk“, das Sinnlichkeit, große Chorszenen, fantastische ariose Stellen und Komik vereint. Die Partien sind ausnahmslos mit dem hauseigenen Ensemble besetzt, darunter Richard Trey Smagur als Hoffegut, Hovhannes Karapetyan als Ratefreund und Josefine Mindus als Nachtigall.
Ratefreund und Hoffegut gehen, enttäuscht von den Menschen, in das Reich der Vögel. Ratefreund überzeugt die Vögel vom Bau einer Stadt und verführt sie zum Aufstand gegen die Götter. Anders als in Aristophanes‘ antiker Vorlage wählte Braunfels unter dem Eindruck der Räterepublik in München 1919 einen tragischen Schluss. Zeus zerstört die Stadt durch Unwetter, die alte Ordnung triumphiert.
Ersan Mondtag erzählt diese Parabel auf die Gefahren populistischer Verführer mit Anspielungen auf das politische Geschehen der Gegenwart. Die Handlung verlegt er an einen Flughafen: Zwischen
Hähnchengrill und dem Traum vom Fliegen zeigt die Inszenierung eine Gesellschaft, die leichtgläubig den fragwürdigen Verheißungen politischer Propaganda folgt.
Ersan Mondtag wurde mehrfach ausgezeichnet, sowohl für seine Regie als auch für seine originären Bühnenbild-Kompositionen. Mehrere seiner Inszenierungen waren zum Berliner Theatertreffen
eingeladen, zuletzt „Double Serpent“, das 2024 in Wiesbaden uraufgeführt wurde. Seit seinem Debüt mit „Der Schmied von Gent“ in Antwerpen profilierte er sich zunehmend als Opernregisseur. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf den Werken der Zwischenkriegszeit. 2024 gestaltete er gemeinsam mit der Multimedia-Künstlerin Yael Bartana den deutschen Pavillon auf der 60. Kunst-
Biennale in Venedig.

www.staatstheater-wiesbaden.de
Die Vögel
Oper von Walter Braunfels
Premiere am Samstag, 21. März 2026, 19.30 Uhr, Großes Haus
Weitere Termine:
27. März 2026, 19.30 Uhr, Großes Haus
29. März 2026, 16.00 Uhr, Großes Haus
11. April 2026, 19.30 Uhr, Großes Haus
16. April 2026, 19.30 Uhr, Großes Haus
07. Juni 2026, 18.00 Uhr, Großes Haus
26. Juni 2026, 19.30 Uhr, Großes Haus
Musikalische Leitung Paul Taubitz
Regie, Bühne, Kostüm Ersan Mondtag
Mitarbeit Regie & Abendspielleitung Max Nattkämper
Co-Kostümbildner Josa Marx
Mitarbeit Bühne und Kostüm Lorenz Stöger
Choreografie Myriam Lifka
Videodesigner & Video Alexander Robin Pannier
Lichtdesign Henning Streck
Chor Aymeric Catalano
Dramaturgie Till Briegleb, Balthazar Bender
Vermittlung Oliver Riedmüller

Hoffegut Richard Trey Smagur
Ratefreund Hovhannes Karapetyan
Stimme des Zeus & Adler Young Doo Park
Prometheus Jonathan Macker
Wiedelhopf Sam Park
Nachtigall Josefine Mindus
Zaunschlüpfer Galina Benevich
1. Drossel Luisa Sagliano
2. Drossel Eunshil Jung
Rabe Christian Balzer
Flamingo Nathan Bryon
Tanzstatisterie Marei Bär, Pauline Bischoff, Zoe Krawinkel, Carla Peters
Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden
Ersan Mondtag, geboren in Berlin, inszeniert und entwirft theatrale Installationen, Party- Performances, Schauspiel und Oper. Seine Arbeiten wurden international aufgeführt und eingeladen, an Häusern wie dem Berliner Ensemble, den Münchner Kammerspielen, Schauspiel Köln, Thalia Theater Hamburg, der Deutschen Oper Berlin, am Schauspiel Gent, der Staatsoper Hannover; zuletzt am NT Gent, der Oper Antwerpen, Lorraine und in Krakau, Belgrad und Rom. Als Regisseur und Bühnenbildner war er mehrfach zu dem renommierten Berliner Theatertreffen eingeladen und
gestaltete (gemeinsam mit der israelischen Multimediakünstlerin Yael Bartana) den deutschen Pavillon der 60. Kunstbiennale in Venedig 2024. Mit der Uraufführung von „Double Serpent“, einem
Auftragswerk von Sam Max, inszenierte er 2024 zum ersten Mal am Hessischen Staatstheater Wiesbaden; die Produktion wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen. In den kommenden Monaten erarbeitet Ersan Mondtag Neuproduktionen an der Wiener Staatsoper (Bizets „Perlenfischer“) sowie im Sommer bei den Salzburger Festspielen
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Milano: „DER RING DES NIBELUNGEN“ – Serie im Teatro alla Scala Milano, 01. – 07. 03.2026

Opernzyklus in einem Vorabend und drei Hauptabenden von Richard Wagner

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Vor „Rheingold“. Foto: Petra und Helmut Huber

Es sollte eine Produktion mit Christian Thielemann werden, aber eine orthopädische Operation kam dazwischen … somit griff man zur Rettung des Projektes (die Liste der in Mailand abgesagten Ring-Inszenierungen ist lang) in Hinblick auf schon fixierte anderwärtige Verpflichtungen auf ein musikalisches Leitungspaar zurück: Simone Young und deren seinerzeitigem Assistenten in Hamburg, Alexander Soddy. Der gebürtige Brite, „eines der eminentesten Dirigiertalente in der Oper der letzten Jahre“ (Salzburger Nachrichten), hat vor allem in deutschen Opernhäusern einige Wagner-Produktionen, auch einen „Ring“ (Mannheim) verantwortet, und ist in seiner aktuellen Heimat Österreich spätestens seit seiner Chefposition in Klagenfurt (2013 – 2016, die er also mit 31 Jahren angetreten hat) gut bekannt. Die beiden Komplettringe im heurigen März werden von jeweils einem der Premierenleiter dirigiert – wir sahen die Serie unter Soddy, die zweite wird Simone Young anführen.

Der Schotte David McVicar, der vor rund 15 Jahren schon einen Ring in Straßburg inszenierte, schuf (mit Hannah Postlethwaite) eine spannende und emotionell tiefschürfende Produktion, mit auch witzigen Details, die aber nie die Logik des Werkes verlassen, und die sich wirklich eng an Wagners Text und Regieanmerkungen hält: keine Angst vor Raben oder den heiligen Ziegenböcken der Fricka – wobei es dem Gestaltungsteam gelingt, das alles mit „schlimmstenfalls“ zart-heiterem Spott, aber niemals Denunziation oder gar Lächerlichkeit zu servieren. Und man muß auch immer wieder sagen: Wagners Geschichte, Psychologie und innere Logik der menschlichen Gier sind nun einmal so stark, daß sie vom Regisseur „nur“ nüchtern und trocken ergründet und dargelegt werden müssen, um dramatisch erfolgreich zu sein. Denn im Grunde läßt jede Veränderung und Überbauung das Werk an Stringenz verlieren. Großartige Lichtführung und Videodetails (David Finn, Kathy Tucker), z. B. auch am jeweils anders, inhaltsbezogen, gestalteten Abendvorhang, tragen zum zwingenden Gesamtbild bei.

Mit ihren Kostümen bewegt sich Emma Kingsbury in einem zwar an sich unverbindlichen Bereich zwischen romantischen Ritterwelten und Fantasy-codes, schafft aber damit doch schon vom Erscheinungsbild her starke Charaktere, die durch die allererstklassigen Sängerinnen und Sänger mit intensivem Schauspiel noch weiter ausdifferenziert und intensiviert werden.

Für uns (aber nicht für alle) eine gelungene Idee: die Walkürenpferde werden durch Statisten bzw. Ballettänzer mit sogen. Sprungstelzen (Choreographie Gareth Mole, Circus & Martial Arts David Greeves) mit großer Körperbeherrschung dargestellt – und Loge erhält durch ebensolche Nebendarsteller für seine Umtriebigkeit die verwirrende Armvielfalt der indischen Göttin Kali. Eindrucksvoll auch die Körperbeherrschung der Rheingold-Riesen auf ihren 40 oder 50 cm hohen Kothurnen.

Die Aufführungen beginnen mit geschlossenem Vorhang; die Ouvertüre wird kaum bespielt, die Versenkung in die klangliche Stückcharakterisierung wunderbar angeleitet.

Das RHEINGOLD am 1. März begann zwar mit einigen Ansatzschwierigkeiten unter den Holzbläsern, war aber dann musikalisch geradezu aufregend perfekt – insbesondere die Steigerung von den dahinsiechenden goldapfellosen Göttern zum Aufbruch nach Nibelheim war atemberaubend, eine Flammenwand (keine Lavawalze!) sozusagen – weil auch Soddy und das mit komplettem Wagnerschen Luxus besetzte Scala-Orchester bei aller Wucht und Lautstärke nie auf Transparenz und Eleganz vergaßen. Auch die dramatischen Aspekte wurden, zusammen mit der heuer teils auch in Bayreuth geplanten Besetzung Michael Volle (Wotan), Okka von der Damerau (Fricka), Norbert Ernst (Loge), Andrè Schuen (Donner), Siyabonga Maqungo (Froh), Christa Mayer (Erda) und Olga Bezsmertna (Freya), feinst und fürs Publikum überzeugend ausgeleuchtet. Jongming Park und Ain Anger waren ein perfektes, profundes Riesenpaar, Òlafur Sigurdarson ein eindrucksvoll hartnäckiger Alberich, Wolfgang Ablinger-Sperrhacke dessen gequälter Bruder. Perlende Rheintöchter: Polina Pastirchak, Svetlana Stoyanova und Virginie Verrez. Tosende Begeisterung, kein „Buh“ – sind wir wirklich in der Scala?? 😉

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Die Walküre/ Schlussapplaus

Am 3. 3. WALKÜRE: Hundings Hütte zeigt sich als eine bedrohliche, festungsartig-steinerne Angelegenheit mit Fallgitter als Türe, natürlich einer (schon etwas hinfälligen) Esche und einem wärmenden Feuer. David Butt Philip ist ein kraftvoller, heldentenoraler Siegmund, Günther Groisböck eine Urgewalt von Hunding und die Einspringerin Vida Miknevičiūtė (Sieglinde, statt Elza van den Heever) eine stimmlich atemberaubende Offenbarung. Überragend intensiv dargestellt auch der Streit Wotan-Fricka und dann kommt natürlich auch noch die ideale Brünnhilde von Camilla Nylund ins rückhaltlose und spannende Spiel – vielleicht unter all „unseren“ Ringen der bislang aufregendste 2. Walküren-Akt? Auch Brünnhildes Schwestern, eine punkige Wilde-Weiber GmbH, erfüllen, mit ihren equinen Kampfgenossinnen und -genossen Wagners Text und Musik mit überzeugend dramatischem Leben: Caroline Wenborne, Olga Bezsmertna, Catherine Carby, Freya Apffelstaedt, Kathleen O’Mara, Virginie Verrez, Nadine Weissmann und Eva Vogel. Wotans Abschied wird von Herrn Volle und Frau Nylund ebenso wortdeutlich, edel wie erschütternd gestaltet, mit der kongenialen Begleitung aus dem Graben. 15 Minuten Begeisterung, wenn auch diesmal nicht ganz ohne Buhrufe. Das Orchester ist erneut strahlend und hochemotionell eingestimmt; vereinzelt kommt es heute aber zu Patzern im Blech (Trompeten). Bei den Streichern gibt es, wohldosiert und historisch korrekt, auch ein paar Glissandi zu hören. Man fragt sich aber auch, ob man nördlich der Alpen bei Wagner je solchen Jubel, solche Spielfreude aus dem Orchestergraben vernehmen kann – wohlgemerkt im korrekten Kontrast zu den „schweren“/düsteren Stellen.

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Vor „Siegfried“. Foto: Petra und Helmut Huber

Der 5. März ist SIEGFRIED gewidmet. Die Mime-Höhle ist realistisch steinern, kurz nach dem Vorhang werden auch einige Steinblöcke hochgezogen. Hm – warum? Der Bär tapst, angetrieben durch das schon bekannte Bewegungsensemble, herein, begleitet von Klaus Florian Vogt, dessen bekanntlich eher lyrisch-schlank wirkender Siegfried trotzdem wunderschön über das machtvolle Orchester drüberkommt. Mit Herrn Ablinger-Sperrhacke („Vater und Mutter zugleich“, was sich auch im Kostüm manifestiert) liefert er sich einen facettenreichen Streit, wobei die beiden Stimmen im Timbre gut zu unterscheiden sind; kraftmäßig schenken sich die beiden nichts, und mit dem im ersten Akt dirigierten sehr hohen Tempo (deutlich kürzer als die veranschlagten 80 Minuten) kommen sie auch in ihrer Diktion zurecht. Der Wanderer Volle steht in allen drei Akten stimmlich kraftvoll wie ein Baum, Alberich Sigurdarson läßt sich von ihm aber nicht die Schneid abkaufen – wie alle Streitpaarungen des 2. und 3. Aktes exzellent dramatisch ausgewogen imponieren! Der Drache beeindruckt als mächtiges und schauerliches Menschen-Echsen-Skelett, bewegt von ca. 10 „Bewegungsbeauftragten“, Siegfrieds Kampf gerät dementsprechend aufregend. Choregraphisch/pantomimisch sowie stimmlich entzückend das Waldvögelein von Francesca Aspromonte. Auf der dunklen Seite des Stimmspektrums bewähren sich erneut Herr Anger und Frau Mayer. Die Brünnhildenerweckung ist gut und durchaus spannungsschaffend inszeniert, was aber über die doch etwas umwegige Strukturierung durch Wagner nicht hinweghilft. Jedenfalls wieder riesiger, 15 Minuten langer Schlußapplaus, schon zum Ende des 2. Aktes heftiger Beifall für die „Ausgeschiedenen“ und den Solohornisten. Ein paar wenige Buhrufe auch heute, vor allem in den Jubel für Dirigent und Orchester gemischt.

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Schlussapplaus „Siegfried“: Vogt, Nylund, Soddy, Mayer, Volle. Foto: Petra und Helmut Huber

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Vor „Götterdämmrung“. Foto: Petra und Hemut Huber

Die Rätselmotive zu Beginn der GÖTTERDÄMMERUNG am 7. März klingen ätherisch aus dem Graben, bevor die Nornen ihr rotes, dann ins Graue changierende Seil flechten: Christa Mayer, Silvia Vörös und Olga Bezsmertna. Frau Mayer hat (anstatt Nina Stemme) dann noch als Waltraute einen unglaublich intensiven weiteren Auftritt – auch mit Hilfe eines „sweet spot“ der recht ungleichmäßigen Bühnenakustik der Scala. Die Gibichungenhalle ist, Wagners Anweisung entsprechend, mit Masken der aus dem Rheingold bekannten Götter dekoriert. Sie scheint aber akustisch nicht optimal zu sein: der als einziger Nennenswertes aus dem Hintergrund singende Gunther (Russell Braun) ist stimmlich sicherlich adäquat, wird an dieser Stelle aber ziemlich geschluckt. Die Gibichungen werden samt ihrer Miliz (Herrenchor und „Waffenballett“) durch Uniformen im Stil des frühen 19. Jahrhunderts, mit keltisch-römisch anmutendem Ornat gekennzeichnet.

Schon vor der Ankuft Siegfrieds im 2. Akt erscheint im Hintergrund wieder der schon bekannte riesige goldene Totenschädel, wohl als Sinnbild des Nibelungenschatzes – und Alberich (diesmal Johannes Martin Kränzle) trifft auf Hagen zuerst in einer Art Zwangsjacke, aus der er sich dann aber löst: soweit die weniger verständlichen Regieeinfälle. Zu den plausiblen gehört ein kurzer, trauriger Besuch des Wanderers an Siegfrieds Bahre. Frau Bezsmertna glänzt ein weiteres Mal an dem Abend als Guthrune, Klaus Florian Vogt und Camilla Nylund halten ihren schon davor demonstrierten tollen Standard. Günther Groisböck darf als Hagen gestalterisch viel weiter ausgreifen als bei seinem Walküren-Bösewicht und nutzt das weidlich und zur Begeisterung des Publikums aus. Auch die Rheintöchter (Lea-Ann Dunbar statt Frau Pastirchak) sind erneut vorzüglich – egal ob als Verlockerinnen oder als Racheengel. Das finale Inferno zeigt auch, wie von Wagner gewollt, Einblick ins untergehende Walhall.

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Schlussapplaus „Götterdämmerung“. Foto: Petra und Helmut Huber

An die 20 Minuten tosender Applaus, sehr deutlich auch für das tolle, tempomäßig und hinsichtlich Dynamik wie Transparenz perfekte Dirigat von Alexander Soddy – und nicht einmal ein einziger Buhruf zu guter Letzt!

Insgesamt also ein äußerst befriedigendes Ereignis – für uns zusammen mit Brisbane 2023 und New York 2019 (übrigens Herrn Volles „Komplett-Wotan“-Debut!) das Spitzentrio an „Ringen“. Auch viele Details hat die Scala großartig gestaltet, von einem kompletten Textbuch samt Wagners Regieanweisungen und synchron dazu geführter Leitmotivtabelle, bis zur (je nach Platzkategorie) inbegriffenen, teils recht umfänglichen kulinarische Versorgung; letztere ging sich trotz der mit 30 Minuten für Wagner kurzen Pausen aus.

 

Petra und Helmut Huber

 

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