INFOS DES TAGES (DIENSTAG, . JUNI 2026)
Placido Domingo in Schladming (7.6.)
Concert at the 2026 Summer-Opening Schladming-Dachstein, Austria
, Planai Stadion, 7 June 2026, with Plácido Domingo, Adriana Kučerová, Teo Gertler (guest violinist) and Rastislav Štúr conducting the Slovak Philharmonic Orchestra. Summer-Opening Schladming Slovenská filharmónia – Slovak Philharmonic Teo Gertler

Schladming
Plácido Domingo und die Weisheit eines Sängerlebens (Bezahlartikel)
KRITIK. Mit stehenden Ovationen wurden Plácido Domingo und seine Mitstreiter verabschiedet. Der Weltstar beendete das Summer Opening Schladming würdevoll mit Klassik.
KleineZeitung.at.domingo.inschladming
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Premiere „Turandot“ von Giacomo Puccini am 7. Juni 2026 in der Staatsoper/STUTTGART
Weltumfassendes Drama

Diego Godoy (und Statistin). Fot0: Martin Sigmund
Anna-Sophie Mahler hat als Regisseurin bei Giacomo Puccinis „Turandot“ einen ganz neuen Ansatz. Prinzessin Turandot will sich nicht mit einem Mann verheiraten. Deswegen hat sie einen Schutzwall von drei Rätseln errichtet. Wer die Rätsel lösen kann, bekommt sie zur Frau. Wer scheitert, wird enthauptet. Als der Tartaren-Prinz Calaf drei richtige Antworten gibt, scheint der Bann gebrochen zu sein. Doch Calaf eröffnet Turandot einen Ausweg. Wenn sie über Nacht Kenntnis von seinem Namen gewänne, brauche sie ihn nicht zu heiraten. Die Sklavin Liu kennt Calafs Namen. Als sie sich (um das Geheimnis nicht zu verraten) das Leben nimmt, bricht Puccinis Oper ab. Der Komponist starb 1924 an einem Krebsleiden in Brüssel. „Turandot“ blieb Fragment und wurde 1926 ohne Finale uraufgeführt.
Anna-Sophie Mahler verzichtet in ihrer Inszenierung auf das triumphale Ende von Franco Alfano, der Puccinis Final-Skizzen instrumentierte. Als Puccini schon im Krankenhaus lag, notierte er „poi Tristano“ und verwies damit auf Richard Wagners „Tristan und Isolde“. Und deswegen wird bei dieser Inszenierung in Stuttgart am Schluss auch instrumental und mit reicher Chromatik „Isoldes Liebestod“ musiziert. „Turandot“ endet nach den letzten Worten des Chores mit einem Es in der Piccoloflöte. Und „Isoldes Liebestod“ aus „Tristan und Isolde“ beginnt mit einem Es in der Bassklarinette. Ob dies nun wirklich passt, darüber lässt sich trefflich streiten. Die großangelegte Bühne von Katrin Connan besteht aus Nebel und Felsen sowie großen Aufgängen. Turandots riesige Augen sind im Hintergrund zu sehen. Und man erkennt auch den Sternenhimmel, die Erdkugel und verschiedene Lichteffekte bis hin zu Blumenmotiven, die sich in raffinierter Weise ineinanderschieben. Die Prinzessin aus Eis wird vom Feuer des Prinzen hier allerdings eher mühsam zum Schmelzen gebracht. Sie entsteigt einem großen Stahlgefäß, das von oben herabgelassen wird. Assoziationen zu Fritz Langs Film „Metropolis“ tun sich auf. Roboterfiguren werden sichtbar, um das Kalte, Unmenschliche und Unberührbare zu beschreiben. Industrielle Ebenen werden auch beim Auftritt der drei Minister Ping, Pang und Pong im Hintergrund sichtbar. Alles wird von kalter Technik beherrscht und der Mensch unterliegt dieser fatalen Situation. Manchmal werden diese technischen Finessen auch zu stark betont, doch im Gesamtzusammenhang hinterlassen sie einen starken Eindruck.

Chor, Ensemble. Foto: Martin Sigmund
Musikalisch kann diese Aufführung in mehrerer Hinsicht punkten. Unter der energischen Leitung von Valerio Galli musiziert das Staatsorchester Stuttgart akribisch. Dadurch kommt das verfeinerte exotische Kolorit leuchtkräftig zum Vorschein. Im wuchtigen Unisono des vollen Orchesters erklingt die Fünf-Ton-Folge zu Beginn unverwechselbar. Der Staatsopernchor brilliert bei den weitgespannten Chorszenen bis hin zum von Bässen gesungenen Henkerchor in imponierender Weise (Einstudierung Chor & Kinderchor: Bernhard Moncado). Und auch die Leuchtkraft der Kaiserhymne lässt nichts zu wünschen übrig.

Chor, Ensemble. Foto: Martin Sigmund
Ewa Vesin verkörpert Turandot mit stählerner gesanglicher Leuchtkraft, die sich weit auffächert. Mit imperialer Geste und großen Sprüngen der Stimme schleudert sie die Forderung heraus, dass Calaf von seinem Vorhaben ablassen solle. Ihr hohes C ist ein Ausdruck tiefster Verzweiflung. Diego Godoy antwortet ihr als Calaf ebenfalls in hellstem C-Dur („grandiosamente“). Er möchte sie als Frau voller Liebesglut sehen. Und er kann im weiteren Verlauf die magische Kraft der berühmten Arie „Nessun dorma“ mit glanzvollen Spitzentönen nachzeichnen. Der Wechsel von G-Dur nach D-Dur gelingt klangmalerisch vortrefflich. Kleine Halbtonschritte und eine große Septime reichern die Melodik hier in überwältigender Weise an. Im zweiten Akt stechen die drei Minister Ping, Pang und Pong in der markanten Charakterisierung von Shigeo Ishino, Alberto Robert und Joseph Tancredi facettenreich hervor. Eine hervorragende gesangliche Leistung bietet ferner Esther Dierkes als Liu. In elegisch-bewegendem es-Moll singt sie ihren erschütternden Abschied von der Welt und prophezeit Turandot, dass auch sie das Glück der Liebe erfahren werde. Die hohen Streicher folgen hier genau der Singstimme im „sviolinata“-Stil. Ein leidenschaftlicher Gefühlsausbruch, der das Publikum begeistert und die Prinzessin beeindruckt! Mehrfach ist hier übrigens der berühmte „Tristan“-Akkord versteckt herauszuhören, was der Dirigent Valerio Galli auch einfühlsam betont. Die Spannung steigert sich hier ins Unerträgliche, bis der Wagner-Schluss alle zu erlösen scheint. In weiteren Rollen gefallen noch Heinz Göhrig als Kaiser von China Altoum, Adam Palka als Timur sowie Jaewoung Lee als Mandarin. Selbst tänzerische Elemente stechen hervor (Choreografie: Ivan Estegneev). Jubel und Ovationen für diese sehenswerte Inszenierung.
Alexander Walther
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ATHEN: Athens Epidaurus Festival, Peiraios 260. Philip Glass: Einstein on the Beach / Konzertperformance
Philip Glass: Einstein on the Beach / Konzertperformance
Besuchte Aufführung am 30. Mai
Wenn Hören sehend macht

Foto: Jorge Carmonia
Nach Heiner Goebbels „Schliemann III“ zur Eröffnung des Athens Epidaurus Festival kam am zweiten Abend eine Konzertversion von Philip Glass‘ Oper „Einstein on the Beach“ zur Aufführung. Und wiederum darf man von einem Hörereignis sprechen. Philip Glass und Robert Wilson brachten die gemeinsam entwickelte Oper 1976 am Festival von Avignon zur Uraufführung. Es war ein Ereignis, das Operngeschichte schrieb. Das radikale Werk verzichtet auf eine Handlung und arbeitet stattdessen mit harmonisch geformten Motivblöcken und lyrischen Texten. Es geht dabei nur assoziativ um Einstein. Der berühmte Physiker tritt an keiner Stelle jemals auf. Thematisch tauchen Aspekte wie Zug, Gerichtsprozess/Gefängnis und Raumschiff auf, aber auch die Emanzipation der Frau und die Hingabe des Liebenden. „Einstein on the Beach“ bleibt auch ohne szenische Aufführung ein Gesamtkunstwerk.
Und freilich hat auch eine Konzertversion ihre szenischen Aspekte, für welche sich Germaine Kruip verantwortlich zeichnet. Die Sprecherin, die Sängerinnen und Sänger vom Collegium Vocale Gent sowie die Musikerinnen und Musiker vom Ichtus Ensemble sind in wechselnden Anordnungen auf der Bühne verteilt, manchmal pausieren sie auch und sitzen am Rand. Es ist also ein durchaus bewegter Kosmos von Akteuren, der dem Publikum entgegentritt. Die musikalischen Gesten der Musik finden ihren Widerhall in der Platzierung und „Choreografie“ der Körper. Dabei wirkt alles unaufdringlich und unaufgeregt. Das Lichtdesign von Freek Pieters schafft unterschiedliche Raumstimmungen. Die derart mit kleinen Aktionen bespielte Bühneninstallation hält den Betrachter zum aufmerksamen Hören an – wobei ein kurzzeitiges Verlassen des Zuschauerraums jederzeit erlaubt ist.
Die musikalische Darbietung bietet ein intensives Hörerlebnis. Philip Glass‘ Minimal Music mit ihren streng komponierten Klangmustern erzeugt ein reiches Repertoire an Stimmungen und Klanggesten. Man sieht vor seinem inneren Auge eine wahre Bilderflut vorüberziehen. Die Musik hat alles, was Musiktheater ausmacht: Poetische Momente, explosive Kraft, sakrale Eindringlichkeit dramatische Zuspitzung (durch gegeneinander gesetzte, schnell wechselnde Klangmuster). Das Sprechen tritt immer wieder zur Musik hinzu, ordnet sich ein, eröffnet ein weiteres Klangfeld. Bei alledem entfaltet Glass‘ Komposition eine ungeheure Sogwirkung. Die Beschränkung auf Akkordfolgen und das Singen von Zahlen und Silben stimuliert die Vorstellungskraft des Publikum. Der Zuhörer ist Teil des Gesamtkunstwerks.
Die musikalische Darbietung ist exzellent. Man kann allen Beteiligten für die Präzision ihres Musizierens, Singens und Sprechens nur höchstes Lob aussprechen. „Einstein on the Beach“ gleicht einem musikalischen Marathon. Der Dirigent Tom De Cock und sein Assistent Dirk Descheemaeker halten das komplexe Geschehen souverän zusammen und verhelfen den Klangwellen von Glass‘ Musik zu grossartiger Wirkung. Suzanne Vega spricht alle Texte mit einer Stimme, die als Instrument zu anderen tritt. Nicht genug loben kann man die Musiker und Vokalisten für ihre rhythmisch präzise und farbenreiche Darbietung des Werks. Vom Ictus Ensemble sind Igor Semenoff (grossartige Geigensoli), Chryssi Dimitriou, Dirk Descheemaeker, Asagi Ito, Nele Tiebout, Jean-Luc Plouvier und Brecht Valckenaers auf dem Podium. Die beiden letztgenannten sorgen am Keyboard für einen unglaublichen Drive. Das Collegium Vocale Gent tritt mit Elisabeth Rapp, Joowon Chung, Malena Napal, Charlotte Schoeters, Marlen Herzog, Laura Kriese, Julia Spies, Peter Di-Toro, Thomas Köll, Philipp Kaven und Bart Vandewege an. Philip Glass‘ „Einstein on the Beach“ betört an diesem Abend nicht nur den Hörsinn des Publikums. Und dieses dankt den Beteiligten am Schluss mit anhaltenden Ovationen. Ein überwältigendes Opernerlebnis.
Ingo Starz (Athen)
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