INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 7. JULI 2026)
BÜHNE BADEN/ Stadttheater: : Ich bin für euch da!“. Musical TOOTSIE von David Yazbek . Premiere 24. JULI

Tootsie © Lalo Jodlbauer/YAY Creative
Mit einer perfekt geschriebenen Komödie geht es an der Bühne Baden weiter im Sommerspielplan: Das Musical TOOTSIE von David Yazbek (Musik und Gesangstexte) und Robert Horn (Buch) begeistert mit bissig-scharfen Dialogen, klugen Pointen, individuell komponierter Musik und jeder Menge Situationskomik. TOOTSIE sei „das witzigste Musical am Broadway“, schrieb The New York Post sogar anlässlich der Premiere im Frühjahr 2019 – was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass in diesem Stück auch ernste Themen verhandelt werden.
Die Geschichte ist dank des legendären Films aus dem Jahr 1982 mit Dustin Hoffman weltbekannt: Ein erfolgloser Schauspieler, dem niemand eine Rolle geben will, wird über Nacht zum Star, als er beschließt, sich als Frau zu verkleiden. Doch damit ist das Chaos vorprogrammiert, zumal auch die Liebe dazwischenfunkt… Wie lange wird es dauern, bis das Netz aus Lügen zerreißt und die Wahrheit ans Licht kommt?
Simon Stockinger schlüpft in die Rolle des verzweifelten Schauspielers Michael Dorsey bzw. der erfolgreichen Dorothy Michaels. Ihm bzw. ihr zur Seite stehen Clara Mills-Karzel als Bühnenpartnerin Julie Nichols und Sebastian Brummer als Michaels bester Freund und Mitbewohner Jeff Slater. Ein Wiedersehen gibt es mit Missy May, die in TOOTSIE Michaels verzweifelte Ex-Freundin, die Schauspielerin Sandy Lester spielen wird. In weiteren Rollen sind unter anderen Franz Frickel, Clemens Otto Bauer, Marika Lichter und Martin Berger zu sehen.
Regie führt Felix Seiler, der großen Wert darauf legt, kein Remake des Hollywood-Films auf die Bühne zu bringen. Er lässt die Geschichte im heutigen New York spielen und räumt dabei vor allem dem Thema Lebensträume breiten Raum ein: Wie ticken diese Menschen, die für das Theater leben? Wie weit sind sie bereit, für ihren großen Traum zu gehen, was opfern sie auf? Wie gehen sie mit der Angst vor dem Scheitern um, mit dem Gefühl, dass es immer nur die anderen schaffen, nie aber man selbst? Das Bühnenbild von Darko Petrovic trägt diesen Fragen Rechnung: Kein New York aus Pappmaché, sondern eine Stadt, die immer anders aussieht, je nachdem, ob man gerade auf Wolken schwebt oder gefühlt ganz unten angekommen ist. Die zeitlosen Kostüme stammen von Aleš Valášek, die Choreografie von Danny Costello. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Victor Petrov.
Premiere ist am 24. Juli 2026 um 19.30 Uhr im Stadttheater
Weitere Vorstellungstermine:
28. & 30. Juli 2026
1., 4., 5., 7., 11., 18., 21., 22., 25., 26., 28. & 29. August 2026
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BERLIN /Staatsoper Unter den Linden: ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL; 5.7.2026
Musikalisch sehr erfreulich – Comedy und Singspiel? Ein nur fast netter Versuch

Credit: Stephan Rabold
Mozarts Die „Entführung aus dem Serail“ ins Heute verlegt. Raimund Bauer schuf ein spektakuläres Bühnenbild in Form einer protzig güldenen Superyacht, Marke nouveau riche. Deren gelüftete Fassaden fallweise den Blick auf einen eleganten Salon mit Flügel, und gesellschaftlich hierarchisch darunter auf eine Bordküche in Chrom geben.
Oben versucht Bassa Selim, Konstanze mit allerlei Versprechen für sich zu gewinnen. Unten kabbeln sich der Prolo Osmin, Pedrillo und die aufmüpfige Blonde als Instagram Tussi. Bis der spanische Edle Belmonte auftaucht und als Baumeister in diese Sphäre eindringt, um Konstanze zu befreien. Dann werden alle bei der Flucht erwischt. Nur dank eines trotzigen Gnadenakts des Bassa Selim, der mit zusammengebissenen Zähnen alle raushaut, endet das Stück aufklärerisch versöhnlich. Natürlich zum Missfallen des Machos Osmin, der auf Blonde steht.
In Mozarts Singspiel in drei Akten aus dem Jahr 1782 darf Bülent Ceylan in der von Andrea Moses inszenierten und von Thomas Guggeis dirigierten Neuproduktion den Bassa Selim mimen. Die Staatsoper Unter den Linden kommentiert das Engagement so: „Mit Bülent Ceylan konnte ein prominenter Comedian gewonnen werden, sowohl die Sprechrolle des Bassa Selim zu übernehmen als auch das Bühnengeschehen, den Text und die Musik aus wechselnden Perspektiven zu kommentieren – und das alles mit Elementen und Stilmitteln, die aus seinen bundesweit erfolgreichen Comedy-Shows bekannt sind. Mozarts Entführung erscheint auf diese Weise in einem neuen Licht, aus heutiger Zeit bewusst reflektiert und zugleich humorvoll und unterhaltsam.“
Das wäre sehr nett ausgefallen und startete auch durchaus amüsant, hätte das Leading Team nicht einfach zu viel des Guten gewollt. Die Neufassung samt Moderationen von Bülent Ceylan, Andrea Moses und Michael Höppner unter Verwendung des Originaltextes von Johann Gottlieb Stephanie d. J. will nämlich nicht nur Oper und Comedy sein, sondern auch ein Lehr- und Lernstück sowie eine moralische Anstalt der political correctness. Da wird über kulturelle Aneignung gequatscht – ich habe kein Wort davon kapiert – und natürlich auch darüber, welche Textteile heute gar nicht mehr gehen. Als ob das nicht alle längst selbst wüssten. Auch konnte man sich offenbar nicht entscheiden, ob ein satirischer Ton angemessen ist (das Beste an den Texten) oder ob nicht zwischendurch das Wacheln mit dem Zeigefinger pädagogisch genauso opportun wäre. So irgendwie peinlich nach Volkshochschulenart.
Das ist aber noch immer nicht alles. Im Programmheft ist von einem Pilotprojekt die Rede. Der Rest ist auf BildOnline zu erfahren. Demnach plant Bülent Ceylan nichts weniger als eine „Klassik Revolution.“ Fakt ist, dass BILD Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“ für ihre BILDplus Kunden am 8. Juli als Live-Stream mit dem Hinweis „Hier anmelden und Oper mit Bülent Ceylan live schauen“ anbietet. Und dazu gleich auch noch praktisches Wissen offeriert, nach der Art von „Darf ich wie Bülent Ceylan in Jeans in die Oper?“
Den deutschen Komiker, der offensichtlich mit seinen „Comedy Programmen die größten Hallen füllt“, kannte ich als Nicht-Comedy Mensch vorher nicht. Er ist nach dem gestrigen Erlebnis auf jeden Fall ein Bühnenprofi, ein charismatischer Kerl, der selbst aus abgedroschenen Kalauern noch Funken zu schlagen vermag.
Was jedenfalls auch zu funktionieren scheint, ist die Attraktivität des Comedians für eine breitere, vielleicht andere Öffentlichkeit als sonst. Das zeigt sich auch daran, dass oft mitten in Arien dazwischen geklatscht wird. Denn wenn der Comedian überall und an jeder Stelle der Musik seinen mehr oder weniger scharfen Senf über Privates, Politisches oder Schnurren eines Komikers dazugeben darf, wird das wohl auch dem werten Publikum erlaubt sein.
Das Publikum stürmt jedenfalls die Aufführungen des in Wien als „Deutsches Nationalsingspiel“ uraufgeführten Stücks. Ob allerdings Ceylans Ziel, „Menschen, die bisher wenig Berührung mit Klassik hatten, zu zeigen, wie geil Oper ist“, in aller Nachhaltigkeit erreicht werden kann, daran will ich doch meine Zweifel haben dürfen. Ob dieselben Ceylan-Anhänger, durch ihren Liebling für die Oper mit ihm ‚erweckt‘, Klassik-Festivals weltweit stürmen oder im Herbst zumindest in Repertoireaufführungen welcher Oper auch immer gehen, hmmm?
Wie schmal der Grat ist, auf dem das Konzept baut, zeigte sich zu Beginn des dritten Akts. Da drohte das ganze Unterfangen fast zu kippen. Siyabonga Maqungo, offenbar indisponiert und extrem kurzatmig, kassierte nach seiner wirklich nicht gut gesungenen Arie „Ich baue ganz auf deine Stärke“ ein kräftiges Buh. Bülent Ceylan spielte sofort den Benimmapostel und mahnte das Publikum oberlehrerhaft, sich anständig aufzuführen, sonst könne es ja abgeschoben werden. Dafür kassierte der übereifrige Stand-up Comedian wiederum noch mehr kräftige Buhs. Mit ein paar Witzen lotste der erfahrene Showman das Ganze wieder halbwegs in ruhigere Bahnen. Aber ein Kratzer an diesem Clash der an sich unvereinbaren Kunstformen blieb doch haften.
Zurück zum Ursprung. Wie war denn die musikalische Qualität der Aufführung? Sensationell war in erster Linie, wie sehr es Dirigent Thomas Guggeis vom Hammerklavier aus mit diversen Einlagen verstand, die fantastische Staatskapelle Berlin auf einen forschen und janitscharenexotischen Klang einzuschwören. Für mich war da bislang noch immer die Aufnahme mit der Staatskapelle Dresden unter Karl Böhm das Maß aller Dinge. Guggeis hat mich gestern noch mehr überzeugt und mitgerissen. Die umwerfende Modernität dieser Partitur von Mozart, die ihre ganze Stärke nicht zuletzt aus der emotionalen Zerrissenheit ihrer Figuren, insbesondere der Zweifel der wieder vereinten Liebespaare zieht (Quartett „Ach, Belmonte! Ach, mein Leben!“), habe ich nie überzeugender artikuliert erlebt als gestern.
Auch gesungen wurde mehrheitlich ganz hervorragend bis grundsolide. Die rumänische Sopranistin Adela Zaharia, Mitglied des Ensembles der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, sang die Konstanze comme il faut. Eine unheimlich schwere Partie, weil sie neben hochdramatischen Koloraturen der berühmtem, mit Oboe, Flöte, Violine und Cello konzertierenden „Martern aller Arten“ Arie auch die sanften, durchwegs in Piano gehaltenen weiten Legatobögen der „Welcher Wechsel der Gefühle! … Traurigkeit ward mir zum Lose“ Arie im zweiten Akt und etliche Ensembleszenen meistern können muss. Schließlich hält sie trotz aller sanften bis brutalen Versuche des Bassa Selim, die ihrige zu werden, standhaft an ihrer Liebe zu Belmonte fest. Zaharia kann dramatische Koloratur, verfügt zudem über eine prächtige Mittellage und volltönende Tiefe (wie einst Edda Moser), was die wenigsten Interpretinnen dieser Partie aufweisen können. Zum Niederknien gut!
Die junge Serafina Starke, Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Unter den Linden, imponierte mit leichtgängigen Höhen bis zum dreigestrichenen E und mit quirliger Bühnenpräsenz. In der extremen Tiefe mangelt es allerdings noch an Volumen und Stimmsitz.
Von den Männern boten Michael Laurenz als Pedrillo mit heldischer Attacke seines Charaktertenors sowie David Steffens als weniger polternder, sondern als wirklich gefährlicher Osmin mit tollem schwarz timbriertem Bass, absolute Spitzenleistungen. Siyabonga Maqungo, der mich mit seinem perfekten Stammsitz und einer probaten Technik als lyrischer Tenor stets überzeugte, enttäuschte gestern auf voller Linie. Er schien kurzatmig und phrasierte dementsprechend eigentümlich. Mehrere der lang gehaltenen Pianotöne rissen ab, außerdem schien mir seine Stimme insgesamt zu schwer und dramatisch für diese Partie.
Fazit: Ein aufregend dirigierter und musizierter Opernabend mit originellem Bühnenbild und einem Regiekonzept, das vielleicht auf der richtigen Spur, sich in einem Allzuviel an Anspruch verhedderte. Über all den Witzen und Belehrungen litt die Personenregie, die das Beziehungsgeflecht nicht schlüssig in Aktion übersetzte. Da hat man wohl allzu sehr der Strahlkraft des Fernseh- und Comedystars vertraut.
A propos TV: Gestern wurde die Vorstellung audiovisuell aufgezeichnet. Laut Bülent Ceylan für RTL.
Dr. Ingobert Waltenberger
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Benjamin Bernheim: »Wir haben uns selbst belogen«
Auch diese Woche war ich noch einmal für eine arte-Doku in Paris. Eine der spannendsten Begegnungen: Gemeinsam mit Tenor Benjamin Bernheim haben wir im Archiv der Opéra wütende Briefe von Wagner und spannende Autographe von Gounod und Offenbach entdeckt. Und: Wir haben einen BackstageClassical-Podcast aufgenommen, der es in sich hat: »Wir haben uns jahrelang selbst belogen«, sagt Bernheim, wenn wir geglaubt haben, Oper sei – ähnlich wie die Popmusik – eine Kunst, die jedermann erreiche. Nein: Wir müssten endlich akzeptieren, dass wir eine Nische sind und dürfen aus Spar- und Legitimationsdruck nicht in Angst verfallen.
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Giudittas heiße Küsse im Stadttheater Bad Hall in einem Fest der Superlative

Begeisterung, Bewunderung, Staunen – enthusiastischer Beifall für die scheinbar leichte Muse
Es ist längst bekannt. Das relativ junge, kleine Stadttheater Bad Hall steigt langsam aber sicher zu einer Musiktheaterbühne auf, die es mit größeren Häusern aufnehmen kann. Die Premiere von Franz Lehárs nicht allzu oft gespieltem Spätwerk „Giuditta“ am Samstag, dem 4. Juli 2026, gelang bei den heurigen Operettenfestspielen als ein weitbeachtetes Ereignis in der frequentierten Kurstadt. Die Produktion wies auf allen Linien Vorbildqualität aus, was gerade mit diesem Werk nicht leicht zu erreichen war. Das beginnt schon beim Titel. Das goldene Zeitalter der Operette war für den Komponisten zahlreicher, erfolgsbewährter Operetten aus eigener Feder vorbei, also muss etwas Neues auf die Bühne. Lehár nannte seine „Giuditta“ eine musikalische Komödie, eigentlich seltsam durch den tragischen Ausgang. Aber so tragisch wurde der Inhalt gar nicht. Mit seinem zeitlosen Thema LIEBE, die Herzen an Untreue brechen lässt. Enttäuscht bleibt der Liebhaber zurück, während seine Angebetete in ein anderes Leben flüchtet. Die Darstellung solcher tiefgreifenden Gefühle braucht viel Fingerspitzengefühl auch für melancholische Momente oder ganz einfach die visionäre angeborene Kraft des Regisseurs. Bad Hall hat das Glück einer Erfüllung dieser Ansprüche. Thomas Kerbl, seines Zeichens lehrender Musikprofessor an der Linzer Bruckneruni, weiß genau, worauf es ankommt bei der scheinbar leichten Muse. Emotionen in heikelsten Situationen ausdrücken zu können, den Szenenverlauf in Bewegung zu halten, so dass das Publikum keine Minute das Wunder der Faszination verliert. Bei Kerbl glitzert und glänzt das Geschehen, seine Ideen übertragen sich auf die Mitwirkenden, die Identifikation erfolgt spontan auf die Rollenträger. Dazu hat er natürlich auch das genau passende Team, schauspielerisch sowie sängerisch und auch für die tänzerischen Einlagen. Eine allgemein zündende Stimmung vom Anfang bis zum Ende durch die Ausstattung der fünf Bühnenbilder von Susanne Kerbl, die so einfach wie kulissenmäßig großartig die Handlung widerspiegelten.
Die Musik strotzt förmlich von melodischer Grazie, rhythmischer Lebendigkeit und einer geschickt ausgewogenen Orchesterbehandlung. Bis heute tönen bekannte Schlager aus „Giuditta“ im Ohr von Musikkennern etwa „Gern hab ich die Frauen geküsst“, welche liebeshungrige Dame würde das nicht kennen ? Oder „Freunde, das Leben ist lebenswert“. Und das seit 1934, dem Uraufführungsjahr des Werkes nach dem Buch von Paul Knepler und Fritz Löhner. Keine bedeutendere Bühne als die Wiener Staatsoper hatte es für sich entdeckt. Im oberösterreichischen Bad Hall weiß man es zum ersten Mal, wie Lehár seine geniale Musik mit unsterblichen Klängen in Zeitlosigkeit versetzte.
Wie gesagt, leicht ist es nicht, im Theater alle Höhepunkte von Lehárs spätem Opus als der letztvollendeten der Operette umzusetzen. Durch den Übergang von der traditionellen Operette zum modernen Musiktheater hat in „Giuditta“ eben eine Sonderstellung in der Musikgeschichte. In Zeiten digitaler Ablenkungen und Stückversetzungen in die Gegenwart heißt es, die Relevanz der Bühnenkunst dem Publikum erfahrbar machen zu können. Auch in dieser Hinsicht ist der Produktion insgesamt höchstes Lob auszusprechen.
Der spätromantische Sound der Musik kam vom Orchester unter der Leitung von Walter Rescheneder, die tänzerischen Rhythmen wie Tango oder Foxtrott, perfekt ausgeführt von professionellen Solotänzerinnen, verdienten die präzise Begleitung der Musiker. Die Akkordeonklänge des Straßenmusikers Bernhard Walchshofer füllten bravourös die Orchesterpausen, und auch das Herrenensemble sang seine Parts mit Feuer und Eifer. Dass ohne sichtbare Verstärkung der Stimmen die Artikulation durch die Bank keinen Wunsch übrig ließ, ist keine Selbstverständlichkeit. Die adäquate Besetzung der Hauptrollen schien für eine solche Produktion fast eine Pflicht zu sein. Cinzia Zanovello als Giuditta weist alle Vorzüge auf, die diese Rolle verlangt. Eine umwerfende Ausstrahlung, herrliche, in der Höhe mühelose Stimme, ein natürlich bewegtes Spiel und Tanz; als die ideale Vorstellung von einer umworbenen Diva erhielt sie sämtliche Avancen vom Publikum. Christoph Gerhardus als Octavio war gewiss ein attraktiver Partner, allein die Führung seines flexiblen Tenors würde vielleicht noch etwas mehr Beachtung vertragen. Einem Richard Tauber durch Forcieren nachzueifern, braucht es bei diesem Sänger gar nicht. Eine Art Buffopaar hatten Génesis López Da Silva als Anita und Alexandre Bianque als Perrino darzustellen, was sie nicht nur im Gesang hochtalentiert für diese Aufgabe taten. Ernst Garstenauer (Ibrahim), Gerald Giedenbacher (Butler/Lord), Josef Krenmair (Wirt/Türsteher) und Marie Büchele (Lolitta) ergänzten in bewundernswerter Eintracht das Gesamtensemble. Versäumen Sie diese aufregende Inszenierung nicht und besuchen Sie eine der zahlreichen Aufführungen, die bis zum 26. Juli 2026 geboten werden.
Georgina Szeless
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