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INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 5. MAI 2026)

05.05.2026 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 5. MAI 2026)

 Bayerische Staatsoper: Das Nationaltheater öffnet seine Türen für Sie

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Ab kommendem Freitag öffnen sich die Türen des Nationaltheaters im Rahmen der Apollon Foyers jeden Freitag tagsüber zum Entdecken und Verweilen. Auch bei der Langen Nacht der Musik am Samstag, 9. Mai 2026 gibt es einiges zu erleben. Es erwartet Sie ein vielfältiges musikalisches Programm mit Mitgliedern der Herman-Levi-Akademie des Bayerischen Staatsorchesters, des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper sowie verschiedenen Jazz-Ensembles.
 
Am Sonntag, 10. Mai 2026, folgt ein weiteres Highlight: die Uraufführung von Brett Deans Of One Blood. Nutzen Sie die seltene Gelegenheit, diese Oper über die komplexe Beziehung zwischen Elizabeth I. und Mary Stuart zu erleben – inszeniert von Claus Guth und unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski.
 
Herzliche Grüße
Ihr Team der Bayerischen Staatsoper

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Nationaltheater Mannheim:  Premiere von Georges Bizets komischer Oper »Le docteur Miracle« am So, 17.05.2026 um 18.00 Uhr ins OPAL.

Le Docteur Miracle: Amazon.de: CDs & Vinyl

In Georges Bizets rasanter Komödie geht es drunter und drüber, aber die Liebe findet immer einen Weg. Das musikdramatische Erstlingswerk des jungen Komponisten lässt dabei den Einfallsreichtum und die musikalische Zugkraft späterer Meisterwerke aufblitzen. Die Ensemblemitglieder des Internationalen Opernstudios am NTM bringen in dieser Produktion ihr sängerisches Können zu Gehör.

In der Familie des Podestat gehen merkwürdige Dinge vor sich: Schon länger verdächtigt er den Hauptmann Silvio, sich an seine Tochter Laurette heranzuwerfen und ist ungehalten über die Vorgänge. Gut, dass sein neuer Diener Pasquin das ganz genauso sieht! Dieser verspricht, Silvio endlich auf die Schliche zu kommen, sollte er sich noch einmal ans Haus der Familie heranwagen. Was der Podestat nicht weiß: Der Jäger ist zugleich der Gejagte. Silvio hat sich inkognito als Diener anheuern lassen und schreckt vor keinen Mitteln der Täuschung zurück, um doch noch an Laurette zu gelangen…

Mit der Opèra-comiqe »Le docteur Miracle« gewinnt der gerade einmal 18-jährige Bizet den Wettbewerb des Théâtre des Bouffes-Parisiens und sichert sich neben den 10 erfolgreichen Folgeaufführungen sogleich die Protektion Gioacchino Rossinis. Auch die erstmalige Zusammenarbeit mit dem Librettisten Ludovic Halévy sollte 18 Jahre später in keinem geringeren Werk als »Carmen« seine Vollendung finden.

Unter der packenden Musikalischen Leitung von Anton Legkii und Naomi Schmidt, der Musikalischen Leiterin des Opernstudios, erweist sich Bizets melodiestarke und temporeiche Komödie als ideales Stück die jungen Stimmen des Opernstudios. Regie führt Claudia Plaßwich.
 Weitere Termine

Fr, 22.05.2026, 19.30 Uhr

An diesem Tag gemeinsam ins Theater mit »Schiller x Mozart«!

So, 24.05.2026, 18.00 Uhr

Sa, 30.05.2026, 19.00 Uhr

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Noch ein Mehta-Geburtstagsfoto mit Barenboim, Kanzler Merz, Thielemann. u.a. 

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Lortzing 26  – Oper Leipzig zieht erfolgreiche Festivalbilanz 

Über 16.000 Besucherinnen und Besucher bei 26 Veranstaltungen, ein breit verankertes Rahmenprogramm, internationale Resonanz und außergewöhnlich großes Medieninteresse: Mit der letzten Vorstellung von »Der Waffenschmied« in der Musikalischen Komödie ist das Festival »Lortzing 26« am Sonntag erfolgreich zu Ende gegangen.

Anlass des Festivals waren der 225. Geburtstag und der 175. Todestag Albert Lortzings. Vom 18. April bis zum 3. Mai 2026 rückte die Oper Leipzig den Komponisten, Sänger, Schauspieler, Dirigenten, Regisseur und Theaterpraktiker in den Mittelpunkt, der prägende Jahre in Leipzig verbrachte und mit der Stadt in besonderer Weise verbunden ist. Insgesamt erlebten 6.361 Menschen die Vorstellungen bzw. Verkaufsveranstaltungen des Festivals. Einschließlich aller weiteren Angebote wie Rahmenprogramm, Tag der offenen Tür, Open Stage, Symposium, Audio Walk, Ausstellungen, Vermittlungsangeboten und Kooperationsveranstaltungen erreichte »Lortzing 26« insgesamt 16.468 Besucherinnen und Besucher. 

Tobias Wolff, Intendant der Oper Leipzig, ist glücklich über den Erfolg des Festivals: »Wir wollten ein Festival für Leipzig. Wir wollten den Allroundkünstler Lortzing wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Und wir wollten sein Werk wieder zur Diskussion stellen. All das ist gelungen. ›Lortzing 26‹ hat eine der vielleicht größten Stärken der Musikstadt Leipzig gezeigt: ihre Vielfalt in lebendiger Erinnerung, in der auch die eigene Theatergeschichte ernst zu nehmen und neu zu befragen ist.«

Ein Festival für die Stadtgesellschaft

Das Festival war bewusst als Festival für die Stadt und die Stadtgesellschaft angelegt. Neben Oper Leipzig und Musikalischer Komödie waren zahlreiche Partnerinnen und Partner in und um Leipzig beteiligt, darunter das Internationale Festival für Vokalmusik »a cappella«, die Universität Leipzig, das Mendelssohn-Haus, das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig, der Haynaer Strandverein und das Kindermuseum UNIKATUM sowie weitere Kultur- und Bildungseinrichtungen. Veranstaltungen fanden nicht nur in den Spielstätten der Oper Leipzig statt, sondern an unterschiedlichen Orten in der Stadt.

Auch medial stieß »Lortzing 26« auf eine große Resonanz. Zahlreiche Medienvertreterinnen und Medienvertreter aus Deutschland und Europa begleiteten das Festival mit Berichten, Kritiken, Radiobeiträgen und Einordnungen. Die Berichterstattung reicht von regionalen und überregionalen Tageszeitungen über öffentlich-rechtlichen Rundfunk bis zu Fachmedien und internationalen Stimmen.

Eine besondere Freude war für die Oper Leipzig die Anwesenheit von Mitgliedern der Familie Lortzing, die aus der ganzen Welt angereist waren, mehrere Veranstaltungen des Festivals besuchten und die Wiederbegegnung mit Werk und Biografie Albert Lortzings in Leipzig begleiteten.
Mit den Neuproduktionen von »Der Waffenschmied« in der Musikalischen Komödie und »Regina« im Opernhaus zeigte das Festival zwei sehr unterschiedliche Seiten von Lortzings Musiktheater: die komische Spieloper zwischen Handwerk, Liebesintrige, sozialer Beobachtung und utopischem Wunschbild sowie die politisch aufgeladene Revolutionsoper unter dem Eindruck des Jahres 1848. Ergänzt wurden die Premieren durch Repertoirevorstellungen, Konzerte, Lesungen, wissenschaftliche Beiträge, Vermittlungsformate und Veranstaltungen im Stadtraum.

Kennzahlen »Lortzing 26«

 Festivalzeitraum 18. April bis 3. Mai 2026
26 Veranstaltungen
Gesamtbesuch inklusive Rahmenprogramm: 16.468 Besucherinnen und Besucher
Besuch in den  Vorstellungen und Verkaufsveranstaltungen allein: 6.361 Besucherinnen und Besucher
Auslastung in den Vorstellungen: 71 %

Auftakt Tag der Offenen Tür allein: 8.200 Besucherinnen und Besucher

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Benefizkonzert zur Sanierung der Holzveranda am denkmalgeschützten Schönberg-Haus Mödling

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Schönberg-Haus Mödling
Bernhardgasse 6, 2340 Mödling
Donnerstag, 21. Mai 2026
18.30 Uhr
Eintritt frei | Spenden erbeten
Anmeldung erbeten
 
 Schüler:innen der Beethoven Musikschule Mödling
Jonathan Gradischnig, Laurenz Berger, Isabella Maschl, Magdalena Jungwirth, Levin Schüller Klavier | Martina Glatz Querflöte, Violoncello

Werke von Arnold Schönberg, Josef Matthias Hauer, Jean Coulthard, Ludwig van Beethoven und Hannes Heher

Von 1918 bis 1925 lebte Arnold Schönberg in der Mödlinger Bernhardgasse 6. Die holzvertäfelte Veranda des Hauses ist Zeitzeugin zahlreicher Besuche von Freunden, Schüler:innen und Komponistenkollegen aus aller Welt – ein lebendiger Ort künstlerischen Austauschs und inspirierender Begegnungen.
Mehr als 120 Jahre nach ihrer Errichtung steht diese historische Veranda nun vor einer dringend notwendigen Generalsanierung. Dieses besondere Kulturerbe zu bewahren, ist uns ein großes Anliegen!
Ulrike Anton, Direktorin des Arnold Schönberg Center, lädt Sie herzlich zu einer exklusiven Projektpräsentation ein. Erfahren Sie mehr über die bewegte Geschichte des Schönberg-Hauses und die geplanten Maßnahmen. Als besonderer Gast wird Patrick Schicht, Leiter des Landeskonservatorats Niederösterreich im Bundesdenkmalamt, die Sanierung aus fachlicher Perspektive beleuchten.
Schüler:innen der Beethoven Musikschule Mödling unterstützen uns mit einem Benefizkonzert, in dem Schönberg auf den Wiener Zwölftonkomponisten Josef Matthias Hauer, Musik der Schönberg-Schülerin Jean Coulthard auf Ludwig van Beethoven – den großen Mödlinger Meister und Vorbild der Wiener Schule – sowie auf ein Werk des österreichischen Komponisten Hannes Heher trifft.

Dank an Direktor Clemens Schmidt und die Beethoven Musikschule Mödling sowie das Lehrpersonal Annegret Bauerle, Martina Glatz, Franziska Musil, Gerhard Waiz.

Wir freuen uns auf Ihr zahlreiches Kommen und danken Ihnen herzlich für die Unterstützung der Renovierung!

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Kontrapunkt
„Der Opernfreund.de. Kontrapunkt: „Rettet den Freischütz!“

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Grafik: Peter Klier

Webers Freischütz war bis dato Deutschlands beliebteste Familienoper. Die müssen wir zerstören! – sagt heute anscheinend der Zeitgeist auch auf der Opernbühne. Die schön schaurige Liebesgeschichte (Kern der Oper) macht natürlich keinen Sinn mehr, wenn Agathe lesbisch ist, oder? Jetzt gibt es in Bonn den „Freischütz gegen rechts“. Die AFD wird quasi geadelt, weil die bekannten Gesichter nun Hauptrollen bekamen. Alle Dialoge wurden natürlich umgeschrieben – versteht sich 😉 Erste Anrufe und Mails, die ich heute schon erhielt, sprachen davon, daß das Theater Bonn nach der Pause halb leer war. Das Premierenpublikum stimmt mit den Füssen schon vor dem Ende ab (so der einheitliche Tenor) und flüchtete wohl in Scharen… Was soll man da noch sagen? Mir fehlen die Worte…
Kontrapunkt: „Rettet den Freischütz!“ – Der Opernfreund

Der Freischütz – Theater Bonn: Durch die Wälder mit den Blauen

Wenn Volker Lösch und Lothar Kittstein auf Carl Maria von Webers urdeutsche Oper treffen, ist Deutliches zu erwarten. So kam es auch. Durch diesen „Freischütz“ geistert die AfD-Prominenz, während ein CDU-Kanzler den Teufelspakt sucht. Im Publikum gab’s vernehmlichen Widerspruch.

Nachtkritik.de.der.freischütz

Bonn: „Der Freischütz“, Carl Maria von Weber
Selten dürfte ein Zwischenruf so viel Beachtung gefunden haben wie jener, der bei der Premiere von Der Freischütz an der Oper Bonn durch den Saal hallte: „Weber weint!“ war dort zu vernehmen. Und tatsächlich – dieser Abend ließ kaum jemanden unberührt, provozierte, irritierte und regte vor allem eines an: heftige Reaktionen.

Dass es dazu kommen würde, war im Grunde absehbar. Sobald ein Regisseur wie Volker Lösch ans Werk geht, stellt sich nicht die Frage, ob es Proteste gibt, sondern wie laut sie ausfallen. In Bonn fielen sie sehr laut aus – und zahlreich, denn das, was hier auf der Bühne passierte, war letztlich keine herkömmliche Opernaufführung, sondern etwas, das neben reinen Geschmacksfragen auch Generationenfragen stellte und durch eine unfassbare Politisierung noch zusätzlichen Sprengstoff mit sich brachte. Lösch verlegt Webers romantische Oper kurzerhand in eine düstere Zukunft und lässt sich vom Autor Lothar Kittstein zusätzliche Texte schreiben. Der Abend firmiert unter dem Titel „Alptraum für Deutschland“ – und genau als solcher entfaltet er sich auch…

… Am Ende bleibt ein Abend, der stark polarisiert. Die Regie muss sich erwartungsgemäß einen heftigen Buh-Orkan abholen, gleichwohl hört man auch Bravos und Zustimmung. Man könnte viel über diese Produktion, über Erwartungen, über Generationenkonflikte, über die Frage, wie politisch Theater sein darf oder muss, über die „Gefahr von rechts“, über die Frage, ob Weber wirklich weint und was ein „vernünftiger Freischütz“ sein kann, diskutieren. Letztlich bleibt dies ein Abend, der Traditionalisten enttäuschen wird, aber zugleich ein Publikum anspricht, das sich für experimentelles, politisches Musiktheater interessiert. Vor allem aber ist es ein Abend, der einen nicht kalt lässt – und das ist vielleicht die größte Stärke dieser Produktion.

Denn, ob man ihn nun ablehnt oder verteidigt: Gleichgültigkeit ist hier keine Option.

Sebastian Jacobs, 4. Mai 2026

https://deropernfreund.de/theater-bonn/bonn-der-freischuetz-carl-maria-von-weber/

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54. NESTROY Spiele Schwechat: Mein Freund 27. Juni bis 1. August 2026
Schlosshof Rothmühle Schwechat-Rannersdorf
„Ich hab’ einmahl einen Freund g’habt, und seitdem hab’ ich gar keinen Abscheu mehr vor die Feind’.“

freuun

Was bedeutet Freundschaft wirklich?
Wem kann man vertrauen – und was geschieht, wenn Vertrauen missbraucht wird?

Und hat ein gutgläubiger, optimistischer Mensch in einer Welt voller Berechnung und Eigennutz überhaupt noch eine Chance?

Mit MEIN FREUND bringt Johann Nestroy eine ebenso bittere wie komische Geschichte über Täuschung, Verrat und verlorene Illusionen auf die Bühne. Die 1851 – im Schatten der gescheiterten Revolution von 1848 – entstandene Posse zählt zu den „dunkleren“ Werken des großen Dramatikers. Hinter dem gewohnt
brillanten Sprachwitz verbirgt sich eine überraschend melancholische Auseinandersetzung mit menschlichen Abgründen und gesellschaftlichen Maskenspielen.

Worum geht es?
Schlicht, ein gutherziger und vertrauensvoller Mensch, hält Julius für seinen besten Freund – ein folgenschwerer Irrtum. Er vertraut ihm sogar einen Liebesbrief an Amalie an. Doch Julius unterschlägt diesen und erschleicht sich stattdessen mit einem gefälschten Wechsel Geld. Schlicht entdeckt den Betrug, verzeiht jedoch – zu früh.
Sechs Jahre später begegnen sie einander wieder: Julius tritt nun als falscher Baron auf, um sich in die Gesellschaft einzuschleichen. Gleichzeitig umwirbt er die junge Marie und die wohlhabende Clementine – mit dem Ziel, an deren wertvolle Diamanten zu gelangen. Marie hilft ihm dabei ahnungslos.

Schlicht erkennt schließlich, dass Julius ihm nicht nur Geld, sondern auch die Liebe zu Amalie genommen hat. Diesmal handelt er entschlossen: Er durchkreuzt Julius’ Intrigen, rettet Clementine und sorgt für dessen Entlarvung.
Am Ende kehren die Juwelen zu ihrer Besitzerin zurück – und vielleicht findet auch Schlicht sein persönliches Glück.

Trotz aller Melancholie bleibt Nestroy seiner unverwechselbaren Kunst treu: Sprachwitz, pointierte Dialoge und fein gezeichnete Charaktere machen MEIN FREUND zu einem ebenso unterhaltsamen wie nachdenklichen Theatererlebnis, das wie so oft bei Nestroy auch erstaunlich aktuell ist.

Intendant und Regisseur Christian Graf setzt gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildnerin Andrea Költringer auf eine atmosphärisch dichte und zugleich spielfreudige Umsetzung. Unterstützt wird Christian Graf von einem erfahrenen Ensemble rund um Paul Graf, Manfred Stella, Michelle Haydn, Florian Haslinger, Maria Sedlaczek, Bella und Melina Rössler, Franz Steiner, San Trohar und Bruno Reichert.
Schloss Rothmühle (©Jenni Koller

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Copyright: Julia Aqua-Art

54. NESTROY Spiele Schwechat – MEIN FREUND
SPIELTERMINE
27. Juni bis 1. August 2026
Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag jeweils 20:30 Uhr
Sonntag, 19. Juli um 19:00 Uhr
Schlosshof Rothmühle, Schwechat
TICKETS
€ 24 – 54
www.nestroy.atwww.oeticket.at
tickets@nestroy.at | +43 650 4723212

JUBILÄUM 2026
Zum 50. Mal finden im Rahmen der Spiele die Internationalen Nestroy- Gespräche statt (30. Juni – 4. Juli, Justiz-Bildungszentrum). Unter dem Titel „Nestroy und die Wissenschaft“ widmen sie sich neuen Perspektiven auf Werk und Wirkung des Autors.

EXTRA
Nachtwandler – After Show Party
Sa, 11. Juli, ab 23:15 Uhr
Musik, Getränke und Sommerstimmung bei freiem Eintritt

FOTOS © juliaaquaart & Christine Bauer
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REISE UND KULTUR: BAGNO VIGNONI

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Bagno Vignoni. Foto: Robert Quitta

Alle italienischen Dörfer und Städte haben eine Piazza. Auch der toskanische Ort Bagno Vignoni  hat eine, diese ist allerdings „invertiert“, „umgedreht“,„überschwemmt“ : d.h. sie besteht aus einem einzigen riesigen Thermalwasserbecken. Das gibt es sonst nirgends, das ist nicht nur in Italien, sondern auf der ganzen Welt einzigartig.

Das heiße Wasser wird aus Quellen des benachbarten „erloschenen“ Vulkans, dem Monte Amiata, gespeist, und schon die Etrusker wussten um seine heilsamen Qualitäten. In der „Wasserpiazza“ badeten unter anderem Lorenzo de Medici, der hier seine Schmerzen lindern wollte, und Caterina di Siena, die ganz im Gegenteil hier ihre Schmerzen steigern wollte, indem sie möglichst nahe an die 45 Grad heiße Quelle schwamm, um so ihre Haut zu verbrennen und dadurch ihre Fleischeslust abzutöten und ihre Heiligmässigkeit zu erhöhen.

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La Piazza. Foto: Robert Quitta

Bis ins 19.Jahrhundert hinein konnte das Wasserbecken auch von allen Einwohnern einfach so benützt werden, bevor das dann unter fadenscheinigen „hygienischen “ Vorwänden verboten wurde.

Lange Zeit lag Bagnoni im nassen Dornröschenschlaf, bis dann der russische Regisseur Andrej Tarkowski seinen Film „Nostalghia“ da drehte. Und wer je die legendäre zehnminütige Schlussssequenz gesehen hat, in der der Protagonist versucht, das (ausgetrocknete) Becken mit einer Kerze zu durchqueren, ohne dabei die Flamme erlöschen zu lassen, wird sofort verstehen, warum daraufhin viele viele Menschen aus der ganzen Welt nach Bagno Vignoni kommen wollten (und bis heute kommen wollen), um dessen unvergleichliche mystische  Atmosphäre selbst zu erleben.

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Hotel La Posta. Foto: Robert Quitta

Weil man die Piazza ja leider nicht mehr zum Baden benützen kann, empfiehlt es sich, sich im 100 Meter entfernten Hotel La Posta einzuquartieren. Dort hat nämlich Signora Licia, die Gründungsmutter des Hotels (gegen den anfänglichen Widerstand ihres Gatten) in einem ehemaligen Weinberg ein riesiges Thermalbecken installieren lassen.

Und wem es je vergönnt war, darin bei 37 Grad sozusagen direkt in die Landschaft des Val d‘Orcia mit seinen grünen Hügeln und mittelalterlichen Burgen hinauszuschwimmen, wird das sein Leben lang nicht vergessen.

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La Piscina. Foto: Robert Quitta

Es ist schwer, dieses Erlebnis zu beschreiben, und man soll ja mit großen Worten vorsichtig sein, aber die Gegend hier ist einfach magisch. Das Val d‘Orcia scheint nicht von dieser Welt zu sein, es fühlt sich eher an wie eine Insel der Seligen, die zwischen Himmel und Erde schwebt. Man ist hier entrückt, man lebt, man schwimmt in einer anderen Dimension. Man kann sich keine Wirklichkeit mehr außerhalb des Tales vorstellen. Das Leben ist schön, das Leben ist friedlich, das Leben ist erfüllt. Man ist so glücklich wie ein Embryo im Fruchtwasser. Man will hier nie wieder weg, man will vor allem nicht mehr h i n a u s…

Dass die Götter dem Val d‘Orcia gewogen sind und es permanent küssen, merkt man auch am Schicksal des Hotels La Posta. Als die Gründerfamilie Marcucci dieses Juwel, diese Oase, dieses Kleinod nicht mehr weiterführen konnte, hätte ja viel Schlimmes passieren können. Durch eine schon wieder mystisch zu nennende Kette an unglaublichen glücklichen Koinzidenzen fand sich jedoch die Familie Michil und Giovanna Costa aus Südtirol (die in den Dolomiten die Casa Costa betreiben), die das Erbe voller Liebe und Respekt vor der Lebensleistung der Marcucci fortführen, gleichzeitig aber das Hotek auch noch verschönern und verbessern.

La Posta ist eigentlich kein Hotel, sondern ein Zweitwohnsitz, ein Urlaub bei Freunden.

Es gibt Zeitungen (!), Bücher, Spielzimmer, analoge Plattenspieler usw.usf…und natürlich ein Spa mit diversen Massagen und einer speziellen Gutschlaf-Behandlung. Man ist hier wie zuhause und schläft wie ein Kleinkind.

Aber es ist natürlich trotzdem ein Hotel mit allen seinen hervorragenden Services. Das Team ist in allen Positionen von so ausgesuchter Freundlichkeit, dass es selbst von Taxifahrern der Umgebung (gerade im Gegensatz zu einem anderen, auch von Südtirolern geführten Hotel in Vignoni) ungefragt besonders gelobt wird.

Das leibliche Wohl kommt natürlich (wir sind ja in Italien!) auch nicht zu kurz. Im wunderbaren hoteleigenen Restaurant La Rocca (mit demselben großartigen Ausblick wie aus dem Pool, nur einen Stock höher) widmet sich Küchenchef Matteo den klassischen toskanischen Spezialitäten wie einer Auswahl von Salumi e Formaggi, der Ribollita (Brotsuppe), den Pici (eine typische, sehr dicke Pasta), dem Stracotto di Cinta Sienese (laange geschmortes Fleisch des schwarzen Schweins mit dem weißen Streifen) und selbstverständlich der Tagliata di Chianina (jener legendären Rinderrasse, die so sensibel ist, dass sie schlechteres Fleisch gibt, wenn der Besitzer wechselt …) etc.etc.

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Pici. Foto: Robert Quitta

Dazu ein Brunello di Montalcino oder ein Vino Nobile di Montalcino und als krönenden Abschluss ein dazupassender Grappa di Brunello.

Felicità !

Robert Quitta, Bagno Vignoni

 

 

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