INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 30. DEZEMBER 2025)
Erleben Sie den Jahreswechsel mit der Staatskapelle Berlin

Die beiden festlichen Konzerte zum Jahreswechsel in der Staatsoper Unter den Linden stehen in dieser Saison ganz im Zeichen der Operettenmusik von Franz Lehár. Unter der Leitung von Christian Thielemann interpretiert die Staatskapelle Berlin gemeinsam mit der Sopranistin Vida Miknevičiūtė und dem Tenor Thomas Blondelle ausgewählte Szenen, Arien, Duette und Orchesterstücke aus einer Reihe von Lehárs prominenten Bühnenwerken.
Mittwoch, 31. Dezember 2025, 17.00 Uhr
Donnerstag, 1. Januar 2026, 16.00 Uhr
Konzerteinführung jeweils 45 Minuten vor Beginn
Das Konzert wird am 31. Dezember ab 17.00 Uhr live auf der Website der Staatsoper übertragen. In der Konzertpause erwarten Sie exklusive Einblicke und musikalische Hintergründe.
Eine TV-Ausstrahlung im rbb folgt am 4. Januar 2026 um 22.00 Uhr; anschließend ist das Konzert in der ARD Mediathek abrufbar.
Zum Live-Stream am 31. Dezember um 17 Uhr
Symphoniekonzert IV – Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem
Mit Ein deutsches Requiem op. 45 fand Johannes Brahms zu seinem unverwechselbaren Ausdruck. Ausgehend von biblischen Texten und dem Geist der Romantik schuf er ein Werk, in dem Chor, Solostimmen und Orchester zu einer eindrucksvollen Einheit verschmelzen.
Unter der Leitung von Christian Thielemann interpretieren die Staatskapelle Berlin und der Staatsopernchor gemeinsam mit den Gesangssolisten Nikola Hillebrand und Samuel Hasselhorn dieses bedeutende Werk. Die Choreinstudierung übernimmt Dani Juris.
Montag, 26. Januar 2026, 19.00 Uhr | Staatsoper Unter den Linden
Dienstag, 27. Januar 2026, 20.00 Uhr | Philharmonie Berlin
Konzerteinführung jeweils 45 Minuten vor Beginn
Zum Symphoniekonzert IV findet zudem eine öffentliche Generalprobe für Menschen unter 30 Jahren statt, die Einblicke in die Probenarbeit mit der Staatskapelle Berlin, dem Staatsopernchor und den Solist:innen ermöglicht.
Samstag, 24. Januar 2026, 11.00 Uhr | Staatsoper Unter den Linden
Tickets
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Tiroler Festspiele Erl: „SONNAMBULA“ – 28.12.2025

Levy Sekgapane (Elvino), Adolfo Corrado (Conte Rodolfo), Sarah Dufresne (Lisa), Dirigent Giacomo Sagripanti, Jessica Pratt (Amina), Valentina Pernozzoli (Teresa) und Pawel Horodyski (Alessio). Foto: Scheffold Media
Gegen Ende des Wintersaison-Programms 2025 werden die Gäste in Erl mit zwei wichtigen Belcanto-Opern auf – zum Teil – hohem künstlerischen Niveau verwöhnt. Während „Lucia di Lammermoor“ szenisch auch einen Einblick ins brutale Leben einer geschlossenen Anstalt gibt (mit einer technisch brillanten Sara Blanch und einem schönsingenden Kang Wang als unglückliches Paar), wird Bellinis „Schlafwandlerin“ konzertant aufgeführt, was den Vorteil hat, dass sich das Publikum ganz auf erfüllte Melodik, empfindsame Stimmen und vokale Ausdruckskraft konzentrieren kann.
Die vier Hörner eröffnen wundervoll und exakt die Introduktion, bevor Querflöte und Streicher freudvoll einsetzen. Giacomo Sagripanti zeigt Hingabe und Herz am Pult und beseelt die Musik mit romantischem Pathos, erhabener Würde und endlosen Melodienbögen ohne auf die nötige dramatische Spannung, schwärmerische Leichtigkeit und Prägnanz zu vergessen.
Als Edel-Einspringer für den erkrankten Francesco Demuro erweist sich mit Levy Sekgapane einer der weltbesten Belcanto-Tenöre – wenn man kurzfristig so einen Clou aus dem Hut zaubern kann, braucht sich niemand mehr um das Gelingen der Vorstellung Sorgen machen. Der Südafrikaner, an der Wiener Staatsoper bereits erfolgreich im Barbiere, bei „Don Pasquale“ und an der Seite der Bartoli bei der Rossini-Gala aufgetreten, zeigt sein beeindruckend-leuchtendes, schmelzreiches Timbre mit vokaler Geschmeidigkeit. Mühelos erreicht er die Höchsttöne, bei denen er sich spürbar besonders wohl fühlt und Eifersucht und Verzweiflung für den „alles verloren ist und für den es keinen Trost mehr gibt“, gelingen sehr glaubwürdig und ausdrucksstark. Seine Partnerin ist – wie im Vorjahr bei Erls „Puritani“ – Jessica Pratt und so erlebt man harmonische, optimal abgestimmte Belcanto-Duette des Liebespaares. Die australische Sopranistin, im Juni erneut als Königin der Nacht im Haus am Ring zu hören, verfügt über eine liebliche, noch immer jugendliche Stimme und lässt die Töne herrlich aus einer tragfähigen Mittellage anschwellen. Während schwebende piani und pianissimi zu den großen Stärken dieser Amina gehören und das virtuos trällernden Koloraturfeuerwerk restlos begeistern kann, schleichen sich bei einigen fortissimo-Klängen unangenehme Schärfen ein – aber das ist jammern auf höchstem Niveau und die 732 Gäste im Festspielhaus bejubeln die Sängerin mit traumhaft schönem Haar und im nachtblauen Glitzer-Kleid.

Lisa (Sarah Dufresne) kokettiert mit dem Grafen (Adolfo Corrado). Foto: Scheffold-Media
Der Italiener Adolfo Corrado gefällt als Conte Rodolfo mit schöner Linienführung und belcanteskem Wohlklang. Der Bass wirkt viel sicherer als am Vortag als Priester Raimondo in „Lucia“, sein Graf schmeichelt Amina gekonnt und er kann ihre verloren geglaubte Ehre wieder herstellen. Als seconda donna und intrigante Gastwirtin ergreift Sarah Dufresne aus Kanada als Lisa mit hellem, leichtem Sopran, klarer Höhe und präziser Intonierung die Chance, vielleicht doch noch Elvinos Gattin zu werden. Ihr Verehrer Alessio, vom Polen Pawel Horodyski verkörpert, agiert rollendeckend und die Müllerin Teresa (Valentina Pernozzoli) warnt mit gehaltvollem, kräftigem Alt vor dem schrecklichen Gespenst.

Liebesglück zwischen Amina (Jessica Pratt) und Elvino (Levy Sekgapane). Foto: Scheffold Media
Erwähnenswert auch die einheitliche, kraftvolle Chorleistung, die sich mit Amina und ihrem Glück zuerst freut, sie dann der Untreue verurteilt und sich vor „dem nächtlichen Grauen“ fürchtet. Die Festspiele Erl sind einen Besuch wert und zeigen auch im nächsten Jahr ein interessantes Programm mit den Höhepunkten „Parsifal“, „Fliegenden Holländer“ und „Carmen“ (in großartiger Besetzung mit Aigul Akhmetshina und Pretty Yende).
Susanne Lukas
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REISE UND KULTUR: ALS EINZIGE LANGNASE IN HALLSTATT

Mit dem Schiff nach Hallstadt. Foto: Robert Quitta
Wenn man noch einen leichten Zweifel gehabt hätte, ob der einzige direkte Zug vom Westbahnhof auch wirklich nach Hallstatt fährt, wiegt man sich nach Betreten des Waggons sofort in Sicherheit: denn man blickt ausschließlich in asiatische Gesichter.
Jahrzehntelang hatte ich Hallstatt wegen des Hypes, des hohen Chinesenaufkommens und des allgemeinen Overtourismus vorsorglich gemieden, um nicht zu sagen: boycottiert.
Aber jetzt hatte ich in der Gegend zu tun und daher beschlossen, als neugieriger österreichischer Staatsbürger endlich einmal diesem unglaublichen Phänomem nachzugehen und mit eigenen Augen anzuschauen, was denn unsere Freunde aus dem Fernen Osten an diesem kleinen, so schwer erreichbaren Ort im Salzkammergut dermaßen fasziniert.
Also, bleicher Farang, also weisse Langnase, da musst du jetzt, trotz eines Waggons voller Mandelaugen und Mandeläuginnen, durch !
Der Zug fährt ja nur bis zur am gegenüberliegenden Ufer gelegenen Bahnstation. Dann muss man nach einem kurzen Fußweg in die (ein zusätzliches Ticket verlangende) Fähre umsteigen, und damit beginnt der unvergleichlich schönste Teil der Reise: die Schiffanfahrt an das malerische Hallstatt, wie man es von so vielen Photos, Prospekten und Filmen kennt.
Im Hafen angelangt, ist das Überraschendste und Auffälligste, dass die unmittelbar dort erbaute evangelische Kirche die weitaus abseitiger und höher gelegene katholische nicht nur an Zentralität, sondern auch an Größe w e i t übertrifft. Erstaunlich.
Die aus Italien stammende, hierher geheiratet habende, Fremdenführerin weiß darüber berührende Geschichten zu erzählen: wie die protestantische Rebellion der Salzkammergutler von den kaiserlichen Truppen brutal niedergeschlagen wurde, und man dann dem gewählten Glauben jahrzehntelang klandestin nachging, indem z.B. kleine Lutherbibeln in Brotlaiben eingebacken über den Dachstein geschmuggelt wurden etc. Erst durch Josef II. Toleranzedikt konnten die verbliebenen bzw. nach der Vertreibung aus dem Exil in Siebenbürgen zurückgekehrten Protestanten das ehemalige Bethaus in die jetzige massive Kirche umbauen.

Die „typischen“ Häuser. Foto: Robert Quitta
Hallstatt besteht eigentlich nur aus einer einzigen (Fussgänger)Straße, die man einmal vom Busbahnhof in die „Stadt“ und wieder zurück gehen kann. Dementsprechend hoch ist hier das „Passagieraufkommen“. Wer also in der Früh mit dem Schiff anreist, hat einen unschlagbaren Startvorteil.
Sehr viel zu besichtigen gibt es hier nicht, denn seit auch die unverschämtesten Touristen gecheckt haben, dass in den Häusern echte lebendige Menschen wohnen, werden diesbezüglich auch keine dreisten Versuche mehr unternommen.
Absolut einen Besuch wert ist das ehemalige Salzbergwerk mit seiner 64m langen Bergmannsrutsche etc., was aber vielen Gästen auch zu anstrengend ist.
Kaum Touristen findet man auch im äusserst Hallstatt-Museum mit seinen zahlreichen Sälen, von denen die meisten der keltischen Hallstattkultur (mit ihren Gräberfeldern) gewidmet sind. Faszinierend!
Also auch nach einem ausführlichen Selbstversuch erschließt sich einem der weltweite Hype um dieses Salzkammergutstädtchen nicht wirklich. Es ist sehr nett und gepflegt, aber weder besser noch schlechter als viele andere Orte in der Gegend. Und vor allem, was macht man hier, wenn man die eine Straße einmal auf und einmal ab gegangen ist, und zwischendurch vielleicht auch noch die Schwäne gefüttert hat ?
Dank der Empfehlung meiner Guidin tat sich dann doch noch eine Möglichkeit auf, und es war eine Offenbarung: das Hotel Grüner Baum bzw, seine Terrasse.

Die Seeterrasse. Foto: Robert Quitta
Die ist in den See hinein gebaut, und sobald man auf ihr Platz genommen hat, ist man der Welt abhanden gekommen bzw. endlich in der Welt angekommen.
Keine Touristenmassen, kein Overtourismus, keine barbarischen selfiesüchtigen Horden mehr, denen hat man den Rücken zugekehrt, die hört man nicht, ja die erahnt man nicht einmal mehr.
Vor einem liegt nur der wunderschöne See, und da das gegenüberliegende Ufer genaugenommen unbewohnt ist, eigentlich sonst nix. Frieden. Stille. Blauer Himmel. Sonnenschein. Ab und zu ein paar Schwäne und ein paar Tretboote in Schwanenform (!), die von den echten Schwänen interessiert, aber misstrauisch beäugt werden.

Die künstlichen Schwäne. Foto: Robert Quitta
Dazu servieren einem die besonders freundlichen ungarischen Kellner die allerköstlichsten Speisen: die Krebssuppe, die aus dem See frisch gefangene Reinanke, die selbstgemachten Sorbets…
Man ist im Paradies. Man ist glücklich. Man will nie wieder weg….

Die Fischsuppe. Foto: Robert Quitta

Reinanke mit Mandeln. Foto: Robert Quitta
Robert Quitta, Hallstatt

