INFOS DES TAGES (27. JÄNNER 2026)
Zum Geburtstag Mozart: „2.999 Busserl – und ein halbes – nach Baden“
Nicht nur Zaungast in Niederösterreich: Wolfgang Amadeus Mozart, gemalt 1789 von Joseph Lange.
Foto: Stiftung Mozarteum Salzburg
In Krems-Stein, wo auch seine Großmutter herkam, machte er im „Elefanten“ Station (mit 6). In Melk setzte er sich an die Stiftsorgel (mit 11). In Raschala, an der alten Poststraße nach Prag, soll er – angeblich – gepinkelt haben (mit 31). In Wiener Neustadt hat er die Uraufführung seines Requiems nicht mehr erlebt. Und in Baden?
Niederösterreichische Nachrichten.at
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Wolfgang Amadeus Mozart – 27. Januar 1756 in Salzburg geboren zum 270.Geburtstag
Auszug aus dem „Salieri-Buch“ von Manuela Miebach

Mozarts Krankheiten

Der junge Mozart. Radierung
Jahrzehntelang wurde darüber spekuliert von verschiedensten Wissenschaftlern und das weltweit, über die eigentliche Todesursache Mozarts. Tatsächlich hielt man zunächst an dem Glauben fest, aufgrund von Verschwörungstheorien, dass Mozart durch Salieri vergiftet worden sei. Auch nach der ehrenvollen offiziellen Jubilierung des Hofkapellmeisters, geisterte das Gerücht durch Pressemeldungen an die Öffentlichkeit, wo ohne die eigentliche Ursache zu hinterfragen, hier ein falsches Zeugnis über die eigentliche Todesursache Mozarts abgegeben wurde.
Nun Gerüchte verbreiten sich schnell in der Welt – besonders in Zeiten des Online – Zeitalters wo wir mit Fake-News tagtäglich überschüttet werden.
Auch heute noch werden über die eigentliche Sterbeursache Mozarts gerätselt wo rund 150 Mythen kursieren die aber als reiner Humbug zu bezeichnen sind. Denn Fakt ist, laut eines Totenbeschauprotokolls vom 5. Dezember 1791 der MA 8 hier Mozart nachweislich an einem „Frieselfieber“ gestorben ist. Warum hier also immer noch Gerüchte kursieren bleibt unbegreiflich.
Doch hundertprozentig erwiesen scheint Mozarts Todesursache bis heute nicht.
Es bleibt ebenso Spekulation, ob Mozart an einer akuten bakteriellen oder viralen Infektion starb, an einer akuten chronischen Nierenerkrankung, die letztendlich zur Urämie führte – oder ob andere entzündliche Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis vorlagen. Generalisierte Ödeme, die bei Mozart beobachtet wurden, sind ansonsten Zeichen kardiovaskulärer Erkrankungen, kommen bei nephrotischem Syndrom, Malnutrition, Leberinsuffizienz und vor allem bei eingeschränkter glomerulärer Filtration vor, z.B. einer akuten Nephritis. (Laut einer Beschreibung des Kardiologen Prof. Dr. Hans Joachim Trappe, dessen Buch „Krankheit – Sphäre des Schaffens“ zum Fall Mozarts Krankheiten sehr zu empfehlen wäre).
Im Jahr 2000 legte sich eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler als Todesursache auf ein akutes rheumatisches Fieber fest, das von einer Streptokokken – Infektion ausgelöst worden sei. Wo Letzteres durchaus erklärbar, weil aufgrund dieser Infektion höchstwahrscheinlich ein Toxisches Schocksyndrom ausgelöst wurde, das nicht nur zu Fieber, Ausschlag, gefährlich niedrigen Blutdruck, sondern auch zu einem mehrfachen Organversagen führen kann.
Lassen wir also „Frieselfieber“ als die eigentliche Todesursache Mozarts gelten, so sind wir dem Rätsel schon ein wenig nähergekommen.
Denn anhand von Überlieferungen soll Mozart bereits seit zwei Wochen über heftiges Fieber, über Ausschlag und geschwollene Arme und Beine geklagt haben; Und obwohl ein Aderlass mehrere Male angewendet wurde, hier jedoch in dem bereits vorangeschrittenen Stadium seiner Erkrankung, Mozart nicht mehr geholfen werden konnte.
Bedauerlicherweise gibt es kein ärztliches Attest über Mozarts Krankheit, das zur damaligen Zeit auch gar nicht üblich war. Somit können wir nur aus dem Sterberegister der Domkanzlei und aus dem Totenbuch der Pfarre von St. Stephan entnehmen, das Mozart an einem „hitzigen Frieselfieber“ gestorben ist. So wie es auch aus dem Totenbeschauprotokoll der MA 8 hervorgeht.
Vom 5. bis zum 6. Dezember lag der Leichnam vermutlich in der Totenkammer unter dem Nordturm des Stephansdomes. Am 6. Dezember, um drei Uhr nachmittags, wurde Mozart vor der offenen Kruzifix – Kapelle eingesegnet, dann durch das Stubentor über die Vorstadt Landstraße auf den St.- Marxer Friedhof gefahren und in einem Reihengrab beigesetzt. Das Begräbnis war eines dritter Klasse: 4fl. 36 kr. Pfarrgeld, 4 fl. und 20 kr. Kirchengeld und 3.fl. für den Wagen. Also Mozart wurde keineswegs in einem Armengrab beigesetzt, so wie immer behauptet wurde, sondern in einem Reihengrab beigesetzt, dass aber für je drei bis vier Leichen bestimmt war, demnach sich die Spuren verwischten, und eine Aushebung des Leichnams, für Forschungsarbeiten oder einer in Betracht ziehenden Obduktion dadurch nicht zu realisieren war.
Doch nach medizinischen Erkenntnissen kann Mozart durchaus an einer bakteriellen Herzklappenentzündung gestorben sein. Wo im heutigen Falle bei einer Herzmuskelentzündung, die sogar durch einen vereiterten Zahn entstehen kann, bei sofortigem Erkennen mit Antibiotika behandelt werden kann.
Nur gab es dies zur damaligen Zeit noch nicht. Das Mozart also an einer Krankheit gestorben ist konnte inzwischen eindeutig widerlegt werden. Was auch der Leichenschaubericht aus dieser Zeit bestätigt. Wo die Diagnose „Frieselfieber“ vermutlich von Mozarts Hausarzt Dr. Thomas Franz Closset stammt, diese dann auch als Eintragung in das Totenbuch übernommen wurde.
Außerdem wäre zu erwähnen, dass Mozart schon als Kind drei oder vier Mal unter schweren Fieberattacken litt, dass offenbar schon damals als erste Auswirkungen auf seinen gesamten gesundheitlichen Zustand zurückzuführen ist. Solcherlei Infektionen die bereits im Kindesalter auftraten können bereits eine Schädigung der Herzkranzgefäße ausgelöst haben. Auch von rheumatischen Beschwerden ist die Rede aus einem Brief des Vaters Leopold. Dazu kommt, obwohl der gesundheit-lichen Anfälligkeiten des Knaben Mozart er in keiner Weise geschont wurde.
In den Jahren 1763-1766 organisierte Leopold Mozart in 88 Städten hunderte Auftritte seiner Kinder. Wolfgang und Nannerl konzertierten am Pariser und Londoner Königshof, musizierten mit verbundenen Augen vor dem Bayerischen Kurfürsten und saßen beim europäischen Hochadel an der Tafel. Nicht jeder Auftritt freilich verlief derart glamourös. In London mietete Leopold ein Hinterzimmer eines Gasthauses an: Gegen Eintritt waren seine Kinder „Täglich von zwölf bis drei Uhr zu hören“. Sie wurden wie dressierte Zirkuspferde dem Publikum vorgeführt!
Mozart war also schon als Kind ein Getriebener und schonte sich auch nicht als viel versprechender Komponist in Wien. Dazu kamen, neben seinen unermüdlichen Kompositionseifer, sein ungesunder Lebenswandel und der übermäßige Genuss von Alkohol. Es gab also mehrere Ursachen warum Mozart so jung gestorben ist.
Wo sich hier unweigerlich die Frage stellt: Wer war denn hier für den vermeintlich so frühen Tod des großartigen Komponisten verantwortlich? Vermutlich war es der krankhaft ehrgeizige Vater Leopold, der weder auf das physische noch psychische Krankheitsbild seines Sohnes Rücksicht genommen hatte und ihn ins Grab brachte.
Dafür gibt es zwar keinerlei Beweise, aber Mozarts allgemeiner Gesundheits- und Gemütszustand lassen darauf schließen, dass sein früher Tod vermutlich auf das zurückzuführen ist. Wurden also Wolfgang Amade und Nannerl aufgrund ihrer überaus musikalischen Genialität, nicht doch eher ihrer kindlichen Freiheit beraubt – indem der Vater sie ausgenutzt und wie Marionetten zur Schau gestellt hatte?
Verkracht mit Salzburg und fehlender Anerkennung zunächst in Wien, deren Erfolge erst später, vier Jahre vor Mozarts Tod einsetzten, verstarb Mozart kurz nach Eintreffen seiner Frau in den frühen Morgenstunden des 5.Dezembers 1791.
Für Salzburg war er bereits gestorben. Denn während in Wien, Prag, Kassel und Berlin Trauerfeiern zu Ehren des Verstorbenen abgehalten wurden, hatte man in Mozarts Geburtsstadt Salzburg ihn einfach ignoriert. Selbst der Salzburger Lokal-Presse war das Ereignis gerade einmal elf Zeilen wert.
Salzburg das nicht nur ihn, sondern auch er hasste, und Mozart hatte auch nie daraus einen Hehl gemacht: „Ihre Sprache und Lebensart sind mir ganz unerträglich“ schrieb er 1779, und wie sollte die Stadt auch ehrerbietig einen Sohn in ihren Analen führen, der 1778 an seine Cousine schreibt: „Ich werde Ihnen den Arsch petschieren, Sie hinten und vorn kritisieren, einen wackeren Furz lassen erschallen und vielleicht auch etwas fallen lassen.“ Ist das der Mozart so wie er auch in dem Film „Amadeus“ dargestellt und wie wir ihn aus einigen Überlieferungen kennen?
Österreich zimmerte sich nach Mozarts Tod ein eigenes Mozartbild zurecht, das frei war von allen unpassenden Obszönitäten. Bereits 1798 veröffentlichte Franz X. Niemetschek eine Mozart Biografie, in dem er seinen Zeitgenossen zum lichten Klassiker stilisierte. Danach wurden im Laufe der Jahrzehnte dutzende von Mozartbiografien geschrieben, und es fand eine allgemeine Mozartverherrlichung statt.
Nun unumstritten ist Mozart ein wahrer musikalischer Meister in allem was er komponierte, ein Komponist zwischen „Genie und Wahnsinn“ dem alle Ehre gebührt und über den man höchstwahrscheinlich noch in 500 Jahren sprechen wird. „Denn wen die Götter lieben den holen sie früh zu sich„. Denn vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn Mozart seinen Zeitgenossen Salieri überlebt hätte. Und vielleicht wäre er sogar in Vergessenheit geraten…wir wissen es nicht. Doch seine Genialität hat die Zeit überdauert indem man heute noch von Mozart spricht! Mozart – Niemand schaffte es ihm den Rang abzulaufen. Außer Beethoven der für mich neben Bach das größte Genie ist. Doch nur wenige sind auserwählt – und Mozart zählte zu den Auserwählten die in der Sphäre des Universums zu einer der musikalischen Götter erhoben wurde. Aber offenbar musste er erst sterben um zu leben!
Manuela Miebach
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PRAGUE SPRING . International Music Festival (12.5.- 14.6.2026)
48 flautists and 42 pianists from 17 countries to compete in the first round of the Prague Spring International Music Competition 2026

Copyright: Flickr
Prague, 26 January 2026 | The Prague Spring International Music Competition 2026 has published the list of competitors advancing to the first round. From a record 470 applications, 48 flautists
and 42 pianists from 17 countries will compete in Prague in early May. The Czech Republic will be represented by five young artists: 4 in the flute category and 1 in the piano category.
The competitors range in age from 14 to 29.
Advancement was decided on the basis of submitted audio-visual recordings by the juries composed of Philippe Bernold (FR), Jana Semerádová, Václav Kunt and Jan Ostrý in the flute category, and Daniel Browell (UK), Katarzyna Popowa-Zydroń (PL), Ivo Kahánek and Martin Kasík in the piano category. Commenting on the piano preliminary round, jury member Martin Kasík said: “Selecting forty-two pianists for the first round was an exceptionally demanding task, as the Prague Spring Competition attracted the highest number of young pianists in its history – something that naturally gives us great pleasure! The results clearly point to a current trend: musicians from Asia, thanks to their drive and diligence, are ‘steamrolling’ their competition, presenting a major challenge for the rest of the world.”
In the flute category, 48 competitors from 14 countries have advanced to the first round. The Czech competitors are Michaela Blažková, Eliška Michálková, Alexandra Piskořová and Tereza Vodáková. In the piano category, 42 competitors from 6 countries have advanced; the Czech representative will be Eliška Tkadlčíková.
The flute first round will take place on 7–8 May at Vzlet in Vršovice, while the piano first round will be held on 8–9 May in the Bohuslav Martinů Hall at Academy of Performing Arts in Prague. The
second rounds will follow on 11–12 May, also in the Bohuslav Martinů Hall at the Academy. The final rounds, featuring the three best competitors in each category, will be held on 13–14 May in Dvořák Hall at the Rudolfinum. The second and final rounds will once again be streamed live on the Prague Spring Festival’s YouTube channel.
The Prague Spring International Music Competition 2026 is held with the financial support of the ČEZ Foundation, the Ministry of Culture of the Czech Republic, and the City of Prague. Further
information is available at festival.cz/en/competition.
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Servus TV: Die Gruaberin – Mit Monika Gruber und Ex-Fußballprofi Sanel Kuljić . Fr., 30.01., ab 23:30 Uhr

Foto: Servus TV/ Sebastian Marko
Fußball war sein Leben. Sanel Kuljić spielte erfolgreich in der ÖFB-Nationalmannschaft und stand zugleich im Zentrum des größten Wettskandals im österreichischen Fußball und wurde wegen schweren Betrugs zu fünf Jahren Haft verurteilt. Mit Monika Gruber spricht er offen über seine schweren Fehler. Kuljić möchte vor allem junge Fußballer warnen, denn „es geht immer nur ums Geld.“
Die Gruaberin – Mit Monika Gruber und Ex-Fußballprofi Sanel Kuljić
Fr., 30.01., ab 23:30 Uhr
Die Gruaberin is back! In ihrem Vodcast trifft Monika Gruber spannende, interessante, lustige und unterhaltsame Menschen, die etwas zu sagen haben. Gemeinsam sprechen sie über Persönliches und ihre Lebenswege: witzig, ehrlich, unterhaltsam. Denn wie sagte ihre Oma immer? „Reden macht a Sach aus und bringt d’Leid zamm.“ Der Kabarettistin geht es um die hohe Kunst des Plauderns und Geschichtenerzählens und um menschliche Begegnungen. Thematisch ist es offen, nur langweilen darf es nicht und Tiefgang muss es haben.
„Mein Vorbild als Podcaster ist der Joe Rogan. Der war genauso wie ich Stand-up-Comedian und hat aus Gaudi heraus gesagt: Jetzt hocken wir uns vor ein Mikro und reden einfach. Und – wow – jetzt ist das der erfolgreichste Podcast der Welt. Think big – warum nit.“
Die neue Sendung „Die Gruaberin“ bei ServusTV ist als Vodcast und Podcast immer bereits am Mittwoch online bei ServusTV On verfügbar.
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Musikverein für Steiermark/ Graz: Pressestimmen zum Liederabend Piotr Beczala/ Helmut Deutsch
Konkurrenzlos gut als lyrischer Held
Im Dezember wird er 60, aber dass er langsam in den Herbst seiner Karriere einträte, davon wäre noch nichts zu bemerken. Die Stimme sitzt so gut, wie der maßgeschneiderte Frack. Piotr Beczała klingt frisch und gesund, im Zwischenfach zwischen lyrischem und Heldentenor ist er einer der Könige der Opernwelt. Cavaradorsi, Don José, Manrico, Chenier – im aktuellen Repertoire des Polen kann man sich keine bessere Stimme vorstellen als jene Beczałas. Das einzige Manko (wenn es eines ist): Er singt nicht nur sauber, sondern auch rein. So sind auch die leidenschaftlichen Liebenden aus den Liedern und Romanzen von Schumann, Tschaikowsky und Rachmaninoff, die er im Stefaniensaal zu Gehör brachte, vor allem eines: keusch.
Seine Stimme klingt nun einmal hell, fast ein bisschen neutral, ohne freilich „weiß“ zu sein: Es sind eher helle Blau- und Grüntöne, die sich hier breitmachen. In der Tiefe hat sein Tenor eine gewisse Cremigkeit und ist mitunter sinnlich eingedunkelt, die Mittellage ist glasklar, nur manche Töne im Piano trüben ein oder klingen verhaucht. Das strahlende Forte ist vielleicht das schönste von allen Tenören der Opernwelt.
Bei den Liedern aus Russland bleibt kein Wunsch offen, außer jener, dass man sich wünscht, man würde Russisch beherrschen, um genauer hören und genießen zu können, wie Beczała die einzelnen Worte klanglich differenziert. Gemeinsam mit dem Pianisten Helmut Deutsch vollführt er hier wahre Wunderdinge, und auch in der volltönenden Höhenlage bis zum H geht ihm die Luft nicht aus. Dass die Lieder Schumanns kompositorisch wohl noch eine Liga über den Russen und Edvard Grieg liegen, bekommt man ebenso zu hören, wie den Umstand, dass hierzulande unbekannte polnische Tonschöpfer wie Mieczysław Karłowicz (1876–1909) sehr gute Werke abgeliefert haben.
Martin Gasser
Nächstes Konzert im Liederabend-Zyklus: Bariton Andrè Schuen und Pianist Daniel Heide mit Liedern von Strauss, Zemlinsky und den „Wesendonck-Liedern“ von Wagner. 22. April, Stefaniensaal Graz.
Kronen Zeitung Steiermark
23.01.2026, Graz
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Ein Streifzug durchs späte 19. Jahrhundert
Tenor-Star Piotr Beczała gastierte mit einem Liederabend mit Werken der Spätromantik im Grazer Musikverein. Altmeister Helmut Deutsch begleitete ihn souverän am Kalvier.
Schon mit dem ersten Lied, Tschaikowskys „Es war im ersten Lenzesstrahl“, mit den ersten Tönen, war die Einsicht da, warum Piotr Beczała zu den großen Tenören unserer Zeit zählt. Nicht, dass man in Verlegenheit geraten könnte, es gänzlich zu vergessen. Zu präsent ist der gebürtige Pole an den großen Häusern von New York bis Wien, Lo er als Ensemblemitglied der Staatsoper demnächst Lieder als Don José in „Carmen“ zu hören sein wird.
Aber die Direktheit seiner Stimme wirkt doch anders. Beczała beherrscht nur zu gut die feinen Unterschiede von Opern- und Liedgesang, darüber hinaus aber ist seine Stimme nicht nur groß – sie ist zeitlos klassisch. Insofern passt sie natürlich auch zu diesem Programm der Spätromantik – wie so oft mit dezenter Zurückhaltung, aber kenntnisreich von Helmut Deutsch am Klavier komplementiert.
Die Auswahl an Tschaikowskys Liedern war noch zurückhaltend präsentiert, durchs späte 19. Jahrhundert zu lieblich die Sujets, die Empfindsamkeit und Naturnähe in den Vordergrund stellten. Aber schon die Lieder Edvard Griegs durchzog Beczała nicht nur mit lyrischem Liebgesang, sondern mit erratischer Wucht. Auch der Schumann-Block wurde wortdeutlich und wohlgerundet vollzogen, hier ergänzte das Klavierspiel von Deutsch die formale Struktur vorzüglich.
Die wahren Ausbrüche warteten zum Schluss. Rachmaninoffs „Sechs Romanzen“ boten in Liedern wie „O Sing, du Schöne, sing mir nicht“ oder „O du wogendes Feld“ die Gelegenheit zur stimmlichen Entäußerung, die Beczała gerne ergriff. Selbst hier wirkten die hellen Spitzentöne, mit Leichtigkeit erreicht, nie aufgesetzt und auf dem Präsentierteller zur Schau gestellt, sondern immer aus der Notwendigkeit des Liedes entwickelt und mit den restlichen Passagen verschränkt.
Roland Schwarz
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