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INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 2. JUNI 2026)

02.06.2026 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 2. JUNI 2026)

Evan Rogister wird Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein

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Ina Karr, Evan Rogister. Copyright: Susanne Diesner

Die Deutsche Oper am Rhein beruft den deutsch-amerikanischen Dirigenten Evan Rogister zum Generalmusikdirektor ab der Spielzeit 2027/28. Er wird die Position zeitgleich mit der neuen Generalintendantin Ina Karr antreten. Dies hat der Aufsichtsrat der Deutschen Oper am Rhein in seiner heutigen Sitzung bestätigt.

 Evan Rogister (46) zählt zu den vielseitigsten international renommierten Operndirigenten seiner Generation. Er arbeitet an bedeutenden Opernhäusern und wichtigen Festivals (Metropolitan Opera New York, Opernhaus Zürich, Semperoper Dresden, Deutsche Oper Berlin; Glyndebourne Festival, Festival d‘Aix-en-Provence). Von 2018 bis 2025 war er Chefdirigent der Washington National Opera. An der Deutschen Oper am Rhein übernimmt er ab August 2027 für zunächst fünf Jahre die Position eines Generalmusikdirektors.

„Mit Evan Rogister gewinnen wir einen exzellenten, international erfahrenen Operndirigenten, der ein außergewöhnlich breites Repertoire mitbringt – von Mozart bis hin zur zeitgenössischen Musik. Darüber hinaus zeichnet er sich durch eine große Wagner- und Strauss-Expertise aus. Das passt gut zur Deutschen Oper am Rhein mit ihrem vielfältigen Spielplan“, sagt Ina Karr, designierte Generalintendantin der Deutschen Oper am Rhein, und ergänzt: „Für mich entsteht gutes Musiktheater immer aus Zusammen­arbeit – und genau so erlebt man auch Evan Rogister: inspirierend in den Proben und Vorstellungen, kommunikativ und mit großer Offenheit im gemeinsamen künstlerischen Denken. Ich schätze auch insbesondere, dass wir das Interesse teilen, Musiktheater für junge Menschen weiterzudenken und neue Zu­gänge für ein vielfältiges Publikum zu schaffen. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit!“

Evan Rogister: „Die Deutsche Oper am Rhein ist ein Leuchtturm mit außergewöhnlicher Strahlkraft, enormer künstlerischer Vielfalt und starker regionaler Verankerung. Aus internationaler Perspektive betrachtet ist insbesondere die langjährige Theaterpartnerschaft beider Städte ein Modellbeispiel für gelingende Zusammenarbeit. Gemeinsam mit den Düsseldorfer Symphonikern und den Duisburger Philharmonikern, dem Chor, einem großen Ensemble, Ina Karr und einem engagierten Team langfristig etwas aufzubauen – darauf freue ich mich sehr.

Zu seinem Werdegang sagt Evan Rogister: „Zu meinem Lebensglück bin ich in zwei musikalischen Welten zuhause – wegweisend waren meine deutsche Großmutter, eine Sängerin, später dann die Ausbildung an der Juilliard School sowie die Zeit als Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin. Das deutsch-amerikanische Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, zwischen deutschen Klangwelten und amerikanischer Innovationskraft prägt mein Berufsleben. Ich bin eine Melange: Deutscher und Amerikaner, Dirigent und Fußballfan, Wagner und Weill, Washington und Berlin – und künftig Düsseldorf und Duisburg.“

Der Aufsichtsratsvorsitzende und Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf, Dr. Stephan Keller sagt über die Ernennung: „Mit Evan Rogister gewinnt die Deutsche Oper am Rhein einen international erfahrenen Künstler. Ich freue mich sehr auf die Impulse, die von dieser Berufung für die kulturelle Entwicklung unserer Städte ausgehen werden.“ Sein Duisburger Amtskollege Sören Link ergänzt: „Seine große Vertrautheit mit dem Opernbetrieb und seine Erfahrung in der Arbeit mit internationalen Orchestern sind ein Gewinn für die Deutsche Oper am Rhein.“

Im Rahmen eines sorgfältigen Findungsprozesses hat sich die designierte Generalintendantin Ina Karr intensiv mit möglichen Kandidatinnen und Kandidaten für die Position des General­musikdirektors auseinandergesetzt: „Wichtig war mir zudem der enge Austausch mit den Orchestervorständen der Düsseldorfer Symphoniker und der Duisburger Philharmoniker. Besonders erfreulich war, dass wir in den zentralen Fragen übereinstimmende Vorstellungen davon hatten, welche Persönlichkeit und welche Qualitäten diese Position heute braucht – gerade auch im Hinblick auf die musikalische Gesamtverant­wortung für eine so besondere Institution wie die Deutsche Oper am Rhein.“

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Bühne Baden. Lasst es Blüten regnen!

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Verena Tranker. Foto: Lalo Jodlbauer/Yay Creative

Ein Operetten-Event, ein Gesamtkunstwerk, eine Produktion mit vielen Überraschungen: So wollen Francesc Abós und Barbara Spitzer Carl Zellers Meisterwerk DER  VOGELHÄNDLER auf die Bühne der Sommerarena bringen. In ihrer Inszenierung denken sie dabei nicht nur eine oder zwei, sondern gleich drei Zeitebenen mit: die  Entstehungszeit der Operette, die Zeit, in der die Handlung spielt, und die heutige Perspektive. „Diese Ebenen greifen ineinander und helfen dabei, Sprache, Humor und  gesellschaftliche Bilder besser zu verstehen. Manche Dinge würde man heute anders  formulieren – und genau diese Gegensätze machen wir bewusst sichtbar“, so das
Regieteam. Die beiden lassen die Geschichte rund um den charmanten Vogelhändler Adam und die resolute Postbotin Christel Anfang des 20. Jahrhunderts spielen, doch in ihrer Bearbeitung nach einer Konzeptidee von Michael Lakner werden zwei Gesellschaftsreporterinnen aus der heutigen Zeit das Geschehen auf der Bühne  beobachten und kommentieren – mit heutigem Biss und der nötigen Schärfe.

Und das ist nicht die einzige Besonderheit an Abós‘ und Spitzers Inszenierung, setzen die  beiden doch zusätzlich auf ein außergewöhnliches und überraschendes Bühnenkonzept, gewürzt mit einer saftigen Prise Lokalkolorit: Ihr VOGELHÄNDLER spielt in Baden – und  inmitten ungewöhnlich lebendiger Natur.
„Die Natur ist nicht bloß dekorativer Hintergrund, sondern ein lebendiger Raum, der auf das Geschehen reagiert und sich im Laufe des Abends immer stärker emanzipiert. Dadurch entstehen auch überraschende und manchmal augenzwinkernde  Momente.“ (Francesc Abós und Barbara Spitzer)

Die Natur wächst über sich hinaus, wird dabei fast zum eigenen Charakter – ein Sinnbild für Veränderung, der auch die Menschen nicht entkommen können; und genau darum  geht es Barbara Spitzer und Francesc Abós: Zeigen, dass hinter der heiteren  Verwechslungsgeschichte emotionale Konflikte, Standesunterschiede, verletzter Stolz  und große Sehnsüchte stecken – Themen, die bis heute aktuell geblieben sind.

Besetzung

Musikalische Leitung Michael Zehetner
Inszenierung Francesc Abós, Barbara Spitzer
Choreografie Francesc Abós
Bühne Stephan Prattes
Kostüme Friederike Friedrich

Adam Clemens Kerschbaumer
Christel Verena Tranker
Fürstin Marie Hohenfels Natalia Ushakova
Baronin Adelaide Oliver Baier
Baron Weps Andreas Lichtenberger
Graf Stanislaus Ricardo Frenzel Baudisch
Gesellschaftsreporterin / Professor Süffle Verena Scheitz /
Lilly Kugler-König (17. 07. / 25. 07. / 29. 07. / 31. 07. / 08. 08.)
Gesellschaftsreporterin / Professor Würmchen Caroline Athanasiadis
Stadtrat Hofreiter Beppo Binder
Orchester, Chor und Tanzensemble der Bühne Baden

Premiere ist am 26. Juni 2026 um 19.30 Uhr in der Sommerarena

Weitere Vorstellungstermine:
2., 8., 9., 17., 18., 25., 29. & 31. Juli 2026

6., 8., 12., 19., 20. & 27. August 2026

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National Moravian-Silesian Theatre in Ostrava, Czech Republic

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Artistic Director of Ballet Lenka Dřímalová and Intendant Jiří Nekvasil cordially invite you to the ballet premiere and performances at the National Moravian-Silesian Theatre in Ostrava, Czech Republic
You are warmly invited to attend the opening night on 13 June 2026 at 18.30 at the chamber Theatre “12”. A warm welcome is also given for all the reruns in the season – on 17, 20, and 24 June 2026.
To obtain tickets at the special price of CZK 250 each, please contact Mrs. Soňa Horsinková at sona.horsinkova@ndm.cz or call +420 725 716 375.
As seating capacity at Theatre “12” is limited, we kindly recommend booking as soon as possible.

Produktion Details

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ORF/ Erlebnis Bühne: Das Juni-Programm im Überblick

DAS GESAMTE JUNI-PROGRAMM AUF EINEN BLICK:
SA 6.6.2026 AUF 3SAT
20:15 DAS GROSSE STAATSOPERN-AIR 2025
21:50 GOLDENE NOTE 2026

SO 7.6.2026 IN ORF III

20:15 WELTSTARS FEIERN VERDI: NETREBKO & TÉZIER IN BUSSETO

SO 14.6.2026 IN ORF III

20:15 WELTMEISTERSCHAFT DER DREI TENÖRE: CARRERAS, DOMINGO
& PAVAROTTI IN LOS ANGELES

SA 20.6.2026 AUF 3SAT
20:15 SOMMERNACHTSKONZERT SCHÖNBRUNN 2026
21:55 SOMMERNACHTSGALA GRAFENEGG 2026

SO 21.6.2026 IN ORF III
20:15 AUS VERONA: EIN FEST FÜR PAVAROTTI

SO 28.6.2026 IN ORF III
20:00 KULISSENGESPRÄCH MIT LORENZO VIOTTI
20:15 PHILHARMONISCHES KONZERT MIT LORENZO VIOTTI

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MARSEILLE: DAS RHEINGOLD – Premiere 

 Wieder „Ring“ in Marseille

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Foto (c) Camille Rovera

Nach vielen Jahren, einer „Walküre“ im Mai 2007 mit Albert Dohmen als Wotan und Janice Baird als Brünnhilde unter der musikalischen Leitung von Friedrich Pleyer, widmete sich die Opéra de Marseille im beeindruckenden klassizistischen Opernhaus der Mittelmeerstadt Richard Wagners „Ring des Nibelungen“, diesmal mit dem „Rheingold“ in einer Inszenierung vom Charles Roubaud.

Aus finanziellen Gründen soll es – wie damals – nur bei einem Teil des „Ring“ bleiben, also dem Vorabend. Und dabei ist diese Inszenierung durchaus ansehnlich, wann man vom 1. Bild, also der Rheinszene, absieht. Diese beginnt nämlich mit einem mittlerweile für das Regisseurstheater als klassisch zu bezeichnenden Topos der übelsten Art! Alberich tummelt sich gleich zu Beginn des (nun wirklich am besten vor geschlossenem Vorhang zu spielenden Vorspiel in Es-Dur!) als Putzer in einem Banktresor einer 1966 gegründeten Bank, mit dem altbekannten Putzer-Set auf Rädern.

Die Rheintöchter kommen nur herein, um gelangweilt und offenbar planlos in irgendwelchen Bank-Akten zu blättern. Bürokratische Rheintöchter sieht man nicht allzu oft! Schließlich, nachdem Alberich das gelbe, aus öffentlichen Toiletten bekannte Warnschild für nassen Boden aufgestellt hat, stochert er mit dem Putz-Wuschel nach den Rheintöchtern. Von verführerischer Erotik auch gar keine Spur, und damit auch nicht der geringste Grund für den Fluch auf die Liebe und den Raub der bereits offen im Tresor liegenden Goldbarren… 

Im Nachhinein, wenn man gesehen hat, was in den nächsten drei Bildern kam, konnte man fast annehmen, das 1. Bild sei eine Parodie auf das allerorts in der Mitte Europas aus dem Ruder laufende Regisseurstheater. In den Bühnenbildern von Emmanuele Favre und ebenso eleganten wie geschmackvollen Kostümen von Katia Duflot sowie mit einer stets passenden Lichtregie von Jacques Rouveyrollis spielte sich ein durchwegs beeindruckendes „Rheingold“ ab. Es gab geometrische optische Linien, eindrucksvoll und dennoch sublime und sich unmerklich bewegende Wolkenzüge im Hintergrund. Und es war ein grandioses Walhall zu sehen, welches den berühmten stalinistischen Bauten in Warschau oder Moskau sowie dem großen, ebenfalls dreitürmigen Hotel in Mekka glich. Vielleicht etwas zu dick aufgetragen, gelegentlich auch die Grenzen des Kitsches streifend, hatte diese Video-Optik von Julien Soulier aber ein Format, das bestens zur Musik des Vorabends passte. Diese Szenerie hatte fast nichts mit der Dramaturgie der Rheinszene zu tun. Auch ein Gespräch mit dem Regisseur beim anschließenden Premierenempfang brachte keine Klarheit.

Die Sänger, die meisten davon mit ihrem Rollendebut, waren fast alle sehr gut und dabei nahezu völlig unbekannt in der Wagner-Szene. Alexandre Duhamel sang einen klangvollen und souveränen Wotan mit guter Mimik und Diktion. Er wurde bei seinen fragwürdigen Unternehmungen kompetent auf Augenhöhe unterstützt von Samy Camps als Loge, sehr agil und mit baritonaler und damit charaktervoller Tönung seines guten Tenors. Marion Lebègue sang eine erstklassige Fricka mit einem wohlklingenden vollen Mezzo und guter Aktion.

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Foto (c) Camille Rovera

Élodie Hache war eine energische Freia von Weltklasse-Format. Sie ist sicher für Höheres im Wagner-Fach prädestiniert, ebenso wie Duhamel und Lebègue sowie Samy Camps. Auch die Erda von Cornelia Oncioiu aus Rumänien ließ mit einem wunderbar klingenden und damit umso mehr mahnenden Alt aufhorchen, total wortdeutlich wie auch alle ihre Kollegen. Zoltán Nagy gab einen noch recht jungen Alberich, sehr eloquent und prägnant im vokalen Vortrag und überaus agil in der Darstellung. Marius Brenciu als Mime, Yoann Dubruque als Donner, Eric Huchet als Froh, Patrick Bolleire als Fasolt und Louis Morvan als Fafner vervollständigten das sehr gute Ensemble. Amandine Ammirati, Marie Kalinine und Lucie Roche waren ebenfalls gute Rhentöchter, nur völlig verirrt unterwegs – nicht ihre Schuld!

Michele Spotti dirigierte das Orchestre de l’Opéra de Marseille sehr engagiert und hatte das „Rheingold“ mit dem beherzt aufspielenden Ensemble offenbar bestens geprobt. Es ergab sich wie schon damals bei der „Walküre“ wieder ein sehr guter Wagner-Klang, der Lust auf mehr machte. Warum nicht doch noch wenigstens eine neue „Walküre“. Die Sänger dazu sind ja fast alle schon an Bord!

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Foto (c) Camille Rovera

Klaus Billand

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Versöhnung in der verlorenen Heimat – der 76. Sudetendeutscher Tag in Brünn

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Foto: Thomas Janda

Zum ersten Mal in seiner Geschichte fand das traditionelle Pfingsttreffen der Sudetendeutschen in Tschechien statt. Was als gewagtes Experiment begann, endete mit einem emotionalen Signal – trotz erheblichen politischen Widerstands.

Brünn/Brno, 22.–25. Mai 2026. Sieben Jahrzehnte nach der gewaltsamen Vertreibung der Deutschen aus Böhmen, Mähren und Schlesien sind die Sudetendeutschen dorthin zurückgekehrt, wo ihre Geschichte begann: in die mährische Hauptstadt Brünn. Am Pfingstwochenende 2026 kamen Sudetendeutsche und ihre Freunde unter dem Motto „Alles Leben ist Begegnung – Život je setkávání“ in der mährischen Hauptstadt zusammen, um ihre jährliche Zusammenkunft erstmals in der Tschechischen Republik zu begehen. Es war ein Augenblick, den viele nicht für möglich gehalten hatten.

Ein historischer Schritt

Seit 1950 kommen beim Sudetendeutschen Tag Menschen zusammen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Böhmen, Mähren und Schlesien vertrieben wurden. Mittlerweile nehmen auch zahlreiche Nachfahren an der Veranstaltung teil. Dass das Treffen nun erstmals auf tschechischem Boden stattfand, war keineswegs selbstverständlich. Die Initiative ging von tschechischen Künstlern und Intellektuellen aus, die gemeinsam mit den Organisatoren des Festivals „Meeting Brno“ vorschlugen, den 76. Sudetendeutschen Tag in der mährischen Metropole auszurichten.

Mit einem Begegnungsfest an einem „langen Tisch“, Volksmusik und Tanzaufführungen begann am Freitag der 76. Sudetendeutsche Tag. Am Sonntag folgte die Hauptkundgebung auf dem Messegelände. Über 60 Einzelveranstaltungen umfasste das Programm insgesamt, darunter Vorträge, Filmvorführungen und Diskussionsrunden.

Posselt: Der Architekt der Annäherung

Als treibende Kraft auf deutscher Seite erwies sich einmal mehr Bernd Posselt, langjähriger Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe. Für Posselt, der seit Jahrzehnten den Dialog mit Tschechien sucht, war Brünn mehr als ein Tagungsort — es war die Erfüllung seines politischen Lebenswerks. Im Gespräch mit Radio Prag International sagte er, das Treffen in Tschechien bedeute ihm sehr viel: „Das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg der Verständigung und der Versöhnung — und hin zur Normalität.“ Auf der Hauptkundgebung verkündete Posselt, die Botschaft der Sudetendeutschen sei keine des Hasses, sondern der Liebe, ein Satz, der in der aufgeheizten politischen Atmosphäre der Tage zuvor wie eine bewusste Gegenbotschaft klang.

Gottesdienste zu Pfingsten: Gebet in der alten Heimat

Der Pfingstsonntag begann mit den Gottesdiensten, bevor die Hauptkundgebung als politischer Höhepunkt des Sudetendeutschen Tages folgte. Um 9 Uhr morgens wurden auf dem Messegelände ein evangelischer Gottesdienst sowie ein römisch-katholischer Gottesdienst, den der emeritierte Erzbischof von Prag Jan Graubner mit tschechischen und deutschen Priestern zelebrierte. Dass beide Konfessionen an diesem Ort und an diesem Tag gemeinsam ihre Gottesdienste hielten, trug der Realität der sudetendeutschen Volksgruppe Rechnung: Sie war stets konfessionell gemischt, Katholiken aus dem Böhmerwald und dem Sudetenland, Protestanten aus dem Egerland und Nordböhmen.

Der Evangelische Gottesdienst wurde von drei Geistlichen gemeinsam gestaltet: Pfarrerin Mgr. et Mgr. Vlasta Heinrich Groll aus Eger, Pfarrer Mikuláš Vymětal, dem Beauftragten der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder für Minderheiten, sowie Pfarrer Andrej Hliboký aus der Slowakei.

Dem evangelischen Gottesdienst kam dabei eine besondere symbolische Bedeutung zu. Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, der Aussendung und der Begegnung über Grenzen hinweg, das passte auf ungewöhnliche Weise zum Motto „Alles Leben ist Begegnung – Život je setkávání“. Für viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zum ersten Mal das Pfingstgebet in der alten Heimat ihrer Vorfahren sprechen konnten, war der Moment mehr als eine liturgische Pflichtübung. Es war ein Heimkommen im doppelten Sinne des Wortes.

Söder in Brünn: „Ein großes Friedensfest“

Den emotionalen Höhepunkt bildete die Hauptkundgebung am Pfingstsonntag. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem „großen Friedensfest“ und einem historischen Signal. Die Sudetendeutschen seien „absolute Brückenbauer“, die keine Revanche forderten. Söder betonte, Bayern und Tschechien seien nach dem Ende des Kalten Krieges wieder das, was sie immer gewesen seien: das Herzstück Europas.

Bereits am Vortag hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Veranstaltung als ein „historisches Ereignis“ und „monumentalen Glücksmoment“ für eine junge Generation von Tschechen, Sudetendeutschen, Deutschen und Europäern bezeichnet.

Der Versöhnungsmarsch: Symbol mit Geschichte

Besondere Bedeutung kam dem Brünner Versöhnungsmarsch am Samstag zu. In bewusster Umkehr der historischen Route des Todesmarsches führte dieser von einem Massengrab in Pohořelice (deutsch Pohrlitz) nahe der österreichischen Grenze über 32 Kilometer zurück in die mährische Hauptstadt, ein weithin sichtbares Symbol für Menschlichkeit und Frieden in Europa.

 Karlspreis für den Dissidenten Milan Uhde

Einer der bewegendsten Momente war die Verleihung des Europäischen Karlspreises. Der tschechische Schriftsteller und frühere Dissident Milan Uhde nahm die Auszeichnung entgegen. Der 89-Jährige war Kulturminister, Parlamentspräsident und einer der Erstunterzeichner der Charta 77, der Bürgerrechtsbewegung um den Dramatiker und späteren Präsidenten Václav Havel. Sprecher Bernd Posselt würdigte ihn als einen Herzensfreund der Sudetendeutschen und großen Europäer.

Berührende Rede

Neben den Sudetendeutschen hatten sich 1.500 Tschechen für das Begegnungsfest angemeldet. Die Brünner Oberbürgermeisterin Markéta Vaňková begrüßte die deutschen Gäste persönlich als „liebe Nachbarn“ und fand Worte des Bedauerns für die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie fand Worte des Bedauerns für die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg: „Unrecht lässt sich nicht durch weiteres Unrecht aufheben“, sagte die Politikerin. Gleich, ob man Tschechisch oder Deutsch spreche, gehe es immer um konkrete menschliche Schicksale.

Politischer Widerstand und Proteste

Das freundliche Bild auf dem Messegelände täuschte jedoch nicht darüber hinweg, dass das Treffen in Tschechien auch umstritten war. Minister der tschechischen Regierung unter Andrej Babiš blieben dem Vertriebenentreffen fern. Babiš selbst sprach von einer „unglücklichen Angelegenheit“. Das Abgeordnetenhaus hatte sich in einer Entschließung mehrheitlich gegen Tschechien als Austragungsort ausgesprochen.

Ein versöhnlicher Abschluss

Den Abschluss des Sudetendeutschen Tages bildete eine stille, aber wirkungsvolle Geste: An einem ehemaligen Gestapo-Gefängnis, dem Kaunitz-Wohnheim, in Brünn wurden Kränze und Blumen niedergelegt. Eine Erinnerung daran, dass die Geschichte dieses Landes Opfer auf allen Seiten kennt.

Ob der 76. Sudetendeutsche Tag wirklich ein Wendepunkt im deutsch-tschechischen Verhältnis war oder nur ein schöner Moment im langen Prozess der Annäherung, wird die Zeit zeigen. Doch dass er überhaupt stattgefunden hat – in Brünn, in der alten Heimat, mit tschechischen Gastgebern und deutschen Gästen an einem langen Tisch, mit Bernd Posselt und Milan Uhde, das ist selbst schon eine Antwort.

Thomas Janda
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