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IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM MAI 2018

15.05.2018 | In Memoriam

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM MAI 2018

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

1.5. Julian RODESCU: 65. Geburtstag

Er studierte in den USA an der Juilliard School New York bei so bedeutenden Sängern wie Giorgio Tozzi, William Glazier und Jerome Hines; auch Schüler von Hans Hotter und Daniel Ferro. Sein Bühnendebüt erfolgte 1980 an der Brooklyn Opera als Plutone in Monteverdis »Il ballo delle Ingrate«. Er sang in den USA an der City Opera New York, an den Opern von Miami und Knoxville, an der Delaware Opera und in Washington. 1988 gewann er den Pavarotti-Concours in Philadelphia. 1990-92 war er am Stadttheater von Aachen engagiert. 1991 debütierte er an der Mailänder Scala als Titurel im »Parsifal« unter Riccardo Muti. 1997 gastierte er erneut an der Mailänder Scala, diesmal als Fafner im »Siegfried«, wieder unter Riccardo Muti. Am 22.9.2006 wirkte er an der Mailänder Scala in der Uraufführung von Azio Corghis »Il dissoluto assolto« in der Partie des Commendatore mit. Weitere Partien aus seinem Bühnenrepertoire: der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Colline in »La Bohème« und der Truffaldino in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. Neben seinem Wirken auf der Bühne stand eine nicht weniger erfolgreiche zweite Karriere im Konzertsaal, so trat er u.a. in London in der Missa solemnis von Beethoven auf. Er trat als Konzertsolist mit dem Boston Symphony Orchestra, beim Tanglewood Festival und bei vielen weiteren Gelegenheiten auf. 1989 sang er in der New Yorker Carnegie Hall in der Uraufführung von Schostakowitschs »Rayok« unter M. Rostropowitsch. Er wirkte in Nordamerika in Radio- und Fernsehsendungen mit. Er starb 2011 in Philadelphia.
Schallplatten: RCA (Surin in »Pique Dame« von Tschaikowsky, »Der Traumgörge« von Zemlinsky als Pastor und Bauer, »Rayok« von Schostakowitsch).

1.5. María ORÁN: 75. Geburtstag

Sie begann ihre Ausbildung zur Sängerin in ihrer Heimatstadt und setzte sie am Real Conservatorio in Madrid bei Lola Rodriguez de Aragón fort; sie erhielt dort mehrere Preise, u.a. den Premio Francesco Viñas. 1960 wirkte sie bereits in einer konzertanten Aufführung der »Walküre« im Palacio de la Música in Madrid mit. Ihr eigentliches Debüt erfolgte 1969 am Teatro Zarzuela Madrid als Magda in »The Consul« von G.C. Menotti; sie sang dort 1970 die Musetta in »La Bohème« (zusammen mit Mirella Freni und Luciano Pavarotti), die Marguerite im »Faust« von Gounod und die Salud in M. de Fallas »La vida breve«. Es schlossen sich zahlreiche Gastspiele an: 1972 sang sie am Theater von Las Palmas (auf Gran Canaria) die Traviata und die Desdemona in Verdis »Otello« (mit Mario del Monaco in der Titelrolle), dann am Teatro San Carlos Lissabon die Mimi in »La Bohème« und wieder die Desdemona (jetzt mit Jon Vickers als Otello). Einen ihrer größten Erfolge hatte sie, als sie 1986 in Madrid in dem Opernwerk »Saint François d’Assise« von O. Messiaen unter Kent Nagano die Partie des Engels vortrug. 1990 gastierte sie als Salud in einer konzertanten Aufführung von »La vida breve« im Wiener Konzerthaus. Auch das typisch spanische Gebiet der Zarzuela wurde von ihr nicht vernachlässigt. Sie war eine der bedeutendsten spanischen Liedersängerinnen innerhalb ihrer künstlerischen Generation; dabei sang sie nicht nur das spanische Volks- und Kunstlied sondern auch Lieder von Schubert, R. Schumann, J. Brahms, Richard Strauss, Maurice Ravel, Francis Poulenc und Olivier Messiaen. Sie war im Konzertsaal ebenso erfolgreich wie auf der Bühne und trat als Konzertsolistin in Israel, Australien, Hongkong und in weiteren Musikzentren auf. Dabei sang sie Partien in Oratorien und Konzertwerken von J. Haydn bis Gustav Mahler, gern auch zeitgenössische Musik (»Siete cantos de España« von Cristobal Halffter, »Salmo de alegría para el siglo XXI« von Antón García Abril). Sie wirkte als Pädagogin an der Escuela Superior del Canto in Madrid und an der Musikhochschule von Freiburg i.Br. Sie starb am 10.3.2018 in Santa Cruz de Tenerife.
Schallplatten: Auf spanischen Marken (Hispavox, Alhambra, Montilla) Zarzuela-Aufnahmen, darunter »Los gavilanes« von Guerrero und »La leyenda del beso« von Soutullo y Vert, auch zahlreiche Liedaufnahmen. Auf KRO »François d’Assise« (mit Philippe Rouillon in der Titelrolle), auf Decca 2. Sinfonie von G. Mahler.

2.5. Lothar OSTENBURG: 90. Geburtstag

Nachdem er in seiner amerikanischen Heimat mit dem Gesangstudium begonnen hatte, setzte er seine Ausbildung in Deutschland und Österreich fort. 1956-58 war er am Theater von Flensburg engagiert, gastierte dann 1959 in München und gehörte 1959-62 dem Stadttheater von Bielefeld an. 1962-64 sang er an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg und dann seit 1964 an der Volksoper in Wien, an der er eine sehr erfolgreiche Karriere hatte. Hier sang er u.a. den Robert in Rossinis »Der Graf Ory«, den Kater und die Uhr in Ravels »L’Enfant et les sortilèges«, den Kaspar in Werner Egks »Die Zaubergeige« und den Mann mit dem Maulesel in Carl Orffs »Die Kluge«. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1963-65 in insgesamt vier Vorstellungen als Demetrius in B. Brittens »Ein Sommernachtstraum« und als Olivier in »Capriccio« von R. Strauss. Gastspiele und Konzerte fanden in den Musikzentren in Europa wie in seiner nordamerikanischen Heimat statt. Auf der Bühne bevorzugte er lyrische wie Buffo-Partien aus der italienischen und der deutschen Opernliteratur. Bereits schwer erkrankt stand er im Februar 1971 letztmals auf der Bühne der Wiener Volksoper. Er starb im April 1971 in Wien. Schallplatten: integrale Aufnahme von Donizettis »L‘Elisir d’amore« in Deutsch auf Ariola-Eurodisc als Partner von Rudolf Schock und Stina-Britta Melander. Auf der gleichen Marke erschienen Schubert-Lieder; auch Aufnahmen auf Supraphon (Arien aus Opern von Gluck) und im Bärenreiter-Verlag.

2.5. Horst STEIN: 90. Geburtstag

Der Sohn eines Mechanikers besuchte das Musische Gymnasium in Frankfurt a.M. (Klavier, Oboe, Schlagzeug, Gesang) und studierte anschließend an der Hochschule für Musik Köln. Sein Lehrer im Hauptfach Dirigieren war Günter Wand. Komposition studierte er bei Philipp Jarnach. Seine musikalische Karriere begann 1947 als Korrepetitor an den Städtischen Bühnen Wuppertal, wo er bis 1951 blieb. Über Hamburg kam er dann 1955 an die nach schweren Kriegszerstörungen neu eröffnete Staatsoper Unter den Linden nach Berlin. Der international bekannte Dirigent Erich Kleiber hatte den damals 27-jährigen engagiert. Er begann zunächst als Staatskapellmeister, wurde aber bald zum koordinierten Generalmusikdirektor berufen. In dieser Funktion arbeitete Horst Stein bis 1961. Neben seiner Tätigkeit an der Oper unterrichtete er von 1959-61 an der Ostberliner Hochschule für Musik. 1961-63 bekleidete er unter dem Intendanten Rolf Liebermann an der Staatsoper Hamburg die Funktion des stellvertretenden Generalmusikdirektors. Daran anschließend ging er von 1963-70 als Generalmusikdirektor und Operndirektor an das Nationaltheater Mannheim. Parallel war er 1969-71 erster Dirigent der Wiener Staatsoper (an der er bereits 1963 debütierte und bis 1999 insgesamt mehr als 530 Vorstellungen dirigierte). 1972-77 war er dann wieder in Hamburg, diesmal als Generalmusikdirektor. In den 1970er Jahren gastierte er zudem häufig an der Deutschen Oper Berlin v.a. in Wagner-Aufführungen. An der Hamburger Musikhochschule wurde er Professor und bildete junge Dirigenten aus. Schon frühzeitig zeigte er großes Interesse an den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth. Seit 1952 assistierte er bei Joseph Keilberth, Hans Knappertsbusch, Clemens Krauss und Herbert von Karajan. Von 1969 an dirigierte er dann selbst, und zwar 1969 und 1975-81 Parsifal, 1970-75 Der Ring des Nibelungen, 1972 Tannhäuser, 1976-77 Tristan und Isolde, 1982-84 und 1986 Die Meistersinger von Nürnberg. Er leitete 138 Vorstellungen auf dem Grünen Hügel. Auch die Salzburger Festspiele als ein Höhepunkt im internationalen Musikleben zogen Horst Stein an. Er dirigierte dort 1973, 1977, 1981, 1988 und 1990-91 Mozart-Konzerte, 1985-87 und 1990 Capriccio von R. Strauss, 1987-89 und 1991 Die Entführung aus dem Serail, 1988 Händels Messias (in der Mozart-Bearbeitung), 1989 Strawinskys Psalmen-Symphonie und Schuberts Es-Dur-Messe, 1990 Fidelio und ein Kirchenkonzert (u.a. mit Schuberts As-Dur-Messe). 1980-85 war er Künstlerischer Direktor und Chefdirigent des Orchestre de la Suisse Romande in Genf. Anschließend wurde er Chefdirigent der Bamberger Symphoniker. Diese Position hatte er bis zur Ernennung zum Ehrendirigenten im Jahre 1996 inne. Neben seiner Bamberger Position bekleidete er noch bis 1994 die Funktionen des Künstlerischen Leiters des Basler Sinfonieorchesters und der Allgemeinen Musikgesellschaft Basel. Er lebte zuletzt in Vandœuvres im Schweizer Kanton Genf, wo er 2008 verstarb.
Horst Stein galt als außerordentlich erfahrener Dirigent, der ein großes Repertoire beherrschte, über herausragende handwerkliche Fähigkeiten verfügte und viel für den künstlerischen Nachwuchs tat. Er widmete sich gleichermaßen der Opern- wie der Konzertliteratur. Dabei hatte er eine Vorliebe für die Romantik und Spätromantik. Komponisten wie Carl Maria von Weber, Brahms, Wagner, Bruckner, Strauss oder Reger gehören seit jeher zu seinen Favoriten. Er war Gastdirigent der bedeutendsten Orchester, so der Wiener und Berliner Philharmoniker, des London Philharmonic Orchestra, des Gewandhausorchesters Leipzig, der Staatskapelle Dresden, des Israel Philharmonic Orchestra oder des NHK-Sinfonieorchesters Tokio, das ihn zum Ehrendirigenten ernannte. Die Wiener Symphoniker, bei denen er regelmäßig gastierte, verliehen ihm 1996 den Brucknerring. Zahlreiche Ehrenmitgliedschaften unterstreichen die Bedeutung von Horst Stein. Er war u.a. Ehrenmitglied des Nationaltheaters Mannheim, der Freunde der Wiener Staatsoper und des Richard-Wagner-Verbandes Linz. Für seine Verdienste wurde Horst Stein mehrfach ausgezeichnet. 1995 erhielt er vom Bundespräsidenten der Republik Österreich das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. 2003 wurde ihm der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst verliehen. Horst Stein hat eine Vielzahl von Schallplatten produziert. Schwerpunkt ist hier wiederum die Konzert- und Opernliteratur des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Auch Rundfunkaufnahmen und Fernsehaufzeichnungen liegen vor.

3.5. Kurt WEHOFSCHITZ: 95. Geburtstag

Seine Ausbildung fand an der Musikakademie in Wien statt. 1948 debütierte er am Theater von Linz (Donau) als Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas. Er blieb dort während fünf Jahren tätig, sang 1953-54 am Stadttheater von Kiel, 1954-56 am Stadttheater von Nürnberg, wo er 1955 in der Uraufführung der Operette »Das Bad auf der Tenne« von Friedrich Schröder mitwirkte. Er war dann 1956-59 Mitglied der Staatsoper von München. 1959-64 gehörte er dem Ensemble der Düsseldorfer Oper an; er schloss Gastspielverträge mit der Oper von Frankfurt a.M. (1964-66) und mit der Wiener Volksoper (1966-68) ab, an der er noch bis in die siebziger Jahre auftrat, u.a. als Pasqua in E. Wolf-Ferraris »Il Campiello« und als Gluthammer in G. von Einems »Der Zerrissene«; hier wirkte er auch am 13.4.1970 in der Uraufführung von Franz Salmhofers »Dreikönig« in der Partie des Jasper mit. Er sang in München in der Uraufführung von Hindemiths »Harmonie der Welt« (11.8.1957 den Ulrich Greiner-Mars), in Frankfurt 1964 in den Uraufführungen der Opern »Dame Kobold« von G. Wimberger und »Das Foto des Colonels« von H. Searle. Am Düsseldorfer Opernhaus hörte man ihn 1960 in der deutschen Erstaufführung der Oper »Edipo Re« von Leoncavallo in der Rolle des Creon. Er trat als Gast u.a. in Rio de Janeiro, am Teatro San Carlos Lissabon, am Opernhaus von Zürich und an der Wiener Staatsoper (1961 als Flamand in »Capriccio«) auf. Von den vielen Partien, die er auf der Bühne sang, sind der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der Basilio in »Figaros Hochzeit«, der Leandro in »Il mondo della luna« von J. Haydn, der Leukippos in »Daphne« von R. Strauss, der Alfredo in »La Traviata«, der Titelheld in Verdis »Don Carlos«, der Riccardo in »Un Ballo in maschera«, der Ero in »Ero der Schelm« von J. Gotovac, der Tom Rakewell in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, der Ercole in »Leonore 40/45« von Liebermann und der Gluthammer in »Der Zerrissene« von G. von Einem zu nennen. Auch auf dem Gebiet der Operette beherrschte er ein umfangreiches Repertoire. Er starb am 29.12.1979.
Schallplatten: Remington (Max in vollständigem »Freischütz«), DGG (»Carmen«, Duette mit Rita Streich, kleine Partie im »Fidelio«), HMV-Electrola, Columbia, Ariola (Operettentitel).

3.5. Elisabeth KOHUT-MANSTEIN: 175. Geburtstag

Sie wurde durch den Pädagogen Hermann Manstein ausgebildet, den sie dann heiratete. In zweiter Ehe war sie mit dem Musikschriftsteller Adolf Kohut (1847-1917) verheiratet. Sie kam zu einer großen Bühnenkarriere an der Hofoper von St. Petersburg, am Opernhaus von Düsseldorf und an der Berliner Kroll-Oper. Im Mittelpunkt ihres weit gespannten Bühnenrepertoires standen Partien wie die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Leonore im »Fidelio«, die Titelpartie in »Euryanthe« von Weber, und die Frau Fluth in O.- Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«. Nach Abschluss ihrer aktiven Sängerkarriere wirkte sie als Gesanglehrerin in Berlin, wo sie 1926 starb.

4.5. Bianka BLUME: 175. Geburtstag

Sie war die Tochter eines Buch- und Musikalienhändlers und hieß eigentlich Bianka George. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wurde sie durch den Breslauer Druckereibesitzer Santer adoptiert. Zuerst wollte sie Lehrerin werden, ließ dann aber ihre Stimme durch Julius Hirschberg in Breslau und bei Sieber in Berlin ausbilden. 1861 begann sie ihre Bühnenkarriere am Opernhaus von Breslau als Alice in »Robert der Teufel« von Meyerbeer, ging dann nach Magdeburg (1862-63) und wurde bereits 1863 an die Hofoper Berlin verpflichtet. In der Spielzeit 1866-67 sang sie an der Dresdner Hofoper, ging aber dann wieder nach Berlin zurück. 1868 wechselte sie an das Hoftheater von Mannheim. Sie nahm jedoch bald kein festes Engagement mehr an, sondern unternahm ausgedehnte Gastspielreisen, die ihr an führenden Opernbühnen im deutschen Sprachraum, vor allem aber auch in Italien, Frankreich und Spanien große Erfolge eintrugen. 1869 trat sie am Teatro Argentina in Rom als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth« auf. 1870 sang sie an der Mailänder Scala die Rachel in »La Juive« von Halévy und die Alice in »Robert der Teufel«. Am Teatro Comunale Bologna wirkte sie in der italienischen Erstaufführung der Wagner-Oper »Lohengrin« (1871 als Elsa) mit. 1871 und 1872 erschien sie als Gast am Teatro San Carlo Neapel, 1872 an der Hofoper München, 1875 am Théâtre-Italien Paris. 1873 unternahm sie mit der Truppe des großen Tenors Enrico Tamberlik eine Südamerika-Tournee. Sie setzte ihre intensive Gastspieltätigkeit an den großen deutschen und italienischen Theatern und in Südamerika (wo sie u.a. noch 1897 am Teatro Politeama Buenos Aires auftrat) weiter fort. Sie trat auch unter dem Namen Bianka Blume-Santer auf. Seit 1866 war sie mit dem Gesanglehrer Alfred Blume verheiratet. Ihr umfassendes Repertoire hatte seine Höhepunkte in Partien wie der Donna Anna im »Don Giovanni«, der Pamina in der »Zauberflöte«, der Agathe im »Freischütz«, der Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer, der Maria in »Ruy Blas« von Marchetti und der Leonore im »Fidelio«. Auch als Konzertsängerin kam sie zu einer großen internationalen Karriere. Sie starb 1896 in Buenos Aires.

6.5. Emilie MILENA: 150. Geburtstag

Sie war die Tochter des ungarischen Oberfinanzgerichtspräsidenten Simon Hrzic-Topuska und wurde in Wien und Paris zur Sängerin ausgebildet. Sie begann ihre Bühnenlaufbahn 1889 am Hoftheater von Mannheim und setzte diese dann am Hoftheater von Darmstadt fort. Sie erregte in jugendlich-dramatischen Partien Aufsehen und wurde auch wegen ihrer aparten Bühnenerscheinung und ihrer Darstellungskunst bewundert. Sie sang Partien wie die Pamina in der »Zauberflöte«, die Agathe im »Freischütz«, die Titelfigur in »Mignon« von A. Thomas, die Elsa im »Lohengrin« und die Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Ihre vielversprechende Karriere war jedoch nur kurz. 1892 nahm sie von der Bühne Abschied. Sie heiratete den Prinzen Heinrich von Hessen, wobei sie als Freifrau von Dornberg in den Adelsstand erhoben wurde. Nach dessen Tod 1900 wurde sie 1906 die Gattin des Freiherrn Maximilian von Bassus. Später lebte sie auf ihrem Schloss in der Oberpfalz. Sie starb 1961 in München.

7.5. Jaroslav ŠTAJNC: 75. Geburtstag

Er erlernte zunächst den Beruf eines Elektrotechnikers; seine Ausbildung zum Sänger fand am Konservatorium von Prag und an der Wiener Musikakademie statt. Bühnendebüt 1968 an der Wiener Volksoper als Eremit im »Freischütz« von Weber, nachdem er 1966 einen Gesangwettbewerb in Wien gewonnen hatte. 1968 nahm er an der Wiener Volksoper an der Premiere der Oper »Der Zerrissene« von G. von Einem teil. Er war 1968-74 an der Wiener Volksoper engagiert, wo er u.a. den Omar in »Abu Hassan« von C.M. von Weber, den Epilog auf der Erde in »Fausts Verdammung« von Berlioz, den Würfl in der österreichischen Erstaufführung von Janáceks »Die Ausflüge des Herrn Broucek« und den Stadinger in Lortzings »Der Waffenschmied« sang. Am 13.4.1970 wirkte er hier in der Uraufführung der Oper »Dreikönig« von F. Salmhofer in der Partie des älteren Bauern und am 11.2.1972 in der der Oper »König Nicolo« von Weishappel in der Partie des Kunstreiters mit. 1972-74 war er gleichzeitig auch in Graz engagiert, wo er u.a. den Publio in Mozarts »La clemenza di Tito«, den Lord Valton in Bellinis »I Puritani«, den Fasolt im »Rheingold«, den Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Orest in »Elektra« von R. Strauss, den König in »Aida«, den Fafner im »Siegfried« und den Raimondo in »Lucia di Lammermoor« sang. 1974-75 Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an der er auch später noch gastierte. 1978-83 sang er am Theater von Klagenfurt, 1983-86 wieder in Graz, wo er nun u.a. den Studienleiter in Donizettis »Viva la mamma« und den Plutone in Monteverdis »L‘Orfeo« sang, schließlich 1984-97 an der Staats- wie an der Volksoper Wien. An der Wiener Staatsoper, an der er bereits 1972 als Benes in Smetanas »Dalibor« debütiert hatte, hörte man ihn u.a. als Graf Lamoral in »Arabella« und als Haushofmeister in »Capriccio« von R. Strauss, als Hans Flotz in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Micha in Smetanas »Die verkaufte Braut«, als Lorenzo in Bellinis »I Capuleti e i Montecchi«, als Altgesell in »Jenufa« von Janácek, als Alcindoro wie als Benoit in »La Bohème«, als Dr. Grenvil wie als Marquis d’Obigny wie als Baron Douphol in »La Traviata«, als Antonio in »Le nozze di Figaro« und als Reinmar von Zweter im »Tannhäuser«. Am 25.11.1989 wirkte er im Odeon in Wien an der Uraufführung der Oper »Die Blinden« von Beat Furrer als ältester Blinder mit, am 6.12.1990 im Ronacher in Wien in der Uraufführung der Oper »Kehraus um St. Stephan« von Ernst Krenek als Oberwachmann Sachsel und am 20.5.1995 im Theater an der Wien in der Uraufführung der Oper »Die Wände« von Adriana Hölszky als Sir Harold und als Gerichtsdiener. Gastspiele am Opernhaus von Brno (Brünn), bei den Opernfestspielen von Athen und Florenz, im Barocktheater von Schloss Drottningholm sowie am Opernhaus von Vancouver. Aus seinem umfangreichen Bühnenrepertoire sind hervorzuheben: der Dulcamara in »L‘Elisir d’amore«, der Dikoy in »Katja Kabanowa« von Janácek, der Basilio im »Barbier von Sevilla«, der Mustafà in »L’Italiana in Algeri« und der Tiresias in »Oedipus Rex« von Strawinsky. Bei den Bregenzer Festspielen von 1983 sang er den Kuno im »Freischütz«. Auch im Konzertsaal in einem weitläufigen Repertoire aufgetreten. Er starb 2013 in Wien.
Schallplatten: Supraphon, Christophorus-Verlag (»Il lutto dell‘ universo« von Kaiser Leopold I. von Österreich).

7.5. Richard BEDEL: 100. Geburtstag

Er war Schüler der Pädagogin und Sängerin Marianne Baur-Pantoulier in München, die er heiratete. 1940-41 war er als Chorist am Theater von Liegnitz in Schlesien, 1941-42 am Stadttheater Würzburg verpflichtet, wo er bereits Solopartien übernahm, 1942-43 am Stadttheater Freiberg (Sachsen). Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er seine Karriere mit einem Engagement am Theater von Kiel (1949-50) wieder auf, sang dann am Stadttheater Heidelberg (1950-52), am Pfalztheater Kaiserslautern (1952-53) und am Theater von Bremerhaven (1953-54). 1954 wurde er an das Stadttheater der Schweizer Bundeshauptstadt Bern berufen und blieb für fast dreißig Jahre bis zur Aufgabe seiner Bühnenkarriere 1983 dessen Mitglied. Er trat dort in über 2.400 Vorstellungen auf und wurde zum Ehrenmitglied des Hauses ernannt. Dabei umfasste sein Repertoire für die Bühne eine Fülle von Opern- und Operettenpartien aus allen Bereichen der Literatur. Als Gast trat er an den Bühnen von Basel, Zürich und St. Gallen auf und gastierte zusammen mit dem Berner Ensemble in Genf (1967 als Wirt in Carl Orffs »Der Mond«, 1968 als Bürgermeister in H.W. Henzes »Der junge Lord« und 1970 als einen der Corypheen in Carl Orffs »Antigonae«) und Fürth. Er wirkte in zahlreichen Sendungen des Schweizer Rundfunks mit. Er starb 2001 in Bern.
Schallplatten: IGI (Tartaglia in vollständiger Oper »Turandot« von F. Busoni).

9.5. Richard VERNON: 65. Geburtstag

Er erhielt seine Ausbildung zum Sänger an der Memphis State University. In Memphis erfolgte auch 1972 sein Bühnendebüt als Pimen im »Boris Godunow« von Mussorgsky. 1977 kam er an die Oper von Houston/Texas, in deren Opernstudio er sich weiterbildete, und an der er bereits in Verdis »Otello«, in »Aida« und im »Falstaff« Partien übernahm. 1979 war er an der Oper von Washington, 1980 an der Oper von Pittsburgh zu hören. Im Februar 1981 debütierte er an der Metropolitan Oper New York in »L’Enfant et les sortilèges« von Ravel. Seitdem blieb er Mitglied dieses Hauses, wo er bis zu seinem Tod in insgesamt 795 Aufführungen auftrat. Von den vielen kleineren wie größeren Rollen, die er an der Metropolitan Oper sang, seien der alte Hebräer in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, der Reinmar von Zweter im »Tannhäuser«, der Wurm in Verdis »Luisa Miller«, der Vaudemont in Verdis »I Vespri Siciliani«, der Ferrando im »Troubadour«, der Polizeikommissär im »Rosenkavalier«, der Marchese di Calatrava in »La forza del destino«, der Tom wie der Samuel in Verdis »Un ballo in maschera«, der Arkel in »Pelléas et Mélisande«, der Mönch in Verdis »Don Carlos«, der Titurel im »Parsifal«, der Pimen im »Boris Godunow«, der Colline in »La Bohème«, der Commendatore im »Don Giovanni«, der Graf Ceprano im »Rigoletto«, der Herzog von Verona in »Roméo et Juliette« von Gounod, der Dr. Grenvil in »La Traviata«, der Einarmige in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss und der König Priamus in »Les Troyens« von Berlioz genannt. Erfolgreich auch bei Gastspielen an den großen amerikanischen Theatern wie als Konzertsolist. Er starb 2006 in Shohola (Pennsylvania), vier Tage zuvor ist er als Sciarrone in »Tosca« zum letzten Mal auf der Bühne der Metropolitan Oper gestanden.
Mit Sicherheit sind von seiner Stimme Mitschnitte von Aufführungen und Rundfunksendungen vorhanden.

9.5. Miltiades CARIDIS: 95. Geburtstag

Er wurde in Danzig als Sohn einer deutschen Mutter und eines griechischen Vaters geboren. Er wuchs in Dresden auf, bis die Familie 1938 nach Griechenland zog. Caridis begann sein Musikstudium während des Krieges am Konservatorium in Athen und schloss es nach dem Krieg an der Universität und darstellende Kunst Wien bei Hans Swarowsky mit der Dirigentenprüfung ab. Er begann seine Karriere an der Oper Köln sowie der Grazer Oper und dirigierte 1961-69 an der Wiener Staatsoper. 1960-67 war er Chefdirigent der Philharmonia Hungarica. Danach dirigierte er 1969-71 die Philharmonie Oslo und 1975-81 das Niederösterreichische Tonkünstlerorchester. Als freiberuflicher Dirigent arbeitete er mit zahlreichen weiteren Orchestern und Chören in aller Welt und nahm an großen Festivals teil. Ab 1995 leitete er das Griechische Rundfunk-Orchester; im Februar 1998 erlitt er in Athen bei einer Probe dieses Orchesters einen Schlaganfall, dem er einige Tage später erlag. Sein Neffe Constantinos Carydis trat in seine Fußstapfen und dirigierte bereits im Alter von 32 Jahren an der Wiener Staatsoper.

9.5. Karla HUTTARY-POLÁKOVÁ: 175. Geburtstag

Sie wurde durch den Dirigenten Slánski in Prag ausgebildet. Sie eröffnete ihre Bühnenkarriere mit einem Engagement am Stadttheater von Rostock (1863-64), wurde dann für eine Spielzeit an das Hoftheater von Wiesbaden engagiert, sang 1864-65 am Opernhaus von Köln und 1865-66 an der Hofoper Berlin. 1866-69 war sie Mitglied des Deutschen Theaters in Prag und schloss dann für die Jahre 1872-79 einen Gastvertrag mit dem (tschechischen) Prager Nationaltheater ab, das damals seine Vorstellungen im Provisorischen Haus, dem Prozatímní Divadlo, gab. Zu ihren großen Bühnenpartien gehörten die Zerline im »Don Giovanni«, der Cherubino in »Figaros Hochzeit«, die Anna in »Hans Heiling« von Marschner, die Agathe im »Freischütz«, die Marguerite im Faust von Gounod, der Jemmy in »Wilhelm Tell« von Rossini und der Page Oscar in Verdis »Maskenball«. Neben ihrem Wirken auf der Bühne entfaltete sie eine sehr erfolgreiche Tätigkeit als Konzert- und Liedersängerin und betätigte sich später auch im pädagogischen Bereich. Sie starb 1906 in Prag.

9.5. Anna REUSS-GAUDELIUS: 200. Geburtstag

Ihre Stimme erregte erstes Aufsehen, als sie Soli in Messen sang. Darauf ging sie als Schauspielerin wie als Sängerin in München zur Bühne und wurde sogleich von Charlotte Birch-Pfeiffer für drei Jahre (1839-43) an das Stadttheater von Zürich verpflichtet. Sie sang dann am Stadttheater von Freiburg i. Br. (1843-44), am Stadttheater von Würzburg (1844-45), am Stadttheater von Magdeburg (1846-47) und am Stadttheater von Rostock (1847-48). Es schloss sich 1849-50 ein Engagement am Theater von Reval (Tallinn) an, wo sie den Schauspieler und späteren Theaterdirektor Karl Gaudelius († 1871 Lübeck) heiratete. Sie war dann am Theater von Regensburg (1850-51), am Stadttheater von Bonn (1851-52), am Hoftheater von Ballenstedt (als Gast 1852-53), am Theater von Krakau (1854-56), am Theater von Troppau (Opava, 1856-57), am Stadttheater von Chemnitz (1857-58), wieder am Hoftheater von Ballenstedt (als Gast 1859-60), dann seit 1860 bis zu ihrem Tod 1861 am Theater von Altona verpflichtet. Sie sang auf der Bühne Partien wie die Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, die Antonina in »Belisario« von Donizetti, die Camilla in »Zampa« von Hérold, die Norma, die Lucrezia Borgia in den gleichnamigen Oper von Donizetti, die Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer, die Marie in »Zar und Zimmermann«, die Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor« und die Marie in Donizettis »Regimentstochter«, trat aber auch immer wieder auf der Sprechbühne in Schauspielen auf. Zwei Tage vor ihrem plötzlichen Tod gastierte sie noch in Rendsburg als Mathilde in Rossinis »Wilhelm Tell«.

10.5. Max STAEGEMANN: 175. Geburtstag

Er stammte mütterlicherseits aus der Schauspieler- und Sängerfamilie Devrient; sein Bruder Eugen Staegemann (* 1845) wurde ein bedeutender Schauspieler. Nachdem er bereits 1862 in Bremen als Schauspieler aufgetreten war, entschloss er sich auf den Rat des Hofkapellmeisters Fischer in Hannover zur Ausbildung der Stimme. 1863 begann er dann seine Sängerlaufbahn am Hoftheater von Hannover. 1864 ging er nach Paris, wurde dort Schüler von François Alexandre Delsarte und studierte weiter bei dem schwedischen Pädagogen Lindhudt. 1865 wurde er als Nachfolger von Ludwig Zottmayr als erster Bariton an das Hoftheater Hannover berufen, an dem er während der folgenden zwölf Jahre eine große Karriere zur Entwicklung bringen konnte. Der Komponist Heinrich Marschner, seit 1830 Hofkapellmeister in Hannover, schätzte seine Stimme besonders, und in den großen Aufgaben in seinen Opern hatte er in Hannover wie bei Gastspielen an den ersten deutschen Bühnen besondere Erfolge: als Titelheld in »Hans Heiling«, als Lord Ruthwen in »Der Vampyr«, als Guilbert in »Der Templer und die Jüdin«, dazu als Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Fliegender Holländer, als Titelheld in Rossinis »Wilhelm Tell«, vor allem aber als Don Giovanni. 1876 wurde er als Sänger und Bühnendirektor an das Theater von Königsberg (Ostpreußen) berufen, das er mit großer Umsicht leitete. Nachdem er sich dort als kenntnisreicher Direktor bewährt hatte, berief man ihn 1882 als Direktor an das Stadttheater von Leipzig. Auch dieses Theater nahm, vor allem im Bereich der Oper, unter seiner mehr als zwanzigjährigen Leitung einen großen Aufschwung. Er starb 1905 in Leipzig. – Er war verheiratet mit der Violinistin Hildegard Kirchner († 1913). Sein Sohn Waldemar Staegemann (1879-1958) wurde im gleichen Stimmfach wie sein Vater bekannt. Seine Tochter Helene Staegemann (* 18.4.1877 Hannover, † 24.8.1923 Dresden) war um die Jahrhundertwende eine angesehene Konzertsopranistin, die in Berlin, Wien und Prag auftrat und vor allem als hervorragende Lied-Interpretin galt. Sie war mit dem Grafen Botho zu Eulenburg (1884-1915) verheiratet, der unter dem Namen Botho Sigwart als Komponist (u.a. von Opern und Liedern) tätig war.

12.5. Clara WIRZ: 85. Geburtstag

Sie war Schülerin von Eduard Stocker in Luzern, von Juliette Bise in Bern, von der Schweizer Pädagogin Marietta Amstad in Rom und von Eva Liebenberg in Hilversum (Holland). Seit 1968 kam sie zu einer großen Konzertkarriere auf internationaler Ebene. Sie sang in der Schweiz (Zürich, Basel, Bern, Genf, Lausanne, Montreux, Lugano, Internationale Festwochen Luzern, Bach-Festwochen Schaffhausen) und Deutschland (Berlin, München, Hannover, Wiesbaden, Düsseldorf, Essen, Köln, Karlsruhe, Bremen), Frankreich (Paris, Marseille, Bordeaux, Lyon, Grenoble, Nizza, Lourdes, Toulouse), Italien (Mailand, Rom, Bologna, Turin, Neapel, Florenz, Genua, Palermo, Padua, Parma, Venedig, Rimini, Pisa), beim Holland Festival und im Rahmen einer großen USA-Tournee. 1975 war sie in Paris Mitbegründerin eines Vokal-Quartetts, dem auch Anna-Maria Miranda, Jean-Claude Orliac und Udo Reinemann angehörten, und mit dem sie während der folgenden zehn Jahre auftrat. Seit 1975 war sie Dozentin und Gesangpädagogin an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik in Luzern. An der Oper von Lyon ist sie gelegentlich als Gast aufgetreten, war im Übrigen aber eine ausschließliche Konzertsängerin. Im Konzertsaal war sie in einem Repertoire von ungewöhnlichem Umfang zu hören, das von Werken aus er Barock-Epoche (J.S. Bach, Händel) bis zu zeitgenössischen Komponisten (A. Honegger, F. Martin, H. Suter, P. Hindemith, P. Huber) reichte. Als Liedersängerin trat sie gleichfalls in einem vielseitigen Repertoire vor ihr Publikum. Sie starb im November 2009.
Zahlreiche Schallplatten der Firmen CBS (Werke von M.A. Charpentier), Arion (Liebeslieder-Walzer und Vokalquartette von J. Brahms, Terzette und Quartette von J. Haydn und Mozart), Accord (»Tagebuch eines Verschollenen« von Janácek, »Frauenliebe und -leben« von R. Schumann), Swiss Pan (Messe von Zelenka, Böhmische Pastorellen), Fono Luzern (Te Deum von Flury).

13.5. Ludovic SPIESS: 80. Geburtstag


Als Dalibor an der Wiener Staatsoper

Er erhielt seine Ausbildung an der Musikakademie von Bukarest, später bei dem Pädagogen Antonio Narducci in Mailand. Er erschien 1962 erstmals auf der Bühne, und zwar an der Oper von Galati als Herzog im »Rigoletto« von Verdi. Er sang vier Jahre an kleineren rumänischen Bühnen, u.a. auch 1962-64 am Bukarester Operettentheater. 1966 debütierte er an der Nationaloper Bukarest als Cavaradossi in »Tosca«. Im gleichen Jahr gewann er den Gesangwettbewerb von s’Hertogenbosch. Seine ersten Auslandsgastspiele erfolgten in Toulouse und Rio de Janeiro. Bereits 1967 erregte er bei den Festspielen von Salzburg Aufsehen, als er den Dimitrij im »Boris Godunow« unter H. von Karajan sang. 1968 sang er am Stadttheater von Zürich den Radames in »Aida« und wurde als ständiger Gast an dieses Haus verpflichtet. Er hatte dann einen sensationellen Erfolg an der Stuttgarter Staatsoper als Kalaf in »Turandot« von Puccini. 1968-75 sang er in insgesamt 72 Vorstellungen an der Staatsoper von Wien (den Radames, den Cavaradossi, den Don Carlos von Verdi, den Rodolfo in »La Bohème«, den Kalaf, den Manrico im »Troubadour«, den Titelhelden in »Dalibor« von Smetana, den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, den Canio im »Bajazzo«, den Florestan im »Fidelio« und den Riccardo in Verdis »Maskenball«). Gastspiele brachten dem Sänger in aller Welt große Erfolge. 1969 sang er im italienischen Fernsehen den Florestan, 1969 gastierte er am Teatro Colón Buenos Aires. Ebenfalls 1969 hörte man ihn bei den Festspielen von Verona als Kalaf. Gastspiele an der Mailänder Scala (1970 als Kalaf), an der Hamburger Staatsoper, an den Opernhäusern von Lyon, Toulouse, Bordeaux, an der Münchner Staatsoper (1968-73), an den Opern von Houston/Texas, Philadelphia (1971 als Radames), San Francisco (1968 als Kalaf – zugleich sein US-Debüt – und 1970 als Cavaradossi) und Los Angeles (1969 als Kalaf), am Teatro Colón Buenos Aires (1969 als Kalaf, 1970 als Riccardo in »Un Ballo in maschera« von Verdi), am Teatro San Carlo Neapel (1971 als Manrico), in Turin (1974) und an der Staatsoper Berlin (1970) ließen in ihm einen der führenden Tenöre für das italienische dramatische Fach erkennen. 1971 gastierte er bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom als Radames, 1972 beim Orange Festival als Manrico. An der Metropolitan Oper sang er 1971-72 in insgesamt fünf Vorstellungen den Manrico, den Florestan und den Canio. 1974 wirkte er bei den Festspielen von Bregenz als Don José in »Carmen« mit. 1973 debütierte er an der Covent Garden Oper London als Radames. Er trat auf der Bühne auch als Herodes in »Salome« von R. Strauss und als Lohengrin auf. Auch als Konzertsänger wurde er allgemein bekannt. Er beendete seine Karriere in den achtziger Jahren. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes in Rumänien war er 1992-93 rumänischer Kultusminister. Er starb 2006 während einer Jagd in Rumänien an einer Herzattacke.
Schallplatten: Die ersten Aufnahmen erschienen bereits in Rumänien auf Electrecord (u.a. vollständige Opern »La forza del destino« von Verdi, »La Bohème« und »Turandot« von Puccini und »Chowanschtschina« von Mussorgsky), dann auf Decca (integrale Oper »Boris Godunow«), Eurodisc (»Iphigenie in Aulis« von Gluck), Myto (»Dalibor« von Smetana), Philips, Intercord (Recital) und Electrola (Querschnitte durch »Aida«, »Carmen«, »Turandot«). Auf HRE Gesamtaufnahme »Chowanschtschina« in italienischer Sprache.

13.5. Fritz SPERLBAUER: 95. Geburtstag

Seine Ausbildung zum Sänger erfolgte an der Wiener Musikakademie in den Jahren 1948-50 durch Josef Witt und Adolf Vogel. 1952 wurde er an die Wiener Staatsoper verpflichtet (Antrittsrolle: Bote in »Aida«), an der er bis 1974 rund 50 mittlere und kleinere Partien sang und zu den unentbehrlichen Kräften des Ensembles gehörte. Zu seinen Rollen zählten der Monostatos und der 1. Geharnischte in der »Zauberflöte«, der Ulrich Eisslinger in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Borsa im »Rigoletto«, der Graf Lerma in Verdis »Don Carlos«, der Parpignol in »La Bohème« und der Abbé in »Andrea Chénier« von Giordano. Er wirkte auch bei den Festspielen von Salzburg mit, bei denen er 1960-61 und 1963-64 als Wirt im »Rosenkavalier« auftrat. Er starb im November 1988.
Schallplatten: Philips (Gesamtaufnahme »Salome«).

14.5. John MATHESON: 90. Geburtstag

Biografie des neuseeländischen Dirigenten auf Englisch: http://www.operascotland.org/person/1335/John-Matheson

15.5. Fritz LINKE: 95. Geburtstag

Er arbeitete zunächst als Bäcker, ließ dann aber seine Stimme an der Musikhochschule von Leipzig ausbilden und debütierte 1950 in einer kleinen Rolle im »Lohengrin« am Stadttheater von Chemnitz (Karl Marx-Stadt). 1951-56 Mitglied der Staatsoper von Dresden, dann seit 1956 für mehr als dreißig Jahre an der Staatsoper von Stuttgart tätig. Er kam zu großen Erfolgen bei internationalen Gastspielauftritten, u.a. an den Staatsopern von Wien (1968 als Basilio im »Barbier von Sevilla« und 1969 als Doktor im »Wozzeck«), München und Hamburg, an der Grand Opéra Paris, am Teatro San Carlos Lissabon, am Teatro Fenice Venedig, am Teatro Comunale Bologna, am Teatro Verdi Triest und an der Oper von Rom, an der Nationaloper Helsinki, am Teatro Colón Buenos Aires, in Leipzig, Köln, Frankfurt a.M., Zürich, Mannheim, Essen, Graz und Karlsruhe. Bei den Festspielen von Bayreuth sang er 1963-64 und 1968-70 den Hans Schwarz in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Er trat auch bei den Festspielen von Edinburgh (1968 als Baculus im »Wildschütz« von Lortzing und als Osmin in der »Entführung aus dem Serail« sowie 1966 als Doktor im »Wozzeck« und als Sarastro in der »Zauberflöte« anlässlich von Gastspielen der Stuttgarter Staatsoper) und in den römischen Thermen des Caracalla auf; er sang bei den Festspielen von Schwetzingen in der Uraufführung der Oper »Der Revisor« von Werner Egk (9.5.1957), in Stuttgart 1966 in der von »Siebzehn Tage und vier Minuten«, ebenfalls von W. Egk, und in der von H. Reutters »Hamlet« (1981). 1993 wurde er zum Ehrenmitglied der Stuttgarter Staatsoper ernannt. Von seinen zahlreichen Bühnenpartien seien hier nur einige genannt: der Taddeo in Rossinis »L‘Italiana in Algeri«, der Rocco im »Fidelio«, der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, der König Philipp in Verdis »Don Carlos«, der Pater Guardian in »La forza del destino« von Verdi, der Daland in »Der fliegende Holländer«, der Hunding und der Fafner im Nibelungenring, der Landgraf im »Tannhäuser« und der Ochs im »Rosenkavalier«. Er starb 1995 in Stuttgart.
Mitschnitte von Opernsendungen im Rundfunk; auf Topaz-Video Kuno im »Freischütz«.

15.5. John LANCHBERRY: 95. Geburtstag

Schon früh erhielt er Geigenunterricht und bereits mit acht Jahren begann er zu komponieren; dank eines Stipendiums wurde er an der Royal Academy of Music aufgenommen. Das Studium musste er jedoch wegen des Wehrdienstes im Zweiten Weltkrieg unterbrechen. Nach Ende seiner Militärzeit kehrte er nach England zurück und setzte sein Studium fort, daneben arbeitete er für die Anglo Soviet Music Press. Wenig später wurde er zum Leiter des Metropolitan Ballet berufen, mit dem er 1948 in Edinburgh debütierte. Allerdings musste das Orchester nur zwei Jahre später aus finanziellen Gründen aufgelöst werden. Lanchbery begann die Zusammenarbeit mit der Choreografin Celia Franca und schrieb zugleich die Musik für The Eve of St Agnes, dessen Geschichte auf John Keat‘s’ gleichnamigen Gedicht basierte. Dabei handelte es sich um eines der ersten Auftragswerke, das im BBC-Fernsehen gezeigt wurde. Lanchbery kam dann zum Londoner Sadler’s Wells Theatre, wo er die Musik von Stan Kenton zu Kenneth MacMillans Ballett Sonnambulism dirigierte (1953). Für das Royal Ballet arrangierte er 1960 Ferdinand Hérolds La Fille mal gardée mit einer Choreografie von Frederick Ashton. Zu dieser Zeit lebte Lanchbery bereits hauptsächlich von den Tantiemen seiner eigenen Ballettmusik-Kompositionen, obwohl er auch an zahlreiche Einspielungen beteiligt war. 1966 schrieb er für Rudolf Nurejew den Don Quixote von Léon Minkus um und für Natalia Makarowa arbeitete er 1980 das ebenfalls von Minkus stammende Ballett La Bayadère für die Aufführung am American Ballet Theatre um. Bemerkenswert ist auch die Umarbeitung von MacMillans Meyerling im Jahre 1978, für die er 30 Stücke von Franz Liszt veränderte, wobei angemerkt werden muss, dass Lanchbery mehrmals für seine drastischen Umarbeitungen kritisiert worden ist. 1970 komponierte Lanchbery die Partitur für den Ballettfilm The Tales of Beatrix Potter, wobei er vor allem Einflüsse der Opern von Michael William Balfe und Arthur Sullivan verarbeitete. Er komponierte außerdem die Musik für die 1980 unter der Regie von Herbert Ross entstandene Filmbiografie von Vaslav Nijinsky. John Lanchbery war der erste, der Opern in Ballette umarbeitete (Hoffmanns Erzählungen, Die lustige Witwe, Die Fledermaus). Außerdem komponierte er mehrere Filmmusiken, wie zum Beispiel für Herbert Ross’ Am Wendepunkt (1977) und die Stummfilme Die Geburt einer Nation (1915) und John Fords Das eiserne Pferd (1924). Basierend auf Musikstücken Cole Porters komponierte Lanchbery die Musik zu Das Böse unter der Sonne (1982), wobei er auch Diana Riggs You’re the Top interpretierte. 1991 wurde Lanchbery als Officer in den Order of the British Empire aufgenommen und erhielt zudem Auszeichnungen in Russland und Schweden. Er war 1951-60 mit der Leiterin des Sadler’s Wells Theaters, Elaine Fifield, verheiratet; gemeinsam haben sie eine Tochter. 2002 wurde Lanchbery australischer Staatsbürger. Er starb am 2003 in Melbourne.

16.5. Rosmunda Benedetta PISARONI: 225. Geburtstag

 

Sie erhielt Unterricht bei vier bedeutenden Pädagogen, bei Moschini, Luigi Marchesi, Giovanni Battista Velluti und bei Gasparo Pacchierotti, die alle als Kastraten gesungen hatten. Sie debütierte 1811 in Bergamo in der Oper »La rosa bianca e la rosa rossa« von Johann Simon Mayr. In der Spielzeit 1812-13 hörte man sie am Theater von Piacenza in der Oper »Trajano in Dacia« von Giuseppe Nicolini und in der Uraufführung der Oper »Vidokindo e Carlo Magno« vom gleichen Komponisten (1813), am Teatro Sant‘ Agostino in Genua 1813-14 in »I Cinesi« von Stefano Pavesi und in Rossinis »Tancredi«. Drei Jahre lang hatte sie große Erfolge im Sopranfach. Ihre Stimme hatte ursprünglich einen Umfang von fast drei Oktaven. 1813 erkrankte sie jedoch schwer und verlor danach ihre Spitzentöne, doch entwickelte sich dafür ihre Stimme in der Tiefe und in ihrem Volumen zu größter Vollendung. Nach sorgfältigem erneutem Studium konnte sie die Stimme so in ihren tiefen Registern entwickeln, dass sie jetzt eine der bedeutendsten italienischen Altistinnen ihrer Zeit wurde. Durch die überstandene Pockenerkrankung war ihr Gesicht durch große Narben entstellt; sie wies jeden Impresario darauf hin, der sie engagieren wollte, indem sie diesem ein wahrheitsgetreues Porträt zusandte. Dafür war sie aber eine glänzende Darstellerin und besaß eine Stimme von größter Ausdruckskraft und Tonfülle. Man schätzte sie namentlich in den Opern von Rossini, der ein großer Bewunderer ihrer Kunst war und Partien in seine Opern im Hinblick auf ihre besonderen stimmlichen Möglichkeiten komponierte. 1817 sang sie in Padua in »Romilda e Costanza« von Meyerbeer. Sie wirkte in mehreren Uraufführungen von dessen Opern mit, so am 3.12.1818 am Teatro San Carlo Neapel als Zomira in »Ricciardo e Zoraide«, am 24.9.1819 am gleichen Opernhaus als Malcolm Graeme in »La Donna del Lago«, noch im gleichen Jahr (27.3.1819) als Andromaca in Rossinis »Ermione«. 1818 trat sie am Teatro di Corte in Modena in Nicolinis »Trajano in Dacia« (einer damals in Italien sehr beliebten Oper) und in Rossinis »Ciro in Babilonia« auf, 1817-18 am Teatro Regio Turin als Arsace in »Aureliano in Palmira« von Rossini und in der Uraufführung der Oper »La Difesa di Goa« von Raffaelo Russo (17.1.1818). 1822 gastierte sie am Teatro Comunale Bologna als Malcolm in Rossinis »La Donna del Lago«, 1824 in der Uraufführung der Oper »Giulio Sabino in Langres« von Vittorio Trento (in der Titelrolle, wobei sie als Pisaroni-Carrara angekündigt wird) sowie in der Uraufführung von Giovanni Tadolinis Oper »Moctor gran visir di Adrianopoli« (1824 in der Titelpartie). 1824 sang sie am Teatro Argentina in Rom in einer Neufassung der Oper »Zoraide di Granata« von Donizetti den Abenamet und führte die Oper zu einem großen Erfolg. An der Mailänder Scala durchlief sie eine große Karriere: 1821-22 sang sie dort (in der Eröffnungsvorstellung der Saison) am 26.12.1821 den Pirro in der Uraufführung der Oper »Andromaca« von Vincenzo Puccitta, am 26.1.1822 den Lauso in der Uraufführung der Oper »Antigona e Lauso« von Stefano Pavesi (die 34mal hintereinander aufgeführt werden musste), am 12.3.1822 den Almanzor in der Uraufführung der Oper »L’Esule di Granata« von Meyerbeer, 1824 den Serse in »Temistocle« von G. Pacini, den Malcolm in Rossinis »La Donna del Lago«, den Arsace in dessen »Semiramide« und am 13.11.1824 den Adolfo in der Uraufführung von Michele Carafas »La Sonnambula«. In der Spielzeit 1824-25 erlebte man sie an der Scala als Arsace in »Semiramide«, als Tigrano in der Uraufführung der Oper »Pompeo in Siria« von Francesco Marchese Sampieri (4.4.1828), als Eburzio in »I Baccanti di Roma« von Pietro Generali und als Rossinis Tancredi, 1830-31 in der Uraufführung von P. Generalis »Il Romito della Provenza« (eine Oper, die nur einmal aufgeführt wurde!) und in »Bianca e Falliero« von Rossini. Am Teatro Sant‘ Agostino in Genua hörte man sie 1826 in »Tebaldo ed Isolina« von Francesco Morlacchi, als Palmida in Meyerbeers »Il crociata in Egitto«, 1827 in »Giulietta e Romeo« von Nicola Vaccai, als Arsace in »Semiramide« von Rossini und in der Oper »Temistocle« von Giuseppe Pacini. Sie absolvierte auch erfolgreiche Gastspiele am Théâtre-Italien in Paris (1827-30 als Arsace in »Semiramide« von Rossini, als Titelheld in dessen »Tancredi« und als Isabella in »L’Italiana in Algeri«) und London (1829). 1831 gastierte sie in Cadix in Spanien. In der Spielzeit 1832-33 sang sie als letzte Partie am Theater von Piacenza den Serse in »Temistocle« von Giuseppe Pacini. Sie glaubte sich nicht mehr auf der Höhe ihres Leistungsvermögens stehend und gab als sehr gewissenhafte Künstlerin nun ihre Karriere auf. 1835 erschien sie letztmals in Piacenza in einem Konzert. Sie starb 1872 in Paicenza.
Lit: C. Pavesi: »Rosmunda Benedetta Pisaroni« (Piacenza, 1872).

17.5. Herbert BECKER: 85. Geburtstag

Er arbeitete zuerst als Schlosser, ließ dann aber seine Stimme an der Folkwangschule Essen ausbilden und war Schüler von Unold in Mannheim und von Müller in Mailand. Bereits während seiner Ausbildung war er an den Theatern von Essen und Gelsenkirchen als Chorsänger tätig. 1962 wurde er als Solist in das Ensemble des Theaters von Gelsenkirchen übernommen, dem er bis 1971 angehörte. Hier trug er vor allem lyrische Tenorpartien vor: den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den Lyonel in Flotows »Martha«, den Filipeto in Wolf-Ferraris »Die vier Grobiane«, dann auch den Ismaele im »Nabucco« und den Don Carlos von Verdi. Anfang der siebziger Jahre schloss er Gastverträge mit den Theatern von Freiburg i. Br. und Aachen ab und ging ins schwere Fach, insbesondere ins Wagner-Repertoire, über. 1972-75 war er am Staatstheater von Karlsruhe engagiert; hier sang er 1973 den Mark in der deutschen Erstaufführung von M. Tippetts »The Midsummer Marriage«. In den Jahren 1974-79 gehörte er dem Staatstheater Hannover an. Zu Gast an der Mailänder Scala (1975 als Titelheld im »Siegfried«), am Teatro Verdi Triest, in Graz, Zürich, Lyon, Marseille (1979 und 1980 als Siegfried im Nibelungenring) und Toulouse, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg und am Teatre Liceu Barcelona (1976 Siegfried in der »Götterdämmerung«). 1973 gastierte er am Opernhaus von Antwerpen als Siegfried in der »Götterdämmerung«, 1974-80 nahm er an den aufsehenerregenden Ring-Aufführungen in Seattle als Siegfried teil, 1975 hörte man ihn an der Wiener Staatsoper als Tannhäuser, 1976 an der Staatsoper von München als Siegfried, 1976 am Teatro San Carlos Lissabon ebenfalls als Siegfried in der »Götterdämmerung«, 1977 in Paris in konzertanten Aufführungen des »Tannhäuser« in der Titelrolle, 1977 auch in São Paulo und in Portland (USA), 1981 am Théâtre de la Monnaie Brüssel (als Siegfried im »Siegfried«). Weitere Höhepunkte in seinem umfangreichen Repertoire für die Bühne waren der Florestan in »Fidelio«, der Canio im »Bajazzo«, der Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, der Ägisth in dessen »Elektra«, der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Radames in »Aida«, der Titelheld in Verdis »Don Carlos«, der Herzog im »Rigoletto«, der Titelheld in »Hoffmanns Erzählungen«, der Max im »Freischütz«, der Ulrich in »Die Harmonie der Welt« von P. Hindemith, an erster Stelle jedoch die Wagner-Heroen vom Erik in »Der fliegende Holländer« über den Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg« bis zum Siegmund und dem Parsifal. Neben der Bühnenkarriere stand eine ebenso erfolgreiche Konzertlaufbahn. Er starb im März 1999. Er war verheiratet mit der Opernsängerin Anneliese Dobbertin, die u.a. am Stadttheater von Koblenz wirkte. Er war der Onkel des bekannten Tenors Siegfried Jerusalem (* 1940).

17.5. Birgit NILSSON: 100. Geburtstag

Als Turandot

Ihre Stimme fiel bereits in einem Kirchenchor auf. Sie besuchte zuerst eine Landwirtschaftsschule. Anfängliche Ausbildung der Stimme durch den Kantor Ragnar Blennow in Båstad; sie studierte 1941-46 an der Königlichen Musikakademie in Stockholm bei Joseph Hislop und bei Arne Sunnegårdh und debütierte 1946 an der Königlichen Oper Stockholm. Die erste große Partie, die sie dort sang, war die Agathe im »Freischütz«. 1947 hatte sie an der Stockholmer Oper einen spektakulären Erfolg als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«. 1948 unternahm sie eine Tournee durch Deutschland und Italien. 1951 erregte sie bei den Festspielen von Glyndebourne als Elettra in Mozarts »Idomeneo« Aufsehen. Im gleichen Jahr sang sie beim Maggio Musicale von Florenz die Donna Anna im »Don Giovanni«. Sie wurde durch den großen Dirigenten Fritz Busch wesentlich gefördert. Ihre Stimme wandelte sich allmählich vom lyrischen zum hochdramatischen Sopran; sie wurde schließlich eine der bedeutendsten Wagner-Sängerinnen aller Zeiten. 1953 hörte man sie an der Oper von Stockholm als Elisabeth im »Tannhäuser« und als Isolde in »Tristan und Isolde«. 1953 sang sie erstmals bei den Bayreuther Festspielen, und zwar das Sopran-Solo in Beethovens 9. Sinfonie. Seitdem hatte sie alljährlich in Bayreuth die vielleicht größten Erfolge ihrer Karriere; sie sang dort 1954 die Ortlinde in der »Walküre« und die Elsa im »Lohengrin«, 1957 die Sieglinde in der »Walküre« und die 3. Norn in der »Götterdämmerung«, 1957-59, 1962-64, 1966 und 1968-70 die Isolde, 1960-62 und 1965-67 die Brünnhilde im »Siegfried« und in der »Götterdämmerung«, 1960 und 1965-67 die Brünnhilde auch in der »Walküre«. 1954-55 sang sie mit sensationellem Erfolg an der Münchner Staatsoper die Brünnhilde (erstmals in einer Gesamtaufführung des Ring-Zyklus) und die Salome von Richard Strauss. Seit 1954 als große Primadonna an der Staatsoper von Wien gefeiert. Sie debütierte an diesem Haus als Sieglinde und sang dann bis 1982 in insgesamt 233 Vorstellungen auch noch die Elsa, die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Aida, die Senta in »Der fliegende Holländer«, die Isolde, die Donna Anna, die Leonore im »Fidelio«, die Salome, die Brünnhilde im Nibelungenring, die Turandot von Puccini, die Tosca, die Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, die Elektra von R. Strauss, die Lady Macbeth und die Färbersfrau in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss. 1957 trat sie an der Oper von Rom als Leonore im »Fidelio« auf. 1958 debütierte sie als Brünnhilde in der »Walküre« an der Mailänder Scala, an der sie 1958, 1960, 1962, 1964 und 1970 als Turandot das Publikum; begeisterte; hier sang sie auch 1959 die Senta, 1959 und 1964 die Isolde, 1960 die Aida und die Leonore im »Fidelio«, 1963 die Brünnhilde im Nibelungenring, 1964 die Lady Macbeth, 1967 die Salome und 1972 die Elektra von R. Strauss. 1964 gastierte sie mit dem Ensemble der Mailänder Scala in Moskau als Turandot. Nachdem sie 1957 an der Covent Garden Oper London als Isolde debütiert hatte, blieb sie auch diesem Haus durch Gastspiele verbunden; man hörte sie dort als Brünnhilde, als Turandot und als Elektra. Sie gastierte mit dem Ensemble der Bayreuther Festspiele 1967 bei der Weltausstellung von Osaka als Isolde. 1968 trat sie an der Grand Opéra Paris als Turandot auf, 1971 und 1979 am Teatro Colón Buenos Aires als Isolde bzw. als Färbersfrau. Im September 1971 sang sie zur Einweihung der Scandinavian Arena in Göteborg die Titelrolle in Verdis »Aida«, wobei an drei Abenden 30.000 Besucher die Oper hörten. Schließlich war die gefeierte Sängerin, die in Zürich, später in Locarno ihren Wohnsitz nahm, auch in Amerika erfolgreich. 1956 gastierte sie am Opernhaus von Los Angeles und an der Oper von Chicago. An der San Francisco Opera sang sie 1956 die Brünnhilde in der »Walküre«, 1964 die Leonore im »Fidelio« und die Turandot, 1970 und 1974 die Isolde, 1972 die Brünnhilde im kompletten Ring-Zyklus, 1980 die Färbersfrau und 1981 noch einmal die Brünnhilde in der »Walküre«. 1959 wurde sie an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Isolde), an der sie bis 1981 ihre Triumphe feierte. Sie trat an der Metropolitan Oper in insgesamt 222 Vorstellungen und in 16 verschiedenen Partien auf: als Brünnhilde wie als Sieglinde im Nibelungenring, als Leonore im »Fidelio«, als Elisabeth wie als Venus im »Tannhäuser«, als Turandot, als Aida, als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, als Lady Macbeth, als Tosca, als Salome, als Elektra und als Färbersfrau. 1969 sang sie bei den Festspielen von Verona die Titelheldin in Puccinis »Turandot«. Zu ihren Erfolgen auf der Bühne trat eine weltweite Konzertkarriere, wobei sie im Konzertsaal ein umfangreiches Repertoire zum Vortrag brachte. 1978 unternahm sie eine große Europa- und Asien-Tournee als Liedersängerin, 1973 gab sie Konzerte in Australien. 1974-76 gastierte sie nochmals an der Grand Opéra Paris als Elektra. 1982 nahm die berühmte Sängerin an der Wiener Staatsoper als Färbersfrau in »Die Frau ohne Schatten« von der Bühne Abschied, trat aber 1983 bei dem Gala-Konzert zur Hundertjahrfeier der Metropolitan Oper nochmals auf und erschien danach gelegentlich noch bei einigen Konzerten. 1954 wurde sie schwedische Hofsängerin, 1960 Mitglied der schwedischen Musikakademie, im gleichen Jahr mit dem Orden »Litteris et artibus« dekoriert. 1981 wurde ihr als erstem Künstler und als erster Frau die vor mehr als 200 Jahren gestiftete Goldmedaille »Illis quorum meruere labores« durch die schwedische Regierung verliehen. 1997 wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Sibelius-Akademie Helsinki verliehen. Sie war verheiratet mit dem Veterinärmediziner Bertil Niklasson. Sie publizierte eine Selbstbiographie unter dem Titel »Mina minnesbilder« (Stockholm, 1977). Sie starb 2005 in Bjärlöv (Schweden).- Die dramatische Kraft und Leidenschaftlichkeit ihres Vortrages, die Größe und Tonfülle ihrer Stimme, die Schönheit und Reinheit ihrer Intonation und ihr glanzvolles Bühnenspiel machten sie zu einer der bedeutendsten Sängerpersönlichkeiten ihrer Epoche. Ihre größten Leistungen entwickelte sie als Verdi- und Wagnerinterpretin.
Lit: A. Natan: Nilsson, Birgit. Primadonna (Basel, 1961); A. Blyth: Birgit Nilsson (Gramophone, 1969-70); J. Young: Birgit Nilsson on Home Ground (Opera News, 1974-75). Schallplatten: HMV (»Aida«, »Der Freischütz«), Decca (»Salome«, »Tristan und Isolde«, »Un ballo in maschera«, »Don Giovanni«, »Tosca«, »Siegfried«), DGG (»Oberon«, »Don Giovanni«, »Tannhäuser«), Philips (Brünnhilde im Ring-Zyklus), Columbia (»La Fanciulla del West« von Puccini), RCA (»Turandot«, »Fidelio«, »Tosca« »Elektra«, »Macbeth« von Verdi, Brünnhilde im »Ring des Nibelungen«), Cetra (»Fidelio«, »Turandot«, »Die Walküre«, »Tristan und Isolde«), HRE (»Fidelio«, »Elektra«). Liedaufnahmen vor allem auf den schwedischen Marken Bell, BIS und Gramofon ab Electra.

17.5. Adolf KÜHNS: 150. Geburtstag

Er leitete seine Theaterkarriere mit einem Engagement als Schauspieler am Deutschen Landestheater Prag ein und hatte dann als Gesangskomiker, vor allem in Operettenrollen, Erfolge bei Auftritten in Czernowitz (Tscherniwzi), in Baden bei Wien, in Franzensbad in Böhmen, in Olmütz (Olomouc), Preßburg (Bratislava), Karlsbad (Karlovy Vary) und Marienbad (Márianské Lazné). Er nahm an einer ausgedehnten und sehr erfolgreichen Russland-Tournee teil, bei der er in einer Anzahl von Operettenpartien auftrat und setzte seine Karriere dann in Deutschland fort. Für viele Jahre war er im komischen Fach, später auch als Spielleiter, in Bremen, Köln und am Berliner Centraltheater beschäftigt. Nachdem er dann auch noch am Irving Place Theatre in New York große Erfolge erzielt hatte, kam seine Karriere am Mellini-Theater und an der Schauburg in Hannover zum Ausklang. Er starb 1930 in Berlin.

18.5. Howard VANDENBURG: 100. Geburtstag

Gesangstudium am Curtis Institute of Music in Philadelphia. 1937 kam es zu seinem Bühnendebüt an der Oper von Philadelphia als Bariton in der Rolle des Grafen Almaviva in »Figaros Hochzeit«. Er schulte dann zum Tenor um und sang als solcher nach dem Zweiten Weltkrieg 1951-52 Opernpartien in New York. 1952 folgte er einem Ruf an die Staatsoper von München, der er bis 1961 angehörte. Hier sang er in erster Linie Partien aus dem heldischen Fachbereich: den Don José in »Carmen«, den Radames in »Aida«, den Lohengrin, den Kaiser in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, den Matteo in »Arabella«, den Florestan im »Fidelio«, den Laça in »Jenufa« von Janácek und den Julien in Louise von Charpentier. 1961-62 sang er als Gast am Stadttheater von Oberhausen. Durch Gastspiele wurde er international bekannt; 1953-54 zu Gast an der Covent Garden Oper London, wo er 1953 in der englischen Premiere der Oper »Die Liebe der Danaë« von Richard Strauss in der Partie des Midas mitwirkte. 1954 Gastspiel am Teatro San Carlo Neapel, im gleichen Jahr beim Maggio Musicale von Florenz, 1953 am Opernhaus von Zürich. Er gastierte 1955 als Lohengrin und 1959 als Matteo an der Wiener Staatsoper. Er ist weiter auch an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg und an anderen großen deutschen Häusern aufgetreten. 1959 Gastspiel an der Mailänder Scala als Erik in »Der fliegende Holländer«. In den Jahren 1963-72 war er, jetzt aber als Bariton, am Opernhaus von Dortmund engagiert. Er wirkte in den deutschen Erstaufführungen der Opern »King Priam« von M. Tippett (1963 Karlsruhe) und »Mourning Becomes Electra« von Marvin David Levy (1969 Dortmund) mit und trat in Dortmund 1967 in der Uraufführung der Oper »Eli« von Walter Steffens als Michael auf. Er starb 2000 in Kürten. – Der Künstler war in zweiter Ehe mit der englischen Sopranistin Anna Green verheiratet, die lange an der Deutschen Oper am Rhein wirkte.
Schallplatten: DGG (»Die Zauberflöte«), Fonit-Cetra (»Euryanthe« von Weber).

19.5. Antonia FAHBERG: 90. Geburtstag

Ihr Gesangstudium fand an der Wiener Musikakademie statt. 1950 debütierte sie am Landestheater von Innsbruck. 1952 wurde sie an die Bayerische Staatsoper in München berufen, an der sie länger als 25 Jahre erfolgreich wirkte. Auch als Konzert- und Oratoriensopranistin erwarb sie sich internationalen Ruf. Dabei galt sie auf dem Konzertpodium vor allem als große Interpretin der Werke von J.S. Bach. Bei den Festspielen von Salzburg sang sie 1962-64 Solopartien im Stabat mater von Rossini, in der C-Dur-Messe von Beethoven, im Te Deum von Bruckner und in »Christus am Ölberg« von Beethoven. Sie gab erfolgreiche Bühnengastspiele an den Staatsopern von Wien (1965 als Marzelline im »Fidelio« und 1978 als Ortlinde in der »Walküre«) und Hamburg, in Amsterdam und Brüssel. Sie sang zahlreiche Partien aus dem lyrischen wie dem jugendlich-dramatischen Fach, darunter die Eurydike in »Orpheus und Eurydike« von Gluck, die Woglinde im Nibelungenring, die Romilda in »Xerxes« von Händel und die Titelpartie in »Simplicius Simplicissimus« von A. Hartmann. Weiten Kreisen wurde sie durch ihr Auftreten bei den Münchner Opernfestspielen sowie durch Sendungen des deutschen Rundfunks und des Fernsehens bekannt. Sie starb 2016 in München.
Die Künstlerin sang auf mehreren Schallplattenmarken: auf DGG (»Die Zauberflöte«, Matthäuspassion sowie Kantaten von J.S. Bach), auf Da Capo (»Alexander Baius« von Händel) und auf Vox (die beiden Opern »Il Ritorno d’Ulisse in patria« und »L‘Incoronazione di Poppea« von Monteverdi), Polydor und Decca. Auf Cetra Opera Live singt sie die Diana in Glucks »Iphigenie auf Tauris«, auf Orfeo in einer Gesamtaufnahme von »Gianni Schicchi« (München 1973) und auf Gala die Rosalinde in der »Fledermaus« (Soundtrack einer Fernsehaufnahme von 1959).

20.5. Hans Hermann NISSEN: 125. Geburtstag

Er wurde zunächst Kaufmann, studierte ab 1916 jedoch Gesang bei Julius Raatz-Brockmann in Berlin. 1920 gab er seine ersten Konzerte und betätigte sich in den folgenden vier Jahren als Konzertsänger. 1924 Bühnendebüt an der Berliner Volksoper als Kalif im »Barbier von Bagdad« von Cornelius. 1925 wurde er an die Bayerische Staatsoper in München berufen, an der er länger als 40 Jahre bis 1967 wirkte (in den Jahren 1945-52 war er nicht an der Staatsoper von München engagiert). Man schätzte ihn namentlich als Wagner-Bariton. 1927 trat er in München in der Uraufführung der Oper »Coeur As« von Hugo Röhr, ebenso 1927 in der von E. Wolf-Ferraris »Das Himmelskleid« und 1932 in der von »Bettler Namenlos« von Robert Heger auf. Er trat gastweise 1928-33, 1939, 1941 sowie 1950-51 als reguläres Ensemblemitglied, schließlich nochmals 1959 (als Teiresias in »Oedipus Rex« von Strawinsky und als Musiklehrer in »Tristan und Isolde« von R. Strauss) an der Wiener Staatsoper auf. Er sang hier den Grafen in »Figaros Hochzeit«, den Don Alfonso in »Così fan tutte«, den Sprecher in der »Zauberflöte«, den Don Pizarro im »Fidelio«, den Fliegenden Holländer, den Wolfram im »Tannhäuser«, den Telramund im »Lohengrin«, den Kurwenal in »Tristan und Isolde«, den Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Wotan, den Wanderer und den Gunther im Nibelungenring, den Kalifen im »Barbier von Bagdad«, den Sebastiano in »Tiefland« von E. d’Albert, den Jochanaan in »Salome«, den Orest in »Elektra«, den Altair in »Die ägyptische Helena« von R. Strauss, den Morone in »Palestrina« von H. Pfitzner, den Mann in Bittners »Das höllisch Gold«, den Rigoletto, den Grafen Luna im »Troubadour«, den Amonasro in »Aida«, den Jago in Verdis »Otello«, den Tonio im »Bajazzo«, den Escamillo in »Carmen«, den Valentin im »Faust« von Gounod, den Lothario in »Mignon« von A. Thomas und den Oberpriester des Dagon in »Samson et Dalila« von Saint-Saens. Gastspiele führten ihn 1928 (als Wotan und als Hans Sachs) und 1934 (als Wotan) an die Londoner Covent Garden Oper, 1930 an die Grand Opéra Paris (als Kurwenal), an die Königliche Oper von Stockholm und am Opernhaus von Antwerpen. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1930 den Grafen in »Figaros Hochzeit« sowie 1936-37 den Hans Sachs unter Toscanini. 1930-32 war er Mitglied der Oper von Chicago. 1933 hörte man ihn als Gast am Stadttheater von Basel, 1934 in Den Haag (als Graf in »Figaros Hochzeit«) und am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, 1935 am Teatre Liceu Barcelona, 1936-38 an der Mailänder Scala (als Wotan und als Wanderer im Nibelungenring), 1937 bei Maggio Musicale von Florenz (als Kurwenal). 1938 debütierte er an der Metropolitan Oper New York als Wotan in der »Walküre« und sang in der Spielzeit 1938-39 dort in insgesamt 14 Vorstellungen auch den Wolfram, den Telramund, den Kurwenal, den Wanderer im »Siegfried«, den Wotan im »Rheingold« und den Don Pizarro. 1938-42 wirkte er bei den Festspielen von Zoppot mit (Telramund, Wotan, Wanderer). 1943 hörte man ihn bei den Festspielen von Bayreuth als Hans Sachs. Am Teatro Comunale Bologna sang er 1952 den Wanderer und 1953 den König Marke in »Tristan und Isolde«. Zu seinen großen Kreationen zählten neben dem Hans Sachs und dem Wotan der Renato in Verdis »Maskenball« und der Barak in »Die Frau ohne Schatten« von Richard Strauss. 1967 verabschiedete er sich an der Staatsoper von München als Minister im »Fidelio« aus seiner Karriere. Er starb 1980 in München.
Schallplatten: Homochord, HMV (»Die Meistersinger von Nürnberg«, letzter Akt unter Karl Böhm, 1937; Hugo Wolf-Lieder). Edition Toscanini (Hans Sachs in einer Aufnahme der »Meistersinger von Nürnberg«, Salzburg, 1936), Preiser (Valentin im »Faust« von Gounod; Graf Luna im »Troubadour«, Reichssender Stuttgart 1936), Preiser/Naxos (Titelrolle in »Der fliegende Holländer«), Siemens Spezial (Aufnahmen aus Bayreuth, 1943).

20.5. Miguel MARQUÉS: 175. Geburtstag

Biographie des spanischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Miguel_Marqu%C3%A9s

21.5. Juri Markowitsch BUZKO: 80. Geburtstag

Er komponierte Vokalmusik, Instrumentalmusik und Kammermusik sowie Musik für Theater und Kino. Er schrieb vier Opern, zwei Oratorien, sieben Kantaten, dreizehn Symphonien und achtzehn Konzerte für verschiedene Instrumente. Er starb 2015 in Moskau.

21.5. Ulf BJÖRLIN: 85. Geburtstag

Er studierte in Salzburg und Paris. Er arbeitete für die Königliche Oper in Stockholm. Ab dem Jahr 1962 komponierte er für das Schwedische Radio Musik für Filme und Fernsehproduktionen, darunter Musik zu den Filmen von Ferien auf Saltkrokan nach Geschichten von Astrid Lindgren. Im Jahr 1977 zog er in die USA und leitete dort das Florida Philharmonic Orchestra und das Palm Beach Symphony Orchester. Björlin komponierte etwa 100 Werke und arrangierte zahlreiche Werke für Orchester. Er starb 1993 an Leukämie in West Palm Beach und wurde auf dem Norra begravningsplatsen in Solna, Schweden bestattet. Ulf Björlin war verheiratet und hat drei Töchter und drei Söhne.

21.5. Karl Christian KOHN: 90. Geburtstag

Er studierte bis 1952 an der Musikhochschule Saarbrücken und war auch Schüler von Irene Eden. Er war bereits 1947-49 als Chorist am Stadttheater von Trier engagiert. Er debütierte 1952 am Stadttheater von Saarbrücken; seit 1954 hatte er seine ersten großen Erfolge an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, der er bis 1957 angehörte, und wo er u.a. 1954 in der Uraufführung der Oper »Die Heimkehr« von M. Mihalovici mitwirkte. 1956-58 sang er an der Städtischen Oper Berlin und war dann 1958-91 Mitglied der Bayerischen Staatsoper München. In München erregte er Aufsehen, als er in 1958 in der Eröffnungsvorstellung des wieder aufgebauten Cuvilliés-Theaters die Titelrolle in »Figaros Hochzeit« sang. Am 27.11.1963 wirkte er an der Münchner Staatsoper in der Uraufführung der Oper »Die Verlobung in San Domingo« von W. Egk, am 12.12.1969 in »Aucassin und Nicolette« von G. Bialas, bei den Schwetzinger Festspielen am 20.5.1961 in der Uraufführung von H.W. Henzes »Elegie für junge Liebende« mit. 1965-68 gastierte er in insgesamt acht Vorstellungen an der Staatsoper von Wien (als Ochs im »Rosenkavalier«, als Sarastro in der »Zauberflöte«, als Osmin in der »Entführung aus dem Serail« und als Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«). 1969 hörte man ihn am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1967 (als Ochs), 1968 (als Hunding in der »Walküre«) und 1969 (als Landgraf im »Tannhäuser«) am Teatre Liceu Barcelona, 1970 (als Landgraf) und 1971 (als König Marke in »Tristan und Isolde«) am Teatro Regio Turin, 1970 am Teatro Fenice Venedig (als Rocco im »Fidelio«), 1960 am Opernhaus von Straßburg (als Figaro in »Le nozze di Figaro«). Große Erfolge bei Gastspielen in Berlin, Hamburg und in anderen Musikzentren in Deutschland wie im Ausland. In den sechziger Jahren sang er bei den Münchner Opernfestspielen regelmäßig, vor allem den Figaro und den Ochs. Weitere Partien aus dem Bereich der Oper: Lothario in »Mignon« von A. Thomas, Ferrando im »Troubadour«, Geronte in »Manon Lescaut« von Puccini, Waldner in »Arabella« und Geisterbote in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss, Colonna im »Rienzi« von R. Wagner, Fafner im »Siegfried«, Sparafucile im »Rigoletto«, Leporello im »Don Giovanni«, Don Alfonso in »Così fan tutte«, Pater Guardian in Verdis »La forza del destino«. In einem späteren Abschnitt seiner Karriere übernahm er Charakterrollen wie den Hans Foltz in »Die Meistersinger von Nürnberg« und den Onkel Bonze in »Madame Butterfly«. Vor allem als Mozart-Interpret, aber auch als Konzert- und Oratoriensolist, geschätzt. Er wirkte später in München im pädagogischen Bereich. Er starb 2006 in München. Sein Sohn Andreas Kohn wurde wie sein Vater ein bekannter Bass-Bariton.
Seine Schallplattenaufnahmen erschienen bei HMV-Electrola (u.a. vollständige Opern »Don Giovanni«, »Oedipus der Tyrann« von C. Orff, auch Solo-Aufnahmen) und bei DGG (»Don Giovanni«, »Arabella« von R. Strauss, »Doktor Faust« von Busoni, »Wozzeck« von A. Berg, »Cardillac« von P. Hindemith), bei Memories (Kühleborn in »Undine« von Lortzing), Verona (»Serse« von Händel), Decca (Kaspar im »Freischütz«, 1979) und Orfeo (»Verlobung in San Domingo« von W. Egk, Johann im »Werther« von Massenet).

22.5. Maria Luisa CIONI: 95. Geburtstag

Die italienische Sängerin begann ihre Karriere in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde zuerst durch einen Auftritt als Page Oscar in Verdis »Un ballo in maschera« bei den Festspielen von Verona 1947 bekannt. Im gleichen Jahr gastierte sie bereits am Opernhaus von Zürich und sang an der Grand Opéra Paris die Gilda im »Rigoletto«. Sie erschien in den folgenden Jahren in der Hauptsache an Theatern in der italienischen Provinz (Piacenza, Padua, Treviso, Mantua, Trapani), wurde dann aber durch ihre Interpretation der Lucia di Lammermoor in der gleichnamigen Donizetti-Oper bekannt. Sie sang diese schwierige Partie am Teatro Comunale Florenz, am Teatro Regio Parma, am Teatro Comunale Bologna und am Teatro Margherita Genua. An der Mailänder Scala debütierte sie 1968 als Marie in »La fille du régiment«; dort hörte man sie dann auch 1968 und 1970 als Lucia di Lammermoor, 1969 in der Titelrolle von Donizettis »Maria di Rohan«, 1970-71 als Gilda, 1971 als Elvira in Bellinis »I Puritani«, 1972 in der Titelrolle von Donizettis »Linda di Chamounix«, 1975 in der Titelrolle von Bellinis »Norma«, 1978 als Amalia in Verdis »I Masnadieri«, 1979 als Adina in »L’Elisir d‘amore«, als Butterfly und als Mimì in »La Bohème«. Die Gilda sang sie auch 1972 bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom. Sie unternahm dazu sehr erfolgreiche Auslandsgastspiele. So sang sie in Kairo (1963 die Traviata), am Teatre Liceu Barcelona (1969 die Micaela in »Carmen«, 1979 in »I quattro rusteghi« von E. Wolf-Ferrari), an der Oper von Antwerpen (1971-72), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1971), am Opernhaus von Toulouse (1968 die Elvira in »I Puritani«), in Straßburg (1968 die Traviata), Lausanne (1971-72), Johannesburg (1975 Leonore in Verdis »La forza del destino«), an der Volksoper Wien (Lucia di Lammermoor) und an der Staatsoper Wien (1967 den Pagen Oscar). Gegen Ende ihrer Karriere nahm sie auch schwerere Partien in ihr Repertoire auf, darunter die Titelheldin in »Anna Bolena« von Donizetti, die Aida und vor allem die Norma von Bellini, die sie am Teatro Comunale Florenz und am Teatro Fenice Venedig vortrug. Weitere Partien, die sie sang, waren die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Giulia in Spontinis »La Vestale«, die Marguerite im »Faust« von Gounod und die Mrs. Jessel in »The Turn of the Screw« von B. Britten. Ihre Karriere kam in den Jahren um 1980 zum Ausklang. Sie starb 2016 in Mailand. Sie war mit dem italienischen Radrennfahrer Adolfo Leoni (1917-1970) verheiratet.

23.5. Aimé DONIAT: 100. Geburtstag

Er trat bereits als Autodidakt mit Gesangsprogrammen auf, und man riet ihm, seine Stimme ausbilden zu lassen. Dies geschah am Konservatorium von Montpellier, wo er gleichzeitig auch das Fagottspiel studierte. Sein offizielles Debüt wurde durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verhindert. 1941 wurde er dann als Chorsänger bei Radio Marseille angestellt; nach Kriegsende begann er dort mit Auftritten in Operetten-Partien (»Véronique« von Messager und »Rêve de Valse« – »Ein Walzertraum« – von O. Straus). Er verlegte dann seine Tätigkeit nach Paris und trat hier ebenfalls am Théâtre des Variétés in Operetten, aber auch am Rundfunk, auf. Es schlossen sich zwei Spielzeiten am Opernhaus von Algier an, wo er wiederum in verschiedenen Operetten auftrat. Er kehrte dann nach Frankreich zurück und wirkte in Paris als Konzert-, vor allem aber als Rundfunksänger. In einem späteren Abschnitt seiner Karriere war er in Paris als Pädagoge tätig; er sollte eine Professur am Conservatoire von Versailles übernehmen, als er plötzlich 1973 starb.
Er hinterließ sehr viele Schallplattenaufnahmen, die unter den verschiedensten Etiketten veröffentlicht worden waren. Alleine bei Véga wurde eine umfangreiche Serie mit französischer Volksmusik publiziert, auf der gleichen Marke erschienen Gesamtaufnahmen von Gounods »Mireille« und von »Tosca«, auf MMS »Hoffmanns Erzählungen«, auf RCA »Les Bavards« von Offenbach, auf Decca »La Dame blanche« von Boieldieu, auf Pathé Operettenaufnahmen, auf GID Lehárs »Die lustige Witwe«, auf Bourges »Barbe-bleue« und weitere Offenbach-Operetten. Hinzu kommen zahlreiche Aufnahmen aus dem Bereich des gehobenen Unterhaltungsliedes auf diversen Marken; auch Mitschnitte von Radiosendungen.

23.5. Erik WERBA: 100. Geburtstag

Er war der Sohn des aus Graz gebürtigen Komponisten (Musikdirektors und Vizepräsidenten des 1896 gegründeten Österreichisch-ungarischen Musikerverbandes) Ludwig Werba (1884–1945), der an seinem Wohnort Baden bei Wien (Brenekgasse 2) am 2. April 1945 Opfer eines Fliegerangriffs wurde. Erik Werba besuchte die Akademie für Musik und darstellende Kunst sowie die Universität Wien; 1940 erfolgte an der Universität Wien die Promotion zum Dr. phil. (Dissertation: Die Rolle und Bedeutung des Sängers bei Homer, Hesiod und Pindar). Werba war dann als Musikkritiker tätig und leitete nach dem Zweiten Weltkrieg die Mozartgemeinde. Neben seiner Arbeit als Musikreferent und als Mittelschullehrer spezialisierte er sich auf Klavierbegleitung. 1949-90 war er Professor für Lied und Oratorium an der Wiener Musikhochschule, 1964-71 auch an der Hochschule in Graz. Internationale Bekanntheit erlangte er als Begleiter prominenter Sänger wie Irmgard Seefried, Christa Ludwig, Walter Berry, Peter Schreier und Nicolai Gedda. In Salzburg, Gent, Stockholm, Tokio und Helsinki unterrichtete er auch Liedbegleitung. Weiters war er in den Redaktionen des Mitteilungsblattes der Mozartgemeinde „Wiener Figaro“, der „Österreichischen Musikzeitschrift“ und der „Musikerziehung“ tätig. Er trat auch als Komponist von Bühnen- und Kammermusik sowie von Liedern hervor. Er starb 1992 in Hinterbrühl.

25.5. Josef HOPFERWIESER: 80. Geburtstag


Als „Stolzing“

Er war der Sohn eines Orgelbauers in Graz, wurde zunächst Autolackiermeister und besaß einen eigenen Betrieb in Graz. 1960 entschloss er sich zum Gesangstudium. Er war Schüler von Frau Herma Handl in Graz. 1964 begann er seine Karriere am Staatstheater von Braunschweig (Debüt als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«). Von dort ging er für die Jahre 1967-69 an das Opernhaus von Essen und sang 1969-73 an der Oper von Frankfurt a.M. An diesem Haus trat er u.a. als Alwa in »Lulu« von A. Berg, als Tom Rakewell in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, als Don Carlos von Verdi, als Riccardo in dessen »Maskenball« und als Don José in »Carmen« auf. 1973 erfolgte seine Berufung an die Wiener Volksoper, an der er u.a. als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, als Alfred in der »Fledermaus«, als Don José, als Phoebus in »Notre Dame« von Fr. Schmidt, als Pedro im »Tiefland« von d’Albert, als Prinz in »Die Liebe zu den drei Orangen« von Prokofjew sowie als Herr der Vögel und Phoebus in Henry Purcells »Die Feenkönigin« zu sehen war. Er war gleichzeitig an der Wiener Staatsoper engagiert, an der er bereits 1970 als Hoffmann debütiert hatte. Hier sang er bis 1998 in insgesamt mehr als 470 Vorstellungen, u.a. den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, den Boris wie den Tichon in »Katja Kabanowa« von Janácek, den Max im »Freischütz«, den Alfred, den Elemer wie den Matteo in »Arabella«, den Froh im »Rheingold«, den Aegisth in »Elektra«, den Narraboth wie den Herodes in »Salome« von R. Strauss, den Tamino in der »Zauberflöte«, den Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, den Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, den Kunz Vogelgesang wie den Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Stewa in »Jenufa« von Janácek, den Tambourmajor im »Wozzeck« von A. Berg, den Kaiser in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, den Arindal in einer konzertanten Aufführung von Wagners »Die Feen«, den Pizarro in »Karl V.« von Krenek, den Erik in »Der fliegende Holländer«, den Hans, den Kavalier in »Cardillac« von P. Hindemith und den Laios in »Oedipe« von Enescu. Er wandte sich im Ablauf seiner Karriere mehr und mehr dem heldischen und dem Wagner-Repertoire zu und sang Partien wie den Froh (München, 1987), den Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky (Braunschweig 1992) und den Fritz in »Der ferne Klang« von F. Schreker. Er trat als Gast an den Staatsopern von Stuttgart und Hamburg und am Opernhaus seiner Heimatstadt Graz auf. 1986 wirkte er in München in der Uraufführung der Oper »Troades« von Aribert Reimann mit. Als Alwa in Alban Bergs »Lulu« gastierte er 1971 an der San Francisco Opera (zugleich sein US-Debüt) und 1988 in Madrid; auch an der Mailänder Scala (1971 als Andres im »Wozzeck« von A. Berg und 1987 bei einem Gastspiel der Bayerischen Staatsoper München als Kavalier in »Cardillac« von P. Hindemith), an der Oper von Rom, an den Opernhäusern von Nancy und Lyon aufgetreten. Als Operettensänger und als Konzertsolist kam er gleichfalls zu einer bedeutenden Karriere. Er starb 2015 in Graz.
Schallplatten: MRF (»Notre Dame« von Franz Schmidt in einer Aufnahme aus der Wiener Volksoper von 1978), Decca (Alwa in »Lulu« von Alban Berg), HMV (»Troades« von A. Reimann), Naxos (Eisenstein in der »Fledermaus«).

25.5. Alexandra HUNT: 85. Geburtstag

Die amerikanische Sängerin erhielt ihre Ausbildung am Vassar College und an der Juilliard School of Music; sie betrieb wissenschaftliche Studien an der Pariser Sorbonne und debütierte für die Bühne 1971 an der Mailänder Scala als Marie in Alban Bergs »Wozzeck«. 1972 und 1973 gastierte sie beim Wexford Festival in der Titelrolle von Janáceks »Katja Kabanowa«. Sie sang 1974 beim Janácek Festival in Brno die Jenufa in einer konzertanten Aufführung der Oper und 1975 an der Norfolk Opera als Tosca. An der City Opera New York übernahm sie 1975 eine kleine Rolle in »Lady Macbeth von Mzensk« (»Katerina Ismailowa«) von Schostakowitsch. 1977 hatte sie an der Metropolitan Oper New York (bei ihrem Debüt und zugleich einzigen Vorstellung dort) einen großen Erfolg in der Titelrolle der Oper »Lulu« von A. Berg. Beim Janácek Festival in Brno (Brünn) sang die Künstlerin die Katja Kabanowa in der gleichnamigen Oper von L. Janácek in tschechischer Sprache. Mit dem Philadelphia Orchestra zusammen sang sie das Sopransolo in der Lukas-Passion von Krzysztof Penderecki. Sie gastierte u.a. an der Providence Opera und an der Nationaloper Bukarest als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, an der Staatsoper Hamburg (Marie im »Wozzeck«), an der Florentine Opera und der Kentucky Opera (Lady Macbeth in »Macbeth« von Verdi). An Opernhäusern in Bulgarien, Rumänien und in der CSSR erlebte man ihre Gestaltung der Tosca. Von ihren vielen Konzertauftritten seien Aufführungen der 4. Sinfonie von Gustav Mahler in Bogotà sowie der 9. Sinfonie von Beethoven in Omaha und des Moines erwähnt. Sie war auch schriftstellerisch tätig und fertigte neue Übersetzungen der Libretti der Mozart-Opern »Don Giovanni« und »Così fan tutte« ins Englische an. Sie starb 2006 in New York City.
Schallplatten: Orion Records (Lieder von John Alden Carpenter, Charles T. Griffith und Edward MacDowell); Decca-Video (»Giulio Cesare« von Händel).

25.5. Almar HEGGEN: 85. Geburtstag

Er begann das Gesangstudium am Konservatorium von Oslo und war danach Schüler von Paul Lohmann in Wiesbaden und von Clemens Kaiser-Breme in Essen. Bühnendebüt 1957 bei der Norsk Operaselskap in Oslo als Masetto im »Don Giovanni«. Lange Jahre hindurch wirkte er als erster Bassist an der Oper von Oslo. Er war für mehr als zehn Jahre an deutschen Theatern engagiert: 1958-60 am Opernhaus von Wuppertal, 1960-61 an der Städtischen Oper Berlin, 1961-64 am Stadttheater von Freiburg i.Br., 1964-66 am Staatstheater von Wiesbaden, 1966-69 am Opernhaus von Nürnberg, zugleich 1967-70 am Gärtnerplatztheater in München. Dann kehrte er nach Norwegen und Oslo zurück, wo er zuvor bereits gastweise aufgetreten war. Gastspiele an der Staatsoper Stuttgart, am Opernhaus von Frankfurt a.M. wie auch an der Königlichen Oper Stockholm. Am Opernhaus von Nürnberg wirkte er am 23.9.1969 in der Uraufführung der Oper »Träume« des koreanischen Komponisten Isang Yun mit. An der Wiener Staatsoper trat er 1960 im Rahmen eines Gastspiels der Städtischen Oper Berlin in »Moses und Aron« von A. Schönberg auf. Aus seinem Repertoire für die Bühne sind der Rocco im »Fidelio« (den er auch in einem Film darstellte), der König Philipp wie der Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, der Pater Guardian in »La forza del destino«, der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Tiresias in »Oedipus Rex« von Strawinsky, der Daland in »Der fliegende Holländer«, der Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Fafner, der Hagen wie der Hunding im Nibelungenring, der König Marke in »Tristan und Isolde«, der Ochs im »Rosenkavalier«, der St. Just in »Dantons Tod« von G. von Einem, der Ptolemäus in »Giulio Cesare« von Händel und der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut« zu nennen. Auch im Konzertsaal ist seine machtvolle, dunkle Bass-Stimme in einer Vielfalt von Aufgaben hervorgetreten. Pädagogische Tätigkeit in Oslo. Er starb 2014 in Oppegård.
Schallplatten: HMV; Aurora (Gesamtaufnahme »Gespenster« von Bibalo).

25.5. Aida MONTES: 125. Geburtstag

1913 sang sie in Rotterdam die Woglinde und den Waldvogel in Aufführungen des Nibelungenrings. Die Sängerin kam über das Stadttheater von Bremen, wo sie 1913-19 engagiert war, bereits in der Spielzeit 1918-19 zu einem Gastspiel an die Hamburger Oper und wurde im folgenden Jahr deren Mitglied. Bis 1935 blieb sie Mitglied der Staatsoper von Hamburg und gastierte dort nochmals in der Saison 1941-42. Sie war verheiratet mit dem Kapellmeister Karl Gotthardt (1888-1970), der seit 1906 in Hamburg wirkte, und zeichnete sich in einem umfangreichen lyrisch-dramatischen Repertoire aus. So sang sie Partien wie die Tosca, die Butterfly, die Carmen, die Gräfin und die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Ortrud im »Lohengrin«, die Myrtocle in d’Alberts »Die toten Augen«, die Minnie in Puccinis »La Fanciulla del West« und die Martha in »Tiefland« von d’Albert. 1925 übernahm sie in Hamburg in der deutschen Erstaufführung von Ravels »L’Heure espagnole« die Partie der Concepcion. 1919 gastierte sie in Zürich als Carmen, 1931 im Haag in Holland als Wellgunde und als 2. Norn in der »Götterdämmerung«. Neben ihrem erfolgreichen Wirken auf der Bühne hatte sie eine zweite, nicht weniger bedeutende Karriere als Konzert- und Oratoriensängerin. In den letzten zwanzig Jahren nach Abschluss ihrer Sängerkarriere war sie in Hamburg als gesuchte Pädagogin tätig. Sie starb 1974 in Hannover. Zu Beginn ihrer Karriere ist sie auch unter dem Namen Aida Hölzer-Montes, auch als Aida Montes-Quinche aufgetreten.
Schallplatten der Sängerin sind nicht bekannt.

26.5. Kari NURMELA: 85. Geburtstag

Er studierte anfänglich Wirtschaftswissenschaft und brachte dieses Studium zum akademischen Abschluss. Er ließ seine Stimme durch die Pädagogen Nyberg in Helsinki, Radamsky in Wien und Merlini in Mailand ausbilden. Bühnendebüt an der Nationaloper von Helsinki 1961 als Graf Luna im »Troubadour«. Gewinner des Concours International de Chant de Belgique 1962. Er sang dann nacheinander am Landestheater Detmold (1962-63), am Stadttheater von Freiburg i. Br. (1963-66), am Staatstheater von Braunschweig (1966-67) und an der Staatsoper von Stuttgart (1967-78). Große Erfolge bei Auftritten an den Staatsopern von München und Hamburg, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, in Hannover, Karlsruhe, Frankfurt a.M., Kassel, am Nationaltheater Prag, an der Staatsoper von Wien (1982-83 als Scarpia in »Tosca« und als Enrico in »Lucia di Lammermoor« in insgesamt acht Vorstellungen), an der Pariser Grand Opéra (1983 als Jago in Verdis »Otello«), in Marseille und Nancy und bei den Festspielen von Orange. Er wirkte beim Maggio Musicale von Florenz mit, gastierte in Bologna, Palermo, Genua und Venedig, am Teatro San Carlos Lissabon, am Teatre Liceu Barcelona (1983), in Basel und Genf (1970 als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«), in Chicago und Seattle. Seit 1970 ständiges Mitglied des Opernhauses von Zürich. 1979 zu Gast an der Covent Garden Oper London; er sang 1983 bei den Festspielen von Savonlinna den Fliegenden Holländer und den Titelhelden in Verdis »Macbeth«. Er gestaltete auf der Bühne in erster Linie das italienische dramatische Fach, wurde aber auch in Werken von R. Wagner, Lortzing, R. Strauss und Carl Orff gefeiert; bedeutend auch als Mozart-Interpret wie als Konzertsänger. Er starb 1984 in Helsinki.
Schallplatten: HMV (integrale Aufnahme des »Bajazzo« von Leoncavallo in der Partie des Tonio), Bongiovanni (Arienplatte, Mitschnitt eines Konzerts in Ferrara).

26.5. Helga JENCKEL: 95. Geburtstag

Sie absolvierte das Gesangstudium an der Musikhochschule von Köln. 1951 debütierte sie am Opernhaus von Köln als Pauline in »Pique Dame« von Tschaikowsky und als Vera Boronel in »Der Konsul« von Menotti und war dann 1951-52 am Stadttheater von Gelsenkirchen engagiert, 1952-53 am Staatstheater Wiesbaden, 1953-55 am Opernhaus von Köln, 1955-56 am Stadttheater von Lübeck. Seit 1959 gehörte sie dann bis 1972 wieder dem Kölner Opernhaus als geschätztes Ensemblemitglied an. Sie übernahm dort Partien wie den Cherubino in »Figaros Hochzeit«, die Fatima im »Oberon« von Weber, den Hänsel in »Hänsel und Gretel« von Humperdinck, die Annina im »Rosenkavalier«, die Margret im »Wozzeck« von A. Berg, die Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss, die Marfa in »Chowanschtschiba« von Mussorgsky, dazu viele andere Aufgaben aus allen Bereichen der Opernliteratur. Auch in zeitgenössischen Werken erschien sie auf der Bühne, 1957 in Köln in der Uraufführung von Wolfgang Fortners »Bluthochzeit« und am 15.2.1965 in der Kölner Uraufführung der Oper »Die Soldaten« von Bernd-Alois Zimmermann (als Charlotte). In der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Kölner Opernhauses am 18.5.1957 sang sie den Puck im »Oberon« von Weber. Sie trat als Gast am Théâtre de la Monnaie in Brüssel (1961-65) und bei den Salzburger Osterfestspielen (1967 als Roßweiße in der »Walküre«) auf und hatte als Konzert- wie als Liedersängerin eine erfolgreiche Karriere. Nach ihrem Abschied von der Bühne war sie bis 1990 in Köln im pädagogischen Bereich tätig. Sie starb 2000 in Köln. Sie war verheiratet mit dem Komponisten und Organisten Friedrich Wilhelm Spies (1913-95).
Schallplatten: DGG (Schwertleite in vollständiger »Walküre«), Wergo (»Die Soldaten« von B.A. Zimmermann).

26.5. Eugène Aynsley GOOSENS: 125. Geburtstag

Er entstammte einer Musikerfamilie belgischer Herkunft und war Sohn des Dirigenten und Violinisten Eugène Goossens. Er studierte ab 1903 Musik in Brügge, dann in Liverpool und ab 1907 in London am Royal College of Music, unter anderem bei Charles Villiers Stanford und Charles Wood. 1912 dirigierte Goossens sein eigenes op. 1, Variations on a Chinese Theme, am Royal College. 1911-15 war er Violinist im Queen’s Hall Orchestra und wurde dann dort, gefördert von Thomas Beecham, Direktionsassistent. 1921 leitete er die britische Erstaufführung von Le sacre du printemps von Igor Strawinsky, worauf ihn Djagilew als Dirigent für die Ballets Russes engagierte. 1923-31 wirkte er in den USA als Dirigent des Rochester Philharmonic Orchestra, dann 1931-46 als Dirigent des Cincinnati Symphony Orchestra als Nachfolger von Fritz Reiner. 1942 regte Goossens verschiedene Komponisten zur Komposition patriotischer Fanfaren anlässlich des amerikanischen Eintritts in den Zweiten Weltkrieg an. Unter den entstandenen Beiträgen war auch die bis heute sehr bekannt gebliebene Fanfare for the Common Man von Aaron Copland. 1947-56 arbeitete er in Australien, wo er unter anderem das Sydney Symphony Orchestra leitete und Direktor des NSW State Conservatorium of Music wurde. 1955 wurde Goossens, mittlerweile eine der führenden Persönlichkeiten des australischen Kulturlebens, in den Adelsstand erhoben. Im März 1956 zwang ein Skandal Goossens zum Rückzug von allen seinen Positionen. Vorausgegangen war eine jahrelang geheim gehaltene Beziehung zu Rosaleen Norton, die als sogenannte „Witch of Kings Cross“ im Rotlichtviertel Sydneys lebte und dort, unter anderem wegen Praktizierung erotisch-okkulter Riten, gewisse Bekanntheit genoss. Nach Rückkehr von einer Europareise durchsuchte die von Informanten aufmerksam gemachte australische Flughafenpolizei Goossens‘ Gepäck, wobei Bücher und Bilder pornographischen Inhalts neben weiteren Utensilien gefunden wurden, deren Einfuhr nach Australien nach damaliger Rechtslage verboten war. Die Affäre mit Norton wurde öffentlich, was seine Reputation derart beschädigte, dass er Australien verließ und nach England zurückkehrte. Dort dirigierte er u. a. für die Plattenfirma Everest Records einige Stereo-Aufnahmen. Sein letztes Konzert gab er 1962 mit dem London Symphony Orchestra. Goossens verfasste eine Autobiographie mit dem Titel Overture and Beginners: A Musical Autobiography. Er strab 1962 in Hillington bei London.
Unter den Werken von Goossens finden sich zwei Sinfonien (1940, 1946), zwei Streichquartette, zwei Violinsonaten, ein Concertino für Oktett (auch in Fassung für Streichorchester) neben weiterer Kammermusik. Außerdem schrieb er zwei Opern (Don Juan de Mañara wurde von der BBC im April 1959 unter Goossens eigener Leitung gesendet), das Oratorium The Apocalypse und ein Oboenkonzert, das für seinen Bruder Léon Goossens entstand. Seine Musik ging vom französischen Impressionismus aus, griff aber auch modernere Elemente auf und zeigt eine Vorliebe für groteske und exotische Wirkungen. Sie wird erst etwa seit Mitte der 1990er-Jahre, auch durch Aufnahmen der Australian Broadcasting Corporation, wiederentdeckt.
Der Skandal von 1956 fand später Widerhall in Literatur, Musik und Film. So wurde er Grundlage der Novelle Pagan (1990) von Inez Baranay, inspirierte das Schauspiel The Devil is a Woman von Louis Nowra sowie die Oper Eugene & Roie des Komponisten Drew Crawford. Außerdem wird er in Geoffrey Burtons Film The Fall of the House behandelt.

26.5. Louise RANCO: 150. Geburtstag

Sie war an der Münchner Musikakademie Schülerin von Frau Schimon-Regan, Hasselbeck, Bouillot und von Frau Harry-Buchholz. 1886 debütierte sie am Stadttheater von Basel und sang dann 1887 in Chemnitz, 1888 in Metz, 1889 in Lübeck, 1890 in Magdeburg, schließlich 1892-93 an der Hofoper von München. 1893 trat sie am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater Berlin, 1894-95 am Stadttheater von Würzburg auf und gab danach Gastspiele an zahlreichen deutschen Bühnen. Sie war eine hervorragende Vertreterin des dramatischen Sopranfachs und erreichte ihre besten Leistungen als Elsa im »Lohengrin«, als Brünnhilde in den Opern des Nibelungenrings, als Elisabeth wie als Venus im »Tannhäuser«, als Sieglinde in der »Walküre«, als Agathe im »Freischütz«, als Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer, als Leonore im »Fidelio« und als Titelfigur in »Mignon« von A. Thomas. Sie starb 1902 in Altenburg (Thüringen). Die zu früh dahingegangene Künstlerin war verheiratet mit dem Heldentenor Robert Becker, der 1891-1904 am Hoftheater von Coburg engagiert war und danach noch bis 1907 an den Bühnen von Aachen, Regensburg, Würzburg und seit 1899 am Hoftheater von Altenburg in Thüringen gastierend auftrat. Er sang auf der Bühne u.a. den Tannhäuser, den Lohengrin, den Manrico im »Troubadour«, den Riccardo in Verdis »Maskenball« und den Matthias im »Evangelimann« von W. Kienzl. Er betätigte sich dazu als Konzertsänger.

27.5. Elizabeth HARWOOD: 80. Geburtstag

Sie verlebte ihre Kindheit in der Grafschaft Yorkshire. Sie wurde zuerst durch ihre Mutter, die Gesangpädagogin war, unterrichtet und studierte dann 1956-60 am Royal College of Music in Manchester bei E. Langston, L. Nanen und Edna Thurston. 1960 gewann sie den Kathleen Ferrier-Preis. 1960 erfolgte ihr Konzertdebüt in London. Bereits 1960 sang sie im Chor der Festspiele von Glyndebourne und durfte dabei auch den zweiten Knaben in der »Zauberflöte« von Mozart singen. Ihr eigentliches Operndebüt fand 1961 an der Sadler’s Wells Oper in London als Gilda im »Rigoletto« statt. Dort erregte sie 1962 als Pamina in der »Zauberflöte« und 1964 als Konstanze in der »Entführung aus dem Serail« Aufsehen. Bis 1965 Mitglied dieser Gesellschaft, wo sie später als ständiger Gast auftrat. 1963 gewann sie den Internationalen Gesangwettbewerb von Busseto. 1965 unternahm sie eine Gastspiel-Tournee durch Australien mit der Sutherland-Williamson Company. Man hörte sie beim Aldeburgh Festival und am Opernhaus von Köln. Seit 1967 an der Covent Garden Oper London verpflichtet (Debüt als Fiakermilli in »Arabella«). 1967-79 war sie regelmäßig auch bei der Scottish Opera Glasgow zu hören (als Fiordiligi in »Così fan tutte«, als Sophie im »Rosenkavalier«, als Titelheldin in Donizettis »Lucia di Lammermoor«, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« und als Rosalinde in der »Fledermaus«). 1967-69 sang sie bei den Festspielen von Aix-en-Provence die Konstanze, die Fiordiligi und die Donna Elvira im »Don Giovanni«. 1971 übernahm sie beim Glyndebourne Festival die Fiordiligi, 1973 die Gräfin in »Le nozze di Figaro« sowie 1980 und 1982 die Marschallin im »Rosenkavalier«. Man bewunderte ihre Kunst des Mozartgesanges auch bei den Festspielen von Salzburg in den Rollen der Fiordiligi (1970), der Konstanze (1970-74) und der Gräfin in »Le nozze di Figaro« (1972-76). 1970 gastierte sie an der Staatsoper von Hamburg, 1971 an der Stuttgarter Staatsoper; 1972 feierte man sie an der Mailänder Scala als Konstanze, 1975 bei den Wiener Festwochen im Theater an der Wien als Rosalinde. 1976 gastierte sie mit dem Ensemble der Londoner Covent Garden Opera an der Mailänder Scala in »Benvenuto Cellibi« von Berlioz. Weitere Gastspiele führten sie an die Opern von Genf (1968 als Vitellia in Mozarts »La clemenza di Tito«, 1973 als Fiordiligi und 1977 als Gräfin in »Le nozze di Figaro«), Kopenhagen, Monte Carlo, an das Théâtre de la Monnaie Brüssel und an die Pariser Grand Opéra (1974 als Gräfin in »Le nozze di Figaro«). 1975 an die New Yorker Metropolitan Oper berufen (Antrittsrolle: Fiordiligi). Bis 1978 sang sie hier in insgesamt 14 Vorstellungen auch die Donna Elvira. In der Saison 1979-80 hörte man sie bei der Opera North Leeds als Hanna Glawari in Lehárs »Die lustige Witwe«. 1986 nahm sie an einer weiteren Australien-Tournee teil. Allgemein galt sie als eine der bedeutendsten Mozart-Interpretinnen ihrer Epoche, doch hatte sie auch als Konzertsopranistin eine große Karriere. Ausgezeichnet auch als Lied-Interpretin, namentlich der Lieder von Richard Strauss, und als Oratoriensolistin (geistliche Musik von Poulenc). Sie starb nach langer Krankheit 1990 in Ingatestone-Fryerning (Essex).
Sie war verheiratet mit dem Industriekaufmann Julian Royle.
Lit: M. Kenneth: Elizabeth Harwood (in »Opera«, 1990).
Zahlreiche Schallpatten haben uns die ebenso ausdrucksvolle wie elegant geführte, hoch musikalische Stimme der Sängerin überliefert. Sie erschienen bei Decca (Musetta in »La Bohème«, Titania in »A Midsummernight’s Dream« von Britten, »Die lustige Witwe«, »Rosina« von William Shield) bei HMV (Messias von Händel, »A Village Romeo and Juliet« von Delius), HMV (Sullivan-Operette »Ruddigore«) und DGG (»Elias« von Mendelssohn, »Christus am Ölberg« von Beethoven).

27.5. Marie WITTICH: 150. Geburtstag


Als Sieglinde

Sie studierte Gesang bei Frau Ober-Ubrich (einer Schwester der berühmten Asminde Ubrich) in Würzburg und debütierte bereits 1882 (angeblich im Alter von 14 Jahren) in Magdeburg als Azucena im »Troubadour« von Verdi. Sie sang nacheinander in Düsseldorf, Basel (1883), an der Hofoper Dresden (1884-86) und am Hoftheater von Schwerin (1886-89). Hier trug sie in der Eröffnungsvorstellung des nach dem großen Brand von 1882 wieder aufgebauten Hoftheaters am 3.10.1886 die Titelpartie in Glucks »Iphigenie in Aulis« vor. Sie wurde dann 1889 nach einem Gastspiel als Leonore im »Fidelio« und als Senta in »Der fliegende Holländer« erneut an die Hofoper von Dresden engagiert. Während der folgenden 25 Jahre wirkte sie hier als erste Sopranistin, und ihre Tätigkeit in Dresden fiel in eine besondere Glanzzeit dieses Opernhauses, das unter der Leitung des Dirigenten Ernst von Schuch eine führende Position unter den deutschen Opernbühnen einnahm. Marie Wittich erreichte dabei ihre besten Leistungen im dramatischen Fach und in der Interpretation von Wagner-Partien. Am 10.3.1892 wirkte sie dann mit an der Dresdner Hofoper in der Uraufführung der Oper »Herrat« von Felix Draeseke, am 8.12.1892 in der Uraufführung der Oper »Frauenlob« von Reinhold Becker mit, am 17. 2. 1897 in der Uraufführung der Oper »Haschisch« von Oscar von Chelius, am 29.5.1901 in der der Oper »Manru« von I. Paderewski, am 12.12.1896 in »Odysseus Heimkehr«, am 20.3.1901 in »Nausikaa« von August Bungert (beide aus der Tetralogie »Homerische Welt«) mit. Von großer musikhistorischer Bedeutung war ihr Auftreten in der Uraufführung der Oper »Salome« von Richard Strauss am 9.12.1905, in der sie die Salome sang. Obwohl sie von ihrer äußeren Erscheinung her in keiner Weise der jungen jüdischen Prinzessin entsprach und Richard Strauss (der sie als »Tante Wittich« bezeichnete) gerne Annie Krull in dieser Partie gesehen hätte, konnte sie, gestützt auf die Tradition der Dresdner Oper, ihr Anrecht auf die Partie durchsetzen. Wenn sie auch beim Tanz der sieben Schleier durch die Ballerina Sidonie Korb ersetzt werden musste, wurde die Aufführung auf Grund ihrer groß dimensionierten dramatischen Stimme ein glänzender Erfolg. (Im Grunde stand sie der Partie der Salome ablehnend gegenüber und soll sich geäußert haben, sie wolle sie lieber doch nicht übernehmen, da sie »eine anständige Frau« sei). 1905-06 war sie an der Covent Garden Oper London zu Gast, wo sie die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Elsa im »Lohengrin« und die Brünnhilde in der »Walküre« sang. Weitere Gastspiele am Deutschen Theater Prag (1902), an der Münchner Hofoper (1906, 1907) und am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1907). Einen weiteren Höhepunkt erreichte ihre Karriere bei den Festspielen von Bayreuth, wo sie 1901-02 und 1904 die Sieglinde in der »Walküre«, 1901-02, 1904 und 1909 die Kundry im »Parsifal« und 1906 die Isolde in »Tristan und Isolde« sang. Bereits 1894 hatte sie beim Amsterdamer Wagner-Verein für Holland die Partie der Sieglinde kreiert. 1914 nahm sie in Dresden als Isolde von der Bühne Abschied. Nach Beendigung ihrer Karriere war sie in Dresden auf pädagogischem Gebiet tätig. Sie starb 1931 in Dresden. – Sie war verheiratet mit dem Dresdner Stadtrat Dr. Paul.
Die Stimme der großen Sängerin ist nicht durch Schallplatten überliefert.

28.5. Elena SOULIOTIS: 75. Geburtstag

Ihre Mutter stammte aus Griechenland, der Vater war Russe. Als sie fünf Jahre alt war, kam sie nach Buenos Aires. Hier begann sie das Gesangstudium bei Alfredo Bontà, Jascha Galperin und Bianca Lietti. 1962 wurde sie zur Gesangsausbildung nach Italien geschickt; hier studierte sie dann bei Mercedes Llopart in Mailand. 1964 debütierte sie am Teatro San Carlo in Neapel als Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Ihre Karriere entwickelte sich sehr schnell. 1965 gab sie Gastspiele an italienischen und spanischen Bühnen. 1965-66 erschien sie auch an den Opern von Mexico City und Chicago (Elena in »Mefistofele« von Boito); im gleichen Jahr hatte sie in der Carnegie Hall in New York einen besonderen Erfolg in einer konzertanten Aufführung von Donizettis »Anna Bolena«. 1966 debütierte sie als Abigaille in Verdis »Nabucco« an der Mailänder Scala; an der sie dann auch 1968 die Titelrolle in Catalanis »Loreley« und nochmals die Abigaille sowie 1981 die Susanna in »Chowanschtschina« von Mussorgsky sang. Die Abigaille sang sie auch 1968 in einer konzertanten Aufführung der Oper in London. Gastspiele an den großen Opernhäusern in Italien, Spanien, Portugal, Südamerika und Griechenland schlossen sich an. 1972 erlebte man sie an der Wiener Staatsoper (als Santuzza) und an der Grand Opéra Paris. 1969, 1972 und 1973 trat sie gastweise an der Londoner Covent Garden Oper als Santuzza, als Abigaille und als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth« auf. Wahrscheinlich wurde ihre Stimme durch das ständige Singen der schweren dramatischen Partien überfordert, so dass sie ihre Karriere unterbrechen musste. Seit 1986 übernahm sie wieder Charakterpartien im Mezzosopran-Fach. So trat sie in Florenz in Prokofjews »Der Spieler« und beim Maggio Musicale von Florenz 1988 als Principessa in »Suor Angelica« von Puccini auf. 1999 sang sie an der Staatsoper Stuttgart die alte Gräfin in Tschaikowskys »Pique Dame«. Sie hatte ihren Wohnsitz in Florenz, wo sie 2004 starb.
Die große kraftvolle Stimme der Künstlerin begegnet uns auf Decca (u.a. vollständige Opern »Nabucco«, »Cavalleria rusticana«, »Macbeth« von Verdi, »Anna Bolena« von Donizetti, »Norma«, »Suor Angelica« mit Mirella Freni als Partnerin) und auf BJR (»Loreley« von Catalani nach einer Aufführung an der Scala 1968). Weitere Aufnahmen auf Melodram (»Luisa Miller« von Verdi) und Nuova Era (»Nabucco«, »Loreley« von Catalani).

28.5. György LIGETI: 95. Geburtstag

Er war der Sohn der Augenärztin Ilona Somogyi und des Nationalökonomen und Bankfachmanns Sándor Ligeti. Die Familie seines Vaters, zu der auch der berühmte Geiger Leopold Auer gehörte, hieß ursprünglich Auer, hatte aber um die Jahrhundertwende einer Assimilierungstendenz folgend ihren Namen von Auer zu Ligeti magyarisiert. Dasselbe gilt für die Familie seiner Mutter, die sich ursprünglich Schlesinger nannte. Die Eltern Ligetis waren jüdischer Herkunft, jedoch nicht religiös. Sein Vater, der im Ersten Weltkrieg hoch dekoriert und zum Leutnant befördert wurde, wurde April 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet, sein jüngerer Bruder Gábor im März 1945 im; die Mutter überlebte das KZ Auschwitz-Birkenau. Ligetis Familie lebte in Cluj. Dort ging er zunächst auf eine ungarische Volksschule, dann besuchte er ein rumänisches Gymnasium. Seine Eltern ließen ihn ab 1936 am Klavierunterricht teilnehmen, und schon nach einem Jahr versuchte er sich an ersten symphonischen Kompositionen. Nach der Matura im Jahr 1941 wollte er Physik und Mathematik studieren, wurde aber aufgrund seiner jüdischen Herkunft abgewiesen. Ligeti begann eine musikalische Ausbildung bei Sándor Veress, Pál Járdányi, Lajos Bárdos und Ferenc Farkas in Musiktheorie und Orgel am Konservatorium von Cluj, das durch den Zweiten Weltkrieg von 1940 inzwischen wieder zu Ungarn gehörte. Er setzte sein Studium später in Budapest fort, musste es aber unterbrechen, da er 1944 zum Arbeitsdienst in die ungarische Armee einberufen wurde. Ligeti geriet in sowjetische Gefangenschaft, aus der er während eines Bombenangriffs auf das Lager fliehen konnte. Nach dem Krieg nahm er seine Studien wieder auf und schloss sie 1949 ab. Im selben Jahr heiratete er Brigitte Löw, die er 1943 in deren Elternhaus in Klausenburg kennengelernt hatte. Ein Jahr lang arbeitete er als Musikethnologe über rumänische Volksmusik, kehrte dann an seine ehemalige Schule in Budapest zurück, diesmal als Lehrer für Harmonielehre, Kontrapunkt und Musikanalyse. Zu der Zeit schränkte die kommunistische Partei die Kommunikation zwischen Ungarn und dem Westen ein. Ligeti konnte die aktuellen musikalischen Entwicklungen nur durch verrauschte (gestörte) westliche Radiosendungen verfolgen. Nach dem Ende des Volksaufstands in Ungarn floh er im Dezember 1956 gemeinsam mit Veronika Spitz, seiner späteren Frau, die sich dann Vera nannte, nach Wien. Kurz nach seiner Flucht lernte Ligeti den österreichischen Musikforscher, Kritiker und Philosophen Harald Kaufmann kennen, mit dem er zusammen im Januar 1959 in Graz an der Endfassung für den Aufsatz Wandlungen der musikalischen Form arbeitete, einer Kritik an der Entwicklung der seriellen Musik, die 1960 in der Nummer 7 der Zeitschrift die reihe erschien. Kaufmann war in den 1950er und 1960er Jahren einer der führenden Musiktheoretiker, der Analysen über Werke Ligetis verfasste. Später nahm Ligeti die österreichische Staatsbürgerschaft an. 1957–58 arbeitete Ligeti im Studio für elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks in Köln und traf dort wichtige Vertreter der Avantgarde, darunter die Komponisten Karlheinz Stockhausen und Gottfried Michael Koenig, damals Pioniere elektronischer Musik. Die neuen technischen Möglichkeiten inspirierten Ligeti. Auch wenn er sich später ausschließlich auf Instrumental- und Vokalmusik konzentrierte, enthielt diese doch häufig Denkweisen der elektronischen Musik, wie er in seinem Aufsatz Auswirkungen der elektronischen Musik auf mein kompositorisches Schaffen (1970) bekennt. Beispiele sind seine Hüllkurvenbehandlung, Schnitttechnik, Clusterfüllung – wobei er insgesamt nur drei Werke im Bereich der elektronischen Musik produzierte. 1969-72 lebte Ligeti in Berlin und war 1969-70 Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. 1972 bis zu seinem Austritt 1992 war er Mitglied der Berliner Akademie der Künste (West). 1972 befand er sich als „Composer in Residence“ an der Stanford University in Kalifornien und schrieb das Orchesterwerk San Francisco Polyphony (1973–74). 1973-89 war er Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Zu seinen Studenten zählten Detlev Müller-Siemens, Michael Daugherty, Hans-Christian von Dadelsen, James Horner, Babette Koblenz, Wolfgang-Andreas Schultz, Hans Abrahamsen, Chen Xiaoyong, Unsuk Chin, Benedict Mason, Mari Takano, Manfred Stahnke, Sidney Corbett, Hans Peter Reutter, Wolfgang von Schweinitz, Roberto Sierra, Hubertus Dreyer und Altug Ünlü. Auf Einladung von Walter Fink war er 1990 der erste Komponist im jährlichen Komponistenportrait des Rheingau Musik Festivals. Der bedeutende polyglotte Kosmopolit verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Wien und starb dort am 12. Juni 2006. Nach seiner Einäscherung wurde die Urne Ligetis in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33 G, Nummer 37) beigesetzt. Mit seiner Frau, der Psychoanalytikerin Dr. Vera Ligeti (geb. Spitz), mit der er seit 1957 verheiratet war, hatte er den Sohn Lukas, der ebenfalls als Komponist tätig wurde.

28.5. Irma KOLASSI: 100. Geburtstag

Sie studierte zuerst Klavierspiel am Königlichen Konservatorium von Athen und erwarb schon mit 16 Jahren ihr Diplom als Klavierlehrerin. Dann Ausbildung der Stimme durch Maggie Karadja in Athen, schließlich Schülerin der Accademia di Santa Cecilia Rom. 1940-49 wirkte sie als Pädagogin am Hellenischen Konservatorium in Athen und begann nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Karriere als Konzertsängerin, die ihr in den europäischen Musikmetropolen anhaltende Erfolge brachte. Seit 1949 lebte sie in Paris und ging von dort aus ihrer weltweiten Konzerttätigkeit nach. So sang sie in Frankreich und England, in Deutschland, Holland und Belgien, in Italien wie in Nordamerika. Auf der Bühne trat sie nicht in Erscheinung, sang aber Opernpartien in konzertanten Aufführungen, auf der Schallplatte und im Rundfunk. Am 25.11.1954 sang sie in Paris in der konzertanten Uraufführung von Prokofjews »L‘Ange de Feu« zwei Partien. In Paris trat sie auch, ebenfalls konzertant, in »La damnation de Faust« von Berlioz und in der konzertanten französischen Erstaufführung von Alban Bergs »Wozzeck« auf. Sie entfaltete später in Paris eine ausgedehnte Lehrtätigkeit. Sie starb 2012 in Paris.
Schallplatten: Decca (Lieder von Debussy, Ravel und Chausson), Chant du Monde (»L‘Ange de Feu«), Solstice (»Les caprices de Marianne« von Sauguet), Lys (Lieder von Duparc, Bizet, R. Hahn, Messager, Sévérac, Koechlin, Gabriel Fauré und Laguerney).

28.5. Frédéric A. Baron D’ERLANGER: 150. Geburtstag

Sein Großvater Raphael von Erlanger gründete in der freien Stadt Frankfurt am Main 1848 das schnell erfolgreiche Bankhaus Erlanger & Söhne, später unter der Mitarbeiter seiner vier Söhne. Sein Vater Frédéric Emile Baron von Erlanger (1832–1911) baute die Pariser Filiale so erfolgreich aus, dass sie eine selbständige Bank von Weltformat wurde. Er wurde unter anderem zu einem bedeutenden Finanzier des Eisenbahnbaus. Er heiratete die Amerikanerin Marguerite Mathilde Slidell (1842–1927). Frédéric A. Baron d’Erlanger hatte drei Brüder. Der älteste war der Naturwissenschaftler Professor Dr. phil. Raphael Baron Slidell von Erlanger (1865–97). Der zweitälteste Bruder Emile Beaumont Baron d‘Erlanger (1866–1939) war Bankier, Musiker, Musikliebhaber und Förderer der Künste. Von seinem Vater wurde er mit dem Vorsitz der Eisenbahngesellschaften des Nordens betraut. Auch finanzierte er den Entwurf Chanel Tunnel Company (der Vorgänger von Eurotunnel) und mietete unter anderem bereits um 1890 einige Hallen für erste Bauuntersuchungen an. Er verlegte den Schwerpunkt des Pariser Bankhauses Erlanger & Söhne nach London, wo er 1891 die britische Staatsbürgerschaft erwarb und sich zudem seinen Titel Baron (Freiherr) bestätigen ließ. Seine Ehefrau Rose Marie Antoinette Baronin d’Erlanger genannt Kate war eine geborene Catherine de Robert d’Aqueria de Rochegude (1874–1959). Sie wohnten unter anderem in Falconwood, in der Nähe von Shooters Hill, im Südosten von Groß-London, meist aber im ehemaligen Haus von Lord Byron in Rutland Gate, einer Straße in der Gegend von London Kensington, direkt an Knightsbridge. Noch auf ihrem Wohnsitz in Beverly Hills sah sie sich als Patronin des Ballet Russe de Monte Carlo unter Sergei Diaghilev. Sein jüngster Bruder Francois Rodolphe Baron d‘Erlanger (1872–1932) war Maler, Musikwissenschaftler und großer Orientalist. Auch er nahm 1894 die britische Staatsbürgerschaft an. Er entdeckte für sich 1912 Sidi-Bou-Said, ein Dorf etwa 20 km nordöstlich von Tunis im Norden von Tunesien am Felsen von Karthago am Golf von Tunis und ließ 1912-22 einen inzwischen weltberühmten Palast, den „Star der Venus“, erbauen.
Frédéric A. Baron d’Erlanger begann bereits in seiner Jugend in seiner französischen Geburtsstadt mit seinen musikalischen Studien in Paris unter Anselm Ehmant, seinem einzigen, in Frankfurt am Main geborenen Lehrer (1832–95). Schon früh veröffentlichte er sein erstes Werk, eine Sammlung von Liedern. Seine Kompositionen waren besonders Opern.
Hauptsächlich arbeitete er aber als Bankier, besonders nach seiner Übersiedlung nach London und Annahme der britischen Staatsbürgerschaft. Dort lebte er bis zu seinem Tode in Rutland Gate Nr. 24 das Leben eines Großbürgers. Er finanzierte unter anderem den Eisenbahnbau zwischen Südafrika und Sambia zusammen mit dem englischen Geschäftsmann Cecil Rhodes.
Trotz einer langjährigen Beziehung mit der Spanierin Madame de Betelu hat er nie geheiratet und auch keine Nachkommen hinterlassen. Er starb 1954 in London.

29.5. Alfons HOLTE: 95. Geburtstag

Er erlernte den Beruf eines Elektrikers und legte in diesem Fach seine Meisterprüfung ab. 1946-49 ließ er seine Stimme bei E. Treskow in Köln und bei Frau Asteroth in Düsseldorf ausbilden. 1946 begann er seine Bühnenlaufbahn am Stadttheater von Solingen. Er war 1946-50 am Stadttheater von Solingen, 1950-51 an der Staatsoper Hamburg, seit 1951 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg engagiert, an der er bis 1996 auftrat, und zu deren Ehrenmitglied er ernannt wurde. Gastspiele an der Städtischen Oper Berlin, in Rom und Lissabon brachten ihm wichtige Erfolge ein. 1959 und 1960 gastierte er beim Maggio Musicale von Florenz als Minister im »Fidelio« und als Harlekin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. Er galt vor allen Dingen als bedeutender Interpret von Partien in den Opern von Mozart und Rossini (Figaro im »Barbier von Sevilla« und in »Figaros Hochzeit«, Masetto im »Don Giovanni«, Papageno in der »Zauberflöte«). Aus seinem Repertoire sind noch der Belcore in »L‘Elisir d’amore«, der Graf Luna im »Troubadour«, der Silvio im »Bajazzo«, der Graf Liebenau im »Waffenschmied« von Lortzing, der Laërtes in »Mignon« von A. Thomas und der Pellerin im »Nachtflug« (»Volo di Notte«) von L. Dallapiccola zu nennen. Er starb 2013 in Solingen.
Schallplatten: DGG, Mercury, Harmonia mundi (zeitgenössische Vokalmusik), Garnet (Beliebte Opernmelodien).

29.5. Émile PESSARD: 175. Geburtstag

Er gehörte zu den ersten Schülern der von Louis Niedermeyer in Paris gegründeten Musikschule. Er hatte dort Unterricht in Harmonielehre bei Pierre-Louis Dietsch, Orgelunterricht bei Clément Loret und Kompositionsunterricht bei Niedermeyer. Danach studierte er am Pariser Konservatorium bei Francois Bazin und Michele Carafa. 1866 gewann er den Premier Grand Prix de Rome mit der Kantate Dalila, die im Folgejahr auch an der Pariser Oper aufgeführt wurde. Nach dem mit dem Preis verbundenen Romaufenthalt ließ sich Pessard in Paris nieder, wo er als erfolgreicher Opernkomponist wirkte. Daneben komponierte er zahlreiche Lieder und Chorwerke, Kammermusik, Orchesterwerke und Kirchenmusik.
Außerdem war Pessard Inspektor für den Gesangsunterricht an den städtischen Schulen von Paris und seit 1881 Professor für Harmonielehre am Conservatoire. Hier unterrichtete er u.a. Maurice Ravel, Gustave Charpentier und Jacques Ibert. Émile Pessard starb 1917 in Paris.

30.5. Gabor ANDRASY: 75. Geburtstag

Der aus Ungarn stammende Bassist erregte erstes Aufsehen, als er in den Jahren 1979-81 am Theater der Schweizer Bundeshauptstadt Bern auftrat. Er kam 1981 an das Stadttheater von Krefeld, dessen Mitglied er bis 1987 blieb. Von dort aus ging er dann weiter einer intensiven Gastspieltätigkeit nach und war in den Jahren 1988-90 durch einen Gastvertrag dem Staatstheater Karlsruhe verbunden. 1988 gastierte er als Dikoj in »Katja Kabanowa« von Janácek am Grand Théâtre Genf, im gleichen Jahr 1988 sang er bei den Aufführungen des Ring-Zyklus am Théâtre des Champs-Elysées Paris den Fafner. 1989 war er an der Oper von Dallas als Daland in »Der fliegende Holländer« und als Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg« zu Gast. Große Erfolge konnte er bei Gastspielen an französischen Opernhäusern erzielen, so 1989 in Marseille, 1989 in Nantes (als König Marke in »Tristan und Isolde«) und 1988 in Nizza (als Fafner, als Hunding und als Hagen im Nibelungenring). 1990 trat er an der Opéra du Rhin Straßburg und an der Oper von Antwerpen (als Banquo in Verdis »Macbeth«) auf. Den Hunding, den Fafner und den Hagen sang er auch bei Ring-Aufführungen in Seattle, dort auch 1991 den Rocco im »Fidelio«, in Straßburg 1992 den Iwan Chowanski in »Chowanschtschina«, in Washington 1995 den Grafen Walter in »Luisa Miller« von Verdi. 1996 wirkte er am Opernhaus von Houston/Texas in der Uraufführung der Oper »Florencia en el Amazonas« von Daniel Catán als Capitan mit. 1998 hörte man ihn an der Oper von Houston/Texas als Daland, 1999 in Seattle als Commendatore im »Don Giovanni«, als Eremit (und gleichzeitig als Samiel) im »Freischütz« von Weber und als Sarastro in der »Zauberflöte«. 2000 gastierte er in Los Angeles, 2001 in Seattle als Dansker in Benjamin Brittens »Billy Budd«. Sein Bühnenrepertoire enthielt vor allem Partien für tiefen, seriösen Bass, darunter auch den Boris Godunow und den Blaubart in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók. Er starb 2004 in Florida.

30.5. Gustav LEONHARDT: 90. Geburtstag

Er wuchs in einem musikalischen Umfeld auf und begann im Alter von 15 Jahren in seinem Elternhaus Interesse an einem Cembalo zu finden, was sein weiteres Leben ebenso mitbestimmen sollte wie die Beschäftigung mit historischen Orgeln, die ihn zur gleichen Zeit zu interessieren begannen. Nach dem Abschluss des Gymnasiums in den Niederlanden begann er 1947 das Studium von Orgel und Cembalo bei Eduard Müller an der Schola Cantorum Basiliensis, das er 1950 mit einem Solistendiplom cum laude abschloss. In den nächsten Jahren widmete sich Leonhardt musikwissenschaftlichen Studien in Wien und wurde 1952 zum Professor an der dortigen Staatlichen Musikakademie, der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, ernannt. 1954 wurde er Professor für Cembalo am Amsterdamer Konservatorium, darüber hinaus war er auch Organist an der dortigen Waalsekerk. Er gründete 1955 das Leonhardt-Consort und wurde als Interpret der Werke von Johann Sebastian Bach bekannt. Zusammen mit Nikolaus Harnoncourt gilt Leonhardt als einer der Pioniere der Historischen Aufführungspraxis. Im Jahre 1969 wurde er auf eine Gastprofessur an die Harvard University in den USA berufen. Zwischen 1971 und 1990 realisierte er zusammen mit Harnoncourt das umfangreiche Projekt der Aufnahme sämtlicher Kirchenkantaten von J.S. Bach. Ab 1988 lehrte er auch an der Accademia Musicale Chigiana in Siena. Im Film Chronik der Anna Magdalena Bach von Jean-Marie Straub (1967) wirkte er nicht nur als Interpret mit, sondern auch als Schauspieler in der Rolle Bachs. Im Dezember 2011 gab er seinen Rückzug aus dem öffentlichen Konzertleben bekannt. Er starb am 16. Januar 2012 in Amsterdam. Er war mit der Violinistin Marie Leonhardt-Amsler verheiratet und ein Bruder der Pianistin Trudelies Leonhardt.

30.5. Rosa RAISA: 125. Geburtstag

Eigentlich Rosa Burchstein. Als sie 14 Jahre alt war, flüchtete ihre Familie wegen eines Judenpogroms aus Galizien nach Italien und ließ sich in Neapel nieder. Sie wurde durch die Sopranistin Eva Tetrazzini entdeckt, studierte am Konservatorium San Pietro a Majella in Neapel und war dann Schülerin von Barbara Marchisio in Mailand. 1912-13 trat sie, noch unter dem Namen Rosa Burchstein, in Konzerten in Rom und Neapel auf. 1913 debütierte sie im Rahmen der Verdi-Jahrhundertfeiern am Teatro Regio von Parma als Leonora in »Oberto« von Verdi. 1913 gastierte sie in Mexico City und begann ihre große Karriere an der Oper von Chicago, an der sie als erste Partie die Aida sang. Sie wirkte an der Oper von Chicago, deren Mitglied sie 1913-14, 1916-32 und 1933-36 war, in den US-Erstaufführungen der Opern »Isabeau« von Mascagni (1917 in der Titelrolle), »La Nave« von I. Montemezzi und »La Fiamma« von O. Respighi (1935 als Silvana) mit. Am 4.11.1929 sang sie in der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Opernhauses von Chicago die Aida. Von den vielen Rollen, die sie an der Oper von Chicago vortrug, sind zu nennen: die Isabella d’Aragon in »Cristoforo Colombo« von A. Franchetti, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano, die Maliella in »I Gioielli della Madonna« von E. Wolf-Ferrari, die Alice Ford im »Falstaff« von Verdi, die Titelrolle von Zandonais »Francesca da Rimini«, die Aida und die Valentine in »Lo Schiavo« des brasilianischen Komponisten Carlos Gomes. In der Saison 1913-14 trat sie auch an der Philadelphia Opera als Königin Isabella in der Oper »Cristoforo Colombo« von A. Franchetti und als Donna Anna im »Don Giovanni« auf. Von Chicago aus unternahm sie glanzvolle Gastspiele an den Opern von Brüssel (Théâtre de la Monnaie) und Montevideo. 1914 trat sie am Teatro Sociale Modena als Francesca da Rimini auf, 1916 am Teatro Regio Parma als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, an der Oper von Rio de Janeiro 1915 als Selika in »L‘Africaine« von Meyerbeer und als Marschallin im »Rosenkavalier«, 1916 dort als Aida, als Alice Ford und als Valentine in »Lo Schiavo«. 1918 sang sie an diesem Theater die Aida, die Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, die Tosca und die Norma, 1921 wieder die Aida, die Norma und die Tosca. Am Teatro Colón Buenos Aires hörte man sie u.a. 1915 als Aida, 1916 als Lida in Verdis »La battaglia di Legnano«, an der Oper von São Paolo 1915 als Aida, 1916 als Lida, am Teatro Coliseo Buenos Aires 1921 als Tosca. Sie gastierte an der Covent Garden Oper London 1914 (als Aida, als Gräfin in »Le nozze di Figaro« und als Margherita in »Mefistofele« von Boito) und nochmals 1933 (als Tosca), an der Grand Opéra Paris 1914 als Desdemona im »Otello« von Verdi, am Teatro Costanzi in Rom 1915 als Francesca da Rimini, als Aida und in den Uraufführungen der Opern »Fedra« von Romano Romani (3.4.1915 in der Titelrolle) und »Abul« von Alberto Nepomucena (15.4.1915 als Ishah), 1916 als Aida und als Francesca da Rimini. Am Teatro dell‘ Opera di Roma sang sie 1932 die Norma, beim Maggio Musicale von Florenz 1933 die Alice Ford, am Teatro Fenice Venedig 1935 die Norma. An der Mailänder Scala hatte sie ihre Erfolge in der Spielzeit 1915-16 als Aida, als Lida und als Francesca da Rimini (in der Scala-Premiere dieser Oper von Zandonai), 1923-24 als Asteria in der Uraufführung von Boitos »Nerone« (1.5.1924 unter Arturo Toscanini, der ihre Stimme besonders geschätzt hat), 1924-25 als Alice Ford und als Leonore im »Troubadour«, 1925-26 als Turandot in der Uraufführung der gleichnamigen Oper von Puccini (25.4.1926 unter Arturo Toscanini), als Asteria und als Alice Ford, 1932-33 in der Uraufführung von Zandonais Oper »Una Partita« (19.1.1933). Große Erfolge hatte Rosa Raisa 1933 bei den Festspielen in der Arena von Verona und beim Maggio Musicale von Florenz als Partnerin von Giacomo Lauri-Volpi in der Partie der Valentine in Meyerbeers »Hugenotten«. 1933 gastierte sie an der Städtischen Oper Berlin. 1936 sang sie in Detroit die Leah in der amerikanischen Premiere der Oper »Il Dibuk« von Lodovico Rocca. 1937 übernahm sie als letzte Partien an der Oper von Chicago die Santuzza und die Rachel in »La Juive« von Halévy. Seit 1920 war sie mit dem gleichfalls in Chicago tätigen Bariton Giacomo Rimini (1887-1952) verheiratet. 1937 eröffnete sie zusammen mit ihrem Gatten in Chicago ein Opernstudio, das sie nach dem Tod von Giacomo Rimini allein leitete. Sie lebte seit 1955 in Santa Monica in Kalifornien, hielt sich aber auch viel in ihrer Villa San Floriano am Gardasee auf. Sie starb 1963 in Santa Monica. Nach ihrem Tod eröffnete man in Chicago die Saison 1963-64 in ergreifender Weise mit einer Aufführung von Verdis »Nabucco«, die dem Gedächtnis der großen Sängerin gewidmet war. – Dunkel timbrierte, dramatische Sopranstimme von einer überströmenden Fülle der Tongebung und einer leidenschaftlichen Steigerungsfähigkeit.
Lit: R. Celletti & J. Stratton: Rosa Raisa (in »Le grandi Voci«, Rom 1964).
Akustische Schallplatten auf Pathé und Vocalion, elektrische auf Brunswick und auf HMV.

31.5. Gary BURGESS: 80. Geburtstag

Er wurde zunächst Musiklehrer an einem Lyzeum, ließ jedoch seine Stimme an der Indiana University in Bloomington bei Margaret Harshaw, dann am Curtis Institute in Philadelphia bei Dino Yannopoulos ausbilden. Er debütierte 1969 bei der Kentucky Opera als Male Chorus in »The Rape of Lucretia« von Benjamin Britten. In den folgenden Jahren bedeutende Erfolge an amerikanischen Opernhäusern, vor allem in Philadelphia und San Francisco (1973-75 u.a. als Missail in »Boris Godunow«, als junger Diener in »Elektra« von R. Strauss, als Parpignol in »La Bohème«, als Giuseppe in »La Traviata«, als Rodrigo in Verdis »Otello«, als Ruiz im »Troubadour«, als Flavio in Bellinis »Norma« und als Tschekalinsky in »Pique Dame« von Tschaikowsky). Als Gast bei den Athener Opernfestspielen sowie in England aufgetreten. Im Mittelpunkt seines Bühnenrepertoires standen lyrisch-dramatische Partien aus der italienischen Opernliteratur, aber auch einige Wagner-Rollen und Aufgaben in zeitgenössischen Musikwerken. Er ging von seinem Wohnsitz Philadelphia aus einer umfangreichen Konzerttätigkeit nach. Er starb 2014 auf den Bermudas.
Schallplatten: HMV (kleine Partie in Verdis »Rigoletto«), MRF (»La Canterina« von Haydn).
Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://garyeburgess.com/bio.htm /

 

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