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IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM FEBRUAR 2019

07.02.2019 | In Memoriam

IN MEMORIAM-Geburtstage IM FEBRUAR 2019
Berücksichtigt werden runde und halbrunde Geburtstage.

Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny


1.2. Aage HAUGLAND: 75. Geburtstag

 Der Sohn norwegischer Eltern war bereits als Knabe Solist im Copenhagen Boys‘ Choir. Er begann das Medizinstudium, ließ dann aber seine Stimme durch Mogens Woeldike und Kristian Riis in Kopenhagen ausbilden. Nachdem er 1968 einen Gesangwettbewerb in Oslo gewonnen hatte, debütierte er im gleichen Jahr an der Norwegischen Oper Oslo in der Oper »Komödie auf der Brücke« von B. Martinu. Seit 1973 gehörte er als erster Bassist der Königlichen Oper Kopenhagen an, an der er eine große Karriere durchlief und ein umfangreiches Repertoire zum Vortrag brachte. Er gastierte regelmäßig an der Oper von Oslo; seit 1973 gastierte er auch an der Königlichen Oper Stockholm Er trat 1975 an der Covent Garden Oper London als Hunding in der »Walküre« und im gleichen Jahr an der English National Opera London als Hagen in der »Götterdämmerung« auf. Er war auch oft am Stadttheater von Bremen zu Gast, in Italien am Teatro Fenice Venedig und beim Maggio Musicale von Florenz. 1979 erfolgte sein USA-Debüt an der Oper von St. Louis. Im gleichen Jahr 1979 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Ochs im »Rosenkavalier«). Er sang an diesem Opernhaus bis 1993 in insgesamt 136 Vorstellungen vor allem Partien aus dem Wagner-Fach (Fafner und Hunding im Ring-Zyklus, Klingsor im »Parsifal«, König Marke in »Tristan und Isolde«, König Heinrich im »Lohengrin«), dazu den Boris Godunow, den Don Fernando im »Fidelio«, den Gremin in »Eugen Onegin«, den Iwan Chowanski in »Chowanschtschina« von Mussorgsky und den Dikoj in »Katja Kabanowa« von Janácek. Am Grand Théatre Genf sang er 1981 den Warlaam in »Boris Godunow« und den Ochs sowie 2000 den Hunding. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1982-83 den Rocco im »Fidelio« und 1994 den Warlaam, beim Edinburgh Festival 1990 den König Marke in einer konzertanten Aufführung von »Tristan und Isolde«, 1984 bei der English National Opera London den Boris Godunow und den Ochs, gleichfalls eine seiner Glanzrollen. An der Mailänder Scala gastierte er 1981 als König Heinrich und 1992 als Boris in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch; weitere Gastspiele an der Niederländischen Oper Amsterdam (als Banquo in Verdis »Macbeth«), an der Grand Opéra bzw. Bastille Opéra Paris (1980 und 1991 als Warlaam, 1993 als Daland und 1999 als Doktor im »Wozzeck« von A. Berg) und bei den Festspielen von Aix-en-Provence, bei denen er 1987 einmal mehr den Ochs vortrug. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1984-91 in 30 Vorstellungen als Warlaam, als Doktor im »Wozzeck« von A. Berg, als Hunding, als Iwan Chowanski und als Titurel in »Parsifal«. Bei den Festspielen von Bayreuth sang er 1983-84 und 1986 den Hagen sowie 1984 den Fafner im Ring-Zyklus. 1984 großer Erfolg an der Covent Garden Oper London wiederum als Ochs. Bei den Salzburger Osterfestspielen hörte man ihn 1994 und 1998 als Warlaam sowie 1997 als Doktor im »Wozzeck« von A. Berg. Am 24.9.1995 sang er an der Staatsoper Hamburg in der Uraufführung von Rolf Liebermanns Oper »Freispruch für Medea« die Partie des Jason, am Théâtre Châtelet Paris gestaltete er den Moses in »Moses und Aron« von A. Schönberg. 2000 sang er an der Oper von Kopenhagen in der Uraufführung der Oper »The Handmaide’s Tale« (»Bericht einer Magd«) von Poul Ruders den Commander. Seine kraftvolle, dunkel timbrierte Stimme beherrschte ein umfassendes Repertoire, dessen Höhepunkte Partien wie der Mephisto im »Faust« von Gounod, der Leporello im »Don Giovanni«, der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, der Zaccaria im »Nabucco« und die entsprechenden Wagner-Heroen bildeten. Bedeutende Konzertkarriere. Er starb 2000 in Kopenhagen.

Schallplatten: HMV (»Der Ring des Nibelungen«, vollständige Aufnahme in Englisch, u.a. als Hagen; Warlaam in »Boris Godunow«), Erato (Klingsor in vollständigem »Parsifal«), Decca (»Moses und Aron« von Schönberg, Jeronimus in »Maskarade« von C. Nielsen), DGG (»Chowanschtschina« von Mussorgsky, »Wozzeck«, »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch), Unicorn (»Maskarade« von C. Nielsen), Kontrapunkt (Boris, Warlaam und Pimen im »Boris Godunow«), Helikon (»Freispruch für Medea«), Capriccio (»Es war einmal« von Zemlinsky), Hänssler-Verlag (Missa per Rossini), Chandos (»Fennimore and Gerda« von Fr. Delius, »Saul og David« von C. Nielsen, »Drot og Marsk« von Heise), Virgin (»Wozzeck«), Sony (Warlaam im »Boris Godunow«), Da Capo (»Siddharta« von Per Nørgaard, »The Handmaid’s Tale« von P. Ruders), Musikszene Schweiz (»Freispruch für Medea« von R. Liebermann); Pioneer-Video (»Wozzeck«).

 

1.2. Andrei FEDOSEYEV: 85. Geburtstag

Er studierte zunächst Architektur und übte den Beruf eines Architekten aus. Es kam dann jedoch zur Ausbildung seiner Stimme am Moskauer Konservatorium durch A.A. Solowjowa. Bühnendebüt 1962 an der Oper von Nowosibirsk als Titelheld im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky. Er hatte große Erfolge an den Opern von Leningrad und Charkow, am Stanislawski-Theater von Moskau und wurde schließlich an das Moskauer Bolschoi Theater berufen. Hier zeichnete er sich namentlich als Interpret lyrischer Partien aus (Mozart, Rossini, Tschaikowsky, Prokofjew, Rimsky-Korssakow). Mit dem Ensemble des Bolschoi Theaters gastierte er 1971 an der Wiener Staatsoper (als Schtschelkalow im »Boris Godunow«, als Jeletzki in »Pique Dame« und als Andrej Bolkonski in »Krieg und Frieden« von Prokofjew). Auslandsgastspiele an den Opernhäusern von Prag, Brno (Brünn) und Leipzig. Nach und nach nahm er dann auch heldische Baritonpartien in sein Repertoire auf. Geschätzter Interpret eines weitläufigen Konzert- und Lieder-Repertoires. Er starb im Jahr 1982.

Schallplatten der staatlichen sowjetrussischen Produktion (Melodiya), darunter eine vollständige »Boris Godunow«-Aufnahme, in der er die Titelpartie singt. In einer weiteren kompletten Aufnahme von Tschaikowskys »Pique Dame«, die auch auf Philips übernommen wurde, singt er den Jeletzky.

 

1.2. Philine FISCHER: 100. Geburtstag

 Sie war Schülerin von Fritz Polster und Else Helling-Rosenthal in Leipzig, dann von Erna Westenberger in Berlin. Bühnendebüt 1944 am Landestheater von Oldenburg als Micaela in »Carmen« von Bizet. 1945 hatte sie einen ungewöhnlichen Erfolg, als sie in der Leipziger Thomaskirche das Sopransolo im »Messias« von Händel unter Hermann Abendroth sang. Sie arbeitete seitdem in Leipzig mit Mary Wigman, Heinz Niedecken-Gebhardt, dem Thomaskantor Karl Straube, dem Komponisten Johann Nepomuk David und dem Geiger Walter Davisson zusammen. 1945 wurde sie Mitglied des Opernhauses von Leipzig, dem sie bis 1952 angehörte. 1952 folgte sie einer Verpflichtung an das Landestheater von Halle (Saale) und sang hier erstmals bei den Händel-Festspielen, 1953 übernahm sie dort die Titelrolle in dessen Oper »Deidamia«, einem Werk, das seit der Zeit Händels nicht mehr aufgeführt worden war. Sie sang insgesamt 14 Händel-Partien. 1959 erhielt sie den erstmals verliehenen Händel-Preis und den Nationalpreis der DDR. Sie beherrschte daneben jedoch weite Teile des lyrischen Bühnenrepertoires, darunter die Pamina in der »Zauberflöte«, die Desdemona in Verdis »Otello« und die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Hoch angesehene Konzert- und vor allem Oratoriensängerin, wobei auch hier ihre Gestaltung der Werke von Händel als vorbildlich galt. Gastspiel- und Konzertreisen führten sie vor allem in die osteuropäischen Musikmetropolen. So sang sie in der CSSR, in Polen, in Finnland, aber auch in England und in westdeutschen Städten. Sie starb 2001 in Leipzig.

Schallplatten: Eterna (»Poro, Re dell‘ Indie« von Händel).

 

1.2. Alfons HERWIG: 100. Geburtstag


Als Donner in Bayreuth

 Ausbildung an der Stuttgarter Musikhochschule und bei Richard Bitterauf. 1950 erfolgte sein Debüt am Stadttheater von Pforzheim, dem er in den folgenden zwei Jahren angehörte. 1952-53 wirkte er am Stadttheater von Regensburg, 1953-55 an den Städtischen Bühnen Wuppertal, dann 1955-58 an der Städtischen Oper Berlin, schließlich 1958-61 und noch bis etwa 1970 als Gast an der Staatsoper Stuttgart. An der Berliner Oper sang er in den deutschen Erstaufführungen der Opern »The Saint of Bleecker Street« von G.C. Menotti (1955) und »Volo di notte« von Dallapiccola (1956). In den Jahren 1953 und 1955-57 nahm er an den Bayreuther Festspielen teil; dort sang er 1953 einen der Edlen im »Lohengrin«, 1955 den Reinmar von Zweter im »Tannhäuser«, 1955-56 einen der Gralsritter im »Parsifal«, 1956 den Donner im »Rheingold« und den Nachtwächter in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1955 und 1961 gastierte er an der Oper von Monte Carlo, 1956 an der Wiener Staatsoper als Kurwenal in »Tristan und Isolde«, 1958 an der Grand Opéra Paris als Gunther in der »Götterdämmerung«, 1959 an der Oper von Rom als Melot in »Tristan und Isolde«, 1962 am Gran Teatre del Liceu in Barcelona und am Stadttheater von Basel. 1963 war er in Graz, 1964 am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, am Opernhaus von Zürich und in Dublin als Gast anzutreffen, 1967 am Teatro Comunale Bologna, 1968 am Teatro Fenice Venedig. Auch bei den Festspielen von Vichy trat er in Erscheinung. Er war in erster Linie ein Vertreter des heldischen Stimmfachs in Partien wie dem Don Pizarro im »Fidelio«, dem Grafen in »Figaros Hochzeit«, dem Telramund im »Lohengrin«, dem Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, dem Wotan im Nibelungenring und dem Titelhelden in Verdis »Macbeth«. Auch als Konzertsänger aufgetreten. Er lebte später in Ludwigsburg bei Stuttgart. Er starb im Januar 2010.

Schallplatten: HMV, Cetra Opera Live (Donner in »Rheingold«, Bayreuth 1957).

 

2.2. Waldemar KMENTT: 90. Geburtstag

 Er wollte zuerst Pianist werden, studierte aber seit 1949 Gesang an der Wiener Musikhochschule. Er war dort Schüler von Adolf Vogel, Elisabeth Rado und Hans Duhan. Als Student durchreiste er mit einem Ensemble, das aus Schülern der Wiener Musikhochschule bestand, Holland und Belgien und trat in Aufführungen der »Fledermaus« wie in »Figaros Hochzeit« auf. Bereits 1950 sang er das Tenor-Solo in Beethovens 9. Sinfonie unter Karl Böhm in Wien. 1951 wurde er als lyrischer Tenor an die Wiener Staatsoper verpflichtet und blieb deren Mitglied für mehr als 50 Jahre. Er trat an diesem Haus in insgesamt 1.480 Vorstellungen auf. Als erste Partie sang er hier den Prinzen in Prokofjews »Liebe zu den drei Orangen« (in der Wiener Volksoper, die damals das Ausweichquartier der Wiener Staatsoper war). Am 5.11.1955 wirkte er in der Eröffnungsvorstellung der wieder aufgebauten Staatsoper als Jaquino im »Fidelio« mit. Von den 79 Partien, die er an der Wiener Staatsoper verkörperte, seien nur der Beppo im »Bajazzo«, der Baron im »Wildschütz« von Lortzing, der Stanislaus in Zellers »Vogelhändler«, der Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Fenton in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der Rosillon wie der Baron Zeta in Lehárs »Die lustige Witwe«, der Pinkerton in »Madame Butterfly«, der Chateauneuf in Lortzings »Zar und Zimmermann«, der Tamino in der »Zauberflöte«, der Orlofsky wie der Alfred wie der Eisenstein wie der Dr. Blind in der »Fledermaus«, der Ernesto im »Don Pasquale«, der Lorenzo im »Fra Diavolo« von Auber, der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Rodolfo in »La Bohème«, der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, der Titelheld in »Oedipus Rex« von Strawinsky, der Froh im »Rheingold«, der Ramiro in »La Cenerentola«, der Ferrando in »Così fan tutte«, der Lenski in »Eugen Onegin«, der Aeneas in »Dido und Aeneas« von Purcell, der italienische Sänger im »Rosenkavalier«, der Narraboth in »Salome« von R. Strauss, der Faust von Gounod, der Laca in »Jenufa«, der Flamand wie der Mr. Taupe im »Capriccio« von R. Strauss, der Tom Rakewell in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, der Cavaradossi in »Tosca«, der Erik in »Der fliegende Holländer«, der Alwa in »Lulu« von A. Berg, der Don José in »Carmen«, der Pylades in »Iphigenie auf Tauris« von Gluck, der Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, der Titelheld im »Idomeneo« von Mozart, der Tichon in »Katja Kabanowa« von Janacek, der Max im »Freischütz«, der Schuiskij in »Boris Godunow« und der Basilio in »Le nozze di Figaro« genannt. Zuletzt stand er am 25.11.2005 als Haushofmeister in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss auf der Bühne der Wiener Staatsoper. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1955 den Dandini in »Palestrina« von H. Pfitzner, 1956 den 1. Priester und 1963-64 den Tamino in der »Zauberflöte«, 1956 den Idamante und 1961-62 die Titelrolle in Mozarts »Idomeneo«, 1957 den Jaquino, 1960-65 den Ferrrando. Er wirkte dort auch in mehreren Uraufführungen von Opern mit: am 17.8.1955 als 1. Hirte in »Irische Legende« von Werner Egk, am 15.8.1960 als Erzengel Gabriel in Frank Martins »Le Mystère de la Nativité«, am 7.8.1981 in einigen kleineren Rollen in »Baal« von Friedrich Cerha und am 15.8.1992 als Graf Wolkenstein in »Mozart in New York« von H. Eder. Er war bei den Salzburger Festspielen auch in Konzertveranstaltungen zu hören, u.a. 1959 in Mahlers »Lied von der Erde« und 1963 in Beethovens 9. Sinfonie. Seit 1958 war er durch einen Gastvertrag auch der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg verbunden. Er trat als Gast an der Mailänder Scala (1968 in der Titelpartie in Mozarts »Idomeneo« und 2006 als Haushofmeister in »Ariadne auf Naxos«), an der Oper von Rom, an der Wiener Volksoper (u.a. in der Titelrolle in »Fra Diavolo«, als Prinz in Dvoráks »Rusalka«, als Lyonel in Flotows »Martha«, als Herzog in »Eine Nacht in Venedig«, als Sou Chong in »Das Land des Lächelns«, als Symon in Millöckers »Der Bettelstudent« und als Eisenstein in der »Fledermaus«; als Gefängnisdirektor Frank in der gleichen Operette stand er am 31.12.2005 zum letzten Mal auf der Bühne der Wiener Volksoper), in Paris, Amsterdam, München und Stuttgart auf. Er gastierte 1961 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1963 am Teatro Colón Buenos Aires, 1965 bei den Festspielen von Aix-en-Provence (als Tamino). Bei den Festspielen von Bayreuth hörte man ihn 1968-70 als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Er wirkte bei den Festspielen von Edinburgh (1966 als Tamino bei einem Gastspiel der Stuttgarter Staatsoper) und Drottningholm mit. Sein Bühnenrepertoire reichte von Barockopern über Mozartpartien, Aufgaben in Wagner- und Richard Strauss-Opern (Kaiser in der »Frau ohne Schatten«) bis zu modernen Werken. Noch 1993 sang er an der Wiener Staatsoper den Altoum in »Turandot« von Puccini, 1994 den Haushofmeister der Marschallin im »Rosenkavalier«. 1996 trat er in der Ahoy-Halle in Rotterdam wieder als Altoum auf, 1996 und 1998 an der Deutschen Oper Berlin als Mr. Triquet im »Eugen Onegin«, 1997-98 an der Grand Opéra Paris als Baron Zeta, 2000 in Amsterdam als Mr. Taupe, 2001-03 an der Metropolitan Oper New York und 2003 an der Grand Opéra Paris als Haushofmeister in »Ariadne auf Naxos«. Als Konzert-Tenor war er besonders erfolgreich, wobei er auch hier als Oratorien- wie als Liedersänger ein umfangreiches Repertoire vortrug. Er wurde später ein bekannter Pädagoge und leitete 18 Jahre lang die Opernschule am Konservatorium der Stadt Wien. Er betätigte sich auch als Opernregisseur (»La Bohème«, Aachen 1999). 1982 wurde er zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. Er starb 2015 in Wien.

Sehr viele Schallplattenaufnahmen auf Eurodisc (Opernquerschnitte), Preiser (Lieder), MMS, DGG (Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, Wien 1963), Philips (»Salome«, »Tiefland« von d’Albert, »Lulu« von A. Berg, »Bastien et Bastienne« von Mozart, »Così fan tutte«, Mozart-Requiem), HMV-Electrola (Missa solemnis und 9. Sinfonie von Beethoven), Vanguard (»Der Zigeunerbaron«), SPA (»El retablo de Maese Pedro« von de Falla), Melodram (Idamante in »Idomeneo«, »Intermezzo« von R. Strauss, Messe F-Moll von Bruckner), Movimento musica (»Fidelio«), Telefunken (»Die Fledermaus« als Dr. Blind von 1988), Decca (vollständige Aufnahmen »Die Fledermaus«, »Das Rheingold«, »Arabella«, Seeman in »Tristan und Isolde«), Koch Records (»Die Dreigroschenoper«); Topaz-Video (Altoum in »Turandot«, Wiener Staatsoper 1983). Vermutlich ist er identisch mit dem Sänger Hans Löffler, der auf Vox (»Catulli Carmina« von Carl Orff) und auf Westminster (Mozart-Requiem) gesungen hat.

 

2.2. Elfriede von DASSANOWSKY: 95. Geburtstag

 Sie war Absolventin der Musikhochschule von Wien; sie studierte Gesang bei Paula Mark-Neusser, Klavierspiel bei Emil von Sauer und brachte beide Disziplinen zum Abschluss. Seit 1944 trat sie beim Film auf, wandte sich dann aber mehr einer Opernkarriere zu. Nach ihrem Debüt als Susanna in »Figaros Hochzeit« 1946 am Theater von St. Pölten kam sie zwischen 1946 und 1950 zu einer erfolgreichen Bühnenkarriere mit Auftritten in Wien, St. Pölten, München, Flensburg und Hamburg. Dabei sang sie mit Hilfe ihres ungewöhnlich weiten Stimmumfangs sowohl Partien für Sopran wie für Mezzosopran: die Agathe im »Freischütz«, die Inez im »Troubadour«, die Mimi in »La Bohème«, die beiden Titelpartien in »Hänsel und Gretel«, die Lola in »Cavalleria rusticana«, die Carmen, den Prinzen Orlofsky in der »Fledermaus«, dazu viele Rollen in Operetten von J. Strauß, C. Zeller, Millöcker, Lehár, Berté (Hannerl und Heiderl im »Dreimäderlhaus«), E. Kálmán, Heuberger, Stolz und R. Benatzky. Hinzu traten Konzertauftritte und vor allem Liederabende in Österreich wie in Deutschland. Neben ihrem Wirken als Sängerin versäumte sie nicht eine zweite künstlerische Karriere als Pianistin. Sie gab auf diesem Gebiet Konzerte, trat in Radiosendungen auf und ging einer Lehrtätigkeit an der Musikhochschule Wien nach; auch als Filmschauspielerin ist sie aufgetreten. Sie gründete selbst ein Filmstudio (»Belvedere Film Wien«). Zu Beginn der sechziger Jahre wanderte sie in die USA aus. Dort setzte sie ihre künstlerische Tätigkeit fort und übte in Los Angeles eine private pädagogische Tätigkeit als Gesang- wie als Klavierlehrerin aus. Seit 1962 gehörten mehrere Hollywood-Filmstars zu ihren Schülern. Der bekannte Maler Franz Xaver Wolf porträtierte sie in mehreren Bildern. Sie starb 2007 in Los Angeles.

Von ihrer Stimme sind keine Schallplattenaufnahmen vorhanden.

 

2.2. Reiner BREDEMEYER: 90. Geburtstag

Sein Vater war Bauingenieur und arbeitete für eine deutsche Baufirma in Kolumbien. Im Jahr 1931 kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Bredemeyer besuchte die Volks- und Realschule in Breslau. In der niederschlesischen Hauptstadt wurde er erstmals am Klavier und der Violine ausgebildet. Bredemeyer wurde 1944 als Soldat zur Wehrmacht einberufen und geriet 1945 in Bayern in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Jahr 1946 begegnete er dem Komponisten Karl Amadeus Hartmann und besuchte erstmals die von ihm veranstaltete Konzertreihe für Neue Musik musica viva in München. Hartmann führte ihn in die Werke von Igor Strawinsky, Bela Bartók, Anton Webern, Edgar Varèse, Charles Ives und Erik Satie ein. Später bezeichnete ihn Bredemeyer als wichtigsten Bezugspunkt in München. Bredemeyer besuchte eine Schule in Fürth und legte 1948 sein Abitur am Maria-Theresia-Gymnasium in München-Giesing ab. 1949-53 studierte er Komposition bei Professor Karl Höller an der Münchner Akademie für Tonkunst. Ferner besuchte er die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt. Im Jahr 1954 machte er Bekanntschaft mit Paul Dessau, der ihn zum Aufbaustudium in der DDR bewegte. Damit gehörte er zu den wenigen BRD-Künstlern, die sich bewusst für den sozialistischen Weg entschieden. Enttäuscht von der Adenauer-Regierung siedelte er nach Ost-Berlin und wurde fortan von Dessau betreut. Beide arbeiteten teilweise zusammen und pflegten ein freundschaftliches Verhältnis. Auf Vermittlung Dessaus wurde er 1954-57 erster Meisterschüler bei Professor Rudolf Wagner-Régeny an der Deutschen Akademie der Künste. Neben seinem Aufbaustudium lehrte er an der Staatlichen Schauspielschule Berlin (bis 1956). 1957-60 war er Musikalischer Leiter am Theater der Freundschaft, dem ersten Kinder- und Jugendtheater der DDR, und 1961-94 am Deutschen Theater Berlin. In dieser Zeit arbeitete er mit den Regisseuren Benno Besson, Wolfgang Heinz, Adolf Dresen und Friedo Solter und Horst Sagert zusammen. 1977-89 wurde er in den Zentralvorstand des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR gewählt. 1978 nahm man ihn als ordentliches Mitglied in die Akademie der Künste auf, wo er eine Meisterklasse leitete. Im Jahr 1988 ernannte man ihn zum außerordentlichen Professor für Komposition (bis 1991). Darüber hinaus nahm er regelmäßig als Dozent an den Geraer Ferienkursen für zeitgenössische Musik teil. Seit der politischen Wende geriet sein Werk in Vergessenheit. Zuletzt lebte er in Berlin-Müggelheim. Im Alter von 66 Jahren starb Reiner Bredemeyer nach schwerer Krankheit 1995 in Berlin. Er wurde auf dem Friedhof Pankow III beigesetzt. Reiner Bredemeyer war mit der promovierten Musikwissenschaftlerin Ute Bredemeyer-Wollny verheiratet. Sie ist Geschäftsführerin der Stiftung Preußische Seehandlung und war Vorsitzende der Internationalen Wilhelm-Müller-Gesellschaft. Der gemeinsame Sohn Bert Bredemeyer (* 1955) arbeitet als Regisseur.

Reiner Bredemeyer komponierte über 600 Werke aller Genres. Durch seine extensive Arbeit für das Deutsche Theater avancierte er nach Hanns Eisler und Paul Dessau zum bedeutendsten Theaterkomponisten der DDR. Er schrieb insgesamt vier Opern, u.a. Candide (1982) nach Voltaire und Der Neinsager (1990) nach Bertold Brecht. Die Uraufführung der Oper Candide fand 1986 im Landestheater Halle unter Christian Kluttig (Dirigent) und Andreas Baumann (Regisseur) statt. Folgende Aufführungen gab es im Staatsschauspiel Dresden und anlässlich der DDR-Musikwerkstatt-Tage. Die Oper ist als gesellschaftskritisches Werk anzusehen. Seine Vorliebe für textgebundene Stücke und die intensive Auseinandersetzung mit dem Dichter Wilhelm Müller führte zu den vielbeachteten Liederzyklen Die Winterreise (1984) und Die schöne Müllerin (1986). Bredemeyers einzige Sinfonie entstand 1974 als Gegenpart zu Goldmanns 1. Sinfonie für die Gruppe Neue Musik Hanns Eisler. Aufgrund der spärlichen Besetzung handelt es sich eher um ein kammermusikalisches Werk. Zum 200. Geburtstag von Ludwig van Beethoven komponierte er das postmoderne Werk Bagatellen für B. (1970) für Klavier und Orchester. Seit den 1970er Jahren arbeitete er mit der Gruppe Neue Musik Hanns Eisler um Burkhard Glaetzner und Friedrich Schenker zusammen. Viele seiner Instrumentalwerke wurden durch auf zeitgenössische Musik spezialisierte Kammerensembles aufgeführt, u.a. dem Ensemble intercontemporain, dem Ensemble Modern, dem Kammerensemble Neue Musik Berlin und dem Ensemble Sortisatio. Als Filmkomponist schuf er die Musik zu etlichen Spiel- und Dokumentarfilmen wie den preisgekrönten Filmen Krieg der Mumien (1973/74), Busch singt – Sechs Filme über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts (1981/82), Die Frau und der Fremde (1984) und Treffen in Travers (1990). Außerdem komponierte er über 100 Hörspielmusiken. Zusammen mit Friedrich Goldmann, Georg Katzer und Friedrich Schenker gehört Bredemeyer zur Komponistengeneration, die sich vom Sozialistischen Realismus lösend, an der westlichen Avantgarde orientierte. Er sah zu wegweisenden ausländischen Komponisten wie John Cage und Morton Feldman auf.

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Homepage:  http://reiner-bredemeyer.de/

 

2.2. Lisa DELLA CASA: 100. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung bei Margarethe Haeser in Zürich. Debüt 1941 am Städtetheater Solothurn-Biel als Butterfly. Sie sang 1943 am Stadttheater von Zürich die Mimi in »La Bohème«, nachdem sie zuvor hauptsächlich als Schauspielerin und als Konzertsopranistin aufgetreten war. Sie sang während ihres Wirkens am Opernhaus von Zürich 1943-50 dort Partien wie die Serena in »Porgy and Bess« von Gershwin, die Pamina in der »Zauberflöte« und die Gilda im »Rigoletto«. Am 20.5.1949 wirkte sie in Zürich in der Uraufführung der Oper »Die schwarze Spinne« von W. Burkhard mit; bereits 1947 hatte sie dort in der Uraufführung der Operette »Tic-Tac« von Paul Burkhard gesungen. International bekannt wurde sie dadurch, dass sie 1947 bei den Festspielen von Salzburg (durch Vermittlung der bekannten Sopranistin Maria Cebotari) die Zdenka in der Richard-Strauss-Oper »Arabella« übernahm. Bis 1960 feierte sie bei den Salzburger Festspielen immer wieder große Erfolge: 1948 als Marzelline im »Fidelio«, 1950 als 1. Dame in der »Zauberflöte« und als Gräfin im »Capriccio« von R. Strauss, 1953 als Octavian im »Rosenkavalier«, 1954-55 als Ariadne in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, 1956 als Donna Elvira im »Don Giovanni«, 1957 als Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss, 1958 in der Titelrolle in »Arabella« von R. Strauss, 1959 als Pamina sowie 1960 als Gräfin in »Le nozze di Figaro« und als Marschallin im »Rosenkavalier« (in der Eröffnungsvorstellung des neuen Großen Festspielhauses). Am 17.8.1953 kreierte sie in Salzburg alle drei Frauenrollen in der Uraufführung der Oper »Der Prozess« von Gottfried von Einem. Bei den Salzburger Festspielen trat sie auch in Konzerten auf, u.a. 1954 in einem Mozart-Konzert, 1956 im Mozart-Requiem, 1957 im Deutschen Requiem von Brahms, 1958 mit den Vier letzten Liedern von R. Strauss sowie 1957 mit einem viel beachteten Liederabend. 1947 wurde sie Mitglied der Staatsoper von Wien, wo sie bald glänzende Erfolge erzielte. Sie debütierte dort als Nedda im »Bajazzo« und sang dort bis 1973 in insgesamt 426 Vorstellungen mehr als 25 verschiedene Partien, darunter die Gilda, die Butterfly, die Sophie wie den Octavian wie die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Königin der Nacht wie die Pamina in der »Zauberflöte«, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Marzelline im »Fidelio«, die Laura in Millöckers »Der Bettelstudent«, die Gräfin im »Capriccio«, die Ariadne, die Arabella, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die drei Frauenrollen in G. von Einems »Der Prozess«, die Donna Ann wie die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Ursula in »Mathis der Maler« von Hindemith, die Chrysothemis, die Mimì in »La Bohème«, die Lucile in »Dantons Tod« von G. von Einem und die Ilia im »Idomeneo« von Mozart. Ihre eigentliche Glanzrolle wurde die Arabella in der gleichnamigen Strauss-Oper, die sie zuerst 1950 in Zürich, dann in Salzburg (1958), an der Covent Garden Oper London wie an vielen weiteren Theatern sang; berühmt auch in Partien aus den Barock-Opern von Händel. 1951 gestaltete sie bei den Festspielen von Glyndebourne die Partie der Gräfin in »Le nozze di Figaro«. 1952 sang sie bei den Festspielen von Bayreuth die Eva. An der Mailänder Scala erlebte man sie 1952 als Marzelline im »Fidelio« und als Sophie im »Rosenkavalier« sowie 1961 als Fiordiligi. Seit 1953 war sie häufig an der Londoner Covent Garden Oper zu hören, an der Grand Opéra Paris 1949 als Sophie im »Rosenkavalier«, 1956 am Teatro Colón Buenos Aires. An der Oper von San Francisco gastierte sie 1958 als Chrysothemis und Mimì, 1961 als Eva und als Gräfin in »Le nozze di Figaro«. Durch Gastverträge war die Sängerin der Staatsoper München und der Städtischen Oper Berlin verbunden. Sie gastierte in Chicago und Rom und bei den Mai-Festspielen von Wiesbaden. 1953-67 war sie Mitglied der New Yorker Metropolitan Oper (Debüt als Gräfin in »Le nozze di Figaro«). Hier sang sie bis 1967 elf verschiedene Partien in insgesamt 174 Vorstellungen: die Donna Elvira, die Eva, die Butterfly, die Marschallin wie den Octavian, die Arabella, die Elsa im »Lohengrin«, die Saffi im »Zigeunerbaron«, die Mimì und die Ariadne. Gastspiele und Konzertreisen führten die Sängerin bis zur Aufgabe der Karriere 1974 in die Musikmetropolen in aller Welt; sie lebte später auf ihrem Schloss Gottlieben am Schweizer Ufer des Bodensees. 1985 wurde sie zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. Sie starb 2012 in Münsterlingen (Schweiz). Ihr Gatte Dragan Debeljevic beschrieb ihr Leben in »Ein Leben mit Lisa della Casa« (Zürich, 1975). – Sopranstimme, in der sich Leuchtkraft des Timbres, Vollkommenheit der Phrasierungskunst und tief künstlerische Gestaltungsgabe verbinden, namentlich als Mozart- und Richard-Strauss-Interpretin, aber auch als Liedersängerin bedeutend.

Lit: G. Fitzgerald: Lisa della Casa (in »Opera«, 1968), R. Celletti & R. Vegeto: Lisa della Casa (in »Le grandi Voci«, Rom 1964).

Viele Aufnahmen auf Decca, darunter vollständige Opern (»Figaros Hochzeit«, »Don Giovanni«, »Così fan tutte«, »Arabella«). Auch Schallplatten der Marken HMV (»Tosca«, »Frauenliebe und -leben« von R. Schumann), DGG (»Arabella«), RCA (»Orpheus und Eurydike« von Gluck, »Figaros Hochzeit«, 4. Sinfonie von G. Mahler, Lieder von R. Strauss), Columbia (»Die lustige Witwe«), Melodram (»Die Zauberflöte«, »Capriccio«), Nixa, Rococo (»Fidelio«), Cetra Opera Live (»Die Meistersinger von Nürnberg«, Bayreuth, 1952; »Elektra«) und Eurodisc (integrale Aufnahme von »La Vie Parisienne« von Offenbach); DGG-Video (»Don Giovanni«), Artists International-Video (»Lisa della Casa in Opera«).

Weitere Informationen auf der ihr gewidmeten Homepage: http://www.lisadellacasa.ch/

 

2.2. Jean PÉRIER: 150. Geburtstag


Als Pelleas

 Er stammte von belgischen Eltern ab. Musik- und Gesangstudium am Conservatoire National von Paris bei Taskin und Bussine. Er debütierte 1892 an der Opéra-Comique in Paris als Monostatos in der »Zauberflöte«. Er ist während seiner gesamten Karriere an diesem Opernhaus aufgetreten und hat nur ganz selten gastiert. Die Zahl der Uraufführungen und Premieren, in denen er an der Opéra-Comique mitwirkte, würde Seiten füllen. Bereits am 24.5.1893 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Phryné« von Saint-Saëns mit. Am 30.4.1902 sang er an der Opéra-Comique den Pelléas in der Uraufführung von »Pelléas et Mélisande« von Debussy, am 6.11.1903 in der Uraufführung von »La Reine Fiammette« von Xavier Leroux, am 6.11.1907 in »Le Chemineau« von dem gleichen Komponisten, am 16.3.1904 in »La fille de Roland« von Henri Rabaud, am 3.3.1905 in »L’Enfant Roi« von Alfred Bruneau, am 20.2.1901 in »La fille de Tabarin« von Gabriel Pierné, am 5.6.1907 in »Fortunio« von Messager. Am 19.5.1911 kreierte er an der Opéra-Comique in der Uraufführung der Oper »L’Heure espagnole« von Ravel die Partie des Ramiro, am 15.5.1914 am gleichen Haus die Titelpartie in der Uraufführung von »Marouf« von Henri Rabaud. 1912 wirkte er an der Opéra-Comique in der Uraufführung von »La Sorcière« von Camille Erlanger, 1916 in der von Alfred Bruneaus Oper »Les quatre journées« mit, 1920 in der von »Le Roi Candaule« vom gleichen Komponisten, ebenso 1920 in »La Rôtisserie de la Reine Pedauque« von Charles Lavadé. Zu seinen Glanzrollen gehörten der Don Giovanni, der Sharpless in »Madame Butterfly« und der Scarpia in »Tosca«. Er trat nicht nur auf der Opernbühne, sondern auch an Pariser Operetten-Theatern auf (Bouffes-Parisiens, wo er auch am 10.12.1898 in der Uraufführung von Messagers »Véronique« sang; Folies-Dramatiques). 1923 sang er am Théâtre des Nouveautés Paris in der Uraufführung der Operette »Ciboulette« von Reynaldo Hahn. Er erschien auch als Schauspieler auf der Sprechbühne; weiter wirkte er in sehr vielen Filmen mit. Außerhalb Frankreichs ist er nur selten aufgetreten, so 1908 am Manhattan Opera House New York als Pelléas. An der Oper von Monte Carlo sang er in der Uraufführung der Oper »Don Procopio« von Bizet die Titelrolle (10.3.1906). 1906 gastierte er am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1908 mit dem Ensemble der Opéra-Comique Paris bei den Opernfestspielen von Köln als Pelléas. Bis 1938 dauerte seine Karriere; darauf war er als Pädagoge in Paris tätig. Er starb 1954 in Neuilly bei Paris. – Seine Stimme war ein typisch französischer Bariton-Martin, halb Tenor, halb Bariton, doch schätzte man ihn vor allem als großartigen Schauspieler.

Er sang einige ganz seltene Pathé-Zylinder; er soll auch Platten auf APGA gesungen haben, die aber nie offiziell herausgekommen sind.

 

2.2. Louis MARCHAND: 350. Geburtstag

 Sein Vater Jean soll ein „mittelmäßiger Organist“ gewesen sein. Louis jedoch wurde, laut einer in seinem Todesjahr veröffentlichten Lebensbeschreibung, bereits mit 14 Jahren Organist der Kathedrale von Nevers. Andere Dokumente belegen, dass er sich mit 20 Jahren in Paris verheiratete. Ab 1691 wirkte er an der Jesuitenkirche in der Rue St. Jacques, an St. Benoît, bei den Cordeliers und im Kloster Saint-Honoré. Ab 1708 gehörte er offiziell zu den Organisten des Königs. 1713 begab er sich auf eine mehrjährige Reise durch die deutschen Länder und spielte für den Kaiser und für einige Kurfürsten. Im September 1717 soll er sich einem musikalischen Wettstreit mit Johann Sebastian Bach am Dresdner Hof durch Flucht entzogen haben; allerdings beschreiben diesen Vorfall nur deutsche Quellen, etwa Friedrich Wilhelm Marpurg und Jakob Adlung. Offenbar wurde Marchand wenig später in Paris mit offenen Armen empfangen. Bis zu seinem Tod 1932 in Paris blieb er Organist bei den Cordeliers und ein vielgesuchter Lehrer; sein erfolgreichster Schüler war Louis-Claude Daquin. Louis Marchand besaß in Frankreich einen überragenden Ruf als Virtuose. Zusätzlich sorgten Skandale für seine Bekanntheit: Er soll Intrigen gegen Pierre Dandrieu und Francois Couperin lanciert und seine Frau geschlagen haben. 1701 trennte er sich von ihr; die Deutschlandreise soll eine Flucht vor ihren finanziellen Forderungen gewesen sein. In Deutschland muss Marchand behauptet haben, er sei wegen „Impertinenz“ von Ludwig XIV. exiliert worden. Jedenfalls kennen nur deutsche Quellen diese Version, Musikgeschichtler bezweifeln sie. Louis Marchand scheint an Veröffentlichungen seiner Kompositionen wenig interessiert gewesen zu sein. Immerhin wurden zahlreiche kleine Lieder, so genannte Airs, in Anthologien seiner Zeit aufgenommen. 1702 erschienen in Paris zwei Suiten für Cembalo, denen Charme und Qualität zugesprochen wird; eine Anthologie von 1707 enthält ein Cembalostück namens La vénitienne. Erst nach Marchands Tod erschien in Paris eine Sammlung von Orgelstücken, darunter ein Quartett für drei Manuale und Pedal.

 

4.2. Renata BABAK: 85. Geburtstag

 Sie studierte 1955-58 am Rimsky-Korssakow-Konservatorium in Leningrad bei Frau Musanskaja, 1958-61 an der Tschaikowsky Musikakademie Kiew bei Jewutschenko. Bühnendebüt 1958 an der Oper von Leningrad als Prinzessin in Dargomyschskis »Russalka«. 1961-64 sang sie am Opernhaus von Lwów (Lemberg) und debütierte 1964 am Bolschoi Theater Moskau als Carmen. Sie hatte hier wie bei Gastspielen an anderen führenden russischen Opernhäusern (Kiew, Tiflis, Charkow) eine erfolgreiche Karriere und gastierte auch im Ausland. So trat sie gastweise an den Staatsopern von Warschau und Budapest, am Deutschen Opernhaus Berlin und an der Mailänder Scala (1973 als Amme in Borodins »Fürst Igor« im Rahmen eines Gastspiels des Bolschoi Theaters) auf. 1973 emigrierte sie in die USA. Hier sang sie an verschiedenen Opernhäusern Partien wie die Azucena im »Troubadour«, die Amneris in »Aida«, die Ulrica in Verdis »Un Ballo in maschera«, die Santuzza in »Cavalleria rusticana« und die Leonore in »La forza del destino«. Ihr Repertoire für die Bühne enthielt weiter die Kontschakowna in Borodins »Fürst Igor«, die Marina im »Boris Godunow«, den Ratmir in »Ruslan und Ludmilla« von Glinka, die Ljubawa in »Sadko« von Rimsky-Korssakow, die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Ortrud im »Lohengrin«, den Orpheus von Gluck, die Eboli in Verdis »Don Carlos« und an erster Stelle die Carmen. Sie unternahm große Konzerttourneen in den USA wie in Europa. Seit 1983 leitete sie die Vokalklasse am Washington Conservatory of Music. Sie starb 2003 in Silver Spring (Maryland).

In den USA erschienen Schallplatten bei The Golden Age (»Renata Babak sings Ukrainian Songs and Arias«).

Weitere Informationen auf der ihr gewidmeten Homepage: http://orpheusandlyra.homestead.com/operaart.html

 

5.2. Evžen ZÁMEČNÍK: 80. Geburtstag

Er studierte 1956-61 Violine und Komposition am Konservatorium in Brünn, Tschechien. An der Janáček-Akademie der musischen Künste in Brünn vervollständigte er seine Studien der Komposition bei Jan Kapr. 1968 graduierte er mit der Einakt-Oper Die Posse vom Zuber – Farce of a Tub. Mittels eines Stipendiums vertiefte er seine Kompositionsstudien 1968-70 an der Staatlichen Hochschule für Musik in München bei Günter Bialas sowie schließlich bei Jirí Dvoráček an der Akademie der musischen Künste in Prag 1974-79. Im Orchester der Janáček-Oper und in der Staatlichen Philharmonie von Brünn spielte er einige Jahre Violine. 1982 gründete er die Brno Brass Band (B-B-B), ein Kammer-Ensemble, dessen musikalischer Direktor und Dirigent er war und für das er zahlreiche Kompositionen schuf. Aufgrund seiner großen auch internationalen Erfahrung war er ein vielgefragtes Jury-Mitglied für Kompositions- und Orchesterwettbewerbe im In- und Ausland. Sein Stil hatte anfänglich eine Tendenz zum Neo-Klassizismus, später integrierte er zunehmend zeitgenössische Kompositionstechniken. Durchgehend bevorzugt er aber eine unkomplizierte, spontane Tonsprache, zunächst mit einer gewissen Neigung zu den Klangfarben der Streichinstrumente, in späteren Werken zeigt er ein zunehmendes Interesse für Bläser und Schlagzeug. Er starb 2018 in Brünn.

 

5.2. Frangiskos VOUTSINOS: 85. Geburtstag

 Nach anfänglichem Mathematikstudium an der Universität von Athen Ausbildung der Stimme 1955-58 am Konservatorium von Athen und 1960-63 an der Musikhochschule Wien, wo er u.a. Schüler von Elisabeth Rado und Erik Werba war. 1961 begann er seine Bühnenlaufbahn als Eleve an der Wiener Volksoper und wurde 1962 als reguläres Mitglied in das Ensemble dieses Hauses übernommen. Nachdem er einen Gesangwettbewerb in Verviers und den Mozart-Wettbewerb in Wien als Preisträger beendet hatte, begann er eine langjährige Karriere am Opernhaus von Wuppertal und seit 1965 auch an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Seit 1987 Mitglied des Opernhauses von Frankfurt a.M. 1986 sang er in der Grange sublime de Mezières wie am Opernhaus von Lausanne den Seneca in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea«, 1987 in Lyon in »Les Troyens« von Berlioz. An der Komischen Oper Berlin gastierte er als Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, bei den Festspielen von Aix-en-Provence als Caronte in »L‘Orfeo« von Monteverdi (1985). Weitere Gastspiele an großen Bühnen in Deutschland wie in ganz Europa trugen ihm wichtige Erfolge ein, die sich in ähnlicher Form auch im Konzertsaal einstellten, u.a. bei einer Japan-Tournee. Sein Bühnenrepertoire besaß einen ungewöhnlichen Umfang und enthielt als besondere Glanzrollen den König Philipp in Verdis »Don Carlos«, den Mephisto im »Faust« von Gounod, den Titelhelden im »Boris Godunow« von Mussorgsky und den Mendoza in Prokofjews »Verlobung im Kloster«. 1984 wirkte er an der Oper von Lyon in der Uraufführung der Oper »Medea« von Gavin Bryars mit. Der Künstler widmete sich auch gern der Interpretation barocker Musikwerke. 1998 trat er in der Megaron Mousikis Halle in Athen als Arkel in »Pelléas et Mélisande« auf. Er starb 1999 in Athen.

Schallplatten: RCA-Erato (Plutone und Caronte in Gesamtaufnahme von Monteverdis »L‘Orfeo«), Intuition (»Canto Olimpico« und »Canto General« von Theodorakis), Concerts Athens (»Der Ring der Mutter« von Manolis Kalomiris).

 

5.2. Herbert SCHACHTSCHNEIDER: 100. Geburtstag

 Gesangstudium an der Musikhochschule Berlin; er studierte auch bei Hans Nachod in London. Nachdem er den Zweiten Weltkrieg als Soldat mitgemacht hatte und nach seiner Kriegsgefangenschaft, begann er seine Karriere 1953 am Stadttheater von Flensburg. Es folgten Engagements am Stadttheater von Mainz und am Opernhaus von Essen, schließlich 1959 seine Berufung an das Opernhaus von Köln. Er wirkte an der Oper von Köln bis 1984 als Mitglied des Ensembles und auch später noch als Gast. Neben seinem Engagement in Köln war er Mitglied der Opernhäuser von Frankfurt a.M. (1958-63) und Hannover (1963-67). 1956 gastierte er am Opernhaus von Zürich als Parsifal. Beim Holland Festival sang er 1958 in Schönbergs »Von heute auf morgen« (Wiederholung in konzertanter Form 1963 in der Royal Festival Hall London). 1956 zu Gast an der Städtischen Oper Berlin, 1955 und 1960 am Opernhaus von Zürich, 1967 am Teatro Colón Buenos Aires (als Loge im »Rheingold«), 1968 am Théâtre de la Monnaie Brüssel (als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«), sowie 1962 und 1969 an der Staatsoper von Wien (als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss). Auch Gastspiele an den Staatsopern von München und Stuttgart sowie 1963 an der Mailänder Scala in einer seiner größten Partien, dem Loge. 1971 trat er am Teatro Comunale Bologna als Walther von Stolzing auf. Aus seinem Repertoire für die Bühne sind noch der Florestan im »Fidelio«, der Tannhäuser, der Lohengrin und der Radames in Verdis »Aida« zu nennen. 1959 wirkte er am Opernhaus von Köln in der Uraufführung der Oper »Der Tod des Grigori Rasputin« von Nikolas Nabokov mit. Seit 1972 war er Dozent, seit 1975 Professor an der Musikhochschule Saarbrücken. Er starb 2008 in Köln.

Schallplatten: Westminster (Titelheld im »Lohengrin«), DGG (»Gurrelieder« von Schönberg), Columbia (»Von heute auf morgen«); auch Aufnahmen auf Electrola und DGG.

 

5.2. William WERNIGK: 125. Geburtstag

 Er wurde 1914 zum Kriegsdienst eingezogen und im folgenden Jahr in Russland schwer verwundet. Seit 1915 lebte er in Wien und bildete sich, größtenteils autodidaktisch, zum Sänger aus. 1919 wurde er an die Wiener Staatsoper verpflichtet, der er bis zu seinem Rücktritt von der Bühne im Jahre 1963 angehörte. Er war ein vielseitiger Spiel- und Charaktertenor, übernahm im Laufe seiner langen Karriere jedoch auch zahlreiche Aufgaben aus dem Comprimario-Fach. Dabei schätzte man sein bedeutendes schauspielerisches Talent. Zu seinen Glanzrollen zählten der Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, die vier Dienerrollen in »Hoffmanns Erzählungen«, der Bardolfo in Verdis »Falstaff«, der Falke in der »Fledermaus«, der Steuermann in »Der fliegende Holländer«, die Hexe in »Hänsel und Gretel«, der Baron Lummer in »Intermezzo« von R. Strauss, der Besenbinder in »Königskinder« von Humperdinck, der Junker Spärlich in Nicolais »Die

lustigen Weiber von Windsor«, der Goro in »Madame Butterfly«, der David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Basilio in »Figaros Hochzeit«, der Hirte in »Oedipus Rex« von Strawinsky, der Monostatos in der »Zauberflöte«, der Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Cassio im »Otello« von Verdi, der Beppe im »Bajazzo«, der Froh wie der Mime im Nibelungenring, der Spoletta in »Tosca«, der Altoum wie der Pong in Puccinis »Turandot«, der Haushofmeister bei Faninal wie der Valzacchi im »Rosenkavalier«, der Narraboth in »Salome« von R. Strauss, der Filipeto in E. Wolf-Ferraris »Die vier Grobiane«, der Georg im »Waffenschmied« von Lortzing und der Ottokar im »Zigeunerbaron« von J. Strauß. Am 26.12.1935 wirkte er an der Wiener Staatsoper in der Uraufführung der Oper »Die Dame im Traum« von Franz Salmhofer als Hoteldirektor mit. Er gab Gastspiele an der Staatsoper von Dresden (1927), beim Maggio Musicale von Florenz (1935) und an der Wiener Volksoper (1940), in Mailand, Paris (1928, 1936) und Brüssel und war ein geschätzter Konzertsänger. 1927-49 wirkte er als Solist bei den großen Konzertveranstaltungen im Rahmen der Salzburger Festspiele (1928 in Schuberts Es-Dur-Messe, 1930 und 1936 in Mozarts Krönungs-Messe, 1930 und 1933 in Bruckners F-Moll-Messe, 1936 in Mozarts Missa solemnis C-Dur) mit, gehörte aber auch zu den am meisten beschäftigten Bühnensängern der Festspiele. Im Einzelnen sang er dort den Basilio (1927, 1933-37) und den Don Curzio (1942, 1946-48) in »Figaros Hochzeit«, den 1. Gefangenen im »Fidelio« (1927-37), den Haushofmeister bei Faninal und den Wirt im »Rosenkavalier« (1929-35, 1937-39, 1941, 1946, 1949), den 1. Geharnischten (1931) und den Monostatos (1932-33, 1937) wie einen der Priester (1941) in der »Zauberflöte«, den Buckligen in der »Frau ohne Schatten« von Richard Strauss (1932-33), den jungen Diener in »Elektra« (1934, 1937), den Pedrillo (1935), den Pedro in Hugo Wolfs »Der Corregidor« (1936), Heinrich den Schreiber im »Tannhäuser« (1938), den Welko in »Arabella« (1942). Er wirkte bei den Festspielen von Salzburg auch in der Uraufführung von G. von Einems Oper »Dantons Tod« als 1. Henker mit (8.8.1947). 1959 wurde er zum Betriebsrat des künstlerischen Personals der Wiener Staatsoper gewählt. Er starb 1973 in Wien.

Schallplatten: Kleinere Partien in vollständigen Opernaufnahmen auf HMV (»Der Rosenkavalier«) und Decca (»Die Meistersinger von Nürnberg«). Neu-Ausgabe einer »Zauberflöte« unter Toscanini aus Salzburg von 1937 in der Toscanini Edition, in der er den Monostatos singt. Aus dem gleichen Salzburger Festspielsommer stammt eine Aufnahme von »Figaros Hochzeit«, in der er als Basilio erscheint. Auf Danacord singt er zusammen mit Karl Ettl in der Szene der Geharnischten aus der »Zauberflöte«. Auch auf Koch/Schwann in Archivaufnahmen aus der Wiener Staatsoper zu hören, u.a. als Mime in Szenen aus dem Nibelungenring und als David in »Die Meistersinger von Nürnberg«.

 

6.2. Heinrich LÖFFLER: 125. Geburtstag

 Er war Absolvent der Musikhochschule Köln und begann 1920 eine Karriere als Konzertsänger. Er sang vor allem Solopartien in Oratorien und betätigte sich beim damals aufkommenden Rundfunk. 1927 debütierte er als Opernsänger am Stadttheater von Duisburg, dessen Mitglied er bis 1935 blieb. 1935 wechselte er von dort an das Stadttheater von Halle/Saale und sang darauf in den Jahren 1939-41 am Theater von Cottbus. Danach war er noch bis 1944 als Opern- wie als Konzertsänger in Gastspielen zu hören. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er in Berlin und war 1948-52 an der dortigen Städtischen Oper engagiert, wo er jetzt Aufgaben im Charakterfach übernahm. Er trat noch bis 1958 als Gast auf und wirkte in mehreren Filmen mit. Aus seinem reichhaltigen Bühnenrepertoire sind zu nennen: der Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, der Komtur im »Don Giovanni«, der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Daland in »Der fliegende Holländer«, der Fafner, der Alberich wie der Hunding im Nibelungenring, der Hans Sachs und der Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Gurnemanz wie der Klingsor im »Parsifal«, der Plumkett in Flotows »Martha«, der van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, der Stadinger im »Waffenschmied«, der Ochs im »Rosenkavalier«, der Sparafucile im »Rigoletto«, der Sulpice in Donizettis »Regimentstochter«, der Colline in »La Bohème« und der Mephisto im »Faust« von Gounod. Der Künstler war in erster Ehe mit der Altistin Elisabeth Bohn, in zweiter mit der Sängerin Charlotte Gosebruch verheiratet. Er starb 1974 in Berlin.

 

7.2. Frederik ERICSON: 150. Geburtstag

 Er begann seine Opernkarriere 1899 an der Königlichen Oper Stockholm und blieb dort bis 1931 als Mitglied des Ensembles engagiert. In dieser Zeit sang er dort eine Fülle von Partien, zumeist kleinere Rollen, wobei er sowohl Tenor- wie Baritonpartien in seinem Repertoire hatte. Der Künstler erwies sich als ein besonders verlässliches, unentbehrliches Mitglied des Ensembles und wurde, auch wegen seines schauspielerischen Könnens, in Rollen wie dem Spoletta in »Tosca«, dem Schmidt im »Werther« von Massenet, dem Alvise in »Le donne curiose« von E. Wolff-Ferrari, dem Dumas in »Andrea Chénier« von Giordano, dem Wirt im »Rosenkavalier« und dem Tschaplitzky in »Pique Dame« von Tschaikowsky geschätzt; er wirkte an der Stockholmer Oper in mehreren Ur- und Erstaufführungen von Opern mit. Er starb 1946 in Stockholm.

1913 entstand eine Aufnahme auf HMV mit dem Te Deum aus Puccinis »Tosca«, in der er den Spoletta singt.

 

7.2. Jani SZIKA: 175. Geburtstag

 Nachdem er anfänglich Medizin studiert hatte, wandte er sich dem Theater zu und begann seine Karriere als Schauspieler 1864 am Deutschen Theater von Pest. Er ließ seine Stimme durch den bekannten Pädagogen Carl Maria Wolf in Wien ausbilden. Auf Empfehlung von Josephine Gallmeyer wurde er 1866 von dem Direktor Friedrich Strampfer zu einem Gastspiel an das Wiener Theater an der Wien eingeladen. Man übertrug ihm dort die Tenorpartie des Fritz in der »Großherzogin von Gerolstein« von Offenbach. Als er diese Partie mit glänzendem Erfolg gesungen hatte, wandte er sich der damals aufblühenden Wiener Operette zu. Daneben nahm er auch Rollen in Volksstücken und in Possen in sein umfangreiches Repertoire auf. So wirkte er in Wien in den Uraufführungen der Volksstücke »Der Pfarrer von Kirchfeld« und »Der Meineidbauer« von Ludwig Anzengruber mit. Am Theater an der Wien, zu dessen prominentesten Mitgliedern er bis 1880 gehörte, wurde er namentlich durch seine Kreationen von Tenorpartien in den Operetten von Johann Strauß bekannt. So sang er am 10.2.1871 dort in der Uraufführung von »Indigo« die Rolle des Ali Baba, am 1.3.1873 den Benvenuto Rafaeli in der Uraufführung von »Karneval in Rom« und am 27.2.1875 den Grafen Fodor in »Cagliostro in Wien«, am 30.3.1878 auch in der Uraufführung der Operette »Das verwunschene Schloss« von Millöcker. In die Musikgeschichte ging sein Name jedoch vor allem dadurch ein, dass er am 5.4.1874 am Theater an der Wien den Eisenstein in der Uraufführung der »Fledermaus« kreierte. In dem Jahrzehnt von 1880 bis 1890 war er am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater Berlin verpflichtet, wo er am 3.10.1883 in einer weiteren Uraufführung einer Johann Strauß-Operette, »Eine Nacht in Venedig«, die Rolle des Caramello sang. Dann wandte er sich wieder dem Schauspiel zu und trat in Berlin und 1890-1912 am Stadttheater von Frankfurt a.M. in komischen Sprechrollen auf. Zuletzt lebte er in Wien, wo er 1916 starb.

 

8.2. Béatrice HALDAS: 75. Geburtstag

Nach einem Musik- und Sprachenstudium und dem Erwerb der Diplome für französische und italienische Sprachwissenschaft erfolgte die Ausbildung ihrer Stimme, zuerst am Konservatorium von Genf bei Juliette Bise, dann durch Arturo Merlini in Mailand. 1973 gewann sie den Nationalen Gesangwettbewerb der Schweiz. Sie debütierte 1976 am Stadttheater von Bern als Gräfin in »Figaros Hochzeit«. Sie sang am Stadttheater von Bern die Pallas Athene in der Schweizer Erstaufführung von Monteverdis »Il ritorno d’Ulisse in patria« (Spielzeit 1975-76). 1977-79 war sie am Stadttheater von Basel engagiert. 1979 gastierte sie sehr erfolgreich an der Opéra du Rhin Straßburg als Euridice in »Orfeo ed Euridice« von Gluck. Im gleichen Jahr folgte sie einem Ruf an die Staatsoper von Hamburg, wohin sie ihren Wohnsitz verlegte, und deren Mitglied sie bis zu ihrem Tod blieb. Hier sang sie u.a. die Ghita in der Premiere von Zemlinskys »Der Zwerg« (»Der Geburtstag der Infantin«). Gastspiele am Opernhaus von Zürich, am Theater von Luzern (als Mimi in »La Bohème«) und an weiteren Bühnen im deutschsprachigen Raum. 1980 war sie an der Wiener Staatsoper als Micaela in »Carmen« zu Gast. Sie trat auch beim Festival von Edinburgh (1983 als Ghita anlässlich eines Gastspiels der Hamburger Staatsoper), an der Oper von Rom und in Amsterdam als Gast auf. Ihre wichtigsten Bühnenpartien waren die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Ilia in »Idomeneo« von Mozart, die Cleopatra in »Giulio Cesare« von Händel, die Liu in Puccinis »Turandot« und die Antonia in »Hoffmanns Erzählungen«, aber auch Partien in zeitgenössischen Opern. Die Sängerin starb 1987 nach langer Krankheit auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in Nyon am Genfer See.

Schallplatten: Orfeo (»Faust« von L. Spohr), Pelco (»Le Roi David« von A. Honegger), RCA (Kantaten von J. Haydn und Cherubini), Acanta (»Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz« von J. Haydn), Schwann (»Der Zwerg« von Zemlinsky), Wergo (Werke von P. Hindemith).

 

8.2. Hilde VADURA: 90. Geburtstag

 

9.2. Willem KERSTERS: 90. Geburtstag

Er absolvierte ab 1945 das Königlich Flämische Konservatorium in Antwerpen in den Fächern Harmonielehre und Klavier. Danach vervollständigte er seine Fähigkeiten durch weitere Studien am Königlichen Konservatorium in Brüssel bei Jean Louel Kontrapunkt, Jean Absil und Marcel Quinet Fuge, Marcel Poot Komposition und bei René Defossez Orchesterdirektion. Nachdem er als Musiklehrer diplomierte, war er einige Jahre in den Städten Tienen, Löwen und Aarschot tätig. 1961-68 bekleidete er die Funktion des Musikprogrammleiters des Belgischen Radios und Fernsehen (BRT). Ab 1962 gehörte er dem Lehrkörper des Königlich Flämischen Konservatoriums in Antwerpen als Dozent für Harmonielehre, später auch für Komposition an. 1967 berief ihn das Konservatorium in Maastricht, Niederlande zum Professor für musiktheoretische Fächer. Diese Lehrtätigkeiten beendete er 1989. Für seine Kompositionen bekam Kersters nationale und internationale Preise und Auszeichnungen. Er starb 1998 in Antwerpen.

 

9.2. George GUEST: 95. Geburtstag

 Biographie des walisischen Chordirigenten auf Englisch:

https://en.wikipedia.org/wiki/George_Guest  

 

9.2. Siw ERICSDOTTER: 100. Geburtstag

 Zunächst Studium der bildenden Künste an der Kunstakademie in Stockholm. Nach der Entdeckung ihrer Stimme 1945-47 Schülerin der Musikakademie Stockholm und von Nanny Larsén-Todsen. 1948 nahm sie erfolgreich am internationalen Gesangwettbewerb von Scheveningen teil. Sie debütierte 1951 an der Königlichen Oper Stockholm, deren Mitglied sie bis 1954 blieb. Dann wurde sie an die Hamburger Staatsoper engagiert, der sie bis 1959 angehörte. 1957-60 war sie durch einen Gastvertrag dem Opernhaus von Frankfurt a.M. verbunden. 1959 erschien sie an der Städtischen Oper (Deutsches Opernhaus) Berlin als Senta in »Der fliegende Holländer« seitdem sang sie dort bis 1963 und blieb dem Haus auch weiter als Gast verbunden. Gastspiele an den Staatsopern von Wien (1959-67 als Leonore im »Fidelio«, als Marschallin im »Rosenkavalier«, als Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss und als Senta) und Stuttgart, in Stockholm, Paris und an italienischen Theatern. 1962-70 Mitglied der Staatsoper von Stuttgart. Vor allem als Wagner-Interpretin (Elsa im »Lohengrin«, Sieglinde in der »Walküre«, Venus im »Tannhäuser«) geschätzt, aber auch als Amneris in »Aida«, als Tosca und als Titelheldin in der Oper »Judith« des schwedischen Komponisten N. Berg. 1952 wirkte sie an der Stockholmer Oper in der Uraufführung von Ture Rangströms »Gilgamesch« mit. Auch als Konzert- und Liedersängerin hatte sie eine Karriere auf internationalem Niveau. Sie nahm ihre Wohnung in Königstein im Taunus. Sie starb im Mai 2006.

Schallplatten: Electrola (Herodias in vollständiger »Salome«), DGG (»Der Evangelimann« von Kienzl), Decca (Lieder).

 

10.2. Wassili Pawlowitsch KALAFATI: 150. Geburtstag

 Er stammt aus einer Familie griechischer Einwanderer und war am St. Petersburger Konservatorium Schüler von Nikolai Rimski-Korsakow. 1907-29 (ab 1923 als Professor) unterrichtete er dort Komposition und Musiktheorie. Zu seinen Schülern zählten Alexander Skrjabin, Igor Strawinsky und Heino Eller. Er komponierte unter anderem eine Oper (Cygany nach Puschkin), eine Sinfonie a-Moll, die symphonische Dichtung Legenda (mit der er einen Preis beim Internationalen Schubert-Wettbewerb 1928 gewann), eine Ouvertüre und eine Polonaise für Orchester, kammermusikalische Werke, Klavierstücke und Lieder. Stilistisch an seinem Lehrer Nikolai Rimski-Korsakow orientiert, blieb sein kompositorisches Schaffen weitgehend unbeachtet; er war aber einer der wichtigsten russischen Kompositionslehrer seiner Zeit. Kalafati starb 1942 als Opfer der deutschen Belagerung Leningrads.

 

10.2. Johann Christoph GLOY: 225. Geburtstag

 1808 betrat er, ganz jung, in Altona erstmals die Bühne und wurde bald ein geschätzter Bass-Buffo. Einer Tradition des deutschen Theaters folgend, trat er auch als Darsteller komischer Rollen in Schau- und Lustspielen auf. Er wirkte in der Folgezeit an Bühnen in Kiel und Flensburg und kam 1815 an das Stadttheater von Hamburg. Länger als 50 Jahre gehörte er diesem Haus an, an dem er bis zu seinem Bühnenabschied 1866 eine Fülle von Partien aller Art vortrug. Aus seinem Opernrepertoire sind der van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, der Baculus im »Wildschütz«, der Bartolo im »Barbier von Sevilla« von Rossini und der Don Pedro in der »Afrikanerin« von Meyerbeer zu nennen. Er wirkte in Hamburg in mehreren Premieren von damals neuen Opern mit, so 1816 als Jaquino (!) im »Fidelio«, 1822 als Kuno im »Freischütz«, 1837 als Nevers in Meyerbeers »Hugenotten« und 1844 als Raimondo im »Rienzi« von Richard Wagner. Er starb 1879 in Hamburg.

 

11.2. Eszter PÓKA: 75. Geburtstag

 Die aus Ungarn stammende Sängerin wurde 1971 Mitglied der Nationaloper Budapest, setzte aber in den Jahren 1973-76 mit ihrer Karriere aus. 1977 gewann sie einen Gesangwettbewerb des Ungarischen Rundfunks und trat noch im gleichen Jahr wieder in das Ensemble der Budapester Oper ein. Sie trat bis 1985 an der Nationaloper Budapest auf. Hier sang sie eine Vielzahl von Mezzosopran- und Altpartien aus allen Bereichen der Opernliteratur, namentlich aus dem italienischen Fach. Zu ihren Bühnenpartien gehörten die Maddalena im »Rigoletto«, die Amneris in »Aida« und die Eboli im »Don Carlos« von Verdi. 1985 Gastspiel am Opernhaus von Graz in der Titelrolle in K. Goldmarks »Königin von Saba«. Neben ihrem Wirken auf der Bühne erschien sie in Sendungen des ungarischen Fernsehens wie des Rundfunks und kam zu einer erfolgreichen Konzertkarriere. Sie starb im Februar 2015.

Schallplatten: Vollständige Opern »Suor Angelica« von Puccini (in der Rolle der Principessa), »Mosè in Egitto« von Rossini (als Anaide), »La Fiamma« von Respighi, alle auf Hungaroton.

 

11.2. Giovanni ANSANI: 275. Geburtstag

 Über die Anfänge seiner Laufbahn besteht keine Klarheit. 1768 sang er in Bologna und Venedig, 1771 trat er in Kopenhagen in der Oper »Demofoonte« von Giuseppe Sarti auf und bereiste dann Deutschland, kam aber im August 1773 wieder nach Italien zurück. 1779 sang er in Pisa in der Oper »Calliroe« von J. Myslivecek, 1780 in Rom in Anfossis »Tito nelle Gallie« und in Cimarosas »Caio Mario«. Im gleichen Jahr 1780 besuchte er dann auch London, wo er mit sensationellem Erfolg auftrat. Es kam bald jedoch in London zu internen Streitigkeiten, so dass er sein Engagement aufgab. Im folgenden Jahr kam er wieder in die englische Metropole, zusammen mit seiner Gattin, der Sopranistin Signora Maccherini-Ansani, die aber keine besonderen Erfolge hatte. Er setzte dann seine Karriere in Italien fort und trat 1773 in Parma, 1774-75 in Venedig, 1776 in Rom, 1777-78 in Neapel, 1779 in Neapel und Florenz, 1780 wieder in Rom, 1783 in Livorno, 1784 abermals in Florenz, 1785 in Rom und Mantua, 1786 in Florenz und Padua, 1789 in Venedig und Turin, 1791 in Florenz, 1792 in Turin, Reggio Emilia und Modena und 1794 nochmals in Florenz auf. Im Alter von 50 Jahren gab er seine glänzende Karriere auf und ließ sich in Neapel als Pädagoge nieder. Zu seinen Schülern gehörten so bedeutende Sänger wie Manuel Garcia jr. und Luigi Lablache. Er war auch als Komponist tätig und schrieb Duette und Terzette mit Basso continuo. Durch sein Wirken wie durch das des gleichzeitigen Tenors Giacomo Davide wurde die Vorherrschaft der Kastraten auf dem Gebiet der italienischen Oper weitgehend zurückgedrängt; dafür trat jetzt der Tenor in beherrschenden Rollen in den Mittelpunkt der Opernhandlung. Giovanni Ansani wurde vor allem bekannt, weil er in Opernwerken vieler zeitgenössischer Meister wie Cimarosa, Paisiello, Pasquale Anfossi und anderer, heute vergessener Komponisten sang und in den Uraufführungen mehrerer dieser Opern mitwirkte. Der englische Kritiker Burney nannte seine Stimme »… one of the sweetest yet most powerful I ever heard«. Andere Autoren rühmen die Klarheit seiner Intonation, seine Ausdruckskraft und seine perfekte Gesangtechnik. Er starb 1826 in Florenz.

 

12.2. Antonín ŠVORC: 85. Geburtstag


Als Simon Boccanegra

 Er war Schüler von Jan Berlik in Prag. Sein Bühnendebüt erfolgte 1955 am Stadttheater von Liberec (Reichenberg) als Don Pizarro in Beethovens »Fidelio«. 1958 wurde er an das Nationaltheater von Prag verpflichtet, an der er eine große Karriere entfaltete. Seit 1962 gehörte er als ständiger Gast auch dem Ensemble der Berliner Staatsoper an. Internationale Erfolge bei Gastspielen an der Wiener Staatsoper (1971 als Fliegender Holländer), an der Grand Opéra Paris, an der Staatsoper von Dresden, in Hannover, Köln, Düsseldorf-Duisburg, Kassel, Karlsruhe und Wiesbaden. Er sang weiter in Budapest, Zürich, Sofia, Triest, Venedig, am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, bei den Opernfestspielen von Edinburgh (1964 als Kommandant in der englischen Erstaufführung von Janáceks »Aus einem Totenhaus« und als Budivoj in Smetanas »Dalibor« anlässlich eines Gastspiels des Prager Nationaltheaters) und Spoleto. Am 4.4.1974 wirkte er am Prager Nationaltheater in der Uraufführung der Oper »Coriolanus« von Ján Cikker mit. 1983 sang er bei der Wiedereröffnung der Prager Nationaloper den Chrudos in Smetanas »Libussa«, 1988 an der Opéra-Comique Paris in Janáceks »Aus einem Totenhaus« en Kommandanten. 1993 übernahm er in Prag die Partie des Adolf in »Der Jakobiner« von Dvorák. Er wurde 1985 zum Nationalkünstler der CSSR ernannt. Er starb 2011 in Prag.

Der vornehmlich im heldischen Repertoire bedeutende Künstler, der zugleich ein angesehener Konzertsänger war, hat Schallplattenaufnahmen bei Supraphon (»Dalibor« und »Libuse« von Smetana, »Zuzana Vojírová« von J. Pauer), herausgebracht. Auf Melodram singt er in einer vollständigen Aufnahme von »Tristan und Isolde« aus Triest von 1969.

 

12.2. Theodor BERTRAM : 150. Geburtstag


Als Wotan

 Sohn des Baritons Heinrich Bertram (1825-1903 Stuttgart) und der dramatischen Sopranistin Marie Bertram-Mayer (1838-82). Er wurde durch seinen Vater ausgebildet und debütierte 1889 am Stadttheater von Ulm als Eremit im »Freischütz«. 1891 kam er an das Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg, 1892 an die Berliner Kroll-Oper; 1893-99 wirkte er an der Münchner Hofoper. Bei den Wagner-Festspielen in München kam er als Hans Sachs wie als Wotan zu großen Erfolgen; er wirkte 1897 in München in den Uraufführungen der Opern »Sarema« von Alexander Zemlinsky und »Theuerdank« von Ludwig Thuille (hier in der Titelrolle), 1899 in der Uraufführung von Siegfried Wagners Oper »Der Bärenhäuter« mit. 1899 wurde er an die Metropolitan Oper New York verpflichtet (Antrittsrolle: Wotan in der »Walküre« in einer Vorstellung in Chicago); nachdem er auch den Telramund im »Lohengrin«, den Don Giovanni, den Fliegenden Holländer und den Wolfram im »Tannhäuser« bei Vorstellungen der Metropolitan Oper im Rahmen ihrer alljährlichen Tournee in Boston und Philadelphia gesungen hatte, debütierte er 1900 im Haus der Metropolitan Oper als Fliegender Holländer und sang hier bis 1901 in insgesamt 78 Vorstellungen auch den Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Herrn Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Don Pizarro im »Fidelio«, den Kurwenal in »Tristan und Isolde« und den Wotan im »Rheingold«. 1892 sang er erstmals bei den Bayreuther Festspielen den Konrad Nachtigall in »Die Meistersinger von Nürnberg«, man bewunderte ihn dort 1901-02, 1904 und 1906 als Wotan im Nibelungenring, 1901-02 als Fliegenden Holländer sowie 1904 und 1906 als Amfortas im »Parsifal«. Vor allem Cosima Wagner schätzte seine Interpretation von Wagner-Heroen, insbesondere seinen Wotan. 1901 wurde er an die Hofoper von Wien engagiert, wo er den Grafen in »Figaros Hochzeit«, den Mephisto im »Faust« von Gounod, den Don Giovanni, den Escamillo in »Carmen«, den Alfio in »Cavalleria rusticana«, den Tonio im »Bajazzo«, den Fliegenden Holländer und den Donner im »Rheingold« sang. Er gab jedoch kurz darauf dieses Engagement auf und ging jetzt ausschließlich seiner Gastspieltätigkeit nach, hauptsächlich in Berlin, Hamburg, München und Stuttgart, am Deutschen Theater Prag (1901-05), am Stadttheater von Zürich (1903-05), an der Königlichen Oper Stockholm (1904) und an der Covent Garden Oper London (1900, 1903 und 1907). 1901-06 gastierte er regelmäßig an der Oper von Frankfurt a.M. 1905 gastierte er noch einmal als Wotan in der »Walküre« an der Wiener Hofoper. Seit 1897 war er mit der Sopranistin Fanny Moran-Olden (1855-1905) verheiratet. Diese starb 1905 in geistiger Umnachtung; seine zweite Ehefrau, die Sängerin Lotte Wetterling, kam am 21.2.1907 bei einem Schiffsunglück vor Hoek van Holland ums Leben. Darauf brach der sensible Künstler ganz zusammen. Er war hoch verschuldet und geriet wegen seiner haltlosen Lebensführung in immer neue Schwierigkeiten. Schließlich verfiel er der Trunksucht und erhängte sich 1907 im Bayreuther Bahnhofshotel. Seinem letzten Wunsch entsprechend wurde er in Holland an der Seite von Lotte Wetterling beigesetzt. Aus Bayreuth wurde bei seinem Begräbnis in Holland ein Kranz auf seinem Grab niedergelegt, der die Aufschrift trug: »Das Haus Wahnfried dem Bayreuther Wotan in dankbarere Erinnerung«. Der »Pester Lloyd« veröffentlichte im Dezember 1907 »Th. Bertrams letzte Briefe«. – Machtvoll gebildete Stimme von einer unerschöpflichen Tonfülle und Ausdrucksgewalt, besonders als Wagner-, aber auch als Mozart-Interpret bedeutend; sein Wotan galt als unvergleichlich. Weitere Höhepunkte in seinem Repertoire waren der Papageno in der »Zauberflöte«, der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Kühleborn in »Undine« von Lortzing, der Klaufe in »Ingwelde« von Max von Schillings, der Lothario in »Mignon« von A. Thomas, der Dapertutto in »Hoffmanns Erzählungen« und der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«.

Lit.: Carlos Droste: »Theodor Bertram: (in: Bühne und Welt«, 1903).

Er hinterließ erstaunlich viele Schallplatten auf den Marken G & T (Berlin, 1902; Bayreuth, 1904), Lyrophon, Odeon (Berlin, 1905 und 1907), Favorit (Berlin, 1906), Janus-Minerva (Berlin, 1907), dazu Columbia- und Edison-Zylinder.

 

13.2. Anton DE RIDDER: 90. Geburtstag

 Er arbeitete zunächst als Diamantenschleifer. Seine Ausbildung fand am Konservatorium von Amsterdam durch H. Mulder und J. Keyzer statt. 1952 erfolgte sein Bühnendebüt in Holland; 1956 kam er an das Staatstheater von Karlsruhe. Seitdem ist er für mehr als dreißig Jahre Mitglied dieses Hauses geblieben. Zu Beginn seiner Karriere sang er hier Partien für Spieltenor, doch entwickelte sich seine Stimme allmählich zum lyrischen Tenor; er nahm sogar Rollen für jugendlichen Heldentenor in sein Repertoire auf. Von Karlsruhe aus führten ihn erfolgreiche Gastspiele und Konzertreisen in die europäischen Musikzentren. 1962-66 war er zugleich am Münchner Theater am Gärtnerplatz engagiert. Sehr oft war er an der Niederländischen Oper in Amsterdam, an der Münchner Staatsoper, am Opernhaus von Köln und an Opernhäusern in Ostdeutschland, hier u.a. seit 1966 an der Komischen Oper Berlin, zu Gast. Am 15.2.1965 wirkte er an der Oper von Köln in der Uraufführung der Oper »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann als Desportes mit, 1972 trat er in der gleichen Oper beim Edinburgh Festival auf (anlässlich eines Gastspiels der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg). Auch bei den Salzburger Festspielen aufgetreten. Hier sang er 1969 den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, 1974 in der Vokalsinfonie »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann und 1985-87 den Mr. Taupe im »Capriccio« von Richard Strauss. Bei den Bregenzer Festspielen trug er 1974 den Don José in »Carmen«, 1976 den Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen« und 1978 den Fürst Soleimann in »Tausendundeine Nacht« von J. Strauß vor, 1979 und 1981 in Glyndebourne den Florestan im »Fidelio«. Auch an der Covent Garden Oper London, an der Deutschen Oper Berlin (1968), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1970), an der Staatsoper Hamburg (1981) und als ständiger Gast an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg aufgetreten. In Karlsruhe wirkte er in der Uraufführung der Oper »Der Meister und Margarita« von Rainer Kunad mit (9.3.1986). Aus seinem sehr umfangreichen Bühnenrepertoire seien noch der Alfredo in »La Traviata«, der Faust von Gounod, der Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, der Manrico im »Troubadour«, der Eisenstein in der »Fledermaus«, der Herzog im »Rigoletto«, der Rodolfo in »La Bohème«, der Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Stewa in »Jenufa« von Janácek und der Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss hervorgehoben. Er starb 2006 in Dettenheim.

Sein ausdrucksreicher, in der Charakterisierungskunst versierter Tenor ist auf DGG (»Doktor Faust« von Busoni, »Capriccio« von R. Strauss), auf Philips (9. Sinfonie von Beethoven), auf HMV (»La Traviata« mit Anneliese Rothenberger), auf Wergo (»Die Soldaten« von B.A. Zimmermann), auf Vogue (Recital) und auf Eterna (Recital; »Lucia di Lammermoor«) anzutreffen; Pickwick-Video (Florestan im »Fidelio«, 1980).

 

14.2. Karl-Josef HERING: 90. Geburtstag

 Nach anfänglicher kaufmännischer Tätigkeit Ausbildung zum Sänger durch Franz Völker, Max Lorenz und Fred Husler. Debüt 1958 am Staatstheater Hannover als Max im »Freischütz«. Er war 1963-66 am Stadttheater von Mönchengladbach, dann 1966-77 an der  Deutschen Oper Berlin engagiert, wo seine Karriere den Höhepunkt erreichte. Gastspiele an den Opernhäusern von Köln, Frankfurt a.M., Karlsruhe, Mannheim, Wiesbaden, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an den Staatsoper von Stuttgart. Internationales Ansehen als Heldentenor erwarb er sich durch weitere Gastspiele am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, an den Opernhäusern von Lyon, Toulouse und Triest und an der Nationaloper von Zagreb. Er gastierte 1968-81 an der Staatsoper von Wien (als Siegfried in »Siegfried«, als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Novagerio in »Palestrina« von H. Pfitzner und als 1. Geharnischter in der »Zauberflöte«), an der Covent Garden Oper London (als Siegfried 1966 in der »Götterdämmerung« sowie 1968 und 1970 im »Siegfried«), 1969 am Teatro Colón Buenos Aires (als Max und als Tambourmajor im »Wozzeck«), 1968 am Opernhaus von Marseille (als Parsifal), an der Staatsoper von Hamburg (1970 als Parsifal, 1971 als Erik in »Der fliegende Holländer«), an der Staatsoper Berlin (1971 als Siegmund in der »Walküre«), 1972 in Toronto (als Siegfried) und in Amsterdam (1968). Aus seinem Rollenrepertoire verdienen der Florestan im »Fidelio«, der Pedro in »Tiefland« von d’Albert, der Canio im »Bajazzo« von Leoncavallo, der Aegisth in »Elektra« von R. Strauss, der Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky und die Wagner-Heroen besondere Erwähnung. Bedeutender Konzertsänger. Er starb 1998 in Berlin.

Schallplatten: Bruno Walter Society (»Feuersnot« von R. Strauss).

 

14.2. Wyn MORRIS: 90. Geburtstag

Er studierte in London an der Royal Academy of Music, am Mozarteum in Salzburg bei Igor Markewitsch und erhielt den Kussewizki-Preis in Tanglewood. 1965 gründete er die Symphonica of London, mit der er viele seiner Projekte im Konzertleben und auf Schallplatteneinspielungen verwirklichte. 1968-70 leitete er die Royal Choral Society, und 1969-74 die Huddersfield Choral Society. Er arbeitete ferner regelmäßig mit dem London Symphony Orchestra und dem Philharmonia Orchestra zusammen. Er gilt als Spezialist für die Werke Gustav Mahlers, dessen Sinfonien er in den 1960er und 1970er Jahren als einer der ersten Dirigenten fast vollständig auf LP aufnahm. Er veröffentlichte die Ersteinspielungen von Mahlers Das klagende Lied (1967) sowie von Deryck Cookes zweiter Fassung der vervollständigten 10. Sinfonie Mahlers (1972). Auch spielte er Barry Coopers Vervollständigung der 10. Sinfonie Ludwig van Beethovens 1988 auf CD ein. Er starb im Februar 2010.

 

14.2. Arghyris KOUNADIS: 95. Geburtstag

Er studierte Klavier und Komposition in Athen bei Yannis Papaioannou und 1958-62 in Freiburg im Breisgau bei Wolfgang Fortner. Seit 1963 war er Dozent an der Musikhochschule Freiburg und Leiter des Ensembles für Neue Musik in Freiburg. Er komponierte mehrere Opern, eine Sinfonietta, ein Klavierkonzert, eine Rhapsodie für Frauenstimme und Orchester, Werke in kammermusikalischer Besetzung sowie Filmmusiken. Er starb 2011 in Freiburg im Breisgau.

 

15.2. Gurli PLESNER: 85. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Gesangsausbildung an der Musikakademie Kopenhagen bei Thyge Thygesen sowie an der Opernschule der Königlichen Oper in der dänischen Hauptstadt. 1962 debütierte sie an der Königlichen Oper Kopenhagen als Karoline in »Elegie für junge Liebende« von H.W. Henze. Für mehr als zwanzig Jahre gehörte sie diesem Opernhaus an, an dem sie zahlreiche große wie kleinere Partien zum Vortrag brachte. Davon seien hier nur die Penelope in Monteverdis »Il Ritorno d’Ulisse in patria«, die Mrs. Quickly im »Falstaff« von Verdi, die 3. Dame in der »Zauberflöte«, die Mary in »Der fliegende Holländer«, die Lucretia in »The Rape of Lucretia« von Benjamin Britten, die Magdelone in »Maskarade« von C. Nielsen und die Katisha in der Gilbert & Sullivan-Operette »The Mikado« genannt. Daneben war sie eine sehr geschätzte Konzertsängerin; ihre Konzertreisen führten sie nach Deutschland, Norwegen, Schweden, Belgien, in die Niederlande und nach Frankreich. Sie starb 1993 in Kopenhagen.

Schallplatten: Turnabout, Unicorn (»Maskarade«), EMI.

 

15.2. Sumito TACHIKAWA: 90. Geburtstag

 Er war Schüler von Tiichi Nakayama in Tokio. Bühnendebüt 1952 an der Niki Kai Oper von Tokio als Germont-père in Verdis »La Traviata«. Seit dieser Zeit große Karriere an diesem Opernhaus sowie an der Fujiwara Oper, dem zweiten großen Operntheater der japanischen Metropole. In seiner langen Karriere sang er hier die klassischen lyrischen und dramatischen Partien der italienischen und der französischen Oper wie vor allem auch Mozart-Rollen. Dazu bei seinen Auftritten im Konzertsaal gefeiert. 1959 in Tokio mit dem Mainichi Musikpreis ausgezeichnet. Er starb im Jahr 1985.

Aufnahmen bei Nippon Victor.

 

15.2. José CREA: 95. Geburtstag

 Er erhielt seine Ausbildung größtenteils am Conservatorio Rossini in Pesaro (Italien). Bühnendebüt als Amonasro in Verdis »Aida« am Teatro San Carlo Neapel. Er sang in Italien dann auch an Operntheatern in Turin und Palermo und bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla. Er wurde darauf eins der prominentesten Mitglieder des Teatro Colón von Buenos Aires. Hier hatte er in einer über 25jährigen Tätigkeit anhaltende Erfolge in einer Vielzahl von Partien aus dem Fachbereich des Heldenbaritons. Im argentinischen Fernsehen wirkte er in einer Aufnahme von Verdis »Traviata« in der Partie des Germont-père mit. Hinzu trat eine bedeutende Karriere als Konzertsänger. Er starb 2016 in Buenos Aires.

Aufnahmen auf kleineren privaten argentinischen Marken.

 

16.2. Marita NAPIER: 80. Geburtstag

Sie begann ihre Gesangsausbildung in Südafrika, kam dann aber nach Deutschland und wurde Schülerin der Musikhochschule von Detmold, sowie von Th. Lindenbaum in Hamburg. Debüt 1969 am Stadttheater von Bielefeld als Venus im »Tannhäuser«. Sie sang dann 1969-73 am Opernhaus von Essen. An der Oper von San Francisco gastierte sie 1972 als Freia, Sieglinde und Gutrune im Nibelungenring, 1973 als Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss und als Venus sowie 1975 und 1979 als Senta in »Der fliegende Holländer«. 1973-74 war sie am Staatstheater Hannover engagiert, seit 1973 an der Deutschen Oper Berlin; mit der Hamburger Staatsoper war sie durch einen Gastspielvertrag verbunden, ebenso seit 1975 mit der Staatsoper Berlin. Bei den Festspielen von Bayreuth wirkte sie zunächst im Chor mit, 1973 sang sie dort die Helmwige, 1973-75 die 3. Norn im Nibelungenring und hatte dann 1974-75 dort einen großen Erfolg als Sieglinde und 1975 als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1974 Gastspiel an der Covent Garden Oper London. Sie gab 1975-81 Gastspiele an der Wiener Staatsoper als Elsa im »Lohengrin«, als Leonore im »Troubadour«, als Senta, als Ariadne in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Vitellia in »La clemenza di Tito« von Mozart, als Sieglinde, als Chrysothemis, als Leonore im »Fidelio« und als Elisabeth im »Tannhäuser« in insgesamt 35 Vorstellungen. Sie trat an zahlreichen weiteren Theatern als Gast auf: in Frankfurt a.M., Rom, Stockholm, Genf (1974 als Senta, 1976 als Sieglinde und als Agathe im »Freischütz«), an der Mailänder Scala (1973 in einem A. Schönberg-Konzert und 1974 als Sieglinde), bei den Festspielen von Verona (1979), in Chicago und Philadelphia; sie gastierte dazu an den führenden deutschen Theatern und an Opernhäusern in ihrer Heimat Südafrika (Kapstadt, Johannesburg, Pretoria). An der Metropolitan Oper New York debütierte sie 1986 als Helmwige in der »Walküre«. Hier sang sie 1988-89 auch die Titelrolle in Puccinis »Turandot«, die 3. Norn in der »Götterdämmerung« und die Mutter in »Hänsel und Gretel« von Humperdinck in insgesamt 36 Vorstellungen. 1992 sang sie in Kapstadt die Leonore im »Troubadour«, 1995 in Pretoria die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen«. 1996 hörte man sie am Opernhaus von Kapstadt als Turandot von Puccini, 1997 sang sie dort am Nico Theatre in der Uraufführung der Oper »Sacred Bones« von Roelof Temmingh. Neben ihren Wagner-Partien beherrschte sie ein umfangreiches Bühnenrepertoire und war eine geschätzte Konzertsopranistin. In ihrem Bühnenrepertoire fanden sich weiter die Abigaille in Verdis »Nabucco«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, die Leonore in »La forza del destino« und die Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Sie war verheiratet mit dem Tenor Wolfgang Assmann. Sie starb 2004 in Kapstadt.

Schallplatten: DGG (Gerhilde in der »Walküre«), Capriccio (»Der Zar lässt sich photographieren« von K. Weill), Philips (»Elektra« von R. Strauss, Sopransolo in der 9. Sinfonie von Beethoven), Eurodisc (Freia im »Rheingold«).

 

17.2. Matti HEINIKARI: 75. Geburtstag

 Nach seiner Ausbildung zum Sänger, die in seiner Geburtsstadt Helsinki stattfand, wurde er 1975 an die Finnische Nationaloper Helsinki berufen, deren Mitglied er für viele Jahre blieb. Hier sang er zahlreiche Partien seines Stimmfachs und wirkte u.a. am 17.5.1990 in der Uraufführung der Oper »Vincent« von Einojuhani Rautavaara in der Partie des Theo mit. Bei den Festspielen von Savonlinna sang er den Tamino in der »Zauberflöte«. Am 25.5.1992 gehörte er dem finnischen Ensemble an, das in Los Angeles die Oper »Kullervo« von Aulis Sallinen zur Uraufführung brachte. Auch als Konzert- und Oratoriensänger wurde er bekannt. Er starb 2015 in Tuusula (Finnland).

Schallplatten: Ondine (Vincent).

 

18.2. Angeles GULIN: 80. Geburtstag

 Ihre Mutter war Sopranistin, ihr Vater Dirigent und Gesangspädagoge und leitete die Ausbildung seiner Tochter. Sie kam als Kind mit ihren Eltern nach Uruguay, wo sie am Konservatorium von Montevideo Schülerin von Carlota Bernard wurde. Sie debütierte dort bereits 1958 als Königin der Nacht am Teatro Sobre und sang in den folgenden Jahren in Montevideo die Gilda im »Rigoletto«, Partien in »Marina« von E. Arrieta und in »Maruxa« von A. Vives. Nachdem sie 1963 den Bariton Antonio Blancas-Laplaza (* 1939) geheiratet hatte, verlegte das Künstlerehepaar seine Tätigkeit nach Europa und trat seit 1965 vor allem in Deutschland auf. 1968 gewann sie den ersten Preis beim Concours Verdi in Busseto, 1970 einen internationalen Wettbewerb in Madrid. 1967-69 war sie reguläres Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Hatte sie zu Beginn ihrer Karriere Partien für Koloratursopran gesungen, so wandte sie sich bald dem dramatischen Fach zu und sang jetzt Partien wie die Abigaille in Verdis »Nabucco«, die Aida, die Amelia im »Maskenball«, die Norma, die Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Senta in »Der fliegende Holländer«, die Gioconda von Ponchielli und die Turandot in der Oper gleichen Namens von Puccini. 1969 sang sie beim Edinburgh Festival Soli im Stabat mater von Rossini und im Verdi-Requiem, dann auch bei den Festspielen von Orange. 1969 gastierte sie am Teatro Real Madrid in »La vida breve« von M. de Falla, am Gran Teatre del Liceu in Barcelona als Aida und als Gioconda, 1968 am Teatro Regio Parma als Lina in »Stiffelio« von Verdi, die sie dann auch am Teatro San Carlo Neapel vortrug. An der Oper von Rom hörte man sie 1972 als Leonore in »La forza del destino«, im gleichen Jahr debütierte sie an der Covent Garden Oper London als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, 1971 trat sie in der Carnegie Hall in New York als Martha in einer konzertanten Aufführung von E. d’Alberts »Tiefland« auf. Am Teatro de la Zarzuela in Madrid war sie als Gioconda (zusammen mit Placido Domingo), als Amelia (1976) und als Turandot von Puccini (1980) sowie in der Uraufführung der Oper »El poeta« von Federico Moreno Torroba, wieder mit Placido Domingo als Partner, zu hören. Sie erschien weiter in Gastauftritten in Amsterdam, Lüttich, Turin, Venedig, Monte Carlo und Mexico City; sie wirkte bei den Festspielveranstaltungen von Aix-en-Provence, Edinburgh, Florenz und Verona (1973) mit. 1973-77 bestand ein Gastspielvertrag mit der Hamburger Staatsoper. 1969 war sie in Budapest zu Gast, 1970 in Montreal. Sie trat auch gastweise am Teatro Massimo Palermo und am Opernhaus von Toulouse auf. 1982 sang sie an der Metropolitan Oper New York die Elena in Verdis »I Vespri Siciliani« in einer einzigen Vorstellung, 1985 am Teatro Verdi Triest die Mélisande in »Pelléas et Mélisande«. Die in Madrid lebende Künstlerin hatte zugleich eine bedeutende Karriere als Konzertsängerin. 1987 trat sie letztmals in Madrid als Elena in »Mefistofele« von Boito auf, während Montserrat Caballé die Margherita sang. Sie erschien danach noch gelegentlich im Konzertsaal. Sie starb 2002 in Madrid. Die Tochter des Sängerehepaars, Angeles Blancas Gulin, wurde als Koloratursopranistin bekannt.

Schallplatten: Italia (»Oberto« von Verdi), Rococo (»Il Corsaro« von Verdi), MRF (»Fernando Cortez« von Spontini, »Stiffelio« von Verdi), ANNA-Records (»Andrea Chénier« von Giordano), span. Columbia (Zarzuelas), Melodram (»Stiffelio« von Verdi, Parma 1968), Mondo Musica (Gulnara in »Il Corsaro« von Verdi, Teatro Fenice Venedig 1971).

 

19.2. Wilhelm BECK: 150. Geburtstag

 Sein eigentlicher Name war Vilmos Beck. Er war der Sohn eines Budapester Fabrikanten. Bereits im Alter von zehn Jahren zeigte sich seine besondere musikalische Begabung. Er studierte zunächst Komposition und Klavierspiel. Dabei wurde seine schöne Stimme durch seinen Lehrer H. Kössler entdeckt. Er absolvierte darauf sein Gesangstudium in Budapest und Paris, wo er am Conservatoire National Schüler von Lassalle und Drosti war. 1892 fand sein Bühnendebüt an der Nationaloper Budapest (als Titelheld in »Hamlet« von A. Thomas) statt, deren Mitglied er bis 1902 blieb, und wo er 1902 an der Uraufführung der Oper »Götz von Berlichingen« von Karl Goldmark als Weislingen teilnahm. Danach trat er nur noch gastierend auf. So sang er 1901 an der Wiener Hofoper den Nelusco in Meyerbeers »Afrikanerin« und gastierte an der Grand Opéra Paris 1908 als Telramund im »Lohengrin« und als Kurwenal in »Tristan und Isolde« sowie 1911 als Alberich im Nibelungenring. In den Jahren 1909-14 trat er in Paris auch mehrfach als Solist in Wagner-Konzerten auf. Zwischen 1918 und 1921 war er öfters in Schweden zu Gast, 1921 nochmals an der Staatsoper von Wien (als Rigoletto); er gab Gastspiele und Konzerte in Italien und England. Seit 1910 war er häufig als Gast an der Oper von Chicago anzutreffen, an der er auch nach dem Ersten Weltkrieg bis zu seinem Tod engagiert war. Hier wirkte er in der Uraufführung von Prokofjews »L’Amour des trois oranges« (30.12.1921) mit. Von den weiteren Rollen aus seinem Bühnenrepertoire verdienen der Scarpia in »Tosca«, der De Siriex in »Fedora« von Giordano, der Valentin im »Faust« von Gounod und der Hohepriester in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns Erwähnung. Er starb 1925 in Chicago.

 

19.2. Valdemar LINCKE: 150. Geburtstag

 Er begann eine Goldschmiedelehre im väterlichen Betrieb, erhielt daneben aber Klavierunterricht bei Olivo Krause und trat bereits öffentlich als Pianist auf. Sein Klavierlehrer machte ihn auf seine schöne Stimme aufmerksam, ab 1887 erfolgte deren Ausbildung durch Carl Helsted in Kopenhagen. Seit 1889 trat er als Solist zusammen mit Chören (u.a. in Kopenhagener Kirchen) auf, 1891 gab er sein erstes professionelles Konzert; es schloss sich ein weiteres Gesangstudium bei Devillies in Paris an. 1892 fand sein Bühnendebüt an der Königlichen Oper Kopenhagen als Landgraf im »Tannhäuser« statt. Er blieb bis 1903 Mitglied dieses Hauses, an dem er auch noch später als Gast auftrat. Er sang auf der Bühne Partien wie den Ramfis in »Aida«, den König Heinrich im »Lohengrin«, den Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Grafen in »Figaros Hochzeit«, den Leporello im »Don Giovanni« und den Mephisto im »Faust« von Gounod. Seit 1901 wirkte er als gesuchter Gesanglehrer am Kopenhagener Konservatorium und betätigte sich gleichzeitig als Konzertsänger. Zu seinen Schülern gehörten die Sänger Niels Hansen, Carl Madsen, Poul Wiedemann, Frans Andersson und Holger Byrding. Er war verheiratet mit der Violinistin Mary Soyer (1869-1954). Er starb 1948 in Kopenhagen.

Von seiner Stimme existieren Pathé (DFM)-Zylinder sowie eine Aufnahme auf G & T, 1908 in Kopenhagen aufgenommen.

 

20.2. Toshirō MAYUZUMI: 90. Geburtstag

Er absolvierte sein Studium 1945-51 an der Tokyo National University of Fine Arts and Music bei Tomojiro Ikenouchi (1906–91) und Akira Ifukube (1914–2006). 1951 graduierte er. Bereits als Student bezeichnete er sich selbst als einen experimentellen und Abenteuer-suchenden Komponisten. Manchmal komponierte er im traditionellen Stil der späten Romantiker, manchmal experimentierte er mit Jazz-Rhythmen und ein anderes Mal versuchte er sich in der Implementation von indischer und balinesischer Musik. Mit dem Werk Sphenogrammes in diesem Idiom verschuf er sich internationale Reputation als es während des ISCM Festivals 1951 aufgeführt wurde. Im gleichen Jahr (1951) ging er nach Paris und vervollständigte seine Studien am Conservatoire Superieur de Paris bei Tony Aubin. Ferner machte er sich in Paris vertraut mit den neuen musikalischen Entwicklungen in den Werken von Olivier Messiaen und Pierre Boulez sowie mit der Musique concrète. 1953 zurückgekehrt nach Tokio gründete er gemeinsam mit Ikuma Dan sowie Yasushi Akutagawa den Sannin no Kai („Gruppe der Drei“). Ständig experimentierte er mit neuen Ideen und Techniken in seinen eigenen Werken. Sein X, Y, Z war 1955 das erste japanische Beispiel der Musique concréte und sein Shusaku I ebenfalls 1955 die erste synthetische elektronische Musik. Er arbeitete ferner mit präparierten Klavieren, Zwölftontechnik, seriellen und aleatorischen Methoden. Auch mit Neuschöpfungen und – in bestimmten Klangkörpern – eher ungewöhnlichen Instrumenten, wie Claviolin, elektrische Gitarre und andere Instrumente und selbst mit den instrumentalen Zusammensetzungen experimentierte er. 1958 betrat er mit Nehan kokyokyoku – Nirvana Symphony musikalisches Neuland. Besessen von dem Klang der buddhistischen Tempel-Glocken analysierte er die sonoren Töne akustisch und versuchte eine weitgehende Reproduktion hinsichtlich der Tonqualität, dem Volumen und dem Gebrauch von Raumeindrücken in seinem Werk. Das Resultat war der Gewinn des Otaka Preises im alljährlich stattfindenden Kompositions-Wettbewerb im Jahre 1959. Er war u.a. auch im elektronischen Studio des japanischen Rundfunks tätig. In Japan bemühte er sich mit der Gruppe Ars Nova Japonica um die Verbreitung der Neuen Musik. Er starb 1997 in Kawasaki.

 

20.2. Věra KRILOVÁ: 95. Geburtstag

 Sie begann ein Gesangstudium am Konservatorium von Prag bei D. Levytzkian, wurde aber während der deutschen Besetzung der CSR im Zweiten Weltkrieg zur Zwangsarbeit eingezogen und konnte daher ihre Ausbildung erst nach Kriegsende zum Abschluss bringen. 1946 fand ihr Debüt an der Oper des 5. Mai in Prag statt. 1948 folgte sie einem Ruf an das Nationaltheater Prag, an dem sie dann rund zwanzig Jahre auftrat. Sie gastierte mit dem Ensemble dieses Hauses in Moskau (1955), Berlin (1956) und Brüssel, kam aber auch bei Solo-Gastspielen zu Erfolgen auf internationalem Niveau, u.a. an der Staatsoper von Wien (1948 als Agnes in Smetanas »Die verkaufte Braut«). In ihrem vielgestaltigen Repertoire traf man Partien wie die Azucena im »Troubadour«, die Carmen, die Olga im »Eugen Onegin«, die Decana in Smetanas »Die Brandenburger in Böhmen« (»Branibori v Cechach«), die Závis in »Die Teufelswand« (»Certova stena«), die Annu in »Beg Bajazid« von J. Cikker, die Zalcicku in »Krútnava« von Suchon und die Gräfin in Tschaikowskys »Pique Dame« an. Neben ihrem Wirken auf der Bühne stand eine zweite, erfolgreiche Karriere im Konzert- und Oratorienbereich. Sie starb 2000 in Prag.

Schallplatten: Supraphon (»Rusalka« und »Die Teufelskäthe« von Dvorák, Solo-Aufnahmen).

 

20.2. Mario DI BONAVENTURA: 95. Geburtstag

Biographie des amerikanischen Dirigenten auf Englisch:

http://www.bach-cantatas.com/Lib/Bonaventura-Mario.htm

 

21.2. James McCRAY: 80. Geburtstag

 Er war ein Schüler des Gesangpädagogen Raymond Buckingham. Er begann 1965 seine Karriere in Kanada, wo er beim Stratford Festival in Weills »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« als Jim auftrat. Es kam zur Ausbildung einer erfolgreichen Karriere in Nordamerika; dort sang er als Gast an den Opernhäusern von Seattle, Kansas City, St. Paul, Newark und Miami. 1971 gastierte er an der Oper von San Francisco als Manrico im »Troubadour«, 1969 und 1971 an der City Opera New York. Seine Gastspieltätigkeit führte ihn an die Israel Opera Tel Aviv, nach Catania (1979), nach Amsterdam (1981 als Erik in »Der fliegende Holländer«), an die Opéra de Wallonie Lüttich (1987 als Otello von Verdi), nach Toulon (1988 als Tristan), an die Opernhäuser von Wuppertal (1989 als Tristan), Bremen (1989) und an viele weitere europäische Bühnen. 1989 trat er an der Warschauer Nationaloper als Siegfried in den Aufführungen des Nibelungenrings, 1990 am Opernhaus von Graz als Otello von Verdi, am Théâtre Berlioz in Montpellier 1991 als Tristan auf. Hatte er zunächst das italienische heldische Fach bevorzugt, so fügte er später auch Wagner-Heroen in sein Bühnenrepertoire ein. Aus diesem seien genannt: der Radames in »Aida«, der Ismaele in Verdis »Nabucco«, der Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli, der Don José in »Carmen«, der Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, der Cavaradossi in »Tosca«, der Dick Johnson in »La Fanciulla del West«, der Kalaf in »Turandot« von Puccini, der Wladimir in »Fürst Igor« von Borodin, der Siegmund in der »Walküre«. Aus seinem Repertoire für die Bühne sind ergänzend der Ägisth in »Elektra« von R. Strauss, der Tambourmajor im »Wozzeck« von A. Berg, der Parsifal und der Dionysos in »König Roger« von Szymanowski zu nennen. Auch als Konzertsolist aufgetreten. Er wirkte später als Pädagoge an der Colorado State University, setzte aber seine Karriere weiter fort. Seit 1997 unterrichtete er in Holland. Er starb 2018 in Den Haag (Holland).

Schallplatten: Auf BJR-Records vollständige Oper »Belfagor« von Respighi, Mitschnitt einer New Yorker Aufführung aus dem Jahre 1970. Auf Forlane Tenorsolo in der 9. Sinfonie von Beethoven.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: https://mccraystudio.com/

 

21.2. Pekka NUOTIO: 90. Geburtstag

 Schüler von Olavi Nyberg in Helsinki, dann von Clemens Glettenberg in Köln. Sein Bühnendebüt fand 1958 an der Nationaloper von Helsinki als Herzog im »Rigoletto« von Verdi statt. Seit dieser Zeit blieb er eins der führenden Mitglieder dieses Opernhauses. Große internationale Karriere mit Gastspielen an den Staatsopern von Berlin und Stuttgart, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, in Budapest, Oslo und bei den Festspielen im Barock-Schloss von Drottningholm. Er debütierte 1966 als Tannhäuser an der Metropolitan Oper New York, wo er bis 1967 in insgesamt acht Vorstellungen auch den Tristan sang. Diese Partie übernahm er auch 1967 an der Königlichen Oper von Stockholm. Bereits 1960 gastierte er am Nationaltheater Prag, 1967 bei der Wiederaufnahme der Opernaufführungen bei den Festspielen von Savonlinna als Florestan im »Fidelio«, 1973 an der Covent Garden Oper London als Tristan, den er im gleichen Jahr auch an der Scottish Opera Glasgow sowie 1974 in Amsterdam sang. An der Australian Opera Sydney hörte man ihn 1973 als Tannhäuser; 1973-74 zu Gast an der Staatsoper Hamburg und am Stadttheater von Bremen, auch in der Schweiz und in Italien gastweise aufgetreten. Seine kraftvolle, in der Dramatik des Vortrages bezwingende Stimme sang dramatische Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur. Auch als Konzertsänger angesehen. Er starb 1989 in Helsinki.

Schallplatten: Helikon/Ondine (Opernszenen aus dem Archiv des Finnischen Rundfunks).

 

21.2. Milica MILADINOVIĆ: 95. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung an der Belgrader Musikakademie. Sie hatte ihr Bühnendebüt 1949 am Opernhaus von Ljubljana (Laibach) und kam 1950 an die Nationaloper von Belgrad, wo sie als Pauline in »Pique Dame« von Tschaikowsky debütierte. Seitdem hatte sie an dieser Oper eine über 20jährige, erfolgreiche Karriere. Nachdem sie bei den Gesangwettbewerben von Genf und Sofia Preisträgerin geworden war, gastierte sie mit dem Ensemble der Nationaloper Belgrad u. a. in Kopenhagen, Oslo, Venedig, Athen, Warschau, Genf, Zürich und bei den Edinburgher Festspielen. Dort sang sie 1962 die Marfa in »Chowanschtschina« von Mussorgsky sowie in den englischen Erstaufführungen von Prokofjews Opern »Der Spieler« (die Babulenka) und »L’Amour des trois oranges« (die Prinzessin Clarice). Auf der Bühne in einem vielseitigen Repertoire erfolgreich, das aus Partien des slawischen, des italienischen und des französischen Repertoires bestand. Ihre Bühnenrollen waren u.a. die Carmen, die Charlotte im »Werther« von Massenet, die Dulcinée in dessen »Don Quichotte«, die Azucena im »Troubadour«, die Amneris in »Aida« und die Marina im »Boris Godunow«. Sie starb 2015 in Belgrad. Sie war verheiratet mit dem Dirigenten der Oper von Belgrad Dušan Miladinovic (1924-2007). Der Sohn der Sängerin Degan Miladinovic (* 1948) war als Regisseur tätig.

 

21.2. Martin RITZMANN: 100. Geburtstag

 Er lernte den Beruf eines Werkzeugmachers und nahm als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Er geriet in russische Kriegsgefangenschaft, konnte sich aber in einem Gefangenenlager bei Riga weiterbilden. 1949-51 weitere Ausbildung am Konservatorium von Erfurt. Sein wichtigster Lehrer war hier C. Gäbler. Er debütierte 1951 am Landestheater von Altenburg (Thüringen), dem er bis 1954 angehörte, in der Bravourrolle des Chapelou im »Postillon von Lonjumeau« von A. Adam. 1954-56 Operettentenor am Berliner Metropol-Theater, 1956-57 Gastverpflichtung an der Staatsoper Berlin; seit 1957 als erster Tenor Mitglied dieses Hauses. Hier trat er als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Kaiser in der »Frau ohne Schatten« von Richard Strauss, als Lohengrin, als Otello von Verdi, als Manrico im »Troubadour«, als Titelheld in Verdis »Don Carlos«, als Alvaro in der »Macht des Schicksals«, als Don José in »Carmen« und in vielen anderen Partien auf und wirkte 1966 in der Uraufführung der Oper »Puntila« von Paul Dessau mit. Gastspiele absolvierte er in erster Linie zusammen mit dem Ensemble der Berliner Staatsoper. So trat er u.a. in Wien, Moskau, Kairo, Brüssel, Bukarest und Lausanne auf. 1965 gastierte er an der Nationaloper von Budapest. Nachdem er zuerst lyrische Tenorpartien (Lenski im »Eugen Onegin«, Alfredo in »La Traviata«, Pinkerton in »Madame Butterfly«, auch Max im »Freischütz«) gesungen hatte, trat er seit 1960 im heldischen Fach auf. Von seinen Bühnenrollen sind der Canio im »Bajazzo«, der Bacchus in »Ariadne auf Naxos« wie der Apollo in »Daphne« zu nennen. Er starb 1984 in Berlin.

Schallplatten der Marke Eterna (u.a. Querschnitte durch »Lohengrin«, »Die Macht des Schicksals« und »Boris Godunow«, vollständige Oper »Einstein« von Paul Dessau, Recital), Supraphon (9. Sinfonie von Beethoven), Eterna/Berlin Classics (Recital). Auf DGG sang er in der vollständigen Oper »Puntila« von P. Dessau, auf Nova in »Einstein« vom gleichen Komponisten.

 

21.2. Charles-Marie WIDOR: 175. Geburtstag

 Sein Urgroßvater, der Steinmetz Jean Widor († 1777), wohnte in der Schweiz, er stammte ursprünglich aber höchstwahrscheinlich aus Ungarn. Sein gleichnamiger Sohn Jean Widor (1775–1854) verließ die Schweiz und zog ins Elsass, wo er in den Dienst der Orgelbauwerkstatt Callinet trat. Sein Sohn François-Charles Widor (1811–99) wurde zwar ebenfalls in das Orgelbauhandwerk eingeführt, erhielt aber vor allem eine Ausbildung als Organist, Pianist und Komponist. Er ließ sich 1838 in Lyon nieder, wo er als Organist, Pianist, Komponist und Musiklehrer tätig war und einen hervorragenden musikalischen Ruf erwarb, der bis nach Paris reichte. In überlieferten Pressezeugnissen wird seine brillante Improvisationsfähigkeit gelobt. François-Charles Widor heiratete Françoise-Elisabeth Peiron – eine Nachfahrin der Erfinderfamilien Montgolfier und Séguin. Dieser Ehe entstammte Charles-Marie Widor.

Er wurde also in eine musikalisch renommierte Familie hineingeboren und erhielt von seinem Vater den ersten Orgelunterricht. Während seiner Schulzeit am humanistischen Collège des Jésuites in Lyon zeigte sich seine außergewöhnliche musikalische Begabung, besonders im Orgelspiel, so dass er mit elf Jahren Organist der Kapelle des Collège wurde und seinen Vater an der Kirche Saint-François vertreten konnte. Neben seinen musikalischen Neigungen interessierte er sich auch für klassische Sprachen und Malerei. Der berühmte Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll war mit der Familie Widor seit vielen Jahren befreundet, als er das musikalische Talent Charles-Marie Widors erkannte und den 14-Jährigen dem renommierten Organisten Jacques-Nicolas Lemmens in Brüssel empfahl – ein Vorschlag, auf den Widor dann auch einging. Nachdem er die Gymnasialzeit beendet hatte, reiste er Anfang 1863 nach Brüssel ab, wo er einige Zeit von Lemmens intensiv im Orgelspiel sowie von François-Joseph Fétis in Kontrapunkt, Fuge und Komposition unterrichtet wurde. Aus dieser Zeit stammen wohl auch die ersten Kompositionen Widors, die später zum Teil Eingang in die Orgelsinfonien gefunden haben. Nach seiner Rückkehr nach Lyon förderte Cavaillé-Coll den jungen Widor weiter, unter anderem dadurch, dass er in seiner Orgelbauwerkstatt in Paris vierzehntäglich Konzerte veranstaltete, bei denen sich Widor als Komponist und Organist präsentieren konnte. Durch seine häufigen Aufenthalte in Paris kam er mit bedeutenden Persönlichkeiten der französischen und europäischen Musikkultur in Berührung: z. B. Camille Saint-Saens, César Franck, Giacomo Meyerbeer, Gioacchino Rossini und Charles Gounod. Danach verbreitete sich Widors Ruf als Orgel- und Klaviervirtuose sowie als Komponist. Konzertreisen brachten ihn auch ins Ausland, so spielte er 1865 im Rahmen der ersten internationalen Ausstellung in Porto (Portugal), woraufhin ihm der portugiesische Ordem de Cristo verliehen wurde. Nach Widors Aussagen entstand im Rahmen dieser Ausstellung in Porto seine erste Komposition für Orchester: ein Auftragswerk für den Abschluss der Ausstellung. Widor legte hierfür eine Ouvertüre für Orgel und Orchester (offensichtlich die Grande Phantasia) vor, die gut aufgenommen wurde, vom Komponisten einige Jahre später allerdings vernichtet worden ist. 1867 wurde in Lyon ein Konzert für Klavier und Orchester von ihm aufgeführt, wobei er selbst als Solist mitwirkte. Dieses Konzert hatte er anscheinend schon als Jugendlicher komponiert, doch auch dieses Werk ist von ihm vernichtet worden. Lediglich der langsame Satz des Konzerts ist als Transkription für Orgel in die vierte Orgelsinfonie eingegangen. Kompositionen aus dieser frühen Periode sind heute kaum aufzufinden. Entweder hat Widor sie nachträglich vernichtet, oder sie sind verschollen. Das früheste heute zu identifizierende Opus von Widor ist das Klavierwerk Variations sur un thème original op. 1 für Klavier aus dem Jahre 1867, ein Variationszyklus über ein gleichbleibendes Harmonieschema, der bereits Widors melodische und kontrapunktische Begabung zeigt und seine Auseinandersetzung mit Bachs Goldberg-Variationen vermuten lässt.

Drei große Ereignisse bestimmten Widors Leben um 1870: der Umzug von Lyon nach Paris (Ende der 1860er Jahre), seine Ernennung zum Titular-Organisten von Saint-Sulpice im Januar 1870 und der deutsch-französische Krieg 1870/71. Die Position als Titularorganist, die er zunächst nur vorläufig besetzte, hatte er schließlich 64 Jahre lang inne. Die Cavaillé-Coll-Orgel (1862) in Saint-Sulpice bot Möglichkeiten für einen orchestralen Klangreichtum, der Widor zu seinen Orgelsinfonien inspirierte. Angepasst an den sinfonischen Klang der Orgel entstand bis 1872 die erste Reihe der Symphonies pour orgue (Nr. 1 bis 4) als op. 13. Eine weitere Serie von vier Orgelsinfonien (Nr. 5 bis 8) publizierte Widor 1887 als op. 42. Die letzten beiden Orgelsinfonien sind nachträglich entstanden: Symphonie Gothique op. 70 (1894) und Symphonie Romane op. 73 (1899).

Zwischen 1873 und 1880 ist eine Vielzahl Kompositionen für Orchester und kammermusikalische Besetzungen, Orgelwerke und geistliche Werke entstanden: die erste Sinfonie für Orchester op. 16 (1873), das Klavierkonzert Nr. 1 op. 39 (1876), ein Violinkonzert (1877) und das Violoncello-Konzert op. 41 (1878). Widor ergriff jede Gelegenheit, dem Publikum eigene Werke zu präsentieren, wobei er vorzugsweise selbst als Organist, Pianist oder Dirigent mitwirkte. Als Franz Liszt 1878 in Paris war, erhielt Widor die Möglichkeit, ihn ausgiebig spielen zu hören und dabei wichtige Werke der deutschen Klavierliteratur kennenzulernen. Dass Widor der Musiksprache Liszts und der Neudeutschen nicht abgeneigt war, zeigt das 1880 komponierte sinfonische Gedicht nach Goethes Faust: La Nuit de Walpurgis op. 60. Dieses offensichtlich sehr kühne Werk zog die Entrüstung der Pariser Kritik nach sich, und auch eine weitere Aufführung nach gründlicher Umarbeitung in London 1888 brachte keine nennenswerte Verbesserung in der Gunst der Kritik – erst bei einer weiteren Pariser Aufführung 1907 war die Zustimmung größer.

Um 1880 – der 36-jährige Komponist war inzwischen ein angesehener Musiker geworden – begann auch Widors Tätigkeit als Musikkritiker und Essayist (zunächst unter dem Pseudonym Auldétès als Musikkritiker in der Zeitschrift Estaffette, ab 1891 dann als Herausgeber der Zeitschrift Le Piano Soleil), wodurch eine ganze Reihe seiner Gedanken zur Musik überliefert sind. Großen Erfolg hatte Widor als Dirigent von La Concordia und La Concordia instrumentale, einer Pariser Laienchorgesellschaft inklusive Orchester, die Widor mitbegründet hatte und mit der er die großen klassischen und modernen Oratorien zur Aufführung brachte – vor allem auch Bachs Kantaten und Oratorien, womit er einen wichtigen Beitrag zur Rezeption von Bachs Musik in Paris geleistet hat. „Entscheidend für die öffentliche Anerkennung des Meisters war die Pariser Aufführung der Matthäuspassion durch die Concordia unter Widors Leitung 1885.“ Für dieses Ensemble entstand Widors Chant séculaire (op. 49, 1881) für Sopran, Chor und Orchester.

In den folgenden Jahren widmete er sich vermehrt den Theaterkompositionen, womit Widor ebenfalls erfolgreich war. Das 1880 fertiggestellte Ballett La Korrigane z. B. wurde einer der größten Erfolge Widors. Zu seinen Bühnenwerken, die zu großer Popularität gelangten, zählt weiterhin die Ballett-Pantomime auf Jeanne d’Arc, wozu er 1890 den Auftrag erhielt und die mit einer kolossalen Inszenierung aufgeführt wurde. Daneben entstanden außerdem weitere Instrumentalwerke wie die zweite Sinfonie A-Dur op. 54 für Orchester (1882).

Das letzte Jahrzehnt brachte für Widor eine Zeit großer Ehrungen, kompositorischer Erfolge und Vorrechte. In London dirigierte er 1890 seine bereits am 23. Februar 1889 in den Colonne-Konzerten in Paris uraufgeführte Fantaisie für Klavier und Orchester op. 62. Außerdem entstanden 1893 die fünfsätzige Suite pittoresque für Orchester und die Dritte Sinfonie op. 69 für Orgel und Orchester. Mit der Gründung der Concerts de l’école moderne 1893, eines Vereins, der sich um die Aufführung neuer Kompositionen bemühte, zeigte er Einsatz für die zeitgenössische Musik. In seiner Tätigkeit als Pädagoge gab es in den 1890er-Jahren gleich zwei Meilensteine: Am 1. Dezember 1890 löste er César Franck als Orgel-Professor am Pariser Konservatorium ab, wobei Widor den Unterricht grundlegend umgestaltete, und am 1. Oktober 1896 erhielt er die Leitung der Kompositionsklasse des Konservatoriums. Zu seinen Studenten zählten bekannte Komponisten und Organisten wie Nadia Boulanger, Louis Vierne, Arthur Honegger, Charles Tournemire, Hans Klotz, Darius Milhaud, Marcel Dupré, Edgar Varèse und Albert Schweitzer. Allerdings ist zu konstatieren, dass er weder als Komponist noch als Lehrer im engeren Sinne stil- oder gar schulbildend wirkte, wie er es als Orgellehrer getan hat. Widor gilt daher als Begründer der „französischen Orgelschule“.

Die letzte Phase in Widors Leben ist von abnehmender Produktivität im kompositorischen Bereich und einer Verlagerung der Aktivitäten in den Musik- und Kulturbetrieb geprägt. An Orchesterkompositionen der letzten Jahrzehnte sind zu erwähnen: Choral et Variations für Harfe und Orchester op. 74 (1900), Klavierkonzert Nr. 2 op. 77 (1905), Sinfonia Sacra für Orgel und Orchester op. 81 und Symphonie Antique für Soli, Chor, Orchester und Orgel (1911). Die Uraufführung der Oper Les Pêcheurs de Saint-Jean im Jahre 1905, an der er mindestens zehn Jahre gearbeitet hatte, wurde nicht nur in Frankreich ein großer Erfolg, sondern auch in Deutschland – Widor selbst dirigierte einige Vorstellungen in Frankfurt am Main.

Dass er ein guter Instrumentator war, belegen nicht nur seine Werke, sondern auch seine 1904 veröffentlichte Revision des Traité d’ instrumentation von Hector Berlioz unter dem Titel Technique de l’Orchestre moderne – ein Handbuch, das selbst für große Komponisten wie Ravel zum Standard wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Widors Auftritte immer seltener. Ihm wurde mehr und mehr eine konservative Haltung vorgeworfen, denn seine Musiksprache ist der spätromantischen Tradition des 19. Jahrhunderts verpflichtet. Sie war zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits nicht mehr zeitgemäß und wurde von der Kritik auch so empfunden. Widor wurde zum Grand Seigneur der französischen Musik, zu einer lebenden Legende. Die Liste der Ehrungen, die Widor in seinem Leben erhielt, ist lang. 1892 ernannte die französische Légion d‘honneur Widor zum Chevalier, später zum Officier (1922), Commandeur (1929) und Grand Officier (1933). Außerdem wurde er Mitglied der königlichen Akademie der Schönen Künste in Berlin (1907), Mitglied der belgischen königlichen Akademie der schönen Künste, Mitglied der Schwedischen königlichen Musikakademie (1910, zusammen mit d‘Indy und Debussy), Mitglied der Académie des Beaux-Arts, Mitglied des Institut de France und seit 1914 ständiger Sekretär des Instituts.

1920 heirate der 76-jährige Widor die 36-jährige Mathilde de Montesquiou-Fezensac und zog sich weiter ins Privatleben zurück. Mit den Trois Nouvelles Pièces op. 87 verabschiedete er sich 1934 als Komponist, und im gleichen Jahr fand auch sein Abschiedskonzert in Saint-Sulpice statt: Der hochbetagte Meister dirigierte zum letzten Mal – und zwar seine dritte Sinfonie für Orgel und Orchester mit dem Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire und Marcel Dupré als Organist. Beim zweiten Abschiedskonzert zu seinen Ehren einige Wochen später, wo seine beiden Klavierkonzerte und seine Fantasie für Klavier und Orchester aufgeführt wurden, wirkte er nicht mehr selbst mit. Danach zog sich Widor aus dem öffentlichen Leben zurück und verstarb am 12. März 1937 in Paris mit 93 Jahren. Obwohl er kein Geistlicher war, wurde ihm die Ehre zuteil, in der Krypta von Saint-Sulpice bestattet zu werden.

Zu seinen Kompositionen gehören zahlreiche Orgelwerke, darunter zehn Orgelsinfonien, eine musikalische Gattung, die er geschaffen hat. Außerdem schrieb er Messen (u. a. die Messe op. 36 für zwei Chöre und zwei Orgeln, angepasst an die Aufführungsmöglichkeiten in Saint-Sulpice) und zahlreiche Werke anderer Gattungen (Opern, Ballette, Vokalmusik, Kammermusik und Orchestermusik). Jedoch werden nur seine Orgelwerke heute noch regelmäßig gespielt. Widors Orgelsinfonien gehören in Deutschland inzwischen zum festen Konzertrepertoire. Die Verbreitung der widorschen Orgelwerke hat maßgeblich dazu beigetragen, dass auch in Deutschland zunehmend neue Orgeln im französisch-romantisch-sinfonischen Stil gebaut werden.

 

22.2. Jiří PAUER: 100. Geburtstag

 Er studierte bei Otakar Sin, 1943-46 am Prager Konservatorium bei Alois Hába und bei Pavel Borkovec an der Akademie der musischen Künste. Hier unterrichtete er später Komposition. Er schuf mehrere Opern, Sinfonien und weitere Orchesterwerke, ein Horn- und ein Trompetenkonzert, kammermusikalische Werke und Klavierstücke. Eines seiner meistgespielten Stücke ist sein Fagottkonzert aus dem Jahr 1949. Er starb 2007 in Prag.

 

23.2. Miroslav FRYDLEWICZ: 85. Geburtstag

 Er war am Prager Konservatorium Schüler von Jan Berlík. 1957 erfolgte sein Bühnendebüt am Opernhaus von Opava (Troppau) als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, eine seiner Glanzrollen. 1962 wurde er Mitglied des Nationaltheaters Prag, wo er große Erfolge zu verzeichnen hatte. 1970 wirkte er an diesem Haus in der Uraufführung der Oper »Der eingebildete Kranke« von J. Pauer mit. Sein Repertoire enthielt Aufgaben aus Opern von Mozart, Verdi, R. Wagner, Rossini, Puccini, Smetana, Dvorák, Janácek wie auch solche aus modernen Opernwerken, wobei er dem mehr heldisch gearteten Repertoire den Vorzug gab. So sang er 1984 in einer vorgezogenen ersten Aufführung der Oper »Meister Hieronymus« (»Mistr Jeroným«) von Ivo Jirásek die Titelrolle. Zugleich als geschätzter Konzertsänger tätig. Er starb 2002 in Prag.

Schallplatten: Supraphon (u.a. vollständige Oper »Das schlaue Füchslein« von Janácek), Panton (»Aus dem Tagebuch eines Verschollenen« von Janácek; Lieder).

 

23.2. Karl SLOVÁK: 175. Geburtstag

 Er betrat 1867 erstmals die Opernbühne in seiner Heimatstadt Olmütz. 1868-70 sang er am Theater von Ödenburg (Sopron, Ungarn) und war dann 1871-73 am Stadttheater von Graz engagiert. Nach einem erfolgreichen Gastspiel wurde er Mitglied des Hoftheaters von Mannheim, an dem er zehn Jahre lang (1873-83) blieb und vor allem lyrische Tenorpartien zum Vortrag brachte. 1874 wirkte er hier in der Uraufführung der Oper »Der Widerspenstigen Zähmung« von H. Goetz als Lucentio mit, 1877 in der Uraufführung von »Francesca da Rimini« vom gleichen Komponisten als Paolo. Für die Spielzeit 1883-84 ging er an das Stadttheater von Bremen, anschließend an das Opernhaus von Leipzig, wo er auch Buffo-Partien sang, doch löste er bereits 1885 seinen Vertrag und gab auf der Bühne nur noch seltene Gastspiele. Er starb 1902 in Großenhain (Hessen). Er war verheiratet mit der Sopranistin Juliane Slovák, die in Mannheim und Leipzig in erster Linie Comprimario-Partien übernahm.

 

25.2. José Luis GARCÍA ASENSIO: 75. Geburtstag

 Biographie des spanischen Dirigenten auf Spanisch: https://es.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Luis_Garc%C3%ADa_Asensio  

 

25.2. Hartmut BAUER: 80. Geburtstag


Als Hans Schwartz in Bayreuth

 Sein Gesangstudium fand an der Musikhochschule in Frankfurt a.M. statt. Er debütierte 1965 am Stadttheater von Augsburg, wo er bis 1968 engagiert blieb. Danach war er in den Jahren 1968-70 am Landestheater von Coburg tätig und wurde 1970 an das Opernhaus von Wuppertal berufen. Er wirkte länger als 25 Jahre an diesem Theater und sang dort u.a. 1972 den Kreon in der deutschen Erstaufführung der Oper »Médée« von D. Milhaud. Er gab Gastspiele am Stadttheater von Bremen, am Staatstheater Hannover, an den Opernhäusern von Köln und Frankfurt a.M. und am Gran Teatre del Liceu in Barcelona. Bei den Festspielen von Bayreuth sang er 1973 den Fafner im »Rheingold« und 1973-76 den Hans Schwarz in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Sein sehr umfassendes Bühnenrepertoire reichte von der Barockoper (Ariodeno in »L’Ormindo« von Cavalli) über Mozart (Bartolo in »Figaros Hochzeit«, Komtur im »Don Giovanni«), den Kuno im »Freischütz«, den Abul Hassan im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, den Ramfis in »Aida«, den Colline in »La Bohème«, den Pimen im »Boris Godunow« bis zum Schigolch in »Lulu« von A. Berg und dem Gerichtsrat Walter in Fr. Geißlers »Der zerbrochene Krug«. Er sang in Wuppertal in der Uraufführung der Oper »Erinys« von V.D. Kirchner (15.4.1990) und, ebenfalls 1990, bei den Festspielen von Eutin den Rocco im »Fidelio«, dort dann auch 1990 den Ferrando im »Troubadour«, in Brüssel 1993 den Hans Sachs in den »Die Meistersinger von Nürnberg«, in Wuppertal 1995 den König Heinrich im »Lohengrin«, 1996 den König Philipp im »Don Carlos« von Verdi. 1998 trat er am Theater von Gelsenkirchen als Simon in »Regina« von Lortzing auf, am Opernhaus von Wuppertal und in Gelsenkirchen als Daland in »Der fliegende Holländer«, 1999 am Opernhaus von Wuppertal als Ochs im »Rosenkavalier« von R. Strauss. 1999 trat er bei den Festspielen von Eutin als Rocco auf, 2000 am Theater im Revier Gelsenkirchen als Sarastro in der »Zauberflöte« und als Ochs. Bei den Festspielen von Eutin sang er 2001 den Sprecher in der »Zauberflöte«, 2002 den Zsupán im »Zigeunerbaron« von J. Strauß, 2004 den van Bett in Lortzings »Zar und Zimmermann«, 2005 den Frank in der »Fledermaus«, 2008 den Landgrafen im »Tannhäuser« und 2010 den Eremiten im »Freischütz«. Er starb 2018 in Eutin.

Schallplatten: Philips (»Die Meistersinger von Nürnberg«, Mitschnitt aus Bayreuth von 1974).

 

26.2. Peter LINDROOS: 75. Geburtstag


Als Don José

 Er wollte ursprünglich Organist und Musiklehrer werden und studierte diese Fächer an der Sibelius-Akademie in Helsinki. Weitere Ausbildung durch Jolanda di Maria Petris in Helsinki, durch Luigi Ricci in Rom und durch Marcello del Monaco, den Bruder des Tenors Mario del Monaco, in Treviso. Er trat bereits 1967-68 als Konzertsänger auf und debütierte als Bühnensänger 1968 an der Nationaloper Helsinki als Rodolfo in »La Bohème«. 1969 kam er für zwei Jahre an das Stora Theater Göteborg, wo er in seiner Antrittspartie, dem Otello von Verdi, Aufsehen erregte. Große Erfolge hatte er dann namentlich in Wagner- und Richard Strauss-Opern. Seit 1971 Mitglied der Königlichen Oper Kopenhagen, seit 1974 gleichzeitig der Staatsoper Stuttgart; dem Nationaltheater Mannheim durch einen Gastspielvertrag verbunden. 1974-91 war er an der Wiener Staatsoper engagiert, an der er in 61 Vorstellungen

als Boris in Janáceks »Katja Kabanowa«, als Cavaradossi in »Tosca«, als Herzog in »Rigoletto«, als Laça in Janáceks »Jenufa«, als Pinkerton in »Madame Butterfly«, als Don José in »Carmen«, als Manrico im »Troubadour«, als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Erik in »Der fliegende Holländer« und in der Titelrolle von Friedrich Cerhas »Der Rattenfänger« (den er bereits zuvor am 26.9.1987 in der Uraufführung an der Grazer Oper gesungen hat) auftrat. Er gastierte u.a. an der Staatsoper von München, an der Oper von Oslo und an der Deutschen Opern Berlin. An der Covent Garden Oper London sang er 1975 den Herzog in »Rigoletto« und 1976 den Bacchus. 1977 unternahm er eine Konzerttournee durch Israel. 1982 gastierte er als Des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut« an der Scottish Opera Glasgow. Er  gastierte an der Opéra-Comique Paris 1983 und 1986 als Bacchus, an der Grand Opéra Paris 1984 und 1988 als Dimitrij im »Boris Godunow«; die letztgenannte Partie übernahm er auch 1985 am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, den Bacchus auch 1986 in Monte Carlo. Am 22.8.1985 sang er in Joensuu in Nord-Karelien in der Uraufführung der Oper »Thomas« von Eino Rautavaara den Johann von Göbyn. 1987 gastierte er in Lausanne als Bacchus. 1987 Gastspiel mit dem Ensemble der Nationaloper Helsinki beim Edinburgh Festival in der finnischen Oper »Juha« von Merikanto (als Shemeikka). 1988 hörte man ihn in München als Apollo in »Daphne« von R. Strauss, 1989 bei den Festspielen von Savonlinna als Radames in »Aida«. In Kopenhagen trat er 1989 als Otello von Verdi, 1991 als Radames und 1992 als Bacchus auf, den er auch 1990 am Theater von Bonn sang. 1995 sang er am Teatro Comunale Bologna den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, 1997 an der Oper von Helsinki den Dimitrij, 1998 an diesem Haus den Percy in Donizettis »Anna Bolena«. 1995 nahm er an der Nationaloper Helsinki an der Uraufführung der Oper »Der singende Baum« (»Det sjungande trädet«) von Erik Bergmann in der Partie des Königs teil. 1999 wiederholte er diese Partie bei einem Gastspiel der Oper von Helsinki an der Deutschen Oper Berlin. An der Oper von Helsinki wirkte er 2000 in der Uraufführung der Oper »König Lear« von Aulis Sallinen als Herzog von Albany mit, am Theater von Sassari (Sardinien) als Kaiser Altoum in der Oper »Turandot« von F. Busoni (mit Denia Mazzola in der Titelrolle). Aus seinem Repertoire für die Bühne sind ergänzend noch der Gabriele Adorno in Verdis »Simon Boccanegra«, der Sergej in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch und der David in »Saul og David« von Carl. Nielsen zu nennen. Er starb 2003 in der Nähe von Malmö (Schweden) bei einem Autounfall.

Schallplatten: RCA-Erato (»Christus« von F. Liszt), Finlandia (»Kung Karls Jakt« von F. Pacius), Chandos (»Saul og David« von Nielsen), Ondine (»Thomas« von E. Rautavaara, »Der singende Baum« von E. Bergman).

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Homepage: http://www.peterlindroos.eu/english.html

 

26.2. Freda BETTI: 95. Geburtstag

 Sie war am Konservatorium von Nizza Schülerin von Edouard Rouard. 1947 debütierte sie an der Oper von Monte Carlo als Nicklausse in »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach. Bis zu ihrem Tod trat sie sehr erfolgreich an den führenden Operntheatern in der französischen Provinz auf, in Bordeaux und Marseille, in Nizza und Toulouse, an der Opéra du Rhin Straßburg und in Nantes. 1948-50 und 1968 gehörte sie dem Ensemble der Oper von Monte Carlo an, in den Jahren 1957-61 hörte man sie regelmäßig bei den Festspielen von Aix-en-Provence. 1958 gastierte sie an der Mailänder Scala in »L’Enfant et les sortilèges« von Ravel (als Chinesische Tasse und als Katze). Hier wirkte sie auch 1963 in der Uraufführung der Oper »Tiresias« von Fr. Poulenc als Zeitungsverkäuferin mit (und sang am gleichen Abend auch die ältere Schwester der Euridice in der Oper »Les Malheurs d‘Orphée« von D. Milhaud. 1961 wirkte sie in Aix-en-Provence in der Uraufführung der Oper »Lavinia« von Henri Barraud mit, im gleichen Jahr sang sie in Paris in der konzertanten Uraufführung von Nikolai Nabokovs »Der Tod Rasputins«. Ihre große Partie war die Carmen, die sie im Verlauf ihrer Karriere über 150mal sang; weitere Höhepunkte in ihrem Bühnenrepertoire waren der Siebel im »Faust« von Gounod, die Taven in »Mireille«, die Myrtale in »Thaïs« von Massenet, die Javotte in dessen »Manon«, die Mallika in »Lakmé« von Delibes, die Teresa in Bellinis »La Sonnambula«, die Maddalena im »Rigoletto«, die Emilia in Verdis »Otello«, die Suzuki in »Madame Butterfly«, die Brangäne in »Tristan und Isolde«, die Fricka in der »Walküre«, die Marcellina in »Le nozze di Figaro« und der Fjodor im »Boris Godunow«. Sie starb 1979 in Nizza.

Schallplatten: Philips (Querschnitt »Carmen«), HMV, INA (»La Mascotte« von Audran).

 

26.2. Silvio VARVISO: 95. Geburtstag  

Er studierte am Konservatorium Zürich Dirigieren, Klavier, Violine, Klarinette, Trompete und Schlaginstrumente. Bei Clemens Krauss in Wien schloss er seine Studien ab. In St. Gallen gab er mit Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte sein Debüt, um 1962 als musikalischer und künstlerischer Leiter an das Stadttheater Basel zu wechseln. 1965-71 war er Musikdirektor an der Königlichen Oper in Stockholm, danach in derselben Funktion 1972-79 an der Stuttgarter Oper. Dies brachte ihn zur Zusammenarbeit mit wichtigen Regisseuren, etwa mit Jean-Pierre Ponnelle bei Wagners Ring des Nibelungen oder mit Götz Friedrich bei Claude Debussys Pelléas et Mélisande, Wolfgang Amadeus Mozarts Così fan tutte, Richard Strauss‘ Salome, Wagners Parsifal sowie Puccinis La Bohème. Als Dirigent wurde er auf leitende Positionen in bedeutenden Opernhäusern in Europa und den USA berufen. Zwischen 1960 und 1980 war er einer der bekanntesten Gastdirigenten und leitete nahezu jedes berühmte Orchester im westlichen Europa, vor allem bei der Aufführung von Opern und bei Festivals. In den 1960er und 1970er Jahren nahm er unzählige Konzerte auf Schallplatte auf. Er trat mit den Wiener Philharmonikern 1979 bei den Salzburger Festspielen auf. Außerdem leitete er das Chicago Symphony Orchestra, das Royal Philharmonic Orchestra sowie das San Francisco Symphony Orchestra. Über viele Jahre hinweg war er als Gastdirigent an der Wiener Staatsoper, am Royal Opera House Covent Garden in London, an der Deutschen Oper Berlin, der Hamburgischen Staatsoper, der Bayerischen Staatsoper, der Frankfurter Oper sowie der Pariser Oper tätig. Bereits 1961 gab der Dirigent sein US-amerikanisches Debüt, zunächst an der San Francisco Opera, später an der Metropolitan Opera in New York, wo er Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor mit der gleichfalls debütierenden Joan Sutherland dirigierte. 1969-74 dirigierte er bei den Bayreuther Festspielen Der fliegende Holländer, Lohengrin und Die Meistersinger von Nürnberg. 1983 kehrte er an die Metropolitan Oper zurück und dirigierte dort Wagners Walküre und in der folgenden Saison Gioacchino Rossinis Il barbiere di Siviglia. Ab 1991 war er regelmäßiger Gastdirigent an der Vlaamse Opera in Antwerpen und Gent, wo er einen viel beachteten Puccini-Zyklus in der Inszenierung von Robert Carsen musikalisch betreute. Noch kurz vor seinem Tod dirigierte er im September 2006 in Antwerpen Puccinis Tosca. Der Dirigent lebte seit dem Tod seiner Frau zurückgezogen in Basel und an der Côte d‘Azur. Er starb 2006 in Antwerpen.

 

27.2. Heimo ERBSE: 95. Geburtstag

Nach einer musikalischen Ausbildung in Weimar in den Fächern Flöte, Dirigieren und Opernregie war er 1947-50 Regisseur an verschiedenen deutschen Opernhäusern, danach war er als freischaffender Komponist tätig und arbeitete hauptsächlich für Film- und Theaterproduktionen. Von 1957 bis zu seinem Tod lebte er in Österreich. Seine Oper Julietta wurde 1959 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt. Er starb 2005 in Baden bei Wien.

 

27.2. Roman HAUBENSTOCK-RAMATI: 100. Geburtstag

Er studierte 1937-40 Komposition, Musiktheorie, Violine und Philosophie in Krakau und Lemberg. Er war Schüler von Artur Malawski und Józef Koffler. 1939 war seine Familie vor den Deutschen nach Lemberg geflohen, das aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes von der Sowjetunion einverleibt wurde. Aufgrund seiner Mehrsprachigkeit wurde er 1941 kurz vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion unter dem Vorwurf der Spionage verhaftet und über Odessa nach Tomsk deportiert. Dort wurde er für die polnische Anders-Armee rekrutiert und kam mit dem 2. Polnischen Korps nach Palästina. Die willkürliche Verhaftung 1941 rettete ihn vor dem Holocaust, dem seine Eltern zum Opfer fielen. 1947 kehrte er nach Polen zurück und war dort bis 1950 Leiter der Musikredaktion beim Rundfunk in Krakau. Da er noch ein Visum für Palästina hatte, konnte er schließlich 1950 mit seiner Frau Emilia mit dem letzten offiziellen Transport auswandern. Ab 1950 war er Professor an der Musikakademie Tel Aviv, wo er auch den Aufbau einer musikalischen Zentralbibliothek leitete. 1957 erhielt er ein sechsmonatiges Stipendium für die Académie für Musique concrète in Paris und traf dort auf Pierre Schaeffer. 1958-68 war er Lektor für Neue Musik bei der Universal Edition Wien. 1959 kuratierte er die erste Ausstellung musikalischer Graphiken bei den Donaueschinger Musiktagen. Zudem war er als Gastdozent und Leiter von Kompositionsseminaren in Tel Aviv, Stockholm, Darmstadt, Bilthoven (Niederlande) und Buenos Aires tätig und hatte ab 1973 eine Professur für Komposition an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien inne, wo er 1989 emeritierte. Zu seinen wichtigsten Schülern zählen Bruno Liberda, Beat Furrer, Mayako Kubo und Peter Ablinger. In der Frühphase zeigen seine Kompositionen den Einfluss von Anton Webern und der Reihentechniken. Früh wandte er sich graphischen Notationstechniken zu (beispielsweise in Séquences für Violine und Orchestergruppen (1958), ab 1970 intensiver). Er entwickelte in der Folge auch „variable Musik“ bzw „Mobiles“, bei der die musikalische Struktur im Ermessen der Interpreten deutlich verändert werden kann. Haubenstock-Ramati wirkte auch als Graphiker und Maler. Er starb 1994 in Wien.

 

27.2. Raffaele FERLOTTI: 200. Geburtstag

Er war der jüngere Bruder der bekannten Sopranistin Santina Ferlotti-Sangiorgi (1805-53), Sohn des Choreographen Nicola Ferlotti und der Balletttänzerin Paola Scutelari. Er scheint, ähnlich wie seine Schwester, frühzeitig eine große Begabung als Sänger gezeigt zu haben. Bereits 1835 wird er als Solist in einem Konzert in Ravenna erwähnt. Wenig später trat er am Teatro Comunale Faenza in der Rolle des Bartolomeo in Donizettis »Il Furioso nell‘ Isola di San Domingo« auf. Im weiteren Ablauf seiner Karriere sang er an den großen italienischen Bühnen und kam auch an der Mailänder Scala zu bedeutenden Erfolgen. Hier sang er 1840 den Briano in »Il Templario« von Otto Nicolai und den Ernesto in Bellinis »Il Pirata«. Er wirkte an der Scala am 5.9.1840 in der Uraufführung von Verdis Oper »Un giorno di regno« als Cavaliere di Belfiore mit; die Aufführung endete jedoch mit einem völligen Misserfolg. 1841 sang er an der Scala in den Uraufführungen von »Il Contadino d’Aghiate« von Solera und »Ildegondo e Rizzario« von Graffigna, 1843 den Ernesto in G. Pacinis Oper »Maria Regina d’Inghilterra«, 1844 in den Uraufführungen der Opern »Sofonisba« von Petrali und »L’Ebrea« von G. Pacini. 1848 Gastspiel am Teatro San Carlo Neapel in Verdis »Nabucco« und in »Marino Falliero« von Donizetti, 1855 am Teatro Argentina Rom in »Luisa Miller« von Verdi. 1845 trat er gastweise in Madrid, 1858-59 in Barcelona, auf dem Höhepunkt seiner Karriere auch in Paris, London, Wien und Rom, auf. Er setzte seine Karriere mit Auftritten an den großen Theatern der italienischen Halbinsel fort und eröffnete später zusammen mit seiner Schwester Santina Ferlotti-Sangiorgi (1805-53) in Bologna eine Gesangschule. Er starb 1891 in Bologna.

 

28.2. Sylvia GESZTY: 85. Geburtstag

 Ihre Ausbildung erfolgte an der Musikhochschule von Budapest durch Erszébeth Hoor-Tempis. 1959 debütierte sie an der Budapester Nationaloper. 1959-61 war sie Solistin der Ungarischen Philharmonischen Gesellschaft. 1961 wurde sie an die Staatsoper Berlin berufen (Antrittsrolle Amor in »Orpheus und Eurydike« von Gluck), der sie bis 1970 angehörte, und wo sie 1961 in der Uraufführung der Oper »Leonce und Lena« von Kurt Schwaen mitwirkte. An der Berliner Staatsoper sang sie 1961-70 Partien wie die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, den Pagen Oscar im »Maskenball« von Verdi, die Gilda im »Rigoletto« und die Königin von Schemacha in »Der goldene Hahn« von Rimsky-Korssakow. In Berlin setzte sie ihre Ausbildung bei Dagmar Freiwald-Lange fort. Von Berlin aus unternahm sie sehr erfolgreiche Gastspielreisen. Bei den Salzburger Festspielen sang sie 1967-68 und 1970 die Königin der Nacht, 1972-74 die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail« und trat 1970, 1972 und 1974 in Mozart-Konzerten auf. In den Jahren 1967-75 gastierte sie an der Wiener Staatsoper in insgesamt 18 Vorstellungen als Königin der Nacht, als Olympia in »Hoffmanns Erzählungen«, als Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Musetta in »La Bohème«, als Rosina im »Barbier von Sevilla« und als Gilda. 1963-70 gehörte sie als ständiger Gast auch dem Ensemble der Komischen Oper Berlin an, wo sie u.a. die vier Frauenrollen in »Hoffmanns Erzählungen« übernahm. Seit 1970 Mitglied der Staatsoper Stuttgart und ständiger Gast der Bayerischen Staatsoper München. Sie gab 1966-72 regelmäßig Gastspiele an der Staatsoper von Hamburg wie an der Deutschen Oper Berlin. An der Staatsoper von Hamburg trat sie u.a. als Olympia und als Musetta auf, an der Staatsoper von Stuttgart zuerst 1971 als Norina im »Don Pasquale« und als Manon in »Boulevard Solitude« von H.W. Henze, die sie auch 1977 beim Edinburgh Festival übernahm. Sie gastierte weiter an der Covent Garden Oper London (Debüt 1966 als Königin der Nacht), in Paris, Brüssel, Amsterdam, am Bolschoi Theater Moskau, in Buenos Aires (als Sophie im »Rosenkavalier«) sowie an den großen italienischen Bühnen und erwies sich dabei als eine der bedeutendsten Koloratricen ihrer Generation. Bei den Festspielen von Glyndebourne sang sie 1971-72 die Zerbinetta und 1972 die Konstanze. Ihr USA-Debüt fand 1973 (mit dem Ensemble der City Opera New York) in Los Angeles als Sophie im »Rosenkavalier« statt. Bei den Festspielen von Schwetzingen hörte man sie 1976 als Gismonda in Cimarosas »Il marito disperato«. Bis 1984 der Staatsoper Stuttgart, bis 1982 auch dem Staatstheater Hannover verbunden. Weitere Partien aus ihrem Bühnenrepertoire: die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Rosina in »Il barbiere di Siviglia« von Paisiello und die Titelrolle in der Händel-Oper »Alcina«. Im Konzertsaal war sie als Oratorien- und Liedsängerin zu hören und begeisterte ihr Publikum durch den Vortrag virtuoser Koloratur-Walzer und -Kanzonen; dazu war sie eine hervorragende Operettensängerin. 1970 erhielt sie eine Professur an der Musikhochschule von Stuttgart; sie betätigte sich auch in Zürich auf pädagogischem Gebiet. 1981 heiratete sie in dritter Ehe den Augsburger Konditor Egbert Gross. Sie starb 2018 in Stuttgart.

Schallplatten der Marken HMV-Electrola (Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos«), DGG (»Die Israeliten in der Wüste« von Carl Philipp Emanuel Bach, Kantaten von J.S. Bach, »Rappresentatione di Anima e di Corpo« von Cavalieri), Eurodisc (»Die Zauberflöte«, »Così fan tutte«, »Der Barbier von Bagdad« von Cornelius, Operetten- und Liedaufnahmen), Schwann (»Die Schuldigkeit des ersten Gebots« von Mozart), CBS (»Christus« von F. Liszt), Berlin Classics (Querschnitt »Imeneo« von Händel), Qualiton, Telefunken, VEB Eterna.

 

28.2. Salvador OCHOA: 100. Geburtstag

 Biographie des mexikanischen Dirigenten auf Spanisch:
https://www.ecured.cu/Salvador_Ochoa_Fern%C3%A1ndez

 

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