IN MEMORIAM-Geburtstage IM DEZEMBER 2016
Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny.
1.12. Leonard STEIN: 100. Geburtstag
Er studierte Klavier beim Busoni-Schüler Richard Buhlig am Los Angeles City College, um dann ab 1935 bei Schönberg an der University of Southern California und dann an der University of California, Los Angeles Kompositionslehre und Musiktheorie zu studieren (BA: 1939, MM: 1941, MA: 1942). Ab 1939 war Stein als Assistent Schönbergs tätig, ab 1942 als dessen persönlicher Assistent. Er war einerseits an den Uraufführungen von Schönbergs Phantasy for violin with piano accompaniment op. 47 und der Kammersinfonie op. 38B beteiligt. Andererseits unterstützte er Schönberg bei der Arbeit an seinen Manuskripten. Nach Schönbergs Tod vervollständigte er vier der Theoretischen Schriften, die dieser nicht mehr fertigstellen konnte und legte 1975 sogar eine erweiterte Fassung der zweiten Auflage von Schönbergs Style and Idea vor. Auch arrangierte er einige Kompositionen Schönbergs.
Stein lehrte seit 1946 an verschiedenen Colleges und am California Institute of the Arts, wo La Monte Young, Terry Jennings, John King und Dean Drummond zu seinen Schülern gehörten. Er promovierte 1965 über die Aufführung von Zwölfton- und Serieller Musik auf dem Klavier; die Arbeit enthielt Analysen zentraler Klavierwerke von Schönberg, Anton Webern, Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez. Stein setzte sich wesentlich für die Gründung des Arnold Schönberg Institute in Los Angeles ein und leitete dieses 1974-91.
Stein machte sich aufgrund seiner herausragenden Kenntnisse der Neuen Musik auch einen Namen als Interpret sowie als Veranstalter der Konzertreihen Encounter Series in Pasadena (Kalifornien) und der Piano Spheres in Los Angeles. Als Pianist spielte er kammermusikalische Werke von Schönberg und Hindemith neben denen von John Cage ein. Bei Donald Erbs Reconnaisance war er auf dem Synthesizer zu hören. Als Schönberg-Spezialist war er international als Vortragsgast geschätzt und referierte bis in die letzten Lebensjahre häufig in Europa; Steins Persönlichkeit fesselte auch durch seinen Charme und Witz. Er starb 2004 in Burbank (Los Angeles County).
2.12. Henry Thacker BURLEIGH: 150. Geburtstag
Der farbige Künstler studierte am National Conservatory New York, wo Antonín Dvorák zeitweilig einer seiner Lehrer war. Er erwarb große Verdienste durch seine Sammlung und Bearbeitung von Negro Spirituals. Er gab mehrere Sammlungen dieser Melodien, aber auch von weltlichen Sing- und Tanzweisen heraus, die dadurch weiten Kreisen bekannt geworden sind. Er komponierte selbst Lieder, die zum Teil im Stil dieser Vorbilder gehalten waren, trug aber immer wieder diese Spirituals und Volkslieder auch selbst im Konzertsaal vor; er unternahm mehrere Tourneen durch die USA. Von 1894 bis 1946, als er seine Karriere beendete, war er Solist der St. George’s Episcopal Church im New Yorker Stadtteil Harlem. Seit 1896 sang er an jedem Palmsonntag in dieser Kirche »Les Rameaux« von Gabriel Fauré; seit 1913 veranstaltete er dort einen »Annual Service of Negro Spirituals«, an dem führende farbige Sänger als Solisten teilnahmen. 1917 wurde er mit einem Preis für hervorragende Verdienste um die Darstellung der farbigen Minderheit im Kulturleben der Vereinigten Staaten ausgezeichnet. Er wurde zum Master of Arts der Atlanta University (1918) und zum Ehrendoktor der Howard University (1920) ernannt. Er starb 1949 in Stamford (Connecticut). Sein Sohn Alston Burleigh (1899-1977) setzte das Werk seines Vaters fort.
Schallplatten: Broome Records (»Go down Moses«, 1920 aufgenommen), vielleicht auch Aufnahmen auf Emerson.
3.12. Phyllis CURTIN: 95. Geburtstag
Sie studierte am Wellesley College, bei Olga Avierino und bei Boris Goldovsky in Boston und debütierte 1946 bei der New England Opera Company als Tatjana im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky. Bei der New England Opera Company in Boston sang sie zu Beginn ihrer Kariere auch die Lisa in »Pique Dame« von Tschaikowsky und die Lady Billows in »Albert Herring« von B. Britten. Sie debütierte 1953 an der City Opera New York in der amerikanischen Erstaufführung der zeitgenössischen Oper »Der Prozess« von G. von Einem und sang in den folgenden zehn Jahren an diesem Haus fast alle großen Mozart-Rollen, auch die Traviata und die Salome von R. Strauss. An diesem Haus, an dem sie noch bis 1976 als Gast auftrat, sang sie u.a. in den Uraufführungen der beiden Opern »Susannah« (1956 in der Titelrolle; die Partie hatte der Komponist für sie geschrieben) und »The Passion of Jonathan Wade« (1962) von Carlisle Floyd. 1958 sang sie an der Oper von Santa Fé in einer weiteren Uraufführung, »Wuthering Heights« von Carlisle Floyd die Partie der Cathy. In New York trat sie in den zeitgenössischen Opern »Troilus and Cressida« von Sir William Walton und »The Taming of the Shrew« von Giannini auf; sie sang auch in der amerikanischen Premiere von »Les mamelles de Tirésias« von Poulenc (1953 Brandeis University). Seit 1953 erschien sie an der Covent Garden Oper London. 1960-61 gastierte sie an der Staatsoper von Wien (als Traviata, als Butterfly, als Fiordiligi in »Così fan tutte«, als Salome von R. Strauss und als Donna Anna im »Don Giovanni« in insgesamt 20 Vorstellungen) und am Opernhaus von Triest. 1961-62 gab sie Gastspiele am Opernhaus von Frankfurt a.M., 1961 an der Staatsoper Stuttgart, 1959 am Teatro Colón Buenos Aires, 1965 an der Chicago Opera, 1969 an der Oper von Seattle (als Rosalinde in der »Fledermaus«), 1970 an der Oper von Boston (als Senta in »Der fliegende Holländer«) und an der Oper von San Antonio (als Donna Anna), 1972 an der Chicago Opera (als Marguerite in »La damnation de Faust« von Berlioz). 1960 trat sie im amerikanischen Fernsehen als Fiordiligi auf. In der gleichen Partie debütierte sie 1961 an der Metropolitan Oper New York. Sie ist an diesem Haus bis 1973 (mit Unterbrechungen) in insgesamt 36 Vorstellungen auch als Salome, als Traviata, als Rosalinde, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Gräfin in »Le nozze di Figaro«, als Alice Ford in Verdis »Falstaff«, als Ellen Orford in »Peter Grimes« von Benjamin Britten, als Donna Anna und als Tosca aufgetreten. In einer konzertanten Aufführung von »Pelléas et Mélisande« mit den New Yorker Philharmonikern sang sie 1962 die Mélisande; sie trat auch bei den Festspielen von Aspen auf. 1969 sang sie in Glyndebourne die Donna Anna, Am 13.6.1966 wirkte sie am Grand Théâtre Genf in der Uraufführung von Darius Milhauds »La Mère coupable« als Rosine mit. 1984 gab sie endgültig ihre Karriere auf. Später arbeitete sie im pädagogischen Bereich an der Aspen School of Music und im Berkshire Music Center, seit 1964 Direktorin der Boston University School of Arts. Seit 1964 gab sie bis in die neunziger Jahre pädagogische Sommerkurse beim Tanglewood Festival, an denen so bedeutende Sänger wie Cheryl Studer, John Aller und Dawn Upshaw teilnahmen. Phillys Curtin starb am 4.6.2016 in Great Barrington (Massachusetts).
Schallplatten der Marken Columbia (Ein deutsches Requiem von Brahms), Allegro Royale, Westminister, Bach-Guild (Kantaten von J.S. Bach), VAI (Opern-Recital; Lieder von Gabriel Fauré und Claude Debussy; Lieder von Francis Poulenc und Ned Rorem; »Susannah« von Floyd, Mitschnitt aus der Oper von New Orleans, 1962), Vanguard (»Samson« von Händel) und RCA-Victor (Liede
r von Rachmaninoff).
4.12. Monique LOBASA (langjähriges Mitglied der Wiener Volksoper): 75. Geburtstag
4.12. Helmut FUNKEN: 95. Geburtstag
Er studierte nach Kriegsende 1947-50 am Robert Schumann-Konservatorium Düsseldorf bei Karl Siebolt. 1950-59 war er am Pfalztheater Kaiserslautern engagiert, sang in der Spielzeit 1959-60 am Stadttheater von Trier und war 1960-64 Mitglied des Staatstheaters Wiesbaden. 1964 wurde er an das Stadttheater von Basel berufen und blieb dort fast 25 Jahre hindurch bis 1988 tätig. Er gastierte an deutschen und Schweizer Bühnen sowie am Teatro San Carlo Neapel. Sein Repertoire für die Bühne enthielt eine bunte Fülle von Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur, kleinere wie große Aufgaben. So seien der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Figaro wie der Bartolo in »Figaros Hochzeit«, der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Titelheld wie der Commendatore im »Don Giovanni«, der Basilio im »Barbier von Sevilla«, der Dulcamara in »L’Elisir d’amore«, der Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, der Oroveso in »Norma«, der Rocco im »Fidelio«, der Kaspar wie der Eremit im »Freischütz«, der Ramfis in »Aida«, der Pater Guardian in »La forza del destino«, der Zaccaria in Verdis »Nabucco«, der König Philipp im »Don Carlos«, der Sparafucile wie der Monterone im »Rigoletto«, der Daland in »Der fliegende Holländer«, der Landgraf im »Tannhäuser«, der Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Fafner und der Hunding im Ring-Zyklus, der Titurel im »Parsifal«, der Abul Hassan im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, Partien in Opern von Lortzing, Flotow, Nicolai, Smetana (Kezal in »Die verkaufte Braut«), Puccini (Colline in »La Bohème«), von Richard Strauss und Benjamin Britten aus einem überaus reichhaltigen Repertoire genannt. Er wirkte am Stadttheater von Basel in den Uraufführungen der Opern »Bunbury« von Paul Burkhard (Spielzeit 1965-66) und »Im Paradies« von Klaus Huber (Spielzeit 1974-75) mit. Man hörte ihn am Stadttheater von Basel auch in den Schweizer Erstaufführungen von Janáceks »Aus einem Totenhaus« (Spielzeit 1973-74 als Pope) und »Die Sache Makropoulos« vom gleichen Komponisten (1981-82 als Theatermaschinist), »Baal« von Fr. Cerha (1982-83 in mehreren kleineren Rollen) und in »Les Malheurs d’Orphée« von Darius Milhaud (1965-66 in der szenischen Erstaufführung), auch in der Uraufführung von »Der Drache« von Jost Meier (1984 als Offizier). Er lebte nach Aufgabe seiner Karriere in Inzlingen bei Basel, wo er 2010 starb.
4.12. René CADIO: 150. Geburtstag
Er wurde zuerst durch Mme. Mauras, dann am Conservatoire National Paris durch Taskin und Boulanger ausgebildet. 1889 fand sein Bühnendebüt am Opernhaus von Bordeaux statt. Nachdem er während zwei Spielzeiten dort aufgetreten war, sang er längere Zeit am Opernhaus von Marseille. In den Jahren 1895-97 gehörte er dem Théâtre de la Monnaie Brüssel an. Hier sang er in der Uraufführun der Oper »Évangéline« von Xavier Leroux (1895) und in der Erstaufführung von »La Vivandière« von Benjamin Godard (1896). Von Brüssel ging er an das Opernhaus von Nizza und gab in den folgenden Jahren Gastspiele an den führenden Theatern in der französischen Provinz. Sein Repertoire für die Bühne enthielt Partien wie den Juliano in »Le Domino noir« von Auber, den Albert in Massenets »Werther«, den Abimelech in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, den Hamilcar in »Salammbô« von E. Reyer und den Yves in »Madame Chrysanthème« von Messager.
5.12. Milivoj BAČANOVIĆ: 95. Geburtstag
Er studierte Gesang am Conservatorio Rossini in Pesaro, wo er Schüler von Elvira Casazza war. Durch den Zweiten Weltkrieg verzögerte sich der Beginn seiner Theaterkarriere. 1946 debütierte er am Theater von Sarajewo als Rigoletto und blieb bis 1955 Mitglied dieses Hauses. 1955 wechselte er an die Kroatische Nationaloper von Zagreb, an der er jahrzehntelang an führender Stelle wirkte. Gastspiele führten ihn nach Bulgarien, Italien, Belgien und Griechenland; auch als Konzertsänger wurde er international bekannt. Aus seinem umfangreichen Bühnenrepertoire verdienen der Graf Luna im »Troubadour«, der Posa im »Don Carlos« von Verdi, der Jago im »Otello«, ebenfalls von Verdi, der Figaro in »Le nozze di Figaro«, der Guglielmo in »Così fan tutte«, der Papageno in der »Zauberflöte«, der Titelheld im »Eugen Onegin«, der Lescaut in »Manon« von Massenet wie in Puccinis »Manon Lescaut« und der Escamillo in »Carmen« Erwähnung. Er starb 2012 in Sarajewo.
Schallplatten: Philips (»Sadko« von Rimsky-Korssakow), Jugoton.
5.12. Louis de FROMENT: 95. Geburtstag
Er studierte Violine, Flöte und Harmonielehre am Konservatorium seiner Heimatstadt, bevor er am Conservatoire de Paris Schüler von Louis Fourestier, Eugène Bigot und André Cluytens wurde. Nach dem Abschluss seines Studiums 1948 gründete er das Orchestre du Club d’Essay beim französischen Fernsehen. Zur gleichen Zeit tourte er mit einem eigenen Orchester und dem Flötisten Jean-Pierre Rampal durch Europa. Bis 1956 war er musikalischer Direktor der Kasinos von Cannes und Deauville. Er dirigierte an der Opéra-Comique und war 1958-59 Chefdirigent des Kammerorchesters von Radio Nizza. 1958-80 war er Chefdirigent des Sinfonieorchesters von Radio Luxemburg, danach dessen Erster Gastdirigent. In den 1950er Jahren nahm er mit dem L’Oiseau-Lyre Orchestre Ensemble vorrangig Werke von Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts auf, außerdem auch Frank Martins Cembalokonzert mit Isabelle Nef und Jean Francaix’ Invocation à la volupté. Mit dem Rundfunkorchester von Radio Luxemburg spielte er vor allem Werke französischer und deutscher Komponisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ein, darunter das komplette Orchesterwerk Claude Debussys, die Werke für Klavier und Orchester von Camille Saint-Saens mit Gabriel Tacchino, sowie zeitgenössische Kompositionen wie Marcel Landowskis Les Adiuex, Charles Chaynes Four Illustrations sowie dessen Trompetenkonzert (mit Maurice André). Er starb 1994 in Cannes.
5.12. Veronika DUDAROVA: 100. Geburtstag
1947 absolvierte sie die Dirigentenfakultät des Moskauer Konservatoriums und wurde Dirigentin des Staatlichen Moskauer Symphonieorchesters. 1960-89 war sie Leiterin dieses Orchesters. Von 1991 bis zu ihrem Tod 2009 in Moskau leitete sie das Russische Symphonieorchester. 1960 wurde sie als Volkskünstlerin der RSFSR und 1977 als Volkskünstlerin der UdSSR ausgezeichnet.
6.12. Adelina CZAPSKA: 125. Geburtstag
Sie entstammte einer polnischen Familie, studierte am Konservatorium von St. Petersburg und kam dort auch 1918 zu ihrem Debüt. 1920 wurde sie an die Polnische Nationaloper von Warschau berufen, an der sie bis 1930 eine sehr erfolgreiche Karriere hatte. Während dieser Zeit wirkte sie an diesem Haus In zwei Uraufführungen von Opern des polnischen Komponisten Lubomir Rózycki mit: am 30.7.1927 in »Beatrix Cenci«, am 8.6.1923 in »Casanova«. Eine ausgedehnte Gastspieltätigkeit führte sie in Buenos Aires, Rio de Janeiro, Berlin, Prag, Stockholm, in Helsinki, Riga, Oslo und Kopenhagen wie in vielen anderen Zentren des internationalen Musiklebens zu großen Erfolgen. Zu ihren Bühnenrollen gehörten die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Traviata, die Königin Marguerite de Valois in Meyerbeers »Hugenotten«, die Leonore im »Troubadour«, die Elsa im »Lohengrin« und die Königin von Schemacha in Rimsky-Korssakows »Der goldene Hahn«. 1941 ließ sie sich in Montreal nieder und begründete hier die »Opéra des jeunes«, mit der sie aufsehenerregende Aufführungen veranstaltete. Sie starb 1985 in Montreal.
Schallplatten: Von ihrer Stimme ist eine einzige Aufnahme mit der Arie der Margueri
te aus dem III. Akt der Oper »Faust« von Gounod vorhanden.
6.12. Henriette MOTTL-STANDTHARTNER: 150. Geburtstag
Ihr Vater war Fürstlich Liechtensteinischer Gutsverwalter. Sie erhielt ihre Ausbildung durch Frau Aurelie Wilczek und debütierte 1889 an der Wiener Hofoper als Page Urbain in Meyerbeers »Hugenotten«. Bis 1893 hatte sie dort aufsehenerregende Erfolge als Ännchen im »Freischütz«, als Micaela in »Carmen«, als Therese in »Das goldene Kreuz« von I. Brüll, als Nanette im »Wildschütz« von Lortzing, als Sidonie in »Armide« von Gluck, als Sofie in »Das Pensionat« von Fr. von Suppé, als Georgette in »Das Glöckchen des Eremiten« von Maillart, als Javotte in »Manon« von Massenet, als Helmwige in der »Walküre«, als Siebel wie als Marguerite im »Faust« von Gounod, als Stéphano wie als Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod, als eines der Meermädchen im »Oberon« von Weber, als Papagena in der »Zauberflöte«, als Waldvogel im »Siegfried«, als eine der Kreterinnen im »Idomeneo« von Mozart, als Servilia in »La clemenza di Tito« von Mozart, als Königin in »Ritter Pazman« von J. Strauß, als Susanna in »Figaros Hochzeit«, als Gilda im »Rigoletto«, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Elisabeth im »Tannhäuser«, als Freia im »Rheingold«, als Elena in »Mefistofele« von Boito, als Lola in »Cavalleria rusticana« und als Elsa im »Lohengrin«. 1889 gastierte sie am Theater von Brünn (Brno). 1889 wirkte sie bei den Festspielen von Bayreuth als Blumenmädchen im »Parsifal« mit. 1893 heiratete sie den Generalmusikdirektor und berühmten Wagner-Dirigenten Felix Mottl (1856-1911) und folgte ihm an das Hoftheater von Karlsruhe, das dieser leitete. Als Antrittsrolle sang sie in Karlsruhe 1893 die Suleika in der Uraufführung der Oper »Fürst und Sänger« von Felix Mottl. Da man wegen ihrer Verpflichtung der in Karlsruhe sehr beliebten Sopranistin Luise Reuss-Belce ihren Vertrag gekündigt hatte, kam es bei dieser Aufführung zu lebhaften Protestkundgebungen im Publikum. 1897 nahm sie in Karlsruhe an der (posthumen) Uraufführung von Franz Schuberts Oper »Fierrabras« teil. Henriette Mottl-Standhartner wirkte in Karlsruhe dann in weiteren Uraufführungen mit: am 6.2.1898 in »Lobetanz« von Ludwig Thuille (als Prinzessin), am 12.1.1902 in »Till Eulenspiegel« von Emil Nikolaus von Rezniczek (als Gertrude), 1896 in »Der Drache« von Hillemacher und am 5.11.1897 in der damals sehr erfolgreichen Oper »Das Unmöglichste von allem« von Anton Urspruch. 1893 kam es zu einem sehr erfolgreichen Gastspiel am Hoftheater von Gotha, dann seit 1894 Gastspiele an der Hofoper von München. Sie blieb bis 1904 in Karlsruhe im Engagement. Gastspiele am Opernhaus von Düsseldorf (1905) und an der Wiener Volksoper (1907) bezeichneten den Ausklang ihrer Karriere. Während dieser sang sie vor allem Wagner- Partien, wurde aber auch als Carmen, als Leonore im »Fidelio«, als Titelfigur in »Mignon« von A. Thomas, als Agathe im »Freischütz«, als Donna Anna im »Don Giovanni« und als Pamina in der »Zauberflöte« bekannt. Sie trat als Solistin bei den Konzerten auf, die Felix Mottl (der sich später von ihr trennte) 1898-1900 in der Londoner Covent Garden Oper dirigierte. Auch bei den Concerts Lamoureux in Paris und bei den Brüsseler Konzerten des »Circle artistique« trat sie in Erscheinung. Nach ihrem Rücktritt von der Bühne entfaltete sie in München eine intensive pädagogische Tätigkeit. Sie starb 1933 in München. Durch ihre strikte Weigerung, in eine Trennung der Ehe mit Felix Mottl einzuwilligen, konnte dieser erst auf dem Sterbebett die Sopranistin Zdenka Faßbender in zweiter Ehe heiraten.
7.12. Bent NORUP: 80. Geburtstag
Er war ursprünglich Bankangestellter, ließ dann jedoch seine Stimme durch Kristian Riis in Kopenhagen, durch Rita Sperber in New York und durch den berühmten deutschen Bariton Karl Schmitt-Walter in München ausbilden. Debüt 1967 an der Königlichen Oper Kopenhagen als Schtschelkalow im »Boris Godunow«. An der Kopenhagener Oper, deren Mitglied er bis 1976 war, trat er als Kurwenal in »Tristan und Isolde« (1970), als Doktor im »Wozzeck« von A. Berg, als Stig in »Drot og marsk« von Heise, als Fliegender Holländer und als Jochanaan in »Salome« von R. Strauss auf und wirkte 1970 in der Uraufführung der Oper »Macbeth« von Koppel in der Partie des Banquo mit. 1972-77 Mitglied des Staatstheaters von Braunschweig, 1977-89 des Opernhauses von Nürnberg. Seit 1981 dem Staatstheater Hannover verbunden. Gastspiele vor allem an westdeutschen Bühnen, so in Dortmund, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, in Essen, Bonn, Gelsenkirchen (1979 großer Erfolg als Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«) und Mannheim. Er sang bei den Festspielen von Bayreuth 1983 den Wanderer im »Siegfried« und den Gunther in der »Götterdämmerung«. 1983 gastierte er an der Niederländischen Oper Amsterdam, 1985 an der Wiener Staatsoper als Fliegender Holländer. Er trat als Gast am Opernhaus von San Antonio/Texas (1985), in London, in Spanien und Holland, in Irland und in den USA auf. 1990 Gastspiel am Teatro Fenice Venedig als Telramund im »Lohengrin«, 1991 an der Oper von Marseille als Balstrode in »Peter Grimes« von B. Britten, in Hannover als Borromeo in »Palestrina« von Hans Pfitzner, 1992 am Teatro Liceu Barcelona wieder als Telramund, ebenso 1992 an der Jütländischen Oper Aarhus als Klingsor im »Parsifal«. Er trat 1996 am Teatro San Carlo Neapel wieder als Telramund, am Teatro Comunale Modena als Fliegender Holländer auf. 1996 sang er an der Oper von Kopenhagen den Hans Sachs, 1998 den Kurwenal, 1997 an der Opéra de Wallonie Lüttich den Jochanaan. 1999 trat er am Théâtre des Champs-Élysées Paris als Kuno im »Freischütz« auf, 2000 bei den Festspielen von Ludwigsburg und Salzburg als Abner in konzertanten Aufführungen der Oper »Saul og David« von Carl Nielsen. Auf der Bühne in erster Linie in heldischen Partien hervorgetreten: als Don Pizarro im »Fidelio«, als Wotan im »Rheingold«, als Jago in Verdis »Otello«, als Mephisto im »Faust« von Gounod, als Scarpia in »Tosca«, als Fürst Igor in der Oper gleichen Namens von Borodin und als Boris in »Katerina Ismailowa« von Schostakowitsch. Nicht weniger von Bedeutung als Konzertsänger. Er starb 2007 in Udsholt Strand (Dänemark).
Schallplatten: Harmonia mundi (Orest in vollständiger »Elektra«), Chandos (»Drot og Marsk« von Heise, 1. Nazarener in »Salome« von R. Strauss).
7.12. Friedrich LENZ: 90. Geburtstag
Er geriet im Zweiten Weltkrieg in russische Gefangenschaft, wo man auf seine schöne Stimme aufmerksam wurde. Er bekam ersten Gesangunterricht durch den im gleichen Lager gefangenen Bruder des bekannten Tenors Rudolf Schock. Schließlich wurde ihm erlaubt, das Konservatorium von Riga zu besuchen. 1949 kam er wieder nach Deutschland zurück und schloss seine Ausbildung bei Clemens Glettenberg in Köln ab. 1951 sang er im Bayreuther Festspielchor. 1953 wurde er als Tenor-Buffo an das Opernhaus von Düsseldorf verpflichtet. Hier sang er als Antrittspartie den Rosillon in Lehárs »Die lustige Witwe«. Er blieb bis 1955 in Düsseldorf und trat dann 1955-57 am Opernhaus von Wuppertal, seit 1957 für viele Jahre an der Bayerischen Staatsoper in München auf. Bei den Festspielen von Schwetzingen nahm er am 20.5.1961 an der Uraufführung der Oper »Elegie für junge Liebende« von Hans Werner Henze teil, am 12.12.1969 in München an der von »Aucassin und Nicolette«
von G. Bialas. 1963 wirkte er in der Eröffnungsvorstellung der wieder aufgebauten Staatsoper von München als David in »Die Meistersinger von Nürnberg« mit. Er blieb bis 1993 Mitglied der Münchner Staatsoper und trat dort danach noch bis 1995 auf. Er gastierte an der Wiener Staatsoper (1964 als Stroh im »Intermezzo« von R. Strauss) und an der Deutschen Oper Berlin (1968). Er übernahm eine Fülle von Partien, zumeist aus dem Charakterfach, von der Barock-Oper bis zur Moderne. Davon sind zu nennen: der Nero in »Agrippina« von Händel, der Ismaele in Verdis »Nabucco«, der Bardolfo in dessen »Falstaff«, der Tinca in »Il Tabarro« von Puccini, der Jaquino im »Fidelio«, der Monostatos in der »Zauberflöte«, der Steuermann in »Der fliegende Holländer«, der Froh im »Rheingold«, der Mime im Nibelungenring, der Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, der Filipeto in »I quattro rusteghi« von E. Wolf-Ferrari, der Andres im »Wozzeck« von A. Berg, der Parpignol in »La Bohème«, der Amadeus in »Die Zaubergeige« von W. Egk und der Checco in »König Hirsch« von H.W. Henze. Er arbeitete später im pädagogischen Bereich am Richard Strauss-Konservatorium München. Er starb im Februar 2015.
Zahlreiche Schallplatten: Electrola (»Die lustigen Weiber von Windsor« von Nicolai, »Der Evangelimann« von Kienzl, »Hoffmanns Erzählungen«, »Der vierjährige Posten« von Schubert, »Boccaccio« von F. von Suppé), DGG (»Fidelio«, »Die Entführung aus dem Serail«; Querschnitte »Zar und Zimmermann«, »Figaros Hochzeit«, »Die verkaufte Braut«), Ariola (David in »Die Meistersinger von Nürnberg«), Fonit-Cetra (»Der Vampyr« von H. Marschner, Mitschnitt einer Aufführung in Rom, 1980), Acanta (»Feuersnot« von R. Strauss), Orfeo (Gastone in »La Traviata«, »Das Liebesverbot« von R. Wagner, Budoja in »Palestrina« von H. Pfitzner).
7.12. Reinhold Oskar GERHARDT: 125. Geburtstag
Er war der Sohn eines Leipziger Fabrikanten und der jüngere Bruder der berühmten Konzert- und Liedersängerin Elena Gerhardt (1884-1961). Er studierte in den Jahren 1912-14 bei Karl Scheidemantel in Dresden, wurde dann aber sogleich zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen. Nach Kriegsende studierte er weiter bei K. von Zawilowski in Berlin und nahm dann schließlich eine erfolgreiche Tätigkeit als Konzert- und Oratoriensänger auf. Wie seine Schwester war auch er ein großer Liedinterpret und erschien bis 1940 auf dem Konzertpodium. Seit 1920 war er dazu auch im pädagogischen Bereich tätig, zunächst am Konservatorium von Jena, seit 1921 am Thüringischen Landeskonservatorium Erfurt und 1936-48 am Konservatorium von Leipzig. Dann zog er zu seiner Schwester nach London, wo er 1975 starb. Seit 1925 war er mit der Sopranistin Claire Schulthess (1887-1968) verheiratet.
9.12. Peter Joseph von LINDPAINTNER: 225. Geburtstag
Er wirkte 1812-19 als Musikdirektor am damals neu gegründeten Isartortheater in München. Danach war er bis zu seinem Tode Hofkapellmeister in Stuttgart. Als Felix Mendelssohn Bartholdy Stuttgart im November 1831 besuchte, schrieb er wenig später in einem Brief an seinen Lehrer Carl Friedrich Zelter (15. Februar 1832): „Der Lindpaintner ist, glaub‘ ich, jetzt der beste Orchesterdirigent in Deutschland; es ist, als wenn er mit seinem Tactstöckchen die ganze Musik spielte“. Das Stuttgarter Opernorchester wurde in den Jahren seiner Leitung zu einem der wichtigsten Opernorchester in Deutschland. Größere Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine Opern, von denen besonders Der Bergkönig (1825), Die Genueserin (1839) und Lichtenstein (1846) beim Publikum sehr beliebt waren. Ebenso komponierte er noch vor Giuseppe Verdi eine Oper über die Sizilianische Vesper, die 1843 uraufgeführt wurde. Als weitere Vokalwerke stammen mehrere Oratorien, Messen und Lieder aus seiner Feder. Darüber hinaus komponierte Lindpaintner Symphonien, Ouvertüren, Konzerte, Kammermusik, Melodramen und Ballette. Lindpaintner war Mitglied der Freimaurerloge Wilhelm zur aufgehenden Sonne in Stuttgart. Er starb 1856 in Nonnenhorn am Bodensee.
9.12. John SINCLAIR: 225. Geburtstag
Er erhielt schon als Kind Musikunterricht und trat als Klarinettenspieler in ein schottisches Regiment ein. Nachdem er in Aberdeen Gesang studiert hatte, verließ er den Dienst bei der Armee und versuchte sein Glück als Sänger in London. 1810 sang er am Haymarket Theatre in »Lock and Key« von William Shield, studierte dann aber nochmals bei Thomas Welsh. 1811 kam es dann zu seinem Debüt an der Londoner Covent Garden Oper in der Partie des Don Carlos in »The Duenna« von Sheridan und Linley. Für die folgenden sieben Spielzeiten blieb er Mitglied dieses Theaters. 1819 ging er nach Paris und studierte dort bei dem Pädagogen Pellegrini, dann nach Mailand, wo er Schüler von Banderali war, endlich ging er 1822 nach Neapel. Dort wurde er von dem berühmten Komponisten Rossini mit dessen Opernschaffen vertraut gemacht. 1822 trat er in Pisa und Bologna, hauptsächlich in Rossini-Opern, auf. Am 3.2.1823 sang er am Teatro Fenice in Venedig in der Uraufführung von Rossinis großer Oper »Semiramide« die gesangstechnisch überaus anspruchsvolle Partie des Idreno, während die berühmte Primadonna Isabella Colbran die Titelrolle kreierte. Er gastierte anschließend in Genua, kam dann aber nach England zurück und erschien im November 1823 mit glänzendem Erfolg wieder an der Covent Garden Oper. Nachdem er 1828-29 am Londoner Adelphi Theatre und 1829-30 am dortigen Drury Lane Theatre mit nicht weniger großem Erfolg gesungen hatte, unternahm er eine Nordamerika-Tournee. Danach gab er seine Karriere auf. Er starb 1857 in Margate.
10.12. Béla TURPINSZKY: 85. Geburtstag
Er begann zunächst das Studium der Rechtswissenschaften, wechselte dann aber in das Gesangfach und wurde Schüler der beiden großen ungarischen Sänger Alexander Svéd und József Réti in Budapest. 1960 fand sein Bühnendebüt als Bariton an der Nationaloper von Budapest in der Partie des Sid in »Albert Herring« von Benjamin Britten statt. Nachdem er anfänglich Baritonpartien gesungen hatte, entwickelte sich seine Stimme zum Heldentenor. Seit etwa 1965 wurde er vor allem als Wagner-Sänger bekannt. Dabei galten als seine beiden bedeutendsten Kreationen der Tristan und der Titelheld im »Parsifal«. Daneben hatte er auch in Aufgaben aus dem Bereich der italienischen, der slawischen und der ungarischen Opernliteratur seine Erfolge. Gastspiele führten ihn an Bühnen in Österreich, in Ost- und Westdeutschland, u.a. an das Staatstheater in Kassel. Daneben genoss er als Konzertsänger hohes Ansehen. Auch unter dem Künstlernamen Béla Adolbert aufgetreten. Er starb am 26.8.2016.
Einige Aufnahmen, alle als Tenor, auf der ungarischen Marke Hungaroton.
11.12. Atsuko AZUMA: 80. Geburtstag
Sie begann ihr Gesangstudium an der University of Arts von Tokio bei Frau Fumiko Yotsuya und vollendete ihre Ausbildung in Europa bei Giulia Tess in Mailand und bei Ettore Campogalliani in Parma. 1963 kam es zu ihrem Debüt am Teatro Municipale Reggio Emilia in der Partie der Suzel in Mascagnis »L‘Amico Fritz«. Ausbildung einer großen internationalen Karriere, wobei sie vor allem bei der Fujiwara Opera Company Tokio ihre Erfolge hatte. 1970 war sie zu Gast an der Staatsoper von Hamburg, 1971-78 an der Wiener Staatsoper (als Butterfly und als Nedda im »Bajazzo« in insgesamt 12 Vorstellungen), 1973 an der Staatsoper Dresd
en, 1973 und 1976 an der Staatsoper Berlin. 1972 sang sie am Stadttheater von Augsburg in der Uraufführung der Oper »Rashomon« von Joachim Ludwig. 1972-75 trat sie an der Metropolitan Oper New York als Butterfly, als Nedda und als Mimi in »La Bohème« auf. Große Gastspiel-Erfolge auch am Teatro Colón Buenos Aires, an den Nationalopern von Prag und Belgrad, an der Deutschen Oper Berlin, an der Münchner Staatsoper, in Kopenhagen, Lüttich, Bordeaux, Marseille, Nizza und Straßburg, am Teatro Liceu Barcelona, in Boston, Cincinnati, Washington und Miami, an italienischen Operntheatern in Genua, Neapel, Parma und Venedig. Sie sang ihre große Glanzrolle, die Butterfly in mehr als 20 Ländern. Daneben waren die Iris in der gleichnamigen Oper von Mascagni, Partien in Opern von Mozart und Richard Strauss, die Micaela in »Carmen« und die Violetta in »La Traviata« als Höhepunkte in ihrem Bühnenrepertoire zu finden. Bedeutende Karriere auch als Konzertsängerin. Sie starb 1999 in Tokio (an einem Herzversagen).
Schallplatten: Nippon Victor, Eterna, Philips (»A Midsummer Night’s Dream« von B. Britten).
12.12. Hedy FASSLER: 95. Geburtstag
Sie erhielt zuerst eine Ausbildung als Balletttänzerin, begann dann aber ein Gesangstudium bei Fritzi Lahr in Wien. Sie sang bereits 1947-48 in 31 Vorstellungen den Eros in Offenbachs »Orpheus in der Unterwelt« an der Wiener Volksoper, dem damaligen Ausweichquartier der ausgebombten Wiener Staatsoper. 1949 debütierte sie offiziell am Wiener Raimund-Theater als Franzi im »Walzertraum« von Oscar Straus, anschließend war sie 1950-51 am Bürgertheater Wien tätig. In der Spielzeit 1954-55 war sie Mitglied der Wiener Staatsoper, die damals noch immer die Volksoper als Ausweichquartier bespielte. Hier sang sie die Juliette in »Der Graf von Luxemburg« von Lehár, die Wally in »Tausend und eine Nacht« von J. Strauß, die Pepi in »Wiener Blut«, die Wanda in »Polenblut« von Nedbal, die Esmeralda in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Ciboletta in »Eine Nacht in Venedig« von J. Strauß, den Orest in Offenbachs »Die schöne Helena« und die die Valencienne in Lehárs »Die lustige Witwe«. In den Jahren 1955-76 war sie als Operettensoubrette an der Wiener Volksoper tätig, zu deren beliebtesten Mitgliedern sie gehörte, und wo sie noch bis 1978 als Gast auftrat. In der zweiten Hälfte der vierziger Jahre wirkte sie zudem in einigen Filmen mit. Zu ihren großen Partien für die Bühne zählt noch die Nelly im »Obersteiger« von G. Zeller. Sie starb 2012 in Wien. Sie war verheiratet mit dem Operettenbuffo und Regisseur Otto Fassler (1904-90), der an zahlreichen österreichischen und deutschen Bühnen engagiert war, auch in mehreren Filmen mitwirkte und in den sechziger Jahren an der Wiener Staatsoper als Souffleur tätig war. Der Sohn des Sängerehepaars, Wolfgang Fassler (1944-97) wurde ein bekannter Heldentenor.
Schallplatten: Hedy Fassler hat eine Anzahl von Operettenaufnahmen (Querschnitte) auf den Marken Philips und Telefunken gemacht.
12.12. Toni BLANKENHEIM: 95. Geburtstag
Ausbildung durch Paul Lohmann in Frankfurt a.M., durch Res Fischer in Stuttgart und durch Dietger Jacob, Köln-Hamburg. Bühnendebüt 1947 am Opernhaus von Frankfurt a.M. als Figaro in »Figaros Hochzeit« von Mozart. Bis 1950 war er Mitglied dieses Opernhauses und folgte dann 1950 einem Ruf an die Staatsoper von Hamburg, zu deren prominentesten Mitgliedern er dann für lange Jahre zählte. Sehr große Erfolge erzielte der Künstler bei den Festspielen von Bayreuth, bei denen er 1954 erstmals mitwirkte und einen der Edlen im »Lohengrin« (1954), den Biterolf im »Tannhäuser« (1954-55), den Donner im »Rheingold« (1954-55, 1957), den Klingsor im »Parsifal« (1956-59), den Kothner (1957) und den Beckmesser (1956, 1958-60) in »Die Meistersinger von Nürnberg« vortrug. Neben seinem Hamburger Engagement 1965-68 Mitglied des Staatstheaters Darmstadt, seit 1968 der Staatsoper Stuttgart. Später spezialisierte er sich neben seinem Wagner-Repertoire auf die Gestaltung von Charakterpartien in modernen Opernwerken von Alban Berg, Strawinsky, Liebermann und anderer zeitgenössischer Komponisten. So sang er in Hamburg in den Uraufführungen von »Die Heimkehr« von Mihalovici (neue Version, 1955), »Die Heirat« von B. Martinù (szenische Uraufführung 13.3.1954), »Der Prinz von Homburg« von H.W. Henze (1960), »Figaro lässt sich scheiden« von G. Klebe (1963), »Der goldene Bock« von Krenek (1964), »Der Zerrissene« von G. von Einem (1964), »Jacobowsky und der Oberst« von G. Klebe (1965), »Das Lächeln am Fuße der Leiter« von A. Bibalo, »Arden muss sterben« von Goehr (1967), »Hamlet« von Searle (1968), »Belagerungszustand« von Kelemen (1970), »Das kommt davon« von E. Krenek (1970) und »Candide« von Marius Constant (1971), mit dem Hamburger Ensemble bei den Festspielen von Schwetzingen in der der Oper »Der gestiefelte Kater« von G. Bialas (1975). Gastspiele führten ihn an die Staatsopern von Wien (1956 als Kurwenal in »Tristan und Isolde«), Berlin, München und Stuttgart (hier u.a. 1968 in der Uraufführung von Carl Orffs »Prometheus«), an die Deutsche Oper Berlin, an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, nach Kopenhagen, Stockholm, Brüssel, Lüttich, Amsterdam und Leipzig. Zu Gast an der Mailänder Scala (1963 als Dr. Schön in »Lulu« von A. Berg, 1971 in der Titelrolle von A. Bergs »Wozzeck« und 1979 bei einem Gastspiel der Pariser Oper als Medizinalrat und als Schigolch in der dreiaktigen Neufassung von Alban Bergs Oper »Lulu«) und beim Maggio Musicale von Florenz, an der Grand Opéra Paris (u.a. am 24.2.1979 in der Uraufführung der dreiaktigen Neufassung von Alban Bergs Oper »Lulu« als Medizinalrat und als Schigolch), in Lyon, Marseille, Nancy, Nizza, Turin, Dublin, Antwerpen, beim Edinburgh Festival (1952 als Beckmesser, als Lorenz von Pommersfelden in »Mathis der Maler« von P. Hindemith und als 2. Gefangener im »Fidelio« sowie 1968 als Haushofmeister in »Lulu« von R. Strauss, immer mit dem Ensemble der Hamburger Staatsoper), am Teatro Liceu Barcelona, an der Nationaloper Zagreb, an den Opern von Mexico City, San Francisco (1965 als Beckmesser) und Montreal. Er gastierte 1966 mit dem Hamburger Ensemble im Haus der Metropolitan Oper New York. 1982 sang er in Hamburg in der deutschen Erstaufführung der Oper »Der Geburtstag« von Kalevi Aho die einzige Rolle dieser Oper, wobei er ununterbrochen während 140 Minuten auf der Bühne stand. Auch als Konzertsänger von Bedeutung. Er ist später auch, u.a. in Wien und Köln, als Schauspieler aufgetreten. Er starb 2012 in Hamburg.
Schallplatten: DGG (»Bastien und Bastienne« von Mozart, »Lulu« von A. Berg), HMV (»Lulu« mit Anneliese Rothenberger). Dazu Aufnahmen von den Bayreuther Festspielen auf Cetra Opera Live (Donner im »Rheingold«, 1957, Klingsor im »Parsifal«, 1956) und Melodram (Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1957).
12.12. Liesl von SCHUCH: 125. Geburtstag
Sie war die Tochter eines berühmten Künstlerehepaares: ihr Vater Ernst von Schuch (1846-1914) war Violinvirtuose, später einer der führenden Dirigenten seiner Epoche, der während seines Wirkens an der Hofoper von Dresden 1873-1914 dieses Opernhaus zu einer künstlerischen Hochblüte führte und durch seine musikalische Leitung der ersten Richard Strauss-Opern in deren Uraufführungen in Dresden weltbekannt wurde. Ihre Mutter war die bis 1894 ebenfalls an der Dresdner Hofoper gefeierte Koloratursopranistin Clementine Schuch-Proska (1850-1932). Liesel von Schuch studierte zuerst bei ihrer Mutter, dann in der Gesangschule Paschalis Souvestre in Dresden und in Wien und wurde bereits frühzeitig in das Dresdner Ensemble berufen. An der Dresdner Staatsoper hat sie seit 1914
, nur von gelegentlichen Gastspielen unterbrochen, bis 1935 eine große Karriere durchlaufen und wurde, wie ihre Mutter, zu deren Ehrenmitglied ernannt. Sie sang hier ein umfangreiches Repertoire, das sowohl Partien aus dem Koloratur- wie aus dem lyrischen Stimmfach enthielt. Am 4.11.1924 wirkte sie in Dresden in der Uraufführung der Richard Strauss-Oper »Intermezzo« mit. Neben ihrem Wirken auf der Bühne war sie eine angesehene Konzertsopranistin. Sie arbeitete nach ihrem Rücktritt von der Bühne 1935-67 als Pädagogin an der Dresdner Musikhochschule und lebte später hochbetagt in Dresden. Die Stadt Dresden ernannte sie zur Ehrenbürgerin. Bis in ihr hohes Alter nahm sie am kulturellen Leben der Stadt regen Anteil. Sie starb 1990 in Dresden. Sie war verheiratet mit dem Opernsänger Leopold Ullmann (* 25.1.1882, † 16.10.1917 Graz, 1909-1915 am Hoftheater Dessau, dann bis zu seinem Tod in Graz engagiert). In zweiter Ehe heiratete sie 1918 den Korvetten-Kapitän a. D. Wilhelm Ganzel. Ihre ältere Schwester Käthe von Schuch (* 18.3.1885 Dresden) war 1910-11 am Hoftheater von Dessau engagiert und trat nach ihrer Heirat später als Konzertsängerin (unter dem Namen Käthe von Schuch-Schmidt) auf.
Es ist nicht zu begreifen, dass von der Stimme von Liesel von Schuch keine Schallplattenaufnahmen vorhanden sind.
13.12. Georg STERN: 95. Geburtstag
Er begann seine Karriere in Frankfurt a.M., sang 1946-49 in Darmstadt und seit 1949 am Staatstheater von Wiesbaden, dem er bis 1956 angehörte. 1956-60 war er am Opernhaus von Frankfurt a.M. engagiert. 1960-62 sang er an der Oper von Köln, kam aber 1962 wieder nach Frankfurt a.M. zurück und wirkte an der dortigen Oper bis zu seinem Tod 1980. Auf der Bühne hatte er seine größten Erfolge in heldischen Partien; im Konzertsaal vor allem als Liedersänger in Erscheinung getreten. 1952 Gastspiel am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich als Klingsor im »Parsifal«, 1956 am Théâtre de la Monnaie in Brüssel als Figaro. Er trat bei den Salzburger Festspielen 1957-58 als Bartolo in »Le nozze di Figaro« auf, 1958 als Dominik in »Arabella«, 1964-65 als Truffaldin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1960 hörte man ihn an der Mailänder Scala als Klingsor, 1960 und 1967 am Teatro San Carlo Neapel, 1963 an der Oper von Rom und am Teatro Comunale Bologna, 1967 an der Deutschen Oper Berlin, 1970 am Teatro Fenice Venedig. 1963 gastierte er mit dem Ensemble der Frankfurter Oper an der Covent Garden Oper London. 1972 trat er in Paris im Konzertsaal auf. 1974 sang er im Haag den Großinquisitor im »Don Carlos« von Verdi. Bekannt wurde er als Interpret der Wagner-Heroen seines Fachs (Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Biterolf im »Tannhäuser«, König Marke in »Tristan und Isolde«, Daland in »Der fliegende Holländer«). 1964 wirkte er an der Oper von Frankfurt in der Uraufführung von G. Wimbergers »Dame Kobold« mit. Er wohnte in Niedernhausen/Taunus. Zwischen ihm und dem gleichfalls am Frankfurter Opernhaus wirkenden, bedeutend älteren Bass-Bariton Jean Stern bestand keine Verwandtschaft.
Schallplatten: DGG (Biterolf in vollständiger »Tannhäuser«-Aufnahme, Pater Guardian in »La forza del destino«), Mondo Musica (Klingsor im »Parsifal«, Teatro Fenice Venedig 1978), MMS (Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«), Electrola (Lied-Aufnahmen), CBS (Opernszenen), Elite Special; zahlreiche Aufnahmen bei Buchclubs (Bertelsmann, Donauland).
14.12. Karel ZAVŘEL: 125. Geburtstag
Er studierte bei dem Pädagogen G. Stasnic und am Konservatorium von Brünn in den Jahren 1902-12. 1912 wurde er an das Opernhaus von Brünn (Brno) engagiert, wo er zunächst im Baritonfach sang. 1914 wurde er zur österreichisch-ungarischen Armee eingezogen und nahm bis 1919 am Ersten Weltkrieg in Russland teil. 1919 nahm er seine Karriere am Theater von Ostrava (Mährisch-Ostrau) wieder auf. Noch im gleichen Jahr ging er wieder an das Opernhaus von Brno, jetzt aber als Tenor. Hier sang er am 23.10.1921 in der Uraufführung der Oper »Katja Kabanowa« von Leos Janácek die Partie des Boris. In Brno (Brünn) kreierte er auch am 23.11.1921 Janáceks »Tagebuch eines Verschollenen« (»Zápisník zmizelého«). Bis 1925 gehörte er dem Opernhaus von Brno an und sang dann 1925-26 am Theater von Teplitz (Teplice) und 1926-27 am Opernhaus von Nürnberg. Nach abermaligem Studium bei Gennaio in Mailand trat er jetzt wieder als Bariton auf. Nach einem Gastspiel am Nationaltheater Prag (1928) war er 1929-39 am Deutschen Theater Prag als Bariton tätig. (Wenn er an deutschsprachigen Theatern auftrat, benutzte er den Künstlernamen Karl Herden). 1939-42 war er am Theater von Budweis (Ceské Budejovice) engagiert. 1942-48 war er in der Hauptsache an Prager Operettenbühnen anzutreffen. Durch den zweimaligen Wechsel vom Bariton- zum Tenorfach und wieder ins Baritonfach zurück, besaß sein Repertoire einen sehr großen Umfang und reichte vom Dalibor und vom Lohengrin in den gleichnamigen Opern von Smetana und R. Wagner bis zum Figaro in »Figaros Hochzeit« und dem Amonasro in Verdis »Aida«. Man schätzte ihn auch als Konzert- und Liedersänger. Seit 1953 lebte er als Gesanglehrer in Ceské Budejovice. Er starb 1963in Prag. Er war verheiratet mit der Sopranistin Hana Hrdlicková (1893-1982); sein Sohn Milos Zavrel (1927-96) wurde ein bekannter Bühnentenor.
Von der Stimme des Künstlers sind Aufnahmen auf Polydor vorhanden.
14.12. Louise VIARDOT: 175. Geburtstag
Sie war die Tochter der berühmten Primadonna Pauline Viardot-Garcia (1821-1910) und des Direktors des Théâtre-Italien in Paris Louis Viardot (1808-83). Sie war Schülerin ihrer Mutter und trat vor allem als Konzertsängerin in Erscheinung. Sie heiratete 1862 den Generalkonsul Héritte de La Tour und widmete sich seitdem an erster Stelle der Gesangspädagogik. Sie unterrichtete zuerst in St. Petersburg, dann in Frankfurt a.M., schließlich in Heidelberg. Sie war auch als Komponistin tätig, schrieb Kantaten und Kammermusik und eine Oper »Lindoro«, die 1879 am Hoftheater von Weimar uraufgeführt wurde. Sie ist auch unter dem Namen Louise Héritte-Viardot aufgetreten. Sie starb 1918 in Heidelberg.
15.12. Wanda von KOBIERSKA: 100. Geburtstag
Sie erhielt ihre Ausbildung in ihrer Vaterstadt Wien, u.a. bei Alfred Jerger. Durch die Kriegsereignisse bedingt, konnte sie erst 1945 am Landestheater von Linz/Donau debütieren, dem sie bis 1947 angehörte. Von hier wurde sie an das Stadttheater von Basel engagiert, wo sie neben Operetten-Rollen auch Opernpartien übernahm, darunter die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Komponisten in »Ariadne auf Naxos«, die 1. Dame in der »Zauberflöte«, und wo sie auch 1951 in der ersten deutschsprachigen Aufführung von Menottis Oper »Der Konsul« mitwirkte. Sie wandte sich jedoch mehr und mehr der Operette zu und war 1951-52 am Stadttheater Wien, 1952-53 am Gärtnerplatztheater München engagiert. Nach einer weiteren Spielzeit am Stadttheater Wien wechselte sie 1954 an das Wiener Raimund-Theater, dem sie jetzt für mehr als zwanzig Jahre als Mitglied (und dann noch als Gast) angehörte. Erst 1984 verabschiedete sie sich endgültig von der Bühne. Im Mittelpunkt ihres Repertoires, mit dem sie auch an der Staatsoper (1947 als Gabriele in »Wiener Blut« von J. Strauß) und an der Volksoper Wien
gastierte, standen Rollen wie die Saffi im »Zigeunerbaron«, die Laura wie die Palmatica in Millöckers »Der Bettelstudent«, die Hanna Glawari wie die Valencienne in Lehárs »Die lustige Witwe«, die Zorika in »Zigeunerliebe« von Lehár, die Angèle in Lehárs »Der Graf von Luxemburg«, die Lisa im »Land des Lächelns«, die Titelrolle in »Friederike«, die Gräfin Mariza in der bekannten Operette von E. Kálmán, die Fedora in »Die Zirkusprinzessin«, die Nadja im »Orlow« von Br. Granichstaedten und die Gabriele in »Pariser Leben« (»La Vie Parisienne«) von Offenbach. Sie starb 2000 in Wien.
Schallplatten: Decca (Operetten-Querschnitte, darunter »Die lustige Witwe« und »Der Graf von Luxemburg« von F. Lehár).
15.12. Lotte SCHÖNE. 125. Geburtstag
Eigentlich Charlotte Bodenstein. Sie begann ihre Ausbildung mit 14 Jahren bei Johannes Ress in Wien, studierte auch bei Luise Ress und Maria Brossement in Wien. 1912 debütierte sie an der Wiener Volksoper als Brautjungfer im »Freischütz«. 1917 wurde sie an die Hofoper, die spätere Staatsoper, von Wien verpflichtet (Antrittsrolle: Papagena in der »Zauberflöte«), wo sie bis 1926 sehr erfolgreich war. Hier sang sie u.a. die Frasquita in »Carmen«, den Pagen Urbain in den »Hugenotten« von Meyerbeer, die Barbarina wie den Cherubino wie die Susanna in »Figaros Hochzeit«, den Hirten im »Tannhäuser«, das Ännchen im »Freischütz«, die Marie in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, den Pagen Oscar im »Maskenball« von Verdi, den Jano in »Jenufa« von Janácek, die Nuri im »Tiefland« von d’Albert, die Olympia in »Hoffmanns Erzählungen«, die Chloe in »Pique Dame« von Tschaikowsky, den Siebel im »Faust« von Gounod, das Lieschen im »Ring des Polykrates« von Korngold, die Musetta wie die Mimì in »La Bohème«, den Waldvogel im »Siegfried«, die Gilda im »Rigoletto«, die Najade wie die Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, die Philine in »Mignon« von A. Thomas, den Kotarò in F. von Weingartners »Die Dorfschule«, die Schwester Genoveva in »Suor Angelica« von Puccini, die Juliette in Korngolds »Die tote Stadt«, die Marzelline im »Fidelio«, die Sophie im »Rosenkavalier«, die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Zerlina im »Don Giovanni«, die Norina im »Don Pasquale«, die Bastienne in »Bastien und Bastienne« von Mozart, die Gretel in »Hänsel und Gretel«, die Despina in »Così fan tutte«, das Blondchen in der »Entführung aus dem Serail«, die Adele in der »Fledermaus«, den Amor in »Orpheus und Eurydike« von Gluck und die Nanetta im »Falstaff« von Verdi. 1922, 1925, 1928 und 1930-35 wirkte sie bei den Festspielen von Salzburg mit, und zwar vor allem in Mozart-Partien (Zerlina, Cherubino, Susanna, Despina, Pamina in der »Zauberflöte«, Blondchen), aber auch in der Titelrolle von Webers »Oberon« und als Konzertsängerin. 1926 wurde die Künstlerin an die Städtische Oper Berlin engagiert. Jetzt fügte sie in ihr Repertoire neben den Koloraturpartien auch Rollen aus dem lyrischen Fach ein. 1927 sang sie dort die Liu in der Berliner Premiere von Puccinis »Turandot«, 1928 in der Uraufführung der Oper »Die Mondnacht« von Julius Bittner; einen besonderen Erfolg hatte sie als Mélisande in »Pelléas et Mélisande«. 1929 gastierte sie auch im Haag als Mélisande. Die gleiche Partie sang sie 1930 mit glänzendem Erfolg an der Opéra-Comique in Paris. 1927 kreierte sie in der Premiere von Puccinis »Turandot« an der Londoner Covent Garden Oper die Rolle der Liu und sang dort auch die Marzelline im »Fidelio«. 1930 bis 1931 feierte man sie bei Gastspielen in Amsterdam und im Haag. 1933 musste sie als Jüdin Deutschland verlassen. Sie wurde dann an die Opéra-Comique von Paris berufen, sang aber auch an der Pariser Grand Opéra (u.a. 1930 Marzelline im »Fidelio« unter Bruno Walter und 1933 die Mélisande) und unternahm Konzertreisen durch Frankreich, Belgien, Holland und durch die Schweiz. Sie ist jedoch nie in Amerika aufgetreten. Seit 1938 gab sie nur noch Konzerte, vor allem Liederabende. Als die deutschen Truppen 1940 Frankreich besetzten, musste sie sich jahrelang in einem Dorf in den französischen Alpen versteckt halten. 1945 nahm sie ihre Karriere wieder auf, betätigte sich jetzt aber fast ausschließlich als Konzertsängerin und gab glanzvolle Liederabende, u.a. in Paris und in Genf. 1948 gastierte sie nochmals an der Städtischen Oper Berlin. 1953 gab sie ihre Karriere endgültig auf und wirkte seitdem als Pädagogin in Paris, wo sie 1977 starb. – Ihre Sopranstimme besaß eine ungewöhnliche musikalische Schönheit und verfügte über eine variantenreiches Ausdrucksvermögen.
Lit: A. Tubeuf: Lotte Schöne (in »Record Collector«, 1971-72).
Schallplatten auf Vox, Odeon und HMV (seit 1928)..
16.12. James McCRACKEN: 90. Geburtstag
Als Kind sang er in einem Kirchenchor, im Zweiten Weltkrieg zeitweilig im Bluejacket Chor der amerikanischen Marine. Dann Musik- und Gesangstudium an der Columbia Universität. Schüler der New Yorker Pädagogen Walter Ezekiel und Mario Pagano, spätere Studien bei Elsa Seyfert in Konstanz. Bühnendebüt 1950 an der Central City Opera als Rodolfo in »La Bohème«. 1953-57 war er als Eleve an der Metropolitan Oper New York engagiert (Antrittsrolle: Parpignol in Puccinis »La Bohème«), wo er kleinere Partien sang (u.a. Normanno in »Lucia di Lammermoor«, Missail in »Boris Godunow«, Bote in »Aida«, Ulrich Eisslinger in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Herold in Verdis »Don Carlos«, Richter in Verdis »Maskenball«, Roderigo in Verdis »Otello«, Melot in »Tristan und Isolde«, Nathanael in »Hoffmanns Erzählungen«, Haushofmeister der Marschallin im »Rosenkavalier«, Lampenanzünder in »Manon Lescaut« von Puccini, Flavio in »Norma«, Don Riccardo in Verdis »Ernani«, Froh im »Rheingold«, Giuseppe in »La Traviata«). 1957 kam er nach Europa und studierte zwei Jahre lang bei Maestro Conati in Mailand. Er war 1957-59 am Opernhaus von Bonn engagiert, wo er u.a. als Max im »Freischütz«, als Radames in »Aida« und als Canio im »Bajazzo« auftrat. 1959 kam er an das Opernhaus von Zürich, wo er bald glänzende Erfolge hatte. Er trat in den Jahren 1959-75 als ständiger Gast an der Wiener Staatsoper in insgesamt 134 Vorstellungen auf (als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Alvaro in »La forza del destino«, als Canio, als Otello von Verdi, als Florestan im »Fidelio«, als Radames, als Manrico im »Troubadour« und als Kalaf in »Turandot« von Puccini). 1960 sang er in Washington erstmals den Otello von Verdi, der eine seiner großen Partien wurde, und den er noch im gleichen Jahr in Zürich und Wien und 1964 in London vortrug. Er gastierte 1961 am Teatro Massimo Palermo und 1962 am Teatro Colón Buenos Aires. An der Oper von San Francisco gastierte er 1962-64, 1970-71 und 1977 als Manrico, als Otello, als Radames, als Alvaro, als Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky, als Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saens und als Canio im »Bajazzo«, 1987 nochmals als Florestan. 1963 übernahm er auch bei den Salzburger Festspielen den Manrico. Als erster Tenor für das heldische Fach war er seit 1963 wieder an der Metropolitan Oper New York tätig, der er jetzt bis 1986 angehörte. Er ist hier insgesamt in 597 Vorstellungen aufgetreten, u.a. als Otello, als Canio, als Manrico, als Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, als Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky, als Don José in »Carmen«, als Radames, als Kalaf, als Alvaro, als Florestan und als Jean in Meyerbeer » Le Prophète «. 1977 hatte er an diesem Haus einen beson
deren Erfolg als Tannhäuser. Seit 1964 regelmäßig an der Covent-Garden Oper London zu hören. Gerühmt für seine kraftvolle, ausdrucksstarke Stimme und sein erregendes darstellerisches Talent. Einer der bedeutendsten Heldentenöre seiner Generation. Er starb 1988 in New York. Er war verheiratet mit der Altistin Sandra Warfield (1921-2009), die eine Autobiographie unter dem Titel »A Star in the Family« (New York, 1971) herausgab.
Weitere Lit: A. Williamson: James McCracken (in »Opera«, 1967); J. Hines: James McCracken (Garden City, NY, 1982).
Aufnahmen auf Allegro Royale und Decca (»Fidelio«, »I Pagliacci«), DGG (»Carmen«), CBS (»Le Prophète« von Meyerbeer), HMV (»Otello« unter Barbirolli), Philips (»Gurrelieder« von Schönberg), Foyer (»Ernani« von Verdi).
17.12. Aglaja ORGÉNI: 175. Geburtstag
Sie entstammte einem ungarischen Adelsgeschlecht und hieß mit ihrem eigentlichen Namen Anna Maria Aglaja von Görger St. Jörgen. Sie studierte in Baden-Baden bei der großen Pauline Viardot-Garcia. Sie trat zuerst als Konzertsängerin in Holland und im Rheinland auf. 1865 debütierte sie an der Berliner Hofoper als Amina in Bellinis »La Sonnambula«. 1866 kam sie nach London und hatte an der Covent Garden Oper große Erfolge als Lucia di Lammermoor, als Violetta in »La Traviata« und als Martha in der bekannten Oper von Flotow. Im gleichen Jahr 1866 gastierte sie sehr erfolgreich an der Wiener Hofoper als Marguerite im »Faust« von Gounod, als Amina in »La Sonnambula«, als Gilda im »Rigoletto«, als Dinorah von Meyerbeer und als Lucia di Lammermoor. Es schlossen sich Gastspiele an den Opernhäusern von Breslau und Riga (1867) an. Sie sang in den folgenden zwanzig Jahren an allen großen europäischen Bühnen und galt als eine der führenden Koloratricen innerhalb ihrer künstlerischen Generation. Man rühmte vor allem die stilistische Feinheit und die Eleganz ihres Vortrages. Sehr erfolgreich war sie bei Auftritten am Opernhaus von Leipzig. 1869 gab sie ein Gastspiel am Théâtre-Lyrique in Paris. Sie gastierte auch 1872 an der Wiener Hofoper (als Lucia dio Lammermoor und als Marguerite im »Faust« von Gounod), 1873 an der Hofoper von Dresden, 1873 am Hoftheater von Stuttgart, 1873 und 1874 am Hoftheater von Hannover, 1874 am Hoftheater von Karlsruhe, 1875 am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg. 1873-78 war sie an der Münchner Hofoper engagiert. Hier hatte sie ihre großen Erfolge als Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer, als Marguerite im »Faust« von Gounod und als Leonore im »Troubadour«. Eine ihrer großen Partien war die Agathe im »Freischütz«. Nach einer Erkrankung Ende der siebziger Jahre mußte sie einige Zeit pausieren und widmete sich dann nur noch dem Konzertgesang. 1881 war sie in einem Konzert im Londoner Crystal Palace als Solistin zu hören und gab eine Serie weiterer Konzerte in England. 1886 ließ sie sich in Dresden als Gesanglehrerin nieder. 1908 erhielt sie als erste Frau eine Professur am dortigen Königlichen Konservatorium, die sie bis 1914 wahrnahm. Zu ihren Schülern gehörten die berühmten Sängerinnen Margarethe Siems, Berta Morena, Gertrude Förstel, Sophie Wolf, Erika Wedekind und Edyth Walker. Seit 1914 hatte sie ihren Wohnsitz in Wien, wo sie weiter ihrer pädagogischen Tätigkeit nachging. Sie starb 1926 in Wien.
Lit.: Wurzbach: »Aglaja Orgéni« (Biogr. Lexikon, 21. Band, 1870); Erna Brand: »Aglaja Orgéni, das Leben einer großen Sängerin« (München, 1931).
19.12. Ludvík PODÉŠT: 95. Geburtstag
Er studierte am Konservatorium von Brünn bei Jaroslav Kvapil. 1947-51 war er Mitarbeiter bei Radio Brünn, 1958-60 Direktor der Musikabteilung des tschechischen Fernsehens. Er komponierte eine Sinfonie, eine sinfonische Dichtung, vier Orchestersuiten, sinfonische Variationen, zwei Klavierkonzerte und ein Violinkonzert, kammermusikalische Werke, Kantaten, Chorwerke, Lieder, Schauspiel- und Filmmusiken. Er starb 1968 in Prag.
19.12. Géza BELTI-PILINSZKY: 125. Geburtstag
Er studierte in Budapest und Berlin. Bühnendebüt 1919 am Opernhaus von Bratislava (Preßburg). 1920 folgte er einem Ruf als erster lyrischer Tenor an die Nationaloper von Budapest, wo er bis 1928 eine bedeutende Karriere entfalten konnte. Seit 1928 lebte er in Berlin und trat an deutschen Theatern gastierend auf. 1930 sang er bei den Festspielen von Bayreuth den Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, während sein älterer Bruder Sigismund Pilinsky (1884-1960) den Tannhäuser gestaltete. Er kam auch als Operettensänger, u.a. am Berliner Metropoltheater, zu einer erfolgreichen Karriere, ebenso als Konzertsänger. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er in Berlin als Gesanglehrer tätig. Er starb wahrscheinlich 1963 in Berlin.
Schallplatten: Columbia (»Tannhäuser«-Aufnahme aus Bayreuth, 1930).
19.12. Dagmar MÖLLER: 150. Geburtstag
Sie begann ihre Ausbildung zur Sängerin am Konservatorium von Stockholm in den Jahren 1882-87 und war dann 1889-90 in Paris noch Schülerin der großen Primadonna Désirée Artôt. 1887 begann sie ihre Bühnenlaufbahn (unter dem Namen Dagmar Sterky, dem Familiennamen ihres ersten Ehemannes; Möller war der Familienname ihres zweiten Ehemannes) an der Königlichen Oper Stockholm, an der sie als Antrittsrolle die Rose Friquet in »Les Dragons de Villars« (»Das Glöckchen des Eremiten«) von Maillart sang. In den folgenden vier Spielzeiten hatte sie an diesem Haus in Partien aus dem lyrischen wie dem Koloratur-Fach große Erfolge: als Brigitte in »Le Domino noir« von Auber, als Mignon von A. Thomas, als Jeanette in »Les noces de Jeanette« von Massé, als Bastienne in »Bastien und Bastienne« von Mozart (1893 in der schwedischen Erstaufführung der Oper) und als Jolanthe in der schwedischen Erstaufführung der gleichnamigen Oper von Tschaikowsky (1893). Am 26.11.1892 sang sie an der Stockholmer Oper in der Uraufführung von Ivar Hallströms Oper »Granadas Dotter« die Partie der Jacinta. 1891-92 war sie an der Oper von Oslo engagiert, kam aber für die Jahre 1892-94 wieder an die Stockholmer Oper zurück. 1896 trat sie bei der schwedischen Operasällskap von E. Linden auf, widmete sich aber seit 1897 in besonderer Weise dem Konzert-, vor allem aber dem Liedgesang. In ihren Liederabenden brachte sie das skandinavische, aber auch das deutsche und das französische Kunstlied zum Vortrag. Sie setzte sich in besonderer Weise für das zeitgenössische Liedschaffen ein und galt als unvergleichliche Interpretin der Lieder von Edvard Grieg, der ihr den Liederzyklus »Haugtussa« widmete. Komponisten wie Emil Sjögren, Wilhelm Stenhammar und Wilhelm Peterson-Berger begleiteten sie bei ihren Liederabenden am Klavier, wenn sie deren Lieder vortrug. Auch als Oratoriensolistin war sie bekannt. Große Tourneen führten sie durch die skandinavischen Länder wie durch Deutschland. Dazu entfaltete sie eine umfangreiche pädagogische Tätigkeit. 1900-1921 lehrte sie am Königlichen Konservatorium von Stockholm; seit 1903 war sie Mitglied der schwedischen Musikakademie, 1911 wurde sie mit dem Orden »Litteris et artibus« dekoriert. Sie starb 1956 in Stockholm.
21.12. Christopher KEENE: 70. Geburtstag
Er studierte an der University of California in Berkeley und gründete während dieser Zeit eine Operngesellschaft, mit der er zahlreiche moderne Opern aufführte. Neben Gastauftritten bei den Festspielen in Spoleto (1968, 1969 und 1971) wirkte er
als Direktor der American Ballet Company, dirigierte ab 1970 auch an der New York City Opera, wo er 1971 die Uraufführung von Menottis »The Most Important Man« gab. Im gleichen Jahr folgte eine gefeierte Vorstellung von »La Traviata«. 1971 dirigierte er zehn Vorstellungen von Mascagnis »Cavalleria rusticana« und Leoncavallos »Pagliacci« an der Metropolitan Opera. Er, der niemals einen Dirigierkurs besucht hat, wurde 1975 zum Musikdirektor des Syracuse Symphony Orchestra in New York ernannt. Daneben war er 1977 als Musikdirektor bei den Festspielen von Spoleto und ab 1979 in der gleichen Position beim Long Island Philharmonic Orchestra tätig. 1982 wurde er zum künstlerischen Inspektor der New York City Opera berufen. Er starb 1995 in New York.
21.12. Spartaco MARCHI: 125. Geburtstag
Während er 1919 als Soldat bei der italienischen Luftwaffe in Rom diente, nahm er erfolgreich an einem Gesangwettbewerb teil, den die Accademia di Santa Cecilia Rom veranstaltete. Da seine Familie inzwischen nach Florenz verzogen war, nahm er das Gesangstudium dort bei Maestro Vito Frazzi auf. 1922 kam es zu seinem Debüt am Teatro della Pergola Florenz als Jago in Verdis »Otello«. 1926 gastierte er erstmals an der Mailänder Scala als Fafner im »Siegfried« von R. Wagner. Bis 1946 ist er an diesem Opernhaus aufgetreten, u.a. als Snare in »Sly« von E. Wolf-Ferrari, als Mikhéli in Cherubinis »Les deux journées«, als Lescaut in »Manon Lescaut« von Puccini, als Faninal im »Rosenkavalier« von R. Strauss, als Sharpless in »Madame Butterfly« und in Wolf-Ferraris Oper »Il Campiello«. Er trat als Gast auch in Dänemark, in Frankreich und in der Schweiz (1940 Grand Théâtre Genf) auf, in Amsterdam war er als Amonasro und in einem Gala-Konzert (1935) erfolgreich, an der Oper von Antwerpen sang er den Scarpia in »Tosca« in Gegenwart des belgischen Königs (1939). In Italien ist er an allen Theatern von Rang erschienen: am Teatro Fenice Venedig (1938-40, 1942, 1947) wie am Teatro Petruzzelli Bari (1936, 1951-52), in Udine, Florenz, Pisa, Trient und Triest. Er wirkte 1939 am Teatro Fenice Venedig in der Uraufführung der Oper »Re Hassan« von Giorgio Ghedini mit. 1940-41 und 1947 gastierte er am Teatro Carlo Fenice Genua, 1938 (in »Mignon« von Thomas) und 1949 (als Sharpless) am Teatro Sociale in Mantua, 1936 am Teatro Municipale Piacenza in »Manon« von Massenet, 1941 in »Il Campiello« von Wolf-Ferrari, 1949 wieder in »Manon«. 1951 gab er nochmals ein Gastspiel am Théâtre des Champs-Élysées Paris als Graf Robinson in Cimarosas »Il matrimonio segreto«. Neben seiner Begabung als Sänger betätigte er sich als Bildhauer wie als Maler. Nach Aufgabe seiner Bühnenkarriere widmete er sich in Mailand ganz der Beschäftigung mit diesen Künsten. Er starb 1976 in Viareggio.
21.12. Pietro Andrea ZIANI: 400. Geburtstag
Er war der Onkel des Komponisten Marc‘ Antonio Ziani. Er erhielt seine umfassende musikalische Ausbildung im „Orden der Kanoniker von San Salvadore“ in Candia, dem er im Juni 1632 beitrat. Seine ersten Anstellungen als Organist erhielt er, 1636 in Treviso, 1637 in Candia, 1638 in Brescia, danach 1639-54 an der Kirche S. Salvatore in Venedig, wo er 1639 zum Diakon geweiht wurde. Bereits 1637 und 1639 erteilte ihm sein Orden die Erlaubnis, die Drucke des „Canone regulario, Organista“ (Op.2, 1640) und seines Il primo libro de Canzonette… (Op.3, 1641) zu veröffentlichen. Seine Titel „Don“ oder „Padre“ finden sich noch auf den frühen Libretti. 1668 wurde er aus gesundheitlichen Gründen, von allen kirchlichen Verpflichtungen entbunden. Zum Karneval 1654 wurde seine erste Oper La guerriera spartana im Teatro Sant’Apollinare uraufgeführt, ab diesem Zeitpunkt begann eine lange Zusammenarbeit mit dem Librettisten und Opernimpressario Giovanni Faustini, die über viele Jahre andauerte. Von Mai 1657 bis Juni 1659 war Ziani mit einer krankheitsbedingten Unterbrechung, Nachfolger von Maurizio Cazzati Kapellmeister der Basilica di Santa Maria Maggiore in Bergamo. Ab 1660 knüpfte er Kontakte zum Hause Habsburg. Dem Erzherzog Ferdinand Karl (Österreich-Tirol) widmete er seine Fiori musicali Opus 6. Ziani lebte ab 1661 etwa zwei Jahre in Innsbruck, Ende 1663 reiste er nach Wien, wo er bis 1667 Kapellmeister der Hofkapelle der Kaiserinwitwe Eleonore war. In seiner Wiener Zeit entstanden zahlreiche Oratorien und Opern, die sowohl für Wien als auch für Venedig, bestimmt waren. Zwischen Dezember 1666 und Januar 1667 hielt er sich anlässlich der Hochzeit von Johann Georg III. (Sachsen) und Prinzessin Anna Sophie von Dänemark und Norwegen in Dresden auf, um eine Aufführung der Oper Theseo, die nicht aus seiner Feder stammte zu leiten. Im Laufe des Jahres 1668 verließ er mit einem Empfehlungsschreiben der Kaiserinwitwe Wien. 1669-77 war Ziani, als Nachfolger von Francesco Cavalli erster Organist am Markusdom in Venedig. Auch in dieser Zeit entstanden mehrere Opern und Opernakte für Pasticcios, die neben Venedig in vielen italienischen Städten zur Aufführung gelangten. Nachdem Natale Monferrato die von Ziani angestrebte Stelle des ersten Kapellmeisters am Markusdom erhalten hatte, reiste er nach Neapel, wo er eine Anstellung am „Conservatorio di Sant’Onofrio“ im Stadtteil Porta Capuana erhielt und als Honorarorganist, aus der Hofkasse besoldet wurde. 1680 wurde er Vizekapellmeister der Hofkapelle. Auch in dieser Zeit entstanden weitere Opern, die für Venedig, Neapel und Palermo bestimmt waren. Ziani starb 1684 in Neapel. Nach seinem Tod übernahm Alessandro Scarlatti dessen Amt. Mit seinen besonders einfallsreichen Opernproduktionen war Ziani äußerst erfolgreich und wurde als der wichtigste Opernkomponist nach Francesco Cavalli angesehen. Zahlreiche musikalische Experimente, Vermeidung von Wiederholungen. Auch seine Instrumentalmusik war bekannt, so führte Johann Philipp Krieger Kammermusikwerke Zianis im sächsischen Weißenfels auf.
22.12. Robert KURKA: 95. Geburtstag
Er lernte Violine, betrieb ein umfangreiches Selbststudium in Komposition und wurde Schüler von Otto Luening und Darius Milhaud. 1948-51 unterrichtete er am City College of New York, später am Queens- und am Dartmouth College. Er erhielt das Guggenheim-Stipendium. Einem breiten Publikum wurde er mit der Oper The Good Soldier Schweik nach Jaroslav Haseks Der brave Soldat Schwejk bekannt, welche am 23. April 1958 in der New York City Opera uraufgeführt wurde. Daneben schrieb er 2 Sinfonien, Konzertmusik, Kammermusik, Chormusik und Klavierstücke. Er starb 1957 an Leukämie in New York.
22.12. Fernando CORENA: 100. Geburtstag
Mit Cesare Siepe (links)
Sein Vater war Türke, seine Mutter Italienerin. Er begann das katholische Theologiestudium an der Universität von Fribourg, wurde aber durch den Dirigenten Vittorio Gui ermutigt, Sänger zu werden. Darauf Musik- und Gesangstudium in Genf (1937-38), dann bei Enrico Romani in Mailand. Er wirkte zehn Jahre als Konzert- und Rundfunksänger in Zürich, ehe er sich zu einer Bühnenlaufbahn entschloss. Bühnendebüt 1947 an der Oper von Triest als Warlaam in »Boris Godunow«. Bereits 1948 debütierte er an der Mailänder Scala. Hier hörte man ihn u.a. 1949 als Alcindoro in »La Bohème«, 1950 in Wolf-Ferraris »Il Campiello« und als Varbel in »Lodoiska« von Cherubini, 1950 und 1952 als Don Pasquale, 1951 als Uberto in Paisiellos »La serva padrona« und als Rodrigo in Cherubinis »L’Osteria Portoghese«, 1954 als Dottore Bombasto in Busonis »Arlecchino«, 1957 als Don Annibale Pistacchio in Donizettis »Il Campanello«, als Dulcamara in »L’Elisir d‘amore« und als Prosdocimo in Rossi
nis »Il Turco in Italia« sowie 1969 als Bartolo im »Barbier von Sevilla«. Hier wirkte er auch am 12.5.1949 in der Uraufführung der Oper »Il Cordovano« von Goffredo Petrassi, am 4.5.1950 als Semplicio in der Uraufführung der Oper »L‘Allegra Brigata« von Gianfrancesco Mailipero und 1963 in der italienischen Erstaufführung von Rolf Liebermanns »Leonora 40/45« als Lejeune mit. Große Erfolge in Italien, wo er neben der Scala an allen großen Bühnen wie auch beim Maggio Musicale von Florenz und 1948 sowie 1950-52 bei den Festspielen in der Arena von Verona auftrat. 1957 wirkte er m Teatro della Pergola Florenz in den Uraufführungen der beiden Opern »Il Figliuol Prodigo« und »Venere prigioniera« von Malipiero mit. Bei den Zürcher Festwochen gastierte er 1950 als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, 1961 als Don Pasquale, am dortigen Opernhaus in der Spielzeit 1961-62 wieder als Bartolo und als Leporello im »Don Giovanni«; er wirkte in Zürich auch in der Schweizer Erstaufführung von Z. Kodálys »Die Spinnstube« (Spielzeit 1947-48 als Freier) mit. 1954 kam er an die Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Leporello), an der er seitdem immer wieder erfolgreich auftrat und als der Nachfolger von Salvatore Baccaloni im Buffo-Fach galt. An diesem Haus sang er in einer langjährigen Karriere zwanzig verschiedene Partien in insgesamt 723 Vorstellungen, u.a. den Bartolo sowohl im »Barbier von Sevilla« als auch in »Le nozze di Figaro«, den Lescaut in »Manon« von Massenet, den Mesner in »Tosca«, den Fra Melitone in »La forza del destino«, den Mathieu in »Andrea Chénier«, den Gianni Schicchi in der gleichnamigen Puccini-Oper, den Geronte in »Manon Lescaut« von Puccini, den Dulcamara, den Warlaam, den Benoit wie den Alcindoro in Puccinis »La Bohème«, den Falstaff von Verdi, den Bailli in »Werther« von Massenet, den Don Alfonso in »Così fan tutte«, den Sulpice in »La fille du régiment« und den Mustafà in Rossinis »L’Italiana in Algeri«. Als letzte Partie sang er dort 1978 den Don Pasquale, ebenfalls eine seiner Glanzrollen. 1952 und 1967 gastierte er am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1957 am Deutschen Opernhaus Berlin. Gastspiele in London (1960 als Bartolo im »Barbier von Sevilla«) und Paris, in Buenos Aires und Tel Aviv (1959 als Verdis Falstaff), in Chicago, in Mexico City und in Holland. Bei den Festspielen von Edinburgh bewunderte man ihn 1955 als Titelhelden in Verdis »Falstaff«, 1957 als Selim in Rossinis »Il Turco in Italia« und als Dulcamara (bei einem Gastspiel der Mailänder Scala), 1961 als Bartolo im »Barbier von Sevilla« (mit dem Ensemble der Covent Garden Oper London) und 1963 als Don Pasquale (bei einem Gastspiel des Teatro San Carlo Neapel). Bei den Salzburger Festspielen sang er 1956 den Leporello, 1965-67 und 1975 den Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, 1968-69 den Bartolo im »Barbier von Sevilla«, 1971 in einem Mozart-Konzert sowie 1971-72 den Don Pasquale. In den Jahren 1963-82 war er in insgesamt 74 Vorstellungen an der Staatsoper von Wien anzutreffen (als Don Pasquale, als Figaro in »Le nozze di Figaro«, als Leporello, als Fra Melitone, als Mesner, als Sparafucile im »Rigoletto«, als Osmin, als Bartolo im »Barbier von Sevilla« und als Dulcamara). Er trat in Fernsehaufnahmen der Opern »Die Entführung aus dem Serail« und »Der Barbier von Sevilla« auf. Er hatte seinen Wohnsitz in Castagnola im Schweizer Kanton Tessin. Voll tönende, dabei ungewöhnlich bewegliche Bass-Stimme; der Künstler galt als einer der bedeutendsten Bass-Buffo-Sänger, vor allem für den Bereich der italienischen Oper innerhalb seiner Generation, zugleich als ein Komödiant ersten Ranges. Er starb 1984 in Lugano.
Zahlreiche Schallplatten, vor allem auf Decca (Recital; »Il Maestro di Capella« von Cimarosa, »Le nozze di Figaro«, »Don Giovanni«, »L’Elisir d’amore«, »La Bohème«, »Madame Butterfly«, »Il barbiere di Siviglia«, »Aida«, »La forza del destino«, »Rigoletto«, »Otello«, »Andrea Chénier«, »Tosca«, »Manon Lescaut«), auf RCA (»Don Giovanni«), Urania (»Don Pasquale«, »La forza del destino«, »La Gioconda«), DGG (»Tosca«) BJR (»Don Pasquale« von 1956), Nuova Era (Don Labaro in »La Clemetina« von Luigi Boccherini, italienischer Rundfunk der Schweiz, 1965) und Cetra (»Gianni Schicchi«, »I quattro rusteghi« von Wolf-Ferrari). Hinzu gesellt sich eine Vielzahl von Mitschnitten von Opernaufführungen und Rundfunksendungen auf Privatmarken.
23.12. Clarice CARSON: 80. Geburtstag
Gesangstudium bei Pauline Donalda und Jacqueline Richard in Montreal sowie bei Julia Drobner in New York. Zu ihrem Bühnendebüt kam es 1962 an der Oper von Montreal als Mutter in der Menotti-Oper »Amahl and the Night Visitors«. Sie sang an den großen Opernbühnen in Nordamerika, u.a. an den Opern von Montreal und Vancouver, in San Francisco (1975 die Giorgetta in Puccinis »Il Tabarro«), Cincinnati, Dallas und Houston (Texas); 1965-66 erfolgreiches Auftreten an der City Opera New York nach ihrem Debüt an diesem Haus als Gräfin in »Figaros Hochzeit«. 1967 wurde sie an die New Yorker Metropolitan Opera verpflichtet (Antrittsrolle: 1. Dame in der »Zauberflöte«). Bis 1979 sang sie hier in 63 Vorstellungen außerdem noch die Helmwige in der »Walküre«, die Priesterin in »Aida«, die 5. Magd in »Elektra« von R. Strauss, die Frasquita in »Carmen«, die Musetta in Puccinis »La Bohème«, die Tosca, die Violetta in »La Traviata«, die Fiordiligi in »Così fan tutte« und die Madame Lidoine in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc. Zu Gast an den Opern von Rouen und Tel Aviv, an der Niederländischen Oper Amsterdam, am Teatro Liceu Barcelona und bei der Scottish Opera Glasgow (1970-71 als Traviata). 1969 Auftreten an der Oper von Chicago. Sie sang bei den Festspielen von Schwetzingen 1976 die Titelrolle in der Oper »Leonora« von Paër; diese Aufführung wurde auf MRF-Platten mitgeschnitten und veröffentlicht. Besondere Höhepunkte in ihrem Bühnenrepertoire waren ferner die Cassandre in »Les Troyens« von Berlioz, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Desdemona in Verdis »Otello«, die Amelia im »Maskenball«, die Aida, die Elisabetta im »Don Carlos«, die Leonore im »Troubadour«, die Marguerite wie der Siebel in Gounods »Faust«, die Magda Sorel in Menottis »The Consul«, der Female Chorus in »The Rape of Lucretia« von B. Britten, die Mimi in »La Bohème«, die Butterfly, die Liu in »Turandot«, die Titelheldin in Puccinis »Suor Angelica« und die Salome in der Oper gleichen Namens von R. Strauss. Geschätzte Konzert- und Oratoriensängerin. Sie starb 2015 in Toronto.
Schallplatten: MRF (»Leonora« von Paër).
23.12. Johann Heinrich ROLLE: 300. Geburtstag
Er wurde als Sohn des späteren Kantors am Magdeburger altstädtischen Gymnasium Christian Friedrich Rolle geboren. Der Vater übernahm die Ausbildung seines musikalisch begabten Sohnes. 1722 siedelte die Familie nach Magdeburg über. Im Jahre 1734 erhielt Rolle eine Stelle als Organist an der Magdeburger Sankt-Petri-Kirche, die er bis 1737 wahrnahm. Dann ging Rolle nach Leipzig, um Jura zu studieren. Anschließend zog er nach Berlin, wo er für kurze Zeit als Justitiar arbeitete. Im Jahr 1741 erhielt er eine Anstellung in der Kapelle Friedrich II., zunächst als Violinist, dann als Bratschist. 1746 kehrte er als Organist in der Sankt-Johannis-Kirche nach Magdeburg zurück. 1752 wurde er der Nachfolger seines Vaters als Kantor des Gymnasiums. Rolle übernahm auch die Funktion eines städtischen Musikdirektors. In dieser Position wirkte er im Sinne der Aufklärung. Es gelang ihm, dass Magdeburg ab 1764, als eine der ersten deutschen Städte ohne Residenz, Konzerte durchführte, die
überregionale Bedeutung entfalteten. Johann Heinrich Rolle heiratete im Jahre 1758 Rahel Christiana Jacobi, die Tochter eines Hamburger Kaufmanns. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Rolle gehörte der von Johann Wilhelm Ludwig Gleim gegründeten sogenannten Mittwochsgesellschaft an. Er pflegte hier Kontakt mit Heinrich Rathmann, Friedrich von Koepcken, Johann Bernhard Basedow, Johann Samuel Patzke, Friedrich Gabriel Resewitz, Gottfried Benedict Funk und Gotthilf Sebastian Rötger. Seine Kompositionen stehen in der Tradition des Barock, sind jedoch bereits vom Übergang des Hochbarock hin zum sogenannten galanten Stil des Rokoko geprägt. Rolle hinterließ eine Vielzahl von Werken, die auch heute noch gespielt werden. Zu acht Werken stammen die Texte von Johann Samuel Patzke, bei vier Werken wurden die Texte von August Hermann Niemeyer geschrieben. Johann Heinrich Rolle starb 1785 in Magdeburg. Die Stadt Magdeburg hat ihm zu Ehren eine Straße als Rollestraße benannt. In Quedlinburg trägt die Musikschule seinen Namen.
24.12. Maurizio KAGEL: 85. Geburtstag
Er wurde in Buenos Aires in eine jüdische Familie geboren, die in den 1920er Jahren aus Russland geflohen war. Früh erhielt er privaten Instrumentalunterricht und arbeitete in Buenos Aires als Filmkritiker, Korrepetitor und Dirigent, u.a. am Teatro Colón. Kagel hatte in den 1950er Jahren an den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik teilgenommen. 1957 reiste er mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Deutschland. Ab 1960 war er als Dozent bei den Darmstädter Ferienkursen tätig. 1969 wurde er zum Direktor des Instituts für Neue Musik an der Rheinischen Musikschule in Köln und, als Nachfolger von Karlheinz Stockhausen, zum Leiter der Kölner Kurse für Neue Musik (bis 1975) ernannt; 1974 erhielt er an der Kölner Musikhochschule eine Professur für Musiktheater. Kagel war Mitbegründer des Ensembles für Neue Musik in Köln und hat in den elektronischen Studios von Köln, München und Utrecht gearbeitet. Er dirigierte viele seiner Werke selbst und war Regisseur und Produzent aller seiner Filme und Hörspiele. Aus Anlass seines 75. Geburtstages gastierte er – Symbolfigur des deutsch-argentinischen Kulturdialogs – im Juli 2006 im Teatro Colón Buenos Aires, im Goethe-Institut und im Teatro Margarita Xirgu mit Konzerten, öffentlichen Proben und Vorträgen. Zuvor war sein letzter Konzertauftritt in Argentinien in den siebziger Jahren gewesen. Es begann mit seinem Stück Eine Brise, flüchtige Aktion für 111 Radfahrer, die „trillernd, trällernd“ erst am Teatro vorbeizogen. Obwohl er Argentinier blieb, sieht die Musikkritik dort Mauricio Kagel als „deutschen Komponisten“. Auf Einladung von Walter Fink war er 1991 der zweite Komponist im jährlichen Komponistenporträt des Rheingau Musik Festival. In der Spielzeit 2006-07 war Mauricio Kagel „Artist in Residence“ in der Philharmonie Essen und war dort ebenfalls als Dirigent zu erleben. Bei einem Symposion im Juni 2007 an der Universität Siegen erhielt er die Ehrendoktorwürde in Philosophie. Mauricio Kagel lebte bis zu seinem Tod 2008 in Köln. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise für sein Schaffen und ist auf allen wichtigen Festivals für Neue Musik vertreten. Bei ihm haben unter anderem studiert: Maria de Alvear, Carola Bauckholt, Theo Brandmüller, Martyn Harry, bernhard König, Klaus König, Branimir Krstic, Yves-Miro Magloire, Dominik Sack, Juan Maria Solare, Manos Tsangaris, Chao-Ming Tung, Johannes S. Sistermanns, Ulrich Wagner und Daniel Weissberg. Kagel gilt als der wichtigste Vertreter des „Instrumentalen Theaters“, eine Art ritualisierter Konzertakt, in den auch die sichtbaren Begleiterscheinungen des Musizierens (Mimik, Gestik, Aktionen) mit einbezogen werden. Ein eindrucksvolles Beispiel seiner Musiktheaterwerke ist Staatstheater, das aufgrund von Drohbriefen sogar unter Polizeischutz aufgeführt werden musste. Kagel selbst entwickelte eigene Instrumente und Spieltechniken, etwa für den Film Zwei-Mann-Orchester oder das Instrumentaltheater Exotica. Die Partituren stellen bisweilen komisch-originell konsequent nicht nur die Erwartungshaltung der Interpreten, sondern auch der Zuhörer auf den Kopf. Auch in Werken für den Konzertsaal spielte Theatralik und sichtbare Musik immer eine große Rolle. So stürzt der Solist im Konzertstück für Pauken und Orchester am Ende kopfüber in sein Instrument. Andere Werke beziehen Alltagsgegenstände (Acustica) und Geräusche mit ein. Die Verwendung von Elektronik und Tonbandzuspiel, aber auch Verweise auf traditionelle Musik waren für den Kosmos von Kagels Musik selbstverständlich.
24.12. Lisbeth SCHMIDT-GLÄNZEL: 100. Geburtstag
Gesangstudium bei M. Stephan-Mundt in Chemnitz. 1949 debütierte sie am Nationaltheater Weimar, an dem sie als dramatische Sopranistin eine lange, erfolgreiche Karriere hatte. 1951-52 war sie auch an der Staatsoper von Dresden engagiert, 1960-67 Mitglied des Opernhauses von Leipzig. Sie trat weiter als Gast an den Staatstheatern von Dessau und Schwerin und an der Berliner Staatsoper auf; hinzu trat eine ausgedehnte Konzerttätigkeit. Nach Abschluss ihrer Bühnenlaufbahn war sie im pädagogischen Bereich tätig und widmete sich der Ausbildung des Sängernachwuchses am Theater der Altmark in Stendal.
Schallplatten: Urania (»Kampf und Sieg« von Weber).
25.12. Anton HROMADA: 175. Geburtstag
Er sollte zunächst Theologie studieren, setzte aber unter großen Schwierigkeiten in Prag seine Ausbildung zum Sänger durch. Wiederum unter großen Schwierigkeiten kam endlich 1866 ein Gastspiel an der Hofoper von Stuttgart als Ottokar im »Freischütz« von Weber zustande. Wenn dies auch nur zu einem Engagement als Chorsänger führte, so konnte er sich allmählich in Stuttgart in größeren Aufgaben präsentieren. Nach weiteren Studien bei Julius Stockhausen in Frankfurt a.M. und bei Francesco Lamperti in Mailand (1872 bzw. 1874) gehörte er dann zu den führenden Mitgliedern der Stuttgarter Hofoper. Man bewunderte auf der Bühne den Ausdrucksreichtum seiner Stimme wie sein intelligentes darstellerisches Talent in vielen großen Aufgaben: als Titelheld in »Don Giovanni« von Mozart, als Figaro in »Figaros Hochzeit«, als Herr Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, als Valentin im »Faust« von Gounod, als Scherasmin in Webers »Oberon«, als Rigoletto, als Graf Luna im »Troubadour« von Verdi, als Titelheld in Rossinis »Wilhelm Tell«, als Jäger im »Nachtlager von Granada« von C. Kreutzer, als Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Alberich im Nibelungenring, als Lothario in »Mignon« von A. Thomas, als Titelheld im »Barbier von Bagdad« von Cornelius, als Agamemnon in »Iphigenie in Aulis« von Gluck und als Siméon in »Joseph« von Méhul. 1893 sang er in Stuttgart in der deutschen Erstaufführung von Verdis »Falstaff« den Ford. 1894 wirkte er in Stuttgart in der Uraufführung der Oper »Der Pfeifer von Hardt« von Ferdinand Langer mit. 1880 und 1898 gastierte er in Leipzig. Er gastierte u.a. 1888 am Stadttheater von Basel, 1901 an der Münchner Hofoper. Neben seinem Wirken auf der Bühne war er ein gesuchter Konzert- und Oratoriensänger, der vor allem im süddeutschen Raum und in der Schweiz im Konzertsaal erschien; 1895 feierte man ihn bei Aufführungen des Oratoriums »Christus« von Rubinstein in Bremen. 1883-97 war er als Pädagoge am Konservatorium von Stuttgart tätig. Er war auch als Regisseur tätig. Er starb 1901, auf dem Höhepunkt seiner Karriere stehend, plötzlich an einem Schlaganfall in Stuttgart.
26.12. Daniel SCHMID: 75. Geburtstag
Als Sohn eines Hoteliers wuchs er im Hotel Schweizerhof in Flims auf. Nach der Matura ging er 1962 an die Freie Universität Berlin, studierte Geschichte, Publizistik, Politikwissenschaft sowie Kunstgeschichte und arbeitete währe
nd des Studiums als Journalist und Dolmetscher. Darauf folgte eine Regie-Assistenz bei Peter Lilienthal. Ab 1966 studierte er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und lieferte mehrere Arbeiten fürs Fernsehen. Seither realisierte er eigene Spielfilme. Zu Beginn der 1970er Jahre arbeitete Schmid mehrfach mit Rainer Werner Fassbinder, Rosa von Praunheim und Werner Schroeter zusammen. In dieser Zeit trat er auch als Darsteller auf und wurde zu einem der profiliertesten Filmemacher. Vor allem die Verfilmung von Fassbinders Bühnenstück Die Stadt, der Müll und der Tod unter dem Titel Schatten der Engel im Jahr 1976 machte ihn bekannt. 1977 kehrte er in die Schweiz zurück. Er verlegte sich auf die Inszenierung von introspektivischen Experimentalfilmen, die lediglich ein intellektuelles Minderheitenpublikum ansprachen. Mit seiner Filmsatire Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz erlangte er wieder die Aufmerksamkeit einer größeren Öffentlichkeit. Dazwischen besonders erwähnt werden müsste auch der Film Zwischensaison von 1992, welcher sicher nicht experimentell war, sondern schlicht die Verfilmung von teils wunderlichen Kindheitserinnerungen im elterlichen Hotel; eines Betriebes, welcher mit dem heutigen Massentourismus wahrlich nicht viel gemein hat. 1999 erhielt er am Internationalen Filmfestival von London den Ehrenleoparden für sein Gesamtwerk. 1984-2001 wirkte er zudem als Opernregisseur. Am Opernhaus Zürich inszenierte vier Opern, am Grand Théâtre Genf deren drei. Seine Zuneigung zum Belcanto ist auch in seinem Dokumentarfilm Il Bacio di Tosca spürbar. Daniel Schmid erlag 2006 in Flims einem Krebsleiden.
26.12. Heinz FRIEDRICH: 95. Geburtstag
Er erhielt seine Ausbildung an der Musikhochschule Berlin und war dort auch Schüler der großen Sopranistin Frida Leider. 1949 debütierte er an der Berliner Staatsoper als Papageno in der »Zauberflöte« und gehörte 1949-50 dem Opernstudio dieses Hauses an. Bis 1953 blieb er an der Staatsoper Berlin tätig und wechselte dann in der Spielzeit 1953-54 an das Pfalztheater Kaiserslautern. 1954-56 sang er am Stadttheater von Augsburg, 1956-62 am Staatstheater von Wiesbaden und 1959 bis zu seinem Tod am Theater am Gärtnerplatz München. An der Berliner Staatsoper wirkte er am 17.3.1951 in der Uraufführung der Oper »Das Verhör des Lukullus« von Paul Dessau mit. Er gastierte u.a. an der Staatsoper von Wien (1956 mit den vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«) und am Teatro Colón Buenos Aires (1961 als Faninal im »Rosenkavalier«). Höhepunkte in seinem Repertoire für die Bühne waren der Ochs im »Rosenkavalier«, der Pater Guardian in »La forza del destino« von Verdi und der Stolnik in »Halka« von Moniuszko. Von seinen Bühnenrollen seien noch der Figaro im »Barbier von Sevilla« von Rossini, der Rigoletto, der Graf Luna im »Troubadour«, der Silvio wie der Tonio im »Bajazzo«, der Escamillo in »Carmen«, der Sebastiano in »Tiefland« von d’Albert, der Dominik in »Arabella« von R. Strauss, der Titelheld in Weinbergers »Schwanda der Dudelsackpfeifer« und der Hortensio in »Der Widerspenstigen Zähmung« von H. Goetz genannt; hinzu kamen zahlreiche Partien in Operetten. 1968 wirkte er am Gärtnerplatztheater in München in der Uraufführung der Oper »Der widerspenstige Heilige« von Mark Lothar mit. Auch als Konzert- und Liedersänger brachte er es zu einer erfolgreichen Karriere. Er starb 1983 in Rottach-Egern (Oberbayern).
Schallplatten: Eterna (Lieder), Donauland (Arien-Aufnahmen), IFM (Stephan in vollständiger Oper »Regina« von Lortzing), DGG (»Ariadne auf Naxos«).
26.12. Helmut EDER: 100. Geburtstag
Er studierte unter anderem bei Carl Orff und wurde von Alban Berg, Johann Nepomuk David und György Ligeti beeinflusst. Eder komponierte mehr als 130 Werke, die von Kammermusik über geistliche Musik bis zur Oper reichten. Sie wurden von den Wiener Philharmonikern und Berliner Philharmonikern unter Leitung prominenter Dirigenten, unter ihnen Seiji Ozawa und Wolfgang Sawallisch, aufgeführt. Bei den Salzburger Festspielen 1991 wurde Eders Oper Mozart in New York uraufgeführt. Helmut Eder wurde mit dem Österreichischen Staatspreis und dem Anton-Bruckner-Preis ausgezeichnet. Nach seinem Tod 2005 in Salzburg wurde er auf dem Salzburger Kommunalfriedhof beerdigt.
27.12. Lubomír HAVLÁK: 95. Geburtstag
Er begann sein Gesangstudium in Ostrava (Mährisch Ostrau), musste dann aber im Beruf eines Drehers arbeiten, bevor er nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 sein erstes Engagement in Ostrava antreten konnte. 1946-50 war er als erster Tenor am Theater von Ustí nad Labem (Aussig) tätig und folgte 1952 einem Ruf an das Nationaltheater von Prag. An diesem bedeutendsten Opernhaus der CSSR hatte er eine lange, über dreißigjährige, erfolgreiche Karriere. Hatte er sich zunächst im heldischen Tenorfach ausgezeichnet, so wurde er im zweiten Teil seiner Karriere ein geschätzter Interpret von Buffo- und Charakterpartien. Sein vielseitiges Repertoire umfasste sowohl Aufgaben aus dem Bereich der tschechischen und der slawischen Opernliteratur wie auch viele Partien in italienischen und deutschen Opern. Noch 2001 trat er an der Staatsoper Prag als Doktor Frank in der Oper »Der polnische Jude« von Karel Weis auf. Er starb 2014 in Prag.
Zahlreiche Schallplattenaufnahmen auf Supraphon, darunter eine Anzahl von Partien in vollständigen Opern (»Die Teufelskäthe« von Dvorák, »Krútnava« von Eugen Suchon, »Sarka« von Fibich, »Ein Blumenstrauß« und »Griechische Passion« von Martinù, »Coriolanus« von Jan Cikker, »Susanna Vojírová« von Jirí Pauer).
27.12. John WHITWORTH: 95. Geburtstag
Er begann seine musikalische Ausbildung an der Kimbolton School in Huntingdon. Während des zweiten Weltkriegs war er als Flugzeugmechaniker für die Royal Air Force in Kanada stationiert, bevor er 1946 ein Stipendium für das King’s College in Cambridge erhielt. Nach seinem Abschluss wurde er 1949 Lay Vicar an der Westminster Abbey in der Stimmlage Alt, eine Position, die er 22 Jahre bekleidete. Seinen ersten Auftritt als Solist hatte Whitworth 1950 bei einer Aufführung von Händels Messiah. 1951 schloss er sich dem Deller Consort unter der Leitung des Countertenors Alfred Deller für Aufnahmen und Übertragungen der BBC an, wo sie besonders mit Purcells Sound the Trumpet bekannt wurden. International begann seine Karriere in der Schweiz, wo er mehrfach mit den Renaissance Singers und den Golden Age Singers auftrat. Außerdem war er als Organist an der Actor’s Church am Covent Garden beschäftigt, editierte mittelalterliche Quellen und arrangierte Musik für seine Vokalensembles. 1965 wurde er an der Guildhall School of Music zum Professor ernannt, bevor er 1971 Deputy Music Advisor in Leicestershire wurde. Er gilt als einer der Pioniere des 20. Jahrhunderts im Countertenor-Gesang, an dessen Wiederbelebung er ausgehend von den Werken Henry Purcells und William Byrds maßgeblich beteiligt war. Er starb im Juli 2013.
27.12. Carolina LAZZARI: 125. Geburtstag
Sie entstammte einer ursprünglich italienisch-französischen Familie. Sie erhielt ihre Ausbildung in einem Seminar in Bucksport (Maine) und in einem Ursulinenkloster in Mailand. Sie studierte in New York wie in Mailand Klavierspiel und Gesang. 1917 wurde sie durch den Dirigenten Cleofonte Campanini an die Oper von Chicago engagiert (Antrittsrolle: Giglietta in der amerikanischen Erstaufführ
ung von Mascagnis »Isabeau«), wo sie ihre großen Erfolge als Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, als Pierotto in »Linda di Chamounix« von Donizetti und als Cieca in »La Gioconda« von Ponchielli hatte. 1918 gastierte sie mit dem Ensemble der Chicago Opera im Lexington Theatre New York als Partnerin von Amelita Galli-Curci in »Dinorah« von Meyerbeer. 1920 gastierte sie an die Metropolitan Oper in einer einzigen Vorstellung als Amneris in »Aida«. 1921 sang sie als Antrittsrolle am Teatro Colón Buenos Aires ebenfalls die Amneris, betätigte sich dann aber nur noch als Konzertsängerin und im pädagogischen Bereich. Sie unterhielt zeitweilig ein Privatstudio im Gebäude der Metropolitan Oper in New York. Sie starb 1946 in Stony Creek (Connecticut).
Zahlreiche schöne Schallplattenaufnahmen, exklusiv auf Edison.
28.12. Elizabeth PARCELLS: 65. Geburtstag
Informationen über die amerikanische Sopranistin auf ihrer Homepage: http://www.elizabethparcells.com/
28.12. Richard McKEE: 75. Geburtstag
Nach vorheriger Tätigkeit in einem kaufmännischen Beruf entschloss er sich zum Gesangstudium, das an der Yale Universität bei Blake Stern, an der Illinois University in Urbana (Illinois) bei Bruce Foote und Paul Ulanowsky sowie bei Oren Brown in New York stattfand. Bühnendebüt bei der Goldovsky Opera (New England Opera) 1971 als Leporello im »Don Giovanni«. 1973 sang er beim Wexford Festival in Irland den Don Gregorio in Donizettis »L’Ajo nell‘ imbarazzo«. (Ein Mitschnitt dieser Aufführung wurde auf der Schallplattenmarke MRF publiziert). Er trat an der City Opera New York 1975-81 als Zuniga in »Carmen« (Debüt), als Geronte in »Manon Lescaut« von Puccini und als Frank in der »Fledermaus« auf und übernahm dort eine Anzahl von mittleren und kleineren Rollen (Gubetta in »Lucrezia Borgia« von Donizetti, Hermann Ortel in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Bartolo in »Figaros Hochzeit«, Monterone im »Rigoletto«, Truffaldin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, dazu Partien in Operetten von Offenbach und Gilbert & Sullivan). 1981 gastierte er an der Portland Opera als Hunding in der »Walküre«, an der Oper von San Diego als König in »L’Amour des trois oranges« von Prokofieff. 1996 sang er am Opernhaus von New Orleans den Frank in der »Fledermaus«. Weitere Partien, die der Sänger auf der Bühne übernahm, waren der Bartolo in Rossinis »Barbier von Sevilla«, der Abul Hassan im »Barbier von Bagdad« von Cornelius, der Sulpice in »La Fille du Régiment« von Donizetti. Zugleich auch als Konzertsänger tätig. Er starb 2013 in Manlius (Onondaga County, New York).
28.12. Holger BYRDING: 125. Geburtstag
Sein Debüt erfolgte nach seinem Studium bei V. Linke in Kopenhagen 1916 an der Königlichen Oper Kopenhagen als Gremin in Tschaikowskys »Eugen Onegin«. Für lange Jahre war er der führende Vertreter des heldischen Bass-Baritonfachs an diesem Haus; 1934 wurde er zum Königlich Dänischen Kammersänger ernannt. Große Erfolge im Wagner-Fach (Wotan im Nibelungenring, Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«), aber auch als Amonasro in »Aida«, als Jago im »Otello« und als Mephisto in Gounods »Faust«. Dazu sang er Partien in dänischen Opern wie »Maskarade«, »Saul og David«, beide von Carl Nielsen und »Drot og Marsk« von Heise; später übernahm er gern komische und Charakterpartien (Don Pasquale von Donizetti, Basilio im »Barbier von Sevilla«, Falstaff von Verdi). Er gastierte u.a. an der Stockholmer Oper (1947) und unternahm Konzertreisen durch Skandinavien. 1964 Abschied von der Bühne; er wirkte als Pädagoge in Stockholm und Kopenhagen. Er starb 1980 in Kopenhagen.
Schallplatten: Odeon, Polyphon, auch auf Tono; Mitschnitte aus Opernsendungen des dänischen Rundfunks auf Danacord. Auf Poco-Records Bass-Solo in Beethovens 9. Sinfonie.
29.12. Thomas CAREY: 85. Geburtstag
Ausbildung an der Henry Street Music School New York und durch Rose Bampton, dann an der Musikhochschule Stuttgart sowie bei Hans Hotter, Lola Urbach und Rupert Gundlach. Preisträger bei Gesangwettbewerben in Brüssel, München und s’Hertogenbosch; er erhielt den Marian Anderson-Award für junge farbige Sänger. Bühnendebüt 1964 an der Niederländischen Oper Amsterdam als Germont-père in Verdis »La Traviata«. Es kam bald zu einer großen Karriere an den führenden europäischen Opernbühnen; so war er in Kopenhagen, Paris, Nizza, Stockholm, Lissabon, Basel, Belgrad, Zagreb, Venedig, bei den Festspielen von Athen und Spoleto zu hören. In Deutschland war er besonders beliebt und gastierte an den Staatsopern von München, Stuttgart, Hamburg und Berlin, an den Opernhäusern von Essen, Dortmund, Hannover, Karlsruhe, Nürnberg und Wuppertal. An der Londoner Covent Garden Oper sang er u.a. am 2.12.1970 in der Uraufführung der Oper »The Knot Garden« von Tippett die Rolle des Mel. In seiner amerikanischen Heimat trat er in Boston, Memphis und New Orleans auf. Sein Bühnenrepertoire enthielt weite Teile des lyrischen Fachgebietes, dazu bedeutende Konzertkarriere. 1969 heiratete er die bekannte farbige Altistin Carol Brice (1918-85), die mit ihm zusammen in Frankreich in »Porgy and Bess« aufgetreten war. Beide erhielten einen Lehrauftrag an der Oklahoma University in Norman. Sie gründeten eine Operntruppe für junge farbige Sänger, die später unter dem Namen Circuit Opera Company auftrat. Er starb 2002 in Norman (Oklahoma).
Schallplatten bei Philips (»The Knot Garden«).
31.12. Noël MANGIN: 85. Geburtstag
Als Osmin
Er wollte ursprünglich Farmer, dann Tierarzt werden. Nachdem er in einem Knabenchor bereits als Sopran gesungen hatte, betrat er zuerst als lyrischer Tenor die Opernbühne und sang Partien wie den Rodolfo in »La Bohème«, den Cavaradossi in »Tosca« oder den Matthias im »Evangelimann« von W. Kienzl. 1956 wurde seine Stimme plötzlich tiefer und reichte bis ins baritonale Fach hinein. So debütierte er 1957 als Bariton in Auckland in der Partie des Germont-père in »La Traviata«. In den folgenden zwei Jahren entwickelte sich seine Stimme zum Bass. Nach einer abermaligen Ausbildung durch Domenico Modesti in Paris und durch Joseph Hislop in London trat er jetzt als Bassist auf. 1958-60 war er bei der New Zealand Opera Company engagiert, bis 1961 bei der Australia Elizabethian Company. 1963-67 trat er an der Sadler’s Wells Opera London auf 1964 und 1966 gastierte er mit deren Ensemble auch an der Scottish Opera Glasgow. Er war 1968-77 Mitglied der Staatsoper Hamburg. Hier hörte man ihn u.a. als Don Pasquale von Donizetti, als Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, als Sarastro in der »Zauberflöte«, als Geronimo in Cimarosas »Il matrimonio segreto«, als Falstaff von Verdi und als Claggart in »Billy Budd« von B. Britten. 1968 wirkte er dort in der Uraufführung von Gian Carlo Menottis Kinderoper »Help! Help! The Globolinks« mit. 1968 gastierte er mit dem Ensemble der Hamburger Staatsoper beim Edinburgh Festival als Truffaldin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. Er gastierte 1970 in Amsterdam, 1970 auch an der Grand Opéra Paris als Osmin und als Bartolo in »Figaros Hochzeit«, 1971 an der Scottish Opera Glasgow
als Ochs im »Rosenkavalier«. 1972 sang er beim Glyndebourne Festival den Osmin, 1976 bei der English National Opera London sowie mit deren Ensemble auch beim Edinburgh Festival den Hagen in der »Götterdämmerung«. 1987 gastierte er an Teatro Colón Buenos Aires als Osmin, er trat in Paris und Venedig, in Prag und Seattle (hier in den Aufführungen des Nibelungenrings) wie auch an der Staatsoper von München (Fafner und Hunding) auf. Er kam auch an der Australian Opera Sydney zu großen Erfolgen (1989 als Rocco im »Fidelio«) und war seit 1977 in besonderer Weise der Oper von Melbourne verbunden. Dort hörte man ihn bis zu seinem Tod, u.a. als Landgraf im »Tannhäuser«, 1992 als König Heinrich im »Lohengrin«. Er starb 1995 in Wellington (Neuseeland).
Schallplatten: Classics for Pleasure (Ausschnitte aus der »Entführung aus dem Serail«, Glyndebourne 1972), HMV (ebenfalls Osmin in der »Entführung aus dem Serail« in englischer Sprache). Auf HMV weitere Aufnahmen, darunter vollständige Opern »Manon Lescaut« von Puccini und »A Village Romo and Juliet« von Delius; auf RCA als Benoît in »La Bohème«.
31.12. Franz WILD: 225. Geburtstag
Mit sieben Jahren kam er als Sängerknabe in den Chor des Stifts Klosterneuburg. 1804 wurde er in die Kaiserliche Hofkapelle Wien aufgenommen. Bei einem Hofkonzert sang er vor Kaiser Napoleon I. ein Salve Regina und wurde von diesem gelobt. Er trat schließlich in den Chor des Theaters in der Josefstadt, dann in den des Theaters in der Leopoldstadt in Wien ein. 1810 wurde er Solist in der Fürstlich Esterházy’schen Kapelle, begann aber im folgenden Jahr 1811 seine große Karriere als Opernsänger in Wien. Er debütierte hier am Theater an der Wien als Prinz Ramiro in der Märchenoper »Cendrillon« von Niccolò Isouard. Seine ersten großen Erfolge erzielte er als Tamino in der »Zauberflöte« und als Titelheld in Boieldieus »Jean de Paris«. Beethoven, mit dem er oft zusammen musizierte, schrieb für ihn 1816 die Kantate »An die Hoffnung«. 1817 unternahm er eine glanzvolle Gastspielreise durch ganz Deutschland und Österreich und nahm dann ein Engagement am Hoftheater von Darmstadt an, dem er bis 1824 angehörte. 1825 kam es zu einer weiteren großen Tournee durch Holland, Belgien und Frankreich. In Paris traf er mit Rossini zusammen, der einige Werke mit ihm einstudierte, er war dort auch Schüler des berühmten Pädagogen Giulio Marco Bordogni. 1826-29 gehörte er dem Hoftheater von Kassel an. Nachdem er 1829 ein grandioses Gastspiel in 18 verschiedenen Rollen an der Wiener Hofoper absolviert hatte, wurde er 1830 Mitglied dieses Hauses, dem er jetzt bis zur Aufgabe seiner Bühnenkarriere 1855 angehörte. Von Wien aus setzte er seine Gastspieltätigkeit fort. So gastierte er 1831 in Lemberg (Lwów) und Brünn (Brno), 1832 im Rahmen einer großen Kunstreise in Prag, Graz, Breslau und Berlin, in Danzig, Königsberg, Kassel und Frankfurt a.M., in Wiesbaden, Aachen, Darmstadt und Mainz. 1839 trat er in St. Petersburg, 1840 in London auf, wo man ihn vor allem als Max im »Freischütz« feierte, dazu in Konzerten, die er zusammen mit seinem Freund, dem Bassisten Joseph Staudigl, gab. Als letzte Partie sang er 1855 an der Wiener Hofoper den Abayaldos in »Don Sebastiano« von Donizetti. Er gab in der österreichischen Metropole in den folgenden Jahren noch einige Konzerte, letztmals im November 1859. Fürst Czartoryski schreibt über seine Stimme: »Sein Vortrag, seine Schule, seine Deklamation, Gebärde und Aktion waren von höchster Vollendung, seine Begeisterung riss ihn und den Zuhörer mit sich fort und überschritt doch nie die Grenze des Schönen.« Aus seinem umfangreichen Bühnenrepertoire verdienen der Florestan im »Fidelio«, der Titelheld in Rossinis »Otello«, der Licinio in »La Vestale« von Spontini, der Joseph in der gleichnamigen biblischen Oper von Méhul, der Alfonso in »Zampa« von Hérold, der Nadori in »Jessonda« von Louis Spohr und der Titelheld in Mozarts »Don Giovanni« (den er wie eine Anzahl zeitgenössischer Sänger als Tenor sang) Erwähnung. Er starb 1860 in Oberdöbling bei Wien.