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HERZ AUS STAHL

29.12.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Herz aus Stahl~1

Ab 1. Jänner 2015 in den österreichischen Kinos
HERZ AUS STAHL
Fury  /  USA  /  2014 
Drehbuch und Regie: David Ayer
Mit: Brad Pitt, Logan Lerman, Shia LaBeouf, Michael Pena, Jon Bernthal u.a.

 Es zeugt von Reife, Dinge zu hinterfragen, die in ihrer Wertigkeit längst festgeschrieben scheinen. Zum Beispiel, dass die edlen Amerikaner kamen, Deutschland vom Naziterror zu befreien. Sie kamen und sie taten es auch. Aber wie? „Herz aus Stahl“ weicht vom Bild des ersehnten Retters ab. Alles ist in diesem Film von Drehbuchautor / Regisseur David Ayer (der zuletzt mit Schwarzenegger „Sabotage“ drehte, hart, aber doch unterhaltend) anders als sonst, erschreckender, möglicherweise realistischer. Kein Hauch von der brutalen Ironie, mit der etwa Quentin Tarantino seine „Inglourious Basterds“ zu einem süffigen Stückchen „Entertainment auf Nazi-Jagd“ machte. Nein, das ist ein Stück harter Vergangenheitsbewältigung, das hoffentlich nicht nur unternommen wurde, um dem älter gewordenen Star Brad Pitt eine kontroverse Rolle „mit Ecken und Kanten“ zu bieten…

Brad Pitt in Fury

Man möchte im April 1945 nicht in Deutschland gewesen sein. Noch setzten offenbar die Nationalsozialisten ihre letzten Wahnsinnsaktionen, schon drangen die Amerikaner unaufhaltsam auf deutsches Gebiet vor. Der Film erzählt die Geschichte eines Panzers, „Fury“ mit Namen (für Fachleute: es ist ein M4A3E8 „Sherman“), vielmehr die Geschichte seiner Besatzung, und da ist der Kommandant der fünfköpfigen Truppe, Don „Wardaddy“ Collier, das erschreckende Zentrum der Geschichte. Brad Pitt, der auch seine einstige Hübschheit nun, über 50, so gänzlich abgestreift hat wie Kollege Leonardo DiCaprio (was waren das einmal für strahlend-attraktive junge Männer!), ist hier „der hässliche Amerikaner“ schlechthin. Ein Mann, der nichts als Krieg zu kennen scheint und nach Jahren in Nordafrika  nun am ultimativen Schauplatz erscheint.

Fury tank crew

Interessanterweise bekommen die drei seiner Veteranen-Kollegen, obwohl durchaus stark besetzt (Shia LaBeouf , Jon Bernthal und Michael Peña), keine wirklich starken Rollen, profilieren sich nicht zu Eigenschicksalen. Sehr wohl allerdings der Jungspund, der ihnen nach Verlust des fünften Mannes zugeteilt wird: Norman Ellison, so nachdrücklich gespielt von dem jungen Logan Lerman, dass er über weite Strecken ins Zentrum des Geschehens rückt, war bisher nur im Lager hinter der Schreibmaschine tätig, hat nie einen Panzer von innen gesehen, weiß nichts vom Wahnsinn des Krieges. Es gehört zu den grauenvollsten Szenen des Films, wie Wardaddy ihn gnadenlos „abhärten“ will, von ihm verlangt, dass er Deutsche tötet, sogar einen Hitlerjungen – und es wird klar, dass hier ein junger amerikanischer Soldat demselben „Befehlsnotstand“ gegenübersteht wie viele Deutsche, sie sich nun wimmernd und in Todesangst im Schlamm wälzen… Pitt exekutiert hier Szenen von solcher Brutalität, dass es für sensible Gemüter schwer erträglich ist, hier zuzusehen – zumal man durchaus das Gefühl hat, genau so könnte es zugegangen sein.

Deutschland in den letzten Zuckungen der letzten Kriegstage – das bedeutet auch Einquartierung der Amerikaner in einem deutschen Haus, in dem es nur noch (vor allem junge) Frauen gibt… Nur kurz scheint der von David Ayer gnadenlos exekutierte Streifen auf eine menschliche Gender-Ebene abzubiegen, als hier so etwas wie Verständnis (und Erotik)  zwischen den deutschen Frauen und den amerikanischen Soldaten aufflackert. Aber die Kämpfe gehen weiter, und erst gegen Ende lässt die Geschichten zwischen jungen Männern auf gegnerischen Seiten ein Funken Menschlichkeit zu… und man lässt sich leben.

Wenn am Ende die Geschichte für alle, auch die Männer im Tank, letal ausgeht, wird klar, dass David Ayer hier nicht auf den Zweiten Weltkrieg zurückgegriffen hat, um die einst übliche Helden-Geschichte in Uniform zu erzählen. Vielmehr wird sehr eindrucksvoll, aber auch mit aller implizierter Grausamkeit dargestellt, was der Krieg aus Menschen macht… hier wie dort.

Renate Wagner 

 

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