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Große Werke – große Namen – große Erwartungen. Dominique Meyer stellt in Wien das Programm 2022/23 der Mailänder Scala vor

Große Werke – große Namen – große Erwartungen

Dominique Meyer stellt in Wien das Programm 2022/23 der Mailänder Scala vor

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Italienische Botschaft in Wien

Im gut besuchten Festsaal der Italienischen Botschaft im Metternich Palais präsentierte gestern Dominique Meyer das Programm für die kommende Saison des von ihm geleiteten Teatro alla Scala di Milano. Dass die Eröffnung Anfang Dezember mit einer Neuproduktion von Modest Mussorgskis Boris Godunov beginnen wird, ist keine Neuigkeit, sondern schon seit Juni bekannt. Dirigieren wird Riccardo Chailly, der musikalische Chef des Hauses, für die Inszenierung zeichnet Kasper Holten verantwortlich, vormals Direktor der Royal Opera Covent Garden. Mit Ildar Abdrzakov in der Titelpartie und Norbert Ernst als Vasilij Schuiski.

Es gibt sechs, eigentlich sogar sieben weitere Neuproduktionen, denn Salome, im Vorjahr Corona-bedingt bisher nur im Fernsehen ausgestrahlt, wird im Januar erstmals vor Publikum aufgeführt werden. Es folgen Vespri Siciliani (Dirigent Fabio Luisi und u.a. mit Lucca Micheletti als Montfort und Marina Rebeka als Elena), Lucia di Lammermoor, die napolitanische Barockoper Li zite ´ngalera von Leonardo Vinci, Rusalka, Peter Grimes sowie die Rarität L’amore dei tre re von Italo Montemezzi, in der neben Roberto Frontali auch Günther Groissböck mitwirken wird.

Zubin Mehta wird im Jänner 2023 mit Salome jenes Werk dirigieren, mit dem er 1974 an der Scala debütiert hat. Es handelt sich nun aber um eine Neuinszenierung von Damiano Michieletto. Vida Mikneviciute wird in der Titelpartie ihr Mailänder Debüt feiern, als Jochanaan ist Michael Volle eingesetzt, nur in der letzten Vorstellung am 31. Jänner wird diese Rolle Tomasz Koncieczny übernehmen. Weiters dabei Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Herodes und Linda Watson als Herodias.

Die Besetzung von Lucia di Lammermoor mit Lisette Oropesa in der Titelpartie erinnert an die kürzliche Aufführung dieser Oper in Wien. Mit Boris Pinkhasovich als Enrico, Juan Diego Floréz als Edgardo und Ildebrando d´Arcangelo kommen aber in Mailand auch in Wien gern gesehene und gehörte Sänger in neuen Rollen zum Einsatz. Am Dirigentenpult Riccardo Chailly.

Kaum zu glauben, dass Dvoráks Weltverfolg Rusalka noch nie an der Scala gespielt worden ist. Bei der Erstaufführung unter der Leitung von Tomás Hanus wird dafür mit einer Spitzenbesetzung aufgewartet: Dmitry Korchak (Der Prinz), Elena Guseva (Die fremde Fürstin), Olga Bezsmertna (Rusalka) Okka von der Damerau (Jezibaba).

Neue und junge Spitzenkräfte, die schon weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt haben, werden auch in Robert Carsens Neuinszenierung von Benjamin Britten-Oper Peter Grimes zu bewundern sein. Unter der Leitung von Símone Young singen u.a. Brandon Jovanovich (Titelpartie), Nicole Car (Ellen Orford) und Ólafur Sigurdarson (Balstrode).

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Von den Neuproduktionen bleibt noch die 1913 an der Scala uraufgeführte Oper L’amore die tre re (Die Liebe der drei Könige) von Italo Montemezzi zu erwähnen. Ein veristisches Historiengedicht aus dem von Barbaren heimgesuchten italienischen Mittelalter. Im Mittelpunkt steht die junge Frau Fiora, besetzt mit einer vielversprechenden Sängerin, die ihre Ausbildung an der hauseigenen La Scalas Academy abgeschlossen hat. Auf das Debüt Chiara Isotton kann man durchaus gespannt sein.

Das Mailänder Publikum wird auch mit bewährten Opernproduktionen in meist exzellenten Besetzungen verwöhnt werden. Dazu gehören die La Bohème in der legendären Zefirelli-Inszenierung, bei deren Premiere 1963 Karajan am Pult stand, mit  Freddie De Tommaso (Rodolfo), Marina Rebeka und Irina Lungu abwechselnd als Mimì und Mariam Battistelli als Musetta, sowie Offenbachs Les contes d`Hoffmann (mit Federica Guida, Olympia; Francesca Di Sauro, Giulietta; Eleonora Buratto, Antonia sowie Vittorio Grigolo als Hoffmann und Ildar Abdrazakov als die drei Bösewichte).

Yusif Eyvazov, der mit seiner Frau Anna Netrebko bei der Präsentation anwesend war, wird – alternierend mit Jonas Kaufmann – an der Seite von Ambrogio Maestri (Carlo Gérard) und Sonya Yoncheva (Maddalena di Coigny) – in der Titelpartie von Andrea Chenier zu erleben sein, während Anna Netrebko in Macbeth als Lady Macbeth mit Luca Salsi und Amartuvshin Enkhbat in der Titelpartie zum Zug kommt.

Freuen kann sich das Mailänder Publikum auch auf Le nozze di Figaro in der Strehler-Inszenierung und dirigiert von Orozco-Estrada, u.a. mit Ildebrando d’Arcangelo (Almaviva), Olga Bezsmertna (Gräfin und Luca Micheletti (Figaro) und Svetlina Stoyanova (Cherubino). Rossinis Il barbiere di Siviglia unter der Leitung von Evelino PIdo wird als Projekt mit den Studierenden der La Scala Academia aufgeführt.

 Ballette von Der Nussknacker und Schwanensee bis zu modernen zeitgenössischen Werken, Symphonische Konzerte und Liederabende u.a. mit Michael Volle, Markus Werba, Renée Fleming, Grigolo, Netrebko, Salsi und Benjamin Bernheim runde das vielfältige, abwechslungsreiche Programm ab.

Musikalisch umrahmt wurde die Präsentation, bei der Meyer auch auf seine Initiative zur Gewinnung der jungen Generation bis 35 und das neu eingeführte La Scala Wochenendangebot zur Ankuerbelung des Kultur-Tousimus zu sprechen kam zu sprechen kam, durch Jinxu Xiahou und durch Olga Bezsmertna, deren „Lied an den Mond“ stark berührte. Eingangs erzählte Meyer über die bitteren Erfahrungen während der Corona-Pandemie, von der die Region rund um Mailand besonders betroffen war. 7 Prozent der Abonnenten sind ihr laut Meyer zum Opfer gefallen.

Manfred A. Schmid

 

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