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GRAND BUDAPEST HOTEL

05.03.2014 | FILM/TV

Grand_Budapest_Hotel_Hotel   FilmPlakat Grand Budapest Hotel

Ab 7. März 2014 in den österreichischen Kinos
GRAND BUDAPEST HOTEL
The Grand Budapest Hotel /  USA  /   2014
Drehbuch und Regie: Wes Anderson
Mit: Ralph Fiennes, Tony Revolori, F. Murray Abraham, Tilda Swinton, Saoirse Ronan, Jude Law, Adrien Brody, Edward Norton, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Mathieu Amalric, Harvey Keitel, Karl Markovics u.a.

Wer sich Filme von Wes Anderson ansieht, weiß, was er tut, ist seinerseits schon richtig dafür gepolt – und wird belohnt. Wenn auch nicht immer so reich und überzeugend wie in dieser Satire auf eine irreale Zwischenkriegswelt der Luxushotels, politischen Umstürze, romantischer Raub- und Liebesgeschichten und legendärer Concierges… Wes Anderson ging mit diesem Film, in dem er auch die kleinste Rolle sensationell hoch besetzen konnte, zur Berlinale und erhielt prompt den „Silbernen Bären“ im Rahmen des Großen Preises der Jury.

Monsieur Gustave, der Held der Geschichte, begegnet uns erst, wenn Anderson zwei „Rahmen“ seiner Handlung bedient hat. Der erste ist kurz und stumm – eine junge Frau bewundert die Büste eines Schriftstellers und liest offenbar in dessen Buch. Dann sind wir in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, als sich ein anderer Autor (Jude Law, sympathisch, beflissen) in die fiktive Alpenrepublik „Zubrowska“ begibt. Der einstige Nobelkurort, den er aufsucht, heißt „Nebelsbad“, und nebelig ist es auch oft innerhalb der Berge. In herrlichstem „Zuckerlrosa“ erhebt sich eines der Luxushotels, wie man sie zwischen Semmering und Karlsbad und auch sonst wo finden mochte. In den sechziger Jahren ist allerdings schon die absolute tödliche Glanzlosigkeit des Kommunismus hier eingezogen.

In schäbigem Ambiente, das einst wohl herrlich war, isst der Autor mit einem geheimnisvollen Herrn zu Abend (F. Murray Abraham). Er stellt sich als der Besitzer des Hotels heraus und erzählt uns seine Geschichte aus der Zwischenkriegszeit, als er noch der „Lobby Boy“ in diesem glanzvollen „Hotel Budapest“ war, das nun in aller Pracht aufersteht (wieder hat man in Babelsberg Außerordentliches geleistet, im übrigen drehte man in Görlitz, in Deutschlands tiefstem Osten)…

grand-budapest-hotel-31_Fiennes und Boy x

Dieser Lobby Boy, der „Zero“ genannt wird, weil man ihn als Null betrachtet, die er absolut nicht ist, würde in Gestalt des erst 17jährigen Tony Revolori dem Helden der Geschichte, dem herrlichen Ralph Fiennes als Monsieur Gustave, dem Concierge aller Concierges, Konkurrenz machen, wenn sie in diesem Film nicht ein so hinreißendes Paar wären, das durch das Schicksal zusammengeschmiedet die haarsträubendsten Abenteuer erlebt…

Gustave, Held aller reichen Damen, je älter, desto lieber, erbt dann nun auch einmal von einer verstorbenen Fürstin (noch lebendig wirkt Tilda Swinton schon wie ein Zombie). Dazu hat man sich das fiktive Gemälde eines fiktiven Renaissancemalers ausgedacht, und als Gustav und Zero sehr zur Wut des Sohnes der Verstorbenen (Adrien Brody schäumt, Anwalt Jeff Goldblum schaut missbilligend) „Junge mit Apfel“ von Johannes van Hoytl (wenn es ihn denn gäbe) kurzerhand stehlen, so ist das nicht ihr einziges Problem (witzig, wie sie offensichtlich einen erotischen Schiele an dessen Stelle hängen, der da wenig beachtet herumliegt… ).

Denn dann sind plötzlich neue Herren in grauen Uniformen und großteils schlechten Manieren an der Macht, und nur ein alter Bekannter (Edward Norton) kann Gustave und Zero kurzfristig retten. Aber nicht so sehr, dass Monsieur Gustave nicht glatt im Gefängnis landete, nachdem er kurz davor im Kloster war… Sagen wir nur, dass sich dorthin auch unser Karl Markovics mit äußerst grimmigem G’schau (schauspielerische Anforderungen: Null, aber sicher ein paar gut bezahlte Drehtage) findet und beim Ausbruch mitmacht.

Wes Anderson lässt in einer Regie von Hotelportiers, die offenbar einen gegenseitigen Unterstützungsverein pflegen, noch Leute wie Bill Murray oder Owen Wilson in Mini-Rollen auftreten, Willem Dafoe verfolgt Monsieur Gustave als gefährlicher Finsterling und die Turbulenzen werden immer toller.

Das Happyend ist so herrlich albern wie die ganze Geschichte, die durch ihre delikat-ironische Machart entzückt. So zu blödeln, ist ein Seiltanz, der nur mit höchster Kunstfertigkeit, wie hier geboten, nicht zum Absturz führt. Es ist ein Vergnügen, sich von Wes Anderson in seine absurde Welt entführen zu lassen.

Renate Wagner

 

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