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GAMBIT – DER MASTERPLAN

17.06.2013 | FILM/TV

Ab 21. Juni 2013 in den österreichischen Kinos
GAMBIT – DER MASTERPLAN
Gambit  /  USA  /   2012
Regie: Michael Hoffman
Mit: Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Stanley Tucci, Tom Courtenay u.a.

Dieser Film könnte nachdenklich machen, wäre man nicht ohnedies der Überzeugung, dass die Dinge genau so laufen wie  hier dargestellt – dass in Museen mehr Gemälde, als man sich vorstellt, in Kopien hängen, während die Originale seltsame Wege gehen; aber auch, dass bei reichen Sammlern Begehrlichkeiten geweckt werden, die  geschickte Fälschern – die sicher überall auf der Welt fleißig sind – dann befriedigen …

Das ist jedenfalls die Idee dieser Geschichte, und dass es sich um eine Neuverfilmung/Variation von „Das Mädchen aus der Cherry Bar“ (einst mit Michael Caine und Shirley MacLaine) handelt, juckt eigentlich niemanden. Das nunmehrige Drehbuch stammt von Ethan & Joel Coen, und dass die legendären „Coen Brothers“ es nicht selbst verfilmt haben, legt den Schluss nahe, dass sie es selbst für medioker hielten. Das ist es auch gewissermaßen. Immerhin macht Regisseur Michael Hoffman, der zuletzt den großen Tolstoi-Ehekrach-Film mit Helen Mirren gedreht hat, mit Hilfe einer bemerkenswerten Besetzung das Beste daraus. Und gebärdet sich so britisch, als wäre er kein Amerikaner…

Colin Firth, der seit seinem sensationellen, „oscar“-gekrönten „King“, der sprechen lernte, ein paar Kilo zugelegt hat, spielt einen Zu-Kurz-Gekommenen, der auf Rache sinnt: Harry Deane ist „Berater“ des unerträglichen Millionärs Lionel Shahbandar (von Alan Rickman mit herrlich-ekelhaftem Hochmut gespielt – anstelle einer Alarmanlage hält er sich einen Löwen, und seinen nackten Hintern trägt er auch noch zu Markte), wenn es um dessen private Gemäldesammlung geht. Da er in Major Wingate (Tom Courtenay, im Alter kaum noch zu erkennen, aber von starker Präsenz) einen geschickten Fälscher an der Hand hat, heckt er einen Coup aus: Er will dem Chef einen falschen Monet unterjubeln, weil er den echten braucht. Aber wie?

Da muss eine Geschichte erfunden werden, auf die man anspringt – schön, wie diese im Kopf von Harry (man sieht es gänzlich ausgesponnen) problemlos abläuft. Noch schöner, wie holprig sich im Kontrast dagegen die Wirklichkeit  gestaltet. Da muss dieses Gemälde angeblich im Besitz der Nachkommen eines ehemaligen Besatzungssoldaten gefunden werden, der es ins heimatliche Texas gebracht hat. Und diese Erben wollen angeblich verkaufen.

Das auserwählte Texas-Girl spielt bei dem Betrug nur so weit mit, wie es ihr selbst gefällt: Es ist wahrlich eine witzige Rolle für Cameron Diaz, nicht nur, weil sie den schönen Namen PJ Puznowski trägt und in breitestem texanischen Dialekt schwatzen darf – ihr „ursprüngliches“ Benehmen ist für einen noblen Briten auch nicht leicht zu verkraften. Immerhin, die Diaz, die ja nie als Schönheit, viel eher schon als Komikerin reüssierte, hat hier noch einmal eine Rolle gefunden, bevor sie (Vierzig plus!) von Hollywood vermutlich bald abserviert wird. Und sie genießt es, in London herumzufegen…

Hingegen ist es amüsant, Colin Firth dabei zuzusehen, wie er sich in seiner britischen Noblesse windet, und er macht sich sogar einen Spaß daraus, in Unterhosen dazustehen und an der Fassade des Londoner Savoy-Hotels entlang zu klettern, was man ihm bisher in seinem Schauspielerleben noch nicht abverlangt hat. Dazu kommt dann noch Stanley Tucci als deutsch-jüdischer „Fachmann“ Martin Zaidenweber, und wenn das alles auch nicht sehr diskret ausfällt, es hat doch einige amüsante Momente. Auch, wenn das ach so noble, nasenrümpfende Personal des Savoy auf die Schaufel genommen wird…

Die Story von der Unterjubelung des falschen Bildes ist weder spannend noch logisch, aber wie gesagt: die Darsteller bringen es. Dass am Ende die Japaner den echten Monet heimtragen und viele Millionen Pfund den Besitzer wechseln  – auch das hält man nicht für unwahrscheinlich.

Renate Wagner

 

 

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