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FLIGHT

20.01.2013 | FILM/TV

 

Ab 25. Jänner 2013 in den österreichischen Kinos
FLIGHT
USA  /  2012 
Regie: Robert Zemeckis
Mit: Denzel Washington, John Goodman, Don Cheadle u.a

Das Filmplakat zeigt Denzel Washington mit Pilotenmütze und –Uniform und seinem bekannt markanten und eindrucksvollen Gesicht. Ganz logisch bauen sich die Erwartungen nach einer dramatischen „Airport“-Geschichte auf, und tatsächlich lässt die Beinahe-Katastrophe nicht auf sich warten: Es ist atemberaubend, wenn auch unwahrscheinlich, wenn Captain Whip Whitaker (alias der Hauptdarsteller) die Maschine umdreht (!), um sie mit diesem Manöver vor dem Absturz zu bewahren, aber was wissen denn schon Laien. Jedenfalls gelingt es, zumindest den Großteil der Passagiere zu retten, und er ist der Held des Tages.

Dem genau beobachtenden Kinobesucher sind aber davor schon einige verstörende Details aufgefallen, etwa, dass der gute Mann sich nicht sehr frisch in den Cockpit gesetzt hat, nach Wodka-Fläschchen griff, schließlich sogar geschlafen hat, als ihn der Co-Pilot in der bedrohlichen Situation weckte. Nach einer Heldenstory sieht es also nicht aus, und es wird auch absolut keine.

Vielmehr bleibt Denzel Washington auf der Linie der problematischen Figuren und nicht uneingeschränkt publikumsfreundlichen Filme. Wenn die Behörden da nachfassen, was auf dem Flug wirklich geschehen ist, gerät der Alkoholismus der Hauptfigur in den Focus – und davon handelt dann der Rest des mit zweieinhalb Stunden nicht kurzen und auch nicht sonderlich kurzweiligen Films, den Regisseur Robert Zemeckis in Richtung schwerblütiges Drama inszeniert.

Da ist Whips Situation mit seiner Familie, die aufgrund seines nie wirklich bewältigten Alkoholismus nichts mit ihm zu tun haben will, vor allem (was besonders schmerzt) sein halbwüchsiger Sohn. Und da ist die drogensüchtige Nicole (Kelly Reilly), die er im Spital kennen lernt – als er noch als verletzter Held daliegt, bevor man auf seinen Zustand beim Fliegen gekommen ist –  und die dasselbe Suchtproblem hat wie er. Die Spannung spitzt sich bei der Frage zu, ob er es schaffen wird, nicht alkoholisiert zu der fraglichen Anhörung zu erscheinen, wo über seine Schuld befunden wird…

Mit interessanten Nebenrollen bestückt (John Goodman – schmierig und zwielichtig, Don Cheadle – aufrecht), folgt der Film eher beschwerlich den Bemühungen des Hauptdarstellers, sein Leben in den Griff zu bekommen: Für Denzel Washington, der die Seelenqualen seiner Figur niveauvoll, weil ohne vordergründige Billigkeit glaubhaft macht,  gibt’s jedenfalls eine „Oscar“-Nominierung als bester Hauptdarsteller, und Alkoholiker, die sich ernstlich bessern, haben bei der Academy durchaus gute Chancen… Und für das geduldige Kinopublikum gibt es bei dem Wiedersehen Whips mit seinem Sohn noch die Gelegenheit, am Ende gerührt zu sein.

Renate Wagner

 

 

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