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Film: LIEBHABERINNEN

Ist heute alles besser?

20.10.2026 | FILM/TV

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Filmstart: 20. Oktober 2026 
LIEBHABERINNEN
Deutschland, Luxemburg  / 2026
Regie: Koxi
Mit: Johanna Wokalek, Hannah Schiller, Ben Münchow u.a.

Ist heute alles besser?

Anfang der siebziger Jahre trat Elfriede Jelinek, die am 20. Oktober 1946 in der Steiermark geboren wurde und nun, von den Medien hoch gepriesen, ihren 80. Geburtstag feierte, in die Öffentlichkeit. Erst mit Romanen, dann mit Theaterstücken, denen sie sich verstärkt zuwandte, mit Textflächen für Regisseure, die nach und nach die Bühnen überschwemmten. Über Jahrzehnte hoch geschrieben, hoch gelobt, hoch  gejubelt bis zum Nobelpreis, ist die Jelinek linkes Aushängeschild Österreichs, in Wien derzeit an zwei Thetern gespielt, jetzt auch im Kino. Wobei die Wahl des Stoffes verwundert.

Denn „Die Liebhaberinnen“ war 1975 einer ihrer frühesten Romane, und bedenkt man, was in diesem halben Jahrhundert an „Frauenbewegung“ geschehen ist, so sollte man meinen, die damalige These, „Frau“ zu sein, bestünde nur im Marktwert von Frischfleisch und Aussehen, sei längst überholt, Frau verkauft sich nicht mehr über ihren Körper (darum gilt, Adipöses zu erwähnen, ja auch als Bodyshaming). Junge Frauen von heute warten angeblich nicht mehr auf den Traumprinzen (schon weil sie wissen, dass es ihn nicht gibt), sondern arbeiten an ihren Karrieren, und wenn sie sich ihren meist späten Kinderwunsch dann doch noch erfüllen, lassen sie sich in ihrem Berufsweg nicht stören. So das heutige Bild.

Und doch hat die Regisseurin, die sich „Koxi“ nennt (auch seltsam, ein Name der Emoji-Welt ein wenig wie Foxi… an sich Caroline Kox, Musikerin aus Luxemburg) „Liebhaberinnen“ für ihr ihr Spielfilmdebut gewählt, das ein bißchen wie eine zeitgenössische Theaterinszenierung wirkt, wo die Geschichten ja auch immer gewaltsam in die Gegenwart versetzt werden. Man ist also nicht in den stickigen Siebziger Jahren, sondern im digitalen Zeitalter. Und man hätte denken können, dass die beiden von der Jelinek gezeichneten Schicksale solcherart nicht mehr funktionieren.

Aber… Erstens ist klar, dass es Milieus gibt, wo Schönheit und Jugend nach wie vor den Marktwert bestimmen, in der Mode, in der Filmwelt, in der Society (wo man sich mit viel Botox vielleicht länger halten kann – wenn der Gatte das Geld hat). Aber zweitens – haben sich Frauen  im normalen Leben davon wirklich  entkoppelt?

Zwei Schicksale. Die 17-jährige Paula (Hannah Schiller, hoch intesniv) aus der Provinz, die glaubt, es reiche, vor ihrem Smartphone mit dem Busen zu wackeln, um sofort als Influenzerin reich zu werden. Keine Spur, das tun zu viele. Am Ende muss sie froh sein, als Hostess in jenem Messegelände zu arbeiten, wo man die ältere Brigitte kennen lernt.

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Man hat Johanna Wokalek vorgeworfen, ihre Figur zu satirisch zu überzeichnen, aber tatsächlich ist es eine Meisterleistung zwischen bemühter Liebenswürdigkeit den Kunden gegenüber (sie muss Bunker !!! für reiche Leute verkaufen, damit sich diese bei möglichen Katastrophen kuschelig fühlen), zwischen gefrorenem Lächeln zwischendurch und blanker Verzweiflung, wenn sie mit dem Alltag finanziell nicht zurecht kommt.

Und es wird klar, dass sich in der Unterschicht die Lage von Frauen, die mangels Bildung an Karrieren gar nicht denken können, vermutlich gar nicht verbessert hat. Brigitte muss froh sein, einen wohlhabenden Mann zu finden, und wenn er noch so widerlich ist, und sie zahlt mit dem Sex (was ein erklecklicher Anteil Frauen aus einer Position der Schwäche heraus wohl immer getan haben und noch immer tun…)

Die Jelinek, die mit einem veritablen Mutterkomplex belastet war (am besten geschildert in dem Roman „Die Klavierspielerin“), bringt auch hier die verständnislosen und damit teilweise mitschuldigen Mütter ein.

Im übrigen sind die Lebhaberinnen ja doch und immer die Verliererinnen. Damit kann die Jelinek ihr dunkelschwarzes Weltbild auch in dieser bunten Neuverfilmung wiederfinden.

Renate Wagner

 

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