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FAST & FURIOUS 6

20.05.2013 | FILM/TV

 

Ab 23. Mai 2013 in den österreichischen Kinos
FAST & FURIOUS 6
USA  /  2013
Regie: Justin Lin
Mit: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Luke Evans u.a.

Autoraserei muss etwas Magisches haben – wenn man es schon selbst nicht darf, setzt man sich stellvertretend am Sonntag in ein Formel 1-Auto und fährt mit (künftig vermutlich nicht mehr im ORF, aber RTL tut’s auch). Und mit „Fast & Furious“ hat man 2001 einen Filmtyp gefunden, der mittlerweile innerhalb eines Dutzend Jahren bei der fünften Fortsetzung, sprich, schlicht und ergreifend bei „Fast & Furious 6“ gelandet ist. Dabei hat man die Hauptdarsteller immer geringfügig verändert, aber irgendjemand von Paul Walker, Vin Diesel oder Michelle Rodríguez war stets dabei. In Teil 6 haben wir alle drei, wobei es dann den ganzen Film lang dauert, bis sie alle glücklich wieder vereint sind – und vor allem: Jetzt sind sie brav geworden (früher war ja da ein gewaltig krimineller Anstrich bei ihren Aktionen), jetzt arbeiten sie auf Seiten des Gesetzes, über das Dwayne Johnson mit so bedrohlich-grimmigem Blick waltet, dass man nicht auf Seiten der Bösen sein will.

Ja, jetzt ist man betulich familienfreundlich – bei der Autorennjagd zu Beginn auf einer Küstenstraße (man meint, es sei die Corniche, aber es ist eine kanarische Insel) rast man vor niemandem davon, sondern zu einem freudigen Ereignis hin: Brian O’Conner, immer mit dem sympathischen All-American-Boy-Gesicht von Paul Walker besetzt (um den vielen hässlichen, aber viel interessanteren Männern Paroli zu bieten), ist Vater geworden. Dominic Toretto, immer der schräggesichtige Vin Diesel, am liebsten im Ruderleiberl (bei dieser Art von Männern soll das wohl sexy wirken – aber so viele Muskel sind schon nicht mehr schön, oder?), verspricht, dem Jungen ein guter Pate zu sein, ist die Mutter doch seine Schwester, und bringt schon dem Baby als Geschenk – na, was wohl: natürlich Spielzeugautos mit.

Damit die Idylle nicht zu perfekt ist, muss die Bande (sie waren immer schon multikulti mit farbig, Latino, asiatisch – der Koreaner liebt noch dazu eine Israelin!) dazu bewogen werden, den Supergangster Owen Shaw zu stoppen, der James-Bond-Bösewicht-Format haben sollte und mit seinen perfekten Bomben die Welt bedroht. Weil unsere Helden eigentlich nicht wollen, legt man ihnen einen Köder vor die Nase: Nein, Torettos Geliebte Letty (Michelle Rodriguez, kämpferisch und doch weiblich) ist nicht in Teil 4 verstorben, im Kino geht so etwas, sie hat überlebt, aber ihr Gedächtnis verloren und arbeitet jetzt ausgerechnet für Shaw… Um sie zurückzubekommen, macht sich die Bande auf den Weg.

Waren die anfänglichen Schauplätze idyllisches Mittelmeer und Moskau, geht es dann nach London, das ja auch sehr pittoresk ist. Der britische Gangster wurde mit Luke Evans besetzt, der als einer der Musketiere in der Neuverfilmung sehr gut gefallen hat, aber das Format für einen überdimensionalen Schurken hat er leider nicht. Doch die anderen jagen ihn mit einer Entschlossenheit, als wäre er ein solcher – und am Ende zieht dieser noch einiges aus der Trickkiste, um den Film (mit mehr als zwei Stunden eher überlang) noch auszuwalzen.

Um gerecht zu sein – es bleibt immer spannend, und was da an Auto-Materialschlachten geboten wird, ist meisterlich – der Kampf der Autos gegen den Panzer ist sicherlich jetzt schon ein Stück Action-Kino-Geschichte. Auch sonst hat Regisseur Justin Lin sehr gut gearbeitet, die Crew passt perfekt zusammen, der Schmäh rennt, und wenn es auch Opfer gibt, so ist zwar einerseits das Happyend gesichert – und andererseits meldet sich im Nachspann schon ein neuer Killer: Er trägt das vertraute Gesicht von Jason Statham und verkündet, man werde noch von ihm hören. Also: Teil 7 gesichert, und dass er einen Bomben-Bösewicht abgeben wird, bezweifelt man keine Sekunde lang. Auch die Schauplätze sind bereits bekannt gegeben worden: Tokio und der Nahe Osten.

Man wird als Kinobesucher dabei sein. Diese Autorasereien und die Sprüche des Jungs sind einfach zu gute Unterhaltung. Und das auch für jene Auto-Minderbemittelten, die gar nicht würdigen können, was da angeblich an genialen Flitzern über die Leinwand rast…

Renate Wagner

 

 

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