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ERBARMEN

04.02.2014 | FILM/TV

FilmCover Erbarmen

Ab 7. Februar 2014 in den österreichischen Kinos
ERBARMEN
Kvinden i buret  /  Dänemark  /  2013
Regie: Mikkel Norgaard
Mit: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Sonja Richter u.a.

Es begann zuerst am Buchmarkt, dann mit Henning Mankell, den das Fernsehen verfilmte, und der Begriff „Schwedenkrimi“ kam in die Medien. Ein Höhepunkt war zweifellos die „Millennium“-Trilogie von Stieg Larsson. Aber auch andere Skandinavier schreiben Krimis, die Norweger, die Dänen. Der 1950 in Kopenhagen geborene Jussi Adler-Olsen zum Beispiel, der nun auch zu Filmehren kommt.

Was braucht man? Grundsätzlich einmal einen düsteren Kommissar – Nikolaj Lie Kaas als Carl Mørck, permanent schlecht gelaunt, ist genau das. Nach einem missglückten Einsatz schiebt man ihn in den Keller zu den Akten ungelöster Fälle ab. Weiters benötigt man einen Mitarbeiter, denn die Partner- und Kumpel-Situation hat schon manchem „Tatort“ (und anderen Filmen) zum Erfolg verholfen. Bei den liberalen Skandinaviern liegt ein Mann aus dem Nahen Osten nahe – Fares Fares als Assad, der Mann mit der inneren Ruhe und dem gesunden Menschenverstand, ergänzt den Kommissar perfekt.

Nun muss nur noch einer unter den ungelösten Fällen des Kommissars Interesse aufstacheln. Er hat die vor Jahren verschwundene Politikerin Merete Lynggaard (Sonja Richter) gekannt und glaubt nicht, dass sie von einer Fähre gesprungen ist und ihren behinderten Bruder zurück gelassen hat. Nun, der Roman heißt im Original „Kvinden i buret“, das bedeutet so viel wie „Die Frau im Käfig“, und wir sehen in Rückblenden, was wirklich geschah: Dass Merete weggelockt wurde und sich in einer Druckkammer wieder findet, einsam, am Leben gehalten, psychisch gequält…

Der Film von Regisseur Mikkel Norgaard läuft, nicht sehr dramatisch, auf zwei Ebenen: Mørck und Assad verfolgen mit Hilfe von Meretes behindertem, schweigendem Bruder (eindrucksvoll: Mikkel Boe Følsgaard), dessen Vertrauen Assad gewinnt, die Vergangenheit der Politikerin, wo sie natürlich auf den Täter stoßen. Und parallel sieht man sie in ihrer Druckkammer leiden – und bekommt dann auch, penibel genau sogar, die Geschichte von Schuld und Sühne vorgeführt, die zu dem Geschehen führte: Was einst in der Kindheit geschehen ist, um diesen perfiden Racheakt zu provozieren…

Keine Frage, dass Mørck und Assad, die zwischendurch schon unter Zurücklassung ihrer Polizeimarken „privat“ ermittelt haben, rechtzeitig alles aufdecken und in Amt und Würden zurückkehren dürfen. Das lässt wohl vermuten, dass die Fortsetzung folgt. Ob der Rest von Europa das wahre Interesse für dieses nordische Ermittlerpaar aufbringen wird, scheint nicht zu sicher. Dazu ist der erste Film schlechtweg zu durchschnittlich ausgefallen.

Renate Wagner    

 

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