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ENDER’S GAME – DAS GROSSE SPIEL

21.10.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Enders Game~2

Ab 25. Oktober 2013 in den österreichischen Kinos
ENDER’S GAME – DAS GROSSE SPIEL
Ender’s Game  /  USA  /  2013
Regie: Gavin Hood
Mit: Asa Butterfield, Harrison Ford, Ben Kingsley, Abigail Breslin, Viola Davis u.a.

Wir sind wieder einmal in der Zukunft – genau dort, wo man sicher nicht sein will. Die Menschen haben nur mit Ach und Krach gegen die Aliens gesiegt und warten eigentlich nur auf den neuen Angriff. Um darauf vorbereitet zu sein, wird nach einem strengen Selektionsprinzip eine Armee von Kindersoldaten herangezüchtet. Interessant, dass in diesem Sci-Fi-Roman von Orson Scott Card das, was uns heute als erschütternder moralischer Tiefpunkt gilt, nämlich die Existenz von Kindersoldaten, dort die heroische Story abgibt…

Aber eben doch nicht ganz, denn der Film von Gavin Hood fächert seine Figuren und Fragestellungen genau auf. Im Zentrum steht der 11-jährige Andrew Wiggin, Ender genannt (man beachte den Doppelsinn des Titels, der einerseits „Spiel des Endes“ heißt, andererseits „Enders Spiel“). Verkörpert wird er von dem zwar schon 16jährigen, aber schmal und klein wirkenden Asa Butterfield, der einst Scorseses entzückender „Hugo Cabret“ war. Er wird von Harrison Ford, in dessen Figur des Colonel Hyrum Graff das amerikanische Militär mit seiner Gnadenlosigkeit ziemlich in Frage gestellt wird, handverlesen ausgewählt. Nicht zuletzt, weil er so stur ist. In der Ausbildung, die an Härte nichts zu wünschen übrig lässt, ist er keinesfalls Wachs in den Händen der Ausbildner, sondern fordert jeden einzelnen heraus. Dass man solches einem äußerlich so zart und schüchtern erscheinenden Jungen wie Butterfield abnimmt, ist schon eine Leistung.

Es ist zum Teil ein Teenie-Film, denn Ender ist eingebettet in eine Gruppe Gleichaltriger, zu deren Führer man ihn rasch macht und die ihm ergeben ist – vor allem  Abigail Breslin als Valentine (die zwar im realen Leben nur ein Jahr älter ist als er, aber auf der Leinwand für ein Love Interest des filigranen Helden etwas zu alt wirkt). Die „alte“ Gegenseite erhält Unterstützung durch Ben Kingsley, der mit total tätowiertem Gesicht einen Veteranen-Kämpfer gibt.

Die Kinder, in deren Köpfe die Erwachsenen stets hineinsehen können (wie wird das wohl sein in der Zukunft!), schlagen eine große Schlacht, natürlich nur am Computer, wie das künftig so sein wird. Und sie siegen – weil sie erst danach erfahren, dass es keine Simulation, sondern echt war. Und dann bricht die moralische Keule aus: Ender lässt seinen Vorgesetzten wissen, dass die Gegner doch auch – na, er kann nicht „Menschen“ sagen, aber doch Lebewesen sind, die einen Moment der Überlegung verdienen, bevor man sie besinnungslos auslöscht… Solcherart wird überlegt, dass es nicht nur um das Überleben geht, sondern auch darum, wie der Mensch handelt. Ein bißchen mager, das Ganze. Dafür werden die Protagonisten (und damit auch die Zuschauer) den ganzen Film lang in irgendein Raumschiff versetzt und fragen sich, wenn sie denn ihre Vernunft bewahrt haben, was sie eigentlich hier sollen…

Renate Wagner

 

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