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EIN AUGENBLICK LIEBE

05.08.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Augenblick Liebe~1

Ab 7. August 2014 in den österreichischen Kinos
EIN AUGENBLICK LIEBE
Une rencontre  /  Frankreich  / 2014
Regie: Lisa Azuelos
Mit: Sophie Marceau, Francois Cluzet, Lisa Azuelos, Niels Schneider u.a.

Ein Film wie dieser ist seltsam. Altmodisch gewissermaßen. Solche Liebesromanzen drehte man vor Jahrzehnten. Schöne Menschen aus bestem Milieu, leidenschaftliche Erotik und bürgerliche Rücksichten. Die Franzosen können das noch immer, in diesem Fall Regisseurin Lisa Azuelos. Sie ist knapp 50, so wie ihre Heldin, wobei es immer wieder erstaunt, wie zeitlos diese Sophie Marceau anmutet, die es sozusagen „ewig“ in der Branche gibt, ohne dass sie zu altern scheint. Aber die Fünfzigerinnen von heute sind ja die Dreißigerinnen von gestern – und dennoch gehört es zu diesem Film, dass er nicht unter jungen Leuten spielt (die geben als die Kindergeneration das nötige Flair des Andersseins dazu).

Sophie Marceau spielt Elsa, eine erfolgreiche, attraktive  Buchautorin, Mutter von halb erwachsenen Kindern, die über die Mama nur den Kopf schütteln, wie das mal so ist. Sie fühlt sich dennoch extrem wohl in ihrer Haut, auch mit einem 25jährigen Liebhaber (Niels Schneider), ohne das weiter ernst zu nehmen. (Man beachte nur am Rande – auch Frauenfilme sind nicht gerecht -, dass ihre gleichaltrigen Freundinnen nicht einmal annähernd so attraktiv sind wie sie…)

Das Partyleben spielt sich in den besseren Kreisen ab, dort trifft man auch über einen gemeinsamen Bekannten (ihr Verleger ist sein Freund) Pierre, einen erfolgreichen Anwalt ähnlichen Alters: Francois Cluzet ist eines der interessantesten Gesichter des französischen Films, aber erst seit er für „Ziemlich beste Freunde“ im Rollstuhl saß, kennt ihn auch außerhalb seiner Heimat jeder.

Marceau, Sophie x

Es zählt zu den bemerkenswertesten Momenten dieses Films von Lisa Azuelos, wie Elsa und Pierre aufeinander zugehen – sie strahlen offene Begierde, geradezu unverblümte Erotik aus. Die zwei wollen miteinander ins Bett, verweigern es sich zuerst – und sie tun es dann doch. In der Folge so oft es geht in verschwiegenen Hotels.

Denn Pierre ist natürlich verheiratet, man erlebt ihn mit Gattin (Lisa Azuelos spielt diese Anne selbst, herb und persönlichkeitsstark, aber nicht wirklich erotisch reizvoll) und den kleinen Kindern – und gar nicht bereit, dieses Leben aufzugeben. Immerhin lebt auch Elsa ihr Leben weiter, so sehr sie beide auf ihre Handys und Nachrichten des anderen fixiert sind. Vielleicht unterscheidet das diesen im Milieu der Schönen und Reichen so glatt angesiedelten Film von früheren Produktionen – weder macht das Drehbuch Elsa jetzt als „Opfer“ einer großen Liebe hoffnungslos unglücklich, noch bekommt Pierre für seine Unredlichkeit, der Familie (und der Gattin) Normalität vorzuspielen, die Vorwürfe, die einem Lügner und Heuchler zukämen. Es ist eben so – heute.

Man trennt sich, begegnet sich wieder, auch durch Zufall (einmal bei Gericht, jeder mit anderen Dingen zu tun, oder sie signiert in London ihr neues Buch, er hat dort Verhandlungen – als Drehbuchautorin ist die Regisseurin gelegentlich etwas gewaltsam), man fällt sich in die Arme, und vielleicht ist es am Ende aus, vielleicht auch nicht…

Seltsam, eine Geschichte, die so sehr an dieser Liebesgeschichte klebt und so wenig darüber hinaus erzählt, dies aber in chicen Schnitten und gelegentlichen absurden Überblendungen und immer wieder Traum/Phantasie-Sequenzen tut. Es macht die Sache nicht substanzieller. Aber sie hat natürlich ihren Reiz – und sei es nur den der Nostalgie…

Renate Wagner  

 

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