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DVD LE NOZZE DI FIGARO (Mailand, 2016)

30.03.2018 | dvd

DVD
W.A: Mozart: LE NOZZE DI FIGARO
Mailand / La Scala / 2016
C major

Auch Mozarts erste Da-Ponte-Oper, „Le Nozze di Figaro“, hat sich schon einiges an Regiekünsten gefallen lassen müssen. Diese Aufführung der Mailänder Scala aus dem Jahr 2016, mit einem entscheidenden Beitrag deutscher und österreichischer Künstler, ist allerdings auf geradezu erfrischende Art altmodisch.

Regisseur Frederic Wake-Walker, noch kein ganz großer Name im internationalen Zirkus, aber wohl einer im Kommen, war sich dessen wohl bewusst, dass er mit der einstigen Strehler-Inszenierung einer Legende folgte, die von 1981 bis 2012 am Spielplan der Scala stand. Er hatte die Kraft und die Nerven, nicht etwas radikal anderes zu wollen, sondern Strehlers relative szenische Bescheidenheit (neue Ausstattung: Antony McDonald) ebenso zu übernehmen wie die gewissermaßen heitere Psychologisierung der Figuren, manchmal vielleicht etwas nahe der Parodie, aber warum nicht: Es ist im Ganzen eine geradezu „liebevolle“ Aufführung, und wie oft findet man schon eine solche heutzutage?

Und eine schöne Besetzung, die unter der Leitung von Franz Welser-Möst (mehr Mozart-besinnlich unterwegs, nur stellenweise spritzig-bewegt) hier agiert. Will man mit den Damen beginnen, so hat Diana Damrau vor zehn Jahren hier eine berühmte Susanne gesungen. Nun ist sie stimmlich eine ideale Gräfin, vor allem, weil ihre Technik so perfekt ist, dass sie mit langem Atem jene Phrasen spinnen kann, die Mozart der Sängerin auferlegt. Darstellerisch ist sie geradezu aufgeladen – man hat zu viele resignierte Gräfinnen gesehen, um diese nicht besonders zu schätzen: Die ist nervös, aufgedreht und liefert sich mit dem Gatten eine veritable Zimmerschlacht, in der sie keinesfalls unterliegt.

Auch weil sie in Carlos Alvarez nicht das Monster eines gräflichen Ehemannes hat, sondern einen Homme à femmes, der immer schwach wird, wenn die Weiblichkeit ihn aufs Korn nimmt (herrlich die Szene mit Susanne zu Beginn des dritten Aktes), und der grandseigneurale Spanier wird immer letztendlich liebenswert sein. Dass seine Stimme nicht mehr ganz den alten Glanz hat, mindert eine Leistung wie diese nicht.

Und da ist auch Golda Schultz als bezaubernde, kluge, schönstimmige Susanne, deren Figaro in Gestalt von Markus Werba hier mehr Stimme und Temperament bietet, als man es von ihm in Wien je live gesehen und gehört hätte.

Ganz besonders bezaubernd Marianne Crebassa (mit Bärtchen) als quirliger Cherubino, trotz der hohen Tessitura der Rolle mit dunkel marmorierter Stimme, ausgesprochen urkomisch die drolligen Nöte des Pagen verkörpernd.

Am Ende gibt es dann keinen Garten, sondern eine gewissermaßen verfremdete Theater-auf-dem-Theater-Szene (mit einem Kronleuchter aus der Strehler-Inszenierung als Referenz) zur allgemeinen Versöhnung, und alles, was an Mozart positiv ist, hat sich in dieser Aufführung realisiert.

Sie mag für Altmodische sein. Sie ist jedenfalls sehr schön.

Renate Wagner

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Mailand / La Scala

LE NOZZE DI FIGARO

Opera buffa in vier Akten nach einem Libretto von Lorenzo Da Ponte
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

Graf Almaviva Carlos Álvarez
Gräfin Almaviva Diana Damrau
Susanna Golda Schultz
Figaro Markus Werba
Cherubino Marianne Crebassa
Marcellina Anna Maria Chiuri
Don Bartolo Antonio Andrea Concetti
Don Basilio / Don Curzio Kresimir Spicer
Barbarina Theresa Zisser
Erster Bauer Francesca Manzo
Zweiter Bauer Kristín Sveinsdóttir

Orchester und Chor des Teatro alla Scala
Dirigent Franz Welser-Möst
Chorleitung Bruno Casoni
Regie Frederic Wake-Walker
Ausstattung Antony McDonald

Premiere: Mailand, 29. Oktober 2016

 

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