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DIE TRIBUTE VON PANEM – CATCHING FIRE

19.11.2013 | FILM/TV

Filmplakat Catching Fire x  FilmPlakat Tribute von Panem 2~2

Ab 21. November 2013 in den österreichischen Kinos
DIE TRIBUTE VON PANEM – CATCHING FIRE
The Hunger Games: Catching Fire  /  USA  /   2013
Regie: Francis Lawrence
Mit: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Donald Sutherland, Philip Seymour Hoffman, Woody Harrelson, Stanley Tucci u.a.

Es gibt kein „Was bisher geschah“ zu Beginn des zweiten Teils der „Tribute von Panem“, aber man erinnert sich zumindest in groben Zügen an den ersten Teil: Da hat Katniss Everdeen zusammen mit ihrem liebenswerten, charakterfesten Partner Peeta Mellark  die 74. „Hunger-Spiele“ gewonnen, die in ihrem totalitären Staat durchgeführt worden sind, aber ihr Herz gehört eigentlich dem attraktiven Gale Hawthorne. Aber sie leben nicht in einer normalen Welt, wo man diese Teenie-Geschichte mit Herz, Schmerz und den üblichen Ingredienzien ausleben könnte. Was die Jugendromane von Autorin Suzanne Collins von anderen Serien (ob Harry Potter, ob Vampire) unterschied, war die Tatsache, dass sie ihre jungen Helden in einen politischen Kontext stellt. Eine Welt von Terror und Gewalt, in der es heißt: mitmachen oder untergehen. Was jenen passiert, die als Zeichen des Widerstandes drei Finger heben, sieht man oft genug – weggeschleppt, meist auf der Stelle mit Genickschuß eliminiert… Keine angenehme Welt. Sie verlangt den Jungen an Bewährung, an Charakter und an Überlebenskünsten (samt Verstellung) alles ab.

Teil 2 beginnt nun damit, dass Katniss und Peeta als Aushängeschilder des Staates herumgereicht werden, im Luxuszug durch die einzelnen Distrike von Panem fahren und einer stumpfen Menge ein strahlendes Paar vorspielen sollen, das völlig systemkonform für Präsident Snow wirbt. Der ohnedies den Verdacht hegt, dass diese beiden jungen Leute nicht ganz so denken, wie es vorgeschrieben ist. Im Grunde stehen sie schon auf seiner Abschussliste…

Der Film, der mit vollen zweieinhalb Stunden lang ist, malt den Alltag in Panem aus, zwischen Elend und Glitzer-Fernsehshows, zwischen Intrigen auf hoher Ebene und der Ahnung von Widerstand im Untergrund, und er läuft darauf hinaus, dass Katniss und Peeta noch einmal zu Spielen antreten müssen – die 75. sollen besonders glanzvoll sein, indem die Sieger von früher gegeneinander antreten müssen. Was bedeutet: einander töten. Wieder muss Katniss ihren Bogen spannen, was sie bekannt brillant kann, was ihr aber ebenso zutiefst widerstrebt…

Wenn die auserkorenen Paare stehend auf ihren von Pferden gezogenen Wagen in die Arena vor dem hypertrophen Präsidentensitz  einfahren, um sich vor dem Präsidenten zu verbeugen ( was Katniss und Peeta dann übrigens nicht tun!), dann erinnert das bewusst an das Wagenrennen aus „Ben Hur“ und eine Welt, wo es wie bei den Gladiatorenspielen auf Leben und Tod geht. Regisseur Francis Lawrence gibt dem totalitären Ambiente sein Gewicht, muss aber vor allem zum Ende hin auf die „Action“ setzen – wenn die 12 Paare der einzelnen Distrikte in der Wildnis ausgesetzt werden und im Stundentakt tödlichen Bedrohungen ausgesetzt sind, giftigen Dämpfen, wilden Affen, Wasserfluten, Vögelschwärmen, die an Hitchcock erinnern…

Das Ende ist diesmal anders als sonst – denn die Spiele werden nicht zu Ende geführt. Der Widerstand hat einen erfolgreichen Schlag geführt: Aber Katniss vermisst Peeta und ihre Familie. Der Blick, mit dem sie am Ende in die Kamera sieht, zeugt davon, dass sie noch viel vor hat und eisern entschlossen ist, das durchzuziehen…

Die Rolle der Katniss hat die Karriere von Jennifer Lawrence „gemacht“, die mittlerweile einen „Oscar“ heimgeholt hat (für ihre Leistung in Silver Linings). All das ist nur ein Jahr her, aber dennoch wirkt sie seither ungemein erwachsen geworden. Sie darf auch in diesem Film mehr zeigen – großartig geschminkt und gekleidet (darunter in ein Hochzeitskleid, das ihr spektakulär am Körper abbrennt und einen dunklen Engel mit Flügeln aus ihr macht…), aber auch schlicht und einfach verzweifelt, weinend, mit verzerrtem Gesicht. Sie darf lieben und muss kämpfen, und wieder einmal dürfte sie es sein, die den Erfolg des Films entscheidet. Die beiden jungen Männer an ihrer Seite sind enorm sympathisch – Josh Hutcherson lässt immer den edlen Charakter des Peeta hervorschimmern, der nichts anderes will, als die geliebte Katniss zu schützen, und Liam Hemsworth (der Bruder von „Thor“ und „James Hunt“-Darsteller Chris Hemsworth) sieht umwerfend gut aus und ist sehr sympathisch, muss sich auch für seine politische Überzeugung die Haut vom Leib prügeln lassen…

Der Film bekommt viele interessante Akzente durch die Besetzung. Da sind die „Gefährten“ des jungen Paares, zwar offiziell abgestellt, aber doch Hilfe und nicht Gegner: Woody Harrelson wie so oft verstruppelt und versoffen, Elizabeth Banks als trippelndes Kunstgeschöpf im öffentlichen Dienst, das doch ein Herz unter all dem aufdringlichen Flitter zeigt. Der regelrecht „Böse“ des Geschehens ist Donald Sutherland als Präsident, der sich in der Öffentlichkeit mit großartiger väterlicher Geste präsentiert, aber hinter seinem Schreibtisch ohne die geringste Regung zu jeder Grausamkeit fähig ist… An seiner Seite ein undurchsichtiger Adlatus in Gestalt von Philip Seymour Hoffman. Stanley Tucci bietet wieder die Über-Drüber-Parodie eines schrillen Fernsehmoderators. Der Film spart nicht an darstellerischen Glanzlichtern. Und, das ist seine Stärke: Er erzählt wirklich eine Geschichte.

Übrigens: Wieder einmal soll der letzte Teil, um die Einnahmen zu verdoppeln, in zwei Filmen erscheinen – „The Hunger Games – Mockingjay“ („Flammender Zorn“) ist für 2014 und 2015 angekündigt.

Renate Wagner

 

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