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DIE BESTIMMUNG – DIVERGENT

07.04.2014 | FILM/TV

 FilmPoster Divergent

Ab 10. April 2014 in den österreichischen Kinos
DIE BESTIMMUNG – DIVERGENT
Divergent  /  USA  /   2014
Regie: Neil Burger
Mit:  Shailene Woodley, Kate Winslet, Theo James u.a

Es dürfte eine erwiesene Tatsache sein, dass junge Leute den Löwenanteil der Kinobesucher stellen. Identifizierung mit den Menschen und Problemen, die man auf der Leinwand sieht, ist ein wichtiger Faktor. Vielleicht gibt es darum so unendlich viele Teenie-Filme – aber eben nicht nur den High-School-Apple Pie-Blödsinn, sondern auch Ernsteres, das die Jungen vor schwere Probleme und Entscheidungen stellt. „Die Tribute von Panem“ waren das Paradebeispiel dafür. Tatsächlich wirkt „Divergent“ nach dem Roman von Veronica Roth wie ein bewusster Abklatsch dessen, der sich absichtlich nicht weit von dem Vorbild entfernt.

Wieder ist man in einer futuristischen Welt, die terroristische Züge trägt – also ganz, ganz düster (gut, dass wir alle dann schon tot sein werden). Man befindet sich zwar im erkennbar echten Chicago, dessen silbrige, schrecklich ratternde Hochbahnzüge spielen wiederholt auch mit, aber es ist eine in sich geschlossene, von einer Mauern umgrenzte Gesellschaft, die eisern über ihre Mitglieder entscheidet: Hier darf niemand über sein Leben bestimmen. Es gibt fünf Sektoren, innerhalb derer man existiert, und sobald junge Leute 16 Jahre alt sind, müssen sie eine dieser Welten wählen – und dann darin bleiben. Für Irrtum oder Individualität ist kein Platz. Ein bisschen willkürlich, die Sektoren – die Furchtlosen, die Selbstlosen, die Freimütigen, die Gelehrten und die Friedfertigen. Aber so ist es eben.

Unsere Heldin Tris Prior, die beim Eignungstest keine genauen Präferenzen zeigt (solche Menschen sind „divergent“,  gefährlich und stehen unter scharfer Beobachtung), schließt sich – obwohl sie unter den Friedfertigen aufgewachsen ist – den „Furchtlosen“ an, die eine Art Polizeitruppe stellen. Das bedeutet körperlich und geistig zweifellos die größte Herausforderung.

Der Film wirkt für seine zweieinviertel Stunden noch um einiges länger, als er ist, weil die übliche Situation im Trainingscamp, die Freundschaften und vor allem Feindschaften, die Zuneigung zum Trainer und die scharfen, teils lebensgefährlichen Auseinandersetzungen mit den Gegnern, thematisch so schematisch und so ausgeluscht sind. Wenn es am Ende dann in Richtung politischer Verschwörung geht, wird das Ganze einigermaßen konfus, aber man kämpft noch härter gegeneinander. Immerhin – hart geforderte Teenies, ein bisschen Gefühl, eine schäbige Welt der Zukunft, das alles hat Regisseur Neil Burger einigermaßen zusammen gefügt, ohne das ungeheuer Plagiathafte des Ganzen vermeiden zu können.

Wie vor einiger Zeit Jodie Foster in „Elysium“ eine gnadenlose Bestimmerin über Schicksale war, so ist es hier Kate Winslet, die zwar gelegentlich unter dem Blondhaar lächelt (oder so tut, als ob), aber keineswegs Zweifel aufkommen lässt, dass sie ein eisernes Regiment führt und keinerlei Abweichung duldet. Sie ist übrigens der einzige Starname in dem Film, aber es fällt auf, dass gerade diese auf Teenies zugeschnittenen Produkte nicht von bekannten Schauspielern leben – vermutlich kennen die jugendlichen Zuschauer diese gar nicht. Oder die Darsteller werden durch den Film berühmt, wie es ja Jennifer Lawrence nach den „Tributen von Panem“ schaffte…

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die tatsächlich 22jährige, aber durchaus jünger wirkende Shailene Woodley (vor drei Jahren als Tochter von George Clooney in „The Descendants“ erstmals auf der Leinwand) den Sprung zum Starruhm schafft, zumal es noch Fortsetzungen gibt, in denen sie sich entfalten kann. Sie ist der starke, gar nicht wehleidige Frauentyp, der die romantischen Schluchzerinnen auf der Leinwand abgelöst hat, und stellt sich auch den vielen, harten Kampfszenen, die ihr auferlegt sind, überzeugend. Und Theo James, der als Trainer so gnadenlos sein muss, glaubt man gerne, dass er tiefe Gefühle für sie hegt.

Das reicht wahrscheinlich für eine an sich dünne Story, deren politischer Impakt bescheiden ist, wenn er auch die ehrenwerte Aufforderung enthält, sich nicht alles gefallen zu lassen, was der Staat verlangt…

Übrigens: Die Fortsetzung „Insurgent“ ist angeblich schon in Arbeit, und „Allegiant“ wird auch noch kommen.

Renate Wagner

 

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