Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DER TEUFELSGEIGER

28.10.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Teufelsgeiger~1

Ab 31. Oktober 2013 in den österreichischen Kinos
DER TEUFELSGEIGER
Paganini: The Devil’s Violinist  /  Deutschland  /  2013
Regie: Bernard Rose
Mit: David Garrett, Jared Harris, Veronica Ferres, Christian McKay, Andrea Deck, Joely Richardson u.a.

Ja, man weiß es natürlich: Der „Paganini“-Film von Klaus Kinski war ein Desaster. Sicher, man kann schon wieder einmal versuchen, erneut ein Biopic über diesen Teufelsgeiger zu drehen, der die Welt im 19. Jahrhundert so verrückt machte wie sonst nur Franz Liszt am Klavier. Bloß – es ist schon wieder missglückt. Vielleicht entzieht sich das Thema einfach der Gestaltung?

Es gab vermutlich nur einen Grund, diesen Film überhaupt zu drehen: Dass mit David Garrett (trotz des englischen Namens ein Deutscher) ein Crossover-Künstler zur Verfügung steht, der dämonisch genug aussieht für unsere Vorstellung von einem Paganini und der gut genug (mehr als gut genug) Geige spielt, um hier nichts peinlich markieren zu müssen. Aber ein Musiker muss kein Schauspieler sein – kurz, Garrett ist als solcher nicht überzeugend, und da nebenbei das Drehbuch völlig einbricht, ist der ganze Teufelsgeiger-Mythos auf der Leinwand nur fauler Zauber.

Gegen Bernard Rose kann man nichts sagen, der Brite hat – neben anderem, Tolstoj-Verfilmungen beispielsweise – auch schon einen Streifen über Beethoven gedreht. Sein Drehbuch ist allerdings recht kopflastig britisch ausgefallen. Und es fragt eigentlich nie nach Paganini selbst, entfesselt nur eine Menge aufgeregter und unwichtiger Handlung rund um ihn.

Erste Vorgabe: Paganini hat einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Aber wenn dieser aussieht wie der verschrumpelte Jared Harris: Wie aufregend ist das? Dann erlebt man, wie er von einem englischen Impresario nach London gelockt wird, sich in dessen Tochter verliebt, Erfolge und Misserfolge hat, bis es dann holterdipolter über Jahrzehnte hinweg dem Tod zugeht. Schon? denkt man, aber es sind mehr als zwei Stunden vergangen, die  schlecht genützt wurden.

Das Ganze ist von Produktion und Herstellung her eine Wien- und deutschlastige Geschichte, denn selbst das „Londoner“ Theater, in dem Paganini konzertiert, ist unschwer als Theater an der Wien zu erkennen (und auch sonst ist man ununterbrochen bei den Schauplätzen „zuhause“, wenn sie auch immer etwas anderes darstellen sollen). Österreichische und in Österreich ansässige Schauspieler zu Hauf – für eine Szene sitzt Karlheinz Hackl an einem Tisch, Jack Babb vom ehemaligen International Theatre gibt einen hochnäsigen Diener. Er tut sich leicht, der Film wurde nämlich Englisch gedreht, und manchen kommt das gar nicht leicht von den Lippen: Veronica Ferres etwa, die sich eine Nebenrolle geangelt hat, nebenbei als Produzentin fungiert und damit eigentlich nur beweist, dass es mit der Karriere nicht mehr so gut läuft, sonst tut man sich ein solches Projekt nicht an… Helmut Berger, aufgequollen, muss freilich froh sein, wenn man ihn überhaupt noch vor die Kamera lässt.

Da man den Film vermutlich international verkaufen will, sind auch einige Briten dabei, etwa Joely Richardson in der unbedeutenden Rolle einer Journalistin. Christian McKay wird nie wieder eine Herausforderung bekommen wie den Orson Welles („Ich und Orson Welles“), der ihm auf den Leib geschrieben schien – hier ist der zapplige Agent mit den vielen Problemen weit weniger dankbar. Andrea Deck spielt seine Tochter, die Sängerin wird und in die Paganini sich verliebt, womit der Film sich auf eine triviale Episode im Leben des Künstlers (ob echt, ob nicht echt, wen interessiert’s) reduziert. Wäre es nicht spannender gewesen, den Mann zu Napoleons Schwester nach Lucca zu schicken wie in der Operette?

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken