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DER NÄCHSTE, BITTE!

18.03.2013 | FILM/TV

Ab 22. März 2013 in den österreichischen Kinos
DER NÄCHSTE, BITTE!
Un plan parfait / Frankreich /  2012
Regie: Pascal Chaumeil
Mit: Diane Kruger, Dany Boon u.a.

Was man sich so alles ausdenkt, um die Voraussetzung für eine Lustspielhandlung zu gewinnen. Da sitzen sie am Familientisch und erzählen sich Familiengeschichten – vor allem über die seltsame Regelmäßigkeit, dass alle Frauen des Hauses erst in ihren zweiten Ehen glücklich geworden seien. Das heißt, wenn Isabelle ihren Traummann heiraten will, muss sie vorher einen anderen ehelichen (und sich gleich wieder scheiden lassen) – sonst klappt’s nicht. In Rückblenden sieht man dann, wie es gelaufen ist. Turbulent jedenfalls.

Immerhin spielt Diane Kruger die Isabelle, und die ist nicht nur eine schöne Blonde, sondern hat auch Charme und Witz und wo es nötig ist Bosheit – oder auch Warmherzigkeit. Ein schönes Paket von einer Frau, die allerdings in böser Absicht unterwegs ist: Angeblich geht das Heiraten und Scheidenlassen in Dänemark ganz schnell, also sitzt sie im Flugzeug dorthin und sucht sich bereits ein Opfer. Als man Dany Boon erblickt, Frankreichs derzeit reizvollsten Komiker, ist die Sache gelaufen. Bei so viel Charisma beiderseits (im Vergleich, welche leeren Gesichter etwa in einem amerikanischen Film dieser Art auftauchen könnten) bleibt der Zuschauer mühelos bei der Stange.

Isabelle lässt Jean-Yves, den durchaus widerstrebenden Verfasser von Reisebüchern, nicht mehr von der Leine, wobei er sich angesichts ihrer wirklich penetranten Avancen anfangs ziemlich begriffsstutzig anstellt. Sie folgt ihm unter lächerlichstem Vorwand nach Kenia, es gibt irgendeine Art Hochzeit in einer Massai-Hütte, dann ist er zur Zweisamkeit bereit – und sie will ihn nur noch loswerden.

Freilich, für sensible Betrachter ist der Film nicht ausschließlich unbeschwert komisch: Wie Isabelle ihren Jean-Yves in Paris so versetzt, dass er sie möglichst nicht wieder finden kann, erinnert daran, dass es wenig Brutaleres gibt als die Welt der Gefühle. Und man würde sich wirklich für Jean-Yves kränken, wenn dieser nicht doch einige Kreativität aufwendete, seine Frau wiederzubekommen (wobei offen bleibt, wie viel er von ihren grausamen Spielchen in diesem Stadium begreift). Nächste Station: Russland, wo – wieder ein recht bösartiger Schachzug – Isabelle sich so scheußlich aufführt, dass Jean-Yves gezwungen werden soll, die Ehe auflösen zu wollen…

Was soll man mehr erzählen? Dass der Liebhaber, für den man all das tut, aus irgendeinem Grund nicht mehr so erstrebenswert erscheint (er ist auch ein allzu gelacktes Exemplar seiner Gattung), der Mann, den man loswerden und dann doch behalten möchte, aber seinerseits nicht mehr will, nächster Schauplatz: Normandie… da wird frau dann zur Bittstellerin.

Am Happyend wird ohnedies keiner zweifeln, die Geschichte ist nicht aufregend, aber von Regisseur Pascal Chaumeil hübsch erzählt, und für die wahren Witze sorgen die sarkastischen Bemerkungen am Familientisch, wenn wieder einmal das Durchackern von anderer Leute Beziehungen angesagt ist: Das gehört ja zur menschlichen Lieblingsbeschäftigung.

Unter die großen französischen Komödien wird man den Film nicht eben einreihen, aber wenn man sich einfach mal im Kino unterhalten will, ist es keine schlechte Wahl: Dany Boon, der so herrlich töricht dreinsehen kann, ist nun einmal ein Genuß.

Renate Wagner

 

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