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DER HOBBIT: SMAUGS EINÖDE

10.12.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Hobbit 2~1

Ab 12. Dezember 2013 in den österreichischen Kinos
DER HOBBIT: SMAUGS EINÖDE
The Hobbit: The Desolation of Smaug  /  USA, Neuseeland  / 2013
Regie: Peter Jackson
Mit: Martin Freeman, Ian McKellen, Orlando Bloom, Richard Armitage, Luke Evans, Evangeline Lilly u.a.

 Auch wer kein Tolkien-Leser ist, weiß es inzwischen: Wir sind unter Zwergen, Drachen, Elben und allem, was Kinderbuch-Geschichten bieten, aber der Anspruch der Romane von J.R.R. Tolkien ist großes Welttheater. Nicht nur für den „Herrn der Ringe“, auch für die „Hobbit“-Vorgeschichte, die sich Regisseur Peter Jackson gleichfalls hergenommen hat und die nun – als „Weihnachtsfilm“ – mit ihrem Teil 2 in die Kinos kommt. Zweieinhalb Kinostunden mit einem Overkill an Action und Lärm, gigantischen Kamerafahrten, wahnwitzigen Schnitten, unglaublichen Effekten, dass Kopfweh und Bewunderung für die Machart sich die Waage halten…

Nur kurz rekapituliert: die Geschichte von „Hobbit“ spielt vor dem „Herrn der Ringe“, der Hobbit (eine kleinwüchsige Menschensorte, die Tolkien erfand) Bilbo Baggins wurde von dem Zauberer Gandalf dazu verdonnert, den Zwergen dabei zu helfen, ihr vom Drachen geraubtes Königreich wieder zu erobern. In Teil 1 haben sich alle unendlich langsam und filmisch etwas mühsam in Bewegung gesetzt. Aus schlechten Kritiken gelernt, geht es nun wild zu, wenn auch die reale Handlung nicht überwältigend reichhaltig ist (und Gandalf – der wunderbare Ian McKellen – sich leider aus der Haupthandlung entfernt und nur sporadisch da ist). Aber bitte…

Sie wandern und wandern also, wobei die Zwerge nicht Otto Waalkes ähneln, sondern skurrile ältere Herren sind – mit einem ausgesprochen feschen König: Man glaubt Richard Armitage mit seinem Heldenumriss auch nicht so richtig, dass er klein ist, obwohl man ihn sehr geschickt so hinstellt…

Hobbit Blumenwald

Wir wandern, wir wandern mit ihnen, den ganzen langen Film hindurch, und die hässlichen, weißgesichtigen, grölenden Orc-Monster, an die man sich wohl erinnert, sind immer auf den Fersen unserer drolligen Schar. Im Wald – wo Bilbo in einer unvergesslichen Szene über die Wipfel kriecht und sich von einer Orgie herrlich-farbigen Herbstwalds und Schmetterlingen umgeben sieht – werden dann Riesenspinnen noch um einiges gefährlicher (und die Herrschaften an den Computern sind voll am Zaubern der Special Effects, die so natürlich und selbstverständlich wirken sollen…).  

Wenn die Elben auftauchen, hat der Film in Gestalt von Orlando Bloom (der sich seit einigen Jahren im Kino rar macht) ein Stargesicht, ohne das auch ein solches Unternehmen nicht auskommt, wenn die Rolle des blonden kämpferischen Jünglings auch nicht besonders wichtig ist. Da hat eine junge Dame namens Tauriel („Lost“-Star Evangeline Lilly) schon mehr zu vermelden, die sich im Lauf der Handlung in einen der Zwerge verliebt – der ist allerdings jung, gut aussehend und „für eine Zwerg gar nicht klein“. Da wird dann vermutlich in Teil 3 noch nachgefasst.

Nächster Handlungsschwerpunkt (man holtert und poltert von einem zum anderen, nicht durch überragende Logik aneinandergebunden, oft eher konfus) besteht darin, einen See zu überwinden und in die Lake City zu geraten: Luke Evans (zuletzt einer der drei Musketiere im Kino) spielt den Bootsmann, der die Zwerge mit allerlei Tricks in die seltsame Stadt bringt, die halb mittelalterlich, halb mit Wikinger-Emblemen versehen ist und jedenfalls von einem skurrilen Bürgermeister in Gestalt von Stephen Fry tyrannisiert wird. Unsere Zwerge und unser Hobbit landen da zeitweise in großen Fässern – was ist angenehmer, sie mit einer Ladung stinkender Fische zu teilen oder in ebendiesen Fässern (ohne Fische) gleich einen Wasserfall hinunterzurasen? Immerhin, es ist unterhaltend anzusehen.

Nun nähert sich der Film, der einem bei aller Liebe für die zahllosen Details schon recht lang wird, seinem Höhepunkt, und nun darf auch unser Hobbit in Gestalt des so ungemein „stimmigen“ Martin Freeman ganz in den Mittelpunkt treten. Nicht nett von den Zwergen, gerade ihn dem Drachen Smaug entgegen zu schicken, aber so steht es nun einmal im Buch.

Hobbit Drache

Der Drache wohnt in einer Höhle und bewacht einen Schatz (und wie sehr Richard Wagner in dieser Tolkien’schen Mythenwelt grüßen lässt, wurde ja schon zahllose Male festgestellt). Er ist von der Machart vielleicht die einzige Enttäuschung des Films, denn in einer überlangen Szene, in der er den armen Hobbit herumjagt und seine Psychospielchen mit ihm spielt, verhält er sich optisch eher konventionell und einförmig. Aber die Sprache, wenn man den Film im Original sieht! Hier bekommt Watson seinen Holmes wieder – man darf sich erinnern, dass Martin Freeman im Fernseh-„Sherlock Holmes“ der nette Dr. Watson zum hintergründigen Holmes von Benedict Cumberbatch war. Und dieser schnurrt und knurrt, kräht und höhnt den Smaug, dass es nur so ein Vergnügen ist.

Ja – und dann ist es plötzlich aus. Smaug konnte nicht besiegt werden, spannt weit die Flügel aus und fliegt davon, mit dem nicht unglaubhaften Hinweis, das Böse auf der Welt sei nicht zu beseitigen… Einen Film-Teil haben Hobbit, die Zwerge und Peter Jackson noch, wenigstens für die „poetic justice“ zu sorgen, wenn es schon mit der wahren Gerechtigkeit auf Erden nicht so gut bestellt ist. Für dergleichen sind ja die großen Mythen auch da.

Renate Wagner

 

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