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DER DIEB DER WORTE

14.07.2013 | FILM/TV

 

Ab 19. Juli 2013 in den österreichischen Kinos
DER DIEB DER WORTE
The Words  /  USA  /   2012
Regie: Brian Klugman, Lee Sternthal
Mit: Bradley Cooper, Jeremy Irons, Dennis Quaid, Zoe Saldana, Olivia Wilde u.a.

Kaum zu erklären, warum der Beruf des Schriftstellers so romantisiert wird. Selbst wenn man – wie in diesem Film – die Schwierigkeiten aufblättert, die dieses Leben stellt, wirkt es noch großartig. Dabei ist man beim Schreiben einsam, komplexbehaftet, am Rande seiner Nerven, und wenn man das Buch zwischen Deckeln in den Buchhandlungen sehen will, in Verzweiflung über die Leute, die man überzeugen muss (und wieder am Rande seiner Nerven). Aber im Kino macht sich das gut. Dieser Film verstrickt allerdings Kompliziertes weiter – bis es so kompliziert ist, dass man Mühe hat, sein Interesse aufrecht zu erhalten.

Es geht nicht um einen Schriftsteller, es geht um drei – zumindest um drei Ebenen, und wie das so ist bei Literatur, verfilzt sich die (scheinbare) Realität mit dem Fiktiven. Also zuerst die Rahmenhandlung: Da ist Dennis Quaid mit seinem üblichen unverschämten Grinsen der erfolgreiche Schriftsteller, nennen wir ihn  Autor 1, der herumgereicht wird (Groupies gibt es immer, die bis zum Äußersten gehen, hier ist es Olivia Wilde, die als Zuhörerin fungiert). Er erzählt von einem Roman, der von – ja, wovon wohl: von einem Schriftsteller handelt. Und dieser hat, sonst wäre es ja nicht interessant, ein arges Problem.

Also: Im Roman spielt Bradley Cooper den Schriftsteller, nennen wir ihn Autor 2, und er hat in Zoe Saldana eine besonders schöne und auch verständnisvolle Frau, wenn es um seine Schreibhemmungen etc. geht. Die nun folgende Idee ist absolut nicht neu: In Romanen finden sich immer wieder einmal die unveröffentlichten Manuskripte anderer, die natürlich von höchster Qualität sind und derer man sich bedienen kann (von seinem Schöpfer in einer alten Ledertasche vergessen, die dann durch Zufall im Antiquitätenladen erworben wird)…

 

So wird Autor 2 mit dem fremden Text berühmt (belügt aber neben allen anderen auch seine Frau über seine Autorenschaft!), man lobt ihn in höchsten Tönen – aber es ist natürlich unvermeidlich, dass er auf einer Parkbank einem alten Mann begegnet (das ist dann mit Jeremy Irons die höchste Besetzung), den man Autor 3 nennen kann – und er hat das Buch geschrieben, mit dem Autor 2 berühmt wurde… (Da gibt es dann auch noch Rückblenden, wo der alte Mann ein junger Mann [Ben Barnes] ist und seine Geschichte erzählt – aber das geht schon ein bisschen sehr weit.)

Und weil man ja vielleicht selbst ein erfahrener Leser ist (und auch angesichts der Tricks von Drehbuchautoren nicht ganz naiv), fragt man sich natürlich, ob Autor 1 (man erinnert sich: Dennis Quaid) mit der Geschichte von Autor 2 und dessen Problemen mit Autor 3 – vielleicht seine eigene Story erzählt…? Irgendwo geht es natürlich um die Gier nach Geld und Ruhm – und um so schlichte Dinge wie Anstand und  Korrektheit, das erzählt sich durchaus auch hier.

Ist es ein Kompliment, wenn man etwas „literarisch“ nennt? In einer Buchkritik ist es ein hohes Lob. Für einen Film schon weniger. Da haben sich Brian Klugman & Lee Sternthal als Drehbuchautoren- und Regie-Team eigentlich mehr um kunstvolle Verschachtelungen gekümmert als um eine Geschichte, die ein normales Publikum interessieren könnte. Immerhin, gespielt wird exquisit. Und dergleichen schlägt ja auch – zu Buche.

Renate Wagner

 

 

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