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DAMPFNUDELBLUES

30.07.2013 | FILM/TV

 

Ab 1. August 2013 in den österreichischen Kinos
DAMPFNUDELBLUES
Deutschland  /  2013 
Regie: Ed Herzog
Mit: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Robert Palfrader, Nina Proll, Maria Hofstätter u.a.

Ein kleiner historischer Exkurs zu Beginn. Als der spätere Kaiser Joseph II., damals noch Erzherzog Joseph, zu seiner prunkvollen Krönung zum Römischen König nach Frankfurt reiste, machte er auch in Bayern Station. Dort vermerkte er in einem Brief an seine Mutter (im Original französisch), dass die anwesenden hochadeligen Damen „kein anderes Gesprächsthema“ hatten „als die Dampfnudeln, die tatsächlich ausgezeichnet waren“. (16. März 1764) Und der Ruhm dieser deftigen bayerischen Mehlspeise reicht sicher noch länger zurück als zweihundertfünfzig Jahre…

Der „Dampfnudelblues“, der schon vom Titel her die Dumpfbacken assoziieren lässt, die hier überaus ergötzlich über die Leinwand spazieren, spielt in Niederkaltenkirchen, ob es das in der Realität gibt oder nicht – auf der Leinwand lebt man richtiggehend hier mit, obwohl ein „Dorf“ heutzutage ja nicht mehr wie ein solches aussieht, sondern wie eine reizlose Vorstadtsiedlung. Dort malt man dem Schuldirektor auch auf gut Bayerisch lapidar „Stirb du Sau’“ an die Wand, was Franz Eberhofer, seines Zeichens der Dorfpolizist, nicht weiter erschüttert. Man weiß ja eh, dass niemand den Direktor leiden kann…

Dieser Franz Eberhofer ist der unpathetische, langsame, aber keinesfalls blöde „Held“ dieser Geschichte, tief verankert in der kleinen Welt, in der er lebt. Trotz nicht mehr ganz jugendlichen Alters zuhause bei Papa (ein Ex-Hippie, der seinen privaten Vorrat an Dope selbst züchtet), bei Oma, die so herrlich kocht, und wenn man den Bruder und dessen asiatische Frau zu Gast hat, mag der Franz den Trottel (den Bruder nämlich) gar nicht so sehr. Nur die halb-asiatische Baby-Nichte, mit der ist es gegenseitige Liebe auf den ersten Blick. Schwerer hat es der Franz mit den zwischenmenschlichen Beziehungen – er schafft es doch, seiner  Freundin Susi im Bett so ungalant zu kommen, dass diese wütend in den Italienurlaub abpascht. Ohne ihn.

Berufliche Probleme gibt es auch, vor allem als Exfreund und –Kollege Rudi Birkenberger auftaucht: Einst sind die beiden gemeinsam abgestraft worden, Rudi ganz von der Polizei geschaast, Franz nur von München in sein Heimatdorf versetzt. Aber der Rudi möchte so gern wieder Polizist sein, und die Gelegenheit ergibt sich früher, als man denkt.

Denn abgesehen vom Polizeialltag (die immer wieder  geprügelte Frau, die man geduldig ins Spital bringt, die besoffene Fußballmannschaft) gibt es einen ungeklärten Todesfall: Der unsympathische Schuldirektor wird erst vermisst (da findet ihn der Franz in der Badewanne mit seltsamen Wundmalen am Körper), aber dann ist er wirklich tot. Schnell wird allseits, damit es keine Schwierigkeiten gibt, Selbstmord beschlossen. Nur der Franz mag das nicht glauben, Rudi unterstützt ihn… na, da wird aus der anheimelnden bayrischen Geschichte tatsächlich noch ein Krimi. Dabei wäre man ja mit der Milieuschilderung, die doch um einiges über platte Fernsehklischees hinausgeht, schon hoch zufrieden.

Der Film basiert auf Krimis der Autorin Rita Falk, die ihren Franz Eberhofer schon einige Bücher lang erfolgreich ermitteln lässt (immer mit etwas Kulinarischem im Titel!), und da dieser mit Sebastian Bezzel (Original-Bayer und „Tatort“-bekannt an der Seite von Eva Mattes) so schlechtweg ideal besetzt ist, steht vielen Fortsetzungen, auf die man sich freut, nichts im Wege, denn Regisseur Ed Herzog kriegt Hinterfotzigkeit und Krimispannung perfekt in den Griff. Zumal noch ein paar herrliche bayerische Originale herumwieseln wie die Oma der Ilse Neubauer oder der im Dauerdunst schwebende Papa des Eisi Gulp – genussreich!

Sehr schön und ausdrucksstark der österreichische Beitrag zur Darsteller-Riege: Simon Schwarz als der lästige, aber im Endeffekt äußerst nützliche  Rudi, Robert Palfrader als wahrer „Ungustl“ von einem peniblen Schuldirektor, dem man die Sado-Maso-Folterkammer im Keller ohne weiteres glaubt. Nina Proll als seine schnippisch-abwehrende, aber dann auftauende Schwester. Maria Hofstätter schließlich, Ulrich Seidl-bekannt, gibt eine vielfach geprügelte Frau, die ihren Peinigern schließlich ein paar Flaschen über die Köpfe zieht. Als sie auf die Frage, ob sie tot seien, die Antwort „Wohl net“ erhält, meint sie lapidar: „Schad’.“

Krimis gibt es ja nun schon in allen Regionen, aber dass der Bayern-Krimi als besonders behagliches Exemplar der Gattung gern kinomäßig ausbaufähig ist, bestätigt man diesem Film gerne. Fazit: Bayern ist ein Wohlfühlland. Ab ins Kino!

Renate Wagner

 

 

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