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ASTERIX & OBELIX – IM AUFTRAG IHRER MAJESTÄT

14.10.2012 | FILM/TV

Ab 19. Oktober 2012 in den österreichischen Kinos
ASTERIX & OBELIX – IM AUFTRAG IHRER MAJESTÄT
Astérix et Obélix : Au service de sa Majesté / Frankreich / 2012
Regie: Laurent Tirard
Mit: Edouard Baer, Gérard Depardieu, Catherine Deneuve, Dany Boon u.a.

Solange Gerard Depardieu bereit ist, seinen im Leben schon imposanten Umfang noch bis zur Lächerlichkeit zu erweitern und einen grotesken Helm auf eine Zöpfchenfrisur zu setzen, kurz, Obelix zu sein, wird es vermutlich weitere Asterix-Realfilme geben. Wobei das Ganze nicht mehr so einfach ist, denn erstens sind die „echten“ Geschichten der Comics – die kleinen Gallier gegen die großen Römer – ausgekostet und schon auf der Leinwand, und zweitens ist der Serie ihr darstellerisches Titelhelden-Atout abhanden gekommen.

Zwei Filme lang (Asterix und Obelix gegen Caesar, 1999, und Asterix & Obelix: Mission Kleopatra, 2002) gab der herrlich groteske Christian Clavier den kleinen Gallier, war aber klug genug, dann das Handtuch zu werfen. In Film drei, den „Olympischen Spielen“  2008 (als Alain Delon sich herabließ, Julius Caesar zu blödeln, und „Schumi“ auf die Leinwand kam), wurde er durch Clovis Cornillac ersetzt, der wohl nicht überzeugt hat. Denn nun, beim vierten Realfilm, ist es Edouard Baer, der versucht, die ganze Zeit von oben herab zu lächeln – und das allerin macht noch keinen Hauptdarsteller. Wetten, dass es beim nächsten Film den nächsten Asterix gibt?

Wenn den Drehbuchautoren da noch etwas einfällt, denn sie tun sich diesmal schon sehr schwer, eine James-Bond-Parodie auf die alten Kelten zu drücken und sie mit den Briten, die natürlich eine „Queen“ haben, gegen die Römer zu verbünden. Die Engländer sprechen in der französischen Originalfassung Französisch mit dickem englischem Akzent (den Akzent wird man in der deutschen Fassung wohl beibehalten haben), und ungeachtet einer absolut wirren Handlung, die viel zu viele Stränge aufweist, gibt es ein paar halbwegs reizvolle Aspekte – die 3 D-Technik (schon wieder und warum?) gehört nicht dazu, die kann ja doch höchstens bei der ultimativen Action prunken.

Vielleicht können die Franzosen über die englischen Eigenheiten noch immer lachen (und umgekehrt) – jedenfalls läuft in der Geschichte am Rande ein geflüchteter Inder mit, der den Briten am Ende den Tee bringt. Obelix lernt von einer englischen Gouvernante (Valérie Lemercier), was eine strenge Herrin ist, ein gallischer Taugenichts (Vincent Lacoste – ganz die heutige Jugend) erlebt Schreckliches mit Piraten, die wie Wikinger aussehen (und eigentlich in der Geschichte ganz überflüssig sind). Very british ist der britische Queen-Berater Teefax (Guillaume Gallienne), und auch Julius Caesar ist nicht schlecht besetzt, zwar nicht direkt mit Delon, aber Fabrice Luchini ist auch kein Fliegengewicht. Und als ganz doofer Normanne erscheint noch Dany Boon (auf den ersten Blick kaum zu erkennen) in einer Mini-Rolle. Ein Durcheinander, das von Regisseur Laurent Tirard nicht eben genial gemixt wird.

Aber schließlich prunkt das Ganze enorm mit Catherine Deneuve, die man  für die Rolle der Queen gewinnen konnte. Und da ist – neben dem nicht sehr profilierten Asterix – natürlich immer Gerard Depardieu als Obelix. Er muss nicht viel mehr tun als töricht dreinzusehen, und das macht er unwiderstehlich. Wer also nicht zu viel erwartet und Spaß an guten Schauspielern hat – diesmal geht’s noch, auch wenn’s ein Asterix mit Mini-Titelhelden ist.

Renate Wagner

 

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