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AM SONNTAG BIST DU TOT

24.11.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Am Sonntag bist du tot~1

Ab 28. November 2014 in den österreichischen Kinos
AM SONNTAG BIST DU TOT
Calvary  /  GB  /   2014
Drehbuch und Regie: John Michael McDonagh
Mit: Brendan Gleeson, Chris O’Dowd, Kelly Reilly u.a.

Ein gewaltsamer Tod wird angekündigt, und das zu einem ganz exakten Termin, beispielsweise: nächster Sonntag! Du hast genau eine Woche, dann… Wenn das keine Krimi-Vorgabe ist! (War übrigens schon öfter da.) Diesmal allerdings wurde eine ganz besondere Geschichte daraus. Der Mann, dem der Tod angekündigt wird, ist ein wirklich bis in die Knochen anständiger katholischer Priester. Und sterben soll er dafür, was seine Berufsgenossen einst einem kleinen Jungen angetan haben, der nun als Erwachsener seine Aggressionen mit einer sinnlosen, aber für ihn wohl befreienden Gewalttat abreagieren will… Den „guten“ Priester hat er sich ausgesucht, weil der wahre Täter längst tot ist. Das ist so perfide wie glaubhaft.

Der Name McDonagh (Briten irischer Abstammung) steht für Qualität: Martin McDonagh ist ein Dramatiker, dessen Stücke mit ihrer Kraft die Bühnen sprengen. Bruder John Michael McDonagh ist Drehbuchautor und Filmemacher von gleich hartem Zugriff. Zuletzt, bei „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“, durfte man ja noch lachen. Wenn man sich nun mit Father James Lavelle eineinhalb bedrückende Stunden lang in einen kleinen irischen Ort irgendwo an der Küste begibt, vergeht einem das Lachen.

Gleeson 400

Erste Szene: Im Beichtstuhl. Allein wie Brendan Gleeson, der aufrechte Priester, hier sein Todesurteil empfängt, ist darstellerisch eine singuläre Meisterleistung – aber man weiß ja, was man an diesem Schauspieler hat, der er alles kann, dem man alles glaubt. Auch den Gottesmann, der jetzt natürlich nicht um Hilfe rufend zur Polizei laufen kann, sondern zweierlei tun muss – den Mann, der ihn bedroht, erkennen (das war nämlich im Schutz des Beichtstuhls nicht möglich) und mit ihm sprechen; und für den Fall des Falles in seinem Leben Ordnung machen.

Was nicht so schwer ist – mit seiner Tochter (Kelly Reilly) aus Vor-Priester-Zeit steht er im Grunde auf ganz gutem Fuß, wenngleich sie ein zerrüttetes Geschöpf ist. Mit sich selbst ist er so weit auch im Reinen. Nur sterben will er nicht unbedingt… Gleeson spielt den starken Mann, der fest auf seinen Beinen steht, aber auch den sensiblen, der sehr wohl Mitgefühl für seine (gefährlichen) Mitmenschen empfindet…

Wir sind mit Father James Lavelle, wenn er die wichtigen Männer des Ortes abklappert, die es teilweise durchaus an Respekt vor ihm fehlen lassen: Irland ist auch nicht mehr, was es war, zumindest in Bezug auf den Katholizismus. Da ist zu viel geschehen, als dass das Prestige der Kirche unbeschädigt geblieben wäre. Natürlich marschiert da eine Schar ganz scharf gezeichneter Typen durch den Film – und die Spannung ist durchaus gegeben: Mit Lavelle sieht man jeden prüfend an und versucht zu entscheiden: Bist du es?

Dabei gleitet der Drehbuch / Regisseur nie in die wohlfeile Satire oder gar Kleinstadt-Groteske ab (auch wenn es den Suff und die Rauferei im Pub natürlich gibt), das wäre zu billig. Da spürt man wirklich: Er ist den Menschen auf der Spur. Und da ist das Hintergründige (so gut wie jeder hat etwas zu verbergen) weniger lustig als bedrohlich. „Calvary“ heißt der Film im Original – auf seinem persönlichen Kreuzweg wird der Priester wahrlich verspottet und gequält. Und am Ende… da erwägt er die Flucht an jenem Sonntag nur kurz. Dann stellt er sich seinem Schicksal.

Der Film ist radikal bis zuletzt. Es ist schließlich Kino, und irgendwie versprüht dieses Genre immer noch das Flair, dass die Dinge hier gut ausgehen sollen / müssen. Diesmal kann man sich absolut nicht darauf verlassen… und das macht die Geschichte noch stärker. Ein kleines Meisterstück in sich.

Renate Wagner

 

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