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96 HOURS – TAKEN 2

09.10.2012 | FILM/TV

Ab 12. Oktober 2012 in den österreichischen Kinos
96 HOURS – TAKEN 2
Taken 2  /  Frankreich  /  2012 
Regie: Olivier Megaton
Mit: Liam Neeson, Famke Janssen, Maggie Grace, Rade Serbedzija u.a.

Der Franzose Luc Besson, einst mit „Subway“, „Nikita“ oder „Leon“ ein Regisseur der chicen Krimis, hat sich von dieser Tätigkeit weitgehend zurückgezogen – und wenn, dann produziert er eher sanften Kitsch wie zuletzt mit „The Lady“, den Film über die burmesische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Unermüdlich ist er hingegen als Produzent, wenn er sich da auch (etwa mit dreimal dem „Transporter“) den Ruf eingehandelt hat, so echten Euro-Action-Trash auf die Leinwand zu bringen, für den er meist selbst die Drehbücher nach Schema F verfasst.

Sicherlich, auch „96 Hours – Taken“ war 2008 ein Film dieser Art, aber funktionierte nicht zuletzt deshalb, weil man mit einiger Überraschtheit Liam Neeson den Superagenten, der seine Tochter aus den Händen albanischer Mädchenhändler rettet, mühelos glaubte. Und wo ein großer Erfolg ist, ist auch eine Fortsetzung – und wie man hört, hat „Taken 2“ in den USA auch gleich die Spitze der Charts erklommen…

Warum auch nicht. Die Sache ist nämlich gut gemacht, wenn auch dermaßen auf dem Reißbrett, dass man richtiggehend merkt, wie genau jeder Effekt berechnet wurde. Und was echte Überraschungen oder gar Glaubwürdigkeit angeht, würde man die Latte eher tief legen. Aber die Geschichte ist schlechtweg spannend – und Neeson ist ein Schauspieler von solcher Präsenz, dass man einfach an seiner Person und damit bei der Sache bleibt. Und sich am Ende in Wohlgefallen selbst bestätigt, dass man sich eineinhalb Kinostunden schlechtweg gut unterhalten hat. Auch wenn Regisseur Olivier Megaton nie mehr als gekonnte Routine liefert.

Man soll ein Winning Team nicht ändern, also ist Liam Neeson wieder Ex-Agent und gelegentlicher Bodyguard Bryan Mills, umgeben von einer Schar Männerfreunden, die wie harmlose Pensionisten aussehen, aber im entscheidenden Fall mit einem Telefongespräch Dinge bereinigen können. Er ist weiters der sehr eifersüchtige, ärgerlich überaktive Vater einer Tochter (Maggie Grace) und liebevoller Exmann einer nervösen Gattin (Famke Janssen – viel Geld hat man auf die Besetzung der Frauenrollen nicht aufgewendet).

Und weil man sicher sein kann, dass Besucher dieses Films „Wiederholungstäter“ sind, die den ersten Teil gesehen haben, schließt diese Fortsetzung einfach ein paar Jahre später an die erste Geschichte an: Der von Mills damals getötete Kidnapper hat einen mächtigen Vater (Rade Serbedzija ist derzeit für markige, unübersehbare, starke Ostblock-Gangster zuständig), der geschworen hat, den Tod des Sohnes zu rächen. Praktischerweise kann man dazu den Schauplatz Istanbul genießen – es muss, das gehört zu dieser Art von Filmen (nicht nur bei James Bond, da sind es dann stets zahlreiche exotische Orte), zumindest eine Stadt sein, die den Amerikanern gefällt. Und Mills lädt nach einem Einsatz für einen arabischen Prinzen Exfrau und Tochter ein, mit ihm ein paar unbeschwerte Tage am Bosporus zu verbringen. Das kann man sich vorstellen… denn die Albaner sind schon da und liegen auf der Lauer.

Gekidnappt wird in diesem Fall er samt Gattin, während Töchterchen nun die nicht allzu glaubhafte Aufgabe hat, laut Papas Anweisungen am Handy (wirklich erstaunlich, was der Mann alles über seine Umgebung weiß, wenn er gefesselt in einer Garage hängt) ihn und die Mama zu finden und irgendwann auch – ohne Führerschein – eine Autojagd durch die engsten Gässchen der Stadt zu bestreiten, die es mit jeder Achterbahn aufnehmen kann.

Wie gesagt: Glaubwürdigkeit null, aber man kann sich ja auch als Kinobesucher einen Spaß machen und es billig geben. Neeson ist gut und Istanbul ist schön. Oft kriegt man für den Preis einer Kinokarte weniger.

Renate Wagner

 

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