Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

47 RONIN

28.01.2014 | FILM/TV

FilmPlakat 47 Ronin x

Ab 31. Jänner 2014 in den österreichischen Kinos
47 RONIN
USA  /  2013 
Regie: Carl Rinsch
Mit: Keanu Reeves, Rinko Kikuchi, Hiroyuki Sanada u.a.

Es gibt zweierlei fernöstliches Kino – die anspruchsvollen Filme, die thematisch und formal höchst komplex und nicht immer gänzlich zugänglich sind (der frühe Kurosawa und viele Nachkommen sind ein Beispiel dafür, und da spielen viele Geschichten auch hier und heute); und jenes herrliche Ausstattungskino, das die Chinesen, die Hongkong-Filmemacher, die Japaner und die Koreaner zu überwältigenden Schauereignissen mit viel Prunk, geheimnisvollen Ritualen, heldenhaften Aktionen, übersinnlichen Geschöpfen und allen sonstigen nötigen Ingredienzien servieren. Danach kann man schon süchtig werden.

Es hat schon manche Hollywood-Versuche gegeben, dergleichen nachzuahmen, das ist mal besser, mal schlechter gelungen. Oder, wie diesmal im Fall der 47 Ronin (eine ganz berühmte Legende über Vasallentreue im Japan des frühen 18. Jahrhunderts) sozusagen mittelmäßig. Es ist quasi ein Hybrid-Produkt, so wie Hauptfigur Kai ein Mischling ist, von einer japanischen Mutter und einem englischen Vater, das Halbblut-Waisenkind, das sich allein durch die Welt schlug, bis Lord Asano (Min Tanaka) sich des armen Kerls erbarmte. Der kennt, von japanischen Prinzipien geprägt, demütig seine eigene „Minderwertigkeit“ an, stellt sich bei allen hinten an – auch wenn er, etwa im Kampf mit einem Monsterdrachen, besser ist als alle anderen (die dann den Sieg für sich beanspruchen mögen…)

Als Reizname für westliche Kinobesucher bietet der Film Keanu Reeves in dieser Rolle, obwohl dessen große Zeit lange vorbei ist. (Dass er allerdings heuer 50 wird, sieht man ihm keinesfalls an, er geht noch als „mitteljunger Mann“ durch.) Reeves, der zuletzt mit den „Matrix“-Filmen so etwas wie Beachtung fand (auch schon ein Jahrzehnt zurück), hat hawaiianische und chinesische Vorfahren, bringt also das westlich-östliche „Mischlings“-Gesicht von selbst mit. Und weil er ja doch einen Mann in japanischen Welten spielt und entsprechend verhalten agieren muss (Gefühle rauslassen, das gibt es da nicht), wird ihm auch nichts Besonderes abgefordert. Immerhin, er ist präsent und überzeugend.

47 Ronin Keanu Reeves

Die 47 Ronin werden zum Opfer von magischen Kräften, denn da ist eine wunderbare Hexe, die als reizvolle, aber unverkennbar bösartige Dame (Rinko Kikuchi) ebenso erscheint wie als Schlange und die furchtbare Dinge tun kann: Etwa Lord Asano blind zu machen und so zu verwirren, dass er sich gegen einen anderen Adeligen wendet. Der Shogun Tsunayoshi (Cary-Hiroyuki Tagawa, recht unsympathisch) gibt „gnädigerweise“ die Erlaubnis, Seppuku zu begehen, sich also ins eigene Schwert zu stürzen (während man von einem Getreuen enthauptet wird), womit man zumindest die Ehre rettet.

Aber seine verbannten Getreuen, die 47 Samurai, zu denen sich auch Kai gesellt, können von ihrem Ehrenkodex aus nur Rache wollen: Sie werden, wie es die Tradition will, vogelfrei und „Ronins“. Wobei Kai – das nur nebenbei – die Tochter von Lord Asano (die sehr schöne Ko Shibasaki als Mira) liebt, die nun natürlich ausgerechnet jenen Lord Kira (Tadanobu Asano) heiraten soll, der in Verbindung mit den bösen Mächten ist, die ihm den Gegner auszuschalten halfen…

Es ist nun nicht Kai, sondern Oishi (Hiroyuki Sanada), der Getreueste von Lord Asanos Leuten (die nicht eben sonderlich profiliert werden, nur der eine oder andere tritt gelegentlich einen Schritt vor), der die Rache organisiert. Für die nunmehrigen Kämpfe sind dann die Special Effects stark gefragt, und dergleichen „kann“ man mittlerweile überall, also funktioniert das (und allerlei fliegt spektakulär durch die Lüfte). Und am Ende, beim Massen-Harakiri der treuen Ronin (sind sie jetzt wieder Samurai, weil sie so brav gerächt haben?), könnte man fast eine Träne verdrücken…

Dennoch, wie sich dieser von Carl Rinsch letztlich im Fantasy-Stil inszenierte Film von einem asiatischen Original unterscheidet, das möchte man klavierspielen können. Dann wäre man… Lang Lang?

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken