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300: RISE OF AN EMPIRE

03.03.2014 | FILM/TV

FilmPlakat 300 Teil 2  FilmPlakat 300 Teil 2 Persermaske rechts

Ab 7. März 2014 in den österreichischen Kinos
300: RISE OF AN EMPIRE
USA  /  2014 
Regie: Noam Murro
Mit: Sullivan Stapleton, Eva Green, Lena Headey u.a.

Der Geschichts-Nachhilfeunterricht geht weiter. So wie im ersten „300“ Film, sind wir mitten in den Perser-Kriegen. Eh schon wissen, 5. Jahrhundert vor Christus. Dass Spartaner-König Leonidas an den Thermophylen gescheitert ist, haben wir schon erlebt. Die Fortsetzung mit der stolzen Behauptung „300: Rise of an Empire“ (wir müssen englische Titel nicht mehr übersetzen, scheint es) verlegt den Kampf aufs Meer und bietet mit dem Athener Heerführer Themistocles einen neuen Helden. (Wer in der Geschichtsstunde je aufgepasst hat, muss die Namen noch irgendwo im Kopf haben –  ein sehr, sehr heroisches Zeitalter!!!) Übrigens: 300 sind es jetzt nicht mehr, aber was sich im ersten Film als erfolgsträchtig erwiesen hat, darf im zweiten natürlich noch als Signet winken: Man nennt das Marketing-Strategien…

„300“, damals vor sieben Jahren von Zack Snyder inszeniert, der nun im zweiten Film noch am Drehbuch mitgewirkt hat, hat als Comic Verfilmung allerlei Gelächter geerntet – die eindeutig am Computer nachgebesserten „Waschbrett-Bäuche“ der Superhelden und die exzessive Schlachtplatte, bei der das Blut nur so spritzte – möglichst in Zeitlupe. Dazu die Entschlossenheits-Miene von Gerard Butler als Leonidas: Aber über riesige Kasseneinnahmen lacht man nicht, da bastelt man besser an einer Fortsetzung. Die nun durchaus ihre Qualitäten hat, wenn auch der neue Regisseur Noam Murro formal ganz ähnlich verfuhr – die dunklen, sepia-leuchtenden Töne (3 D-Brille muss natürlich auf die Nase und dunkelt bekanntlich alles ab), das enorme Pathos der Schlachtszenen, aber auch schon, wenn man (in Vogelperspektive) den Aufmarsch (die Auffahrt?) der Flotten beobachten kann, sicherlich computergeneriert, aber Mache und Wirklichkeit sind ja mittlerweile kaum mehr zu unterscheiden. Kurz, auch der zweite „300“-Film tremoliert gewissermaßen, aber er wirkt kaum lächerlich, und das ist ein Kunststück für sich, bedenkt man, dass auch hier ein „Graphic Novel“ („Xerxes“ von Frank Miller) verfilmt wurde, die es ja grundsätzlich eher schlicht geben.

Die Überzeugungskraft des Gebotenen mag an der geschickten Dramaturgie liegen, die sich auch optisch einer simplen Zeige-Symbolik bedient: Die mit den nackten Oberkörpern, drahtig und stählern, sind die Griechen, die in schwarzem Leder mit Silberbeschlägen sind die Perser. Die einen gegen die anderen, das ist einfach und übersichtlich. Hier Themistocles in Gestalt von Sullivan Stapleton, der wahrlich kein Star ist wie Butler es auch vor sieben Jahren schon war, aber der 37jährige Australier – bisher mehr im Fernsehen als auf der Leinwand zu sehen – vermittelt das, was dieser „Führer“ der Griechen sein muss: Ein starker Mann mit Intelligenz. Wenn die feindliche Dame ihn in jeder Hinsicht herausfordert, gibt es auch Sex am nächstgelegenen Tisch, aber grundsätzlich lässt er sich von der großen Sache nicht ablenken: Nämlich den Angriff der drückend überlegenen Perser zurückzuschlagen…

Dass es auf persischer Seite eine Frau an der Spitze des Heeres gab, ist historisch verbürgt, diese Artemisisa gab es wirklich, an sich war sie eine Herrscherin, hier wird sie in Rückblenden als von den Griechen gedemütigtes Kind dargestellt, das voll von brennendem Haß auf ihre einstigen Peiniger erfüllt ist und sich dem Perserkönig zur Verfügung stellt.

300 Eva Green

Eine große Rolle für Eva Green, die als das Bond-Girl von Daniel Craig bekannt geworden ist. Sie belässt es nicht dabei, mit cleopatra-artig geschminkten Augen dämonisch dreinzusehen, sie strahlt tatsächlich eine von Innen kommende Power aus. Sie und Stapleton ergeben geradezu glühende Antagonisten, die den Film tragen.

Und das müssen sie als Persönlichkeiten auch, denn außer ihnen hat nur noch Königin Gorgo von Sparta in Gestalt der angenehm entschlossenen Lena Headey einiges zu vermelden (warum sie sich an der Einigkeit der Griechen nicht beteiligen will? Die Spartaner waren halt immer etwas stur!). Die anderen Darsteller bleiben am Rande – die griechischen Kämpfer erhalten nur bescheidene Möglichkeiten (am ehesten noch der 23jährige Jack O’Connell als Calisto, die wackere Jugend verkörpernd), Perserkönig Darius (Yigal Naor) stirbt ziemlich bald, Söhnchen Xerxes (Rodrigo Santoro) wandelt sich vom ganz normalen jungen Mann zum gepiercten, chice Ketten tragenden Tyrannen, wird aber vom Drehbuch ziemlich vergessen. Was angesichts der Stärke der Hauptfiguren nicht so viel ausmacht.

300 Schlacht

Ja, und das Gemetzel, das neben den diplomatischen Scharmützeln und dem Räsonieren der Krieger untereinander  dann doch einen Großteil des Films ausmacht. Das ist wieder ganz prächtig gefilmt, wenn man nicht gerade zart besaitet ist. Aber ein bißl Schlachten gehört bei historischen Streifen einfach dazu!

Renate Wagner

 

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