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ZWICKAU/ Robert Schumann-Haus: DANIEL JOHANNSEN MIT LIEDERN UM UND VON ROBERT SCHUMANN

17.09.2018 | Konzert/Liederabende

Zwickau/Robert Schumann-Haus: DANIEL JOHANNSEN MIT LIEDERN UM UND VON ROBERT SCHUMANN – 16.9.2018

Unter dem Titel „Erinnerungen“ lud das Robert-Schumann-Haus am Hauptmarkt in der südwestsächsischen Industrie- und Bergbaustadt Zwickau, wo Robert Schumann 1810 geboren wurde, zum Wiederbeginn der Konzertreihe „Schumann Plus“ nach der Sommerpause zu einem Liederabend bzw. –nachmittag mit dem österreichischen Tenor Daniel Johannsen ein, der 2004 Preisträger des Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerbes an diesem Haus war. Schon damals bestand der Wunsch, ihn zu einem Liederabend einzuladen, was jedoch erst jetzt realisiert werden konnte.

Schumanns Geburtshaus hat sich als eines der ältesten Musiker-Gedenkstätten Deutschlands nach Kriegszerstörung, Hochwasserschäden und Verfall zu einem modernen, sehr ansprechenden Museum mit zahlreichen Veranstaltungsangeboten entwickelt, zu denen auch die Sonntagsnachmittags-Konzerte mit erlesener Kammermusik gehören. Als besondere „Zutat“ fand vor dem Konzert die Eröffnung einer kleinen, feinen Ausstellung mit liebevoll zusammengetragenen Albumblättern von und für Robert Schumann statt, kleinen Aufmerksamkeiten des Familien- und Freundeskreises, ganz der Gefühlswelt der Romantik verhaftet und erläutert vom Leiter des Hauses.

Um seine Verbundenheit mit Schumann, dem Genius loki zum Ausdruck zu bringen, hatte Daniel Johannsen zusammen mit seiner Begleiterin am Flügel, Tatjana Dravenau, die 2016 als offizielle Begleiterin beim Robert-Schumann-Wettbewerb mitwirkte, eigens für diesen Auftritt ein spezielles Programm mit Liedern von Schumann, seinem bekannten (fast) Zeitgenossen Hugo Wolf, von dem acht Lieder („Der Musikant“, „Verschwiegene Liebe“, „Lieber alles“, „Nachtzauber“, „Erwartung“, „Der Soldat I“, „Der Soldat II“ und „Heimweh“) erklangen, aber auch unbekannten Komponisten wie Ernst Rudorff, einem Schüler Clara Schumanns, der mit einem Lied („Das Mädchen“ op. 2/4) vertreten war, sowie Komponisten der jüngeren Generation bis in die Gegenwart, deren Lieder in irgendeinem Zusammenhang mit Liedern von Robert Schumanns stehen, konzipiert. Zu ihnen gehören eine Komponisten-„Kollegin“, Ethel Smyth, deren Lied „Der verirrte Jäger“ überraschte, Hanns Eisler, aus dessen „Hollywood-Liederbuch“ das Lied „Erinnerungen an Eichendorff und Schumann“, das an das erste Lied aus Schumanns Eichendorff-Liederkreis anknüpft, zu hören war, Manfred Trojahn, der mit „Der Abend“ aus dem Zyklus „Nachtblumen“ vertreten war, sowie Othmar Schoeck mit seinem Lied „Abschied“.

Johannsen sang mit schöner, klarer Stimme, gesangstechnischer Souveränität, mühelosem Forte, aber auch sehr einfühlsamem, berührendem Piano und, dem Inhalt der Lieder entsprechender, Differenzierung. Er hatte das Wesen all dieser bekannten und auch unbekannten Lieder, die er zum Teil für sich und das Publikum neu entdeckt hatte, erfasst und brachte jedes einzelne Lied so einfühlsam zu Gehör, dass sich niemand dem Reiz auch der völlig unbekannten Lieder entziehen konnte.

Damit wurde einmal mehr deutlich, dass sehr viel von einer guten Interpretation abhängt, auch ob ein Lied oder größeres Werk beim Publikum ankommt oder nicht. So manches kompositorische Kleinod, das später weltberühmt wurde, ist vermutlich aus diesem Grund bei der Uraufführung durchgefallen oder geriet gar in Vergessenheit, so dass es erst jetzt wieder entdeckt werden kann.

Den Hauptteil des Konzertes bildete der „Liederkreis“ op. 39 von Robert Schumann, dem Genius loki, sein romantischster Liederzyklus mit zahlreichen Wald- und Naturszenen bis hin zur bekannten „Loreley“. Während im ersten Teil das Klavier in eher moderner Weise ein relatives „Eigenleben“ zu führen schien und eine gewisse Härte und vorrangige Lautstärke dem Charakter der Lieder nicht unbedingt entgegenkamen, fanden beide, Sänger und Pianistin bei diesem Liederkreis zu schöner Übereinstimmung und entsprechender Wiedergabe dieser Lieder voller Poesie und Romantik, ohne sentimental zu werden. Johannsen verstand es, mit seinem ausdrucksstarken Gesang, die Lieder dem Publikum sehr nahe zu bringen.

Als Zugabe wählte er, nachdem er mit einigen Worten auf die Bedeutung Othmar Schoecks, der im Hinblick auf seine Genialität gegenwärtig zu wenig beachtet wird, hingewiesen hatte, noch einmal ein Lied von ihm: „Nachruf“ und bot es sehr einfühlsam dar.

Ingrid Gerk

 

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