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ZÜRICH: TRISTAN UND ISOLDE- Kurzbericht

08.02.2015 | Oper

„Tristan und Isolde“ in Starbesetzung am Zürcher Opernhaus

Nach einer beeindruckenden „Norma“ mit der exzellenten Maria Agresta in der Titelrolle am Vorabend, gab es gestern an Zürcher Opernhaus die letzte Reprise einer „Tristan und Isolde“-Serie in der Inszenierung von Claus Guth aus der Spielzeit 2008/09. Mit Nina Stemme und Stephen Gould in Bestform wurde der Abend vor allem zu einem vokalen Ereignis. Während man bei Nina Stemme besonders im 1. Aufzug die Spur Ihrer Brünnhilden hörte und den ganzen Abend über ihre stimmliche Ausdruckskraft bei Meisterung auch aller Höhen dieser anspruchsvollen Partie bewundern konnte, setzte Stephen Gould mit einer stimmlich brillanten, facettenreichen und selbst im 3. Aufzug nicht die geringsten Ermüdungserscheinungen aufweisenden vokalen und darstellerischen Interpretation des Tristan neuere Maßstäbe. Sein Tenor ist mittlerweile viel heldischer geworden und besitzt neben einer beeindruckenden tenoralen Strahlkraft ein baritonales Fundament, das gerade die Tragik der Tristan-Figur äußerst glaubhaft untermauert. Solide Michelle Breedt als Brangäne und etwas rustikal eindimensional John Lundgren als Kurwenal. Einmal mehr bewies Matti Salminen mit seinem immer noch vollen Bass, wie elementar ein persönlichkeitsstarker König Marke im 2. Aufzug wirken kann. Besonders in der auf psychologische Aspekte setzenden Inszenierung von Claus Guth, die mit den häufigen Bildwechseln durch die Drehbühne geschickt die wechselnden Seelenlandschaften zeigte, kam das gut heraus.

Der Osloer GMD John Fiore begann mit dem Philharmonia Zürich zunächst unentschieden und ließ den 1. Aufzug viel zu laut werden. Im weiteren Verlauf stellte er dann aber eine gute Balance zwischen Graben und den großen Stimmen auf der Bühne her. Großer Jubel des Zürcher Publikums sowie standing ovations für Nina Stemme, die in gleicher Form auch Stephen Gould verdient hätte.

 Klaus Billand aus Zürich

 

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