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ZÜRICH/ Opernhaus: VERDI-GALA (3. Vorstellung seit der Premiere)

30.09.2020 | Oper international

Verdi-Gala, Opernhaus Zürich, Vorstellung: 29.09.2020

 (3. Vorstellung seit der Premiere am 22.09.2020)

 Für einmal hat das Marketing Recht

„Anstelle der ursprünglich geplanten Wiederaufnahme von I vespri siciliani wird nun ein Galakonzert mit Ausschnitten aus Werken Giuseppe Verdis stattfinden. Für dieses Konzert stehen einige der weltweit gefragtesten Verdi-Interpretinnen und Interpreten zur Verfügung. Am Pult der Philharmonia Zürich steht der Zürcher Generalmusikdirektor Fabio Luisi.“ wirbt die Internetseite des Opernhaus Zürich.

Und für einmal hat das Marketing Recht.


Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Die Gala beginnt mit zwei Nummern aus „I vespri siciliani“, der Ouverture und der Arie des Procida „O patria, o cara patria“. Bereits in der Ouverture lässt die Philharmonia Zürich unter ihrem Generalmusikdirektor Fabio Luisi aufhorchen. Schon lange nicht mehr hat man von der Philharmonia einen so hervorragenden Verdi gehört. Hier stimmt alles, sei es die Akuratesse der einzelnen Register, die Leidenschaft des Musizierens, die Tempi und die Lautstärke. Alexander Vinogradov macht bereits mit dem noch etwas unterkühlt vorgetragenen „O patria, o cara patria“ mächtig Eindruck.

Maria Agresta stellt sich dem Publikum an diesem Abend mit „Tu che la vanità“ aus Don Carlo vor. Während die Philharmonia perfekt die düstere, vielleicht bedrückende klösterliche Atmosphäre in Töne fasst, beeindruckt Agresta mit der ausserordentlich leidenschaftlichen Darstellung und den vielfältigen Farben ihrer prächtigen Stimme.

Quinn Kelsey, unterstützt von Ildo Song, beginnt den Abend mit „Il balen del suo sorriso“ aus „Il trovatore“. Dem Zürcher Publikum bereits bestens als Rigoletto bekannt, überzeugt er auch hier mit seinem kernigen Bariton und schier unendlichem Atem.

Bryan Hymel absolviert seinen ersten Auftritt mit „Quando le sere al placido“ aus Luisa Miller, So schön die Stimme ist, so leicht ihm die Höhen fallen, sein Vortrag leidet den ganzen Abend über dem Singen unter Überdruck. Die Stimme klingt flach und gepresst, auch wenn er auf der weit bis in den Zuschauerraum hinein gezogenen Bühne steht, so als ob er hinter der Bühne singen würde.

Nun folgen, absolut stilecht von Song und Kelsey vorgetragen, zwei Nummern aus Macbeth: „Studia il passo“ und „Perfidi! Al anglo“.

Höhepunkt vor der Pause ist das Duett „Io vengo domandar grazia alla mia regina“. Während die Philharmonia wieder die Atmosphäre zeichnet überzeugen Agresta und Hymel mit wunderbarem Verdi-Gesang.


Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Nach der Pause entführt die Gala den Zuhörer in die Gärten der Grimaldi ausserhalb Genuas ans Meer, wo gerade die Sonne aufgeht und Amelia auf die Ankunft Simon Boccanegras wartet. Mit welcher Farbenpracht lässt die Philharmonia die Situation vor dem Auge des Zuhörers entstehen. Mit der gleichen Vielfalt an Farben interpretiert Agresta in mustergültiger Weise das „Come in quest’ora bruna“. In „M’ardon le tempia“ stehen ihr Kelsey und Vinogradov in nichts nach und lassen das Blut in den Adern des Zuhörers stocken.

Vier Jahre vor Simon Boccanegra (Erstfassung) wurde Il trovatore uraufgeführt. Die Stretta „Di quella pira l’orrendo fuoco“ beschreibt Manricos Gefühle, als er davon eilt, um Leonora zu retten. Wenn nicht das Singen unter Überdruck wäre, wäre Hymels Interpretation ebenfalls als mustergültig zu beschreiben.

Das Terzett „Tace la notte!“, ebenfalls aus Il trovatore, schliesst den wahrhaft feierlichen Abend ab.

Weitere Aufführungen:

Fr. 02. Okt., 19.00; Di. 06. Okt., 19.30.

30.09.2020, Jan Krobot/Zürich

 

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