Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ZÜRICH/ Opernhaus: TOSCA – 4. Vorstellung der Wiederaufnahme. «Tosca, du lässt mich Gott vergessen!»

13.10.2021 | Oper international

Giacomo Puccini: Tosca • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 12.10.2021

 (4. Vorstellung • Wiederaufnahme am 03.10.2021)

 «Tosca, du lässt mich Gott vergessen!»

Puccini wirkt immer. Wenn er aber so wirkt, wie an diesem Abend, ist es eine Sternstunde der Oper.

zur
Foto © Monika Rittershaus

Robert Carsens Inszenierung der Tosca, in den 1990er-Jahren für die Vlaamse Opera entstanden und seither in verschiedenen europäischen Städten teilweise parallel gezeigt, basiert dem Motto «Come la Tosca in teatro» folgend darauf, dass sich für die Sängerin Floria Tosca die Grenzen von Leben und Theater verwischen. Das Publikum, ins Theater gekommen, um die Oper über die Opernsängerin Floria Tosca zu sehen, erlebt die Geschehnisse aus ihrer Sicht, in der sich die Grenzen von Leben und Theater auflösen. Sängerin sein ist für Tosca, die auch im wirklichen Leben nur noch in den Kategorien des Theaters denkt, ein Bewusstseinszustand. So ist nicht mehr klar, ob das Finale des ersten Akts Gottesdienst oder Opernszene, das Finale des dritten Akts ein Theaterstück oder das wahre Leben ist. In der Ausstattung Anthony Wards sind so Sant’Andrea della Valle, Scarpias Gemächer und die Plattform der Engelsburg immer auch Theaterbühne.

Die Philharmonia Zürich spielt unter Leitung von Paolo Carignani einen triumphalen Abend. Sie kann auftrumpfen, ohne dabei knallig oder plakativ zu werden, aber sie kann genauso gut zarteste Piani weben. Die vielen instrumentalen Soli sind von ausserordentlicher, lange Zeit nicht mehr gehörter Güte und der Klang samtig-satt, wie der Klang von Tosca Stimme. Daran, dass die Philharmonia Puccinis Partitur so himmlisch glühen lässt, hat Maestro Carignani grossen, grossen Anteil. Carignani hat die Philharmonia immer in einer in vielen Abenden, auch wenn sie schon länger zurückliegen, vertrauensvoll gewachsenen Souveränität im Griff. Er hat die Übersicht, kümmert sich um jedes Detail und motiviert die Musiker immer noch etwas mehr zu geben. Am Pult steht zwar ein Stuhl, aber von einem sitzenden Dirigat kann nicht wirklich die Rede sein. Carignani entwickelt ein leidenschaftliches Feuer und eine Intensität, die so mancher Dirigent auch im Stehen nicht erreicht. Carignani kommt, und das ist in Zürich wohl das grösstmögliche Kompliment, dem verstorbenen Nello Santi sehr, sehr nahe.

Sonya Yoncheva als Floria Tosca lässt das Publikum erneut in den Genuss einer mustergültigen Interpretation der Rolle kommen. Kleine Details, die sie anders als in der zweiten Vorstellung gestaltet, zeigen, wie souverän sie die Rolle beherrscht. Ihre Bühnenpräsenz verleiht der Rolle eine neue Dimension. Joseph Calleja als Mario Cavaradossi befindet sich weiter in grossartiger Form und kann seine Rolle dieses Mal freier und entspannter – und mit weniger Vibrato – gestalten. Thomas Johannes Mayer als Baron Scarpia bleibt weiterhin blass. Ihm fehlt die Souveränität und damit auch die notwendige Bühnenpräsenz. Stanislav Vorobyov als Cesare Angelotti, Valeriy Murga als Mesner, Martin Zysset als Spoletta, Ilya Altukhov als Sciarrone, Claire Schurter als Hirte und Benjamin Molonfalean als Un carceriere ergänzen das Ensemble.

Ernst Raffelsberger hat den Chor der Oper Zürich und den Kinderchor der Oper Zürich bestens präpariert, so dass im «Te Deum» keine Wünsche offenbleiben. Der Statistenverein am Opernhaus Zürich trägt wie immer zuverlässig seinen Teil zum Gelingen des Abends bei.

Weitere Aufführung: 17.10.2021, 20.00

13.10.2021, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken