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ZÜRICH/ Opernhaus: RECITAL JUAN DIEGO FLOREZ – Gekonnt ist gekonnt!

22.06.2016 | Konzert/Liederabende

Zürich: JUAN DIEGO FLOREZ – Recital im Opernhaus, 21.6. 2016 

Gekonnt ist gekonnt!   


Juan Diego Florez. Copyright: Barbara Zeininger

Einen Liederabend im eigentlichen Sinn, sondern ein abwechslungsreiches Lied- und Arie-Programm, hat uns der sympathische Peruaner Juan Diego Flórez dargeboten. Und dies tat er mit seiner ganzen Künstlerschaft, seiner unverbildeten Musikalität und direkten Kommunikation zum Publikum – und vor allem mit einer absolut über die zwanzig Jahre seiner nun schon dauernden Karriere intakt gebliebenen Stimme. Das ist doch höchst bemerkenswert, da Flórez 1996 mit seinem Einspringen in Pesaro in Rossinis „Mathilde di Shabran“ seinen Siegeszug um die Welt begonnen hatte. Die Stimme klingt, gut abgestützt und obertonreich, durch alle Register, die perfekt miteinander verblendet sind, bis in die direkt im Fokus attackierte Höhe, und die ohne den geringsten Wackel beherrscht wird. In den vier französisch gesungenen Liedern von Duparc hielt sich der Sänger noch etwas zurück, überzeugte aber mit einer Interpretation, der so nichts Selbstbezogenes anhaftete. Dann kam vor der Pause noch eine Mozart-Gruppe, wobei er  – nach der sauber gesungenen Konzert-Arie „Misero o sogno“ KV 431 – mit der Bildnis-Arie des Tamino in einem erstaunlich guten Deutsch überraschte. Mag der Mozart-Stil noch nicht seine Domäne sein, so sang Florez ohne Drücker und mit einer blitzsauberen Tongebung. Bei der Arie „D’ogni colpa“ aus der frühen „Betulia liberata“ kam er dann mit den langen Koloraturketten auf Touren, wenn man das so sagen darf. Alle Töne der Koloraturen waren wie auf einer Perlenschnur aneinandergereiht und mit Temperament und Engagement vorgetragen, So entliess uns der Sänger, der am Flügel vom erfahrenen Vincenzo Scalera höchst kompetent belgeitet wurde, in die Pause.

Florez.JuanDiego_2016©Kristin.Hoebermann
Juan Diego Florez. Copyright: Kristin Hoebermann

Im 2. Teil sang Florez dann mit feurig-mediterranem Engagement Lieder von Leoncavallo, Tosti und den Bolero von Rossini. Und flocht immer wieder seine brillant gesetzten Spitzentöne ein. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Sicherheit und Selbstverständlichkeit Flórez seine Technik beherrscht: Da ist alles abgesichert, man kann sich zurücklehnen und einfach dieser schlank geführten, apart timbrierten Stimme lauschen. Als „Markenzeichen“ sang Florez am Schluss des offiziellen Programms das Rondo des Grafen Almaviva „Non più resistere“ aus Rossinis Barbiere. Da funkelten die Koloraturen, mit einer fast übermütigen Launigkeit präsentierte der Sänger diese hoch virtuose Belcanto-Arie.

Doch nicht genug damit. Flórez ist ja bekannt für seine Grosszügigjeit bei den Zugaben, So riss er das Publikum förmlich hin mit „Lève-toi soleil“ aus Gounods „Roméo et Juliette“ und dann noch – quasi als Vorgeschmack für die nächste Saison am Opernhaus Zürich – den Werther mit „Pourquoi me réveiller“ – fabelhaft wie Flórez das singt und gestaltet. Das französische Fach dürfte für den Künstler wohl die Zukunft für seine gloriose Karriere vorgeben. Als Flórez dann mit der Gitarre erschien und einen Stuhl auf die Bühne schleppte, beschenkte er uns mit zwei mexikanischen und einem peruanischen Lied, wobei er sich selbst auf der Gitarre – übrigens äusserst gut – begleitete. Das waren ja seine Anfänge gewesen, als er noch als junger Mensch die Musik seiner Herkunft sang und spielte. Das „Cucurrucu“ ist ja auch ein zu Herzen gehender Song und wie Flórez mit Glottischlag auch ins Falsett wechselte, das war einfach gekonnt und einfach hinreissend.

Hier waren auch die Standing Ovations des begeisterten Publikums absolut berechtigt. Wir freuen uns auf weitere Auftritte von Juan Diego Flórez am Opernhaus Zürich!

John H. Mueller     

 

 

 

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