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ZÜRICH/ Opernhaus: MAURO PETER SINGT SEINE ERSTE WINTERREISE

Zürich: Mauro Peter singt seine erste WINTERREISE –  Opernhaus 19.6.2014

Grosses Versprechen für die Zukunft

Unbenannt
Mauro Peter. Foto: Programmheft/ Franziska Schrödinger

Mauro Peter, der junge Tenor aus Luzern, der in letzter Zeit bereits bei der Schubertiade und in Wien unter Nikolaus Harnoncourt Aufsehen erregt hat, präsentierte sich im Opernhaus Zürich  als Liedersänger und zwar mit Schuberts Gipfelwerk „Winterreise“. Das ist für einen  jungen Sänger ein gewaltiges Unternehmen, was der mit grosser Ausstrahlung gesegnete Sänger mit Bravour bestanden hat. Zwar stellt man sich für die Winterreise eher eine dunkel gefärbte Stimme vor, aber Mauro Peters Stimme hat soviel lyrischen Schmelz und Farben, dass man das dunkle Timbre eigentlich nur in der noch nicht ausgereiften Tiefe vermisste. Seine Stimme ist hervorragend durchgebildet und wird immer kontrolliert geführt. Dabei entgeht Mauro Peter der Gefahr, auf irgendeine Weise auch nur irgendwie künstlich zu wirken. Der Zyklus „schauerlicher“ Lieder wird von seiner Empfindung getragen, die sich unmittelbar im Farbenreichtum seiner Stimme widerspiegelt. Zu Beginn begreiflicherweise noch etwas nervös, kam Mauro Peter so ab dem fünften Lied richtig „hinein“ und konnte dann ganz im Werk aufgehen. Dann kam Mauro Peter schon höchst beachtliches sängerisches Können voll zur Geltung. Und schon gleich zu Beginn meisterte er die absteigenden Phrasen im ersten Lied „Fremd bin ich..“ in perfektem Legato. Dabei blieb der ganze Zyklus hindurch jedes Wort klar und verständlich. Wie schön, der junge Sänger braucht nicht zu Vokalverfärbungen Zuflucht zu nehmen, die gestandene Sänger mobilisieren müssen, um gewissen Klippen zu umschiffen.  So reihte sich ein Lied an das andere und der geniale von Schubert komponierte dramaturgische Zug durch den Zyklus von Wilhelm  Müller liess einen keine Sekunde in den Gedanken abschweifen. Dazu trug auch der über alle Massen hervorragende Du-Partner am Flügel, nämlich Helmut Deutsch bei. Nein, Helmut Deutsch „trug nicht bei“, sondern war dem jungen Sänger ein sensibler Begleiter als auch der unaufdringliche Führer des musikalischen Verkaufs. Fabelhaft, über welche Anschlagskultur Helmut Deutsch verfügt. Die Harmoniewechsel Schuberts, die einem oft den Atem anhalten liessen, beispielsweise im Lied „Auf dem Flusse“,  gerieten bei Helmut Deutsch‘s Interpretation wie vom höherer Stelle eingegeben und gar nicht in plakativer Weise vorgeführt. Besonders im 2. Teil der Winterreise, als sich Mauro Peter voll gefunden hatte, kam es zu absolut überwältigenden Musizier-Erlebnissen. – Hier soll nun nicht jedes einzelne der 24 Lieder besprochen werden. Aber es wäre doch ganz besonders das wirklich irre Lied „Im Dorfe“ zu nennen, wo dem Wanderer sich Sinn und Zweck des Lebens wie von selbst erschliesst, dem Mauro Peter eine ganz besonders schöne Farbe seines lyrischen Tenors verlieh. Der Sänger scheut sich auch nicht, mal auch zu einem ganz tonlosen Klang wie beim Lied „Die Krähe“ zu greifen, um dann gleich wieder im folgenden Lied „Der stürmische Morgen“ den tenoralen Glanz aufblühen zu lassen. Ganz schlicht und daher umso bewegender war das letzte Lied „Der Leiermann“, bei dem Mauro Peter nicht in veristischem Stil, sondern lyrisch verhallend, in symbiotisch musikalischer Übereinstimmung mit Helmut Deutsch, eine Tür zu anderen Dimensionen aufstiess. – Ein grosses Versprechen für die Zukunft. Und für die Riege der wenigen Sänger, die wirklich berufen sind, Lieder zu singen. Bravo!                                                                                                     

John H. Mueller

 

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