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ZÜRICH/ Opernhaus: LIEDERABEND STEPHEN COSTELLO – Ein Liederabend als Privatissimum

03.03.2022 | Konzert/Liederabende

Liederabend Stephen Costello • Opernhaus Zürich • 02.03.2022

Ein Liederabend als Privatissimum

Nach seinen Auftritten in Verdis «Messa da Requiem» im November und Dezember 2019 ist der amerikanische Tenor Stephen Costello für einen Liederabend ans Opernhaus Zürich zurückgekehrt. Am Klavier begleitete ihn Anthony Manoli.

Stephen Costello - Opéra national de Paris
Foto © Simon Pauly

Der erste Teil des Liederabends umfasste Barockkompositionen sowie die Vertonung dreier Sonette von Petrarca durch Franz Liszt (1811-1886). In «Caro mio bene» von Giuseppe Giordani (1751-1798) ist eine virile, frei strömende, leicht metallische Stimme zu hören. «Vergin, tutto amor» von Francesco Durante (1684-1755) ist von einer innigen Intensität geprägt auf. In «Nina» von Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736) sind blitzsaubere Höhen und ein flehender Unterton zu vernehmen, in «Per la gloria d’adorarvi» von Giovanni Battista Bononcini (1670-1747) eine heldische Attitüde. Bei den drei von Franz Liszt (1811-1886) vertonten Petrarca-Sonetten «Pace non trovo», «Benedetto sia‘l giorno» und «L‘ividi in terra» ändert sich die Stimme deutlich: die Aussprache wird immer verwaschener, die Passagen über der Mittellage klingen gequetscht und in den Höhen rutscht die Stimme in den Hals. Von Anfang an, und es wird bis zur letzten Zugabe so bleiben, ist der Sänger äusserst nervös und völlig verkrampft.

Im Repertoire des zweiten Teil des Liederabends, einer Opernarie von Gounod, vier englischsprachigen Liedern und drei Canzonen von Tosti fühlt sich Costello hörbar wohler. Die lyrischen Passagen in «Ah! lève-toi soleil!», der Arie des Roméo aus «Roméo et Juliette» von Charles Gounod 1818-1893) gelingen formidabel. Die Stimmprobleme aber bleiben auch im zweiten Teil: die Höhen bleiben kritisch, denn hier beginnt die Stimme an Körper und Kontur zu verlieren. Es folgen «Mother Machree» von Chauncy Olcott (1858-1932) und Ernest R. Ball (1878-1927), «I’ll Walk Besides You» von Alan Murray (1890–1952), «I’ll Take you Home Again, Kathleen» von Thomas Paine Westendorf (1848-1923) und «Danny Boy» von Fred Weatherly (1848-1929). Am besten gelingen Costello die Canzonen «Non t’amo più» «A Vuchella» und «Ideale» von Paolo Tosti (1846-1916).

Es ist absolut bewundernswert, wie Costello den Liederabend vor einer doch sehr intimen Zuschauerzahl gehalten hat. Mit drei Zugaben, «Core n’grato» von Salvatore Cardillo (1874-1947), «Amor ti vieta», Arie des Loris aus «Fedora» von Umberto Giordano (1867-1948) und «Dein ist mein ganzes Herz», Lied des Sou-Chong aus «Das Land des Lächelns» von Franz Lehár (1870-1948), hat er sich vom Zürcher Publikum verabschiedet.

02.03.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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