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ZÜRICH/ Opernhaus: IL TROVATORE (8. Vorstellung)

21.11.2021 | Oper international

Giuseppe Verdi: Il trovatore • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 20.11.2021

 (8. Vorstellung • Premiere am 24.10.2021)

 Von Schlaglichtern und linearen Erzählungen

züpe
Foto © Monika Rittershaus

Ein grosser Vorzug der Inszenierung der jungen Britin Adele Thomas ist, dass sie den Gegensatz zwischen den intimen Erzählungsszenen und den (Massen-)Szenen, die die Handlung vorantreiben, deutlich herausarbeitet. Damit gelingt es ihr bestens die Mär vom schlechten Libretto zu widerlegen. Aus unerfindlichen Gründen sind die einschlägigen Quellen nicht bereit, die Materialien zur Kenntnis zunehmen, die eindeutig besagen, dass es Verdi nicht primär darum ging, eine lineare Geschichte zu erzählen, sondern darum Schlaglichter auf die für ihn interessanten Situationen zu werfen. Es geht also nicht darum, wie wahrscheinlich es ist, ob die Mutter ihren eigenen Sohn ins Feuer wirft, sondern darum, was sie, wenn dies in einem psychischen Ausnahmezustand geschehen ist, fühlt. Da ist es dann nur eine Etikettenfrage, ob Azucena als Zigeunerin oder Hexe gesehen: das Entscheidende ist das Ausgestossensein der Figur, die Position am Rand oder ausserhalb der Gesellschaft, und das bleibt auch, wenn die Zigeunerin aus übertriebener Political Correctness zur Hexe wird. Die Ausstattung von Annemarie Woods, englisch schräg, hinterlässt, auch wenn das hochzufahrende Mittelteil der sich über die ganze Breite der Bühne erstreckenden Treppe an diesem Abend nicht benutzt wird, immer noch einen ausgesprochen stimmigen Eindruck. Ganz wesentlich trägt dazu die Beleuchtung von Franck Evin bei.

Der von Janko Kastelic einstudierte Chor der Oper Zürich begeistert mit wunderbar sattem Klang und grosser Textverständlichkeit. Es ist herrlich mitanzusehen, wie die Choristen die Möglichkeit einmal «richtig» spielen zu dürfen, geniessen. Das Tanzensemble (Francesco Guglielmino, Manuel von Arx, Martin Durrmann, Tomasz Robak und Steven Forster; Choreografie Emma Woods) agiert mit der gleichen Spielfreude.

Einmal mehr spielt die Philharmonia Zürich unter Gianandrea Noseda einen schlicht traumhaften Verdi. Im Graben herrscht eine gute, hochkonzentrierte Stimmung, befeuert durch das gleichermassen umsichtige wie spannungsgeladene Dirigat Nosedas. Noseda zeigt eine sehr körperbetonte, aber nie übertriebene Schlagtechnik, die immer wieder auch den Zuschauer erkennen lässt, was er vom Orchester möchte.

Quinn Kelsey gibt mit gut geführtem Bariton den Conte di Luna. In «Il balen del suo sorriso» lässt die Stimme leider kurz Ermüdungserscheinungen hören. Eine bessere Leonora als Marina Rebeka dürfte im Moment kaum zu finden sein. Sie interpretiert die Rolle mit absoluter Souveränität und perfekt geführter Stimme. Die Verliebte in «Tacea la notte placida» gelingt ihr gleichermassen glaubwürdig wie die sentimentale Erinnerung in «D’amor sull’ali rosee». Agnieszka Rehlis leiht der Azucena ihren prächtigen, mächtigen Mezzo und macht die Interpretation zum Ereignis. Mit unendlichem Atem singt Piotr Beczała den Manrico. Robert Pomakov als Ferrando, Bożena Bujnicka als Ines, Andrei Skliarenko als Ruiz und Un messo und Piotr Lempa als Un vecchio zingaro eregänzen das vom Publikum heftig beklatschte Ensemble.

Erneut ein perfekter Verdi-Abend!

Letzte Aufführung in dieser Saison: Fr. 26. Nov., 19.00.

21.11.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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