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ZÜRICH/ Opernhaus: EINE FRAU, DIE WEISS, WAS SIE WILL von Oscar Straus. Gastspiel der Komischen Oper Berlin

Eine Hommage an Fritzi Massary

28.04.2019 | Operette/Musical

Wer ist nun Frau und wer ist Mann? Mit Dagmar Manzel und Max Hopp. Copyright: Iko Freese_drama-berlin.jpg

Opernhaus Zürich: Gastspiel der Komischen Oper Berlin mit EINE FRAU, DIE WEISS, WAS SIE WILL von Oscar Straus – 27.4.2019  

Eine Hommage an Fritzi Massary

Wer kennt nicht „Jede Frau hat irgendeine Sehnsucht“ oder „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ mit der legendären Fritzi Massary (1882 – 1969) in historischen Plattenaufnahmen? Hier nun, in einem einmaligen Gastspiel der Komischen Oper Berlin – Intendant Andreas Homoki sei Dank! – sang diese beiden Ohrwürmer Dagmar Manzel – und wie! Diese Künstlerin, Komödiantin, Sängerin, Diseuse und was immer – hat das, was eine Fritzi Massary gehabt haben muss. Diese unterschwellige Erotik, die nie ordinär wirkt, diese Ironie, der doppele Boden, dazu eine fabelhaft saubere Intonation und eine messerscharfe Diktion – all das brachte die unvergleichliche Dagmar Manzel auf die Bühne. Ihr zur Seite war Max Hopp als gleichwertiger Partner: Da durfte man sicher auch an Max Pallenberg denken, mit dem die Massary seinerzeit dieses einzigartige Duo bildete. Max Hopp sang, spielte und verwandelte sich in meisterhafter Manier von einer Figur in die andere. Einmal sah er aus wie Harald Juhnke, dann wieder wie Groucho Marx und dann wieder wie Manon Cavallinis Tochter Lucy.

In einem Arrangement im Sinne der Absicht der Autoren Oscar Straus und Alfred Grünwald, der die bitter ironisch-erotischen Texte schrieb, komprimierten Regisseur Barrie Kosky und Dirigent Adam Benzwi die aufwändige Revue-Operette zur Musikalischen Komödie. Ein einfaches Bühnenbild: eine Wand mit zwei Appliken, dazwischen die Pendeltüre, die ihren Dienst für die vielen schnellen Auftrittsmöglichkeiten bot. Es geht eben auch ganz einfach, ohne pompöses Bühnenbild, nicht wahr?

Die zahlreichen Rollen wurden auf die zwei Hauptdarsteller aufgeteilt – und das war ein Spass sondergleichen! In rasend schnellem Tempo, eben so, wie sich Szene um Szene aneinanderreihte, erfolgte mit dem Kostümwechsel auch die Verwandlung in eine andere Person, auch über die Geschlechtergrenzen hinweg. Als ruhender Punkt blieb natürlich die Manon Cavallini in der Darstellung der vorzüglichen Dagmar Manzel, mit ihr wurde die von den Autoren geschaffene Hommage an Fritz Massary überhaupt erst möglich. Diese Operette war dann auch der letzte Triumph der Massary in Berlin 1932, bis dann auch sie mit vielen andern jüdischen Künstlern, die von den Nazis vertrieben oder gar ermordet wurden, und mit ihnen diese Epoche der umwälzenden Kultur ausgelöscht wurde, in die USA emigrierte.  

Das Orchester der Komischen Oper spielt engagiert, jazzig und brillant, und unterstützte die mit Mikrofon verstärkten beiden Solisten, die eine wahre Tour de Force absolvierten. Dies taten sie mit Leichtigkeit und „Witz und Laune“, sodass sie das animierte Publikum mit donnerndem Applaus kaum gehen lassen wollte. Es fehlte auch nicht an witzigen Anspielungen an die hiesigen Verhältnisse, so trat auch ganz kurz Max Hopp als Cecilia Bartoli auf! Die vielen Einfälle und Gags, die jedoch nie zu Klamauk verkamen, hielten sich die Waage mit den lyrischen, zu Herzen gehenden Stellen.

Und so kamen einem bei dieser perfekten Mixtur die 90 Minuten Spieldauer wie knappe fünf Minuten vor: bitte wiederkommen!

John H. Mueller

 

 

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